Gender: Male
Status: Single
Age: 47
Sign: Cancer
City: Schaffhausen
State: Schaffhausen
Country: CH
Signup Date: 6/25/2006
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Thursday, September 24, 2009
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Current mood:gummiselig
Beatles? Ein Brotaufstrich? Eine Sirupmarke? Das Tamil-Wort für Laubsäge? Mitnichten. Die Beatles waren eine Band, und nicht die schlechteste. Bei Kaffee und Kuchen trafen sich Connaisseur (Tom Krailing) und Haderer (der Schreiber) und klatschten über «Rubber Soul».
Ein föhniger Sonntagnachmittag im Altweibersommer, offene Fenster, Kinderkieksen, Brunnenplätschern. Es klopft an der Tür. Tom Krailing, diverse «Rubber Soul»-Editionen und Sekundärliteratur unterm Arm, stürmt in die sonnendurchflutete Besenkammer des protokollierenden Gastgebers.
Jürg Odermatt (JO): Beatles, Sonnenschein, Kaffee und Kuchen. Prima, oder? Würden wir über Velvet Underground reden, müsste es morgens um halb vier sein. Wir sässen auf einem speckigen Sofa in einem schimmligen Backstage...
TK: ...und würden freebasen statt Sachertorte essen.
JO: Obwohl: John Lennon nannte «Rubber Soul» ein Pot-Album.
TK: Das versteh ich jetzt nicht. Bochum? Gelsenkirchen? Dortmund? Schalke? Die Beatles hatten doch eher so ne Hamburg-Connection...
JO: ...nee, du Hirni. Pot, Marihuana.
TK: Oh. Ich und ich kapiere.
Alsbald läuft «Drive My Car» über JOs Hi-End-Equipment. In der neu aufgeräumten Version, allerdings kurzerhand auf dem virtuellen Graumarkt organisiert.
JO: 36:00 Minuten Spielzeit. Das nenn ich ein schlankes Album. Klassisch! Klassischer Opener auch. Der Titel soll ja ne Bluesfloskel sein und drum irgendwas mit Körpersäftetausch zu tun haben.
TK (dozierend): Nun, «Rubber Soul», tönt wie «Rubber Sole», Gummisohle, see?! Der britische Wortspielzwang. (Mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht): Hier, diese digital aufgebrezelte Rassel. Völlig übertrieben – das tut weh! Apropos schlankes Album: Die Band musste sich beim Aufnehmen sputen, die Platte sollte pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 1965 auf dem Markt sein. Ab dem 12. Oktober hatten sie innerhalb eines Monats alles im Kasten. Die Nummer «Wait», einen Outtake vom «Help!»-Album, packte man kurzerhand mit drauf, um «Rubber Soul» voll zu machen. Am 3. Dezember war Release. Chakalaka! (nimmt ein Gäbelchen Sachertorte).
JO (verschlagen): Ja, ja, ja. Beatlemania. Du hast hier auch die US-Version mit dem golden-braunen Lettering und einer seltsamen Zusammenstellung der Tracks: Da fehlen «Drive My Car», «Nowhere Man», «What Goes On» und «I’m Looking Through You». Dafür hats so Zeugs von «Help!» drauf.
TK: «It’s Only Love» und «I’ve Just Seen A Face». Genau. Wohl der Versuch, die Beatles in den Staaten als Folkrock-Band zu positionieren. The Byrds, der neu elektrifizierte Dylan und so, das war damals der heisse Scheiss der Saison auf der anderen Seite des Atlantiks.
JO: Das machte ja eine völlig andere Platte. Der Markt, die Hur!
TK: In der Tat. Krass, aber so wurde es gemacht.
JO: Zurück zur klassischen Version. «Rubber Soul» also. Ein ziemlich flaues Album. Das der LOOP-Boss mir schmackhaft zu machen versuchte mit dem Argument, ich sei ja ein Soulexperte. Abgesehen vom Albumtitel gibts da aber wenig zu holen. Wenn schon, ist «Revolver» das Soulalbum der Beatles.
TK: Exakt! «Got To Get You Into My Life»!
JO: «Taxman»!
TK: Dass es dieser Song nicht in die «Rolling Stone»-Charts der besten 100 Beatles-Songs geschafft hat, ist unfassbar.
JO: Yup. Wie würdest du «Rubber Soul» im Beatlesschen Gesamtoeuvre denn einordnen?
TK (erneut dozierend): Es ist eindeutig ein Übergangsalbum und steht zwischen den frühen Sachen...
JO: ...diesem «Love, Love, Yeah, Yeah»-Zeugs?...
TK: ...genau, und den späteren, komplexeren Songs, den sophisticateteren Texten, den Studioexperimenten. Auf «Rubber Soul» gings damit los. Die Sitar hier in «Norwegian Wood», oder das mit halber Geschwindigkeit aufgenommene Klavier von George Martin in «In My Life», das beim Abspielen im Normaltempo hochgepitcht wird und so einen Barock-Appeal kriegt. Verzerrte Bässe. Schwer komprimierte Klaviere. Allerhand Perkussion. Ringo verwendet auch mal ne Streichholzschachtel als Shaker. Ausserdem ist «Rubber Soul» ein frühes «richtiges» Album, also mehr als eine Sammlung von Singles.
JO (nörgelnd): Obwohl sie in derselben Session «Day Tripper» und «We Can Work It Out» aufnahmen, die dann als Doppel-A-Seite-Single herauskamen... Eigenartige Veröffentlichungspolitik. Na ja, wie heute eigentlich. Hits! Hits! Hits! Wären die beiden Tracks auf dem Album gelandet – statt «Nowhere Man» und «What Goes On» oder «I’m Looking Through You» – wäre «Rubber Soul» ja ziemlich gut geworden.
TK: «Norwegian Wood» soll auf eine Affäre Lennons mit Sonny Drane, der Frau des Cover-Fotografen Robert Freeman anspielen, sie war ein Model und 1964 auch im – allerersten – Pirelli-Kalender drin. Halt krass verschlüsselt und alles, Lennon war ja verheiratet und ein echter Paranoiker. Pikant, ist es nicht?
JO: «I once had a girl, or should I say, she once had me» – damit nen Song zu beginnen, ist auch nicht ohne.
JO und TK rühren schweigend im Kaffee. «You Won’t See Me». Brunnengeplätscher.
JO: Mann, «Nowhere Man» geht mir echt auf den Geist. Dämliche Melodie. Überhaupt, mein Freund und Copperstinger, ich muss es wieder mal loswerden, sind die Beatles eine grob überschätzte Band. Sie, nun ja, berühren mich nicht. Ich kann sehen und hören: Ja ja, gute Melodien, schöne Harmonien, ein Bass, der nicht immer den Grundton spielt, die gegenläufigen Bewegungen von Gesangs- und Instrumentallinien und ein Schlagzeuger mit komischen Ideen, die noch gut sind. Aber da schwingt so eine Streber-Attitüde mit: Schaut mal, wie genial ich gestern grad wieder war... Und apropos Soul: Grooven tut das ja nun nicht gerade. Ist eher «Wooden Soul» (lacht leicht hysterisch und verschluckt sich an seinem Stück Sachertorte).
TK (versonnen): Ich ahne, was du sagen willst, alter Teufelsadvokat. Und dass man etwa die Kinks über all dem Beatles-Hype völlig vernachlässigt, geht natürlich gar nicht. Andererseits ist es schon unglaublich, was diese Band für eine Entwicklung durchmachte von 1962 bis 1969. Dieses Vorwärtsstürzen, diese Lust am Experimentieren, am Blödeln, am Alles-Verwursten und In-eine-schlanke-Form-Zwingen. Da kam enorm viel gutes Material zusammen. Ausserdem waren die noch keine 30, als sie sich auflösten.
JO: Stimmt. Fuck. Mein Lieblingsalbum früher war übrigens das blaue (lacht verzagt).
TK: Mein Vater hatte das auf Tape im Auto, das rote auch. Neben Fats Domino und einer K-Tel-Kompilation von Elvis. So kam ich auf den Geschmack.
JO: Was hältst du denn von dieser neuen Edition? Ringo findet sie ja gut, weil das Schlagzeug jetzt lauter sei (lacht, dass der Kaffee überschwappt). Tom Etter schwört ebenfalls darauf. Ich glaube, er hat «Yellow Submarine» gekauft...
TK: Die Idee ist super und überfällig. Da passierte ja lang gar nichts. Eigentlich unfassbar.
JO (im Kirschnebel): Vielleicht wollte Jacko das nicht...
TK (unbeirrt): Wenn nun die Originale digital entstaubt werden und etwas mehr Dynamik in die Aufnahmen kommt, ist das schlichterdings prima, ausserdem sind diese Neueditionen – im Gegensatz zu den ersten Beatles-CD-Releases – wirklich sehr liebevoll aufgemacht. Shaker und Rasseln sind für meinen Geschmack etwas zu penetrant jetzt. Das ist aber ein Detail. Ob die Songs so mehr Sex haben, ist nochmals eine andere Frage. Aber hey: Wer «die Originale» will, kann sich nach wie vor das Vinyl auflegen.
JO: Word! Auch wenn die Nadeln am iPod von eher minderer Qualität sind. Shit, «The Word» ist zwar ne Hippiehymne, aber die groovt ja tatsächlich ganz ordentlich. Ne «Taxman»-Blaupause. Und jetzt: «Michelle». Ist zwar unglaublich cheesy, aber auch ein unglaublicher Ohrwurm. Wusstest du, dass die «I love you, I love you, I love you»-Passage von Nina Simone geklaut ist?
TK: Très bien! Ja, in ihrem Cover von «I Put A Spell On You» machte sie was Ähnliches, und John schlug Paul vor, das einzubauen, aber die Betonung von «you» auf «love» zu verschieben.
JO: Nina Simone! DAS ist richtig gut! (giesst Kaffee in den Kirsch nach). Ich mag ja Ringo, aber als Singer/Songwriter nur bedingt. «What Goes On» tönt genau so, wie wenn ne Garagenband im Proberaum kifft und einer in die Dröhnung hinein sagt: «Hey, ich hab grad ne crazy Idee: Lasst uns so tun, als wärn wir ne Countryband.»
TK: File under «typisch britischer Humor». Wobei Ringo selbst zugibt, dass er zu dem Song ungefähr fünf Wörter beigetragen hat...
JO (grinst mit schokogussverschmiertem Mund): Ringo ist ein cooler Scheisser. Hast du eigentlich mal was von den Beatles gecovert?
TK: Im Vergleich zu all den Dylan- und Neil-Young-Covers nur sehr sporadisch. Ich wagte mich ein paarmal an «Eleanor Rigby». Und mit Buffalo Ballet spielten wir eine Weile lang «Happiness Is A Warm Gun», bis einer der Züris mal ausrief, das sei also ne ziemliche Scheissversion. Aber solo und akustisch sind Beatles-Sachen echt schwierig zu spielen.
Auf dem Platz unten Pärchen beim Sonntagsspaziergang. Die einen schieben Kinderwagen mit Doppeldiffusor. Halbwüchsige mit Budget-Energydrinks in der Hand hören Electroschraddel aus Handyspeakern. Lennon saugt dieweil Luft ein, bevor er «Girl» singt.
JO (leise): Schöne Nummer eigentlich. «She's the kind of girl you want so much it makes you sorry. Still you don't regret a single day.» Uh. Verdammt schöne Nummer sogar. Shit.
TK (besänftigend, weise): Lass es zu, mein Freund. Die kriegen jeden weich. Sie lachten sich natürlich schlapp, weil sie es schafften, die «Tit-tit-tit-tit»-Chöre an George Martin vorbei auf die Platte zu schmuggeln. Lennon sagte viel später, dass «Woman» so etwas wie eine erwachsene Version von «Girl» sei.
Leise wabert der Dunst von Kirschwasser. Brunnen- und Gesprächsgeplätscher haben sich längst vermischt. Sachertortenreste. Kaffeesatz. Zwei Nirgendwomänner. Ein Tisch.
TK (sich aufraffend, noch einmal dozierend, forsch): Ab «Rubber Soul» begannen Lennon und McCartney verstärkt, je für sich zu komponieren. Nach wie vor gabs aber ihr Ideen-Pingpong. Wusstest du, dass oft der Mittelteil eines Songs – die Beatles reden jeweils von Mid Eight – vom Gegenpart geschrieben wurde? Wusstest du fürderhin, dass sich Lennon/McCartney nur bei zwei Songs im Nachhinein darüber stritten, wer welchen Anteil daran hatte? Einer läuft gerade: «In My Life» – neben «Norwegian Wood» mein Favorit auf «Rubber Soul».
JO: Ja. Kann ich verstehen. Im «Playboy»-Interview sagte Lennon, dass McCartneys Beitrag der Mittelachter und seine zweite Stimme seien...
TK: ...während McCartney behauptet, er hätte in Johns Haus an dessen Mellotron die ganze Melodie zu Lennons Textidee erfunden, indem er sich von Smokey Robinson inspirieren liess, du weisst schon: «You’ve Really Got A Hold On Me», «Tears Of A Clown» und so. «Geh und trink ne Tasse Tee oder sonst was. Lass mich damit zehn Minuten allein, und ich mach es», soll er zu John gesagt haben...
JO (etwas Milchschaum vor dem Mund): ...verstehst du jetzt, was ich meine, wenn ich von Strebern rede, die ihre Genialität ausstellen? Und hör dir diesen Musikwissenschaftlerschwurbel zu «In My Life» an (zitierend): «Seine kantige Vertikalität, die eine ganze Oktave in typischen weiten – und schwierigen – Sprüngen umfasst, trägt mit Sicherheit eher McCartneys Handschrift als die Lennons, obwohl das Stück perfekt zu dessen Stimme passt.» Alter, wen interessiert kantige Vertikalität? Das sind doch Popsongs. Wen interessiert der Mittelachter? Wengelwengel. Ein Akkord. Alles gut. Ein zweiter, alles perfekt. Schwierige Sprünge? Wovon redet er? Vom dreifachen Salchow? Fuck.
TK (sanft): Für die Musikwissenschaftler und ihr Geseier können die Beatles nix, Amigo.
«Wait» läuft durch. Wie der Kirsch durch die zunehmend trockenen Kehlen.
JO: Gott, Harrison hatte es damals schon erwischt, die Melodie von «If I Needed Someone» tönt ja wie direkt aus dem Shankar-Workshop. Auch ohne Sitar.
TK: War aber offensichtlich von den Byrds entlehnt. Die 12-Saitige, die Harmonien und alles. Harrison schickte Roger McGuinn eine Aufnahme auf Tape, noch bevor «Rubber Soul» erschien. Das sagt einiges. Ausserdem war «If I Needed Someone» der einzige Harrison-Song, den die Beatles je live spielten.
JO: Was du alles weisst, Muchacho.
TK: Da staunst du. Und ich weiss noch mehr: Die Eingangszeile zu «Run For Your Life», dem letzten Track auf «Rubber Soul», klaute Lennon – der seinen Song später hasste – aus Elvis Presleys «Baby, Let’s Play House».
JO (mit glasigen Augen): Ich staune. Der King. Sowas von visionär. Damals gabs doch noch gar keinen House. Frankie Knuckles war ja eben erst geboren.
TK (um seine Contenance ringend): Mh. Ahh. Tzz. Uu.
JO (jäh verschmitzt): Ha. Gotcha. Ich weiss zwar nicht, welche Farbe Lennons Unterhose am Tag hatte, als sie den Song aufnahmen. Wahrscheinlich war sie gelb, haha. Aber die Nummer «Baby, Let’s Play House» schrieb der aus Nashville stammende Bluesgitarrist Arthur Gunter und brachte sie 1954 auf «Excello» heraus. Er durfte zwar Presley nie die Hand schütteln, aber er bekam einen Tantiemen-Check über 6500 Dollar. Immerhin.
TK: Na denn Prost!
JO: Ja.
Der Vorhang fällt.
Erschienen in: LOOP Okt. 09
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Friday, August 21, 2009
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Hunde. Und ihre Kackwürste. Allüberall. Hunde, in verschiedensten Ausführungen – Hunde: tiefgelegt, Irmscher-getunt, chromstahlglänzende Todesenegel. Hitze über dem Ödland, erbarmungslos. Ich und ich im wirklichen Leben. – Es fiel R.B. schwer, das Denken. Hemingway dürfte sich ähnlich gefühlt haben, damals, fast an der Front, im Spanischen Bürgerkrieg. Vor ein paar Tagen hatte der Chef, ihn, R.B., nach der gemeinsamen Lachyoga-Stunde über Mittag, unter der Dusche beiseite genommen: «Die Zeiten sind schwer, R.B., und unser Blatt ist dünn und dünner», hatte N.N. gegen die zischenden Düsen angenuschelt, seinen mächtigen Körper einseifend. «Gar selten gibts Weltnews aus unserem Kanton. Immer nur Puuremärkt, Steuerhölle, Erektionen aus Pappmaché. Aber jetzt. Endlich: Fleisch und Blut. Mord und Totschlag. Wille und Wahn. Sogar: Ausland. Diese Zitrone, R.B., gilt es zu pressen, und DU bist mein Mann an der Front!» Jäh schoss Blut ihm, adrenalingesättigt, zu Kopf. R.B. spürte: Da war sie. Die Chance. Endlich. Recherchieren im Feld. Hart. Dafür hatte er die ganze Plackerei auf sich genommen. Weiter wankte er über verbrannte Erde, Schweiss lief ihm in die Augen. Hatte es einen Sinn? Abfall und Kackwürste. Niemand will mit mir reden hier, mein Spanisch ist scheisse, wie fülle ich schon wieder zwei Seiten, 15 000 Zeichen, einfach so? Golden Retriever, Dobermann, Cockerspaniel, Grüner Halsbandsittich – mittlerweile kenne ich fast alle Hundemarken. Immerhin. Und wenn ich bei Flaco in der Bar drüben noch ne Flasche Rioja bestell, krieg ich sicher drei Zeilen O-Ton. Tiefer, ich muss tiefer gehen. Pulitzer-Preis, Pulitzer-Preis. Oh, wieder ne SMS vom Chef. Er fordert immer mehr. Will die ganze Geschichte. Denkt nur in Sequels: Wo die Schweinegrippe wirklich herkommt – heisse Spur nach Valencia. Darum is(s)t er so schnell – Usain Bolt verrät: «Erich S. gab mir den Tipp mit den Yamswurzeln.» Shit, mitm Flipflop voll in die Kackwurst. Zu heiss hier. Alles ein Flimmern. Es reicht. Es muss. Ich fahr zurück, in die Stadt, schön duschen im Hotel, dann ab an den Strand. Ahh, Valencia! Später in der Avenida de Neptuno lecker Paella essen, dazu ein leichter Weisser. Living is easy. Alles auf Spesen. Wenn ich mir noch ein paar Schlatter-Mails schnorre und einbaue, wird das eine richtig schöne Geschichte.
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Monday, June 01, 2009
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Current mood:  devious
«I am Satan», sagte der Mann. Er war alt, schmächtig, schwarz und grauhaarig. Satan rannte im Greyhound-Bus auf und ab. Ich hätte ihn gern gefragt, ob er auch die Abfallhaie erfunden hat. Jene Behältnisse, die sich jeglichem zu Entsorgenden über der Grösse eines Trident-Kaugummi-Papierchens gleichsam schmallippig und chromstahlhart widersetzen – gegen ihren ureigentlichen Zweck und dank einem wahrlich teuflisch ausgedachten Bauplan. Aber mein Maul war voll Nacho-Chips. Satan hob derweil im Busgang die Arme über den Kopf. Der Fahrer liess einen Rüffel ins Bord-Mikrofon gleiten («MmmKkrmplssitdwnKKrrschzwükkK!») und lenkte sein Gefährt weiter durch die Feuchtgebiete Louisianas. «I am Satan», sagte der Mann zum zweiten Mal. Mein Sitznachbar erklärte mir, was es mit dem Begriff «Cajun Treatment» auf sich hat. «Früher» habe man unliebsame Zeitgenossen mit flachen Booten tief in die sumpfigen Wälder gefahren und dort an einem Baum festgebunden. Die Fauna des Südens habe dann «den Rest» erledigt. SO geht effiziente Entsorgung – Süsswasseralligatoren statt Abfallhaie! Unter Berücksichtigung natürlicher Zyklen im sensiblen Ökosystem «Sumpf». Da dürfte sogar Barbara Gehring ihren Daumen nach oben drehen (vorausgesetzt natürlich, man verwendet keine Schnüre auf Polyäthylenbasis zum Montieren der Unfolgsamen). «I am Satan», sagte der kleine Mann zum dritten Mal. Die meisten Passagiere schauten mittlerweile zum Fenster hinaus und versuchten, sich nicht an jenen Kanadier zu erinnern, der neulich im Greyhound seinen Sitznachbarn geköpft hatte. Nur einer kletterte mit roten Backen aus dem hinteren Teil des Busses nach vorn, klopfte Satan auf die Schultern und sagte: «Hello, I am Adrian Sieber von den Lovebugs. Ich lebe gerade meine verfrühte Midlife-Crisis aus. Nach dem Versuch, so zu tun, als würde ich mit einem ironischen Augenzwinkern beim Eurovision Song Contest mitmachen, hatte ich eine weitere Weltidee: Ich will meinen Out-of-Bed-Look künftig noch authentischer rüberbringen. Also lese ich ein bisschen Kerouac, drifte durch die Staaten und lasse meine Seele im fuckin' Geburtsland des Rock’n’Roll baumeln, y’know.» Da hatten sich zwei Nervensägen gefunden! An der nächsten Kreuzung, kurz vor Baton Rouge, liess sie der Chauffeur raus. Adi wollte Satan besagte Seele verkaufen – doch da war ja schon lange nichts mehr.
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Monday, March 09, 2009
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Current mood:dickschnabelnonnig
Category: Pets and Animals
Und morgens pfeift die Amsel wieder ihr Lied. Das ist gut. Fast hatte ichs vergessen. Die Bambusflöte greif ich, kauere im Kaftan im Kniesitz der Achtsamkeit vor dem offenen Fenster und folge den sich unendlichem Blau entgegenrankenden Tonkaskaden aus Morgendank und Freude am Dasein. Unsere Melodien treffen sich für Momente, reiben sich, umgarnen sich zärtlich wie die Helixen der DNA – ein Lebensborn aus Musik. Kühl und klar ist die Luft, Myriaden Moleküle vibrieren, drehen sich, dass Stephen Hawkins schwindlig würde, sie zittern, sie tanzen an passende Orte, bis alles daliegt und blendet durch die Schönheit seiner schieren Existenz. Die Brust wird weit, warm bebt das Rohr, aus dem die Töne kommen, warm gibt die Amsel sie zurück. Ich könnte ihnen Stunden lauschen, ich tus. Wie jede Wurst hat auch diese Medaille zwei Enden. Jäh durchzuckts den Fleischglibber im Kopf: Los! Auftrag! Intimtrimmer auf sechs Millimeter gestellt! Energy-Q10-Anti-Müdigkeits-Paste auf Ermattetes, der Nasenhaarschneider haut Gewucher aus den Löchern, hinein in die Rahmengenähten, Kaffee im Stehn und ab! Meeting mit Eugen Haltiner. Scheissdialekt. Vorbereitungen für die «Task Force Peter Kurer». Hat er in seinen Hymnen Oswald Grübel mit Peter Neururer verwechselt? Was ist sein Coiffeur von Beruf? Auch nach der Sitzung bleiben offene Fragen. Etwa beim Merz Hans Ruedi. Mit «Wir sind zäh wie die schneebedeckten Pflanzen», eröffnet er jetzt jedes seiner Statements. Ist er nun grösser als Goethe? Ein Dichterfürst? Oder ein nicht ganz dichter? Grossvater, wieso hast du so eine braune Zunge? Über Mittag ein leichter Lunch mit der alten Garde: Wuffli, Ospel, Rohner – sogar W.K. Rey stösst dazu. Grosses Hallo. Endlich fällt Druck ab. Auch die Döner im «New Point» sind zwar nicht mehr, was sie mal waren, aber nach der sechsten Lage Raki vergleichen wir die Weltwirtschaftskrise mit dem Gammelfleischskandal und müssen lachen, so laut, dass man Tarkans neusten Hit kaum mehr hört. Das Treffen mit Köppel und Blocher in der Sauna schenke ich mir. Das Leben ist hart – und weiss und glitzernd wie die zwei Goldcard-gechoppten Linien vor mir. Julia links und Lulu rechts riechen gut und wissen einiges übers Flötenspiel. Und doch: Der Gesang der Amsel geht mir nicht aus dem Kopf. Er macht, dass mein Herz bricht und fällt: unter alle psychologisch wichtigen Marken.
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Thursday, November 20, 2008
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Current mood:gäggig
Die «platinblonde» Christa Rigozzi wurde nicht ungeistesgegenwärtigerweise zugemietet, um den vorwiegend mit Krawattenträgern gecasteten 1. Schaffhauser Tourismustag von letzter Woche im Parkcasino ein bisschen aufzusexen. Mit Charme. Aus dem Tessin. Natürlich. Unser Volkswirtschaftsdirektor Erhard Meister machte sich augenscheinlich gleich etwas lockerer und wärmte der Miss Schweiz 06 mit seiner Rechten ein bisschen die Nieren in ihrem mehr schlecht als recht fettisolierten Body. Mhm, auch ICH bin ein Mensch, auch ICH hab schön warme Hände! Leider bin ich kein Tourismusmanager. Nur ein kleiner Kolumnenschreiber. Die Referate an diesem Treffen der Fachkräfte trugen die Sophistication bereits in ihren Titten, äh Titeln: «Wo liegen unsere Chancen?», «Klein. Aber ein Paradies», «Weichen stellen». Change! Allüberall! Man spürt «Potenzial», «Aufbruchstimmung», will «Erlebnisse schaffen». Auch dafür hat sich ja der notorische Mäni Frei den Hammer-Claim «Schaffhausen: ein kleines Paradies» einfallen lassen, der populärer als Jesus gemacht werden soll. Doch hoppla: Jetzt kommt der Frankfurter Jan von Trott zu Solz und seine Firma Eventconsult – strategische Unternehmensberatung, Tourismus, Kultur, engagiert von «Schaffhauserland Tourismus», und wirft ebenfalls das Warmluftgebläse an. JvTzS gibt vor, die Situation des hiesigen Tourismuswesens analysiert zu haben, und fordert in seinem Referat viel Neues: neue Prospekte, neue Website für «Schaffhauserland Tourismus» mit neuem Einstieg via das «stärkere Produkt» Stein am Rhein, neu liegt Schaffhausen am Bodensee und soll sich durch Kunst, Dining, Bachfeste und ein «hochwertiges internationales Schaffhauserland-Festival» für Musik, Literatur und Wein mit 100 bis 200 Veranstaltungen über drei Monate profilieren und aber auch neu positionieren. Mhm, auch ICH hab viele bunte Ideen, auch ICH mag es, beim Zugfahren frei zu assoziieren! Leider bin ich kein Tourismusmanager. Nur ein kleiner Kolumnenschreiber. (Das merk ich auch, wenn ich meinen Kontostand ankuck.) Die Komponente «Wein» beim Festival gilt es zudem zu überdenken. Denn wenn zu den gnadenlos in der Inner City marodierenden Halbwüchsigen im Weekend-Drogentaumel noch durch exzessiven Blauburgunderkonsum enthemmte Jazzkonzert-Fingerfood-Lounge-Krawattenträger in Horden kommen, dann gute Nacht, oh kleines Paradies!
in: schaffhauser az, 20.11.08
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Sunday, August 31, 2008
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Current mood:  hungover
Sogar Chris von Rohr kennt ihn. Jack Daniel's Old No. 7 ist die Coca-Cola unter den Whiskeys. Wobei sich der mythische Status beider Getränke (und ihrer Mix-Form, s. unten) zu einem guten Teil ganz banal ihrer Allgegenwart verdanken dürfte. Ausserdem kommt auch beim Röck'n'Röll-Destillat No. 1 die spezielle Flaschenform (hier: viereckig) und das einprägsame Label dazu (weisse Schrift auf schwarzem Grund – der prototypische Rockband-T-Shirt-Aufdruck). Obacht! Höchste Zeit jetzt für jene Zusatzinformation, die dich beim nächsten Tresentalk punkten lässt: Jack ist kein Bourbon, sondern ein Tennessee Whiskey, muss also frisch destilliert während zehn Tagen durch eine dicke Schicht aus Holzkohle vom Zuckerahorn sickern. Was geschmacksprägend ist. Am Geschmack allein kanns allerdings nicht liegen, dass bei der blossen Erwähnung des Namens die Bilder auftauchen: Outlaw-Biker, Hell's und andere Angels, Mötley-Crüe-Dreck, Steven Tylers Bühnensetting, Dead Moon's Drummer Andrew Loomis, der aus den geleerten Gebinden Kerzenständer bastelte, die Hallauer Garagen-Rock-Band im Luftschutzkeller oder die «Tennessee Squires» – also Ehrenmitglieder der Jack-Daniel's-Distillerie – Slash, Boris Jelzin (oh, pardon, kein Musikant) und Frank Sinatra. Old Blue Eye wurde begraben in einem blauen (sic!) Anzug, zusammen mit einer Rolle 10-Cent-Stücke, einer Karte von Tochter Tina mit der Aufschrift «Sleep warm, Poppa – look for me» – und einer Flasche Jack Daniel's. Noch nicht unter dem Boden ist ein echter Säulenheiliger des «echten» Rock'n'Roll-Lifestyles. Das ist gut (und ein medizinisches Rätsel): Ian Fraser Kilmister aka Lemmy nimmt seinen Jack Daniel's mit Cola und Eis, neuerdings mit mehr Eis, weil er ärztlich verordnet Wasser trinken sollte. Wobei: «Wasser ist sehr gefährlich», so der Chef-Motörhead, «da ficken Fische drin.» Crüe-Sänger Nikki Sixx sieht das Ganze katholischer: «Ich hasse verdünnte Dinge. Ich meine, du mischst keinen Jack Daniel's mit Coke. Das ist eine Sünde!» Ich selber bin zwar nicht Max Küng, aber das schreit nach einem Selbstversuch: Flasche im Denner gekauft (sie in der Hand zu halten, kitzelt das Stammhirn, Keule, uga!), zu Hause geöffnet, dran geschnüffelt, dran genippt, ein Schalter im kollektiven Unbewussten wird umgelegt, pur schmeckt das nicht gut, mit Cola (wichtig: von der Tanke) leuchtets plötzlich ein und flutscht. Bitte geniessen Sie Jack Daniel's verantwortungsbewusst. Haha und Cheers!
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Thursday, July 17, 2008
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Current mood:  vibrant
Category: Religion and Philosophy
Hier kommt einer der härtesten Arbeiter nicht nur im Showbusiness, sondern auch als Jäger, Fischer, Trapper – und NRA-Vorstand: The Nuge aka Ted Nugent bringt mit grosser Lautstärke und Klappe Riffs und Rifles zusammen. Kopfkratzfieber inbegriffen.
Den 6000. Gig der Karriere feierte Ted Nugent neulich passenderweise am 4th of July in seiner Heimatstadt Detroit. Steven Tyler hatte sich via Videobotschaft gemeldet: «Er ist der am heftigsten abgehende Rockstar unserer Zeit. Gratuliere, Ted! P.S. Schick mir endlich das Zweimeterdreissig-Bärenfell, das du mir versprochen hast, die Leber kannst du behalten!» Flankiert von Militärflugplatztruppen in Camouflage-Outfit, startete der Motor City Madman die Party mit seiner Version von «The Star Spangled Banner», derweil die Crew die riesige Jubiläumstorte in Blau-Weiss-Rot auf die Bühne rollte, aus der – Surprise! Surprise! – schlegelewegg eine Miss Tittenmaus in Stars-and-Stripes-Bikini hüpfte. Ted Nugent? Da war doch was! Man klickt sich durch YouTube-Clips seiner Siebziger-Hits wie «Cat Scratch Fever», «Stranglehold» oder «Motor City Madhouse», schaut zu, wie The Nuge auf einem Büffel auf die Bühne reitet, als Indianer oder Tarzan verkleidet seine Gibson Byrdland würgt und so richtig einen losmacht. Früher gern oben ohne, mit Freakmatte und hinten an der Hose baumelndem Fuchsschwanz (!), heute eher casual als Crocodile-Dundee-Lookalike. Im Geist der Wildnis Nach Megatouren, dem für die Seventies obligaten Doppel-Live-Album (mit dem grossartigen Titel «Double Live Gonzo» und ausladenden Gitarrenexzessen) und 35 Millionen verkauften Platten kam in den weniger bluesrock-o-philen Achtzigern der Karriereknick. Inklusive Kampfscheidung, böser Anwälte und Manager, die unseren Mann über den Tisch und ihm den letzten der im Schweisse seines Angesichts zusammengerifften Cents aus der Tasche zogen. Ende der Eighties heuerte er bei den Damn Yankees an, einer aus leicht abgehalfterten Föhnmetallern zusammengecasteten Band. 1995 lancierte er schliesslich seine Solokarriere neu. Spätestens seither hat Ted Nugent alles unter Kontrolle – und diversifiziert fleissig. Er tourt nicht nur nach wie vor weltweit von Festival zu Festival und gibt Platten (aktuell: «Love Grenade») und Live-DVDs heraus, sondern lässt die Fans auch an seinem Outdoor-Lifestyle teilhaben. Zusammen mit seiner Frau Shemane hostet er die mehrfach preisgekrönte TV-Show «Spirit Of The Wild», wo man den Nugents beim Jagen zusehen kann («Connect with The Good Mother Earth»). Uncle Ted in einem Versteck mit leuchtenden Augen über seine coole Tarnung, den Hirsch da draussen mit seinen wertvollen Proteinen und die Natur von Texas schwärmen zu hören, hat etwas leicht gruselig Mitreissendes. Zu seinen eigenen Bluesrockriffs als Soundtrack nimmt Indianer-Versteher Nugent den Hightech-Bogen zur Hand, schiesst dem Hirsch einen Pfeil in den Arsch und freut sich, als der Geweihträger mit dem aufgescheuchten Rudel wegstiebt, bereits spitzbübisch auf den Bloodtrail. Dies gehöre zur Spiritualität seines naturnahen Lebens. Ständer eines 18-Jährigen Alles wird eins: Als Jäger, Fischer und Trapper sei er dermassen gut geerdet, dass seine Riffs einfach Hammerriffs werden MÜSSEN. «Es gibt immer noch Leute, die denken, dass du besoffen und high sein musst, um richtig gute Musik zu machen, aber das stimmt nicht. Du betrinkst dich und wirst high, um zu kotzen, Scheisse zu reden und zu sterben.» Junger Mensch! Besser also, du denkst nächstes Mal im Übungskeller vor dem Jointschrauben, Blechsemmel-Aufreissen und Crackpfeifchen-Stopfen an Uncle Teds ausgelebte Jagdinstinkte. Wie sie auf die Musik zurückwirken, als Feedback, auch im wörtlichen Sinn. «Der Urschrei meines Aboriginal-Lifestyles erklärt auch, weshalb meine Gitarrenlicks auf „Love Grenade" tönen wie die eines 18-Jährigen mit seinen ersten Ständer.» Wer an diesen erektionsfördernden Outdoor-Aktivitäten noch näher dran sein möchte, den dürfte der «Ted Nugent Annual Opening Day Michigan Deer Hunts» interessieren. Drei Tage und drei Nächte die Jagdsaison zelebrieren in den heiligen Jagdgründen und dem Blockhaus der Nugent-Familie, Wild schiessen, Spass haben, zusammen mit The Nuge, ihm selbst. «Dies ist ein Erlebnis, das du nie vergessen wirst!» Für schlappe 7500 Dollar bist du dabei – ein Angebot, wie gemacht für die LOOP-Leser-Zielgruppe! Deshalb hier die Telefonnummer: 001-800-343-4868 (schnell anmelden, diese Jagd ist stets ausverkauft). Wir alle wissen, dass gewisse Dinge und Vorkommnisse nicht vollkommen im Einklang mit Mutter Natur sind. Das ist ärgerlich, und daran schuld sind Liberale und andere Kommunisten ohne Rückgrat (Barack, Hillary, Ozzy), die daran sind, Amerikas Seele zu verkaufen. Probleme, klar. Aber es gibt auch Lösungen: «Um Ihnen zu verdeutlichen, wie radikal ich bin – ich will Autodiebe tot sehen. Ich will Vergewaltiger tot sehen. Ich will Einbrecher tot sehen. Ich will Kinderschänder tot sehen. Ich will Verbrecher tot sehen. Keine Gerichtsverhandlung. Keine Bewährung. Keine vorzeitige Entlassung. Ich will sie tot sehen. Holt euch eine Waffe, und wenn sie euch angreifen, knallt sie ab!» Logisch, dass Nugent im Vorstand der National Rifle Association (NRA) ist und sich in dieser sehr, sehr amerikanischen Spielart des Patriotismus auf die Gründerväter, das Recht zur Selbstverteidigung beruft: «Ich lasse niemanden auf mir rumtrampeln. Du wirst mich nicht bestehlen. Du wirst mich nicht verletzen. Du wirst mich nicht vergewaltigen. Ich werde dich fucking totschiessen – dies ist eine grosse Haltung für gute Rock'n'Roll-Licks.» Der magische Zusammenhang von allem mit allem. Oder wie es nur The Nuge in einem Songtitel hinzubiegen schafft: «I am the NRA». Da dürfte selbst Gerhard Blocher vor Neid erblassen.
In: LOOP Juli/August 08
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Wednesday, April 09, 2008
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Current mood:  aroused
Category: Quiz/Survey
Am Rande des Universums sitzt ein blauer Zwerg. Er ist nicht dort. Er ist fort. Am Wäschewaschen. Dreckwäsche. Viel Dreckwäsche. Der Zwerg gammelt vor dem Tumbler in der Wäscherei seines Vertrauens herum, kuckt durchs Fernrohr in seine Lieblingsgalaxie und sieht auf einem blauen Planeten Wesen mit einer Fackel rennen, während andere Wesen sich Blutorangensaft aufs Shirt kippen, sich vor die Rennenden werfen und totes Wesen spielen. Oder mit dem Feuerlöscher auf die Fackel schiessen. Oder schreien. Der Zwerg lacht. Ein lustiges Völklein. Er sieht Wesen mit Falten oberhalb der Augen, die sich an Kästen halten und in Kameras reden. Sie sagen: «Geist der Spiele», «Boykott», «Menschenrechte». Der Zwerg lacht und lacht. Er sieht fünfdimensionale Qqarrr£àsKKKk^ bei ihren Liebesspielen in Wurmlöchern, sie inhalieren KCAK, eine Art Musik, aber ohne jede Wiederholung. Im Innern dieses Planeten sitzt RODYLOP, ein antimateriell betriebener Zufallsgenerator, der aus jeweils 666 666 Pixeln der Geschichte des Alls einen neuen SSKZ (also etwa: «Ton») macht. Ups. Dem Zwerg ist da vor Lachen das Fernrohr um ein paar Galaxien nach links verrutscht. Wieder nach rechts rücken zu seinen Lieblingen auf dem blauen Planeten. Dort ist ALLES Wiederholung. Er mag das, wenn er auf seine Wäsche warten muss. Immer wieder brennende Fackeln, brennende Flaggen, Wesen, die Stöcke mit Anlauf auf andere Wesen legen. Schreiende Wesen. Brennende Wesen. Feuer. Rauch. Gleissendes Licht. Bootsy Collins. Ewige Wiederholung – Funky Popcorn. James Brown. Ein Wesen (männlich) vor vielen Wesen, sprechend, schreiend. Metallröhren, gleissend in der Sonne, die fallen. Feuer. Rauch. Brennende Wesen. Ein Wesen (männlich) und ein Wesen (weiblich). Kombination neuen Genmaterials via Fleischröhren. Schreiende Wesen. Doch da: Zwei Wesen (männlich?), die reden über zweimal elf Wesen auf grünem Untergrund. «Ja, isch dänn da nid ganz eifach ä Gänsehuutgfühl, wämä i däm Superschtadion cha schpile?», «Hey, die Mannschaft chas trotzdäm wiit bringe, aber si mues positiv sii.» In den 1700 Erdenjahren, die ein Schonwaschgang am Rand des Universums dauert, hat er so etwas noch nie gesehen und noch viel weniger gehört. Der blaue Zwerg hat aufgehört zu lachen, nimmt seine weisse Wäsche und geht weit fort.
in: schaffhauser az 10.4.08
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Thursday, April 03, 2008
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Current mood:  awake
SAY YEAH! Jeee? EVERYBODY SAY YEAH! Jeeee?! I WANNA HEAR YOU SAY YEAH! Jeeeeee! YEAH! Yeah. SAY YEAH! Yeeeaaah!! SAY YEAH! YEAAAHHH!!! Es geschuh an einem Dienstagabend: XXL-Gesten, Gospel-Yeh-Yeh, die Weltrevolution als Entfesselung in Richtung einer Ekstasis generalis – und ich war mittendrin. Buchstäblich. Es war meine ganz persönliche Mondlandung, haha. Nicht nur wenns um Liebe geht, ist es so, dass die wirklich grossen Dinge genau zu Zeiten und an Orten passieren, wo man sie zuletzt erwartet. Hier, vor der grossen, in hellem Holz gerahmten Schiefertafel, wo Jonas und Judith mit Kreide Menü 1 und Menü 2 und Vegi anschreiben, an diesem Ort, wo sonst Fritz am runden Tisch über Velofelgen redet und Liviero nach der Büetz seinen Corretto trinkt, wo Lederjackenträger und Kantischülerinnen, einst recht dezidiert linke Architekten und allerlei Prekariatspraktikanten und Ego-AGs, die in Webdesign und Kunstprojekte machen, vor ihren Bieren und Hausi-Kafis sitzen, hier, unter den nackten Glühbirnen in der Schaffhauser Fassbeiz, einem Ort, der so vieles ist, nur eines ganz sicher nicht, nämlich auch nur annähernd so etwas wie glamourös, genau hier schlug DIE BOMBE ein. Sie hiess sinnigerweise The Make-Up, all the way from Washington D.C. to this Erkerstädtli ganz zusserscht usse. Die Beschnupperungszeit war rekordverdächtig kurz, und also trug es sich zu, dass Ian Svenonious schon nach einer gefühlten halben Minute von zumindest halb erleuchteten Menschen wie mir auf Händen über ihren Köpfen durch die Beiz getragen wurde, ganz ekstatischer, sexy Prediger der wahren R’n’R-Offenbarung, dieweil der Rest der Band stoisch groovend in der Ecke stand. SAY YEAH! Des Wahnsinns fette Beute. Es war einer der Momente, in denen man nicht weiss, wie einem geschieht und mans geschehen lässt, weil es sich gut und neu und aufregend anfühlt, wo man schwitzt und alberne Dinge tut mit einem blödsinnigen Lachen im Gesicht, das irgendwann Krämpfe machen sollte. Augenblicklich verknallt. «You Are My Intended.» YEAH!
LOOP April 08
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Thursday, December 20, 2007
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Current mood:  voluminous
Category: Pets and Animals
Fuzzy ging nach Hause. Er hatte genug gesehen. Blöde Band, blödes Publikum, blöde Weiber, blöde Shots, blöder Kopf. Er zündete eine Zigarette an. Vor ihm kroch ein Mann übers nasse Kopfsteinpflaster. «Respect!», brüllte Fuzzy. «Boogie down, man!» Es war Gerhard Blocher (ER selber). Fuzzy machte sich frei und reckte sein Gemächt: «Vergoldet sind sie schon, diese meine Testikel, wie es sich gehört für einen rechten Schaffhauser. Ihr Autogramm darauf, Hochwürden, machte mein bescheidenes diesseitiges Glück perfekt.» Allein dem grossen Bruder des grossen Christoph war nicht ums Signieren. Zähren durchpflügten das kantig-kühne Antlitz wie die vom Auerochsen gezogene Egge die schwarzbraune Hallauer Krume. «Denn siehe mein Sohn, nun habe ich mein Sackmesser verloren», stiess er, mannhaft gegen den überwältigenden Schmerz kämpfend, hervor. Fuzzy verstand: ein Auftrag! Alsbald war er unten mit Geri. Wie zwei verpeilte Kiffer ihr Peace suchten sie das Nahkampftool, mit dem alles begonnen hatte. In der Gosse. Das Sackmesser. Den Gral. Das Nazigold. Den WM-Pokal. Den Kesslerloch-Rentierknochen. Die Thomy-Mayonnaise. «Du versuchst, die Mandarine zu schälen. Du hast alles. Bohrer, Stemmeisen, Stichsäge, Presslufthammer, Laserschwert. Du schaffst es nicht. Blut rinnt aus der Frucht. Unrein. Es muss. Besudelt deinen Hosenstall. Trotzdem: Die Mandarine bleibt verschlossen. Du gräbst weiter. Deine Finger in diese Haut. Willst du da wirklich hinein? Aber dann: Fragt das Bier, ob es in deine Kehle soll? Es muss, weil es können will. Ist das wirklich eine Mandarine? Täuschen sie dich? Ist alles faul? Aber da: Deine harten Nägel schlagen endlich die kleine Bresche in die hinterlistige, die falsche, diese elastische Haut, die immer nur nachgibt. Die Bresche. Jetzt schnell sein. Handeln. Vorwärtsstürmen. Du denkst: Gut, innen ist es saftig, süss. Doch: Das ist das Zeichen. Dass etwas nicht stimmt. Und was? Aus der Mandarine wachsen die Twin Towers mitten in den schönen Schaffhauser Himmel, hart, Erektionen aus Stahl und Plastik. Nein, nicht die Twin Towers, es sind zwei – Sackmesser!» Fuzzy nickte. Geri reichte ihm die Crackpfeife und auch er nahm einen tiefen Zug. Geniessen. Slow smoke. Alles würde gut werden. Und Hallau Fussball-Europameister.
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