Gender: Male
Status: Single
Age: 46
Sign: Cancer
City: Schaffhausen
State: Schaffhausen
Country: CH
Signup Date: 6/25/2006
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Monday, June 01, 2009
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Current mood:  devious
«I am Satan», sagte der Mann. Er war alt, schmächtig, schwarz und grauhaarig. Satan rannte im Greyhound-Bus auf und ab. Ich hätte ihn gern gefragt, ob er auch die Abfallhaie erfunden hat. Jene Behältnisse, die sich jeglichem zu Entsorgenden über der Grösse eines Trident-Kaugummi-Papierchens gleichsam schmallippig und chromstahlhart widersetzen – gegen ihren ureigentlichen Zweck und dank einem wahrlich teuflisch ausgedachten Bauplan. Aber mein Maul war voll Nacho-Chips. Satan hob derweil im Busgang die Arme über den Kopf. Der Fahrer liess einen Rüffel ins Bord-Mikrofon gleiten («MmmKkrmplssitdwnKKrrschzwükkK!») und lenkte sein Gefährt weiter durch die Feuchtgebiete Louisianas. «I am Satan», sagte der Mann zum zweiten Mal. Mein Sitznachbar erklärte mir, was es mit dem Begriff «Cajun Treatment» auf sich hat. «Früher» habe man unliebsame Zeitgenossen mit flachen Booten tief in die sumpfigen Wälder gefahren und dort an einem Baum festgebunden. Die Fauna des Südens habe dann «den Rest» erledigt. SO geht effiziente Entsorgung – Süsswasseralligatoren statt Abfallhaie! Unter Berücksichtigung natürlicher Zyklen im sensiblen Ökosystem «Sumpf». Da dürfte sogar Barbara Gehring ihren Daumen nach oben drehen (vorausgesetzt natürlich, man verwendet keine Schnüre auf Polyäthylenbasis zum Montieren der Unfolgsamen). «I am Satan», sagte der kleine Mann zum dritten Mal. Die meisten Passagiere schauten mittlerweile zum Fenster hinaus und versuchten, sich nicht an jenen Kanadier zu erinnern, der neulich im Greyhound seinen Sitznachbarn geköpft hatte. Nur einer kletterte mit roten Backen aus dem hinteren Teil des Busses nach vorn, klopfte Satan auf die Schultern und sagte: «Hello, I am Adrian Sieber von den Lovebugs. Ich lebe gerade meine verfrühte Midlife-Crisis aus. Nach dem Versuch, so zu tun, als würde ich mit einem ironischen Augenzwinkern beim Eurovision Song Contest mitmachen, hatte ich eine weitere Weltidee: Ich will meinen Out-of-Bed-Look künftig noch authentischer rüberbringen. Also lese ich ein bisschen Kerouac, drifte durch die Staaten und lasse meine Seele im fuckin' Geburtsland des Rock’n’Roll baumeln, y’know.» Da hatten sich zwei Nervensägen gefunden! An der nächsten Kreuzung, kurz vor Baton Rouge, liess sie der Chauffeur raus. Adi wollte Satan besagte Seele verkaufen – doch da war ja schon lange nichts mehr.
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Monday, March 09, 2009
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Current mood:dickschnabelnonnig
Category: Pets and Animals
Und morgens pfeift die Amsel wieder ihr Lied. Das ist gut. Fast hatte ichs vergessen. Die Bambusflöte greif ich, kauere im Kaftan im Kniesitz der Achtsamkeit vor dem offenen Fenster und folge den sich unendlichem Blau entgegenrankenden Tonkaskaden aus Morgendank und Freude am Dasein. Unsere Melodien treffen sich für Momente, reiben sich, umgarnen sich zärtlich wie die Helixen der DNA – ein Lebensborn aus Musik. Kühl und klar ist die Luft, Myriaden Moleküle vibrieren, drehen sich, dass Stephen Hawkins schwindlig würde, sie zittern, sie tanzen an passende Orte, bis alles daliegt und blendet durch die Schönheit seiner schieren Existenz. Die Brust wird weit, warm bebt das Rohr, aus dem die Töne kommen, warm gibt die Amsel sie zurück. Ich könnte ihnen Stunden lauschen, ich tus. Wie jede Wurst hat auch diese Medaille zwei Enden. Jäh durchzuckts den Fleischglibber im Kopf: Los! Auftrag! Intimtrimmer auf sechs Millimeter gestellt! Energy-Q10-Anti-Müdigkeits-Paste auf Ermattetes, der Nasenhaarschneider haut Gewucher aus den Löchern, hinein in die Rahmengenähten, Kaffee im Stehn und ab! Meeting mit Eugen Haltiner. Scheissdialekt. Vorbereitungen für die «Task Force Peter Kurer». Hat er in seinen Hymnen Oswald Grübel mit Peter Neururer verwechselt? Was ist sein Coiffeur von Beruf? Auch nach der Sitzung bleiben offene Fragen. Etwa beim Merz Hans Ruedi. Mit «Wir sind zäh wie die schneebedeckten Pflanzen», eröffnet er jetzt jedes seiner Statements. Ist er nun grösser als Goethe? Ein Dichterfürst? Oder ein nicht ganz dichter? Grossvater, wieso hast du so eine braune Zunge? Über Mittag ein leichter Lunch mit der alten Garde: Wuffli, Ospel, Rohner – sogar W.K. Rey stösst dazu. Grosses Hallo. Endlich fällt Druck ab. Auch die Döner im «New Point» sind zwar nicht mehr, was sie mal waren, aber nach der sechsten Lage Raki vergleichen wir die Weltwirtschaftskrise mit dem Gammelfleischskandal und müssen lachen, so laut, dass man Tarkans neusten Hit kaum mehr hört. Das Treffen mit Köppel und Blocher in der Sauna schenke ich mir. Das Leben ist hart – und weiss und glitzernd wie die zwei Goldcard-gechoppten Linien vor mir. Julia links und Lulu rechts riechen gut und wissen einiges übers Flötenspiel. Und doch: Der Gesang der Amsel geht mir nicht aus dem Kopf. Er macht, dass mein Herz bricht und fällt: unter alle psychologisch wichtigen Marken.
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Thursday, November 20, 2008
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Current mood:gäggig
Die «platinblonde» Christa Rigozzi wurde nicht ungeistesgegenwärtigerweise zugemietet, um den vorwiegend mit Krawattenträgern gecasteten 1. Schaffhauser Tourismustag von letzter Woche im Parkcasino ein bisschen aufzusexen. Mit Charme. Aus dem Tessin. Natürlich. Unser Volkswirtschaftsdirektor Erhard Meister machte sich augenscheinlich gleich etwas lockerer und wärmte der Miss Schweiz 06 mit seiner Rechten ein bisschen die Nieren in ihrem mehr schlecht als recht fettisolierten Body. Mhm, auch ICH bin ein Mensch, auch ICH hab schön warme Hände! Leider bin ich kein Tourismusmanager. Nur ein kleiner Kolumnenschreiber. Die Referate an diesem Treffen der Fachkräfte trugen die Sophistication bereits in ihren Titten, äh Titeln: «Wo liegen unsere Chancen?», «Klein. Aber ein Paradies», «Weichen stellen». Change! Allüberall! Man spürt «Potenzial», «Aufbruchstimmung», will «Erlebnisse schaffen». Auch dafür hat sich ja der notorische Mäni Frei den Hammer-Claim «Schaffhausen: ein kleines Paradies» einfallen lassen, der populärer als Jesus gemacht werden soll. Doch hoppla: Jetzt kommt der Frankfurter Jan von Trott zu Solz und seine Firma Eventconsult – strategische Unternehmensberatung, Tourismus, Kultur, engagiert von «Schaffhauserland Tourismus», und wirft ebenfalls das Warmluftgebläse an. JvTzS gibt vor, die Situation des hiesigen Tourismuswesens analysiert zu haben, und fordert in seinem Referat viel Neues: neue Prospekte, neue Website für «Schaffhauserland Tourismus» mit neuem Einstieg via das «stärkere Produkt» Stein am Rhein, neu liegt Schaffhausen am Bodensee und soll sich durch Kunst, Dining, Bachfeste und ein «hochwertiges internationales Schaffhauserland-Festival» für Musik, Literatur und Wein mit 100 bis 200 Veranstaltungen über drei Monate profilieren und aber auch neu positionieren. Mhm, auch ICH hab viele bunte Ideen, auch ICH mag es, beim Zugfahren frei zu assoziieren! Leider bin ich kein Tourismusmanager. Nur ein kleiner Kolumnenschreiber. (Das merk ich auch, wenn ich meinen Kontostand ankuck.) Die Komponente «Wein» beim Festival gilt es zudem zu überdenken. Denn wenn zu den gnadenlos in der Inner City marodierenden Halbwüchsigen im Weekend-Drogentaumel noch durch exzessiven Blauburgunderkonsum enthemmte Jazzkonzert-Fingerfood-Lounge-Krawattenträger in Horden kommen, dann gute Nacht, oh kleines Paradies!
in: schaffhauser az, 20.11.08
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Sunday, August 31, 2008
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Current mood:  hungover
Sogar Chris von Rohr kennt ihn. Jack Daniel's Old No. 7 ist die Coca-Cola unter den Whiskeys. Wobei sich der mythische Status beider Getränke (und ihrer Mix-Form, s. unten) zu einem guten Teil ganz banal ihrer Allgegenwart verdanken dürfte. Ausserdem kommt auch beim Röck'n'Röll-Destillat No. 1 die spezielle Flaschenform (hier: viereckig) und das einprägsame Label dazu (weisse Schrift auf schwarzem Grund – der prototypische Rockband-T-Shirt-Aufdruck). Obacht! Höchste Zeit jetzt für jene Zusatzinformation, die dich beim nächsten Tresentalk punkten lässt: Jack ist kein Bourbon, sondern ein Tennessee Whiskey, muss also frisch destilliert während zehn Tagen durch eine dicke Schicht aus Holzkohle vom Zuckerahorn sickern. Was geschmacksprägend ist. Am Geschmack allein kanns allerdings nicht liegen, dass bei der blossen Erwähnung des Namens die Bilder auftauchen: Outlaw-Biker, Hell's und andere Angels, Mötley-Crüe-Dreck, Steven Tylers Bühnensetting, Dead Moon's Drummer Andrew Loomis, der aus den geleerten Gebinden Kerzenständer bastelte, die Hallauer Garagen-Rock-Band im Luftschutzkeller oder die «Tennessee Squires» – also Ehrenmitglieder der Jack-Daniel's-Distillerie – Slash, Boris Jelzin (oh, pardon, kein Musikant) und Frank Sinatra. Old Blue Eye wurde begraben in einem blauen (sic!) Anzug, zusammen mit einer Rolle 10-Cent-Stücke, einer Karte von Tochter Tina mit der Aufschrift «Sleep warm, Poppa – look for me» – und einer Flasche Jack Daniel's. Noch nicht unter dem Boden ist ein echter Säulenheiliger des «echten» Rock'n'Roll-Lifestyles. Das ist gut (und ein medizinisches Rätsel): Ian Fraser Kilmister aka Lemmy nimmt seinen Jack Daniel's mit Cola und Eis, neuerdings mit mehr Eis, weil er ärztlich verordnet Wasser trinken sollte. Wobei: «Wasser ist sehr gefährlich», so der Chef-Motörhead, «da ficken Fische drin.» Crüe-Sänger Nikki Sixx sieht das Ganze katholischer: «Ich hasse verdünnte Dinge. Ich meine, du mischst keinen Jack Daniel's mit Coke. Das ist eine Sünde!» Ich selber bin zwar nicht Max Küng, aber das schreit nach einem Selbstversuch: Flasche im Denner gekauft (sie in der Hand zu halten, kitzelt das Stammhirn, Keule, uga!), zu Hause geöffnet, dran geschnüffelt, dran genippt, ein Schalter im kollektiven Unbewussten wird umgelegt, pur schmeckt das nicht gut, mit Cola (wichtig: von der Tanke) leuchtets plötzlich ein und flutscht. Bitte geniessen Sie Jack Daniel's verantwortungsbewusst. Haha und Cheers!
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Thursday, July 17, 2008
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Current mood:  vibrant
Category: Religion and Philosophy
Hier kommt einer der härtesten Arbeiter nicht nur im Showbusiness, sondern auch als Jäger, Fischer, Trapper – und NRA-Vorstand: The Nuge aka Ted Nugent bringt mit grosser Lautstärke und Klappe Riffs und Rifles zusammen. Kopfkratzfieber inbegriffen.
Den 6000. Gig der Karriere feierte Ted Nugent neulich passenderweise am 4th of July in seiner Heimatstadt Detroit. Steven Tyler hatte sich via Videobotschaft gemeldet: «Er ist der am heftigsten abgehende Rockstar unserer Zeit. Gratuliere, Ted! P.S. Schick mir endlich das Zweimeterdreissig-Bärenfell, das du mir versprochen hast, die Leber kannst du behalten!» Flankiert von Militärflugplatztruppen in Camouflage-Outfit, startete der Motor City Madman die Party mit seiner Version von «The Star Spangled Banner», derweil die Crew die riesige Jubiläumstorte in Blau-Weiss-Rot auf die Bühne rollte, aus der – Surprise! Surprise! – schlegelewegg eine Miss Tittenmaus in Stars-and-Stripes-Bikini hüpfte. Ted Nugent? Da war doch was! Man klickt sich durch YouTube-Clips seiner Siebziger-Hits wie «Cat Scratch Fever», «Stranglehold» oder «Motor City Madhouse», schaut zu, wie The Nuge auf einem Büffel auf die Bühne reitet, als Indianer oder Tarzan verkleidet seine Gibson Byrdland würgt und so richtig einen losmacht. Früher gern oben ohne, mit Freakmatte und hinten an der Hose baumelndem Fuchsschwanz (!), heute eher casual als Crocodile-Dundee-Lookalike. Im Geist der Wildnis Nach Megatouren, dem für die Seventies obligaten Doppel-Live-Album (mit dem grossartigen Titel «Double Live Gonzo» und ausladenden Gitarrenexzessen) und 35 Millionen verkauften Platten kam in den weniger bluesrock-o-philen Achtzigern der Karriereknick. Inklusive Kampfscheidung, böser Anwälte und Manager, die unseren Mann über den Tisch und ihm den letzten der im Schweisse seines Angesichts zusammengerifften Cents aus der Tasche zogen. Ende der Eighties heuerte er bei den Damn Yankees an, einer aus leicht abgehalfterten Föhnmetallern zusammengecasteten Band. 1995 lancierte er schliesslich seine Solokarriere neu. Spätestens seither hat Ted Nugent alles unter Kontrolle – und diversifiziert fleissig. Er tourt nicht nur nach wie vor weltweit von Festival zu Festival und gibt Platten (aktuell: «Love Grenade») und Live-DVDs heraus, sondern lässt die Fans auch an seinem Outdoor-Lifestyle teilhaben. Zusammen mit seiner Frau Shemane hostet er die mehrfach preisgekrönte TV-Show «Spirit Of The Wild», wo man den Nugents beim Jagen zusehen kann («Connect with The Good Mother Earth»). Uncle Ted in einem Versteck mit leuchtenden Augen über seine coole Tarnung, den Hirsch da draussen mit seinen wertvollen Proteinen und die Natur von Texas schwärmen zu hören, hat etwas leicht gruselig Mitreissendes. Zu seinen eigenen Bluesrockriffs als Soundtrack nimmt Indianer-Versteher Nugent den Hightech-Bogen zur Hand, schiesst dem Hirsch einen Pfeil in den Arsch und freut sich, als der Geweihträger mit dem aufgescheuchten Rudel wegstiebt, bereits spitzbübisch auf den Bloodtrail. Dies gehöre zur Spiritualität seines naturnahen Lebens. Ständer eines 18-Jährigen Alles wird eins: Als Jäger, Fischer und Trapper sei er dermassen gut geerdet, dass seine Riffs einfach Hammerriffs werden MÜSSEN. «Es gibt immer noch Leute, die denken, dass du besoffen und high sein musst, um richtig gute Musik zu machen, aber das stimmt nicht. Du betrinkst dich und wirst high, um zu kotzen, Scheisse zu reden und zu sterben.» Junger Mensch! Besser also, du denkst nächstes Mal im Übungskeller vor dem Jointschrauben, Blechsemmel-Aufreissen und Crackpfeifchen-Stopfen an Uncle Teds ausgelebte Jagdinstinkte. Wie sie auf die Musik zurückwirken, als Feedback, auch im wörtlichen Sinn. «Der Urschrei meines Aboriginal-Lifestyles erklärt auch, weshalb meine Gitarrenlicks auf „Love Grenade" tönen wie die eines 18-Jährigen mit seinen ersten Ständer.» Wer an diesen erektionsfördernden Outdoor-Aktivitäten noch näher dran sein möchte, den dürfte der «Ted Nugent Annual Opening Day Michigan Deer Hunts» interessieren. Drei Tage und drei Nächte die Jagdsaison zelebrieren in den heiligen Jagdgründen und dem Blockhaus der Nugent-Familie, Wild schiessen, Spass haben, zusammen mit The Nuge, ihm selbst. «Dies ist ein Erlebnis, das du nie vergessen wirst!» Für schlappe 7500 Dollar bist du dabei – ein Angebot, wie gemacht für die LOOP-Leser-Zielgruppe! Deshalb hier die Telefonnummer: 001-800-343-4868 (schnell anmelden, diese Jagd ist stets ausverkauft). Wir alle wissen, dass gewisse Dinge und Vorkommnisse nicht vollkommen im Einklang mit Mutter Natur sind. Das ist ärgerlich, und daran schuld sind Liberale und andere Kommunisten ohne Rückgrat (Barack, Hillary, Ozzy), die daran sind, Amerikas Seele zu verkaufen. Probleme, klar. Aber es gibt auch Lösungen: «Um Ihnen zu verdeutlichen, wie radikal ich bin – ich will Autodiebe tot sehen. Ich will Vergewaltiger tot sehen. Ich will Einbrecher tot sehen. Ich will Kinderschänder tot sehen. Ich will Verbrecher tot sehen. Keine Gerichtsverhandlung. Keine Bewährung. Keine vorzeitige Entlassung. Ich will sie tot sehen. Holt euch eine Waffe, und wenn sie euch angreifen, knallt sie ab!» Logisch, dass Nugent im Vorstand der National Rifle Association (NRA) ist und sich in dieser sehr, sehr amerikanischen Spielart des Patriotismus auf die Gründerväter, das Recht zur Selbstverteidigung beruft: «Ich lasse niemanden auf mir rumtrampeln. Du wirst mich nicht bestehlen. Du wirst mich nicht verletzen. Du wirst mich nicht vergewaltigen. Ich werde dich fucking totschiessen – dies ist eine grosse Haltung für gute Rock'n'Roll-Licks.» Der magische Zusammenhang von allem mit allem. Oder wie es nur The Nuge in einem Songtitel hinzubiegen schafft: «I am the NRA». Da dürfte selbst Gerhard Blocher vor Neid erblassen.
In: LOOP Juli/August 08
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Wednesday, April 09, 2008
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Current mood:  aroused
Category: Quiz/Survey
Am Rande des Universums sitzt ein blauer Zwerg. Er ist nicht dort. Er ist fort. Am Wäschewaschen. Dreckwäsche. Viel Dreckwäsche. Der Zwerg gammelt vor dem Tumbler in der Wäscherei seines Vertrauens herum, kuckt durchs Fernrohr in seine Lieblingsgalaxie und sieht auf einem blauen Planeten Wesen mit einer Fackel rennen, während andere Wesen sich Blutorangensaft aufs Shirt kippen, sich vor die Rennenden werfen und totes Wesen spielen. Oder mit dem Feuerlöscher auf die Fackel schiessen. Oder schreien. Der Zwerg lacht. Ein lustiges Völklein. Er sieht Wesen mit Falten oberhalb der Augen, die sich an Kästen halten und in Kameras reden. Sie sagen: «Geist der Spiele», «Boykott», «Menschenrechte». Der Zwerg lacht und lacht. Er sieht fünfdimensionale Qqarrr£àsKKKk^ bei ihren Liebesspielen in Wurmlöchern, sie inhalieren KCAK, eine Art Musik, aber ohne jede Wiederholung. Im Innern dieses Planeten sitzt RODYLOP, ein antimateriell betriebener Zufallsgenerator, der aus jeweils 666 666 Pixeln der Geschichte des Alls einen neuen SSKZ (also etwa: «Ton») macht. Ups. Dem Zwerg ist da vor Lachen das Fernrohr um ein paar Galaxien nach links verrutscht. Wieder nach rechts rücken zu seinen Lieblingen auf dem blauen Planeten. Dort ist ALLES Wiederholung. Er mag das, wenn er auf seine Wäsche warten muss. Immer wieder brennende Fackeln, brennende Flaggen, Wesen, die Stöcke mit Anlauf auf andere Wesen legen. Schreiende Wesen. Brennende Wesen. Feuer. Rauch. Gleissendes Licht. Bootsy Collins. Ewige Wiederholung – Funky Popcorn. James Brown. Ein Wesen (männlich) vor vielen Wesen, sprechend, schreiend. Metallröhren, gleissend in der Sonne, die fallen. Feuer. Rauch. Brennende Wesen. Ein Wesen (männlich) und ein Wesen (weiblich). Kombination neuen Genmaterials via Fleischröhren. Schreiende Wesen. Doch da: Zwei Wesen (männlich?), die reden über zweimal elf Wesen auf grünem Untergrund. «Ja, isch dänn da nid ganz eifach ä Gänsehuutgfühl, wämä i däm Superschtadion cha schpile?», «Hey, die Mannschaft chas trotzdäm wiit bringe, aber si mues positiv sii.» In den 1700 Erdenjahren, die ein Schonwaschgang am Rand des Universums dauert, hat er so etwas noch nie gesehen und noch viel weniger gehört. Der blaue Zwerg hat aufgehört zu lachen, nimmt seine weisse Wäsche und geht weit fort.
in: schaffhauser az 10.4.08
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Thursday, April 03, 2008
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Current mood:  awake
SAY YEAH! Jeee? EVERYBODY SAY YEAH! Jeeee?! I WANNA HEAR YOU SAY YEAH! Jeeeeee! YEAH! Yeah. SAY YEAH! Yeeeaaah!! SAY YEAH! YEAAAHHH!!! Es geschuh an einem Dienstagabend: XXL-Gesten, Gospel-Yeh-Yeh, die Weltrevolution als Entfesselung in Richtung einer Ekstasis generalis – und ich war mittendrin. Buchstäblich. Es war meine ganz persönliche Mondlandung, haha. Nicht nur wenns um Liebe geht, ist es so, dass die wirklich grossen Dinge genau zu Zeiten und an Orten passieren, wo man sie zuletzt erwartet. Hier, vor der grossen, in hellem Holz gerahmten Schiefertafel, wo Jonas und Judith mit Kreide Menü 1 und Menü 2 und Vegi anschreiben, an diesem Ort, wo sonst Fritz am runden Tisch über Velofelgen redet und Liviero nach der Büetz seinen Corretto trinkt, wo Lederjackenträger und Kantischülerinnen, einst recht dezidiert linke Architekten und allerlei Prekariatspraktikanten und Ego-AGs, die in Webdesign und Kunstprojekte machen, vor ihren Bieren und Hausi-Kafis sitzen, hier, unter den nackten Glühbirnen in der Schaffhauser Fassbeiz, einem Ort, der so vieles ist, nur eines ganz sicher nicht, nämlich auch nur annähernd so etwas wie glamourös, genau hier schlug DIE BOMBE ein. Sie hiess sinnigerweise The Make-Up, all the way from Washington D.C. to this Erkerstädtli ganz zusserscht usse. Die Beschnupperungszeit war rekordverdächtig kurz, und also trug es sich zu, dass Ian Svenonious schon nach einer gefühlten halben Minute von zumindest halb erleuchteten Menschen wie mir auf Händen über ihren Köpfen durch die Beiz getragen wurde, ganz ekstatischer, sexy Prediger der wahren R’n’R-Offenbarung, dieweil der Rest der Band stoisch groovend in der Ecke stand. SAY YEAH! Des Wahnsinns fette Beute. Es war einer der Momente, in denen man nicht weiss, wie einem geschieht und mans geschehen lässt, weil es sich gut und neu und aufregend anfühlt, wo man schwitzt und alberne Dinge tut mit einem blödsinnigen Lachen im Gesicht, das irgendwann Krämpfe machen sollte. Augenblicklich verknallt. «You Are My Intended.» YEAH!
LOOP April 08
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Thursday, December 20, 2007
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Current mood:  voluminous
Category: Pets and Animals
Fuzzy ging nach Hause. Er hatte genug gesehen. Blöde Band, blödes Publikum, blöde Weiber, blöde Shots, blöder Kopf. Er zündete eine Zigarette an. Vor ihm kroch ein Mann übers nasse Kopfsteinpflaster. «Respect!», brüllte Fuzzy. «Boogie down, man!» Es war Gerhard Blocher (ER selber). Fuzzy machte sich frei und reckte sein Gemächt: «Vergoldet sind sie schon, diese meine Testikel, wie es sich für einen rechten Schaffhauser gehört. Ihr Autogramm darauf, Hochwürden, machte mein bescheidenes diesseitiges Glück perfekt.» Allein dem grossen Bruder des grossen Christoph war nicht ums Signieren. Zähren durchpflügten das kantig-kühne Antlitz wie die vom Auerochsen gezogene Egge die schwarzbraune Hallauer Krume. «Denn siehe mein Sohn, nun habe ich mein Sackmesser verloren», stiess er, mannhaft gegen den überwältigenden Schmerz kämpfend, hervor. Fuzzy verstand: ein Auftrag! Alsbald war er unten mit Geri. Wie zwei verpeilte Kiffer ihr Peace suchten sie das Nahkampftool, mit dem alles begonnen hatte. In der Gosse. Das Sackmesser. Den Gral. Das Nazigold. Den WM-Pokal. Den Kesslerloch-Rentierknochen. Die Thomy-Mayonnaise. «Du versuchst, die Mandarine zu schälen. Du hast alles. Bohrer, Stemmeisen, Stichsäge, Presslufthammer, Laserschwert. Du schaffst es nicht. Blut rinnt aus der Frucht. Unrein. Es muss. Besudelt deinen Hosenstall. Trotzdem: Die Mandarine bleibt verschlossen. Du gräbst weiter. Deine Finger in diese Haut. Willst du da wirklich hinein? Aber dann: Fragt das Bier, ob es in deine Kehle soll? Es muss, weil es können will. Ist das wirklich eine Mandarine? Täuschen sie dich? Ist alles faul? Aber da: Deine harten Nägel schlagen endlich die kleine Bresche in die hinterlistige, die falsche, diese elastische Haut, die immer nur nachgibt. Die Bresche. Jetzt schnell sein. Handeln. Vorwärtsstürmen. Du denkst: Gut, innen ist es saftig, süss. Doch: Das ist das Zeichen. Dass etwas nicht stimmt. Und was? Aus der Mandarine wachsen die Twin Towers mitten in den schönen Schaffhauser Himmel, hart, Erektionen aus Stahl und Plastik. Nein, nicht die Twin Towers, es sind zwei – Sackmesser!» Fuzzy nickte. Geri reichte ihm die Crackpfeife und auch er nahm einen tiefen Zug. Geniessen. Slow smoke. Alles würde gut werden. Und Hallau Fussball-Europameister.
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Friday, September 07, 2007
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Current mood:  bitchy
Mein Nachbar vom 2. Stock ist ein Schläfer. Ich weiss es. Er hört zu laut Turbonegro und Mötley Crüe, und die nackte Frau auf einem Motorrad, die er sich auf den linken Oberarm tätowieren liess, bestätigte meinen Verdacht. Er übertreibt die Tarnung. Kein normaler Mensch heisst Rüdisühli. Manchmal hör ich des Nachts kehlige Laute durch die Wände. Manchmal schreck ich hoch aus Träumen, in denen er eine Cessna ins Stadttheater fliegt. Bin-Rüdisühli lacht weggetreten am Steuerknüppel, die Jungfrauen werfen Kusshände aus einem Feuerball. Sie sind unter uns! Sie werden es tun. Sie winken auch mir. Ich sage Nein. Ich sage nicht: Wehret den Anfängen. Denn wir nähern uns rasend dem Schluss. Ich sage: Schluss! Die Hottentotten kriegen mich nicht. Auch nicht mein Nachbar vom 3. Stock, der vor seiner Wohnungstür Säcke mit schnell bindendem Zement stapelt. Angeblich braucht er ihn für den Whirlpool, den er in sein Badezimmer einbaut. Ich wollte ihn zum Geburtstag mit einer Kirschtorte überraschen, doch seine Wohnung war voll mit rasierten Männern im Anzug. Auch er war voll. Voll Grappa, nicht voll Kirsch. Nie die Deckung vernachlässigen, Rocky! Rocky heisst zwar Kurt Leu, doch seine Frau – mittlerweile ist sie in den Wechseljahren – kommt aus San Luca. Als sie vor 22 Jahren neu einzogen, luden sie mich zum Teigwarenessen ein. `Ndrangheta trug ein Kleid mit Blumenmuster und bückte sich zum Schöpfen so zu mir, dass ich von oben Einsicht bis zu ihren rötlichen Schamhaaren gehabt hätte. Ich klemmte die gekauten Spaghetti zwischen Zahnreihen und Wange und spuckte im Klo aus. Sie hatten von Anfang an geahnt, dass ich wusste. Sie wollten mich vergiften, entmannen und unter der Whirlpoolwanne einmauern. Ich muss wach bleiben. Wach. Auch wenn ich durch Berge von Kot, Blut, Sperma, Scherben und dampfendem Erbrochenem zur Haustür wate und Retorten wegkicke, in denen das Crack für die Schulkinder destilliert wird. Ich ducke ich mich vor Querschlägern, die sengend durch die Luft sirren, und sehe die parkierten Stretchlimousinen mit den getönten Scheiben. Mich leimen sie nicht. Videoüberwachung und lahme Verordnungen nützen jetzt einen feuchten Kehricht. Es ist Krieg!
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Wednesday, July 25, 2007
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Current mood:  blah
Wenn sogar Gölä für das Klima ist, bleibt die Baustelle verwaist, und das geht ja nun auch nicht. Wer also sprang am 07.07.07 für ihn ein, schraubte, hämmerte, bohrte, sprühte, schliff? Genau: der Odermatt. Radio Top berichtete zwischen Werbejingles für Fugen-Rüdisühli Hefenhofen und dem Interview mit einem Zuzwiler Traumhochzeit-Paar über «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!». Im Halbstundentakt und auf angenehme Art sinnentleert aufgeregt. Dann wieder Shakira, James Blunt und «Sweet Home Alabama», welch letzterer Song die malochende Baustellen-Crew zu Kurzzeitekstase und sexy Moves auf rostenden Stahlträgern pushte. Das wars aber schon. Dem wahren Büezer ging «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!» doch recht gnadenlos am verschwitzten Arsch vorbei. 24 Stunden Musik und neuer Madonna-Tune hin oder her. Und, hoi! Niemand muss ihm nach Feierabend sagen, dass er den Stecker ziehen soll, denn der Hilti hat keinen bescheuerten Stand-by-Knopf. Auch nach getaner Arbeit schaut er nicht in die Röhre, denn da braucht der wahre Büezer nur eins: ein schönes kühles Blondes gegen den Dreck auf der Zunge. Im Erkerstädtchen Schaffhausen kriegt er dies seit dieser Saison in einem echten Biergarten, mit Blechtischen, Kiesboden, Kastanienblattdach. Wer will, trinkt dort statt Falkenbier auch mal Astra. Das Grundnahrungsmittel jedes St.-Pauli-Fans ist nicht zufällig im Angebot von «El Sommergarten», denn die Beiz im ehemaligen «Schweizerhof» nahe der Schifflände wird von zwei charmant-stoischen Hamburger Recken, Marc Zimmermann und Frank Windelband, während der Sommermonate als Provisorium betrieben (das aber für die Schaffhauser Gartenjugend und wahre Büezer bereits absolut nicht mehr wegzudenken ist). Den Roots der beiden Geranten in der Hamburger Szene verdanken sich die Konzerte im rustikalen Innern des Lokals – so spielte zur Eröffnung Nils Koppruch auf, neulich war die pickelhaubenbewehrte Combo Speedmöik zu Gast, die mit angedeuteten Stechschritten den Radetzkymarsch und – ganz gross – «An der schönen blauen Donau» in doch recht quadratalbernen Metal-Art-Rock übersetzte. An einigen Sonntagen brachte zudem Ex-Sterne-Mann Frank Will (auch er ein Hamburger im SH-Exil) mit einer Hausband «Tequila» und «Universal Tellerwäscher» und nahm dabei hanseatisch cool «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!» längst vorweg, indem er mit einem weiteren Sterne-Klassiker die wichtige/richtige Frage aufwarf: «Was hat dich bloss so uri, ähm, ruiniert?» Tja. Auch deshalb tranken wir an diesem schönen Samstag dann noch ein schönes Bier und noch eins und noch eins unter dem Kastanienblätterdach und dem Motto: Stell dir vor, es ist Klima, und keiner geht hin.
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