Sie spielt jetzt die Musik
Immer mehr Bands haben eine Frau an der Spitze – und feiern große Erfolge. Die nächste steht schon in den Startlöchern: „Zweitfrau“ ist da und bereit, die deutsche Musiklandschaft zu erobern. BUNTE sprach mit ihrer Frontfrau Diana Lueger und den anderen starken Mädels der deutschen Poprocklandschaft.
von Stefanie Will
Wenn Diana Lueger auf der Bühne steht, wird aus der zarten Blondine oft eine richtige „Rampensau“: Sie feuert ihre Zeilen ins Mikrofon, schmeisst wild ihre Mähne, sprintet zum Schlagzeug und trommelt sich die Seele aus dem Leib. Sie ist strahlender Mittelpunkt der Show und rockt, was das Zeug hält. Ihre Jungs reagieren dabei prompt auf jedes Kommando, denn sie ist der Kopf der Band „Zweitfrau“, eine Frontfrau.
>Mieze, AnNa von Rosenstolz & Co. erklären das Phänomen „Frontfrau“
Die Newcomer-Band aus Österreich schwimmt ganz im Trend, der sich seit einigen Jahren in Deutschland durchgesetzt hat: Bands wie „Juli“, „Silbermond“ oder „Wir sind Helden“ feiern Riesenerfolge. Und sie alle haben etwas gemeinsam: Eine Frau als Chef. Wobei Chef nicht das richtige Wort ist, denn so sehen sich die Frontfrauen nicht. „Das wirkt nach außen so, als ob ich das leite, aber im Grunde bin ich auf jeden von meinen Jungs total angewiesen“, sagt Diana Lueger. Trotzdem ist es auffällig: Die Erfolgswelle des deutschen Poprock wird immer weiblicher. Und mit Zweitfrau wagt wieder eine Band mit Frau an der Spitze den Angriff auf die Charts.
Ina Deter sang „Neue Männer braucht das Land“. Das Poprockland hat stattdessen neue Frauen bekommen. Klar gab es schon immer starke Frauen in der Musik, doch jetzt sind sie längst keine Exotinnen mehr. Sie geben ihren Bands vielmehr noch einen extra Schuss Charakter und Persönlichkeit mit. Schwierigkeiten sich zu behaupten? Haben sie schon lange nicht mehr. Sie stehen auch nicht als dekorative Püppchen am Bühnenrand, es sind einzigartige Frauen mit Charisma, die für viele Rollenvorbilder sind, zu denen man aufschauen und die man bewundern kann.
„Zweitfrau“ gibt es seit 2004, doch nun wollen Diana und ihre Jungs, Martin Pauser (Gitarre), Lex Machat (Bass), Markus Gradlsching (Schlagzeug) und Piotr Szwarczewski (Keyboard), auch endlich Deutschland erobern. Ihr Rezept: Provokante und frische Texte, die mit Klischees und Stereotypen spielen (z.B. in „Dicke Weiber und Roulette“). Dazu facettenreiche Melodien, mal leise und emotional mit Gänsehauteffekt, mal krachend laut und hart-rockig gespielt. Die neue Single „Intensiv“ ist seit 14.11. im Handel.
Warum sind diese Bands mit den tollen Frauen an der Spitze so erfolgreich?
Gut so! Ich habe gerade heute darüber nachgedacht, dass es noch viel mehr Jungs als Mädels in der Musikwelt gibt. Deshalb ist das doch ein Supertrend und da immer mehr Mädels sich daran wagen, fällt dieses Konzept mit einer Sängerin und vier Jungs jetzt so auf. Die Zeit war auch einfach reif dafür.
Was zeichnet eine gute Frontfrau aus?
Mut für Natürlichkeit auf der Bühne und diese Plattform zu teilen. Man sollte nicht zu lieb und zurückhaltend sein. Ich steh.. auf starke Frauen wie Madonna und Gwen Stefani und spreche das mit Zweitfrau auch an. Auch die Themen der Songs sind auf Stärke und Selbstbewusstsein aufgebaut. Das sind Frauen, die einfach ihr Ding durchziehen, egal was andere dazu sagen.
Was sagen denn die Männer dazu?
Es gibt viele, die sind nicht selbstsicher genug und packen das nicht, wenn eine Frau ständig mit Band auf Tour ist. Das können Sie ja gar nicht kontrollieren.
Ist da schon mal eine Beziehung dran kaputt gegangen?
Viele Beziehungen, weil ich einfach eine starke und viel arbeitende Frau bin – aber das ist ja nicht nur in unserer Branche so. Gott sei Dank gibt es viele Männer die damit gut klarkommen. Ich hab jetzt so einen und den werde ich nicht wieder gehen lassen.
Der kommt auch damit klar, wenn du mit den Jungs auf Tour bist?
Ja, weil es ist unser Keyboarder, Piotr.
Und das funktioniert?
Sehr gut sogar, schon seit eineinhalb Jahren. Ich könnte auch niemanden außerhalb der Band haben, weil ich einfach nicht die Zeit habe.
Verarbeitest du auch dein persönliches Leben in den Songs?
Ja, weil es unser Debut ist. Seit fünf Jahren schreiben wir schon an den Songs und es ist sehr breit, weil einfach viele Sachen passiert sind. Ich hab hier und da gelebt, war mit diesem und jenem Mann zusammen...
Apropos Männer: Was steckt hinter dem Bandnamen „Zweitfrau“?
Der Begriff beschäftigte uns schon mehrere Jahre bevor wir uns gegründet haben. Damit sind einfach unheimliche Emotionen verbunden, jeder hat da schon mal eine lustige oder traurige Geschichte erlebt oder gehört. Es geht darum, zu leben, wie man es für richtig hält. Als Zweitfrau oder mit einer Zweitfrau. Für Ehrlichkeit in einer Beziehung plädiere ich allerdings schon.
Warst du mal eine Zweitfrau?
Ja, zweimal. Einmal wusste ich nicht davon, das andere Mal schon. Ich wollte aber auf gar keinen Fall was kaputt machen, da ist man schon sehr in der Bredouille. Und du selbst lebst immer im Hintergrund, da leiden viele schon sehr darunter. Ich finde, man sollte aufpassen, dass man nicht absichtlich Leuten weh tut.
Was machst du, wenn dein Freund eine Zweitfrau hat?
Manchmal denk ich: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Ich glaube nicht pauschal an Treue, aber ich möchte auf keinen Fall belogen werden. Wenn in einer langen Beziehung einmal was passiert, könnte ich wohl drüber hinweg sehen. Aber wenn die Beziehung stimmt und man sich liebt, sollte so was eigentlich nicht vorkommen. Hundert Prozent sicher kann man sich allerdings nie sein. Das Leben geht ja nicht immer genau nach Plan.
Euer Erfolg mit „Zweitfrau“ anscheinend schon, nächstes Ziel ist Deutschland. Könnt ihr auf den Erfolgszug der Bands mit Frontfrauen aufspringen?
Ja, mit dem Album („Rückendeckung“, VÖ 16.1.2009) denke ich schon. Und wenn nicht mit dem nächsten. Wir sind einfach gemeinsam diesen Weg gegangen und werden ihn weiter gehen. Ich als Frontfrau könnte das allerdings nicht machen, wenn nicht jeder von den Jungs seine Aufgabe mit Leidenschaft erledigen würde.
Interview von Stefanie Will www.bunte.de