27.9. JenaVon Zürich nach Jena, eine ganz schön lange Fahrt. Nachdem sich alle die Zähne geputzt und ihre Schokoladenreserven
oral vernichtet haben, gibt es auch direkt schon wieder eine Besprechung: für das nächste Jahr haben wir SISTERS uns einiges vorgenommen. Die meisten von uns verfolgen auch noch Solokarrieren und andere Projekte. Über die lange Zusammenarbeit, die CD-Veröffentlichung, die Zukunftsplanung und auch durch die
großartigen Vibes, die wir auf dieser Tour haben, ist SISTERS jeder von uns noch mehr ans Herz gewachsen. Wir staunen selbst ein bisschen darüber, dass wir in unserer Verschiedenheit so eine
Einheit bilden. Vielleicht ja genau deswegen. Onejiru findet, "wir sind die sieben Facetten einer Frau". Darauf eine Limo.
In Jena parken wir in einem äußerst gemütlichen grünen Areal mit abgestellten Bahnwaggons und zig
Graffiti-Kunstwerken: der Hof des
Kassablanca.
Der Club ist in vielerlei Hinsicht eine
Oase. Außer Musik wird dort auch kulturell und politisch einiges veranstaltet.
Respekt an die Crew: wenn sich nicht immer wieder Leute finden würden, die ihren Hintern hoch kriegen und sowas im Schweiße ihres Angesichts anpacken und durchziehen, wäre so manche Gegend um Einiges an
Kultur und Anstand ärmer. Orte wie dieser sind nicht nur zum Spaßhaben da, sondern auch
Überlebenshilfe for the soul. Das soll hier nur mal erwähnt werden.
Wir knipsen schnell ein paar lustige Fotos auf dem Hof, weil die Graffitis so gut zu unseren Hosen passen - oder umgekehrt... Rein zum Soundcheck, und danach geht's auch schon in den
Turm, zum lecker Abendessen. Da man sich vielleicht 1-2 Tage von Snacks ernähren kann, aber keine ganze Tour hindurch, haben wir Künstlerinnen das Glück, an den meisten Orten an denen wir spielen, etwas gesundes gekocht zu bekommen.
Mnjam. Nach einem wahnsinnig tollen Essen (u.a. Bio-Karotten, die schmecken als wären sie mit klassischer Musik und viel persönlicher Ansprache großgezogen worden) geht's auch schon direkt wieder ans Anziehen, Styling und
Zittern vor dem Auftritt.
Nach den ersten paar Songs verrät man uns konspirativ, dass der Veranstalter Martin um 00:00 Uhr Geburtstag hat! Natürlich singen wir ihm um 00:01 sofort ein Ständchen (und zwar Stevie Wonder's "
Happy Birthday", nicht das olle andere), was ihm sichtlich die ersten
10 Sekunden lang unangenehm ist. Danach fügt er sich in sein Schicksal und scheint sogar ein bisschen Spaß dran zu finden - oder ist ein guter Schauspieler. Er flüchtet Richtung Tresen. Weiter in unserer Show. Die
Jenaer Crowd besteht aus vielen Frauen in vorderster Reihe, und es kam uns fast so vor, als ob die gute Laune des Publikums auf uns überschwappte - cool, normalerweise geht es doch umgekehrt, oder? - Nix dagegen, au contraire. Die Leute waren
super sympathisch, und die
Party danach auch nicht schlecht. Ein cooler DJ legte geschmackvoll auf, und Robert und Noah hatten endlich ihre
dance battle. Bevor ein
Arzt gerufen werden musste, stellten die SISTERS ihnen schnell eine Flasche
Rotkäppchensekt zur Schlichtung bzw als Preis hin. Das Öffnen der Sektflasche ... üben wir nochmal. Man tanzte angeschickert auf pappigem Boden weiter. Meli hielt sich bei der Dance Battle vornehm zurück, da sie die beiden Contestants sowieso innerhalb von 5 Sekunden
lebenslang demoralisiert hätte. Tipp: fordert NIE, NIEMALS Meli zu einer dance-battle auf, außer Ihr wolltet Haus und Hof sowieso gerade loswerden...
Müde und glücklich klettern wir gegen 3 Uhr in den Bus - und fahren über Nacht zum Abschluss der Tour.
Last Exit Hamburg.
28.9. HamburgSchon kurz nach Mittags hält unser Bus an der
Fabrik. Wir sind früh dran. Also erst mal aussteigen und schauen, was da auf uns zu kommt. Überraschenderweise hat der Club geöffnet! Obwohl es erst 12 Uhr ist, stehen Leute davor und rauchen und es sind E-Gitarren von innen zu hören.
Hä?
Kaum in die Bude eingetreten, haben wir eine
Begegnung der Dritten Art: Wir stehen plötzlich mitten in einem
Kinderkonzert! Die ca 15köpfige Kinderband singt sowas wie "mein Kuscheltiiier -- gehört zu miiiieer", dazu Rockband-Bestezung und viele Fans. Die sind allerdings teilweise unkonzentriert: Drei ca. Fünfjährige spielen Kicker, einer weint. Jemand anders versucht mit Gewalt, noch
50 Cent Taschengeld rauszupressen. Auf der Toilette fluchen zwei ca siebenjährige Mädels, warum "
die verdammten Waschbecken so verdammt hoch" seien (und haben verdammt vollkommen recht damit verdammtnochmal).
Hier spielen sich Schicksale ab. Erst mal genug gesehen. Zurück zum Bus. Der hat auch schon Fans. Ein Kind steht vor der Tür und ruft "Mama, ich will mit dem Bus da nach Hause fahren!" -nun ja, wir auch. Allerdings erst heute Nacht. Vorher wollen wir noch Hamburg rocken. Wir bedauern dass die Tour heute schon ihre letzte Station hat.
Gibts doch gar nicht. Wir fühlen uns so gut eingespielt und harmonisch, dass wir eigentlich jetzt auf Tour gehen könnten. Wer hätte gedacht, dass wir keine
Verschleiß-Erscheinungen davon tragen würden, sondern im Gegenteil, hinterher frischer und besser drauf sein würden als vorher? Muss was mit dem sympathischen Publikum zu tun haben...
Unser bester Nightlinerfahrer auf Welt (das merkt man daran, dass man
ganz ohne Angstzustände wie ein Baby schlafen kann) verrät uns, dass der Bus ab morgen schon wieder an die nächste Gruppe vermietet ist. Und zwar -Jetzt festhalten- an die
CHIPPENDALES! argh. Erst die SISTERS, dann die Chippendales, das ist Kulturclash Pur. Würde vs ... okay, nicht abschweifen.
Den Nachmittag verbringen wir mit weiteren Meetings und beim Soundcheck. Einige von uns sind so hungrig, dass sie beim Lied "Everytime" inzwischen statt der Zeile "not just Jesus..." nur noch
"Nachos, cheeses" verstehen! Showtime rückt näher. Unsere befreundete
Visagistin Oumou ist extra gekommen, um uns für den Abschlussabend
professionell zu schminken. Whoa! Wir fühlen uns mindestens wie J-Lo, und
eine Million Dollar. So können wir uns in Hamburg sehen lassen. Jetzt müssen wir uns nur noch einigen, wer das
geile neue "gender riots"-T-Shirt zum Auftritt tragen darf. Meli gewinnt. Sieht auch wirklich fresh aus.
Los geht's.
Matthias, der unser Album produziert hat, sagt uns an. Dem wollen wir natürlich auch zeigen, dass wir nicht die geringsten Tour-Verschleißerscheinungen haben. An die
Kameras, Fotografen und Freunde vor der Bühne denken wir am besten gar nicht erst. Nicht dass das schöne Profi-MakeUp leidet ...
Die Show geht für uns so schnell vorbei als wären es nur 10 Minuten gewesen. Man ist sowieso in einem anderen
Raum-Zeit-Kontinuum auf der Bühne, aber das ging nun wirklich ratz fatz. Noahs FreundInnen kamen zu ihrem Heimspiel, die Stimmung war für die verwöhnte Großstadt Hamburg schon unanständig tanzfreudig, und wir wollten uns hinterher lange nicht vom Signiertisch und den HamburgerInnen trennen. Ganz toll auch hier: unser Konzert war ein echter
Familien-Event. Das Publikum war zwischen 13 und 45, auf der Tour haben wir an mehreren Gelegenheiten
3 Generationen versammelt, und das macht uns nochmal extra Freude!
Letzte Eindrücke aus Hamburg: Party, Singen mit
FreundInnen aus 4 Kontinenten, eine
gekaperte Eckkneipe in Altona, und ein
gutaussehender Barkeeper, der uns aus einer
Reality-Soap verdächtig bekannt vorkommt. Feiern, umarmen, Bewundern, erleichtert sein, dass wir mit der Tour die richtige Entscheidung getroffen haben... hoffen auf
noch mehr tolle Konzerte und frohe Erwartung auf das was da noch kommt.
Und nur noch mal kurz, weil 1. lange Abschiede doof sind und das 2. ja gar kein
Abschied ist sondern erst der Anfang: Es war eine spitzen Erfahrung für uns und großartig, Euch alle zu treffen. Wir können das nächste mal kaum erwarten.