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Last Updated: 11/29/2009

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Friday, April 18, 2008 

Current mood:  happy
Jetzt wird es aber endlich mal wieder Zeit, dass ich euch wissen lasse, was ich in den letzten Wochen erlebt habe. Die Karwoche vor Ostern fand eines der Großereignisse des Jahres in Sevilla statt, die "Semana Santa" ("Heilige Woche"). Während dieser Woche finden jedes Jahr Prozessionen statt, mehrere täglich. Jede Prozession wird von einer Bruderschaft begleitet, die von den einzelnen Kirchen aus mit Kutten und Kappen durch die Stadt ziehen und riesige Marien- und Jesusfiguren auf ihrem Weg durch die Stadt begleiten. Von Spaniern habe ich mir sagen lassen, dass jede dieser Figuren mehrere Tonnen wiegt, und daher benötigt man viele Träger, die das ganze Jahr für diese Woche trainieren.
In der Semana Santa hatte ich Besuch von einer Freundin, Jenny, die ich letztes Semester hier in Sevilla kennen gelernt habe und die im März bereits wieder nach Deutschland zurückgekehrt war. Sie kam auf einen Kurzbesuch wieder nach Sevilla, und wir hatten eine sehr schöne, spannende Woche zusammen. Obwohl ich gesundheitlich ein wenig angeschlagen war, haben wir uns doch einige Prozessionen ansehen können, darunter auch eine der zwei wichtigsten, in welcher die "Macarena"-Figur in der Nacht auf Karfreitag durch die Innenstadt Sevillas getragen wurde und dabei auch an meinem Haus vorbeikam. Wegen der günstigen Lage meiner Wohnung konnten wir uns die Prozessionen von meinem Balkon aus ansehen, was sehr angenehm war, da es oft geregnet hat. Besonders gefallen haben mir die nächtlichen Prozessionen, bei denen die Bruderschaften Kerzen trugen, und auch auf den Figuren waren Kerzen angebracht, so dass eine ganz besondere Atmosphäre entstand.
Insgesamt hat mich die "Semana Santa" wirklich beeindruckt, da sich ganz Sevilla in dieser Woche verwandelt zu haben schien, allerdings war es auch etwas anstrengend, sich immer wieder durch die riesigen Menschenmassen zu kämpfen, wenn man in die Stadt oder wieder nach Hause gehen wollte, da täglich und fast rund um die Uhr Prozessionen stattfanden. Da konnte es auch einmal vorkommen, dass man partout keinen Weg finden konnte, der nicht versperrt war und über eine Stunde wie in einem Labyrinth in der Stadt umherirrte, bis man dann doch irgendwo durchkam. Am Ostersonntag erwartete uns strahlender Sonnenschein, und den Nachmittag verbrachten wir bei Indra und Julia auf der Dachterrasse, die uns zu einem Brunch mit Freunden eingeladen hatten, bei dem es uns wirklich an nichts fehlte: Vom Osterzopf, über diverse Salate, Schokoeier und Kuchen, bis zu bunt bemalten Ostereiern war wirklich alles vorhanden. Es war ein wunderschöner Tag! Für Jenny war es der letzte Tag in Sevilla, sie ist am nächsten Tag wieder abgereist.


Vor zwei Wochen war ich dann für einen Kurzurlaub in Deutschland bei meiner Familie, den ich sehr genossen habe. Das Wetter war leider schlecht, aber ich konnte mich trotzdem gut erholen und es war schön, meine Familie mal wiederzusehen und einige Freunde zu treffen. Als ich dann wieder in Sevilla gelandet war, musste ich mich erst mal daran gewöhnen, dass auch Sevilla wohl nicht vom Regen verschont geblieben worden war. Das war besonders hart, da letzte Woche die "Feria de Abril" stattfand, am besten zu erklären als eine Art spanisches Oktoberfest, und die ersten Tage eher sprichwörtlich ins Wasser fallen mussten. Das einzig gute daran war, dass ich also nicht allzu viel von der Feria verpasst hatte.
Zur Feria tragen die Sevillanerinnen Kleider im Flamencostil, die Männer Anzug oder ebenfalls traditionelle Kleidung. Man konnte aber auch viele Sevillaner in legerer Kleidung sehen. Ich hatte vor der Feria leider vergeblich nach einem Kleid gesucht, daher habe ich mich mit einer blauen Rose im Haar und dazu passenden Ohrringen begnügt   Die  Rose gehört hier für die Frau sozusagen zur "Grundausstattung", und es gilt das Motto "je größer und farbenfroher, umso besser". Und an Farbenvielfalt mangelte es auch dem Festgelände nicht: Überall konnte man bunte "Casetas" (Festzelte) sehen, die Straßen waren mit Lampions geschmückt, und die bunten Kleider der Frauen übertrumpften sich gegenseitig in Farben- und Mustervielfalt. Neben einem Teil mit Festzelten gab es außerdem noch einen Vergnügungspark mit "Noria" (Riesenrad), Achterbahn und allem, was dazugehört, den wir uns natürlich auch nicht entgehen ließen! Ich bin nachts mit dem Riesenrad gefahren und hatte einen wunderschönen Blick über Sevilla, wenn es auch etwas windig war und ich Angst um meine Rose im Haar hatte

Alles in allem fühlte ich mich fast wie auf dem Oktoberfest, nur dass man eben Flamencokleider statt Dirndl trug. Naja, das Bier fehlte natürlich auch, aber dafür gab es ja  "Rebujito" (eine Mischung aus Manzanilla und Limo). Die Feria hat mir mal wieder gezeigt, wie wichtig Tradition für die Spanier ist und wie stolz die Sevillaner auf ihre Stadt sind, was sie auch wirklich sein können!!! Am Sonntag wurde die Feria durch ein Feuerwerk um Mitternacht abgerundet, das ich mit meinen Mitbewohnerinnen und ein paar Freunden von der Dachterrasse aus angesehen habe. ¡Viva Sevilla!

Sunday, March 09, 2008 
Die letzten zwei Wochen sind mal wieder wie im Flug vergangen!! Am Montag vor zwei Wochen ist Eva, eine Freundin aus München, zu Besuch nach Sevilla gekommen. Ich habe mich sehr über ihren Besuch gefreut, der schon lange geplant war. Vor fast einem Jahr hatte ich sie in Norwegen besucht, als sie dort ihr Erasmus-Jahr gemacht hat. Nun kam sie also zu Besuch ins warme Spanien, das doch sehr anders ist als Norwegen!
Zusammen besuchten wir die schönsten Plätze in Sevilla, wir waren in der Kathedrale, auf der Giralda, in den Reales Alcázares (Festung), an der Plaza de España, am Fluss uvm. Am Fluss haben wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, sind nach Triana über die Brücke geschlendert und haben den Anglern beim Angeln zugesehen. Wir haben eben so richtig den Frühling genossen! Außerdem habe ich ihr in meinem Viertel ein paar schöne Cafés gezeigt, und wir waren Tapas essen in einer der besten Tapas-Bars in der Gegend, die ich für ihre internationale Küche und ausgefallenen Kreationen liebe. Da Eva vom Flamenco nicht ganz so angetan ist, haben wir uns dann dazu entschlossen, uns ein Jazz-Blues-Konzert anzuhören. Passend dazu haben wir natürlich auf unseren abendlichen Ausflügen durch das Viertel auch nicht das Jazz-Café ausgelassen, über dem ich wohne (mein Zimmer ist direkt über dem Café, was sich besonders in den Nächten bemerkbar macht... ).
Ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie anders man selber doch seine Stadt wahrnimmt, wenn man Besuch hat und durch die Gassen schlendert! Man sieht alles plötzlich mit ganz anderen Augen und entdeckt die schönsten Plätze. So habe ich auch während Evas Besuch ein paar schöne Läden entdeckt, die mir vorher noch  nie so aufgefallen waren, und wir sind durch ein paar Gassen und Teile der Altstadt gelaufen, wo ich selber noch nie war. Eva hat mir außerdem mal wieder vor Augen geführt, wie sehr ich mich doch schon akklimatisiert habe, denn während Eva in T-Shirt durch die Stadt lief, musste ich meine Jacke und den Schal anbehalten, weil mir doch noch etwas zu kalt war. Ich bin wohl schon zur Halbspanierin mutiert...

Und dann war am Freitag auch schon Evas Zeit in Sevilla zu Ende. Doch das war keinesfalls ein Grund, Trübsal zu blasen, denn weiter ging es nach - VALENCIA!!! Eva und ich machten uns am Freitagnachmittag auf zum Flughafen, um für ein Wochenende nach Valencia zu fliegen und dort ihre spanischen Freunde (Verónica, Andreu und David) zu besuchen, die sie während ihres Erasmus-Jahres in Norwegen kennen gelernt hatte. Nachdem wir in Valencia in Verónicas Wohnung angekommen waren, bei der wir das Wochenende über wohnen durften, machten wir uns auch schon gleich auf, um etwas essen zu gehen. Vero und Andreu führten uns in ein asiatisches Restaurant, das uns beide schwer beeindruckt hat. Hier konnte man zum einen von einem riesigen Buffet auswählen, doch da ich als Vegetarierin mit so viel Fleisch- und Fischgerichten leider nur das Brot und den Salat essen konnte, nahm ich sogleich die zweite Option wahr: Man konnte sich vom Buffet einen Teller mit Zutaten zusammen stellen, mit dem man dann zum Personal am Grill gehen und sich dazu auch noch eine Sauce aussuchen konnte. Die Zutaten wurden in der Pfanne gebraten und dann die Sauce noch hinzugefügt. So konnte jeder Gast sein individuelles Gericht zusammenstellen. So was will ich auch in Deutschland!!! Später kam dann auch noch David hinzu, der etwas länger arbeiten musste, und wir verließen das Restaurant, um uns einen ersten Eindruck von Valencia (bei Nacht!) zu machen. Die Ciudad de las Artes y de las Ciencias (Stadt der Künste und Wissenschaften), mit Scheinwerfern angestrahlt und durch verschiedene Farben deutlich vom Rest der Stadt abgehoben, bot einen beeindruckenden Anblick, und wir fassten den Entschluss, sie in den kommenden Tagen auf jeden Fall in unser "Touristenprogramm" mitaufzunehmen. Nach diesem kurzen Rundgang ging es auch schon nach Hause, weil wir alle ziemlich fertig von der Reise bzw. von der Arbeit waren.

Der nächste Tag begann mit einem Rundgang durch die Altstadt, wobei wir uns auch den Aufstieg auf den Turm der Kathedrale nicht entgehen ließen. Dieser gestaltete sich jedoch etwas mühsamer als gedacht, da die Wendeltreppe doch sehr eng war und die Stufen einfach kein Ende nehmen wollten Der Blick von der Kathedrale über Valencia entlohnte uns doch wirklich für alle Anstrengungen, und selbst die Spanier mussten zugeben, dass sie noch nie dort oben gewesen waren.
Um 14 Uhr erwartete uns ein ganz besonderes Ereignis: Die erste mascletà des Jahres auf dem Platz vor dem Rathaus, vor Beginn der Fallas, das sind Festumzüge zu Ehren Josefs, des Zimmermanns, welche ca. zwei bis drei Wochen dauern. Während einer mascletà werden Unmengen von Böllern und Feuerwerkskörpern gleichzeitig gezündet, was einen ohrenbetäubenden Lärm gibt. Die Menschen versammeln sich zu diesem "Großereignis" im Zentrum der Stadt am Rathausplatz, um sich das Spektakel keinesfalls entgehen zu lassen. Und was soll ich sagen? Wir standen da am Samstag mittendrin. Zunächst hatten wir ein paar Bedenken, ob unser Trommelfell wohl Schaden nehmen würde. Und auch die Tipps der Jungs, wie man am besten einen Hörsturz vermeiden könne, trugen nicht gerade dazu bei, uns unser mulmiges Gefühl zu nehmen. Doch als das Spektakel erst einmal angefangen hatte und man selber in die Begeisterung der Menschenmassen mit einstimmte, waren alle Bedenken verflogen, und mir erschien die mascletà schon wieder fast zu kurz
Und dann ging es auch schon wieder weiter, denn wir hatten für den Tag noch einiges geplant. Nach einer kleinen Runde durch einen anderen Teil der Altstadt, war unser nächstes Ziel die Ciudad de las Artes y de las Ciencias, wo wir uns das L'Oceanogràfic, das größte Aquarium in Europa, anschauen wollten. Doch kaum waren wir drin, mussten wir auch schon zu unserer Enttäuschung feststellen, dass das Licht der Wasserbecken nicht funktionierte und man nichts sehen konnte. Deshalb schauten wir uns erst einmal im Außenbereich der Anlage um, wo es auch einiges an exotischen Vögeln, Fischen und Seehunden zu sehen gab. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens auf eine Behebung des Problems durften wir dann eine weitere Stunde auf die Rückgabe des Eintrittsgeldes warten (welche wir uns aber mit lustigen Ratespielchen zu diversen Kinofilmen vertreiben konnten).
Nach all dem Ärger war erst einmal eine kleine Erholungspause angesagt, die wir in einem typisch valencianischen Café in der Nähe des Hafens verbrachten. Dieses Café ist stadtbekannt, laut der Aussage von Vero, David und Andreu, und besitzt die beste Horchata (ein milchartiges Getränk aus Erdmandeln), zu der man Fartons ist, ein Hefegebäck, das man noch warm in die Horchata eintunkt. Natürlich bestellten wir uns dann auch eine Runde Horchata und Fartons, die wirklich eine ganz besondere kulinarische Erfahrung für mich waren. Anschließend, zur spanischen Abendessenszeit gegen 22 Uhr, gab es dann noch ein kleines Abendessen, das wir alle zusammen zubereiteten.

Der nächste Tag war ein vollkommener Entspannungstag für uns. Wir waren in Veros Heimatstadt Peñíscola bei deren Eltern zum Paellaessen eingeladen. Vorher schauten wir uns noch ein bisschen im Städtchen um. Peñíscola ist ein süßes Fischerstädtchen mit tollem Strand und ganz eigener Atmosphäre und daher auch sehr beliebt als Urlaubsort, sowohl bei den Spaniern, als auch bei ausländischen Touristen. Die Burg, welche auf einem Felsen über der Stadt thront, ist das zweitmeist besuchte Ziel innerhalb Spaniens.
Von Veros Familie wurden wir wirklich sehr herzlich aufgenommen, sie waren sehr gute Gastgeber, die Paella hat sehr toll geschmeckt, und von der Terrasse aus hatte man einen herrlichen Ausblick. Wir fühlten uns an diesem Tag wie im Sommerurlaub. Wenn es noch etwas wärmer gewesen wäre, hätte ich mich glatt mit dem Bikini ins Meer gestürzt.
Nach dem tollen Essen mussten wir uns schweren Herzens auch von Veros süßem Hund verabschieden, den wir alle sofort ins Herz geschlossen hatten, und zurück ging es in die Stadt, zum Aufstieg auf den Berg. Dort besichtigten wir die Burg, die vom Templerorden auf den Ruinen einer maurischen Burg erbaut worden war. Von der Burg aus hatten wir einen tollen Ausblick auf das Meer und über das Städtchen, so dass unsere Digicams viel zu knipsen hatten. Vero zeigte ihre Vorliebe für Selbstauslöser-Gruppenbilder; überall stellte sie die Kamera auf, selbst noch als die Burg eigentlich schon geschlossen werden sollte und alle außer uns die Burg verlassen hatten, suchte sie nach dem besten Ort für ein Gruppenmotiv. Dank ihr haben wir jetzt aber wirklich ein paar tolle Gruppenbilder!
Und so schnell kann auch ein schöner Sonntag wieder vorbei sein, wir machten uns auf den Weg in Richtung Valencia-Stadt, das ca. eineinhalb Stunden von  Peñíscola entfernt liegt. Bei einem lustigen Tapas-Essen in einer Bar  mit ein paar Freunden und anschließend zu Hause ließen wir den Abend ausklingen.

Der nächste Tag war dann auch schon unser Abreisetag. Leider, denn wir wären gerne geblieben! Den Morgen nutzten Eva und ich noch zum Einkaufen im Stadtzentrum, bevor wir dann mit Vero und ihrer Mitbewohnerin zu Mittag aßen, und dann hieß es auch schon Abschied nehmen, was uns beiden wirklich sehr schwer fiel, da wir ein paar tolle Tage in Valencia verbracht haben, die wir sicher nie mehr vergessen werden!!! Andreu brachte uns noch zur U-Bahnstation, von wo aus Eva und ich zum Flughafen fuhren. Und wie es der Zufall so wollte, flogen wir beide vom selben Gate ab, Eva eine Stunde vor mir nach München, ich dann nach Sevilla. So hatten wir wenigstens noch ein bisschen Zeit zusammen zum Ratschen, wie das eben bei Frauen so ist... Denn wir werden uns wohl erst wieder in einem halben Jahr sehen, dann wieder zurück in München. An diese tolle Woche zusammen werden wir uns sicher noch jahrelang gerne zurückerinnern!!!

Thursday, February 21, 2008 

Auf den Tag genau ist es heute eine Woche her, dass ich mit drei Freundinnen zu einer Andalusien-Tour aufgebrochen bin, die ich sicher nie wieder vergessen werde. Auf dem Plan standen Ronda, Gibraltar und Tarifa. Für Bina, Anne und Gunvor war es die letzte Reise am Ende ihres Auslandssemesters in Sevilla, für mich war es ein Kurzurlaub nach den stressigen "semanas blancas", in denen die Klausuren geschrieben wurden. Bina und Anne sind bereits wieder zurück in Deutschland, für Gunvor geht es in wenigen Wochen zurück in die Heimat. Damit uns diese Reise noch lange in Erinnerung bleibt, werde ich hier das Erlebte einmal kurz zusammenfassen.


Am Donnerstagmorgen machten wir Mädels uns mit einem kleinen, grünen Fiat, unserem Mietwagen, auf den Weg in Richtung Ronda, der ersten Station unserer Reise durch den Süden Andalusiens. Nachdem wir den halsbrecherischen Stadtverkehr Sevillas erfolgreich hinter uns gebracht hatten, ging es durch die hügelige andalusische Landschaft, vorbei an Olivenhainen, Schafherden und kleinen Fincas. Staunen durften wir auch über die „pueblos blancos" (weiße Dörfer) in der Nähe von Ronda.

Erste Station war Ronda, eine Stadt, die auf Felsen gebaut ist und mit ihren weißen Gebäuden über einer Schlucht thront. Gegen Mittag kamen wir dort an und erlebten gleich die erste Überraschung: Das Hotel, das wir noch vor Antritt der Reise im Internet gebucht hatten, stellte sich wirklich als Luxus-Hotel heraus, was wir zuerst nicht glauben wollten. Doch ein Blick in das Restaurant und den Salon, der mit edlen Polstersesseln und –sofas im Kolonialstil ausgestattet war, überzeugten uns, dass auch Studenten manchmal einen Glückstreffer landen können und sich ein bisschen Luxus leisten können, und das auch noch zu kleinem Preis!!! Wir fühlten uns wie wahre Prinzessinnen!!! Auch unser Zimmer war sehr schön eingerichtet, wir hatten sogar unser eigenes kleines „Wohnzimmer". Nach einer kleinen Mittagspause machten wir uns guter Laune auf und besichtigten die Altstadt Rondas, immer auf der Suche nach neuen Motiven, knipsten hier und dort, bis der Akku streikte und die Speicherkarte fast voll war J.

Ein besonders „eindrucksvolles" Erlebnis war für mich auch der Besuch eines Cafés, in welchem auf der Karte „Cappuccino" angepriesen wurde. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein wahrer Kaffee-Junkie bin, und so hat mich dieses Angebot natürlich sofort angesprochen, weil ich dachte, endlich mal einen richtig guten Cappuccino zu bekommen, was in Spanien wirklich selten ist. Ja und was bekam ich dann vorgesetzt?! Ein Weinglas (!!!), gefüllt mit Pulvercappuccino, in dem noch Klümpchen vom Pulver schwammen, que rico! Lecker! L Von der italienischen Kaffeekultur können sich die Spanier wirklich noch eine große Scheibe abschneiden! Weiter ging es auf einem sehr idyllischen Weg hinunter in die Schlucht „El Tajo", durch welche der Fluss „Guadalevín" fließt, vorbei an blühenden Mandelbäumen und Blumenwiesen. In Ronda war der Frühling ausgebrochen! Von der Schlucht aus hatte man einen tollen Blick auf die Brücke, welche die Altstadt mit der Neustadt verbindet.

Von Ronda haben wir außerdem noch die Stierkampfarena mit Museum und Reitschule gesehen, dann war der Tag auch schon vorbei. Für das nicht gerade herausragende Geschmackserlebnis im Café am Nachmittag wurden wir am späten Abend, als wir in einer vom „Lonely-Planet" (ja, auf ihn kann man sich doch immer verlassen!; Anmerkung: Lonely-Planet = Reiseführer, speziell auf junges Publikum zugeschnitten) empfohlenen Tapas-Bar zu Abend gegessen haben. Dort bekamen wir wahre Leckerbissen vorgesetzt, auch das Dessert war einfach der Hammer!!! Gut gesättigt fielen wir an diesem Abend in unsere Betten.

Der nächste Morgen begann mit einem Luxusfrühstück, einem Buffet im Restaurant des Hotels. Diesen Luxus waren wir gar nicht mehr gewöhnt, weil sich das Frühstück in Spanien sonst eher auf Tostada und Kaffee beschränkt. Hier gab es, angefangen bei Müsli, über Croissants, Joghurt und Saft alles, was das Herz begehrt. Nach dem Frühstück ging es mit dem Auto weiter in Richtung Gibraltar. Dort stellten wir unser Auto ab, checkten im Hostel ein, das schon wieder dem Standard entsprach, den wir sonst gewohnt waren, und dann machten wir uns auch schon auf in Richtung Grenzübergang. An der Schranke, die das spanische Terrain von Gibraltar trennt, mussten wir erst einmal über eine Viertelstunde darauf warten, dass wir von der Ampel „grünes Licht" bekamen. Nee, echt kein Witz! Interessant war auch, dass man, um nach Gibraltar zu kommen, erst einmal eine Flugbahn überqueren muss. Daher eben auch die lange Wartezeit, da ab und an eben mal ein Flugzeug landen will und die Autos und Fußgänger dann warten müssen. Von Gibraltar in Erinnerung geblieben ist mir die Atmosphäre, man fühlt sich sofort „zu Hause", weil die britische Kultur der deutschen doch ähnlicher ist als die spanische. Allein die Fußgängerzone, die Architektur der Gebäude hat uns sehr an Deutschland erinnert. Dann ging es mit der Seilbahn auf den „Upper Rock", der bekannt für seine tolle Aussicht ist (bei gutem Wetter kann man bis nach Afrika sehen) und natürlich auch für seine Berberaffen, die hinter jeder Ecke lauern. Mit den aggressiven Berberaffen durften wir gleich schon zu Anfang Bekanntschaft machen, als einer Anne von hinten auf den Rucksack gesprungen ist und versucht hat, den Reißverschluss zu öffnen. Von diesem Erlebnis haben wir uns nicht mehr so ganz erholt und so mancher war den ganzen Tag lang von dieser „Attacke" gezeichnet und hat erst mal einen gewissen Sicherheitsabstand zu den eigentlich sehr süßen Tierchen gehalten. Weitere Attraktionen auf den Felsen waren natürlich auch „St. Michael's Cave" (Tropfsteinhöhle), die „Great Siege Tunnels" (Fluchttunnel in Zeiten der Belagerung) und das „Moorish Castle". Den Abend ausklingen ließen wir in einem echt britischen Pub, bevor es dann wieder zurück über die Grenze in unser Hostel in „La Linea" ging.

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Tarifa, der südlichsten Stadt Spaniens mit einem weltbekannten Surferstrand. Da das Wetter an diesem Tag leider nicht so gut war, durften wir an eigenem Leib erfahren, warum Tarifa besonders bei Surfern beliebt ist: Bei hohen Windstärken „kämpften" wir uns unseren Weg durch die Stadt und an den Strand, wo wir die hohen Wellen bewunderten und ich den Entschluss fasste, im Sommer auf jeden Fall noch einmal bei Sonnenschein und mit Bikini wiederzukommen. Man konnte von hier aus trotz der Bewölkung sogar die Umrisse Afrikas sehen. Anschließend fuhren wir noch ein Stück weiter und besichtigten eine römische Siedlung. Und dann ging es auch schon wieder Richtung Sevilla… So schnell können ein paar schöne Tage zu Ende sein, doch noch nicht ganz!

Auf dem Rückweg machten wir einen Zwischenstopp in einem kleinen Städtchen, um in einem arabischen Restaurant zu essen. Dieses Restaurant wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben, denn in Spanien habe ich bisher noch nichts Vergleichbares gesehen! Wir saßen im Außenbereich, der verglast und mit Heizstrahlern ausgestattet war. Das Essen wurde an einem Grill zubereitet, den man von seinen Plätzen aus gut sehen konnte. Außerdem war das Restaurant schön eingerichtet, der Service war sehr gut, das Essen toll und das ganze Ambiente stimmte einfach: Man fühlte sich wirklich rundum wohl!

Wir vier waren uns alle einig, dass dies ein runder Abschluss zu unserer dreitägigen Andalusien-Reise war. Gegen Abend sind wir alle wieder wohlbehalten in Sevilla angekommen. Wir werden uns sicher noch lange an diese Reise voller Eindrücke und einzigartiger Erlebnisse zurückerinnern, die Unmengen an Fotos werden uns dabei behilflich sein! 

Monday, February 11, 2008 
Man, war das ein Wochenende! Nach einer sehr anstrengenden Woche, in der ich mich durch ein dickes Geschichtsbuch gekämpft und viele Stunden mit Daten- und Namenlernen verbracht habe, konnte ich am Freitag endlich die Geschichtsklausur (200 Jahre spanische Geschichte) hinter mich bringen. Zur "Belohnung" war ich mit drei Freundinnen, Flora, Indra und Julia, beim Friseur und haben uns mal so richtig verwöhnen und durchstylen lassen. Das Resultat konnte (und kann!!!) sich wirklich sehen lassen. Am Samstag war dann erst einmal Sonne genießen dran, und abends war ich weg mit ein paar Freundinnen. Die letzten Tage waren einfach der Hammer, man glaubt, es sei der Sommer ausgebrochen! Teilweise wurden hier Temperaturen von 30°C in der Sonne angezeigt.

Bei diesen hohen Temperaturen fand dann gestern auch endlich mein Umzug statt, den ich schon seit Wochen ungeduldig erwartet hatte... Flora, Indra und Julia standen gestern nachmittag mit ihren Koffern und Reisetaschen vor meiner Tür, um mir beim Umzug zu helfen. Ich war sehr verblüfft, wie viel sich in der kurzen Zeit doch angesammelt hat, denn letztendlich haben wir zwei große Koffer, zwei Reisetaschen und einen kleinen Koffer mit meinen Sachen gepackt (Dazu muss man aber sagen, dass auch Lebensmittel und Kosmetika dabei waren, was frau halt so braucht. ). Vollbepackt müssen wir ein sehr lustiges Quartett abgegeben haben, wie wir so durch die Gassen gelaufen sind und ab und an immer wieder stehenbleiben mussten, weil die Koffer so schwer waren. Was bin ich froh, dass ich die Mädels hab!!! Ohne sie hätte ich das niemals geschafft. Danach haben wir es uns in einem Café auf der Alameda, die jetzt wirklich vor meiner Haustür liegt und die ich von meinem Balkon (ja: Balkon!!!) aus sehen kann, gut gehen lassen und die Sonne genossen.

Und heute habe ich dann endlich die letzte Klausur hinter mich gebracht! Jetzt fehlt nur noch eine mündliche Prüfung in zwei Tagen und dann... geht das neue Semester auch schon wieder los, bzw. hat es heute schon angefangen. Die gönnen den armen Studenten echt keine Ruhepause
Naja, ich nehm's mit Humor und lass mir das Sommerwetter trotzdem nicht vermiesen!
Sunday, February 03, 2008 

Eine lange Nacht in Cádiz liegt hinter mir. Cádiz, weltbekannt für seinen Karneval, war diesen Samstag das Ziel unserer Truppe von 9 Erasmus-Studentinnen (und einem „Hahn im Korb"), die es sich zum Ziel gesetzt hatten, als Ikea-Fraktion die Stadt unsicher zu machen. Am Nachmittag trafen wir uns, um unsere Kostüme fertig zu stellen und uns für den Trip nach Cádiz in Schale zu werfen. Nach knapp 2 Stunden waren wir dann soweit, mit blau umrandeten Augen, Zöpfen, Perücken, Glitzerschminke und unseren blauen Ikea-Hosen, die wir aus Ikeatüten angefertigt hatten, zum Bahnhof aufzubrechen.

Schon auf dem Weg dorthin wurden wir von hupenden Autos und Rufen begrüßt, denn eine blau-gelbe Truppe sieht man in Sevilla nicht so häufig. Im Zug stimmten wir uns mit deutschen Karnevals-Liedern auf die Nacht ein, die Spanier hatten außer Sprechchören nicht viel dagegen zu halten. In Cádiz angekommen ging es dann von einem Platz zum nächsten. Die Gassen waren voll mit Leuten unterschiedlichster Altersklassen, vom Kleinkind bis zum Senioren, man hatte den Eindruck, die ganze Stadt sei auf den Beinen. Einige Trommlergruppen zogen durch die Straßen und animierten die Senioren zu spontanen Tänzchen, was uns sehr überrascht und beeindruckt hat. Wie auch bei uns in Deutschland geben sich die Spanier besonders viel Mühe mit ihren Kostümen, und sie lassen ihrer Kreativität dabei freien Lauf. So trafen wir zum Beispiel auf eine Gruppe von Cruz Campo-Bierflaschen (eine bekannte Biermarke hier in Spanien), Figuren aus der Sesamstraße, verschiedenes Gemüse, eine Handvoll Rotkäppchen, Kekse, Hamburger u.v.m. Besonders in Erinnerung behalten habe ich auch einen Duschvorhang (ja kein Spaß!!!) und eine Truppe von Männern in Blumenkostümen, die mit ihren bunten Blumenköpfchen einfach zu putzig aussahen. (Auf meinen Bildern im Fotoalbum lässt sich das eine oder andere Kostüm wiederfinden.)

So zogen wir von einem zum anderen Platz, auf dem sich die spanische Jugend versammelte. Der Karneval in Cádiz ist wirklich nicht mit unserem Karneval in Deutschland zu vergleichen. Man wandert während der Nacht von Platz zu Platz, auf den Gassen ist immer etwas los. Manche Plätze gleichen einem Jahrmarktsgelände, mit „Fressbuden" und Getränkeständen, dementsprechend vermüllt sah es dann auch gegen Ende der Nacht aus, die Spanier nehmen es nicht so genau mit Müllentsorgung. Es gibt keinen zentralen Platz, an dem sich alles versammelt, sondern man feiert auf den größten Plätzen der Stadt, redet und trinkt die ganze Nacht. Außerdem zeigte sich mal wieder die spanische "Stehkultur": Trotz intensiver Suche konnten wir um die Plätze herum keine einzige Bar finden, in der man sich mal hinsetzen konnte. Stattdessen waren vor den Bars Tresen zum Getränkeverkauf aufgebaut, der Zugang ins Innere war uns somit verwehrt. Wer schon einmal in einer typischen Tapas-Bar war, weiß, dass es dort üblich ist, seine Tapas und Getränke im Stehen einzunehmen. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass vor den Bars so an die hundert Menschen stehen, da innen kein Platz ist.

Was uns besonders fehlte in dieser Nacht war Musik, die bei uns in Deutschland einfach dazugehört und eben auch diese ganz besondere Karnevalsstimmung ausmacht. Die Spanier kannten nur ein einziges „Lied", das eher einem Sprechgesang glich und das wir auch ziemlich schnell mitsingen konnten. Den Text wiederhole ich hier aber lieber nicht... Ansonsten wurden wir mit Techno-Musik aus Autos beschallt, die leider hauptsächlich dem Musikgeschmack der Spanier entgegen kam und keine wirkliche Karnevalsstimmung aufkommen ließ.

Mit unseren blau-gelben Ikea-Kostümen fielen wir natürlich besonders auf und mussten uns an „Ikea"-Rufe und Kommentare wie „Kommt ihr aus Schweden?", „Bekomme ich einen Rabatt?" oder „Kann ich bei dir ein Möbelstück kaufen?" gefallen lassen. Einige Spanier waren sogar überzeugt davon, Ikea hätte uns geschickt und für unsere Kostümierung bezahlt. Aber wir sahen auch wirklich aus wie Ikeaangestellte, eigentlich hätte uns Ikea dafür eine Provision zahlen müssen. Ich bin überzeugt, dass Ikea in diesem Jahr in der Nähe von Cádiz besonders viel Zulauf haben wird.

Alles in allem war es eine lustige Nacht, in der wir die spanische Karnevals-Kultur hautnah miterleben durften, die uns sicher nächstes Jahr in Erinnerung gerufen wird, wenn wir dann in Deutschland wieder Karneval feiern, wie wir ihn kennen und lieben. Das macht eben ein Erasmus-Jahr aus: Man merkt doch, wie sehr man von den eigenen Traditionen beeinflusst ist und wie sehr man an ihnen hängt. Ein Erlebnis war der "Carnaval de Cádiz" aber auf jeden Fall wert!!!

Friday, January 25, 2008 
Es ist unglaublich: In Sevilla scheint der Frühling, ja fast schon Frühsommer ausgebrochen zu sein. Seit Tagen haben wir hier Temperaturen über 20°C und laufen nachmittags im T-Shirt rum, sitzen in der Sonne und genießen das super Wetter!!! Doch wie man den Zeitungen entnehmen kann, ist das keinesfalls typisch für diese Jahreszeit. Auch hier zeichnen sich die Auswirkungen des Klimawandels ab... Bin mal gespannt, wann wir die 30°C-Marke überschreiten?! Vielleicht können wir dann im Februar schon wieder zum Strand fahren? Überhaupt haben wir sehr viel Glück gehabt mit dem Wetter bisher. Im Dezember und Januar soll es laut Auskunft der Einheimischen eigentlich eher regnerisch und kühl sein. Naja, wir freuen uns jedenfalls über die Sonne und hoffen auf erste "Sommerbräune".

Natürlich wird neben dem Faulenzen auch gearbeitet. In dieser Woche haben die "semanas blancas" angefangen, zwei Klausuren habe ich schon erfolgreich hinter mich gebracht. Momentan bereite ich mich auf die nächsten vor, es stehen noch vier an. Anfang Februar werde ich dann auch noch umziehen, es ist also viel los in der nächsten Zeit. Ich habe eine sehr schöne Wohnung gefunden, direkt an der Alameda de Herkules, die ungefähr 5 Minuten Fußweg von meiner jetzigen Wohnung entfernt ist.                                                       

Mein Zimmer hat einen kleinen Balkon, von dem aus ich einen tollen Ausblick auf die Alameda habe. Außerdem ist es sehr hell, was bei meinem jetzigen Zimmer nicht der Fall war, und es ist gelb gestrichen, wie mein Zimmer in München - da kommen doch wirklich Heimatgefühle auf . Ich werde mit einer Brasilianerin und einer Französin zusammenwohnen, so dass ich mein Spanisch noch weiter verbessern kann, was in meiner jetzigen WG leider nicht so gut geklappt hat. Was mir ebenfalls sehr wichtig war: Ein Wohnzimmer (mit Fernseher), so dass ich mich mit meinen Mitbewohnern auch mal zusammensetzen kann und mich mit dem spanischen Fernsehprogramm "vertraut" mache. (Denn auch so verbessert man sein Spanisch!!!) Oben auf dem Haus ist eine riesige Dachterrasse, von der aus man einen wunderschönen Überblick über das Viertel hat. Ich freue mich jetzt schon darauf, dort oben die Sonne zu genießen
Sunday, January 13, 2008 
Feliz año nuevo! Ein frohes neues Jahr euch allen!

Nach einem zweiwöchigen Urlaub zu Hause bei meiner Familie in Deutschland bin ich nun schon seit gut einer Woche wieder zurück in Sevilla. Die ersten Tage waren etwas schwer für mich, ab und zu hat mich schon noch das Heimweh gepackt, weil ich die Zeit zu Hause doch sehr genossen und viele meiner Freunde getroffen habe.

So langsam habe ich mich hier in Sevilla jetzt aber wieder eingelebt, und der Unialltag kehrt ein. Mit großen Schritten geht es auf die Klausuren zu, jetzt habe ich nur noch eine Woche Vorlesungen, danach beginnen die semanas blancas (die "weißen Wochen"), in denen die Klausuren geschrieben werden. Mitte Februar ist dann alles "überstanden", dann geht es aber gleich weiter ins zweite Semester. Leider haben wir keine Semesterferien. In Spanien wird das Studienjahr deshalb so geregelt, weil die Vorlesungen im Sommer schon recht früh aufhören (Ende Mai), im Juni und Juli werden dann noch Klausuren geschrieben, danach wird es aber so unerträglich heiß, dass an Veranstaltungen in der Uni nicht mehr zu denken ist. Zum Glück haben wir im nächsten Semester aber doch noch eine kurze Unterbrechung, zum einen die "Semana Santa" (die Woche vor Ostern), in der die bekannten Prozessionen  mit Festzügen durch die Stadt abgehalten werden. Außerdem findet im April die "Feria de Abril" statt, eine Art Volksfest, bei dem die Sevillaner ihre festlichen Flamenco-Kleider anziehen, Sevillanas (typische Volkstänze mit Flamenco-Elementen) tanzen und auf Pferden durch die Stadt reiten. Außerdem werden riesige Festzelte verschiedener Familien aufgebaut, zu denen aber auch nur Mitgliedern oder Freunden dieser Familien der Zutritt gestattet ist.

Gut, jetzt stehen aber erst einmal die Klausuren bevor und ich werde die nächsten Wochen mit Lernen beschäftigt sein. Die letzten Tage war das Wetter hier auch nicht so toll, es hat geregnet und es ist ziemlich kalt draußen, so dass man guten Gewissens seine Tage im Haus verbringen kann, ohne dass man das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Heute abend werde ich dann mal eine Jazz-Bar besuchen. Ein bisschen Entspannung zwischendurch muss schließlich auch sein!

Wednesday, December 19, 2007 
Jetzt wird es aber langsam mal Zeit, dass ich euch von meinem letzten Wochenende berichte. Ein paar Tage sind immerhin schon vergangen, und in Gedanken bereite ich mich schon so langsam auf meinen Flug in die Heimat vor... Also, hier ein kleiner Rückblick auf das vergangene Wochenende:

Am Freitagmorgen habe ich meinen Koffer gepackt und mich auf den Weg zum Flughafen in Sevilla gemacht. Leider habe ich schon beim Check-In eine böse Überraschung erlebt, da der Flug wegen eines Flugzeugschadens um ein paar Stunden verschoben werden musste. Wie ich später von einem Kölner Mitreisenden erfuhr, den ich zufällig im Café im Flughafen getroffen habe, musste extra ein Techniker aus Barcelona eingeflogen werden, um das Flugzeug zu reparieren. Und das dauert natürlich... Nun gut, das ist eben der Preis, wenn man mit einer Billiglinie fliegt. Zum Glück hatte ich ein Buch dabei und konnte mir so die Zeit vertreiben. Letztendlich kam ich mit vier Stunden Verspätung in Barcelona an, was vor allem für Eva blöd war, da sie am Abend arbeiten musste und fast zu spät zur Arbeit gekommen wäre. Unsere erste "Station" war also die deutsche Bar, in der Eva arbeitet. Auf dem Weg dorthin durfte ich noch einen kurzen Blick auf die Sagrada Familia werfen. Diese von Antoni Gaudi entworfene römisch-katholische Basilika ist schon seit dem Jahr 1882 (!!!) im Bau und beeindruckt durch ihre einzigartige Architektur. So war auch ich stark beeindruckt und gespannt, was mich noch so alles an diesem Wochenende erwarten würde.
Nachdem ich mich mit echt deutschen Käsespätzle in der Bar gestärkt hatte, ging es weiter zu Evas Wohnung, die ganz in der Nähe ist. Eva musste arbeiten, und so habe ich mich alleine auf den Weg ins Zentrum gemacht. Von der Plaça Catalunya ging es auf die Rambla, eine sehr touristische Einkaufsstraße mit viel Weihnachtsbeleuchtung und jeder Menge Leute, auch noch zu später Stunde. Zurück in Evas Wohnung, kam Eva auch schon bald von der Arbeit zurück, und wir haben den (späten) Abend noch zusammen ausklingen lassen.

Der nächste Tag begann mit einem leckeren Frühstück in einem netten Café am Strand in Port Vell. Anschließend haben wir noch einen kleinen Strandspaziergang gemacht, was bei dem tollen Wetter am Samstag sehr angenehm war. Der Bus fuhr uns dann wieder in die Innenstadt, wo Eva mir das Barri Gótic gezeigt hat mit weiteren Sehenswürdigkeiten. Eines der Highlights war der Besuch des Mercat de la Boqueria, ein Markt, auf dem man, angefangen bei Gebäck, über frischen Fisch und Säften in allen denkbaren Kombinationen so ziemlich alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Ich habe mir einen frischen Saft (Erdbeer-Himbeer-Kokos) und einen Obstsalat gegönnt. Auf den Märkten hier in Spanien fasziniert mich immer wieder, dass man immer wieder Neues kennen lernt und auch vieles probieren kann, das man noch nie vorher gesehen hat. So war in meinem Obstsalat zum Beispiel eine pinke Frucht, die mir sofort ins Auge fiel, die ich aber gar nicht kannte. Wie ich nun weiß, war das eine Drachenfrucht, die ähnlich wie Kiwi schmeckt, aber trotzdem leider relativ geschmacklos ist. Naja, allein die Farbe war es wert, dass ich sie mal probiert habe 
Nach unserer Besichtigungstour durch die Altstadt und dem Kauf erster Weihnachtsgeschenke, getreu dem Motto "bald is scho Weihnachten", haben wir uns mit einer Freundin von Eva getroffen und uns ein spätes Mittagessen in einem Café genehmigt, in dem es leckere Crépes und frischgepresste Säfte gab, alles zu sehr erschwinglichen Preisen. Natürlich macht es jetzt den Eindruck, als wenn wir die ganze Zeit gegessen hätten, aber dem ist nicht so... Im Café haben wir dann auch noch die Bekanntschaft dreier sehr netter Australier gemacht. Den Abend haben wir dann eher ruhig mit einem Film bei Eva zuhause ausklingen lassen.

Der Sonntag, der dritte Advent, stand ganz im Zeichen der Vorweihnachtsstimmung. Für den Nachmittag hatte Eva mit ein paar Mädels aus ihrem Sprachkurs geplant, Weihnachtsplätzchen zu backen und Glühwein zu machen. Erst hier in Spanien ist mir aufgefallen, wie sehr ich doch die ganze Vorweihnachtsstimmung mit Kerzen, Plätzchen backen, Weihnachtsmusik etc. vermisse! Vorher sind wir zwei aber erst noch ins Picasso-Museum gegangen, was mir sehr gut gefallen hat. Zurück zuhause, ging es mit den Mädels erst mal ans Teig ausrollen und ausstechen. Nach gut drei Stunden waren dann einige Bleche gebacken, einiges wieder von uns "vernichtet" und der Glühwein ausgetrunken Ach, was hat das gut getan, so eine kleine Weihnachtsfeier! Ich will mehr davon!!!
Am Abend musste Eva wieder arbeiten, und ich habe mich wieder auf den Weg in die Stadt gemacht. Diesmal ging es zur Placa d'Espanya, wo einige tolle Panoramabilder über die Stadt entstanden sind, nachdem ich die Treppen zum Museu Nacional d'Art de Catalunya hochgestiegen bin. Der Blick von dort oben war einfach unbeschreiblich schön, ich konnte sogar die Sagrada Familia sehen und habe fleißig Bilder geschossen und den Nachtmodus meiner Kamera voll ausgetestet. Dann habe ich Eva von der Arbeit abgeholt und wir sind noch etwas trinken gegangen.

Mein letzter Tag in Barcelona kam schneller als mir lieb war! Daher mussten wir uns die Zeit gut einteilen. Nach dem Frühstück haben wir uns gleich auf den Weg in die Stadt gemacht, um die letzten Stunden noch zum Shoppen zu nutzen. Am Ende wurde die Zeit bis zu meinem Abflug doch etwas knapp, und wir mussten uns sehr beeilen, damit ich noch den Zug zum Flughafen erreiche. So sind wir von der U-Bahn im Bahnhof bis zum Zug gerannt, Eva hatte eine meiner Tüten in der Hand und ich habe den Koffer hinter mir hergezogen. Und wie es in solchen Fällen immer ist: Wir kamen pünktlich und total abgehetzt auf dem Zuggleis an und der Zug kam erst 5 Minuten später! Ich war darüber sehr erleichtert,  setzte mich mit meinem Koffer in den Zug, Eva und ich schauten uns durch das Fenster traurig an, weil wir wusten, dass wir uns jetzt länger nicht sehen werden. In dem Moment, als sich die Zugtür schloss, schaute Eva mich erschrocken an und hob meine Tüte hoch, die sie immer noch in der Hand hatte. Sie versuchte, die Tür nochmal aufzudrücken, um mir die Tüte zu geben, aber vergeblich... Wir schauten uns verblüfft an, mussten dann aber doch beide lachen, und der Zug setzte sich in Bewegung... Das beste ist, dass die Hälfte der Weihnachtsgeschenke, die ich in Barcelona gekauft habe, in der Tüte waren. (Eva schickt sie mir jetzt mit der Post.) Das also waren meine letzten Erlebnisse in Barcelona, die Geschichte mit der Tüte werden Eva und ich sicher noch unseren Enkeln erzählen, es war einfach zu witzig!!!
Dass  mein Flug schon wieder Verspätung hatte, erwähne ich hier nur am Rand, ich bin immerhin wieder gut in Sevilla angekommen, mit einigen Fotos mehr auf meiner Speicherkarte und tollen Erinnerungen an ein zweites unvergessliches Wochenende mit Eva und an eine Stadt, die auf jeden Fall einen weiteren Besuch wert ist!!!


Tuesday, December 11, 2007 

Current mood:  inspired
Wow, war das ein Wochenende! Gut, es ist ja schon Dienstag, aber es hat eben so einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich jetzt gerne noch daran zurückdenke. Am Donnerstag und Samstag waren hier in Spanien Feiertage, daher durften wir eine "puente" (verlängertes Wochenende) genießen. Ich bin diesmal in Sevilla geblieben und habe hier einiges unternommen: Kino, Kochen und natürlich ausgehen am Abend Unter anderem bin ich am Sonntagabend bei Jenny, deren Mitbewohner Anás für uns gekocht hat, in den Genuss eines echt marrokanischen Essens gekommen. Er ist nämlich Marrokaner und hat gefüllte Teigtaschen gemacht (nach dem Rezept seiner Mama, wie er selber sagt), und für mich gab es sogar die vegetarische Version. Besonders beeindruckt hat mich die wirklich leckere Kombination von süß und salzig, denn die Teigtaschen waren mit Eiern, Zwiebeln und Nüssen gefüllt und wurden nach dem Backen mit Puderzucker bestäubt. ¡Qué rico! Lecker! Danach gab es noch - typisch arabisch - einen Pfefferminztee, der natürlich auch mit frischer Minze und direkt am Tisch zubereitet wurde. Wirklich ein unvergesslicher Abend!

Das Highlight heute war, nach einem gemütlichen Mittagessen bei Flora, der Besuch einer "Peluquería" in Triana (Stadtteil von Sevilla) zusammen mit Flora. Nein, das ist kein historisches Gebäude oder ähnliches, sondern ein Friseur. Ich hatte nämlich schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken gespielt, meine Haarfarbe zu ändern, weil man es als "rubia" (Blondine) in Spanien nicht gerade einfach hat. Gut, das war nicht der einzige Grund, ich wollte auch einfach mal wieder was anderes. Ja,  gedacht - getan! Jetzt habe ich braune Haare und muss mich erst noch ein wenig daran gewöhnen. Der Schnitt ist aber einfach super geworden. Es hat mich verblüfft, mit welcher Leichtigkeit die Friseurin doch mit ihrer Schere hantiert hat. Da könnte sich so mancher Friseur in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Flora und ich haben die Peluquería beide höchst zufrieden verlassen. War übrigens eine Empfehlung der Mitbewohnerin von Flora, einer Portugiesin, die dort schon öfter war. Die Insider sind doch immer die Besten!

Sunday, December 02, 2007 
Wie ich vorhin überrascht festgestellt habe, ist heute schon der 1. Advent. Irgendwie ist das für mich nur schwer zu glauben, weil hier in Sevilla so keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen will. Das einzige, was hier vielleicht an Weihnachten erinnert, sind die riesigen blinkenden Lichterketten und -figuren, die an der Fassade des "El Corte Ingles" (so was wie der spanische "Kaufhof") hängen, die heißen Maronen, die schon seit Wochen an jeder Straßenecke verkauft werden und die Weihnachtsmusik, die in einigen Läden gespielt wird. Ach ja, und nicht zu vergessen das deutsche (!!!) Weihnachtsgebäck, das es seit Wochen in Supermärkten wie Aldi, Lidl, Plus und Co. zu kaufen gibt. Irgendwie fehlen mir schon die Weihnachtstees, die Adventsfeiern und die gemütlichen Winterabende im Warmen, wenn es draußen schneit...
Der Start in die Weihnachtszeit heute in Sevilla war dagegen eine ganz neue Erfahrung:
Vor gut einer Stunde bin ich aus der Stadt wiedergekommen, wo ich mich mit Jenny, einer Freundin aus der Uni, zum Kaffetrinken verabredet hatte. Ich will euch jetzt ja nicht neidisch machen, aber wir saßen bei strahlendem Sonnenschein am Ufer des Guadalquivir (Fluss, der durch Sevilla fließt) in einem netten Café und haben uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Jetzt weiß ich auch, warum man immer noch in so vielen Geschäften Sonnenbrillen kaufen kann  Ich war natürlich dick eingepackt mit mehreren Schichten Kleidung und Mantel, dazu noch Handschuhe und Schal (wer mich kennt, weiß, dass ich immer sehr schnell friere), während die Spanierinnen in Minirock und Stiefeln an mir vorbeiliefen. Aber irgendwie ist es hier auch wirklich schwer, das Richtige anzuzuiehen. In meinem Zimmer sind es immer so um die 15°C, wärmer wird es hier drinnen selbst an einem warmen Tag nicht, da mein Zimmer zum Innenhof liegt und daher so gut wie keine Sonne dorthin kommt. Wenigstens habe ich einen kleinen Heizofen, den ich ab und zu mal anmache, damit es etwas wärmer wird. Leider sind die Häuser hier so schlecht isoliert, dass die Wärme auch wieder schnell verfliegt. Ich kann jetzt endlich verstehen, warum die Spanier eigentlich kaum zuhause sind und sich das Leben auf den Straßen und in den Cafés abspielt: In den Häusern ist es im Winter einfach viel zu kalt! Und ein Temperaturunterschied von 10°C oder mehr ist ja schon eine Menge!
Heute hatten wir also so um die 20°C. Das ist wirklich bemerkenswert für Anfang Dezember... Da bekomme ich sicher einen Kälteschock, wenn ich über Weihnachten nach Hause fliege. Apropos Weihnachten: Jetzt sind es nur noch drei Wochen, ich kann es kaum glauben! Die Zeit rast. Die letzte Woche ist so schnell vergangen. Von Sonntag bis Mittwoch war Eva hier in Sevilla, wie ich schon in meinem letzten Blog erwähnt hatte. Wir hatten ein paar schöne Tage zusammen, ich habe mit ihr eine typische "Touri-Tour" gemacht, d.h. wir haben die schönsten Plätze Sevillas besichtigt. Unter anderem waren wir in der Kathedrale, sind auf die Giralda gestiegen, waren an der Plaza de España und in den Reales Alcázares, im Barrio Santa Cruz und in Macarena, das Viertel, wo ich wohne. Und natürlich ist auch das Shoppen nicht zu kurz gekommen
Kurzum: Wir hatten eine super Zeit!
An einem Abend waren wir in einem Lokal, in dem junge Flamenco-Künstler ihr Können zum Besten geben. Es war wirklich sehr beeindruckend! Bisher habe ich noch nie so eine gute Vorstellung gesehen. Toll fand ich auch, dass wir die einzigen Ausländer waren, wir sind da wohl in einer Art "Underground-Location" gelandet, ein Geheimtipp sozusagen. Da werde ich jetzt wohl öfter hingehen. Nach der Vorstellung haben wir dann noch drei Kanadier kennen gelernt, die hier in Sevilla Flamencomusik studieren. Mit einem von ihnen waren wir am nächsten Tag Tapas essen. Er hat uns eine CD mit Flamenco-Musik zusammengestellt und ich bin sicher, dass ich ihn noch einmal kontaktieren werde, weil ich gerne noch einmal zu so einer Flamenco-Vorstellung gehen würde. Ja, das war es dann erst einmal von mir für heute. Jetzt mache ich mich mal wieder ans Lesen. Ich sende euch sonnige Grüße und wünsche euch einen guten Start in die Vorweihnachtszeit! Fühlt euch umarmt!!!

UN GRAN ABRAZO