Gender: Female
Status: In a Relationship
Age: 99
Sign: Virgo
City: ruhrstadt
State: Nordrhein-Westfalen
Country: DE
Signup Date: 12/14/2006
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February 18, 2007 - Sunday
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Ein Blick in seine grüngrauen Augen und du wirst schwach. Die kleinste Berührung seiner Hände lässt dich erzittern, ein Lächeln von ihm, und du wähnst dich im Himmel. Du könntest so glücklich sein. Aber er lässt dich nicht, hält dich auf Distanz, komm ihm bloß nicht zu nahe. Weil du nicht in sein Leben passt, warum auch immer. Natürlich sagt er das nicht. Er sagt Dinge wie „Ich verdiene dich gar nicht" oder „Ich will dich nicht verlieren, aber im Moment ist einfach nicht mehr drin" oder „Du bist so toll, aber ich brauche Zeit für mich". Er genießt euer gemeinsames Geheimnis, die Küsse, von denen niemand wissen darf, die verbotenen Momente, die so einzigartig sind weil verboten und auch ein bisschen wehtun, weil verboten. Alles könnte so einfach sein. Wenn du ihm nicht beizeiten dein Herz geschenkt hättest, mit den besoffenen Schmetterlingen im Bauch, dem Schluckauf, einem viel zu hohen Puls und allem, was dazu gehört. Es könnte so einfach sein, wenn du wieder du wärst. Großmäulig, dickköpfig, abenteuerlustig, stolz. Leider hast du dich irgendwo zwischen einem Seufzer und einem Kuss verloren, bist verschwunden ohne eine Spur, einfach weg, keine Ahnung wohin. Alles was von dir übrig ist, ist dieser verliebte Feigling ohne Ansprüche und Rückgrat. Unfähig sich zu verteidigen, den Launen eines Menschen ausgeliefert, der Schwarzenegger für den besten Schauspieler aller Zeiten und Charles Bukowski für deinen Nachbarn aus dem dritten Stock hält. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Idiot, denkst du und weißt gar nicht so genau, wen du damit eigentlich meinst. In deinem Kopf veranstalten die Gedanken Wettrennen. Warum dürfen seine Freunde nichts von mir erfahren? Hat er eine Freundin? Warum stößt er mich immer wieder weg? Warum liebt er mich nicht so wie ich ihn? Eine Million Mal warum. Trotzdem lässt du dich weiter von ihm herumkommandieren, richtest dein Leben nach seinem Terminplan, bist dankbar für jede Minute Aufmerksamkeit. Nicht mit mir, schnaubst du trotzig vor dich hin und nimmst dir vor, ihn zur Rede zu stellen. Weil du mehr sein willst als das schöne Spielzeug, das bei Bedarf aus der Schublade gekramt wird. Mutig stellst du dich ihm entgegen, ignorierst den selbstgefälligen Ausdruck auf seinem Gesicht und schreist deine Vorwürfe, Ängste, Wünsche in seine heile, beschissene kleine Welt hinein. Dein Kopf ist rot vor Aufregung, deine Wangen brennen, deine Stimm zittert. Er küsst dich sanft auf die Nase und sagt, dass er dich gar nicht verdient hat. Dass er dich nicht verlieren möchte, aber im Moment sei einfach nicht mehr drin. Er sagt, du seist so toll, aber dass er Zeit für sich bräuchte. Einen winzigkleinen Moment starrst du ihn fassungslos vor Wut an, bevor du ihm dankbar in die Arme fällst. Dankbar, weil er dich immer noch haben will. Irgendwie. Wie schön. Warum tut es dann immer noch weh? Du könntest so glücklich sein.
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February 12, 2007 - Monday
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Lust auf eine kleine Guten-Morgen-Geschichte? Schick. Ich nenne sie „Das Matrosenmädchen und die Wollstrumpfhose, die immer kratzt, aber trotzdem phänomenal ist" oder „Von der beruhigenden Entdeckung, nich sexy zu sein". Als ich heute früh erwachte, fühlte ich mich zur Abwechslung einmal ganz frisch, erholt und lieblich. Ja, genau. Das ist das richtige Wort: Ich fühlte mich lieblich. Und wirklich – als ich in den Spiegel schaute, der morgens eher nich so mein Freund ist, hätte ich beinahe einen dieser spitzen, kleinen Schreie ausgestoßen und „oh my god" gequiekt, so wie die Mädchen in amerikanischen Teenie-Komödien das tun, wenn sie über Sex reden. Keine dicken Augen, keine Pickel, nicht mal meine Haare waren verfilzt. Stattdessen: Strahleblick und n hübsch verruchter Out-of-bed-Piratenbraut-Look. Du bisn Babe, altes Haus, dachte ich mir und war begeistert. Und irgendwie fand ich mich sogar... hmmm... sexy. Jaja! Nachdem ich geduscht, die Zähne blitzeblank geputzt und mir ein wenig Farbe ins Gesicht gepinselt hatte, schmiss ich mich in meine höchst spezielle Winter-Outdoor-Kombi: Boxershorts, meine braune, allerliebste Wollstrumpfhose (die immer so blöde kratzt, aber sonst ganz phänomenal ist), Socken, Cordhose, mein Lieblings-Altherrenunterhemd, erster Pullover, zweiter Pullover, Trainingsjacke, den ollen Zweimeterschal um den Hals, Chucks (die kann man tatsächlich auch im Winter tragen, jawohl!), Handschuhe – fertig. Naja, fast. Irgendwie schaffte ich es noch, mich in meinen Parka zu quetschen. Wie ne Presswurst sah ich aus, war mir aber egal. Ich setzte mir die Wollmütze auf die Ohren und sauste anmutig wie eine kleine Frühlingsbrise aus dem Haus, begierig, der Welt diese Pracht zu zeigen: mich! Nach einem kurzen Kontrollblick in das Schaufenster einer benachbarten Getränkehandlung war ich mir sicher: Ich bin sexy. Und schön. Dass ich vor lauter Kleiderschichten wie das Michelinmännchen höchstpersönlich über die Straße eierte, war mir gleich, denn wie propagieren es seit Jahren sämtliche Frauenzeitschriften dieser Welt? Nur wer sich sexy fühlt, strahlt das auch aus. Und so lief ich an diesem Morgen durch die Welt, funkelnd und bezaubernd, gewappnet mit einem irre koketten Lächeln für jeden, der es sehen wollte. Wollte aber gar keiner. Denn so sehr ich auch durch die Gegend strahlte, niemand interessierte sich für mich. Ach... Da erschien wie aus dem Nichts eine junge Dame vor mir. Typ kesse Gazelle. Bekleidet mit verführerisch sitzender Jeans, High Heels und kurzem Geschäftsfraublazer. Bei fünf Grad minus. Und alle sahen ihr nach. Alle, wirklich. Bestimmt so ne doofe Modelschönheit, dachte ich zähneknirschend, während ich sie unauffällig überholte, um mir das Gesicht der sexy Tante mal aus der Nähe anzusehen. Aber, oh Schreck, die Schönheit war gar keine! So eine Frechheit, schmollte ich. Nur weil die so Klamotten trägt, glotzt ihr jeder hinterher, oder wie? Bingo. Ich hatte es erfasst: Denn selbst die schönste Selbstverliebtheit ist nichts im Vergleich zu ewig langen Beinen in engen Jeans und Schuhen mit Mörderabsätzen. Da kann man gar nichts machen. Will ich aber auch irgendwie gar nicht, dachte ich. Das is doch viel zu kalt. Und außerdem hab ich lieber einen warmen Popo als zehn gaffende Typen an jedem Finger und ne Blasenentzündung in spe. Und meine allerliebste braune Wollstrumpfhose, die auch eigentlich gar nicht sooo doll kratzt, geb ich sowieso niemals mehr her. Aber ich kann mir das erlauben. Weil ich nämlich zum Glück äußerst unsexy bin. Ahoij.^^
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February 2, 2007 - Friday
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Dein Herz klopft. Ganz laut, immer lauter und lauter. Du schaust dich um. Kann es denn wirklich niemand hören? Die alte Dame, die dir gegenüber sitzt, sieht dich an. Bestimmt hat sie es gehört, dieses grässliche Presslufthammergeballere. Wenn ich die Luft anhalte, muss es doch leiser werden, denkst du. Bitte. Bitte werd doch leiser. Aber bis auf die Tatsache, dass dein Gesicht die Farbe einer überreifen Tomate annimmt, passiert gar nichts. Scheiße. Du atmest aus. „Frollein, ist Ihnen nicht gut?" fragt die alte Dame von gegenüber. „Nein, mir geht's gut, danke", lügst du höflich und bringst ein heldenhaftes, leicht schiefes Lächeln zustande. Du siehst aus dem Fenster. Wiesen, Felder, Kühe, Wiesen, Felder, Kühe. Ein grauer Januarhimmel. Keine Sonne. Die ist noch in den Ferien. Warum sind Jungs nur immer solche Vollidioten? Du kratzt dich am Kopf. Dabei war das Wochenende doch so grandios und romantisch und sexy... bis er diese dumme Frage stellte. Ob du am nächsten Samstag nicht mal wieder was mit deinen Mädels unternehmen willst. Wie bitte? Er sei doch jetzt, da er in der weit entfernten Stadt studiere, kaum noch zu Hause und seine Freunde habe er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und außerdem wolle Alex einen ausgeben. „Aber wir sehen uns doch nur Samstag und Sonntag", hast du leise vor dich hin gestottert. „Was wird denn dann aus unserem Wochenende?" Du fühlst dich wie die letzte Klette. Aber was hätte ich denn sonst sagen sollen, fragst du dich. Fernbeziehung sucks. Wenn du wenigstens eine dieser Ischen wärst, die Tag und Nacht bei ihren „Hasis" und „Bärchen" abhängen, Schnittchen mit Gewürzgurken in Herzform servieren und Tony Hawk für den Starkeeper vom FC Bayern 04 Leverkusen halten, aber so... Du schüttelst den Kopf. Die alte Dame lächelt dich an. So ne süße Omi, denkst du und grinst verlegen zurück. Nein, aber so... Dabei beschwerst du dich nicht einmal, dass du so oft allein bist, während er sein Leben in der weit entfernten Stadt lebt. Im Gegenteil. Du bleibst cool. Oder spielst es zumindest verdammt gut. Du gibst dir echt Mühe. Ist es denn falsch, wenigstens das Wochenende mit dem verbringen zu wollen, der einem so viel bedeutet? Und für den man diesen ganzen Wochenendbeziehungsdreck über sich ergehen lässt? Keine Ahnung, du bist ratlos. Früher hättest du ja nie was dagegen gesagt, wenn er seine Freunde treffen, mal was ohne dich machen wollte, im Gegenteil, früher warst du gern mal allein, nur für dich, warst mit den Mädels feiern, aber seitdem er soweit weg ist von dir, zählt jede Sekunde mit ihm. Das kennst du gar nicht von dir. Weh tut es trotzdem. „Warum musst du so ein Theater machen?" hatte er zum Schluss gefragt und dich dabei verständnislos unter zusammengekniffenen Augenbrauen angesehen. „Penner" hast du gefaucht, „Mach doch, was du willst". Dann bist du gegangen. Einfach so, einfach raus, Luft holen. Warum versteht er mich nicht, fragst du dich. Da. Tropf. Eine miese, kleine Verräterträne auf deinem Handrücken. Dein Handy piepst. Eine SMS von ihm. „Hallo" steht da. Und: „Komm zurück. Dein Penner." Du lachst. Leise, damit dich niemand hört. Die alte Dame lächelt. Lieb und großmütterlich und sehr, sehr weise.
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February 2, 2007 - Friday
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Mein bester Freund ist verliebt. In ein wunderhübsches Mädchen namens Maren. Morgen fliegt Maren für ein halbes Jahr nach Australien, ohne auch nur zu ahnen, was in Robertos, so der Name meines Freundes, Herz gerade abgeht. Es ist schon rührend mitanzusehen, was die Liebe selbst aus starken Kerlen wie Roberto macht: nägelkauende, unsichere Schafe, die bei jedem Telefonklingeln zusammenzucken, schließlich könnte ja die zauberhafte Kopfverdreherin dran sein und etwas ganz schrecklich Wichtiges zu sagen oder fragen haben. So etwas wie „Willst du auf ein Bier rüberkommen?" oder so. Dabei ist der Inhalt eigentlich ganz egal. „Hauptsache, ich kann ihre Stimme hören", schwärmt Roberto mit diesem netten, leicht beknackten Lächeln, das nur verliebte Jungs zustande bringen. Ja, da sitzt er nun, mein lieber Roberto, breite Schultern, pechschwarze Augen mit diesen Mörderwimpern, um die ich ihn beneide, seit wir uns kennen, schick gebräunt, tätowiert, charmant, cool. Ein Latinomacker, wie er im Buche steht. Wenn er nicht gerade verliebt ist. „Hm", seufzt er, „soll ich es ihr sagen?" „Was?!" frage ich, Böses ahnend. „Naja, halt... alles." Nein, Roberto, pfui. Emanzipation hin oder her: Frauen wollen Männer. Nicht die sensiblen Weicheier, die uns zu Ehren im Mondschein romantische Gedichte rezitieren. Nein. Mädchen wollen Männer. Sexy Rocker, die uns an sich reißen, irgendetwas hinreißend Hirnverbranntes wie „Baby, du gehörst zu mir" in unsere Ohren hauchen und dann wilde und verwegene Sachen mit uns anstellen. Echte Helden eben. Natürlich sind diese Wünsche nicht allzu wörtlich zu nehmen. Es ist nicht der stahlharte Sixpack, nicht der stramme Knackarsch oder der verruchte Verführerblick, der uns glücklich macht. Wobei diese Attribute generell nie schaden können. Was zählt, sind Taten. Mädchen wollen verführt werden. Wir brauchen keine große Show, kein Casanova-Geschleime. Was wir wollen, sind zwei mutige Arme, die uns festhalten, wenn wir vor Aufregung am liebsten vor unserem eigenen Herzklopfen davon laufen würden.
Morgen fährt Roberto zum Flughafen, um sich von Maren zu verabschieden. „Und" frage ich neugierig, „wirst du sie küssen?" Roberto grinst verlegen. „Glaub nicht, dass sie darauf steht." Oh Mann.
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January 11, 2007 - Thursday
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Als ich meinen ersten Kuss bekam, war ich 14 und befand mich auf einem Schüleraustausch in Frankreich. Johann (man spricht es „Schoann" aus, mit einem sehr weichen „sch") hieß der Auserwählte meines wild pochenden Herzens, dessen kohlebrikettschwarze Augen mir seit Tagen hinterher funkelten und die mir kolossal wacklige Knie und auch ein leichtes Unwohlsein verursachten. Das mit dem Unwohlsein passiert mir immer, wenn ich verliebt bin. Und genau das war ich. Verliebt. In Schoann, den schönsten Franzosen-Jungen unter der Sonne. „Es" passierte schließlich auf einer Party. Den ganzen Abend schon waren wir umeinander hergeschlichen, wie romantisch gestimmte Meerschweinchen auf der Balz. Sah vermutlich ziemlich blöde aus, war uns aber egal, dem Schoann und mir. Wir waren schließlich verliebt, zwar noch nicht offiziell, aber fast. Zu fortgeschrittener Stunde dann erfuhr das musikalische Rahmenprogramm eine Wendung: Statt Nirvana und Pearl Jam säuselte auf einmal Michael Jackson aus der ollen Stereoanlage. „Heal the world..." schmachtete es aus den Boxen. „'iieel de wöööld", schmachtete es aus diversen verzückten französischen Kehlchen. „Möschtest du mit mir tanzen?" fragte Schoann mich da verlegen. „Öhm, ja, gerne", hauchte ich aufgeregt zurück. Also tanzten wir, engumschlungen, Wange an Wange. Fühlte sich komisch an. Und schön irgendwie. Plötzlich schaute mein hübscher Galan mich auf diese seltsame Art an. Oje... Alarm, Alarm, Panik. Seine Augen schlossen sich, sein ausgesprochen hübsches Gesicht kam immer näher und näher... In diesem Augenblick wurde mir bewusst: Allet klar, dein erster Kuss! Stell dich jetzt nicht blöde an! Und tatsächlich – Schoann küsste mich. Mit Zunge und festhalten und allem Drum und Dran. „Nass ist das", dachte ich, „igitt!" Und das fanden alle so toll? Für wen hielt der sich denn bitte, dass er mich so vollsabberte? Sollte der erste Kuss nicht viel... romantischer sein? Ich war empört. Im nächsten Moment stieß ich den trés verwirrten Schoann von mir, wüst über dessen ungebührliches Verhalten schimpfend und fluchend und machte mich vom Acker. Schoann sah mir ganz traurig hinterher, ich schätze, er verstand die Welt nicht mehr.
Wenn ich heute an diesen Abend zurückdenke, schäme ich mich ein bisschen. Weil ich doof und gemein war. Aber ich war einfach noch nicht bereit fürs Knutschen.
Schoann habe ich nie wieder gesehen. Wahrscheinlich ist er heute ein begehrtes Model, jettet durch die Weltgeschichte und ist ständig von den reizendsten Frauen des Planeten umgeben, die sich liebend gern von ihm küssen lassen. Aber wer weiß – vielleicht denkt er ja noch ab und zu an mich. An seine störrische, viel zu klein geratene Austausch-Liebe, die ihm ihren ersten Kuss mit gemeinen Beschimpfungen dankte. Und vielleicht hört er dabei diese leise Melodie... „'iieel de wöööld..."
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January 8, 2007 - Monday
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Wunder gibt es immer wieder. Riesenwunder, Miniwunder, rot, gelb, blau-weiß gestreift, mit Glitzer oder ohne. Ganz egal. Meistens passiert so ein Wunder einfach. Und wenn du Glück hast, fällt es dir genau vor die Füße. Ich hatte Glück. Gestern. Auf dem Hauptbahnhof in Essen, pünktlich zur Rush Hour. Wer schon mal das Vergnügen hatte, sich werktags in den frühen Abendstunden dort aufzuhalten, weiß, was ich meine. Allen anderen erkläre ich es gerne: Rush Hour auf dem Hauptbahnhof bedeutet Terror. Hunderte von Menschen auf der Jagd nach dem Feierabend. Gehetzt, planlos, zum verrückt werden. Dazu diese unvergleichliche Geräuschkulisse, bestehend aus Kindergeschrei, genuschelten Ansagen, besoffenem Gegröle und dem schrillen Bremsenquietschen der einfahrenden Züge. Die gleiche Prozedur, jeden Tag. So auch gestern. Genervt haste ich durch die Menschenmassen, hochkonzentriert, jederzeit zur Abwehr möglicher Rempler bereit, die Augen starr auf mein Ziel gerichtet: Gleis vier. Gleich habe ich es geschafft, nur noch wenige Meter. Hinter mir ein gutgelaunter Damenclub, kichernd, prustend und viiieel zu laut. Ich seufze. Können die nicht alle mal die Fresse halten? Vor mir sehe ich eine junge Frau. Sie hat lange schwarze Haare, die sie zu einem Knoten zusammengedreht hat. Etwas abstehende Ohren, kurze, schnelle Beine in braunen Cordhosen. Leider kann ich ihr Gesicht nicht sehen. Bestimmt ist sie wunderhübsch. Auf dem Arm hält sie ein Baby, das mit seinen großen schwarzen Augen über ihre Schulter hinwegschaut. Der kleine Mensch sieht mich an. Ganz ernst. Ganz ruhig. Mit diesen strahlenden Kinderaugen. Das Baby lächelt, ein kleines, zahnloses Lächeln, das in diesem Moment nur mir gilt. Voller Ruhe und Güte. Ein Lächeln, das die ganze Welt wieder gut macht, das den Lärm und die Hektik um mich herum wegzaubert. Ich schaue verlegen auf den Boden, kratze mich am Kopf und lache leise in mich hinein.
Als ich wieder aufschaue, ist die junge Frau mit ihrem Baby verschwunden. Mein Herz klopft. Und irgendwie bin ich einfach nur sehr glücklich.
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January 8, 2007 - Monday
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Sonnenstrahlen, warm und golden und frisch geliefert. Auf meiner Nase, meinen Schultern, meinen Beinen. Meine Füße baumeln im kühlen Wasser des Teichs, die Zehen zappeln im ungewohnten Dunkel. Ab und zu halten ein paar Fische an, um sich die kleine Attraktion anzuschauen, obwohl sie ja eigentlich gar keine Zeit haben. Denn heute ist Versammlung im Teich, gleich dort, hinter der weißen Seerose. Dort ist man für gewöhnlich recht ungestört. Wahrscheinlich spricht man heute über das Katzenproblem oder das bevorstehende Gartenfest, denke ich, als ich das glitzernde Treffen bemerke. Ich schließe die Augen und halte mein Gesicht in den Sonnenschein, der meine Nase nach der langen Nacht so nett kitzelt. Ob ich wohl Sommersprossen auf den Schultern bekomme? Da landet eine Libelle auf meiner hand und sieht mich fragend an. Sie sieht etwas müde aus, wahrscheinlich war sie gestern Nacht zu lange auf. So wie ich. Die Libelle verlässt mich ohne ein Wort des Abschieds, sie hat keine besonders guten Manieren. Die Luft summt leise vor sich hin, sie freut sich auf die Mittagsstunde, weil sie sich da einfach mal hängen lassen kann. So eine Luft muss sich ja auch mal ausruhen, man hat doch immer recht viel zu tun. Ich grinse vor mich hin. Kein Gedanke in meinem erhitzten Sommerkopf. Geheime Fischtagungen im Schatten des Schilfs beobachten, in verschlafene Libellenaugen schauen und dem schiefen Gesang der trägen Luft lauschen. Der Sommer könnte nicht schöner sein.
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January 8, 2007 - Monday
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Aiko. Das ist ihr Name. Der Name meiner Vorgängerin. Dieser sagenumwobenen Gestalt aus dem früheren Leben meines Liebsten. Die erste Frau in seinem Leben nach Mama, seine erste große Liebe. Sie ist das Mädchen, das aus ihm den Menschen gemacht hat, der mir heute zum Geburtstag zuerst ein Buch von Charles Bukowski schenkt und mir gleich darauf ganz feierlich eine Riesenkonservendose meines heißgeliebten Hühnernudeltopfes überreicht. Mit selbstgemaltem Eddingherz auf dem Deckel. „Den isst du doch so gerne", sagt er und grinst mich etwas unsicher an. Ich schmelze dahin. Obwohl... Stopp mal: Jungs sind nicht von Natur aus so. Kein Mädchen sollte so naiv sein, das zu glauben. Jungs schenken nicht einfach so Blumen, Bukowski-Bücher oder romantisch verzierte Hühnernudeltopfkonserven. Nein. Jungs, die verstanden haben, dass Präsente wie Karten für das BVB-Spiel am Samstag, die „Tuning TV"-DVD-Sammlung oder ein Kasten Veltins zwar den besten Kollegen zu hemmungsloser Begeisterung treiben, nicht aber die Liebste, sind mit allergrößter Sicherheit beziehungserprobt. Im Klartext: Es gibt jemanden, der vor dir da war. Der ihn zuerst lieb hatte. Seine Ex.
Zurück zu Aiko. Komischer Name. Klingt nach dicken Schlittenhunden und besoffenen Eskimos mit roten Nasen. Ich mag Aiko nicht. Dabei kenne ich sie nicht einmal. Alles was ich weiß, ist, dass sie klein ist, ein rundes Gesicht hat und dunkle, lange Haare. Und dass sie meinem Liebsten vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat. Aiko kann ganz wunderbar Klavier spielen, arbeitet im Theater, macht Rührei mit frischen Gartenkräutern, die sie wahrscheinlich bei Sonnenaufgang von morgentaubedeckten Wiesen pflückt, und wenn sie jemanden ganz besonders lieb hat, bringt sie ihm das Frühstück ans Bett. Ich hasse Frühstück im Bett. Weil das so schrecklich krümelt. Rühreimachen habe ich auch nicht so besonders drauf. Mir brennt immer alles an. Aiko nicht. Was Aiko sonst noch so alles draufhat, will ich lieber gar nicht erst erwähnen.
Warum machen uns die Aikos dieser Welt eigentlich so nervös? Was ist sooo schlimm an der Tatsache, dass es schon einmal eine Frau in seinem Leben gab? Vielleicht liegt es daran, dass die Ex zur Vergangenheit des Liebsten gehört, zu einer Zeit, an die er vielleicht manchmal ganz gern zurückdenkt. So ein Gedanke ist nicht schön. Und kann an manchen Tagen beschissen wehtun.
Aber ohne Aiko würde ich jetzt vielleicht ganz verzweifelt vor meiner neuen DVD „Die 1000 schönsten Tore aus 300 Jahren Bundesliga" sitzen und sähe mich gezwungen, Freude zu heucheln, anstatt mich, wie jetzt, rasend auf ein romantisches Essen zu zweit zu freuen. Bei goldenem Kerzenschein und Hühnernudeltopf aus der Dose. Schön.
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