Gender: Male
Status: In a Relationship
Age: 100
Sign: Libra
City: Berlin
State: Berlin
Country: DE
Signup Date: 2/12/2007
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Thursday, July 09, 2009
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Auch das splash! Festival ist nicht mehr das, was es mal war. Oder sagen wir’s mal so: ich bin nicht mehr der, der ich früher mal war, als ich beim splash! Festival war. Das ist ja nicht unbedingt schlecht, und eigentlich ist es ganz gut, weil ich früher immer schon eine Woche vor dem splash! Festival Kreuzschmerzen hatte, weil ich wusste, dass wir wieder ungefähr eine Tonne Klamotten durch die Gegend tragen würden müssen, dass ich wieder zusätzlich zu meiner 20-köpfigen Crew noch mal 20 Leute aufs Gelände würde schmuggeln müssen. Dass ich Mitarbeiter am Stand haben würde, die in der zweiten Nacht, bei plus 5 Grad vor mir stehen werden würden, nur im T-shirt, ohne Schlafsack und nix, mit großen Augen und der Bitte: „Staiger. Kann ich noch nen Pullli haben?“ Oder noch schlimmer. Nur mit großen Augen und ohne Bitte, so dass man sich richtig scheiße vorkam, wenn man den Pulli nicht einfach so raus gab. Von 30 Pullis hatten wir dann am Schluss 3 Stück verkauft und der Rest war auch weg. Ich habe das splash! Festival gehasst. Aus tiefstem Herzen. Nach dem splash! Wollte ich immer in den urlaub fahren und zwar für den Rest des Jahres. Der splash! War für mich die Erinnerung, dass ich danach meine Steuererklärung machen musste und das machte die Sache nicht besser und jahrelang habe ich mich selbst betrogen, mit der Vorstellung: Es sind doch nur 3 Tage.
Nein! Das splash! Festival sind ganze Wochen und im Endeffekt dauerte das splash! früher fast ein halbes Jahr. Denn, wenn man ehrlich ist, beginnt die Veranstaltung für jeden Einzelhändler schon 2 Wochen im voraus. Ware muss gepackt werden. Die Autos müssen bestellt werden. Was machen wir für ein Zelt. Was machen wir für Aktionen. Meet and Greet an unserem Stand. Wer organisiert das. Ich muss mich noch mit den splash! Organisatoren streiten, wegen der Händlerbänder. Nein, Du kannst leider nicht mit. Ok. Wir werden versuchen, Dich reinzubekommen. Nein, Deine 10 Freunde schaffe ich nicht. Ok, wir werden sehen. Habt ihr auch alles richtig gezählt? Warum macht ihr das alles handschriftlich und nicht gleich in Excel. Die Autos werden zu teuer. Der Boxring muss in Neuss oder sonst wo abgeholt werden.
Es war die Hölle.
Dann endlich Abfahrt. Die Laster bepackt und am Donnerstag Nachmittag wollten wir los. Immer. Geschafft haben wir es konstant erst am Donnerstag Abend, weswegen wir dann meistens erst Donnerstag Nacht ankamen, weswegen wir dann nicht aufs Gelände durften, weil da Produktionsbüro schon zu hatte, weswegen wir dann unterm Laster nicht schlafen konnten und so schon die erste durchgemachte Nacht hinter uns hatten.
Der Rest war Schlamm. Dreck. Arbeit. Kälte. Nässe. Spektakel. Hitze. Spaß. Wodka Red Bull. Rumgeschreie und nach 3 Tagen war ich heißer. Durch und einigermaßen glücklich und in den meisten Fällen mit ein paar Tausend Euro warenverlust gesegnet, wobei meine großäugigen Mitarbeiter immer ganz schuldbewusst geguckt haben – erklären konnte es trotzdem niemand. Wahrscheinlich haben wir aber nur falsch gezählt. Vorher, wie auch hinterher. Aber zum hinterher zählen komme ich ja noch.
Denn am Sonntag Abend, dem letzten Tag, dem Tag, den ich immer gerne gestrichen hätte, den aber die splash! Besucher mit großer Mehrheit bei der diesjährigen Abstimmung gerne behalten haben, am Sonntag Abend ging das Ganze also wie in einem Film, der rückwärts läuft, wieder … äh zurück. Dann musste man nämlich die ganzen schlammverkrusteten und durchweichten Kisten wieder zurück schleppen. Wieder alles zählen. Warum schreibt ihr das nicht gleich in die Excel-Tabellen? Alles ist nass und stinkt. Alle sind müde und verkatert. Das Zelt ist vollgetagt. Scheiße. Das müssen wir bezahlen. Hier fehlt eine ganze Kiste. Scheiße. Los wir wollen weg hier. Was ist mit den Kabeln. He steht nicht so rum. Wenn ihr friert, dann packt an.
Es war die Hölle.
Dann irgendwie noch Sonntag Nacht nach Hause gurken und im Endeffekt war der Montag im Arsch. Weil. Autos mussten zurück gegeben werden, am besten nach gründlicher Reinigung. Kisten ins Lager. Anlage zurück. Blablabla. Und falls ihr aufmerksam gelesen habt, dann sind wir nämlich schon bei aktiven 5 Tagen Festival, statt der offiziell verkündeten 3 Tage. Nämlich Donnerstag bis Montag. Das ist eigentlich schon eine komplette Arbeitswoche und dann hat man eigentlich Wochenende. Eigentlich. Da gings dann aber erst richtig los, denn danach kam die ungeliebte splash! Abrechnung, bei der dann der oben genannte Verlust festgestellt wurde. Leider konnte man keinen der Mitarbeiter dafür sofort belangen, weil alle krank waren. Immer. Nach dem splash! – Weil sie ja auch keine warmen Kleider mitgenommen hatten und manchmal saß ich dann den Rest der Nach-splash!-Woche einfach so rum und dachte an meine Steuererklärung, die ich auch bald würde machen müssen, hasste mein Leben, aber da man sein Leben nicht konstant hassen kann, hasste ich das splash! und schwor mir, nie wieder hinzugehen. Die Abrechnung zog sich dann den Rest des Jahres hin, genau so wie die Steuererklärung und ab Januar begannen dann wieder die Vorbereitungen für das nächste splash! Festival denn natürlich waren wir im nächsten Jahr doch wieder dabei. Kaum dass ich die Kreuzschmerzen vom Vorjahr losgeworden war.
Seit ein paar Jahren gehe ich als Besucher auf das Festival. Manchmal sogar nur für einen Tag. Ich schleppe keine Kisten mehr und wehmütig denke ich manchmal an das alte Festivalgelände in diesem verrückten, schönen, hügeligen Erzgebirgsvorland rund um Chemnitz. Dort findet das splash! Festival schon lange nicht mehr statt. Jetzt ist alles sauber und aufgeräumt und in diesem Jahr findet es sogar nicht mal mehr auf der Halbinsel Pouch statt, an die man sich ja schon fast wieder gewöhnt hat, sondern in der Stadt aus Eisen, der eigentlichen Heimat des Melt Festivals in Ferropolis aka Gräfenheinichen, oder so.
Natürlich werden wir auch da sein. Wieder. Zum gefühlt 19ten mal. Mit rap.de und K.I.Z. und überhaupt und weil das splash! eben doch das splash! ist und ich mir irgendwie schäbig vorkommen würde, wenn ich jetzt künstlich zum Frauenfeldfestival in die Schweiz fahren würde. So etwas mache ich nicht. Ich bleibe true.
Aber Kreuzschmerzen habe ich keine mehr und heißer werde ich nicht mehr sein und so viel Wodka Red Bull werde ich nicht mehr trinken und der ganze Schlamm, der Dreck, die Hitze… ach. Irgendwie war’s früher auch schön. Trotz Kreuzschmerzen.
PS: Es gab in letzter Zeit ein paar Videoansagen gegen mich und der eine oder andere wird das vielleicht mitbekommen haben und der eine oder andere hat mich auch gefragt, wann da endlich die Antwort kommt. Nun, es gibt Dinge, die sind dann doch größer als Hip Hop. Zum Beispiel die Liebe. Die brüderliche Liebe und die Fähigkeit, Dinge als so ernst und traurig zu erkennen, dass man auf einen Witz verzichten muss.
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Tuesday, June 16, 2009
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Mein Leben mit Hip Hop besteht im Augenblick eigentlich nur aus Arbeit. Darüber will ich mich nicht beschwerden, weil wir ja alle für jede erdenkliche Arbeit dankbar sein müssen und ich ja auch nicht behaupten kann, dass ich eine schlechte Arbeit habe.
Hatte ich übrigens noch nie, wenn man von der kurzen Episode absieht, als ich in einer Wäscherei gearbeitet habe und dort Schlachthofwäsche aussortieren musste. Das Problem war, dass die Schlachter immer irgendwelche Gegenstände in ihren Schlachterjacken vergessen haben, vom Schlüssel, was langweilig war, bis zu Münzgeld, was gut war. Wir mussten dann alle Taschen durchsuchen und die Metallgegenstände entfernen, weil sonst die Waschmaschinen kaputt gegangen wären. Leider haben die Schlachte ihre Kleidung, nach getaner Arbeit in die Ecke geworfen, wo es offensichtlich warm und feucht war. Nun besteht Blut wahrscheinlich zu einem Gutteil aus wahnsinnig geilen Nährstoffen und so haben sich sämtliche Schimmelkulturen dieser Welt darüber gefreut, dass es diese feuchten, warmen Ecken in diesen Schlachthöfen gab, mit so viel gutem Nährboden. Was ich damit sagen will. Die Kleidung kam mit ca. 5 Zentimeter Schimmelschicht in dieser Wäscherei an und wir mussten mit den bloßen Händen da rein. Ich weiß auch nicht, aber seit damals kann ich mit Schimmel nicht mehr so gut.
Soll aber hier an dieser Stelle gar kein Problem sein. Eigentlich wollte ich nur um Euer Verständnis schleimen, dass es zur Zeit nicht ganz so rund läuft mit den Blogs und das kann auch eine Zeit lang so weiter gehen, obwohl ja jetzt auch die Festival Saison beginnt, oder besser gesagt schon begonnen hat. Zumindest im Hip Hop Bereich war wahrscheinlich das One Love Festival in Hannover und Dresden das erste Festival der Saison und hätte die Möglichkeit gehabt, Spielstätte einer echten Sensation zu werden.
Abgesehen davon, dass wir uns natürlich alle freuen, dass Bushido und Fler wieder zusammen Musik machen und CCN3 das Album sein wird, das beweist, dass Hip Hop kommerziell immer noch relevant ist, warten Hip Hop Puristen und echte Rapfans schon seit Jahren auf eine Wiedervereinigung der ganz anderen Art. Kool S. und der letzte tighte Nigga hätten es in Hannover fast dazu gebracht, als WBM wieder auf der Bühne zu stehen und nicht nur für mich wäre da Weihnachten und Ostern auf einen Tag gefallen, aber die Wege des Herrn sind unergründlich und aus unüberbrückbaren Differenzen wird selbst beim One Love Festival nicht innerhalb von Minuten wieder eine ganz große Liebe und so blieb die Sensation eben leider aus.
Gerade gestern Abend habe ich mich noch einmal darüber unterhalten und mir noch einmal genauestens erklären lassen, warum die Reunion nicht geklappt hat, was dann im Lauf der Nacht zu folgendem bizarren Traum geführt hat:
Ich sitze in einem weißen Raum. In der Mitte ein Tisch. Am Tisch sitzen mehrere Personen. Gegenüber sitzt Bushido und zwei Plätze links davon Savas. Es geht darum, dass Bushido Franky Kubrick gesignt hat und meint, dass der einige neue und sehr gute Song-Ideen am Start habe und dass ein Song, ein total überraschendes Ende habe. Ich kenne diesen Song, aber ich weiß nicht mehr, wie das überraschende Ende geht. Ich sage Bushido, dass ich auch finde, dass Franky sehr interessante Ideen hat und dass sein letztes Album von den Geschichten her wirklich gut war, dass aber die Stimme und die Betonung überhaupt nicht gingen… usw., usf., was ich halt immer gegen Franky Kubrick sage. Bushido lächelt nur und schreibt weiter auf seinem Blatt Papier. Savas äfft mich nach, ignoriert mich ansonsten und ich frage mich, ob Franky Kubrik nicht bis vor kurzem bei Savas gesignt war. Es macht irgendwie keinen Sinn.
Zuvor oder danach haben wir uns ein Franky Kubrick Showcase angeschaut. Er hat geschwitzt. Er hat mich gesehen. Ich wollte nicht, dass er sich meinetwegen verrappt oder schlecht fühlt. Er hatte Schweißperlen auf der Stirn. Angefangen hat er seine Performance mit einer Art Stotter-Style. Er performte die Rolle eines Rappers, der über die erste halbe Zeile nicht hinauskommt. Da hat er auch seine Stimme nicht so verstellt. Das fand ich geil und ich wartete nur auf sein erstes Wort, das er wieder so eklig amerikanisch ausspricht. Aber es kam nicht.
Die Bühnenshow war eigentlich ein Video. 50Cent spielte mit. Oder jemand, der so aussah wie 50Cent. Tätowierte Menschen. Personen kletterten aus Personen. Apokalyptische Visionen in einer Art Kunstgalerie. Alle Menschen in diesem Video waren auch gleichzeitig Ausstellungsstücke.
Später lief ich dann selbst durch das echte Video. Da waren die Leute noch perfekter als auf der Bühne. Daran erkannte man auch den Unterschied und 50Cent war auch wirklich der echte 50Cent. Ich bewegte mich mit der Kamera durch die einzelnen Galerieräume, löste mich davon, fragte mich, ob ich jetzt Teil des Videos geworden bin, aber das war ich zu keinem Zeitpunkt. Ein Objekt aus zwei Personen wirbelte in der Mitte eines weißen Ausstellungsraums. Breakdance. Es war so, dass man die zwei Körper erkennen konnte, die gleichzeitig aber auch eine gemeinsame Kugel bildeten. Der eine Mensch sah aus, wie die Person aus dem Bild von Edvard Munch mit dem Namen „DerSchrei“. Mit starken Strichen gemalt und trotzdem dreidimensional, umgeben von einer Art Plastikhülle. Der andere Körper war dynamischer. Bestand nur aus einem Rock und Unterröcken, war mehr Kugel und eindeutig eine Frau, die das Ganze zusammenhielt. Der Strichmann, mit dem Kopf von Taddäus aus Spongebob erhob sich und sucht nach einer Frau, die er auch beim Namen nannte. Den Namen habe ich aber vergessen, obwohl der Strichmann mit lauter und bestimmter Stimme sprach. Das Wesen trennte sich und die Frau trat hervor, in einem gelben Rock und einer schwarzen Strickjacke, die Haare so schwarz, als wären sie eine Perücke und in diesem Moment ging das andere Wesen wiederum in der Frau auf und als sich die Frau setzte nahm ich ihre Hand und erkannte, dass sie eigentlich ein Mann war und ich sagte ihr in ihr Gesicht, dass ich unter der Perücke kaum erkennen konnte, dass sie die gesuchte sei und sich melden müsse. Ich sagte „Du bist….“ Und ich sagte ihren Namen, der aus drei Silben bestand, aber keinen Sinn ergab, weil er so ähnlich wie „Bebebe“ klang. Und ich sagte ihren Namen, den ich jetzt wieder vergessen habe und ich sah in ihr oder in sein Gesicht. Und es war der Strichmann und gleichzeitig fragte ich mich, ob es nicht auch Franky Kubrick sei? Es war der Wahnsinn und dann wachte ich auf.
Freundinnen und Freunde. Vielleicht dreht mein Gehirn auch einfach nur durch gerade und verschafft sich mit solchen Träumen ein bisschen Luft. Nehmt das alles nicht allzu ernst. Mir geht’s gut. Ich hoffe Euch auch.
Am Samstag habe ich mir diese UFC Veranstaltung in Köln angeschaut und ich muss sagen, dass ich genug Freefight für mein ganzes Leben gesehen habe. Aber dazu an anderer Stelle wieder mehr.
PS: Aus Zeitgründen und weil ich da wirklich keine Lust dazu habe, wurde dieser Text weder Korrektur gelesen noch editiert. Verzeiht!
PPS: Und während ich hier sitze und Träume aufschreibe und über zu viel Arbeit klage muss ich an Bertolt Brecht denken, der ungefähr sagte, dass die Zeiten traurig sind, in denen ein Gespräch über Bäume ein Verbrechen ist, weil so viel wichtiges in dieser Zeit nicht gesagt würde. Ich wünsche allen, die heute Nacht in den Straßen von Teheran für ein bisschen mehr Freiheit demonstrieren, dass ihre Kinder, Mütter, Frauen, Väter und Ehemänner sie morgen früh auch wieder sehen werden. Vergesst nicht, dass es auch noch echte Probleme in dieser Welt gibt!
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Monday, May 18, 2009
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Freundinnen und Freunde, Die heutige Sitzung wollen wir mal so gestalten, dass ihr mein Therapeut seid und ich auf der Couch liege. Ganz im Sinne der Psychoanalyse von Freud, seid ihr dabei lediglich mein Spiegel und sagt… Nichts. Ich brabble so vor mich hin. Danach geht es mir besser, weil leichter, weil ich habe mich entleert und ihr macht Euch ein paar Notizen. Und in 2 Wochen treffen wir uns wieder und dann wiederholen wir das einfach. Nach einem Freundlichen " Und?!“ von Eurer Seite schweige ich erst einmal. Es geht mir gut. Eigentlich habe ich nichts auf dem Herzen und trotzdem beginne Ich mit einem Geständnis. Ich gestehe, dass es mir zur Zeit sehr schwer fällt, diesen Blog hier zu schreiben. Es leigt ein bisschen am Titel, der das ganze thematisch natürlich so ein bisschen einschränkt. Es geht um Hip Hop. Geschichten aus der Hip Hop Welt. Aber da pssiert gerade gar nicht so viel in dieser Hip Hop Welt: Azad sagt seine Tour ab und redet im Juice Interview über das scheitern seines Labels und darüber, dass sein Steuerberater im seit Jahren geraten hat, BOZZ Music dicht zu machen. Das ist schade auf jeden Fall und ich bin da auch echt traurig darüber, weil das so ein Traum war von ihm, wahrscheinlich auch so was wie: "Ich gebe meinen Homies Arbeit und kann sie so vor anderen Geschäften schützen“ und irgendwie kommt das so rüber, als würde er dieses Scheitern aktuell schon sehr stark und konkret ins Auge fassen und dann denke ich mir, dass es in der Rockmusik schon auch sehr große Karrieren gab, die das Scheitern verarbeitet haben und es gibt Menschen im Blues, die so großartig verloren haben, dass es einem das Herz zerreißt, ABER und das ist sehr wichtig dabei, diese Menschen haben dann auch keine schwarzen BMW Limousinen mit Chromfelgen in ihren Videos aufgefahren. Da stimmt dann was nicht. Irgendwas passt da nicht zusammen, oder habe ich da irgendeine versteckte Botschaft nicht mitbekommen. Oder Falk schreibt in seiner neuen Kolumne in der Juice über ein ganz ähnliches Thema wie ich jetzt hier, wobei sich Falk auf einen Blog von Ralf Kotthoff bezieht, dem Gründer von mzee.com und ich beziehe mich jetzt wieder auf Falk und so beziehen wir uns gegenseitig aufeinenader, weil alle drei kennen wir uns ja auch noch privat und sind miteinander befreundet und irgendwie riecht das jetzt alles nach Inzest und wir schmoren alle im eigenen Saft und warum beziehen wir uns nicht einfach mal so auf Bonnie "Prince" Billy, der unfassbar gute Songs macht und nebenbei auch noch tolle Videos. Und da geht es auch ums Scheitern und Verlieren.
Worauf ich hinaus will: Falk schreibt in seiner Kolumne, dass die Hip Hop Kultur beileibe nicht tot ist, sondern, dass er die beste Musik seit Jahren hört, gerade, und dass er nur das Problem hat, dass es so viel gute Musik gibt und er schon gar nicht hinterher kommt mit dem vielen gute Musik hören und dass er denkt, dass Casper der neue Rap superstar am Horizont ist, der da kommt auf einem weißen Schimmel, mit der schwarzen Krähe auf der Schulter, auf dem grünen Gras und der da uns die Hand entgegenstrecken wird, wenn wir gerade bis zum Hals im Treibsand stecken und uns aus der Scheiße ziehen wird. Ach Gott, das wünsche ich mir auch. Aber ich weiß nicht, ob Casper das schafft. Immerhin wiege ich fast 90 Kilo. Ok. Abgesehen davon, dass das neue Portraitfoto von Falk über seiner Juice Kolumne äh … echt crisp ist, abgesehen davon halte ich seine Haltung für ein kleines bisschen zweckoptimistisch. Es kann ja sein, dass wir zur Zeit Musik hören könnten, die technisch, von den Reimskillz und überhaupt, die beste Hip Hop Musik ist, die je gemacht wurde, ABER darum geht es doch gar nicht. Es geht um Begeisterung. Es geht um das Feuer, das fehlt. Es geht ja nicht darum, dass man Veranstaltungen pusht, die gut organisiert und back to the roots sind und dass es immer noch Menschen gibt, die sich anstrengen. Nein es geht genau um das Gegenteil. Es geht darum, dass man eben nichts pushen muss, weil es eben da ist. Es geht darum, dass man sich nicht anstrengen muss, weil die Menschen so begeistert sind, dass sie ihre Mühen gar nicht als Anstrengung empfinden. Es geht darum, dass man sich nicht immer sagen muss, dass es das beste ist, was man jemals gehört hat, sondern dass es schlichtweg egal ist, wie etwas produziert wurde, weil es einfach so geil ist, dass es dir den Kopf weg haut und man einfach hinten über fällt, weil es einem so gefällt. Bumm. Einfach so. Und dann denke ich mir, dass Leute in Werbeagenturen immer so ein Loch haben, wenn sie 40 sind und dann meistens auch ausgetauscht werden, weil sie sich nicht mehr für Dinge begeistern können, nicht weil sie plötzlich alt und gefräßig sind und nicht mehr klar denken können, sondern weil sie schon alles irgendwie schon mal erlebt und gesehen haben und deshalb alles ein bisschen langweilig finden. Und dann habe ich Angst, dass ich jetzt dann auch bald ausgetauscht werde, dass ich jetzt dann bald eine Brief bekomme von der World Associated Federation of Hip Hop, der WAFHH und in diesem Brief steht dann folgendes: Dear Mister Staiger,
Thank you fort he Commitment that you have shown in the last years …. (Und den Rest übersetze ich jetzt mal so, weil ich kann nicht so gut englisch als dass ich den Witz hier jetzt durchziehen könnte.) Also Dankschön für ihre Einsatzbereitschaft, die sie in den letzten Jahren gegenüber der Hip Hop Kultur und insbesondere der Pflege der deutschen Hip Hop Szene an den Tag gelegt haben. Wir bedanken uns im Namen aller Aktiven und würden uns freuen, wenn Sie die Position unserer internen Onlineabteilung als Senior Vice President of the United Arabic Emirates Hip Hop Association in Dubai übernehmen würden. Ihre Aufgabe dort wäre es in verantwortungsvoller Position den Aufbau der Hip Hop Kultur im nahen und mittleren Osten zu überwachen und unsere Kultur zu repräsentieren. Ein bis 2 öffentliche Auftritte im Jahr zu absolvieren und ansonsten die Fresse zu halten. Von Blogs, Stellungnahmen, Kommentaren und Beratung bitten wir abzusehen, da wir nach eingehendem Studium ihrer Texte zu dem Schluss gekommen sind, dass von ihnen nichts kommt. Die neue Position teilen sie sich übrigens mit den Herren Falk Schacht, Ralf Kotthoff, Frederik Hahn aka Torch, Schowi und Strachi vom 0711 Büro, die schon seit längerem in Dubai vertreten sind und sehr vielen anderen bekannten Gesichtern, die Sie schon seit Jahren kennen. Wir wünschen ihnen viel Spaß bei Ihrer neuen Aufgabe, die sie morgen antreten können. Von allen anderen Aufgaben und Funktionen sind Sie mir sofortiger Wirkung entbunden.
Herzlichst Ihr Joseph A.L. Head of WAFHH, New York City. Alles klar. Was ich damit sagen will, ist, dass es ja auch möglich sein könnte, dass es an mir liegt. Also so Selbstzweifel. Zum Beispiel das neue EMINEM Album. Wenn man jetzt 15 ist und das neue EMINEM Album kommt raus und man holt es sich, dann hält man Relapse vielleicht tatsächlich für DAS Album des Jahrhunderts. Dann ist Relapse eine Offenbarung. Dann denkt man sich WOW, das ist Future Rap, das ist der geilste Scheiß, den ich jemals gehört habe. Da ich persönlich aber schon 5 EMINEM Alben kenne und trotz meines beschissenen Musikgeschmacks von der Slim Shady LP tief beeindruckt war, weil es damals neu, verrückt und genial war…. nun kann ich also Relapse als sehr gutes Album feiren, ABER so richtig vom Hocker hauen tut es mich nicht. Versteht ihr was ich meine? Vielleicht ist es das beste EMINEM Album, das er jemals produziert hat, ABER es ist ein EMINEM Album und alles, was er auf dem Album macht, hat er selbst eben schon mal vorher gemacht. Das er es jetzt besser macht ist eine handwerkliche Komponente, die ich schätzen kann, aber sie versetzt mich nicht in Ekstase. Und das tragische an der Sache ist, dass EMINEM gar nichts machen könnte, was mir einfällt, um das Blatt zu wenden, weil ich es unfassbar ekelig finden würde, wenn er jetzt mit Elektrorap daherkommen würde, dann würde ich mir eine Peitsche kaufen, mit der ich mir auf den Rücken schlage und ich würde mich für die nächsten philippinischen Passionsspiele anmelden. Yo. So. Wenn man sich die Geschichte des Christentums anschaut, dann haben die frühen Kirchenväter, also die Jungs, die aus einem immer wieder kehrenden Mythos eine mächtige Organisation geschaffen haben, wahrscheinlich auch solche Durchhänger gehabt. Ein zwei intensive Gespräche mit dem Herrn oder wahlweise brennenden Büschen oder gleißenden Lichtern auf der Straße nach Damaskus haben die Typen aber wieder auf Kurs gebracht. Und so sitze ich hier, warte auf das Licht und bis dahin singe ich: I saw the light, i saw the light No more Darknsess no more night Now I am so happy no sorrow insight Praise the Lord yeah I saw the light.
Und ich habe diese Version rausgesucht, einzig und alleine wegen der Frauen im weißen Kleid und den Beton Frisuren. Yipiie Yeah! Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit. Es geht mir schon viel besser.
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Wednesday, April 29, 2009
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Freundinnen und Freunde,
ich muss mich entschuldigen. Die letzte Zeit war etwas überfüllt mit Arbeit und da ich ja nicht irgendwie blöde vor mich hintwittern will, sondern fundierte Analysen des Rap Geschehens abgeben möchte, hat es mit dem heutigen Text ein bisschen gedauert.
Zu berichten gibt es ja einiges, denn erdrutschartig hat sich die Deutsche Raplandschaft vor 3 Wochen verändert und mehrer Medienvertreter haben bei mir angerufen, um meine fundierte Meinung über das ableben von AGGRO Berlin einzuholen. Warum sie da nicht gleich Specter, Spaiche und Halil befragt haben, ist eine berechtigte Frage, aber wahrscheinlich haben sie nicht die richtigen Telefonnummern gehabt und ich bin nicht schlau genug, mein Telefon samt Nummer regelmäßig zu verlieren, oder besser gesagt: Das Telefon verliere ich zwar schon regelmäßig, die Nummer aber nie. Wie auch immer. AGGRO Berlin ist zu und die große Frage ist: Wohin gehst Du deutscher Rap?
Nun ist es ja so, dass AGGRO Berlin und ich oder besser gesagt ROYALBUNKER nicht unbedingt die besten Freunde waren. Zeitlebens begleitete uns eine unterschwellig bis offen aggressive Konkurrenz, was darin gipfelte, dass AGGRO Berlin ROYALBUNKER einfach überrollt hat und sie mit der Zeit wahrscheinlich gar nicht mehr an uns gedacht haben und wir uns immer mit dem großen Feind vergleichen lassen mussten. AGGRO Berlin hat einfach vieles richtig gemacht, was ROYALBUNKER falsch gemacht hat und doch war AGGRO für mich auch immer der Gegenentwurf zu meiner Arbeit: So wollte ich nie sein.
Angefangen hat alles allerdings ein bisschen anders. Als ROYALBUNKER die ersten Tapes veröffentlichte, waren darunter auch die Tapes einer Crew, die sich die Sekte und später auch Royal TS nannte. Sido und B-Tight, wobei erwähnt werden muss, dass Sido zu Beginn noch von der Sekte gefeatured wurden und die ursprünglichen Sekte Members Collins, B-Tight und Kimba hießen. Kennt heute wahrscheinlich keiner mehr, will ich an dieser Stelle aber noch mal festhalten.
Einer der begeistertsten Käufer dieser Veröffentlichungen war ein sehr guter Sprüher namens Specter, der bekannt war für seine stylischen, comichaften und sehr individuellen Character. Irgendwie kam er aus Frankreich, oder hatte zumindest eine Frankreich Connection und ich kann mich noch erinnern, wie wir uns abends um 10 irgendwo getroffen haben, weil er am nächsten Tag noch nach Paris gefahren ist und UNBEDINGT noch ein Sekte Tape mitnehmen musste, um es seinen Kumpels dort vorzuspielen. Nach seinen Worten, war das das Krasseste, was er an deutschem Sound jemals gehört hatte und ich lächelte wohlwollend. Ich mochte die Sekte Sachen, aber ich fand nach wie vor, dass Savas der beste Rapper aus unserem Umfeld war und dass sich Sido und Bobby auch aufgrund ihres Alters erstmal hinten anstellen sollten. Die Jungs waren 18 oder so und da ich sowieso die ganze Zeit mit Savas auf Tour war, dachte ich: erst er, dann die anderen. Vielleicht dachte ich auch gar nichts, denn ehrlich gesagt bin ich damals ohne einen konkreten Plan in dieses Business gesteppt und meine Zielsetzung änderte sich alle halbe Jahre. Zuerst wollte ich ein Freestyle Cafe machen. Dann wollte ich ein paar Tapes rausbringen. Dann wollten ich ein paar Alben auf Tapes rausbringen. Irgendwann dann hatte ich die Vorstellung, dass man ja ein richtiges Label machen könnte. Dann war Vinyl machbar usw. usf. Den großen Businessplan: Ich gründe jetzt ein Label und ziehe das durch, den gab es nicht.
Das war bei AGGRO ein bisschen anders. Zwar waren die Anfänge vom Hörensagen her eben so chaotisch wie bei uns und ich belächelte das Label mit dem Sägeblatt immer als schlechte RB-Kopie, aber dass sich da drei Gehirne getroffen haben, mit einer eindeutigen Stoßrichtung verlieh der ganze Sache dann doch relativ schnell eine gewisse Dynamik. Und das war dann auch eine richtige Killermischung. Specter. Verantwortlich für das optische Erscheinungsbild. Spaiche, der sich in relativ kurzer Zeit das gesamte Handwerk der Musikindustrie als Wissen draufgeschafft hat und Halil, der die ganze Zeit „Verkaufen, Verkaufen“ brüllt und wohl auch die ganze Zeit daran denkt. Da Sido und B-Tight mit ihrer Existenz in der zweiten Reihe nicht ganz zufrieden waren und relativ schnell mitgekriegt haben, dass sie woanders ganz vorne mit dabei sein würden, brauchte es wenig Überzeugungsarbeit, in Zukunft der neuen Kraft im Rapgeschäft zur Verfügung zu stehen. Ganz anders im Gegensatz zum Rest der Sekte, die mittlerweile mit Vokalmatador, Calle und Rhymin Simon verstärkt worden waren. Kimba und Collins waren zu diesem Zeitpunkt schon weit weniger aktiv. Was genau und in welcher Reihenfolge passierte, kriege ich an dieser Stelle nicht mehr richtig zusammen, auf jeden Fall war es so, dass Sido und B-Tight das zweite Royal TS hinter meinem Rücken produziert haben und so indirekt erklärten, dass sie nicht mehr beim Bunker sind, was ich dann auch nur indirekt erfahren habe.
Es gab dann noch ein großes Gespräch im Wedding mit allen Sektenmitgliedern und eigentlich haben wir uns darauf geeinigt, dass wir die Arbeit fortsetzen sollten, aus geschäftlichen Gründen und dass "Back in Dissness“ doch noch auf ROYALBUNKER erscheinen sollte. Als ich dann aber in der selben Nacht noch den Presseinfotext schreiben wollte, fiel mir absolut nichts ein und so rief ich am nächsten Tag bei Paul an und erklärte ihm, dass es wohl besser sei, wenn wir die Zusammenarbeit auflösen würden, worauf er wiederum meinte, dass er sich genau das gedacht habe, dass ich so reagieren würde.
Simon habe ich dann auch noch von diesem Schritt unterrichtet und ihm gesagt, dass er doch bitte bei ROYALBUNKER bleiben solle, was er dann ja auch getan hat.
Warum allerdings die Zusammenarbeit zwischen AGGRO und Calle, Vokalmatador und Simon nicht zustande kam, weiß ich allerdings nicht genau, da es definitiv Gespräche gegeben hat und letztendlich ja auch ein paar Freundschaften darunter gelitten haben.
Mit dem neuen Label waren allerdings die Fronten nun auch geklärt und was mit freundschaftlichen Sticheleien angefangen hat, wurde irgendwann dann auch ein bisschen hässlich. Spätestens mit Beatfabrik auf der einen Seite und Bushido und Fler auf der anderen Seite gab es Unstimmigkeiten, die noch aus alten Sprühertagen herrührten und wo es immer auch um Loyalität und Gruppenzwang ging. Trotz allem musste ich mir immer anhören, was AGGRO nun wieder besser gemacht hat und welche Moves, während ich ein wenig neidisch auf Künstler wie Bushido schielte, die kurz vor ihrem Release selbständig auf dem Ku’damm Flyer fürs neue Album verteilten und nicht, weil ich das für eine unglaublich gute Marketing Idee gehalten habe, sondern weil ich den persönlichen Einsatz der Leute einfach gut fand.
Auch hörte ich von Konzerten bei denen nur 70 Leute anwesend waren und die AGGRO Künstler haben sich trotzdem reingehängt und performt als wäre es das letzte mal gewesen, während ich ein paar meiner Leute selbst vor 300 Leuten auf die Bühne schieben musste. Und so musste ich damals mit viel schlechten Gefühlen mit ansehen, wie die rot-weißen an uns vorbei zogen und als Spaiche damals im Hip Hop Magazin MKZwo erklärte, dass die Top10 definitiv das erklärte Ziel seien, ansonsten würde das alles ja gar keinen Sinn machen, auch wirtschaftlich, da habe ich mir nur gedacht: Was für Irre!
Heute kann ich das neidlos anerkennen, aber genau diese Visionskraft war es, die AGGRO von allen anderen Labels da draußen unterschied, und ich rede hier nicht von komischen, postpubertären Träumen. Nein. Die drei Köpfe von AGGRO haben einfach erkannt, was sie da in der Hand haben und wie sie das, was sie in der Hand haben auch richtig umsetzen können, dass es etwas richtig großes werden konnte. Und wenn deine T-Shirts auf dem Polenmarkt in Slubice als Bootlegdrucke angeboten werden, dann bist du wirklich groß. Also so richtig groß.
Bei all der Kritik, die man an der Arbeit von AGGRO haben kann, bezüglich einer gewissen Skrupellosigkeit im Umgang mit den Medien und gewissen geschichtlichen Themen, eins haben uns Specter, Halil und Spaiche wirklich gezeigt: Hip Hop ist groß, kann noch größer werden und ist wirklich relevant. Auch wenn man die BILD Zeitung nicht mag, so muss man doch akzeptieren, dass sie dem Volk aufs Maul schauen und genau das schreiben, was die Leute lesen wollen.
Auch ich lese lieber die Titanic und in letzter Zeit vermehrt die SPEX, aber wenn man das tut, dann muss man auch genau wissen, dass weder die Titanic noch die Spex oder die TAZ jemals eine solche Auflagenzahl wie die BILD erreichen werden. Das ist nicht traurig. Das ist auch nicht schlimm, darüber braucht man sich auch nicht aufzuregen. Das ist einfach so.
AGGRO Berlin hat es in den letzten 8 Jahren verstanden, einen gewissen Nerv der Zeit zu treffen und auch einen Großteil der deutschen Hip Hop Fans zu repräsentieren. Mit Sido, B-Tight, Bushido und Fler schufen sie Prototypen für Rapper, die tausendfach kopiert wurden.
AGGRO Berlin hat bewiesen, dass man auch als Indipendentlabel wahnsinnig erfolgreich sein kann, wenn man nicht nur kifft, sondern auch hart arbeitet.
Und so machen wir es mal so wie alte Weltkriegssoldaten bei irgendwelchen Veteranentreffen. Reichen wir uns also die Hände und ich zolle Respekt.
Vielleicht liegt ja auch im großen persönlichen Einsatz, den alle Beteiligten beim Unternehmen AGGRO geleistet haben, das Geheimnis der Schließung begraben. Wer so lange alles gibt, der muss irgendwann Schluss machen. Und ein Schluss in Ehren ist immer noch besser, als langsam vor sich hin zu dümpeln.
In diesem Sinne: Alles gute und farewell Label Nr.1 AGGRO Berlin,
wünscht das beste ehemalige Label der Welt ROYALBUNKER!
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Wednesday, April 01, 2009
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So. Gut ausgeruht gehe ich meinen Job als Gastjuror bei myspace an. Eigentlich wollte ich diese Session so gegen 10 Uhr abends beginnen, aber eine bleierne Schläfrigkeit überfiel mich und ich musste erst einmal ein kleineres Nickerchen machen. Somit starte ich diese Aufgabe um 02:42 ausgerüstet mit Kaffee statt Wodka Lemon, wie ich es eigentlich vorhatte. Während ich so schreibe, überlege ich, ob diese bleierne Müdigkeit psychologische Ursachen hatte. Vielleicht war es einfach auch nur die pure Angst vor der Aufgabe an sich. Man muss dazu sagen, dass Demos hören eine der unbeliebtesten Tätigkeiten bei einem Label ist. Hoffnungsvolle, junge Talente schicken ihre selbstgebrannten CDs ein. Zumindest nach Einführung der digitalen Medien ist die Situation insofern besser geworden, dass wir keine Kassetten mehr bekommen, auf denen einfach die Volksmuik der Mutter überspielt wurde. 2 Lieder schlecht aufgenommener Rap. Dann ein Knacksen und Rauschen und dann " Oh Du schöner Westerwald“ Das ist kein Witz. Das ist alles vorgekommen. Die beste Geschichte war aber die, als meine Praktikantin in mein Büro kam und meinte, dass da jemand auf mich wartet. Ich fragte: " Hat er einen Termin“ Sie: "Nein.“ Ich: " Dann soll er am Donnerstag wieder kommen. 13 Uhr. Dann kann ich.“ Sie: " Ok.“ Pünktlich um 13 Uhr am Donnerstag erscheint der junge Mann wieder und wir hören rein. Kassette, CD? Ich weiß nicht mehr. Wir hören 4 Takte. Ich so: " Du bist nicht im Takt.“ Er so: " Echt?“ Ich skippe nach vorne. Gleiches Problem. Der Mann ist nicht im Takt. Ich: " Du bist nicht im Takt.“ Er: " Ja. Wir haben voll das schlechte Equipment.“ Ich: " Taktgefühl hat nichts mit Equipment zu tun.“ Er: " Ich war da so in einem Studio. Ich hatte echt nur ne halbe Stunde Zeit. Das musste voll schnell gehen, deshalb ist das vielleicht ni so richtig gut.“ Ich: " Aha“ Er: " Ja“. Das sagte er sehr hoffnungsvoll. Vielleicht glaubte er ja tatsächlich, dass sein mangelndes Talent am Zeitdruck liegt. Vielleicht glaubte er ja tatsächlich, dass in einem 500.000 Euro Studio mit Dr. Dre an den Reglern, sich plötzlich eine EMINEM-artige Figur in ihm ausbreitet und er endlich seine Skillz zeigen kann, die eigentlich in ihm schlummern, die man jetzt aber natürlich noch nicht sehen kann, weil a) Zeitdruck und b) schlechtes Equipment. Seine Augen hängen an meinen Lippen. Ich: " Wo kommst du eigentlich her?“ Er: " Aus hmhmhm. Das ist in der Nähe von Erfurt.“ Ich: " Und du wohnst gerade in Berlin?“ Er: " Nö.“ Ich: " Aber du warst Dienstag schon mal da.“ Er: " Ja.“ Ich: " Und du bist extra hergefahren?“ Er: " Ja.“ Ich: " Du bist Dienstag extra hergefahren und du bist heute extra hergefahren?“ Er: " Ja.“ Ich: " Wie lange brauchst du für eine Strecke?“ Er: " Na ja. So vierenhalb Stunden.“ Ich so: " Aha.“ Langsam drehe ich mich um. Ich schaue in sein Gesicht. Was ich jetzt sage kommt mir unglaublich bedeutend vor. In Wahrheit ist es nur traurig. Ich: " Du fährst insgesamt 18 Stunden durch Deutschland, um mir etwas zu zeigen, was du in einer halben Stunde aufgenommen hast?“ Er zuckt ein bisschen mit dem Mundwinkel. Ich lege mein Gesicht in meine offenen Hände und beginne zu weinen. Langsam steht der junge Mann auf. Nimmt seinen Rucksack und geht in Richtung Tür. Auf halbem Weg dreht er sich noch einmal um und sagt: " Ich lass die CD hier. Dann kannst du ja noch mal reinhören. Nummer steht drauf, falls was ist.“ Leise sage ich " danke“ und ich höre, wie er mit schweren Schritten nach draußen schlurft. Sachte zieht er die Tür ins Schloss. Es ist ein Abschied. Ein Abschied für immer. Lange sitze ich noch so da und starre vor mich hin. Irgend etwas läuft falsch. Aber ich weiß noch nicht was. So. Mittlwerweile ist es 3:08 und ich habe noch keinen einzigen Song gehört vom Contest. Wird langsam Zeit. Vorher muss ich aber noch kurz den Kampf von Kimbo Slice gegen Sean Gannon anschauen. Darüber habe ich vorhin was in einer Kampfsportzeitung gelesen und dabei festgestellt, dass ich den Kampf noch gar nicht gesehen habe. Mache ich jetzt. Ablenken! Ich glaube, ich will mich einfach nur Ablenken! 3: 15: Der Kampf ist ein bisschen anstrengend und ein bisschen roh. Deshalb will ich ihn hier jetzt auch nicht unbedingt einbetten. Eigentlich ist er deshalb spannend, weil irgendwelche Boys die ganze Zeit dazwischen steppen und sich einmischen. Was eigentlich gar nicht geht. Gannon ist größer als Slice und beide kloppen sich doll ins Gesicht. Ohne Handschuhe. Bei Minute 4 sind beide schon ziemlich im Arsch. Konditionell. Ich schaue weiter. Sind ja noch 6 Minuten. Kurz vor Minute 5 scheint Gannon einen Leberhaken untergebracht zu haben. Weil er aber selber nicht mehr kann, setzt er auch nicht nach. Slice konzentriert sich kurz und bringt seinerseits einen Treffer unter. Gannon scheint diesen mit seinem Körper abwehren zu wollen. Es beginnt die Phase: " Ich verteidige mit meinem Gesicht.“ Sehr effektiv. Einfach die Fresse hinhalten und den Kinnhaken mit dem Kinn abwehren. Das ist das Beste. Noch 5 Minuten. Kurz vor Minute 6 setzt Gannon endlich sein Knie ein, worauf man eigentlich auch schon hätte früher kommen können, aber anscheinend sind Knie bei diesem Kampf nicht erlaubt. Die Situation eskaliert. Mir fällt ein, dass ich den Kampf doch schon mal gesehen habe. Da ich aber vergessen habe, wie es ausgeht muss ich doch noch fertig gucken. Egal. Bei 6:30 sieht man das Gesicht von Gannon. Er ist ein bisschen zermatscht. Gerade wird nicht gekämpft sondern beide Lager streiten sich über das Regelwerk. Es ist ziemlich laut. Es wird geschubst und gebrüllt. Der Kampf wird dennoch fortgesetzt. Bei 7:20 geht Slice zu Boden. Anscheinend hatte Gannon ein kleines bisschen mehr Luft. Kimbo steht wieder auf. So richtig Lust hat keiner mehr. Kimbo lehnt sich an die Reling. Gannon kommt von hinten und haut ihm noch mal eine rein. Aber eher so: " Ok. Ich mach das jetzt halt, vielleicht ist es dann vorbei.“ Noch 2 Minuten und 20. Kimbo wehrt sich tatsächlich noch mal. Am besten gefällt mir so ein Typ, der die ganze Zeit einen Koffer mit sich herumschleppt und eine Art Faschingshütchen auf dem Kopf hat. Vorher trug er noch einen langen, hellen Mantel. Er scheint wichtig zu sein, was man an dem Koffer erkennen kann. Ich glaube es ist ein Geldkoffer. DER Geldkoffer. Bei 8:30 wird Kimbo bis 20 angezählt. Mittlerweile stehen so viele Leute drumherum, dass man nichts mehr sehen kann. Anscheinend steht Kimbo irgendwann mal wieder und Gannon muss noch mal ran, obwohl er eigentlich schon in ein kleines Aftermatch-Gespräch mit einem seiner Begleiter vertieft war. Kimbo geht wieder zu Boden. Der Typ mit dem Geldkoffer versucht ihn zu motivieren. Kimbo wird noch einmal angezählt und steht bei 28 tatsächlich noch mal auf. Gannon geht nach vorne. Zwei, Drei Dinger sitzen, dann hängt er sich über Slice und bewegt seinen Arm nur noch, um so quasi Schläge zu imitieren. Kimbo legt sich hin und schläft ein. Glaube ich. Er wird wieder angezählt und bei 25 bricht das Video ab. Scheiße. Ich glaube aber, dass Kimbo Slice verloren hat. Mittlerweile ist es 3:42 und ich habe noch keinen einzigen Track gehört. Ich bin stolz auf mich. Genau so arbeiten erfolgreiche A and R Manager bei den großen Labels auch. Die Aufgabenstellung für den Featured Artist Contest bei myspace war ja die folgende: Schreibt einen Song über eure Hood ohne die Worte "Blut", "Beton", "Straße" und "hart" zu verwenden. Und falls ihr keine Hood haben solltet, dann tut’s auch der Kiez oder die ländliche Umgebung. Die erste Einsendung, die ich in schriftlicher Form als Kommentar unter unsere News bei rap.de bekommen habe war schon mal vielversprechend: " es ist meine hood und i werde ihr nie überdrüssig sein/ unterzeichne dies mit literweise roter flüssigkeit/ klebrig tropft sie auf den rand des schwarzen asphalts/ nach dem mein Basi in deine Fresse, wie dieser Bass knallt/ hier repräsentiert jeder eindrücklich das gegenteil von schwach die meisten Leute kommen hier auf Blockparties direkt vom Knast! ähm ja, krieg ich noch mehr stichwörter die ich zum thema verarbeiten kann?“ Jetzt mal schauen, was die anderen machen. Es ist 3:48. vielleicht doch einen Wodka Lemmon? Einen kleinen vielleicht? Erstmal mails checken. 04:05: Oh Gott ist myspace langsam. Trauer. 04:07: Geil. Ich habe gerade den Satz gehört: " Das hier geht an alle Heads, die Musik machen müssen… und an ihre Frauen, die es nicht verstehen.“ Hahahahaha. luketwentyseven Ist nicht schlecht, aber so richtig geil find ichs noch nicht. Weitersuchen! 04:12: Interessant was da so alles reinflattert taschaschaefermusic Checkt mal den Song " Liebe/Love is what you need.“ Ich meine, was soll ich dazu noch sagen? 04:19: Meine Güte ist myspace langsam. Zum Glück bin ich schneller. 10 Sekunden und ich weiß ob’s gut ist. Dann noch mal in einen zweiten Song reinhören und verifizieren, ob der erste Eindruck stimmt. Stimmt. Nächstes Profil. Oder soll ich gleich nach dem Profilbild beurteilen. Würde auch stimmen. Glaube ich. Eigentlich müsste es ja so sein, dass man ein Profil aufmacht, der Song startet und weiß es sofort. Das ist es. Kein Plan, ob das heute Nacht funktioniert. Ich hole mir einen Wodka Lemmon. Einen großen. Es ist 04:29 04: 32: Aber es passiert: thetitanstv Gefällt mir. Vielleicht liegt’s aber auch am Lokalpatriotismus, oder am Wodka. Aber der Track „Stuttgart“ ist super!!! Hook ist Killer!!!! Ich habe gelacht. 04:42: Komisch. Viele Schwaben am Start. Dabei dachte ich, dass Kollege KörpaKlauz bei Culcha Candela ist. Aber ich glaube da war der auch dabei. Jetzt ist er allerdings stolzer Wagenburgbewohner. Das ist auch ein Weg: koerpaklauz 04: 58: Ich hasse Songs mit langem Intro. Ich beschließe, dass die sofort durchfallen. Ich habe recht, glaube ich. 04:59: Ach so. Das war kein intro. Das war ein Instrumental. Nur Instrumentale. Leider suchen wir heute keinen Produzenten. Pech gehabt. 05:03: Ich hasse immer noch Songs mit ewig langem Intro. Diesmal mache ich ernst. Fliegt raus. 05:05: Scheiße. Das war schon wieder ein Produzent. Ich glaube, die wollen mich reinlegen. 05:06: Ok. Es gibt sie doch noch. Menschen ohne Taktgefühl. Sehr gut. Gefällt mir: ZippoBeats. der Track über die Hood ist hammer! 1 Plus! Trotzdem nicht drin. Schade! Mehr Wodka! 05:15: Zwar nicht 100%ig geil dafür aber frisch und aus der Steiermark. nakednoisemusic Ich glaube die sind gerade mal 12. " stand up and fight - for peace and riot“ Ich hoffe sie singen “ riot” und nicht “ right.” Ich finde die cool. 05:22: Jetzt hagelts aber gute Typen. Bei diejanine glitzert einiges aber der Song " Jesus liebt mich“ haut alles raus. Genial! 05:29: So etwas entzieht sich leider meiner Kompetenz. Das muss dann Markus Kavka bewerten, ob die Featured Artist werden dürfen: momentofsalvation Das kann ich nicht. Aber ich könnte noch einen Wodka. Cool Danke. 05:37: Es gibt sie noch. Die Gangster mit Herz. Mönchengladbach. Gefällt mir persönlich zwar nicht, aber für die Zeile " du bist immer da, wenn ich dich immer brauch – ich liebe alles an dir, sogar deinen Bauch“ gibt es Pluspunkte: denonemusic 05:47: Oh Gott. Ich habe gerade eine Seite geschafft und somit noch 7 Seiten vor mir. Ich bin betrunken. Ich brauche eine Pause. Endergebnisse gibt es dann am Donnerstag. Bis dahin könnt Ihr Euch noch bewerben. Oder auch nicht. Danke. 05:55: Ach so. Kurz vor Schluss aber dann doch noch die: audio88yassin Sind keine Unbekannten mehr, aber wenn man das Video zu " kein richtiges Lied“ anschaut, dann könnte man doch ein bisschen überrascht sein von der brachialen Scheißegaleinstellung und der Leidenschaft. Leidenschaft in 2009?! Mit diesem Gedanken schlafe ich ein. Das ist schön! 06:33 Der neue Blog steht. Die Frisur auch!
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Saturday, March 21, 2009
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So. Nachdem ich beim letzten mal so larifari mäßig und aus dem Bauch heraus über Liebe und Sexualität im deutschen Hip Hop geschrieben habe, wird es jetzt mal wieder Zeit für was richtig Handfestes. Ich habe mir gedacht, dass ich mal wieder ein paar Ansagen machen muss, weil erstens die Zeit reif dafür ist und zweitens mir nichts anderes einfällt. Ein sogenannter Aufräumtext steht an und das könnte auch der Grund dafür sein, dass ich mich zum ersten mal in meiner nun fast 9-monatigen professionellen Bloggertätigkeit um ganze 5 Tage verspätet habe. Ich bitte dies zu entschuldigen. Des weiteren bitte ich zu beachten, dass Textteil A als absolut verbindlich für die deutsche Hip Hop Szene zu betrachten ist, während Teil B in der nächsten Woche im Bundesgesetzblatt der Bundesrepublik Deutschland erscheinen wird und somit Gesetzeswirkung erhält. Dies nur mal so zur Info. Wa? Teil A: Das Verhältnis von Kampfsport und Hip Hop.In der letzen Woche ging es ja mal wieder hoch her, als mich Herr Manuel Twella, seineszeichens erimitierter Rapper aus dem Ruhrgebiet in einem Videointerview als Sohn einer Prostituierten bezeichnete und ich ihm daraufhin, in meinem Blog auf rap.de das Regelwerk der deutschen Freefight Association habe zukommen lassen und ihn zu einem sportlichen Zweikampf heraus gefordert habe. Herr Twella lehnte dieses Angebot ab, was ebenfalls im Blog nachzulesen ist, was ich aber nur als vorläufige Absage akzeptieren kann, weil ich weiß, dass es in nächster Zeit noch diverse Einladungen zu Kampfveranstaltungen geben wird. Hiermit erkläre ich also noch einmal offiziell, dass ich mich zu jeder Zeit und an jedem Ort, einem Kampf gegen Manuellsen aka Ghettobird, nach MMA Regeln, innerhalb einer offiziellen, sportlichen Veranstaltung stellen werde. Einladung per mail bitte an mich oder meinen Trainer. Und um jetzt zum eigentlichen Thema zu kommen. Was hat das mit hip Hop zu tun? Und um gleich mal die antwort zu geben. Das hat natürlich eigentlich nichts mit Hip Hop zu tun. Das ist mein reines Privatvergnügen und dient meiner persönlichen Unterhaltung und der Bewältigung einer ausgedehnten Midlifecrisis. Uneigentlich hat das aber jede Menge mit Hip Hop zu tun und deshalb will ich das mal ein bisschen aufschlüsseln: 1. Es hat sich in den letzten Jahren in der deutschen Hip Hop Szene eingebürgert, eventuelle Gegner, Disskontrahenten oder sonstige Menschen, die einem nicht passen mit Gewalt zu drohen. Diese Entwicklung finde ich höchst bedauerlich, weil es einer Kultur, die von der Schlagfertigkeit der Akteure lebt, die nötige Spontaneität raubt, wenn man die ganze Zeit daran denken muss: Oh darf ich das jetzt sagen, oder bekomme ich dann auf die Fresse. Zum anderen halte ich das Gut der Meinungsfreiheit, für ein zu verteidigendes Grundrecht in dieser Gesellschaft und so lange ich niemanden angreife, oder seine Sicherheit bedrohe – so lange möchte ich auf mein Recht der körperlichen Unversehrtheit bestehen und bestehe darauf weder bedroht noch angegriffen zu werden. 2. Es hat sich in den letzten Jahren im deutschen Hip Hop eine Mentalität entwickelt, dass man auf Kontrahenten in der Form reagiert, dass man ihnen droht, sie " platt zu machen", ihnen " eine Bombe zu geben" wenn man sie das nächste mal sieht oder ihnen " 20 Biker vor die Türe zu schicken". Jaja. Das kann ja alles sein. Was ich mit meiner Herausforderung allerdings zeigen wollte ist, dass es vielleicht gar nicht so leicht ist, jemandem eine Bombe zu geben, wenn dieser sich gar keine Bombe geben lassen will. Dass es einen unterschied gibt, zwischen Selbstüberschätzung und einem Kampf. Ich habe zum Beispiel nicht geschrieben, dass ich Manuellsen für seine Hurensohn-Bemerkung mir gegenüber eine reinhauen würde, was er im Gegensatz mir gegenüber getan hat. Ich habe ihm auch nicht gedroht, dass ich mit 20 Mann kommen würde, um ihn platt zu machen. Nein, ich habe ihm angeboten, dass er sich 1 gegen 1 mit mir in einen Ring stellen soll, was für mich auch die Möglichkeit beinhaltet, dass ich verlieren könnte. Das ist ein Unterschied und ich denke, dass dieser Unterschied sehr vielen Menschen gar nicht bewusst ist, weil sie denken, dass die anderen alles nur Opfer sind und weil sie sich aufgrund irgendeiner SA-Gruppenmentalität als stärker und somit im Recht fühlen. - Das ist aber falsch. Natürlich! Weil es dann aber immer eben auch um Ehre, um Mut und um Feigheit geht, halte ich eine sportliche Auseinadersetzung für eine vernünftige Lösung um solche Konflikte zu lösen, weil sich in einem Kampf auch jede Menge Anspannung und Aggression löst, weil Sport einfach eine sehr befreiende Wirkung hat und weil Aggressionsabbau durch Sport einfach auch gesund ist – so dass ich diesen Weg als absolut empfehlenswert erachte. Es geht mir gar nicht darum, zu beweisen, wie hart man ist oder wie viel Eier man hat. Die meisten kommen über 2 ja gar nicht hinaus. Es geht darum, dass man solche Auseinandersetzungen auf einem vernünftigen, sportlichen Niveau löst, wenn man schon das Bedürfnis hat, jemandem Gewalt anzudrohen. Vielleicht ist Euch das alles jetzt viel zu hippie-esk und peacig. Das kann schon sein, aber im Endeffekt bin ich ein friedliebender Mensch und so würde ich es mir wünschen, wenn wir alles friedlich als eine große Famile von rappenden-breakenden und sprühenden Freefightern zusammenleben könnten. Und wer nicht kämpfen will – auch ok. Weil eigentlich hat das alles gar nichts miteinander zu tun. Und bitteschön. Es gibt in Deutschland nur 2 Personen, die offiziell Hurensohn genannt werden dürfen. Bei der einen habe ich es schon lange nicht mehr gemacht und deshalb lasse ich es auch an dieser Stelle, der andere ist mein alter Freund R. Koch und der hat es sich schließlich redlich verdient. Teil B. Zur Lage der WeltwirtschaftIn meiner knapp bemessenen Freizeit höre ich ja ehrlich gesagt sehr gerne Deutschlandfunk, weil es ein bisschen so ist wie Zeitung lesen, aber in den letzten Tagen muss ich mich dann doch ab und an mal vor ein Blatt Papier setzen und mir die Zahlen aufschreiben, die da im Journal am Morgen und in jeder Nachrichtensendung an meinem Ohr vorbeirauschen. 5 Milliarden hier. 400 Milliarden dort. Hypo Real Estate Bank wird enteignet. Tausende von Arbeitsplätzen in Gefahr 15 Milliarden Verlust und immer geht es gleich um Zahlen mit sehr vielen Nullen. 15 Milliarden schreibt sich immerhin 15.000.000.000. Danach kommt die Billion und wie ich gerade herausgefunden habe kommt danach die Billiarde. Im englischen heißt Milliarde übrigens gleich Billion, was die Sache vielleicht ein bisschen einfacher macht. Die Nullen bleiben aber. Auf jeden Fall fühlen sich gegen diese Zahlenmonster die Million, die ein Herr Zumwinkel an der Steuer vorbei ins Ausland verbracht hat ehrlich gesagt ein bisschen lapidar an und ich befinde mich höchst ungern in der Gesellschaft von Herrn Westerwelle, aber ehrlich gesagt kann ich mich darüber nun wirklich nicht mehr aufregen. Was mich aber stutzig macht, ist die Offensichtlichkeit mit der die Verantwortlichen das Naheliegendste verkennen und zwar bereit sind, zu behaupten, dass außergewöhnliche Situationen, außergewöhnlicher Maßnahmen erfordern, dass aber im Endeffekt gar nicht wirklich was außergewöhnliches passiert. Was die verschiedenen Staaten mit ihren Konjunkturpaketen zur Zeit erreichen wollen ist, dass die Menschen mehr konsumieren sollen und bereit sind ihr Geld auszugeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dafür gibt es Abwrackprämien und irgendwelche Programme für erneuerbare Energiequellen. Dafür werden Milliarden (engl. Billions) bereit gestellt und die Notenbanken pumpen frisches Geld auf den Markt. Volkswirte streiten sich, ob diese Programme sinnvoll sind und nicht wenige bezweifeln das, weil es eigentlich nur die Probleme nach hinten verlagert und wir die Finanzierung dieser Scheiße dann die nächsten 20 Jahre an den Hacken haben. Aber was die Damen und Herren ja eigentlich erreichen wollen, ist dass sich das Geld schneller dreht: Die Leute verdienen besser, bekommen mehr Geld – Mehr Leute verdienen was, durch Beschäftigungsprogramm – Mehr Leute geben also wieder mehr Geld aus – den Firmen geht’s besser – dem Einzelhandel geht’s besser – Mehr Firmen, Unternehmen und Privatpersonen zahlen mehr Steuern – also geht’s auch dem Staat besser. Ist ja eine gute Idee, das Problem aber daran ist, dass es mit dem jetzigen Geld nicht klappt. Aktuell haben wir bei rap.de ein interview mit Snaga und Fard auf unserer Seite und weil sich beide relativ sozialkritisch geben, drehte sich das Gespräch auch darum, was sich denn eigentlich ändern sollte. Snaga äußerte sich dahingehend, dass man das Geld abschaffen sollte und dass im Geld das Schlechte liegen würde. Das ist natürlich relativ unreflektiert, aber ganz unrecht hat er damit nicht. Das Problem am derzeitigen Geld ist das folgende: Eigentlich sollte Geld Tauschmittel sein. In einer Gesellschaft, die mit Arbeitsteilung funktioniert ist das ganz sinnvoll. Haare schneiden gegen Kuchen. Einen Text schreiben gegen 50 Kg Steinkohle. Brötchen backen gegen Miete. Um also die verschiedenen Berufe miteinander vergleichbar zu machen braucht man Geld (ich komme mir gerade vor, wie bei der Sendung mit der Maus.) Insofern ist der Vorschlag von Snaga uncool, weil will er beim Bäcker rappen, um sich Brot kaufen zu können? Also Geld ist ok. Nun hat unser Geld allerdings die Eigenschaft, dass es sich ganz anders verhält, als alle anderen Waren, die wir sonst so kennen. Wenn ich ein Auto kaufe, dann ist es in der Regel im nächsten Jahr weniger wert. Wenn ich einen Kühlschrank kaufe, dann geht es dem ähnlich und wenn ich Brot kaufe, dann ist es morgen sogar einfach weg. Wenn ich allerdings das Geld anlege, dann habe ich im nächsten Jahr mehr. Aha?! Nun kann man behaupten, dass sich das Geld deshalb vermehrt, weil jemand anderes es sich geliehen hat, um zu investieren und um etwas zu produzieren und das Geld eben mit Zinsen zurück bezahlt. Das stimmt insofern, wenn man bereit ist, sich die Weltwirtschaft als große Raiffaisenbank Büren vorzustellen, in der Herr Markwort, seineszeichens Frisör sein Geld zur Bank trägt und Herr Klingbeil sich dort Geld leiht, um Saatgut zu kaufen und es dann nach erfolgreicher Ernte und Verkauf wieder an die Bank zurückzahlt, weil er ersten etwas erwirtschaftet und zweitens auch noch Gewinn gemacht hat. Nun ist das eine sehr ehrenwerte Ansicht und im Gegensatz dazu verhält sich unser Geld ein bisschen anders. Unser Geld vermehrt sich, aufgrund von Devisengeschäften, wo nichts produziert wird. Aktienkurse steigen und fallen aufgrund von Spekulationen und Gerüchten. Es gibt Geldströme auf dieser Welt, die 2 bis 3 mal um den Globus ziehen und keine einzige Ware gesehen haben und keine einzige, tatsächliche, produktive Arbeitsstunde bezahlt haben. Diese Geschäfte platzen dann natürlich mit schöner Regelmäßigkeit und führen dann zu solchen Desastern, die dann Finanzkrise heißen. Deshalb heißen diese Krisen ja auch nicht Konsumkrisen oder Produktionskrisen. So. Wenn aber die Krise eigentlich im Finanzwesen steckt, dann frage ich mich, warum darauf mit Maßnahmen reagiert wird, die ausschließlich den Konsum und die Produktion betreffen. Warum greift man nicht wirklich zu außergewöhnlichen Maßnahmen, die auf solche außergewöhnlichen Situationen wirklich passen würden. Mit anderen Worten: Warum beschäftigt sich nicht endlich jemand mit Schwundgeld? Schwundgeld hat eben die Eigenschaft, dass es sich wie andere Waren verhält und im Wert sinkt. Ich erklär’s mal mit einfachen Worten: wenn die Bundesregierung ihr Konjunkturpaket auflegt und die 5 Milliarden raushaut, dann geht ein Teil wieder in den Weltfinanzmarkt, sprich das Geld wird angelegt oder es wird damit spekuliert und es wird dem Geldumlauf entzogen. Wenn die Bundesregierung allerdings diese 5 Milliarden in Arbeitsscheinen auszahlen würde, Arbeitsscheine, die nach Ablauf eines Monats einen gewissen Prozentsatz an Wert verlieren, dann würde jeder, der einen solchen Arbeitsschein bekommt, versuchen, diesen so schnell wie möglich auszugeben. Sprich er würde die Konjunktur beleben. Wenn die Finanzämter nun sagen würden, dass man seine Steuerschulden mit diesen Scheinen bezahlen kann, dann würde jedes Unternehmen gucken, dass es möglichst viele dieser Scheine bekommt und noch vor dem Stichtag beim Finanzamt abliefert. Sprich, die Steuern würden schneller gezahlt werden. Sprich, der Staat hat wiederum schneller Geld, das er wieder zur Verfügung stellen kann. Sprich der Unterschied zu den jetzigen Maßnahmen ist: Man erhöht nicht einfach nur die Geldmenge (was einfach nur zu Inflation führt) sondern man erhöht eben auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und das ist es, was ja eigentlich gewollt ist. BINGO! Ganz einfach! Versteht jeder! Dass es bei dieser Art von Geldtheorie auch noch jede Menge theoretischer und praktischer Probleme gibt - auch das versteht sich von selbst, ABER ich wollte das trotzdem mal angeregt haben, damit es dann später nicht heißt: Warum hast du damals nichts gesagt, als noch Zeit gewesen wäre?Und ansonsten: Wenn Ihr Fragen habt. Egal zu welchem Thema. Schreibt mich an. Ich erklär’s Euch und ab dem 27.03. bin ich Juror bei myspace, was bedeutet, dass Ihr mir Eure Songs schicken dürft und ich die 10 besten aussuchen soll, die dann auf der myspace Startseite gefeatured werden. Genaueres gibt es dann in der nächsten Woche. Nur damit ihr schon mal drauf vorbereitet seid. Yo!
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Tuesday, March 03, 2009
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Dieses Thema beschäftigt mich schon eine ganze Weile, genauer genommen seit dem Tag, an dem ich der allmächtigen Hip Hop Bewegung beigetreten bin, im zarten Alter von 13 Jahren mit Topfschnitt und Netzhemd und weißen Handschuhen. Es ist die einfache Frage, warum so viele Menschen, die sich in dieser allmächtigen Hip Hop Szene bewegen, solo sind? Keinen Sex haben? Keine Partnerschaft? Irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, ich bewege mich in einer Gemeinschaft von Hardcorechristen. Irgendwie sind alle nett und cool und sehen auch nicht alle scheiße aus, aber irgendwie haben alle irgendwo einen kleinen Defekt. Ihr wisst, was ich meine? Irgendwie erinnert mich das alles an den evangelischen Jugendtag, wo man ja auch immer wieder so Frauen sieht, die gar nicht schlecht aussehen und bei denen man sich fragt: Warum ist denn die dabei? So als wäre der evangelische Kirchentag nur was für Dumme und Hässliche, was natürlich nicht stimmt – aber aus irgendeinem Grund erinnert mich Hip Hop manchmal genau daran. (Obwohl, und das habe ich erst Jahre später erfahren und mich natürlich geärgert, dass ich das verpasst habe als römischer Katholik – ich habe gehört, dass auf solchen evangelischen Jugendfahrten dermaßen viel gesoffen und gevögelt wird, dass die Konferenz der evangelischen Landeskirchen über die Wiedereinführung der Beichte nachgedacht hat, weil sie den jungen Menschen die Möglichkeit zur Reinigung geben wollten.) Eine Vorsorgemaßnahme, die im Hip Hop vollkommen unnötig und sinnlos wäre. Natürlich hört man immer wieder, dass auf Atzenparties wildeste Gangbang Geschichten laufen sollen und prominente – äh, hust – deutsche Rapper verziehen ihren Mund zu einem wissenden und abgeklärten Grinsen, wenn man auf das Thema Groupies (12jährige Schulmädchen, die Hoe spielen wollen) zu sprechen kommt, ich rede hier aber von den ganz normalen Mitgliedern im Hip Hop e.V Deutschland, die Woche für Woche auf irgendwelche netten Parties gehen, mit dem Ziel und dem Vorsatz irgendwen Nettes kennen zu lernen, mit dem man guten Sex hat und mit dem man sich sogar vorstellen könnte, eine Zeit lang zusammen zu sein, weil das Zusammensein und der Sex und die Gespräche einfach Spaß machen. Kein kinky, freaky Shit, sondern ganz normale Geschichten: Boy meets Girl… und da sieht es ganz, ganz mau aus, so wie ich das beobachten kann. Da klafft ein emotionales Loch und da sind sehr, sehr viele Leute alleine unterwegs, Wochenende für Wochenende und vor allem Frauen scheinen davon betroffen zu sein. Woran liegt das? Warum ist das so? Warum bekommen die keinen Typen ab? Ich weiß es: Die meisten Männer sind Idioten! Ungehobelte, unsensible, unfähige, unlustige Typen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen und langweilig sind. Geil wa? Eine andere Theorie ist. Bisexuell und schwul sein ist gerade so im Trend, das deshalb zu wenig Typen übrig sind. Oder diese hier: Der Rapper Booba ist soooooooo attraktiv und wenn ich mir seine Bilder in der letzten Juice angucke, dann sieht man auch, dass er die Hälfte seines Millionärslebens im Fitnessstudio mit einem bisexuellen Personal Trainer zubringt und wenn ich mich im Club umschaue, dann sehe ich, dass die meisten jungen Männer die Hälfte ihres Hartz 4 Lebens mit Pizza, Molle und Korn verbringen, die definitiv NICHT bisexuell sind…. Und das könnte ein Grund sein. (Abgesehen davon, dass ich nach der Lektüre des Interviews glaube, dass sich Herr Booba beim Sex gerne selbst im Spiegel betrachtet und zwar ausschließlich sich selbst und sich auch gerne mal auf den eigenen Oberarm küsst und sich bestätigend zunickt. – Ihr seht. Alles hat seinen Preis.) Aber woran liegt es? Ehrlich gesagt musste ich erst einmal nach Amerika fahren, um die Sexualität innerhalb der Hip Hop Musik zu erfahren. Ich weiß nicht woran es lag, aber lange Zeit waren sämtliche Partys auf denen ich war, reine Jungsschulen, getreu dem Motto: Untergrund bedeutet auf die Party kommen nur Männer. Erst in Amerika habe ich gesehen, dass es ums Kennenlernen geht und um mehr oder weniger offen praktizierten Sex auf der Tanzfläche, was wiederum daran liegen könnte, dass in New York der Wohnraum knapp ist und dass sehr viele junge Leute noch bei ihren Eltern wohnen und man in der Disko ungestörter ist als zu Hause, in den eigenen vier Wänden. Auch die Hauseingänge der umliegenden Gebäude waren gut gefüllt und mit gesenktem Blick, leicht beschämt, flüchtete ich mich früh morgens zurück in mein Hotel. So etwas hatte ich nicht erlebt. Hip Hop eine Musik zum Kennen lernen? Ich war verwirrt. Eine Zeit lang danach, habe ich gedacht, dass es sich in Deutschland doch ähnlich entwickeln könnte. Nach und nach tauchten auf den Partys mehr und mehr Frauen auf. Die Stimmung wurde entspannter und knisternde Spannung lag in der Luft – aber so wie es aussieht, ist die Luft gerade eher raus als erotisch aufgeladen und die Klage über das Singledasein will nicht abreißen. Vielleicht liegt es aber auch an einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung und daran, dass wir zwar in einer wahnsinnig sexualisierten, ÜBERsexualisierten Welt leben, im Endeffekt aber weder zu Genuss, Lust und Liebe eine schöne und befriedigende Einstellung gefunden haben, noch unser moralisches Denken auf dem Vormarsch ist. Manchmal denke ich, dass Viele doch noch tiefer in den 50er Jahren stecken geblieben sind, als uns lieb ist. (Und ich rede hier nicht von zwangslockerem Rumgeficke und schlechten One Night Stands, sondern von Lust, Hingabe und Zärtlichkeit und der richtigen Härte an den richtigen Stellen.) Neulich durfte ich zum Beispiel eine Diskussion miterleben, in der ein junger Mann von Anfang 20 einer jungen Frau ebenfalls im gleichen Alter erklärte, dass es auf jeden Fall unter der Würde einer Frau sein müsse, gleich beim ersten Date mit jemandem ins Bett zu gehen: " … aber du weißt doch, wie das ist. Dann denkt der Mann doch gleich: Schlampe!“ So seine mahnenden Worte und ich dachte an all die Frauen, die gleich beim ersten Mal mit mir ins Bett gegangen sind und dachte: Alles Schlampen – Aber schön war’s trotzdem. Leider war ich zu betrunken, so dass ich auf die Frage, was ich denn jetzt von der Sache halten würde, erst sehr verspätet und dann etwas undifferenziert genuschelt haben. Eigentlich habe ich laut und deutlich geredet, in meinem Kopf, aber das konnte ich den anderen nicht mehr so richtig klar machen und deshalb nuschelte ich so etwas wie, nun ja, wenn sie hübsch ist und gut riecht, dann ist das eigentlich kein Problem, dann ist sie auch keine Schlampe – was ja im Umkehrschluss auch wieder bedeutet, dass hässliche und stinkende Frauen Schlampen sind. Ihr müsst mir an dieser Stelle bitte einfach mal blind vertrauen und mir glauben, wenn ich sage: Nein. Ich denke nicht so! Mein Frauenbild ist sehr viel differenzierter und natürlich habe ich auch allergrößten Respekt vor unattraktiven Frauen! Ehrlich! Ich schwöre! Meine Gäste befanden sich aber ebenfalls im Zustand einer geistigen Auflösung oder vielmehr unser Gehirn befand sich in einem Zustand in dem sich Gehirne nur befinden, wenn sie zu medizinischen Zwecken präpariert werden, um sie haltbar zu machen, mit anderen Worten unsere Gehirne befanden sich vollständig und restlos in Alkohol eingelegt und so waren sie glücklicherweise zu solchen logischen Schlussfolgerungen gar nicht mehr in der Lage. Insofern war es nicht weiter verwunderlich, dass nun das Thema Anmachsprüche auf den Tisch kam. Zu meiner Überraschung wurde der Anmachspruch " Du hast geile Titten“ als nicht vollkommen unmöglich bewertet. Ein Spruch bei dem ich immer gedacht habe, dass der auf GAR KEINEN FALL geht - allerdings wurde dieser Satz auch mit der nicht unwesentlichen Einschränkung versehen: " Kommt drauf an, wer’s sagt.“ Was mich wiederum zum einzig wirklich relevanten Anmachspruchratgeber führt, den ich je gelesen habe. Das Ganze aufbereitet in Form eines Bilderwitzes: Ein relativ unattraktiv aussehender Mann kommt auf eine Frau zu und sagt: " Darf ich dich zum Bier einladen“ und drunter steht " Falsch!“. Ein sehr attraktiv aussehender Mann kommt auf eine Frau zu und sagt: " Darf ich dich zum Bier einladen“ und drunter steht " Richtig!“. Das ist das ganze Geheimnis. Mehr ist da nicht. So sieht das aus. Wobei wir kurz noch das Themenfeld streiften, dass attraktive Menschen, nicht unbedingt anziehend oder sexy wirken müssen, was aber dann in einer theoretisch eher ermüdenden Debatte endete, deren Ende wiederum spurlos an mir vorbei ging. Der Abend endete dann damit, dass ich aufstand, 3 mal in die Hände klatschte, meine Hausangestellten die Tafel aufhoben und meine Gäste nach draußen geleiteten. Ich selbst stellte mich in mein Badezimmer, klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht und dachte über den Zusammenhang nach, warum in Stadtteilen, wo Männer mit viel Geld leben, gleichzeitig auch mehr junge Frauen wohnen? Ich persönlich glaube, dass dort wo Männer mit viel Geld leben, die Dichte an attraktiven Gärtnern und Tennislehrern, die im Dienste dieser älteren Männer stehen, proportional höher ist, als in anderen Gegenden und deshalb wohnen dort dann auch selbstverständlich die jungen willfährigen und lustorientierten Frauen. Genauso wie ich mir immer einzureden versuche, dass auf irgendwelchen Galen und Empfängen oder Promipartys, auffällig oft die Kombination älterer Mann und junges Ding anzutreffen ist, oder auch nur Horde älterer Männer und viele junge Dinger, zuerst hübsch in Grüppchen sortiert, später dann in einem gasförmig, durcheinander gewirbeltem Zustand. Das alles aber nur, weil die älteren Männer saufen wollen und die jungen Dinger hinter den schnuckeligen Kellnern und Barmännern her sind – weil sie auch nur saufen wollen. Übrigens wurde nach einem Gespräch darüber dass eine junge Aushilfssekretärin bei der Weihnachtsfeier eines großen Medienunternehmens mit diversen Vorstandsmitgliedern geknutscht hat, nicht etwa gefragt, ob die Vorstandsmitglieder am nächsten Morgen mit einer Tüte über dem Kopf das Büro betreten haben, sondern selbstverständlich wurde davon ausgegangen, dass die junge Frau in Zukunft ihre Schreibarbeit anderen Firmen aushilfsweise zum Dienst anbietet. Warum? – Gehen wir mal davon aus, dass die Herren Vorstände alle "glücklich“ verheiratet sind und die junge Dame, jung hübsch, ledig und frei ist. Wer müsste sich dann eigentlich schämen? Wer dürfte eigentlich, weil er niemandem verpflichtet ist? Wer müsste sich zurückhalten? Ach Freundinnen und Freunde. So viele ungelöste Fragen und wenn ich mit meinen Kindern an den Wochenenden die diversen Kinderparadiese besuche und dort Paare beobachten darf, die definitiv keinen Spaß zusammen haben. Er auf der Liege im Schwimmbad liegend, mit starren offenen Augen an die Decke starrend. Sie daneben, mit herabgezogenen Mundwinkeln, und zusammengekauert. Oder beide mampfen missmutig ihre Bratworscht in sich hinein, weil Essen noch das Einzige ist, was Leib und Seele zusammenhält, dann möchte man hingehen und beide schütteln und sie anschreien: " Hört auf damit. Ihr habt vielleicht nur dieses eine Leben. Ihr müsst glücklich sein, in diesem einen Leben. Und selbst wenn ihr 5 oder 15 Leben habt, dann ist das immer noch nicht so viel, dass man eines davon so scheiße verbringen sollte. HABT – IHR – DAS – VERSTANDEN?"Aber stattdessen schaue ich weg und träume mich zu meinem evangelischen Jugendtag namens Hip Hop, mache ein paar tantrische Atemübungen, in denen ich meine Sexualenergie in Herzenergie umwandle und bin so wieder gestärkt für eine neue Woche, voller Liebe und Überraschungen. Das ist mein Leben. Yo! PS: Und heute Abend besuche ich die Show eines lesbischen DJ/MC Pärchens namens YO!MAJESTI, im Berliner Club Scala, wobei die eine anscheinend immer ihre Titten rausholt beim Rappen. Das ist Ekstase!
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Wednesday, February 18, 2009
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In der letzten Woche, habe ich mich auf ein paar Berlinale-Veranstaltungen rumgetrieben und lange und ausführlich mit dem neuen Biggie Film auseinander gesetzt. Unter anderem haben wir den Streifen natürlich gesehen und wir haben Interviews geführt, mit dem Regisseur, dem Hauptdarsteller und der Mutter von Biggie, Voletta Wallace.
Bei alle den Gesprächen und dem Film selbst geht es sehr oft darum, dass Biggie auf der Suche war, wie man ein Mann wird, ein echter Mann und Vater und dass er genau das geschafft habe, kurz vor seinem Tod. Mit 24.
Das alles wird natürlich auch unterstrichen von einer Erzählstimme, die den ganzen Film unterlegt und in der sich ein imaginärer Biggie, sein Leben in der Retrospektive anschaut: Alt und weise.
Der Satz "Bevor wir die Welt ändern, müssen wir uns selbst ändern“, gefolgt von bedeutungsschwangeren Blicken und einem kräftigen, männlichen Händedruck, dieser Satz kommt nicht nur einmal vor in diesem Film und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was dieser Biggie in seinem zugerauchten Kopf eigentlich tatsächlich noch an Bewusstsein hatte auf dem Höhepunkt seiner Karriere, weil die einzigen authentischen Interviewdokumente, die ich kenne, sind jene, wie Biggie Smalls total stoned, einsilbige, nichtssagende Antworten ins Mikrofon blaffte. Ich glaube dass Biggie die Hälfte seines Lebens high on weed war und zwar in der Art, dass man die ganze Zeit an mehrere Eimer mit Chicken Wings denken muss und Marmelade mit Erdnussbutter aus dem Glas löffelt, einfach nur weil es geil ist und man diesen Fressflash hat. Ja klar. Kiffen kann einen auch voll spirituell machen und Ganjah und Peace und so – aber bei Biggie sah das ehrlich gesagt eher nach "roll mal einen - aus Gewohnheit“ aus und nicht nach Spiritualität, auch wenn seine Mama aus Jamaika kam. Aber… warum auch nicht. Der Junge war 24. Er war ein Popstar. Er hatte wahrscheinlich einen Boy mit einer silbernen Schüssel an seiner Seite, der ihm die Blunts gedreht hat, wenn er nur mit dem Kopf nickte und einen anderen, der ihm die Erdnussbutter- und Marmeladengläser mit einem Kaviarlöffel aus Perlmutt angereicht hat und… ist das nicht genau das, was wir uns heimlich eigentlich alle wünschen? Oder anders gefragt: Wer von uns würde das alles ablehnen, wenn es uns nachgeschmissen werden würde? Wer von uns hätte die Stärke zu sagen: "Jetzt mal alle raus hier! Ab jetzt trinken wir alle nur noch Wasser hier am Set. Es gibt makrobiotische Vollkost und geraucht wird auf der Raucherinsel. Alle Frauen, die mit mir aus unterschiedlichen Gründen Geschlechtsverkehr haben wollen, weil ich vielleicht reich bin oder weil ich anscheinend charmant bin (weil ich berühmt bin), all diese Frauen gehen jetzt bitte nach Hause und denken mal über ihr Leben nach. Ach ja und bevor ich’s vergesse: Den Armanianzug bitte auch in den Müll werfen! Danke!“? Und abgesehen davon. Wäre das überhaupt Stärke?
Als die anwesende Journalistenschar nachhakte, welche Message die Filmmacher denn gerne transportiert sehen würden, weil eine Message muss ein solcher Film definitiv haben, weil einfach nur den dekadenten Livestyle von irgendwelchen Rocker-Rappern zu zeigen reicht ja nicht, da muss eine Message her - als also diese Frage gestellt wurde, da senkten alle beteiligten die Stimme und sagten "Wir müssen uns selbst ändern, bevor wir die Welt ändern“ und ein eiskaltes Händchen griff nach meinem Nacken und ich schüttelte mich.
Spaß, das haben sie nicht gesagt, sondern eben über Verantwortund und Vaterschaft und Männlichkeit geredet, aber warum muss das ganze überhaupt eine Botschaft transportieren? Weil die Geschichte nicht gut ausgegangen ist? Weil man nach einem sinn sucht, weil ein Mensch gestorben ist? Ja. Verstehe ich. Weil man den Wunsch hat, dass alles am Ende Sinn ergeben muss? Kann ich nachvollziehen. Aber das Leben eines zugerauchten, promiskuitiven Rappers als moralisches Lehrstück? Ich weiß nicht. Ich meine mit 24 wäre es wahrscheinlich erst richtig losgegangen. Die richtig harten Dinger wären vielleicht erst noch gekommen. Wenn es dann mal nicht mehr so gut läuft mit der Karriere. Die harten Drogen ins Spiel kommen. Hässliche Scheidungskriege. Häusliche Gewalt. Ein abgehalfteter Notorious B.I.G. der im Rahmen einer Golden Era Tournee nach Deutschland kommt und im Cassiopeia vor 200 Menschen auftritt. Mit jeder Menge Schulden und in einen ekligen Rechtsstreit mit Puff Daddy verstrickt, der ihn anscheinend um seine Tantiemen betrogen hat. Und jeder würde sagen: "Das kann schon sein. Der Puffy ist ein Hund.“ Aber jeder würde den guten Biggie auch auslachen, dass er so weit oben war und jetzt ganz unten. Verzweifelt und verbittert immer wieder darauf hinweisend, dass er ja mal ganz oben war und jeder würde sich angewidert und peinlich berührt weg drehen. – Auch dieses Leben wäre möglich. Und was wäre dann die Message?
Allerdings gab es im Film eine Szene, die mir im Kopf hängen geblieben ist und wegen der ich überhaupt angefangen habe diesen Blog zu schreiben. In dieser Szene geht der kleine Christopher Wallace aka Chrissy Pooh in seiner Schuluniform nach hause. Er ist der Junge, der von seiner Mutter argwöhnisch bewacht wird. Der vor dem Haus auf der Treppe sitzt und eben nicht mit den anderen Jungs abhängen darf. Christopher bekommt keine neuen Turnschuhe zu Weihnachten oder zum Geburtstag, nicht weil die Alleinerzihende-Mutter-Familie kein Geld hätte, nein, sondern weil seine Mutter eine Zeugin Jehovas ist und da werden diese beiden Feste nun mal nicht gefeiert.
Dieser Junge also watschelt nach Hause und es ist offensichtlich, dass er nicht der Styleking ist und unterwegs sieht er einen anderen Jungen auf dem Fahrrad, mit brandneuen Sneakern an den Füßen in Extraweiß und der greift sich bei Biggies Anblick an den Sack, um ihn zu verhöhnen. Ab diesem Augenblick will Biggie mitmischen. Um jeden Preis. Diese Sneaker will er auch haben. Diese T-Shirts. Diese Jeans. Und auch wenn es eine solche Szene, in dieser Bildhaftigkeit in keinem unserer Leben gibt - aber genau darum dreht sich doch alles. Wobei will ich mitmachen? Was will ich erreichen? Was bin ich bereit dafür herzugeben? Was ist böse? How to be good? Jeder Tag steckt voller Überraschungen und jeden Tag müssen wir uns entscheiden.
Besaufen, um die bessere Party zu haben. – Böse? Besaufen, um besseren Sex zu haben. – Böse? Besaufen, um überhaupt Sex zu haben. – Böse? Drogen nehmen, aus den gleichen Gründen. – Böse? Drogen verkaufen. – Böse? Alkohol verkaufen. – Böse? Wohltätigkeitsveranstaltungen besuchen, mit Kaviar und Champagner. – Gut? Trotzdem Tausend Euro spenden. – Gut? 200.000 Euro im Jahr verdienen. – Schlecht? Gut? Ich weiß nicht? Seine Mutter belügen. – Böse? Diese Frau mit dem süßen Gesicht und der hübschen Figur hat gerade signalisiert, dass sie mir auch gerne körperlich nahe kommen würde (weil sie betrunken oder auf Droge ist oder sauber und einfach nur spitz ist). Ich habe aber eine Freundin. – Was will ich sein? Gut? Böse? Dumm oder liebevoll? In Armut leben. – Schlecht? Moralisch richtig? Keine Drogen nehmen und trotzdem Spaß haben. – Gut? Zu viel arbeiten und keinen Spaß haben. – Böse? Zu viel arbeiten und trotzdem Spaß haben. – Gut? Die Turnschuhe anderer Menschen sehen und nichts empfinden. – Gut? Den Schwager empfangen, der ein Haus hat, einen sicheren Job und bei dem alles rund läuft und dabei nichts empfinden. – Gut? Mit 40 noch genau so denken, während man arbeitslos in einer Einraumwohnung sitzt, ohne Alkohol und Drogen und trotzdem Spaß hat. – Sehr gut? Sehr dumm?
Justus, seines Zeichens Chefdenker der Masters Of Rap hat einmal gesagt: "Es gibt keinen Grund Gutes zu tun außer den, dass man Gutes tun will. Es ist eine Entscheidung. Aber man kann nichts dafür erwarten. Weder in diesem Leben. Noch in einem anderen.“
Vielleicht bin ich ja schon ganz aufgeweicht von dem ganzen System hier und ich habe keine klare Orientierung mehr. Vielleicht seht ihr die Dinge viel schärfer als ich und ihr wisst noch genau, was gut ist und was nicht. Vielleicht verschwimmt die Grenze mit der Zeit oder es kippt so lange bis ich dann wiederum irgendwann mal Zeuge Jehovas werde und dann weiß, dass Geburtstag feiern ein Werk des Teufels ist, weil es nicht in der Bibel steht – ABER: das Gift kam in Biggies Kopf, als er den anderen Jungen sah und die Turnschuhe und weder seine Mutter mit ihren Vorstellungen noch die einheitliche Schuluniform konnten ihn vor dieser Idee schützen. Heute Turnschuhe morgen Gucci oder einfach nur der Neuwagen, den man gerne mal hätte. "Müsste ja nichts großes sein, aber einfach mal ein neues Auto. Das wär’s!“ (und wer denkt an den Umweltschutz???????????) Wo ist der Unterschied? Wo ist die Lücke?
"Biggie. Mein kleiner Chrissy Pooh. Der andere Junge ist vielleicht viel cooler als du und er hat neue Schuhe und ja, er hat schon Kontakt mit Mädchen ABER so was brauchst du gar nicht. Gott und deine Mutter haben dich auch lieb, so wie du bist. (Unstylisch, trottelhaft und dick.) Du bist was ganz besonderes und scheiß doch auf diesen ganzen Gucci und Versace Kram. Scheiß auf Rap und die ganze Oberflächlichkeit. Werde Lehrer so wie deine Mutter, oder Finanzbeamter und dann bist du glücklich. Christopher hör auf mich!!!!!!“ Wahrscheinlich sind das genau die Worte, die jeden 14jährigen davon überzeugen, den ganzen Scheiß links liegen zu lassen und ein armseliges, langweiliges, nicht-exzessives Leben zu führen.
Das einzig Beschissene und wirklich Böse an der Sache ist, dass der Mensch Christopher Wallace am 09.03.1997 erschossen wurde und heute nicht mehr lebt. Das liegt aber wahrscheinlich wiederum weniger daran, dass ihn die Karmapolizei abholte, weil er irgendwann mal einer schwangeren Frau Crack verkauft hat, sondern vielleicht eher daran, dass er überhaupt mal Crack verkauft hat und mit Menschen zu tun hatte, für die Schusswaffen zum täglichen Arbeitsgerät gehören. Ansonsten könnte es aber auch daran liegen, dass in den USA Schusswaffen an sich zum täglichen Arbeitsgerät gehören und die meisten Menschen dort das auch ganz in Ordnung finden. (Was wiederum mit Politik und Gesellschaft zu tun hat.)
Und ansonsten-ansonsten kaufe ich mir jetzt den neuen Wachtturm und hoffe, dass ich zu den 144.000 gehören werde, die mit Gott im Himmel leben dürfen, als Teil der "kleinen Herde“ oder auch der "Geistgesalbten“, wenn dann die letzten Tage angebrochen sind.
Und dann werden wir ja sehen, wie Ihr Euch fühlen werdet in euren Gucci und Versace Klamotten mit euren Kaviarlöffeln im Maul und den Dom Pérignon Flaschen unterm Arm. Ihr in eueren Einfamilienhäusern und mit den Neuwagen vor der Tür oder Du, der sich so abgemüht hat für die neue Playstation 2 oder Du, der sie sich einfach irgendwo geklaut hat.
Tja Freunde. Das ist dann alles nichts mehr wert und ich werde mit Biggies Mutter chillen und wir werden seine Songs vom neuesten iPod hören, weil er selbst leider nicht mit uns im Himmel sein kann – aus verständlichen Gründen.
Die Geschichte mit der Schwangeren, der Biggie anscheinend mal Crack verkauft hat, ist im Film übrigens auch noch gut ausgegangen. Jahre später haben die beiden ehemaligen Straßendealer Biggie Smalls und sein Kumpel D-Roc die ehemals Crackabhängige Sandra zufällig auf der Straße wieder gesehen: Clean und vollkommen glücklich tobte sie mit einem offensichtlich gesunden Kind (keine Folgeschäden durch Crack!)durch die Gegend und die beiden Männer schauten sich wissend an und einer von beiden raunte: "You can’t change the world – unless you change yourself."
Manchmal möchte man weinen bei Filmen aus Amerika. Aber nur manchmal.
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Wednesday, February 04, 2009
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Liebe Freundinnen und Freunde, Meine myspace Homies, In dieser Woche muss die Kolumne nun leider ausfallen. Ehrlich gesagt fühle ich mich ein bisschen leer und auch in der Hip Hop Welt ist jetzt bis auf die geistesgestörten Aussetzer von Kanye West, der sich in Martin Louis The King Jr. umbenannt hat, nicht wirklich was passiert. Von unseren drei bis 4 deutschen Rap-Stars und Starlettes mal ganz zu schweigen. 50cent. Na klar. 50cent bildet eine löbliche Ausnahme, weil er wie ein Pitbull auf den eher Nebenher-Diss von Rick Ross reagiert und nun an der systematischen Zerstörung von " Officer Ricky" arbeitet. Ihr erinnert Euch. Rick Ross inszenierte sich als ehemaligen Drogendealer, der schon so viel Geld mit Drogen verdient hat, dass er über das Spielgeld, das er als Musiker verdient nur lachen kann. Er machte das nur zum Spaß und war der krasseste Hustler ever, was der Auszug aus seinem Kalender beweist. Dann kam allerdings nach und nach auf, dass Rick Ross in seinem früheren, echten Leben Gefängniswärter war, was wir von rap.de in einer aufwändig hergestellten Fotobearbeitung auch einwandfrei nachweisen konnten. Rick Ross dementierte selbstverständlich alles, aber als die Beweislast zu erdrückend wurde, musste er bekennen und verstieg sich zu der Aussage, dass er ja immer die Wahrheit gesagt habe und seine Vergangenheit nie geleugnet habe. In dem Song, der vorige Woche veröffentlicht wurde griff Herr Ross, in ein bis zwei Nebensätzen 50cent an, mit den Worten: I love to pay her bills, can’t wait to pay her rent Curtis Jackson baby mama, I aint askin for a cent Burn the house down, gotta buy another don’t forget the gas can, jealous, stupid muthaf****
Worauf Fifty nun wohl beschlossen haben muss, ein für allemal Schluss zu machen, mit der Karriere des Bouth of The South. Zuerst erschien ein Cartoon mit Schmähungen dann aber, und das setzt Maßstäbe in Sachen Gegenerzerstörung, erschien folgendes Video, in dem 50 die Lyrics des Herrn Ross so quasi in die Tat umsetzt. Unter anderen Vorzeichen: 50cent lädt also die Ex Frau von Officer Ricky zu sich nach Hause ein und macht ein "Interview“. Ein professionelles Interview, denn Fiffy nimmt seine professionelle Steinhaltung ein und schaut visionär… nach innen. Vielleicht hört er auch zu, ich glaube allerdings, dass er an einen Eimer voll mit Chicken Wings denkt. Tia, die Ex, unterdessen erzählt, was wir alle hören wollen, dass die Sachen von Ross nur geliehen sind, dass alles fake ist und dass er definitiv ein Correctional Officer war, aber vor allem dürfen wir und Fifty auch, dann mitfühlen wie sich das Schwergewicht aus dem Süden um Unterhaltszahlungen drückt und der armen Frau das Auto weggenommen hat. Das ist nun die Stunde des 50cent, der einem Ritter gleich auf seinem weißen Pferd in die Presche springt und die gute Tia erst einmal zum Pelzjackenkauf und zu einem kleinen Privatausflug zu Gucci auf die 5th Avenue einlädt. Zwischendurch gewürzt mit kleinen Anspielungen, dass er und Tia nun eine gute Zeit haben würden und dass da noch Dinge passieren könnten, die nicht vor der Kamera gezeigt werden dürfen, worauf Tia im Hintergrund kokett kicherte. - Halleluja! Ich habe mir dabei vorgestellt, was der Mensch William Robert Jr., bekannt unter seinem Künstlernamen Rick Ross wohl fühlt. Vielleicht hat er diese Frau ja tatsächlich geliebt. Vielleicht hat er sich ja einfach aus seinem einfachen Gefängniswärterdasein rausgearbeitet, in dem er diese krassen Lügengeschichten erfunden hat und vielleicht war er ja selbst davon überrascht, dass es funktioniert, weil es jeder geglaubt hat. Und nun sitzt er da. In Shorts und Unterhemd. Vor dem Fernseher. Er starrt mit leerem Gesicht auf den Bildschirm, auf dem ihn seine Ex Frau verhöhnt und seine lasche Hand verschwindet in einer Tüte Erdnussflips, die er sich teilnahmslos in den Mund stopft. Sein Unterhemd ist fleckig und vor ihm liegt eine unendliche Anzahl von Tagen, die alle genau gleich sein werden. Sein restliches Leben. Und wieder steigen 2 Menschen in den Ring und prügeln sich zu Tode, im wahrsten Sinne des Wortes, unter dem johlenden Beifall der ekstatischen Masse. Aber so ist es halt, dafür werden die Menschen in der Unterhaltungsindustrie im klassischen Sinn nie Arbeitslos, wie Grandmaster Flash neulich im Interview gesagt hat. Wobei ich bei jemandem wie Officer Ricky gar nicht so sicher bin, ob das ein Vorteil ist. Vielleicht wäre es auch ganz schön, wenn man als Rapper einfach zur internationalen Rap Behörde gehen könnte mit den Worten: " Ich möchte kündigen. Ich möchte meine Papiere und beantrage gleichzeitig eine Umschulung zum KFZ Mechatroniker. Weil mit der ganzen Hybridtechnik und so… das hat Zukunft."Aber soll ich mich jetzt für die Errichtung einer Rappergewerkschaft stark machen oder etwas anderes fordern? Nachsicht? Liebe? Es wäre gerecht und gut von mir, aber ein bisschen fehlt mir die Kraft und ihr seht, mehr gibt es tatsächlich nicht zu kommentieren gerade und selbst das 5 Milliarden Schuldenpaket der Bundesregierung… was soll man dazu schon sagen? Im Endeffekt müssten sich alle mal ein paar Gedanken darüber machen, wie wir eigentlich leben wollen? Also mit der Frage, wie man sich ein gutes Leben vorstellt? Wie viel Arbeit? Wie viel Zeit? Wie viel Geld? In welchem Verhältnis? Das ist eigentlich ganz einfach. Kann sich jeder stellen die Frage. Auch ein Staat. Vor allem das mit der Zeit und dem Geld. Bei mir sieht das zum Beispiel so aus, wenn ich durch meine Wohnung laufe, dass ich über diverse Dinge stolpere, die ich geliehen oder geschenkt bekommen habe und ich stelle fest: Ah bei dem oder dem müsste ich mich mal wieder melden oder bei der und der müsste ich mich noch bedanken. Dann stelle ich fest. Dieses und jenes Buch müsste ich auch noch lesen. Dann fällt mir auf: Sag mal. Da habe ich doch neulich noch dies DVDs geliehen bekommen. Die Filme und Serien müsste ich mir ja auch noch mal angucken. Dann kommt schon wieder der Dienstag und ich weiß meine Kolumne sollte fertig werden und ich schieb’s raus bis Mittwochmorgens um halb fünf und dann schreib ich sie. Meine diversen Berufe fühlen sich ebenfalls von mir vernachlässigt und so springe ich von Büro zu Büro und kümmere mich um meine verschiedenen Babys und wenn das Finanzamt schreit, dann muss man ganz schnell zur Stelle sein, denn Frau R. vom Finanzamt braucht sehr viel Liebe und kann es nicht vertragen, wenn man sie warten lässt. Aber ich bin ja froh, dass ich arbeit habe und so stehe ich morgens auf und chante: " Danke für meine Arbeitsstelle/ Danke für jedes kleine Glück/ Danke für alles Frohe, Helle und für die Musik“ !!!!! Mehr schlafen will ich eigentlich auch. Stattdessen finde ich aber eine News, dass Die Firma für ihren Sommerhit " Die eine 2005" mittlerweile Platin bekommen hat und schaue mir dann sinnloser weise das alte Tomekk Video an, in dem Kurupt und Tatwaffe von Die Firma gefeatured sind und ich erinnere mich daran, dass Tomekk so euphorisch war, endlich mal einen Baseballschläger in der Hand halten zu dürfen, dass er dem guten Tatwaffe, beim Videodreh dermaßen eins übergezogen hat, dass dieser sogar ins Krankenhaus musste. Was man bei 1:49 im Video auch ziemlich genau sehen kann. Mit so einer Scheiße beschäftige ich mich also, während mein übriges Leben nach mehr Zeit und mehr Effizienz verlangt. Ihr seht. Es ist eigentlich ganz einfach, sich mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben auseinander zu setzen und sich zu ändern. Nehmt euch ein Beispiel. Nehmt euch ein Beispiel an mir. Nur das Beste! staiger PS: Ach ja. Und pünktlich will ich in Zukunft auch sein!
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Thursday, January 22, 2009
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Disclaimer: Sehr verehrte Damen und Herren. Ich muss mich entschuldigen, aber mein Redenschreiber hat ein bisschen gbraucht, die weltpolitischen Ereignisse ins richtige Verhältnis zu bringen und deshalb gibt es diesen Blog mit dreitätgiger Verspätung. ES TUT MIR SEHR LEID.
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Hip Hopperinenn und Hip Hopper, liebe RapperInnen, BreakerInnen und SprüherInnen,
ich sitze hier voller Demut vor meinem Rechner, dankbar für das Vertrauen, dass Ihr mir entgegenbringt, und ich bin mir der Opfer bewusst, die unsere Vorgänger gebracht haben. Ich danke Grandmaster Flash und Afrika Bambaata für ihre Arbeit im Dienste unserer Kultur und im speziellen Frederik Hahn aka Torch für die Großzügigkeit und die Kooperation, die er mir in diesen schwierigen Zeiten des Übergangs gezeigt hat.
So viele Menschen haben nun auf Hip Hop geschworen und die Worte sind gesprochen worden in Zeiten der Kreativität und der Blüte unserer Kunst. Doch immer wieder bekannten sich Menschen auch dazu, als gerade dunkle Wolken aufzogen. In diesen Zeiten hat Hip Hop sich dennoch bewährt - nicht allein wegen der Vision derer, die den Flavour fresh gehalten haben, sondern vor allem auch weil wir eine Bewegung sind, eine Kultur, die unseren eigenen Werten und Idealen treu geblieben ist – stay true, stay original!
So war es. Und so wird es auch in den nächsten Generationen Hip Hop bleiben. Für immer.
Wir stecken mitten in einer Krise, das haben wir inzwischen begriffen. Die Plattenumsätze sinken. Es ist uncool geworden, sich als Hip Hopper zu outen. Unsere Kultur befindet sich im Krieg gegen ein Netz aus billigen Bitern und falschen Propheten, die Wackness und Langeweile verbreiten. Die Musikindustrie ist geschwächt, als Konsequenz aus Dummheit und Mutlosigkeit bei einigen wenigen - aber auch weil wir als Kollektiv versäumt haben, harte Entscheidungen zu treffen und harte Ansagen zu machen. Viele haben ihren Glauben an unsere Kultur und vor allem den Spaß an unserer Musik verloren. Viele Künstler haben aufgehört und sind weg, Labels bankrott. Die Tonträger sind zu teuer, oder werden den aktuellen Anforderungen nicht gerecht, und jeder weitere Tag zeigt uns deutlicher, dass die Art und Weise, wie wir unsere kreative Energie verschwenden, unsere Gegner stark macht - und Hip Hop in Gefahr bringt.
Das alles sind Symptome der Krise, die man messen und in Zahlen darstellen kann. Nicht so leicht zu quantifizieren, aber nicht weniger bedeutend ist, wie sehr das unsere Moral und unsere Zuversicht schwächt. Es geht eine Angst um im Land, dass der Niedergang von Hip Hop nicht abzuwenden ist - und dass die nächste Generation ihre Ansprüche und Erwartungen senken muss und dass vielleicht bald gar nichts mehr davon übrig bleibt, was einmal so großartig begonnen hat. Mit Blockpartys, Jams und Cyphers. Mit den 4 Elementen und vor allem mit sehr, sehr viel Spaß und Kreativität.
Ich sage Euch heute, dass die Herausforderungen real sind. Sie sind real (ausgesprochen als riiiiieeeel). Die Lage ist ernst, wir haben viele Probleme, die wir nicht auf die Schnelle werden lösen können. Aber lasst mich Euch dies sagen: Wir und das heißt Hip Hop wird sie lösen.
Wir wollen uns hier versammeln, an diesem virtuellen Ort, an diesem Corner, diesem Marktplatz der Ideen, dieser kuscheligen und heimeligen Ecke im Internet, weil wir die Hoffnung gewählt haben - und nicht die Furcht. Die Einheit und die Entschlossenheit - und nicht die Zwietracht oder den Konflikt, sprich sinnlosen Beef. Obwohl Beef cool ist, wenn man weiß wie es geht.
Heute aber sind wir zusammengekommen, um ein Ende der kleinlichen Streitereien und der falschen Versprechungen zu verkünden. Das Ende der billigen Vorwürfe und der abgenutzten Phrasen, die unsere Kultur zu lange gelähmt haben. Heute ist kein Platz mehr für Worte wie: "Der hat aber weniger verkauft als ich" oder "mein New Era Cap ist fresher als seins". Nein heute geht es ans Eingemachte.
Hip Hop in Deutschland ist noch immer eine junge Kultur, gerade einmal 19 Jahre alt, rechnet man gütlich, dann 25 Jahre, aber, um es mit den Worten der Bibel zu sagen, so ist die Zeit gekommen, kindlichen Streit hinter uns zu lassen. Es ist an der Zeit, uns auf unsere Ideale zu besinnen - und den Lauf der Geschichte zu bestimmen, um das wunderbare Geschenk, diese großartige Idee weiterzutragen, die von Hip Hop Generation zu Hip Hop Generation weitergegeben worden ist: das gottgegebene Versprechen, dass alle Menschen kreativ sind und originell sein können - und ein Recht darauf haben, gut unterhalten zu werden – ohne Bitertum und Scheiße. Ohne ausgelutschte Phrasen, langweilige Rhymes und abgedroschene Musik.
Indem wir uns die Größe unserer Kultur wieder vor Augen führen, wird uns bewusst, dass diese Größe keine Selbstverständlichkeit ist. Wir müssen sie uns verdienen. Unsere Reise ist nie eine der Abkürzungen gewesen. Es ist auch kein Weg für ängstliche Menschen oder Künstler gewesen - oder für solche, die nicht hart arbeiten wollen oder nur nach Ruhm und Reichtum streben. Wir sind immer eine Kultur derer gewesen, die Risiken eingehen, eine Kultur der Macher und der Erfinder. Viele werden heute zu Recht gefeiert, aber viele von ihnen haben nie die Anerkennung erfahren, die sie verdienen - und sie haben uns auf dem steinigen Pfad vorangebracht, zu mehr Kreativität und Skillz .
Für uns haben sie ihre Plattenspieler gepackt, ihre Sprühdosen, ihre Sneaker und ihr Mic und haben von allem geklaut und alles miteinander vermischt, gesamplet und von innen nach außen gewendet - auf der Suche nach einer neuen Musik und einer neuen Kultur
Für uns haben sie gekämpft und gefeiert damals in der Bronx, in Harlem und Los Angeles und später auch in Atlanta und New Orleans und auf Jams in Europa, in Madrid und Paris oder von Kiel bis Biel. Für uns!
Immer wieder haben diese Männer und Frauen Opfer gebracht und geschuftet, bis ihre Hände blutig waren vom Scratchen, bis ihre Stimmen heiser und die Knochen kaputtgetanzt waren - damit wir einmal eine bessere, eine freshere, eine tolerantere, selbstbestimmte und unabhängige Musikkultur genießen können. Für sie war Hip Hop immer größer als die Summe der individuellen Ambitionen; größer als alle Unterschiede der Geburt, des Standes und der Herkunft. It’s not where you come from – it’s where you at. Oder mit anderen Worten: Es ist egal woher Du kommst – Hauptsache Du bist fresh!
Das ist die Reise, die wir heute fortsetzen wollen. Wir sind noch immer die kreativste, wichtigste und reichhaltigste Musikkultur der Welt. Hip Hop ist nach wie vor ein großes Thema und wichtig für viele Menschen. Doch gleichzeitig werden wir belächelt und die Todesglocken werden geläutet. - Wir haben sie schon zu oft gehört, um den Untergangspropheten Glauben zu schenken. Natürlich befinden sich in unseren Reihen bornierte und dumme Arschlöcher aber unsere Arbeiter sind noch genauso produktiv wie an dem Tag, da diese Krise begann. Wir sind nicht weniger erfinderisch und innovativ, unsere Texte und Performances werden nicht weniger dringend benötigt als noch vor einer Woche oder einem Monat oder im vergangenen Jahr oder vor 10 Jahren. Aber es müssen gute Texte sein. Relevante Texte. Und es müssen ehrliche Performances sein. Auftritte voller Hingabe und Leidenschaft. Unser Leistungsvermögen ist ungebrochen. Aber die Zeit, da wir individuelle Interessen geschützt und schwierige Entscheidungen aufgeschoben haben, die Zeit in der wir alles hingenommen haben und irgendwie cool gefunden haben - diese Zeit ist vorbei. Mit dem heutigen Tag stehen wir wieder auf. Wir klopfen uns den Staub aus den Kleidern und machen uns daran, Hip Hop aufs Neue aufzubauen. Mit ehrlicher Kritik und klaren Worten. Manchen werden diese Worte zu hart sein, doch darauf dürfen wir keine Rücksicht mehr nehmen.
Denn wo immer wir hinschauen, ist Arbeit zu tun. Der Zustand unserer Netzwerke erfordert sofortiges und mutiges Handeln - wir werden handeln! Nicht nur indem wir alte Verbindungen wieder aktivieren, sondern indem wir gleich ein neues Fundament für künftige Zusammenarbeit legen. Wir werden uns austauschen und uns kritisieren. Wir werden kein Blatt mehr vor den Mund nehmen und wir werden uns gegenseitig unterstützen. Die Welt hat noch immer nicht verstanden, was uns Hip Hop bedeutet und zu was Hip Hop fähig ist. Die Dinge nämlich so auszusprechen wie sie sind, wie sie jeder einzelne von uns empfindet. Konfrontationen einzugehen und auch im Sturm der Auseinandersetzung das Kleine mit dem Großen zu verknüpfen. Denn, was in unserer Straße passiert, das passiert weltweit. Was hier empfunden wird, empfinden vielleicht viele andere auch. Dem eine Stimme zu geben. Diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, seine Wut, seine Aggression, seine Lust und seine Liebe auszuleben in seinen Texten, in Tanzbewegungen, mit der Sprühdose oder an den Decks – Das ist Hip Hop und da müssen wir wieder hin und dann wird das Ganze auch wieder nachvollziehbar. Dann wird das Ganze wieder wichtig und gut und hat seine Berechtigung. Dann wird das Ganze endlich wieder relevant – wenn wir real bleiben dabei. Genau so real wie die Probleme die wir haben.
Erinnert Euch daran, dass sich frühere Generationen der Wackness und der Heuchelei entgegengestellt haben - und zwar nicht nur mit Skillz und Authenz, sondern vor allem mit belastbaren Netzwerken und starken Überzeugungen. Sie wussten, dass unsere musikalischen und kreative Macht allein uns nicht schützen kann sondern der Zusammenschluss, der Spaß am Neuen, am Ausprobieren, am eigenen Mut und der Fähigkeit seinen eigenen Weg zu entwickeln. Scheiß mal auf die anderen. Wir machen unser Ding.
Wir wissen genau, dass dieses Patchwork unserer Ursprünge ein Vorteil ist und keine Schwäche. Wir sind eine Kultur der Christen und Muslime, der Juden und Hindus, der Puertoricaner, Schwarzen und Latinos, der Asiaten, Araber, Türken und Deutschen - und auch solcher, die von ganz woanders herkommen. Wir sind die Summe aller Sprachen und Kulturen, die aus der ganzen Welt zu uns gekommen sind. Und weil wir die bittere Erfahrung der Wackness und Heuchelei, des Bitertums und der unrelevanten Scheiße selbst gemacht haben und aus diesen dunklen Kapiteln noch stärker hervorgegangen sind und mit noch größerer Einheit, können wir gar nicht anders, als zuversichtlich zu sein, dass die alten Feindschaften einmal überwunden werden und dass die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Crews und Schulen einmal verwischt sein werden. Weil die Popscheiße immer stärker wird und die Verlogenheit immer größere Ausmaße annimmt, werden wir es den Menschen noch deutlicher zeigen - und Hip Hop wird seine Rolle dabei übernehmen, dieser neuen Ära der Freshness den Weg zu bahnen.
In diesem Sinne,
euer Barack Staiger
ps: Natürlich wünsche ich dem neuvereidigten Präsidenten auf diesem Weg viel glück, obwohl ich mir dabei selbst komisch vorkomme, weil auch in Simbabwe 2008 ein neuer Präsident gewählt wurde, von dem ich noch nicht einmal weiß, wie er heißt.
Manchmal erscheint mir die Unterstützung von Barack Obama wie Altpapiersammeln: Man sortiert das Papier aus und denkt, dass man dadurch tatsächlich Umweltschutz betreibt und man dafür dann auch getrost das Auto benutzen darf. Besonders faszinierend finde ich, dass eine bundesdeutsche Unterstützung für Barack Obama noch nicht mal reales Altpapiersammeln ist, sondern nur virtuelles. So tun als ob. "Ich interessiere mich für politische Veränderung – ich unterstütze Barack Obama und bete jeden Tag 50 mal sein Mantra – Chaaaaaaaaange!“ das hilft.
In Hessen hat das leider nicht geholfen aber da hieß die Hoffnung auf Wechsel auch Schäfer-Gümbel und das klingt irgendwie... unfunky.
Ok. Aber abschließend noch ein Wort an die Generation Hip Hop. In Amerika wird der Wahlsieg Obamas auch als ein Erfolg der Hip Hop Community bewertet. Ob zu Recht oder unrecht, kann ich nicht beurteilen, aber stellen wir uns mal vor, hier in Deutschland gäbe es irgendwann mal einen Politiker auf den sich mehrere Vertreter der Hip Hop Gemeinschaft einigen können. Dieser Mensch wäre nicht peinlich. Er würde einigermaßen eine klare und offene Sprache sprechen und tatsächlich, er hätte auch so etwas wie einen Hip Hop Hintergrund, den er nicht versteckt sondern mit den er offen und ehrlich vor sich herträgt und es wäre auch weder diskreditierend, noch peinlich, noch irgendwas, dass sich diese Mensch zu unserer Kultur bekennt. Und dieser Mensch wäre dann auch noch vielleicht migrantischer Herkunft und tatsächlich würde eine Mehrheit in diesem Land, ihn oder sie zum Bundeskanzler oder zur Bundeskanzlerin wählen. Das ist nur so ein Gedankenspiel, aber wenn wir wirklich darüber nachdenken, dann wissen wir auch, was noch so zu tun ist: In diesem Land. In unserer Kultur.
Schönen Tag noch!
PPS: Wie geil sich aber das weiße Amerika noch immer über Rapper aufregen kann sehen wir hier:
PPS: Der obige Text ist die Antrittsrede von Barack Obama. Ich habe lediglich jedes "Amerika" durch "Hip Hop" ersetzt und jedes "Nation" durch "Kultur". Hier und da was weggelassen und an manchen stellen was hinzugefügt. Fertig. Die Rede im kompletten Wortlaut gibt es auf spiegel-online.
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