From Argentina with love…Der
Argentinier Guti ist mit Sicherheit ein Ausnahmetalent unter den heutigen
Newcomern der elektronischen Szene.
Nach einer Karriere als Pianist zweier Argentinischen Rockbands widmet
sich das Multitalent seit einiger Zeit seiner
großen Leidenschaft…der elektronischen Musik. Wir haben Ihm einige
Fragen zu seinen Projekten, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
gestellt.
Du
lebst momentan in Argentinien und bist auf dem besten Wege eine feste
Größe im internationalen Geschäft zu werden.
Ist es deiner Meinung nach schwerer soweit zu kommen wenn man nicht
aus einem der „führenden“ Länder der elektronischen Szene kommt?
Ich kann nicht genau sagen ob es schwieriger
ist oder nicht, weil ich viel auf Tour bin und eigentlich nirgendwo
richtig lebe. Ich denke heute geht es mehr denn je um die Musik. Es
gibt weltweit Talente und es werden immer neue und aufregende Künstler
gesucht die frische Tracks rausbringen. Für mich war es unglaublich
als große Namen wie Ricardo Villalobos, Loco Dice, Luciano oder Marco
Carola angefangen haben meine Musik zu spielen, weil das der Punkt war
wo mit klar wurde das damit quasi die ganze Welt anfängt meine Musik
zu hören. Wenn du dein Ding durchziehst und respektvoll bist ist es
glaube ich relativ egal woher man kommt. Es fängt dann an von alleine
zu laufen. Dann kommt alles nach und nach denn im Endeffekt dreht sich
ja alles um die Musik.
Waren Kontakte
die du in Südamerika geknüpft hast auch schon hilfreich bei deinem
Erfolg oder kam der große Schub durch deine Aufenthalte in Europa?
Meine erste Tour in Europa war so unglaublich
wichtig für mich, weil ich eine neue Welt, neue Künstler, eine neue
Szene und die Kultur entdecken konnte. Aber vor allem der Kontakt zu
Damian Schwartz bedeutet mir sehr viel, weil er mich musikalisch frei
entfalten lässt. Ich arbeitete mit ihm in seinem Studio in Madrid,
wir sprachen über das Leben, die Musik und hatten so viel Spaß miteinander.
Ich lernte viel von ihm und unsere Zusammenarbeit lief total locker
und unkompliziert ab. Und vor einigen Monaten ist ein Release von uns
auf Raum Musik erschienen. Das ist schon Wahnsinn. Ich hatte das Glück
die richtigen Leute zu treffen von denen ich lernte wie Paco (Osuna),
Damian (Schwartz) und jetzt Loco Dice oder Frederico Molinari. Liebenswerte
Menschen die sich in dieser Musikwelt gut auskennen. Aber eigentlich
ist die Musik ein sehr persönlicher Trip für mich, der auf Aktion
und Reaktion und verschiedenen Einflüssen basiert. Musik war schon
immer mein Leben und beim Reisen bekomme ich den Input um meinen Sound
zu entwickeln und die verschiedene Szenen und Kulturen auf die ich immer
wieder treffe geben mir den nötigen Input.
Du machst ausschließlich Live Acts
bei deinen Auftritten. Warum hast du nie mit dem Djing angefangen und
was ist bei Live Performances der besondere Reiz für dich?
Als Musiker ist es für mich normal
Live zu performen. Es gibt mir die Möglichkeit mich frei zu fühlen
und eine besondere Verbindung zu meiner Musik herzustellen. Vielleicht
fange ich bald das Auflegen an, aber ich fühle, dass ich eigentlich
noch eine Menge durch meine eigene Musik ausdrücken muss.
Im Gegenteil zu vielen deiner Kollegen
hast du einen sehr musikalischen Hintergrund und spielst auch immer
noch Piano in einer Band in Argentinien.
Erzähl uns etwas darüber
In erster Linie bin ich Pianist. Ich
bin quasi damit aufgewachsen und spielte die letzten zehn Jahre in zwei
großen Rock Bands, die große Stadien füllten. Das ist schon irgendwie
verrückt, aber definitiv ein Teil von mir.
Wie kam dein Interesse zur elektronischen
Musik und inwiefern hilft dir dein musikalischer
Werdegang beim Produzieren?
Vielleicht wuchs mein Interesse mit
dem Jazz Projekt das ich vor zehn Jahren mit einigen Freunden in Buenos
Aires ins Leben rief, wo wir Jazz Improvisationen mit Beat machten.
Aber ich glaube, dass mein Interesse zur elektronischen Musik durch
das Tanzen und Feiern kam. Ich erinner mich noch gerne an die Partys
in Argentinien wo ich mit meinen Freunden eine Menge Spaß hatte.
Ich weiß nicht ob meine musikalische
Vergangenheit mir hilft oder nicht. Für mich gibt es nur diese Art
Musik zu machen. Ich lass mich da einfach treiben weil ich Musik nicht
in der Theorie betrachte. Sie verkörpert für mich Energie, Farben,
Stimmungen und Gefühle. Ich versuche immer möglichst unvoreingenommen
und planlos an das produzieren zu gehen. Bei meiner letzten Veröffentlichung
zum Beispiel war ohne Klavier, was für mich in der Tat ein wenig ungewöhnlich
ist. Aber so ist das eben. Die Musik entwickelt und verändert sich
die ganze Zeit.
Was für Veröffentlichungen können
wir von dir in Zukunft erwarten und wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ich bin super glücklich über meine
erste Doppel 12’ die im August auf Desolat rauskommt. Die Arbeit mit
Loco Dice, Martin Buttrich und allen Leuten da war unglaublich.
Dann kommt bald noch eine weitere Raum…Musik
mit Damian Schwartz und eine weitere Veröffentlichung auf Desolat Ende
dieses Jahres. Remixe und Kollabos mit einigen Artists und Freunden
wie Delete für Viva Music (Steve Lawler‘s Label) und für Guy Gerber
als Pianist. Dann noch ein Downtempo Projekt mit Alexi Delano, Tracks
mit Shaun Reeves und Matt Tolfrey und wir haben gerade einen Track als
La Merengue Downtempo Orchestra (Barem, Jorge Savoretti, Damian Schwartz,
Guti) auf Mupa herausgebracht. Alles in allem kann man vom Stil her
sagen, dass es handgemachter House und Techno mit Herz und Seele ist.
Einfach rein hören!
Produzierst du nach einem besonderen
Schema oder frei aus dem Bauch heraus? Woher nimmst du deine Inspiration
wenn du an Tracks bastelst?
Ich bin das Chaos in Person. Ich mache
einfach dass wonach ich mich in dem Moment fühle.
Legst du deinen Fokus erstmal auf
dein Solo Projekt oder hast du noch weitere Projekte an denen du arbeitest?
Eigentlich beides gleichzeitig. Ich
konzentriere mich auf meine Solo Projekte, liebe es aber die Musik mit
Leuten zu teilen. Ich mache eine Platte mit Chichi Peralta, einen Latein
amerikanischen Percussionist, der eine Legende bei uns ist. Ich wuchs
mit seiner Musik auf und es geht wirklich ein Traum in Erfüllung mit
ihm arbeiten zu dürfen. Natürlich werde ich auch weiterhin einige
Sachen mit Damian Schwartz machen.
Du warst mittlerweile zwei Mal in
Europa unterwegs. Was gefällt dir hier besonders und warum glaubst
du ist gerade Deutschland eine Art Treffpunkt der elektronischen Szene?
Ich liebe die Leute und die Kultur hier.
Elektronische Musik ist in Deutschland Kultur!
Hast du hier auch schon schlechte
Erfahrungen gemacht? Ich persönlich habe das Gefühl das es
manchmal für Artists die wirklich für die Musik Leben schwer ist einen
Mittelweg zu finden in der schon teilweise kommerzialisierten Branche?
Bei mir gibt es nicht diesen “Ich
möchte berühmt sein” Dj Vibe. Ich bin für die Musik hier, und wegen
den Frauen (lacht). Manchmal ist es schon hart, aber es wird von Tag
zu Tag einfacher. subculture.de
coming out on august 2009