„Panzerkreuzer Potemkin“ ist einer der absoluten Klassiker der Filmgeschichte. Das berühmte Opus von Sergej
Eisenstein wurde am 1. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der
russischen Revolution 1905 uraufgeführt. Die Handlung lehnt sich sehr frei an die tatsächlichen Ereignisse an, der
Meuterei der Besatzung des Kriegsschiffs „Knjas Potjomkin Tawritscheski“ gegen die zaristischen Offiziere – für
Eisenstein eine Tragödie in fünf Akten. Wiewohl ein Propaganda- Werk, wurde der Film begeistert aufgenommen
und machte den Regisseur weltbekannt. „Panzerkreuzer Potemkin“ wurde mehrfach, unter anderem in den
1950er-Jahren vom britischen Kinomagazin Sight & Sound, zum „besten Film aller Zeiten“ gekürt.
Nun macht sich der Wiener Avantgarde-Veteran Franz Reisecker alias Lichtenberg daran, den Stummfilm neu zu
vertonen. Die Bilder-Wucht, Dringlichkeit und Dramatik des Films – die in der berühmten Treppen- Szene im Hafen
von Odessa ihren Höhepunkt findet – möchte Lichtenberg in einer zeitgemässen, elektronischen Tonspur
widerspiegeln und verstärken. Tatsächlich kein Frevel: Sergej Eisenstein wünschte sich, daß jede Generation ihre
eigene Musik zu seinem Film komponiert.
Die erste genuine Komposition wurde von Edmund Meisel 1926 für die deutsche Fassung geschaffen; der Film war
zuvor ohne Originalmusik, mit Zusammenstellungen aus Werken klassischer Komponisten wie Beethoven und
Tschaikowski, aufgeführt worden. Seither entstanden unterschiedlichste Fassungen, die bekannteste unter
Mitwirkung der Pet Shop Boys. 1950 komponierte Nikolai Krjukow die Musik für eine Neufassung des Films. 1976
wurden für eine in der Sowjetunion restaurierte Fassung, die sogenannte „Jubiläumsfassung“, Ausschnitte aus
Sinfonien von Schostakowitsch verwendet.
„Panzerkreuzer Potemkin“ zählt zum Bewegendsten und Wertvollsten, was das unendliche Menschheitsarchiv
Internet an Fundstücken birgt“, so Reisecker. „Ich finde zunehmend Interesse daran, Töne und Klänge entlang
einer vorgegebenen Abfolge von Bildern, Geschichten und Spannungsbögen aufzurollen. Die grossen Werke der
Stummfilmära faszinieren mich da besonders“.
Lichtenberg erscheint unter diesem Blickwinkel als besonders trefflicher Künstlername. Als vielseitiger Gitarrist war
Franz Reisecker bereits bei Bands wie den Occidental Blue Harmony Lovers, dem Orchester 33 1/3 oder Trio
Exklusiv tätig. Das Projekt Lichtenberg bietet dem Musiker die Möglichkeit, sich ganz und gar seiner Vorliebe für
elektronische Klänge zu widmen. „Reisecker ist zudem ein Meister darin, sich ständig neu zu erfinden und seine
Fühler nach neuen Herausforderungen auszustrecken“ (MICA). Insofern darf man gespannt sein, was ihm zu einer
schier übermächtigen Vorlage wie „Panzerkreuzer Potemkin“ – live und frisch auch auf DVD – einfällt.