Yeehaa! Tomorrow is the day – we’ll go the Beijing, meet our lovely french friends of Le Singe Blanc and start fucking the ears of innocent chinese people! We’ll keep you posted (okay, at least we’ll try)!

First part of Heiko's tour diary (sorry, german only...try the translate button at the bottom of the page, it's not that bad)
3./4. 11.
Zwei Stunden Autobahn nach Berlin - warten - zwei Stunden Flug nach Helsinki - fuenf Stunden warten - acht Stunden Flug... endlich sind wir da. Das Gate ist riesengross und fast totenstill, obwohl hunderte von Leuten anstehen - wir muessen naemlich alle durch die Grippe-Kontrolle. Alle sauber, wir duerfen durch. Auf dem Flughafen haben wir nun noch fuenf Stunden zu warten, bis unsere Freunde von Le Singe Blanc ankommen, mit denen wir die naechsten vier Wochen unterwegs sein werden. Auch Alice sollen wir hier treffen, die unser Tour-Guide sein wird. Alice heisst natuerlich nicht wirklich Alice, aber alle Chinesen, die mit Auslaendern zu tun haben, geben sich einen englischen Namen, die chinesischen kann man sich teilweise schwer merken oder aussprechen.
Es ist hier 8 Uhr morgens, aber wir testen schonmal unser erstes Tsing-TaoBier. Ist ganz brauchbar und hat nur 5 Yuan gekostet, etwa 50 Cent.
Alice taucht erstmal nicht auf und wir koennen sie auch nicht anrufen. Also suchen wir uns erstmal Baenke zum Schlafen. Ganz schoen kalt hier, in Peking hat's am Vortag geschneit. Selbst schuld, die Chinesen: Eigentlich wollten sie Regenfaelle kuenstlich hervorrufen (wird hier oft gemacht), bekommen haben sie 180.000 Tonnen Schnee...
Beim Versuch etwas zu schlafen, kriegen wir auch schonmal feine Kostproben des inoffiziellen Nationalsports geboten: dem Rumrotzen. Gewonnen hat, wer am meisten Schleim am lautesten aus der tiefsten Koerperregion zieht und in schwungvollem Bogen dem Fussboden uebergibt. Trotzdem kann man von selbigem Essen, denn unzaehlige reinigungskraefte wieseln durch die gegend und sorgen dafuer, dass alles blitzblank ist.
Also ab zum Empfang der Franzosen, Alice hat sich inzwischen auch eingefunden, sie hat uns vier Stunden lang gesucht...
Vom Airport geht's nun per Bus in die Stadt, das heisst eine Stunde vorbei an riesigen Ansammlungen von dreissigstoeckigen Wohnsilos. Wir treffen uns mit Nevin, der die Show in Peking organisiert. Die Rucksaecke kommen in's Hostel (8 Leute auf 10 qm ohne Fenster, puhh), das Equipment erstmal zu Nevin, die Hotelzimmer sind nicht wirklich sicher.
Dann gibt's endlich was zu essen. Ein nettes Restaurant, ein grosser runder Tisch mit Drehkarussel und vielen verschiedenen Gerichten drauf, von hmmm bis uaaeh.
Danach geht's noch in's D-22, den Club, in dem wir auch spielen werden. Die einheimische Band geben wir uns nicht allzulange, die Versionen von Hawi to Hell und Stawi to Hewen sind schon witzig aber wir viel zu muede, also ab in's Hostel, ein letztes Tsing-Tao und in die Heia.
5.11.
Schoen ausgeschlafen, schon ist es Nachmittag. Heute ist noch frei, also ist Tourismus angesagt. Wo muss der Tourist hin? Genau, in die Verbotene Stadt. Schneller Imbiss am Strassenrand und mit der Subway zum Tian Anmen, dem Platz des Himmlischen Friedens, bekannt aus Funk und Fernsehen. Hier gibt's riesige Videoleinwaende mit schoenen bunten China-Werbefilmchen, viele Unformen und viele Menschen am Eingang zur Verbotenen Stadt. Viele Menschen gibt's eigentlich ueberall, hier sind's noch viel mehr... Die Verbotene Stadt, der alte Kaiserpalast aus dem 15. Jahrhundert, ist schon sehr eindrucksvoll. Ein Tempel oder Palast folgt auf den naechsten, die Plaetze werden immer groesser und prachtvoller. Das ganze Gebilde fasst ungefahr eine Million Menschen. Nach ungefaehr zwei Stunden wird auch schon geschlossen, wir haben aber fast alles gesehen.
Es folgt ein laengerer Fussmarsch zur U-Bahn (die vielen Rikscha-Angebote haben wir abgelehnt), wir koennen noch etwas Peking-Luft schnuppern. So schlimm ist die auch gar nicht, man kann durchaus atmen und man kann sogar den Mond sehen. Der Verkehr ist auch gar nicht so schlimm, man darf halt nur nicht darauf vertrauen, dass die Autos auch tatsaechlich bei Rot halten oder fuer Fussgaenger bremsen. Andererseits kommt man ohne etwas demonstrative Selbstsicherheit nicht ueber die Strasse...
Abendessen, Tsing-Tao, Nachtruhe...
6./7.11.
Kevin will Drumsticks kaufen, also fahren wir ins Belltower-Viertel, wo es Musiklaeden gibt. Das Viertel ist derzeit the place to be in Peking, hier gibt's hippe Laeden mit Streetwear, CD-Shops, Skateshops... was der junge urbane Mensch so braucht. Hier schauen wir uns noch ein bisschen um, fahren mit der Subway zurueck und begeben uns langsam zum Club.
Das D22 scheint ein recht teurer angesagter Live-Club zu sein, die Karte ist auf englisch und viele Auslaender sind da, meist Studenten.
Der Soundcheck zieht sich etwas, zwei Boxen sind kaputt und sehr leise, ansonsten gibt es zwei kleine Transistor-Combos von Marshall und Peavey, wir werden noch lernen, dass das schon gutes Equipment ist.
Den Abend beginnt Nevins Band, zwei Amis, ein Schwede und ihr neuer Saenger, ein voll taetowierter Peking-Punk. Gegeben wird 80er US Hardcore, noch ein paar Misfits-Cover und nach 20 Minuten ist's schon vorbei. Danach ist eine einheimische Combo dran, interessante Mischung aus Plingplongpostrock, Depri-Punk und Noiseparts. Der Saenger ist sehr emo, dafuer sieht die Keyboarderin aus als wuerde sie eine Maske tragen, waehrend das ganzen Konzerts zeigt sich nicht die kleinste Regung im Gesicht, gruselig. Unser Gig ist ganz gut, der Buehnensound ist scheisse, aber die Stimmung prima. Die naechste Band verpassen wir fast vollstaendig, da wir erstmal draussen bei einem Bier abkuehlen. Nicht viel verpasst, eher mainstreamiger Rock. Den Abend beschliessen LSB, gutes Konzert.
Nach der Aftershow-Party geht... nee, nicht die ganze Bande ins Hotel, sondern der Stress los. Wir laufen mit dem Equipment zu Nevins Bude, schnappen uns die Ruecksaecke und machen uns auf Richtung Bahnhof, was fast zwei Stunden dauert. Die letzte Strecke von der U-Bahn bis zum Bahnhof legen wir wieder zu Fuss zurueck, die schwersten Sachen laden wir in ein Taxi, das mit Susi und Thomas vorfaehrt. Natuerlich werden die beiden prompt an der falschen Ecke abgesetzt und wir brauchen ewig, um uns alle wiederzufinden. Der Pekinger Bahnhof ist riesig und voller Menschenmassen. Bevor wir uns ins Gewimmel stuerzen, verabschieden wir uns noch von Alice. Sie kann erstmal nicht mit uns kommen, da ihre Schwester einen Unfall hatte und Hilfe braucht. Fuer ein paar Tage wird Wane fuer sie einspringen, die die ganze Tour organisiert hat.
Wir begeben uns in die Wartehalle fuer unseren Zug und kriegen erstmal einen Schreck: Die wollen alle da rein? Riesengedraengel, gefuehlte 1000 Leute, wir mittendrin. Irgendwann landen wir dann doch im kilometerlangen Zug, in dem es nicht viel besser aussieht. Mit unserem sperrigen Equipment ist es nicht gerade einfach, wir erzeugen ziemliches Durcheinander. Als alles verstaut ist, quetschen wir uns in unsere Sitze und haben nun acht Stunden Zugfahrt vor uns. Es ist acht Uhr morgens, eng, laut und an Schlaf nicht zu denken. Ich stelle mir zum erstenmal die Frage, was ich hier eigentlich mache.Die Stunden ziehen sich wie Kaugummi, die Landschaft ist oede, die Doerfer trist und vergammelt.
Gegen 16 Uhr kommen wir in Zengzhou an, wo uns Wane schon erwartet. Sie ist Studentin aus Wuhan, mit einem Franzosen verheiratet und hat schon mehrere China-Touren fuer auslaendische Bands organisiert. Sie ist eine sehr angenehme Begleitung und kuemmert sich wie eine Mutti um alles.
Zengzhou ist eine Provinzstadt mit ca. 3-5 Millionen Einwohnern, so genau weiss das keiner. Hier sieht es schon ganz anders aus als in Peking, die Luft ist voller Abgase. Ueberall haengen Leute herum, die auch sehr viel einfacher aussehen als in der Hauptstadt. Wane organisiert zwei Minibus-Taxis, in denen es trotzdem sehr eng zugeht, sind eher Mikrobusse.
Wie es zugeht, dass wir ohne Unfall beim Hotel ankommen, ist ein Mysterium, aber es funktioniert. Wir teilen uns zu acht zwei Dreibettzimmer und ziehen zu Fuss zum Club. Der Weg ist ziemlich interessant, es gibt bunt beleuchtete Nachtclubs und teure Boutiquen, dazwischen Strassenhaendler und Wanderarbeiter, die sich auf ihren Karren fuer die Nacht einrichten, die Kontraste sind schon krass.
Zengshou ist die Hauptstadt der zweitaermsten Provinz Chinas und hat grosse Probleme mit Gewaltkriminalitaet und die hoechtste HIV-Infektionsrate im ganzen Land. Das liegt daran, dass hier das Blutspenden fuer sehr viele Leute eine Einkommensquelle ist und eine Zeitlang einfach mit denselben Kanuelen gearbeitet wurde... ohne Worte.
Angeblich stechen sich hier die Leute schon fuer zwei Yuan ab, na toll. Als Auslaender ist man komischerweise recht sicher, wir kommen auch lebendig im Club an.
Der 7 Live Club ist ein recht grosser Rockclub mit Bildern von Eric Clapton, Bob Marley und Axl Rose an den Waenden. Das nicht allzu zahlreiche Publikum besteht dann auch zum Teil aus Musikerpolizei, die mit ausdrucksloser Mine alles genau beobachtet.
LSB fangen heute an. Man merkt, dass sie muede sind, bei uns ist das danach sicher nicht anders. Nach ein, zwei Ice-Bieren (fuerchterliche duenne Bruehe) bringen wir unseren Kram zum Hotel und suchen was zu essen. Das Restaurant mit dem Affenpenis im Angebot verschmaeehen wir und suchen etwas vegetarierfreundlicheres. Auf der bunt bebilderten Karte suche ich mir einen Teller mit gebratenem Haehnchenfleisch aus. Das Zeug ist unglaublich scharf! Alle freuen sich, wie ich mit schwitzend, mit hochrotem Kopf und traenenden Augen dasitze, aber ich esse tapfer auf. Danach geht's mir prima. Ab in's Hotel, Dusche, Schlafen.
8.11.
Heute geht's nach Zibo, diesmal mit dem Bus. Zwar laeuft auch hier wie in allen Bahnhoefen, Kneipen, Bars bruellend laut der Fernseher mit jeder Menge Schiessereien und Explosionen, trotzdem sind die acht Stunden Fahrt entspannter als im Zug am Tag vorher, wozu auch regelmaessige Pinkel- und Rauchpausen beitragen (im Bus darf man erstaunlicherweise nicht rauchen, sonst geht das ueberall, sogar im Fahrstuhl).
In Zibo holt uns Gastgeber Jerry (der natuerlich nicht wirklich Jerry heisst...). Er verteilt uns und das Equipment auf drei Taxis und eine Motor-Rikscha und los geht's. Die Taxifahrer hier sind noch krasser als in Zengzhou, die haben echt mit dem Leben abgeschlossen, besonders mit dem der anderen Verkehrsteilnehmer. Von ihren Fahrgaesten sind sie durch einen Plexiglaskaefig getrennt, sie werden schon wissen warum.
Trotzdem kommen wir ohne Schaden beim Club an, sogar die Rikscha mit den Gitarren usw. taucht nach ein paar bangen Minuten auf. Es gibt helfende Haende, herzliche Begruessung, der Club ist nett, das Hotel nur 20 Meter weiter... wir fuehlen uns gut.
Die Amps heute sind bisher die schlimmsten und kleinsten. So richtig brutale Noise-Attacken sind mit einem Peavey Bandit nicht wirklich drin... Dank der PA und Clothilde (LSB-Soundfrau) geht's dann doch irgendwie und wir gehen erstmal essen. In den kleinen Gassen rund um den Club gibt's jede Menge kleine Staende und Restaurants. Wir landen in einem Laden, der bisher eindeutig der dreckigste und ungemuetlichste ist, aber grandiose Grillspiesse bietet. Wir sitzen um den Tisch mit Holzkohlefeuer in der Mitte, ziehen uns Unmengen von den Teilen rein und zahlen am Ende fast nichts, es ist unglaublich billig hier.
Die Gigs am Abend sind prima, die Stimmung ist sehr gut. Statt Pogo tanzen die Leute hier Ringelpietz mit Anfassen, grossartig. Susi bekommt nach dem Auftritt von einem schuechternen jungen Herrn eine Rose ueberreicht, wie im Fernsehen, goldig. Nach der Show gibt's Karaoke und Bier satt und zwar chinese style aus kleinen Glaesern und mit Anstossen. Gan bei! Im Hotel hat diesmal jeder ein Bett, dafuer geht das Klo nicht, irgendwas ist ja immer. Die Hotels, in denen wir schlafen, sind ja immer von der einfachen Sorte, in die Auslaender eigentlich gar nicht reinduerfen, das geht nur ueber die Locals.
Gegen Mittag muessen wir raus. Unser Zug nach Hefei geht erst um halb elf am Abend, also haben wir viel Zeit in Zibo. Viel zu sehen gibt's hier allerdings nicht, also schlagen wir die Zeit in Restaurant und Internetcafe tot, bevor wir unsere Sachen aus dem Club holen und die Taxi-Chaoten uns zum Bahnhof fahren. Dort angekommen, stellen wir fest, dass zwei Taschen fehlen, die Jerry dann schnell noch hinterherbringt. Guter Mann!
9.11.
Auf dem Bahnhof wird's lustig. Dass wir Blicke auf uns ziehen, sind wir nun schon gewohnt, aber hier in der Wartehalle haben wir wirklich die volle Aufmerksamkeit von hunderten Leuten.
Wir wollen noch etwas einkaufen und entscheiden uns fuer den groesseren von zwei Shops. Dass man immer das Verfallsdatum checken muss, haben wir schon gelernt, daher gehen wir hier wieder raus ohne was zu kaufen. Wirklich alles ist mindestens sechs Monate abgelaufen, egal ob Bonbons, Tuetensuppe oder Bier. Im naechsten Laden sieht es etwas besser aus, ausserdem gibt es hier interessante Leckereien fuer die Reise wie abgepacktes Fleisch von Huhn, Schwein,Esel oder Hund, Seidenraupen, Schweineruessel, Huehnerfuesse, Minikrabben oder auch getrocknete Pflaumen mit Erdbeergeschmack. Ich kann mich gar nicht entscheiden und kaufe daher die billigste Flasche Bai Diu-Schnaps fuer 3 Yuan (ungefaehr 30 cent). Das Zeug faellt wahrscheinlich bei der Huehnerfussproduktion ab, es schmeckt noch scheusslicher als erwartet. Nach dem Kosten will keiner den letzten Schluck austrinken.
Die dreizehnstuendige Zugfahrt nervt, wird aber aufgelockert durch Wanes Erzaehlungen ueber entfuehrte Frauen, den Handel mit frischen Frauenleichen fuer post mortem Eheschliessungen und andere Gruseligkeiten.
Als wir gegen Mittag in Hefei ankommen, sind wir ganz schoen alle. Kaum aus dem Bahnhof raus, werden wir von einer Horde Bettler ueberfallen, die unglaublich hartnaeckig sind. Thomas erwischt eine Frau mit der Hand in seiner Tasche und Christian fehlt hinterher sein Telefon, wahrscheinlich hat er's aber im Zug liegenlassen. Mit dem Bus fahren wir eine Stunde durch die STadt, bis wir in einem Neubauviertel aussteigen, das an die Uni grenzt und entsprechend von vielen Studenten bewohnt wird. Die "On the Way Bar" befindet sich in einer Art Einkaufszentrum und ist sehr gemuetlich. Das Hostel liegt gleich ein Stockwerk h;yher und wir koennen uns noch eine Stunde hinlegen. Die vergeht wie nichts und schon ist Soundcheck dran. Ich staune nicht schlecht, als fuer die Gitarre eine Marshall mit 4x12er daseht und noch mehr, als sich das Teil als selbstgebastelte Kopie erweist, inklusive ausgesaegtem Marshall-Logo. Klanglich gibt's leider weniger Aehnlichkeit. Nach dem Check sind wir zum Essen eingeladen, es gibt das obligatorische Tischkarussell mit allerhand bekannten und unbekannten Leckereien. Alle sind unglaublich freundlich hier, niedliche junge Menschen winken uns zu und ein paar trauen sich auch, uns anzusprechen. Es stellt sich heraus, dass wir die ersten auslaendischen Bands sind, die hier spielen, auch sonst verirren sich wohl wenige Fremde hierher. Entsprechend ist der Club dann auch gut gefuellt, obwohl am naechsten Morgen alle frueh rausmuessen. Das Konzi ist ganz witzig, die Leute sind sichtlich beeindruckt. Es wird extrem viel fotografiert und auch danach wollen sich viele mit den Bands ablichten lassen. Viele kleine und duenne Biere spaeter machen wir Feierabend fuer heute.
10.11.
Ohne grosse Zwischenfaelle gehts am Morgen zum Bahnhof, die Bettler und Taschendiebe lassen wir souveraen hinter uns und entern den Schnellzug, der uns in nur einer Stunde nach Nanjing bringt. Die verbringe ich im "Gespraech" mit einem Dozenten fuer Umweltschutz aus Shanghai. Die Kommunikation ist sehr schwierig, wir brauchen alle Finger, Stifte, Karten.
Nanjing war ueber Jahrhunderte chinesische Hauptstadt und ist heute eine moderne Grossstadt mit vielen imposanten Gebaeuden. Der Club hat noch zu, also bringen wir erstmal unser Zeug in's Hotel. Das ist etwas teurer und die Kasse knapp, daher muessen zwei Zweibettzimmer reichen. Nach einer Mahlzeit in einem winzigen Restaurant geht's in die Old Castle Bar. Das ist ein hipper Club mit europaeischen Preisen, in dem hauptsaechlich reiches chinesisches Partyvolk, Prostituierte und deren auslaendische Kunden kommen. Bis auf ein paar Ausnahmen hat das Publikum ziemlich 'nen Stock im Arsch, die meisten sitzen auf ihren Barhockern, grinsen ab und zu und klatschen hoeflich. Trotzdem irgenwie witzig. Auf dem Klo labert mich ein besoffener Franzose an und erklaert mir das Problem unserer Band. Wir sollen uns nicht gegenseitig bekaspern sondern das Publikum unterhalten. Ich erklaere ihm, dass er keine Ahnung von Kunst hat und sehe zu, dass ich ihn los werde.
Die Getraenke in dem Laden sind viel zu teuer, daher versorgen wir uns beim Kiosk um die Ecke und befuellen die Glaeser neu. Kevin und ich beschliessen, bei McDonals nebenan einzukehren. Wane laedt uns ein, sie ist naemlich uebergluecklich, dass sie ihre Geldboerse wiedergefunden hat, nach der sie zwei Stunden suchen musste. Chicken Mala kann man essen...
Nachts im Hotel veranstalten wir noch eine kleine Party in unserem Zimmer mit jeder Menge Unsinn und Gelaechter, zweimal muss Getraenkenachschub geholt werden. Wane trinkt nicht viel, sondern macht Videos von dem ganzen Quatsch. Ausserdem bringt sie uns dazu, Huehnerfuesse zu kosten...
11.11.
Der Zug nach Wuhan ist wieder ein Schnellzug, mit 250 km/h duesen wir durch die Landschaft,d ie jetzt richtig schoen wird. Nebelverhangene Berge, kurvige Flusslaeufe und Terrassenfelder ziehen an uns vorei. Nach dreieinhalb Stunden sind wir am Ziel, es ist schweinekalt hier.
Ben, Wanes Mann,holt uns ab und wir quetschen uns erstmal alle in einen Linienbus, um uns dann auf zwei Wohnungen aufzuteilen. Don Vito zieht bei Wane und Ben ein, die in einem teuer aussehenden Appartementhaus wohnen. Wuhan ist eine vielfaeltige, lebendige Stadt mit ca. 10 Millionen Einwohnern. Hier gibt's hypermoderne Gebaude mit spektakulaeren Leuchtreklamen und Videowaenden, die groesste Mall der Welt gleich neben der Wohnung (5 Etagen, 1.3 km lang), aber auch Parks, Seen, historische Klosteranlagen und ungefaehr 100 Universitaeten.
Spaeter treffen wir uns alle zum Abendessen im Sichuan-Style, d. h. Schweinefleisch und viele Gemuese und alles choen charf. Anschliessend kehren wir in der Folk Hand Bar ein, einem Punkrock/Rockabilly/Garage-Laden, wo wir einen Taetowierer treffen, den Ben empfohlen hat.Ich mache ihm einen Termin fuer morgen, Christian kann's nicht abwarten und schreitet gleich zur Tat. Gestochen wird in einer Ecke der Bar, der Herr Kuenstler arbeitet sehr sauber und sorgfaeltig, vom Preis mal ganz abgesehen. Wir anderen schauen zu und vertreiben uns die Zeit mit einem Getraenk. Am Ende des Tages teilen wir uns auf und gehen erstmal schlafen.
So richtig erholsam wird die Nacht nicht, im Appartment ist es arschkalt, die Fenster sind nur fuer den Sommer gut und die Heizung wird nie angemacht, da zu teuer.
12.11.
Die naechsten Tage werden wir in Wuhan verbringen, heute abend spielen LSB, morgen wir, danach ist noch ein Tag frei. Nachdem wir uns mit den Franzosen getroffen haben, gehen wir fruehstuecken. Beliebtes traditionelles Fruehstueck hier sind Nudeln mit einer scharfen Sesam-Erdnuss-Sauce, lecker. Dazu noch ein Grillspiess und der Tag kann kommen. Kevin braucht schon wieder was aus dem Music-Shop, ein Blech ist kaputt. Wir fahren also mit dem Bus in einen anderen Stadtteil. Dort angekommen, laufen wir erstmal durch einen Park am Revolutionsmuseum, der voll ist mit kunterbunten kitschigen Blumenarragements zu verschiedenen Themen wie Bildung, Steuern, Landesverteidung und ewige Liebe. Die Musiklaeden gibt's alle nicht mehr, nur noch ein paar fuer Pianos und Verwandtes. Ben hat noch einen Tip und wir landen in einer Schlagzeugschule mit kleinem Shop drin. Waehrend Kevin das Angebot prueft, koennen wir den kleinen Wundertrommlern von morgen zuhoeren und -sehen und unzaehlige Beweise fuer gewonnene Contests bewundern.
Auf dem Weg zurueck zum Bus kommen wir an ein paar Frauen vorbei, die am Strassenrand stehend irgendwelche kunterbunten Zettel anbieten. Ich erfahre, dass man hier alle moeglichen Rechnungen und Bescheinigungen kaufen kann, von abgestempelten Bahn- und Flugtickets fuer die Spesenabrechnung bis hin zu Diplomen und anderen Abschluessen. Wir ueberlegen kurz, fuer 20 Euro einen chinesischen Ehrendoktortitel zu erwerben, lassen's dann aber doch bleiben. Nach einer guten Stunde Busfahrt zurueck schaffen wir unser Equipment zum Vox-Club. Das ist ein recht grosser und superprofessioneller Laden, Backline und PA sind vom Feinsten, das Personal ist fit und spricht gut englisch. Highlight ist allerdings ein rot-weisser Kater, der unglaublich neugierig und vorwitzig ist. LSB bauen auf und machen Soundcheck, ich hab um 7 Uhr meinen Tatto-Termin, also kurz um die Ecke zur Folk Hands Bar und den Arm freigemacht. Trotz der geringen Groesse des Motivs dauert es doch eine ganze Weile, als wir zurueck in den Club kommen, ist die Vorband schon fertig. Schade, soll ganz gut gewesen sein. Es sind ca. 150 Leute da, darunter viele Franzosen. Es gibt nicht so viele Auslaender in Wuhan, von denen kommen aber viele aus Fankreich, unter anderem weil Renault und Citroen hier Werke haben. Alle die wir kennenlernen, sind jedoch Fremdsprachenlehrer an einer der Unis. LSB spielen eine prima Show mit zwei Zugaben, das Publikum ist fuer hiesige Verhaeltnisse recht munter. Gegen Ende des Gigs fuellt sich der Laden nochmal deutlich, danach ist naemlich Disse. Entsprechend ist das Publikum, wir ziehen um in die Folk Hand Bar. Dort hat gerade jemand Geburtstag und es gibt Freigetraenke fuer die naechste Stunde, auch danach wird froehlich weitergezecht, das Geburtstagskind wird bewusstlos rausgetragen. Frueh am Morgen eiern wir nach Hause. Unterwegs kaufen wir noch fuer jeden ein Endbier, Christian traegt den Beutel und legt sich schon nach 10 Metern damit hin - 50 Prozent Verlust. Wir schlafen auch so gut ein...
13.11.
Heute wiederholen wir das Fruehstuecksritual mit Sesamnudeln, dann fahren die Jungs von LSB mit Ben in einen Park, um fuer sein aktuelles Projekt Fotos zu machen. Sie kriegen Fetischklamotten angezogen und rosa Dildos in die Hand gedrueckt und posieren wie Urmenschen... Clothilde ist Stoffe einkaufen gefahren und die Vitos gehen mit Wane in die Mall - Christian soll eine neue Brille kriegen, die sind hier sehr billig. Sehtest und Gestell aussuchen dauert fast eine Stunde, die Anfertigung auch. In der Zwischenzeit gehen wir in einen Supermarkt, um Saft und Wasser zu kaufen. Grosser Fehler - der Supermarkt ist riesengross, zweistoeckig und total ueberlaufen. An jeder der 40 Kassen stehen mindestens 30 Leute an, es dauert eine gute Stunde, bis wir hier wieder raus sind. Inzwischen ist auch die Brille fertig, hat ca. 15 Euro gekostet. Wir machen, dass wir hier wegkommen und haengen ein wenig in der Wohnung ab. Aus dem Fenster sehen wir, dass draussen der Verkehr total zum Stehen gekommen ist, nichts bewegt sich mehr. Zu Fuss gehen wir zum Club und warten auf den Soundmann, der zwei Stunden spaeter eintrifft, auch zu Fuss. Die Zeit vertreiben wir uns mit Billard und mit dem Kater, der auch mitspielt. Ich wechsele die Saiten auf meiner Gitarre, das unglaubliche Tier klaut mir eine und ich muss ihm durch den ganzen Laden hinterherrennen, um sie wiederzukriegen.
Heute kriegt auch Thomas ein Tattoo, sein erstes, und das gleich auf dem knie. Nach ein paar Minuten sieht er ganz schoen gruen aus im Gesicht. Wir koennen nicht warten bis er umkippt (passiert auch nicht, er haelt tapfer durch) und gehen in den Club. Die Vorband spielt epischen Postrock ohne Hoehepunkte. Es ist nicht so voll wie gestern, der immer noch stehende Verkehr macht sich bemerkbar, nicht mal die Crew im Club ist vollzaehlig. Unser Gig laeuft ganz gut, bei der zweiten Zugabe wollen wir Ka spielen, aber ich hab keine Ahnung mehr, wie das Stueck anfaengt und muss aufgeben, wir spielen was anderes. Egal, lustig. Gleiches Spiel wie gestern, Flucht vor den Discogaengern in die Folk Hands Bar, Absacker, Home, Schlafen, Kaelte.
Ich hab noch viel mehr geschrieben heute, aber das verdammte Kackding von Computer hat's mir geklaut und micht mit chinesischen Fehlermeldungen abgespeist. Kein bock mehr...