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Sacco und Vanzetti - Lust am Widerspruch.



Last Updated: 6/12/2008

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Thursday, June 12, 2008 

Wir feiern unser Jubiläum unter der Überschrift Abschied
und Wiederkehr. Ihr haltet die 20. Ausgabe von
Sacco und Vanzetti in der Hand und zugleich die letzte
für die nächsten drei Monate.

Nein, wir gehen nicht in die Sommerferien, keine Sommerpause
für Sacco und Vanzetti. Sacco und Vanzetti
ist ein Freizeitbegleiter, ein Genussblatt – Sommer und
Sonne darf es nie wieder ohne Sozialismus geben. Das
war für uns immer klar. Dennoch tut eine kleine Verschnaufpause
Not, bevor wir im Oktober back in BRD
sind: Stärker, besser denn je – soweit das möglich ist.
Dem einen oder der anderen wird unser Fragebogen
auf Seite 15 auffallen. Er richtet sich an Euch – ab heute
schreiben wir Interaktivität und Mitbestimmung noch
größer. Wir brauchen Eure Meinungen, Eure geharnischte
Kritik und Euer maßlos übertriebenes Lob, um
Euch im Oktober ein noch besseres Magazin vorlegen
zu können.

Im Klartext gesprochen: Mit einem ausgefüllten Fragebogen
könnt Ihr Sacco und Vanzetti von Morgen mitgestalten.
Und wir? Wir machen nichts anderes als die
Menschen, die wir in unserer Jubiläumsausgabe vorstellen.
Der Schweizer Ausländerfeind Blocher macht
sich den Hintern warm, weil mit der EM ausländische
Kicker und ihre Fans aus ganz Europa in die Schweiz
strömen. Junge Moslems – ob nun bei Türkiyemspor
oder im sonstigen sozialen Leben – geben alles, um hier
in Deutschland anzukommen, akzeptiert und respektiert
zu werden. Asylbewerber lernen Deutsch, um die
Enge von Residenzpfl icht, Lebensmittelmarken und
Arbeitsverbot wenigstens sprachlich verlassen zu können.
Und in Berlin wird gejoggt, fallen jeden Morgen
tausende Menschen aus dem Bett, reißen die verklebten
Lider auseinander und torkeln durch die grünen Lungen
der Hauptstadt – für die Figur, ein wenig Ausgeglichenheit
oder etwas Inspiration.

Sie alle machen sich fit für die Revolution – und sei es
nur ihre eigene, ganz persönliche. Wie wir auch – in
diesem Sommer. Allein funktioniert das aber nicht.
Herr Blocher braucht die Macht des Faktischen, also
tausende Fahnen schwingende Italiener, Franzosen,
Spanier, Polen, für den eigenen geistigen Umschwung.
Die Asylbewerber bekommen respektvolle Unterstützung
von jungen Berlinern und muslimische Jugendliche
setzen auf eine Gesellschaft, die ihr alltägliches
Engagement zur Kenntnis nimmt.
Sacco und Vanzetti setzt auf Euch und bedankt sich mit
drei iPods und weiterhin hochwertiger journalistischer
Arbeit – ab Oktober wieder.

Thomas Feske

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Thursday, March 13, 2008 

Diene ich der Kunst oder diene ich der Macht?
Für wen baue ich was?


Herrschaft bedingt Kommunikation. Ohne Ausdruck
von Macht kann Herrschaft nicht funktionieren. Die
Macht kann sich unmittelbar ausdrücken, durch den
Einsatz von Militär, Polizei, Geheimdiensten. Sie
kann sich jedoch auch subtil verwirklichen – durch
das Hohelied, gesungen vom Meisterbarden, durch
das Gemälde, das den Mächtigen in herrschaftlicher
Pose darstellt, durch ein Gebäude, das Stärke und
Unbezwingbarkeit demonstriert.

Kunst kann zu einem Instrument von Herrschaft
werden. Wohlgemerkt kann, denn dem Künstler
bleibt innerhalb eines wie auch immer gewobenen
gesellschaftlichen Abhängigkeitsnetzes die
letztendliche Entscheidung: Diene ich der Kunst oder
diene ich der Macht?

Wenn die Architektur – das Schwerpunktthema
dieser Ausgabe – allein der Ästhetik diente, welch
Wohlklang begleitete die Namen der Bauherren und
Architekten vergangener Epochen und der Gegenwart!
Antoni Gaudi, Friedensreich Hundertwasser und Co.
stehen für die Kunst, doch niemals gelöst aus ihren
gesellschaftlichen Zusammenhängen. Hermann
Henselmann und andere stehen für die Kunst in einer
durch bestimmte politische Prämissen geprägten
Gesellschaft. Albert Speer und viele weitere sind
Stellvertreter des Doppelsymbolismus von Macht und
Herrschaft.

Die heutigen Baustellen sind geprägt vom gleichen
babylonischen Stimmengewirr wie seinerzeit beim
Turmbau zu Babel unter dem Herrscher Nimrod.
Selbst wenn sich die postmoderne Architektur der
Transparenz, der Nachhaltigkeit und der Funktionalität
verschrieben hat, teilt sie ein Wesensmerkmal mit der
Architektur vergangener Epochen: Wie der Turm zu
Babel ein Symbol der Hybris der Macht gewesen ist,
so sind die mittelalterlichen Kirchen Symbole dieser
Hybris, so sind die sich in den Himmel erhebenden
Wolkenkratzer der Banken, Versicherer und Konzerne
ebensolche Zeichen der gleichen Hybris.
Macht fragt nicht, sie nimmt. Sie nimmt öffentliche
Räume, sie privatisiert, sie gibt neue Funktionen
vor. Welchen Weg hat die Architektur heutzutage
eingeschlagen? Kunst oder Macht? Was ist etwa das
tiefere Wesen einer Shopping Mall – und weshalb?
Für wen baue ich was?

Martin Schirdewan

Thursday, March 13, 2008 

Die neue Ausgabe von Sacco und Vanzetti erscheint am 14.03.2008 an deiner Uni in Ostdeutschland oder in »Neues Deutschland«.

Die Themen der Ausgabe sind u.a.:

- Grüße aus Hütte
Einmal im Jahr kommt Paul van Dyk nach Eisenhüttenstadt.
Dann herrscht Leben auf Plätzen und Straßen,
zwischen stalinistischen Pracht-, bunten Plattenbauten
und gerodeten Rückbaugebieten.

- Öffentliche Räume ganz privat
Ab zum Schoppen am Potsdamer Platz! Wo 300 Meter
weiter Verslummungstendenzen beobachtbar sind,
lässt sich gut flanieren, mit allen Sinnen genießen und
natürlich: Einkaufen. Aber wehe, wenn da Eigeninitiative
– also produktiver Ungehorsam – aufkeimt. Musizieren,
demonstrieren und das Betreten von Grünflächen:
Streng verboten!

- Eine neue linke Kraft
Totgesagte leben länger. Joschka Fischer hat Hassmaske,
Motorradhelm und selbst die Turnschuhe längst
abgestreift – dafür gibt es in diesen Tagen Jungs und
Mädchen vom Studierendenverband DIE LINKE.SDS, die
kräftig an der Reanimation der 68er werkeln – und sich
in Sacco und Vanzetti vorstellen.

- Resident Evil an der Spree
Bye bye, Lampenladen! Die Sieger der Geschichte stehen
fest. Und damit niemand ihren Sieg vergisst, wollen
sie ihn architektonisch festhalten – auf dem Berliner
Schlossplatz. Das Haus des Volkes weicht einem Kulturbau
in feudalem Gewand.

- Fußball vs. Countrymusik
Countrymusik hat mit Fußball soviel zu tun wie Tom
Astor mit Michael Ballack. Es bleibt Gerd Dembowski
überlassen, beides (also Musik und Sportart) in einem
Buch zusammenbringen.

- Platte vs. Altbau
Die Redakteure von Sacco und Vanzetti haben nicht die
geringste Ahnung vom alltäglichen Leben in der Platte.
Es gehörte also zum guten Ton, diesmal einen Plattenbaubewohner
zu Wort kommen zu lassen, wenn es um die alles entscheidende
Frage Platte oder Altbau? geht. Gespräch mit einer russischen
Ärztin und den Reportern ohne Grenzen.

Wednesday, February 13, 2008 
Wer redet denn heute noch über Jugendkriminalität?

Niemand. Die U-Bahn-Prügler sind im Wahlkampf
Opfer des hessischen Krawallmachers geworden,
nützliche Idioten, die 0,1 Prozent der schweigenden
Mehrheit angemessen aufgewühlt, empört, angemacht
und ihn möglicherweise ein weiteres Mal ins
Ministerpräsidentenamt gehievt haben.

Der Türke hat seine Schuldigkeit getan (der Grieche
übrigens auch), der Türke kann gehen. Von den
wohlfeilen Beteuerungen, Abhilfe schaffen zu wollen,
wenn junge Leute zuschlagen, vorzubeugen, verstehen
und nachvollziehen zu wollen, ist ein waberndes
Angstgefühl geblieben, wenn es dunkel wird in Berlin
Neukölln. Mission erfüllt. Darauf kann man bauen.

Die Perversion ist offensichtlich, denn die wahren
Gewalttäter machen das pensionierte Opfer und die
immigrierten Täter gleichsam zu Spielfiguren im
Politmonopoly. Eiskalt in der Parteinahme für die eine
Seite und ebenso eiskalt im Links-liegen-Lassen beider
Seiten nach erfolgtem Hochkochen.

Mit Verlaub, aber die rassistischen Pauschalurteile
an die Adressen junger Migranten haben zumindest
ein wenig Sorgsamkeit in der Analyse migrantischer
Lebensumstände mit sich gebracht – sozusagen als
Abfallprodukt eines öffentlichen Diskurses.

Wenn jetzt die öffentliche Aufmerksamkeit schwindet,
ist das das eigentliche Problem, das umso schwerer
schwiegt, weil Bild und Koch ein rassistisches
Süppchen gekocht haben, das nachschmeckt. Unnötig
zu erwähnen, dass migrantischen Jugendlichen die
Fäuste gebunden sind, wenn es darum geht, die eigenen
Lebenslagen massenwirksam zu erklären.

Um sich hervorzutun, bleibt da nur vaterländisches
Engagement – beispielsweise am Hindukusch, wo
Gewalt, ob nun gegen Pensionäre oder Menschen
jüngeren Alters, per Bundestagsbeschluss gedeckt und
damit völlig ok ist.

Empfohlen sei auch die Lektüre unserer aktuellen
Ausgabe. In Russland (Bald sind Präsidentenwahlen,
deshalb das Thema!) machen junge Menschen vor,
wie Gewalt politisch korrekt sein und zugleich auf
Wohlwollen der Herrschenden stoßen kann. Das könnte
dann auch Roland Kochs Interesse wecken.

Thomas Feske
Wednesday, February 13, 2008 

Die neue Ausgabe von Sacco und Vanzetti erscheint am 15.02.2008 an deiner Uni in Ostdeutschland oder in »Neues Deutschland«.

Die Themen der Ausgabe sind u.a.:

- CCCP - Kirgistan
Lenin hat den Ala-Too Platz verlassen. Eine neue
Freiheitsstatue herrscht jetzt über den größten Platz der
kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Es hat sich einiges
geändert in der ehemaligen Kirgisischen SSR.

- Jugend in Putins Russland
Die Russen kommen! Und zwar nach Deutschland – mit
unterschiedlichsten Erwartungen und Erfahrungen. Was
sie hier wollen, haben sie uns erzählt.

- Flüster mir ins Teig-Ohr
Pelmeni at its best. Ein kulinarischer Feldzug durch
die Berliner Imbisslandschaft. Dort, wo deutsche
Leckermäuler die russische Gastronomie okkupieren,
haben unsere Autoren den Selbstversuch gewagt und
sich Lenins Lieblingsgericht gewidmet.

- Ein Lehrstück in Zensur

Der Beschränkung grundlegender Bürgerrechte
sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Das wissen
Dokumentarfilmer in Russland genauso wie couragierte
Artikelschreiber in Deutschland.

- It`s time for an attitude

Frauen haben seit jeher eine Affinität zu Goldkettchen.
Manch eine macht ihre Leidenschaft zum Beruf –
Emanzipation im Hiphop, word!

- Nicht einfach nur ein Job
Der sterbende Schwan quicklebendig – in Sacco und
Vanzetti spricht eine russische Ballerina über ihre Arbeit
in Deutschland und natürlich über Vladimir Malakhov.

Wednesday, January 09, 2008 

Die neue Ausgabe von Sacco & Vanzetti erscheint am 11.01.2008 exklusiv in »Neues Deutschland«.

Die Themen der Ausgabe sind u.a.:

- Grüße aus der Provinz
Spießigkeit kann man auf der Landkarte finden:
Beste Grüße aus Syke! Der alltäglichen Langeweile
begegnen die jungen Einwohner des Städtchens mit
der Rockwurst und Hochprozentigem.

- Einer geht noch...
Es wird gepimpt, was das Zeug hält: Schrottkarren,
Drahtesel und Inneinrichtungen von vorgestern. Wir pimpen
uns selbst – mit allerlei Hilfsmitteln an allerlei Körperstellen.
Drogen als unser alltäglicher Begleiter.

- Essen als Droge
Es ekelt die Redaktion von S&V an, mit welcher
vorgeschobenen Fürsorglichkeit die schicke
Gesellschaft Fettsüchtigen entgegenkommt, all die
behutsam mitleidigen Verweise auf Gesundheitsrisiken,
wo sich die meisten ästhetisch irritiert fühlen. Wir lassen
die Süchtigen sprechen.

- Gejammer und Gestöhne
Im Gespräch mit einer Telefonsexanbieterin: Unsere Phonebitch
stöhnt am Apparat viersprachig. Was die Männer von ihr wollen,
geht über bloßen Sex hinaus. Sie wollen ein offenes Ohr, ein gutes
Gespräch. Einige wollen es täglich. Sie treibt die Sucht nach
Zuneigung an die Sprechmuschel.

- »Rauchen ist Teil meines Lebens.«
Nein, die beiden S&V-Redakteure rauchen nicht. Wir
sind dennoch gern bereit, in unserem Magazin zum
Thema Rauchverbot auch einen Raucher zu Wort
kommen zu lassen – mit all seine
Gesundheitsgefährdenden Positionen.

 

 

Thursday, December 13, 2007 

Hugo Chávez und Wladimir Putin haben lediglich eines
gemeinsam: Sie geben dem Westen mal wieder die
Möglichkeit, den Zeigefinger zu heben. Sie sind die
Projektionsfläche für die weggeklemmten Selbstzweifel
der Bilderbuchdemokraten östlich und westlich des
Atlantiks, die schon lange vor Guantanamo, Blackwater
auf der einen Seite und Kosovo, Afghanistan auf beiden
Seiten ihre Unschuld verloren haben.

Der Alleinherrscher Chávez will eine Gesellschaft nach
seinem Bilde und verliert die Unterstützung dafür. Dass
er das eingesteht, gesteht man ihm bei uns nicht zu.
Warum auch? Hierzulande geht man mit Wahlschlappen
anders um – siehe EU-Verfassungsvertrag.
Und Putin? Der neue Antidemokrat an der Moskwa
war nur einer von Acht, die sich im Sommer hinter
Stacheldraht vor dem Souverän verschanzten, und
bekommt jetzt von denen Breitseite, die im Mai 2007
harmlose Norddeutsche zur Geruchsprobe zwangen,
gigantische Zäune in die Natur klatschten und
Mecklenburg-Vorpommern mit Kameras spickten.
Die Weihnachtszeit ist die Zeit der internationalen
Gutmenschen, die Zeit, in der schwülstige Festtagsreden
den Weihnachtszuschlag für Hart-IV-Empfänger ersetzen
und wo wohlfeile Ratschläge an Antidemokraten in
Osteuropa, Südamerika und sonstwo den kritischen
Blick auf die eigenen Defizite verstellen. Schöne
Bescherung.

Denen, die in diesen Tagen nach Alternativen suchen,
zwei Vorschläge zur Güte:
Wenn der ehemalige Direktor des Internationalen
Währungsfonds zu Weihnachten wieder gegen
unmoralisch hohe Managergehälter köhlert oder Frau
Dr. Merkel am Silvesterabend droht, 2008 auch den
Letzten mit dem Aufschwung zu belästigen, dann:
Einfach mal den Ton abschalten und den Pappnasen die
eigenen Worte in den Mund legen – kann wirklich lustig
sein, gibt ein wohliges Gefühl medialer Allmacht und
bewahrt davor, die Ohren vollgeschleimt zu bekommen.
Zweiter Vorschlag: ein netter Nachmittag im Café – mit
Sacco und Vanzetti im Gepäck, falls der Boyfriend
mal wieder nichts zu erzählen hat. So lässt sich der
Dezember rumkriegen. Wir sehen uns dann im Januar
wieder.

Thomas Feske

Friday, December 07, 2007 

Die neue Ausgabe von Sacco & Vanzetti erscheint am 14.12.2007 exklusiv in »Neues Deutschland«.

Die Themen der Ausgabe sind u.a.:

- In Israel gibt es Opium für alle
Sexy Militär gibt es wohl nur im heiligen Land. Da
könnten sich unsere moosgrünen Männer und Frauen
ruhig eine Scheibe abschneiden. Was passiert, wenn
respektlos atheistische Touris durch Israel ziehen, ist in
unserer Reisereportage nachlesbar.

- Geldgeschenke fürs System
Habt Ihr's gewusst? Weihnachten beginnt schon im
August. Und wo früher im Dienste des rheinischen
Kapitalismus Weihnachtsstollen en masse vertilgt
wurden, ist der heutige Beschenkungszwang nur noch
System erhaltende Geste.

- Go for Veggies
In der Weihnachtszeit fristen Vegetarier zischen
Truthahn, Würstchen mit Kartoffelsalat und anderem
Schweinkram ein Schattendasein. Aber keine Sorge:
Wer sucht, der findet selbst in Berlin ein vegetarisches
Restaurant mit moderaten Preisen und selbst gemachtem
Joghurt.

- Der Weihnachtspunk geht um
Einen Organismus unterm Weihnachtsbaum – warum
nicht? Oder George W. Bush mit Schädeltrauma? Im
Wünschen seid kühn und munter!

- Wir sind keine Vorzeigeband
Die Prominenz gibt sich bei uns die Klinke in die Hand.
Der Hausmeister wird abgelöst durch den Altpunker und
mit Campino findet auch Helmut Kohl seinen Platz in
unserem Magazin.

 

Thursday, November 08, 2007 

Mit der heute, am 9. November 2007,
erscheinenden 13. Ausgabe beginnt das
zweite Jahr des öffentlichen Wirkens
von Sacco und Vanzetti. Die Ansprüche,
die wir hierbei an uns - die Redaktion
selbst und unsere vielen fl eißigen
Mitarbeiter - stellen, sind dabei
permanent gewachsen.

Die Erfolgsgeschichte von Sacco und Vanzetti geht in ein
neues Jahr und nimmt sich mit der aktuellen Ausgabe die
Zeit, besinnlich zurückzuschauen. Nicht auf uns selbst,
sondern auf Germany`s 9/11.

Der 9. November ist wohl der Tag der deutschen
Geschichte, der sich selbst kaum ertragen kann, so
bedeutungsschwanger und historisch aufgeladen
ist er. Oder besser: Wurde er aufgeladen von den
Patrioten und dem Scheitern ihrer Revolution 1848,
von den Revolutionären des November 1918 und
der doppelt ausgerufenen und so ganz verschieden
gemeinten Republik von Philipp Scheidemann und Karl
Liebknecht, von Adolf Hitler und Ludendorff und ihrem
Putschversuch 1923, von den die jüdische Kultur und
den jüdischen Glauben in Deutschland zerschlagenden
Nazibanden 1938. »Hilfe« möchte man schreien und
sich die Decke über den Kopf ziehen. Die Deutschen
scheitern an sich oder an ihren falschen Propheten.
Wäre da nicht der 9. November 1989. Der wird schließlich als
Erfolg verkauft. Und als geglückte Revolution. Wäre
doch auch zu ärgerlich, immer am gleichen Tag des
Jahres mit seinen politischen Umsturzversuchen in der
Geschichtslosigkeit zu versinken.

Womit ich wieder direkt bei Sacco und Vanzetti bin.
Irgendwann einmal sagt man vielleicht – nach Ansicht
der Redaktion sogar ganz bestimmt – der 9. November
2007, das war der Beginn des zweiten Lebensjahres von
Sacco und Vanzetti. Ein wirklich geschichtsträchtiger
Tag!

Martin Schirdewan

P.S. Ein bisschen stolz auf das bisher Erreichte sind wir
natürlich. Auch wenn uns angesichts der Arbeit an der
aktuellen Ausgabe fast der einjährige Geburtstag unseres
Magazins entfallen wäre.

 

Thursday, October 11, 2007 
Ich weiß nicht warum, aber ich mache mir in letzter
Zeit des öfteren Gedanken über das Altern. Ich frage
mich: Wem glotze ich in 30 Jahren hinterher? Bleibe
ich an jungen Dingern kleben und zehre ich vom Nimbus
des reifen, erfahrenen Mannes? Werde ich ein geiler alter
Bock? Oder verstehe ich, was mir jetzt noch verschlossen
bleibt? Es ist die Angst vor dem Altern, die mich umtreibt.

Und die geht mir gehörig auf den Sack. Ich habe sie mir
nicht ausgesucht – man hat mir gesagt, die Zeit sei reif
für solche Gedanken, sie sei es immer. Was das Altern
betrifft – habe ich letztens gelesen – befinde sich unsere
jugendwahnsinnige Gesellschaft letztlich auf einem
Laufband. Wir trimmen uns, laufen um unser Leben,
nur um bitte, bitte nicht voranzukommen.

Da wo wir – normal gelaufen – hinkommen würden,
soll es nicht schön sein. Erzähl das mal einem, der
bereits dort ist. Kurt Julius Goldstein, Überlebender
von Auschwitz und des Todesmarsches von Buchenwald,
ist gestorben – mit 93 Jahren. Die meisten schätzen in
ihren Nachrufen an ihm, dass er trotz seines hohen Alters
an Schulen und Unis gegangen ist, um zu erzählen. Das
ist natürlich Unsinn.

Kurt Goldstein ist gerade wegen seines hohen Alters
durchs Land gereist, hat mit jungen Leuten
gesprochen, sich immer wieder erinnert. Das, was er
erlebt habe, reiche für drei Leben, soll er manchmal
gesagt haben. Wenn man ihn hörte, wünschte man
sich, man hätte ihm einiges davon ersparen können.
Die Alten leben in ihren Erinnerungen. Heute ist
das nicht mehr schick. Dabei wäre das Heute nicht
das Heute ohne die Alten – auch nicht ohne ihre
Erinnerungen. Und dennoch halten wir für sie nur
Unverständnis und Mitleid bereit und uns befällt
die Angst, ihr Schicksal zu teilen.

Als Schüler vom ständigen Holocaust-Geschwafel ächzten
und unsere GaGa-Gegenwartsgesellschaft die eigene Vergangenheit
vergaß, als in den Unis die Deppen saßen – über einige
wird auf Seite 5 berichtet – hat sich Goldstein wieder
und wieder auf den Weg gemacht, um das Jetzt zu
komplettieren. Eigentlich nicht schlecht für einen alten
Mann. Dafür gebührt ihm Respekt. Das sollte in unseren
Nachrufen stehen.

Thomas Feske