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Iris Schwarz

Iris Schwarz


Last Updated: 12/10/2009

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Monday, June 15, 2009 
Man soll ja wohl angeblich über seinen eigenen Erfahrungshorizot schreiben :s mach ich das halt mal. Blöd nur, wenn der eigene Erfahrungshorizont ein einziger Insider is, den keiner versteht. Also blöd für die, dies nicht verstehen, mein ich jetzt, weil für mich isses trotzdem witzig :D

Von Lehrern und anderen Witzfiguren
 
Folge 1 – Mathelehrer, oder eine der großen Gefahren unserer Zeit
 
[krasser Spruch meines Vaters betreffs der grundsätzlichen Bösartigkeit von Mathelehrern, Hunden und den USA]

Wir sitzen am Küchentisch und essen zu abend. Bzw. alle außer Papa sitzen, Papa steht nämlich. Wild gestikulierend referiert er über die Verbrechen des Matheunterrichts an den Schulen, die Gefährlichkeit der Didaktik und die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen. Er redet oft über diese Themen. Diesmal sind wir dazu gekommen, weil Papa bis vor kurzem, also bis vor 90 minuten etwa lustige Anekdoten aus seinem Leben erzählt hat und wir alle herzlich seine dummen Studenten ausgelacht haben. Mit dem Themenwechsel haben wir zumindest eines jetzt zu aller Zufriedenheit erreicht: die Stimmung ist im Arsch.

Eine kurze Atempause meines Vaters nutze ich geschickt aus, um das Thema zu beenden. „Aber… Mathematik ist doch eine exakte Wissenschaft, bei der man nicht um die Ecke denken muss. Das ist doch das tolle daran.“ Alle lachen. Bei uns ist das seit Monaten der running gag, der Witz der Witze, der Stimmungsretter schlechthin. Wer bei uns zu Gast ist, kann das seltsame Schauspiel beobachten, meist aber nicht begreifen. Sobald dieser Spruch von irgendwem gebracht wird, brechen alle in Gelächter aus und lassen das Thema Mathematik erst mal für ein Weilchen ruhen. Um das zu verstehen muss man eigentlich nur wissen, dass der Spruch von der Mathelehrerin meines Bruders kam, dass Mathematik die Wissenschaft schlechthin ist, bei der man um die Ecke denken muss und dass wir alle ziemliche freaks und ein wenig komisch sind.
Kurz darauf schneide ich doch noch mal das Thema Mathe an. „Mama, Papa? Könnt ihr mir ein bisschen helfen? Ich muss für Mathe einen Vortrag über Flächeninhaltsberechnung beliebiger Körper im n-dimensionalen Raum mit hilfe von Doppelintegralen halten.“ Spätestens jetzt habe ich die volle Aufmerksamkeit der gesamten Familie. Meine Mutter schaut mich an, denkt kurz nach und fragt dann „sicher?“. „Ja, das hat sie gesagt. Ich habe vorgeschlagen was über Rotationskörper zu machen, und sie meinte das wäre ihr viel viel zu trivial für einen Ergänzungsvortrag. Dann hab ich vorgeschlagen dass ich auch die Oberflächenberechnung mitnehme, das war ihr immer noch zu trivial“. Die Kinnladen meiner Familienmitglieder senken sich zum Tisch. In allen Gesichtern steht die selbe Frage: eine Mathelehrerin sagt, dass irgendetwas zu trivial für die Schule ist? Wtf? Krass… die is ja sympathisch. „und dann hat sie halt kurz nachgedacht, und meinte >oder meinst du, du machst was über Doppelintegrale, das ginge natürlich eigentlich schon< und ich halt >äh, ja, ok<“. Fassungslosigkeit starrt mir ins Gesicht. „Das hat sie echt gesagt?“ fragt mein Vater ungläubig. „ja, hat sie. Das schien ihr aber eigentlich auch noch zu trivial.“ „Das kann nicht sein“ sagt meine Mutter, räumt den Tisch ab und geht Computer spielen. „Und… das hat sie echt gesagt??“ fragt mein Vater. „ja“ Sein Gesicht fängt an zu strahlen und zu leuchten. „na gut, dann machen wir das. Wie viel Zeit hast du? Du brauchst wirklich die 90 minuten, musst zügig durchreden und hast keine Zeit für Beispiele“ Vollkommen in seinem Element fängt er an mir und meiner Schwester, die gerade Mathe studiert das Thema zu erklären.
8 Stunden Mathematik später von denen ich nur verstanden habe, dass es für den Schulunterricht vermutlich nicht zu trivial sein wird, weiß ich wieder was an Mathe so geil ist. Tolles Thema. Tolle Lehrerin. Nur verstehen wird das von meinen Klassenkameraden wohl keiner. Als ich Papa darauf anspreche meint er nur „natürlich nicht. Keine Chance, aber darum geht es ja auch nicht.“
Eine Woche bevor ich den Vortrag halten muss, höre ich, wie meine Mathelehrerin zwei Schülern, die die nächste Woche auf skifahrt verbringen werden zeigt, was sie für die Klausur in zwei Wochen nachholen müssen. Unter anderem die Volumenberechnung von Rotationskörpern, die in einem Vortrag drankommen werden. Erst verbinde ich das nicht mit mir, schließlich mach ich ja gar nix über die Volumenberechnung, die ist doch viel zu trivial und aus Zeitgründen komplett rausgestrichen worden. Aber ich frag doch lieber noch mal nach. „ähm… ich hab mich jetzt eigentlich auf die Oberflächenberechnung beliebiger Körper konzentriert und den Rotationskörper nur als einen Ausgangspunkt verwendet.“ Die Kinnlade meiner Mathelehrerin fliegt runter und sie schaut mich entsetzt an. Ihr Blick sagt mir: du bist doch das dumme Mädchen, das nix kann und keine Ahnung von und keine Begabung für Mathematik hat, oder? Was laberst du da?
„Das ist doch gar nicht dein Thema“ bricht es lauter als es mir lieb wäre aus ihr heraus. „nicht?“ „nein, schau mal, hier steht bei mir rotationskörper, also die Volumenberechnung davon, und nicht die Oberflächenberechnung beliebiger Körper.“ „ Aber ich dachte, das ist zu trivial. Ich sollte doch über Doppelintegrale halten“ versuche ich mich zu verteidigen, aber ich hab das Gefühl, sie ist ein wenig schizophren, scheint sich jedenfalls nicht mehr an das zu erinnern, was sie vor ein paar Wochen noch gesagt hat. „Das ist hier ein Schülervortrag“ schreit sie mich an „keine Vorlesung für das 3./4. Semester der Uni.“ „Na ja, ich dachte es soll ein Ergänzungsvortrag sein“ „Ja, aber die Ergänzung ist dann halt die Rotation um die Y-Achse, das reicht doch“.
Aha… krasse Ergänzung. Muss ich sagen. Krasser Leistungskursvortrag. Überhaupt nicht trivial oder so. Nicht mal im Mindesten. 
Saturday, April 25, 2009 
Ja, ich trete wirklich wieder auf. Zumindest wenn es mit so coolen Leuten zusammen ist.


Und zwar zum Beispiel morgen mit dem wunderbaren Liedermacher Jan Koch, der Life einfach so unglaublich gut ist, dass einem dazu nichts einfällt. Kommt einfach vorbei, dann werdet ihr sehen, dass ich nicht zu viel verspreche ;) 


Wir haben noch nicht ganz ausgeknobelt, wer wie viel des Abends gestalten wird, aber ich bin noch am feilschen. Jan meint, dass es mein solo-auftritt ist und ich 3/5 machen muss, ich hab vorgschlagen, dass er einfach ganz alleine macht, was er aber nicht so gut fand 


Ich schreib jetzt heute und morgen noch fleißig, damit ich auch wirklich neue Texte lesen kann, gibt also auch für alle verrückten, die mich mal wieder sehen wollen was neues ;) auf jeden Fall wirds nen feiner abend in gemütlicher Runde. Kommt alle vorbei, ich brauche viel viel Trost, jetzt nur wenige Tage nach meinem 16. Geburtstag 



Noch mal zum mitschreiben:


Jan Koch & Iris Schwarz

sonntag, 26.4.2009, 20 Uhr

Studio 10

Florastraße 10, Berlin Pankow

Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4





Wer morgen keine Zeit hat, oder noch nicht sicher ist, ob Jan 7 Euro wert ist, kommt heute zum dicht it slam vorbei, da ist der eintritt nur 3 Euro und Jan ist Musik-feature. Ich werde auch da sein, um Jan zu sehen, aber auch einen Text vorlesen.





Und wer dieses Wochenende keine Zeit hat, kommt einfach am 3.5. nach Tiergarten in die Pumpe, wo die jüngste Lesebühne der Welt auch was macht (ohne Jan :() wird aber auch ne super duper tolle sache (alle sagen immer wir hättens voll drauf ;D). Da gibts dann auch freigetränke (alkoholfrei wegen Jugendschutz) und was zu knabbern nebst freiem eintritt zu einer schönen Veranstaltung. Beginnen tut das ganze schon bisschen früher um 18 Uhr, aber dafür isses auch schneller wieder vorbei.


U2.0-Wir sind jünger als wir aussehen

3.5.2009 um 18 Uhr

Jugendkulturzentrum Pumpe

Lützwostraße 42, Berlin Tiergarten

Eintritt frei

Friday, August 29, 2008 

Current mood:  stressed

Alt und Dumm

 

Hochbegabt sein ist momentan voll in. Normalerweise gehe ich nicht so gerne mit der Mode, aber man kann ja immer mal eine Ausnahme machen. Heute, wo alle von Begabtenförderung sprechen, Spezial-Sonder-Elite Schulen nur so aus dem Boden sprießen, und jeder ein individuelles Genie ist, weiß auch jeder seinen IQ. Woher? Aus dem Internet natürlich. Da gibt es tausend verschiedene kostenlose IQ-Tests, bei denen auch immer sehr verschiedene Ergebnisse herauskommen. Jeder macht so viele er finden kann, und das beste Ergebnis betrachtet er dann als seinen IQ. Dadurch ist Deutschland ein Land der Super-Genies geworden. Man trifft kaum einen, der einen IQ unter 120 zu haben meint, und weil ich auch ganz gerne dazu gehören will mach ich jetzt endlich so einen tollen Online-test. Ich hab zwar in der Grundschule schon mal einen richtigen gemacht, aber vielleicht bin ich ja schlauer geworden über die Jahre.

Ich gebe bei Google „IQ Test gratis" ein, beschließe bei Gelegenheit mal ein Google-Gedicht zu dem Thema zu machen, und entschließe mich für die erste Seite, die ich finde, den „großen WELT-IQ-Test". „Mit dem folgenden IQ-Test können Sie Ihren Intelligenzquotient annähernd genau ermitteln. Der Test besteht aus 80 Aufgaben und dauert etwa 45 Minuten." Ach quatsch, Otto-Normalverlierer brauchen 45 Minuten, ich schaff das in 20. Das sind dann, äh, 15 Sekunden pro Aufgabe. Na geht doch, Kopfrechnen kann ich doch schon mal super. Jo, müsste reichen. „Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind und in Ruhe arbeiten können." Ich schaue mich um. Ich liege auf dem Bett, der Fernseher dudelt, ein knapp zweijähriges Mädchen rennt schreiend durchs Zimmer, und ich werde von allen Seiten angequatscht. Müsste ruhig genug sein eigentlich. „Damit Sie die Zeit bei den einzelnen Tests abstoppen können, brauchen Sie eine Uhr" Uhr habe ich, Stoppuhr nicht, aber so ungefähr funktioniert das. Also los geht's.

Die erste Aufgabe ist popelleicht. Man hat 2 Minuten Zeit, um bei sechs Wortreihen immer das rauszufinden, das nicht passt. Dass entrüsten genau das selbe ist, wie auflehnen und widersetzen, leuchtet mir zwar nicht hundertprozentig ein, aber die Herren werden sich schon was dabei gedacht haben. Die anderen Fragen sind dann doof. Man muss vermixte Wörter erkennen, Würfel zusammenbauen, räumliche oder 2dimensionale Figuren im Kopf hin und herschieben, drehen und spiegeln, sich Bilder mit Zahlen dran merken und ähnlich nette Übungen. Im Prinzip sind fast alle Aufgaben gleich, sie testen das bildliche und räumliche Vorstellungsvermögen. Ich habe kein Bildliches Vorstellungsvermögen, und ein räumliches schon gar nicht. Das weiß ich aber selber, das braucht mir kein blöder Computer zu sagen. Ich kann mir keine Bilder vorstellen, und bevor jemand fragt: ja, ich kann mir nicht mal vorstellen, wie meine Mama aussieht, oder die grünen Schimmelkulturen in meinem Zimmer. Gar nix. Noch nie. Traurig... Ich überspringe alle Aufgaben dieser Art.

Dann kommen noch 6 Kopfrechenaufgaben, für die man insgesamt 1,5 Minuten Zeit hat, also pro Aufgabe 15 Sekunden. Was ist 648:8+6x9? 21/6+22/4? 3/7x28+4/5x45? x/3,5=6/0,07? Ich stelle fest, dass 90 Sekunden verdammt schnell vorbei sind, und überspringe die Kopfrechenaufgaben. Danach kommen sogenannte „Textaufgaben", die aber einfach wieder die selben Kopfrechenaufgaben sind, nur dass man zusätzlich Zeit durchs lesen verliert. Dafür hat man jetzt auch 20 Sekunden pro Aufgabe. „Anke kommt mit ihrem Urlaubsgeld 12 Tage aus, wenn sie jeden Tag 20 Euro ausgibt. Wie viel kann sie pro Tag ausgeben, wenn das Geld für 16 Tage reichen soll?" 20 Sekunden, um sich das durchzulesen, nachzudenken, auszurechnen, und die Antwort einzutippen…  „Nach einer Gehaltserhöhung von 5% verdient ein Angestellter 2.520 Euro. Wie viel Euro entspricht diese Gehaltserhöhung?" Ich brauche zwei Minuten für eine Aufgabe, und 30 Sekunden lang streikt mein Internet, somit ist die Zeit für alle sechse um. Es folgt ein bisschen Physik, Mechanik, Optik, und alles Mögliche andere, wo ich keine Fehler mache.

Am ende sagt mir der Computer meinen IQ. Der Computer sagt 89… meine Fresse bin ich blöd. 100 ist der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung, 80 ist schon lernbehindert. Wusste gar nicht, dass ich so dumm bin. Vielleicht sollte ich doch nicht die 11. Klasse überspringen, ach quatsch, ich brech die Schule ab und mach ne Lehre zur Supermarktverkäuferin, hat ja eh keinen Sinn.

Hochbegabt sein ist grade voll in… ich will auch dazu gehören, aber ich bin blöd. Ich kann nix, und ich werde nie was können, weil ich einfach dumm bin. Dumm und alt.

Sunday, February 24, 2008 

Current mood:  irritated

Hallo, allebeisammen, die ihr das hier lest. Anfang März muss ich leider nach Köln, weil ich mich in einem unachtsamen Moment dazu verpflichtet habe, beim WDR Poetry Slam teilzunehmen. Vieles ist seltsam bei diesem Slam, so auch das Zeitlimit von drei Minuten. Ich habe versucht einen meiner Texte auf diese Länge zu kürzen, und wäre dankbar, wenn irgendwer seine Meinung zum Ergebnis kundgeben könnte.

 

Meine (hoffentlich) etwas verfrühte Midlifecrisis

Bald werde ich 15! Mein Gott, was bin ich alt geworden. 15 Jahre! 15 Jahre meines Lebens sind bald hinter mir. Am Ende ist es sehr schnell gegangen. Gerade war ich noch 13 und jetzt stehe ich kurz vor meinem 15. Geburtstag, kurz vor dem Ende meines Lebens als Kind. Und wenn ich mich jetzt, wo mein Leben langsam aber sicher zu Ende geht umschaue, ist da keiner, der mich in meinen späten  Jahren umsorgt, mir Freude beschert, und meinen letzten Jahren noch einen Sinn gibt. Nicht ein Enkelkind  spielt zu meinen alten Füßen am Boden, oder geht mit mir spazieren und stützt mich, wenn die Kraft in meinen Beinen mich verlässt. Nicht einen Enkel haben meine Kinder mir geschenkt, den ich mit Süßigkeiten füttern kann, obwohl ich weiß, dass er davon Karies bekommt. Na gut, ich hab auch noch kein Kind in die Welt gesetzt, das mir irgendwelche Enkel hätte schenken können, aber das ist doch noch lange kein Grund.

Ich will nicht 15 werden... Und wenn ich schon 15 werden muss, dann will ich wenigstens nicht wie 15 aussehen. Ich will aussehen wie 14, oder noch besser: wie 12, mit so niedlichen kleinen Zöpfen, und roten Bäckchen. Auf keinen Fall will ich älter wirken, als ich bin. Keiner würde eine ältere Frau fragen: „Was, Sie sind wirklich erst 65? Ich hätt sie ja eher so auf 80 geschätzt." Wieso kommen sie dann alle zu mir und demütigen mich mit dieser Frage? Wenn ich wahrheitsgemäß antworte, will mir keiner glauben, aber wenn ich dann irgendwann sage: „ Nein, natürlich bin ich nicht 14, ich bin 32, oder sehe ich etwa aus wie 14?" dann sagen sie „echt? 32? Wow, dafür haste dich echt erstaunlich gut gehalten, wie machst du das bloß?"

Ich will nicht 15 werden… Ich will noch ein bisschen 14 bleiben, noch ein klein bisschen Kindheit übrigbehalten. Ich will einmal noch einen Slam gewinnen, nur weil ich jünger bin als alle anderen. Ich will einmal noch von einem Probeaboverteiler ignoriert werden, einmal noch, wenn ich in der Kneipe ein Bier bestelle gefragt werden: „Sach ma Kleene, biste überhaupt schon 16?" und dann trotzdem mein Bier bekommen, weil ich so treuherzig gucken kann und sage, es ist für meine Mutter, die da hinten sitzt, und die man nur leider jetzt grade nicht sehen kann.

Ich will nicht 15 werden… aber ich schöpfe Trost daraus, dass es Menschen gibt, die tatsächlich noch älter sind als ich. Und wenn ich mit ende 20 sterbe, dann kann wenigstens keiner bei meiner Beerdigung sagen, ich hätte ein langes und erfülltes Leben geführt, weshalb mein Tod jetzt auch nicht so schlimm ist. Nein, wenn ich mit ende 20 sterbe, dann werden alle sagen, dass ich viel zu früh aus diesem Leben geschieden bin, und dann werde ich für immer jung bleiben, egal wie sehr ich unter der Erde verrotte und verschimmle.

 

Sunday, January 27, 2008 

Current mood:  validated

und noch ein ganz neuer Text

 

Iiih, oder mein Zimmer

„Iiih" kreischt meine kleine Schwester und schlägt die Tür zu meinem Zimmer zu. „Warum machst du denn die Tür auf, wenns so eklig ist?" frage ich sie. „Ich kann ja nicht ahnen, dass es in deinem Zimmer so stinkt." Erwidert sie frech. „Ach, und vor 2 Minuten hats noch nicht gestunken?" „Na ja, schon, aber hätt ja sein können, dass des inzwischen verflogen ist. Wieso lüftest du dein Zimmer nicht mal?" fragt sie mit diesem fiesen Kleinkindbesserwisser Grinsen auf dem Gesicht. „Weil es draußen fünf Grad unter null ist, und ich nicht die Umwelt heizen will. Ich mag unsere Nachbarn nicht, das sind die letzten, die von meinem stinkenden Zimmer profitieren sollen, indem sie selbst weniger heizen müssen." Kläre ich sie auf „außerdem, was glaubst du, warum es so kalt hier drin ist?" Sie hat schon wieder die Klinke in der Hand, öffnet kurz ruckartig die Tür zu meinem Zimmer, schreit „Iiih" und schlägt sie wieder zu. „Was willst du überhaupt in meinem Zimmer?" erinnere ich daran, dass schließlich sie es ist, die in meine Privatsphäre eingedrungen ist. „Interessiert mich halt, wie du so wohnst." Sagt sie und grinst frech, „was machst du eigentlich da drin, dass es so stinkt? Wusste gar nicht, dass du schon altersinkontinent bist." Sie freut sich. Sie weiß genau, in welche Wunde sie Salz streuen muss, damit es richtig weh tut. „Stimmt ja gar nicht," Rufe ich entrüstet, „du lügst doch. Und wenn, wäre es juvenil bedingte Inkontinenz. Ganz so alt bin ich dann doch noch nicht. Ein paar Jahre mach ichs schon noch, wirst ja sehen." „Wenn du meinst, also für mich riecht das nach Altersinkontinenz", sagt sie, öffnet die Tür zu meinem Zimmer und lässt einen Hauch des Odeurs entweichen. Schnell schreit sie „Iiih", knallt die Tür zu und feixt frech. Na warte! Aber ich weiß auch, wo ihre schwachen Punkte sind. „Müsstest du nicht allmählich zurück in den Kindergarten, Kleiner?" Sage ich betont auf dem r von Kleiner. Bingo! Das freche Grinsen ist wie weggewischt. „Wenigstens stinkts in meinem Zimmer nicht nach toten Ratten." Sagt sie beleidigt, öffnet die Tür meines Zimmers einen Spalt breit, schreit mir im weglaufen noch ein letztes schnelles „Iiih" hinterher und verschwindet in ihrem Zimmer, das bis auf ein bisschen Heuschreckenausscheidung völlig geruchsneutral ist.

Ich öffne die Tür zu meinem Zimmer ganz. Weiß gar nicht, was die hat. So schlimm ist es überhaupt nicht. Also wirklich, diese Jugend von heute, völlig verweichlicht. Ich war in dem Alter noch ganz anderes gewohnt. Aber ein klein wenig streng riechen tut es schon, ein bisschen aufräumen könnt eigentlich nicht schaden. Meine dreckige Kleidung könnt ich mal in Wäschekiste und Endablage sortieren, je nach Verwesungsgrad. Als nächstes wären dann meine vergammelten Rumkugeln dran, die riechen schon ziemlich krass, wie ich nach etwas näherer  Untersuchung schnell merke. Bei einem alten Brötchen zaudere ich lange. An der Pilzkultur habe ich über ein halbes Jahr gearbeitet. Dazu kommt, dass nicht nur die langweiligen grünen und weißen Pilze gediehen sind, sondern auch ein wunderschöner blauer, auf den ich sehr stolz bin. Ich beschließe es noch ein paar Wochen liegen zu lassen. Das muss jetzt aber auch reichen! Ratzi kann ich morgen noch begraben, mich stört sie nicht weiter, ebenso wenig wie das bisschen Urin, das sie mir hinterlassen hat. Von wegen Altersinkontinenz, so'n Schwachsinn. Höchstens juvenile.

 

Sunday, January 27, 2008 

noch ein etas älterer Text:

 

Wie ich mal Jubiläum gefeiert habe

 

Es war kurz nach 20 Uhr an einem Mittwochabend. Ich stand vor den, zumindest für mich noch verschlossenen Türen des Muddclub. In etwas unter 1  Stunde würde hier die Lesebühne Surfpoeten beginnen, an deren offenem Mikrophon ich heute einen Text vorlesen wollte.

Eigentlich hätte ich aufgeregt sein sollen, schließlich war das so eine Art Jubiläumslesung heute. Genau hier hatte es alles angefangen, vor zwei Monaten, als ich mich für eine Tafel Schokolade das erste Mal auf die Bühne wagte. Eine edle, 300 Gramm schwere Nussschokolade, die war es wert gewesen sich einmal vor 80 Leuten zum Idioten zu machen. Doch damit hatte es nicht geendet, ich hatte die Anziehungskraft des Mikrophons gründlichst unterschätzt, und so war dieses Ereignis vor zwei Monaten lediglich der Startschuss gewesen für zusätzliche schlaflose Nächte und verhauene Klassenarbeiten, also für eine zerstörte Gesundheit, und einen versauten mittleren Schulabschluss.

Und so stand ich nun zum zweimonatigen Jubiläum meines ersten Bühnenauftrittes wieder hier. Ja, eigentlich hätte ich nervös sein können, war ich aber nicht. Was sollte denn auch groß passieren? Ich würde einfach selbstsicher auf die Bühne gehen und meinen tollen Text großartig vortragen, alle würden sie mich loben, und ich könnte glücklich und zufrieden nach Hause gehen. Mann war ich verblendet.

Ich meldete mich also entschlossen für das offene Mikrophon, und setzte mich hin. Alles war gut, ich würde großartig sein. Alle würden sie beeindruckt sein, dass eine 14 jährige schon so tolle Texte schreiben, und dermaßen perfekt, ja nahezu gottgleich vorlesen kann, jetzt konnte nichts mehr schief gehen.

Kurz bevor ich dran war kramte ich meinen Text heraus, um ihn noch einmal durch zu gehen. Nicht, dass es nötig gewesen wäre, ich hatte ihn ja auch zuvor schon einmal vorgelesen, und wusste, dass es toll klang, aber ich tat es trotzdem, nur um noch ein wenig zu tun zu haben. Beziehungsweise wollte ich ihn hervor kramen, er war nämlich nicht da. Und damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich ihn nicht sofort fand, er war schlicht und ergreifend nicht da, ich hatte ihn zu Hause liegen lassen. Na super, und vor allem schön, dass ich das jetzt schon merkte. Aber egal, dann las ich halt etwas Anderes vor, ich hatte ja noch mehr hervorragende Texte. So suchte ich noch ein wenig herum, um herauszufinden, welche Alternativen ich denn hätte. Vergeblich. Scheinbar hatte ich meine ganze Mappe zu Hause vergessen.

Just in dem Moment, in dem es langsam zu mir durchsickerte, dass ich keinen, aber auch wirklich gar keinen Text dabei hatte, den ich vorlesen konnte, und ich gerade aufstand, um einen der Surfpoeten anzusprechen, dass ich jetzt leider doch nicht am offenen Mikrophon lesen könnte, kam von der Bühne her die Ansage: „Und wir sind ja auch eine libertäre Veranstaltung, deshalb liest jetzt am offenen Mikrophon die Iris."

Ich schloss die Augen, na prima, das konnte ja mal spaßig werden. Aber egal, ich würde trotzdem das Haus rocken, schließlich konnte ich den Text doch auswendig, und so schwer konnte das ja auch gar nicht sein. Mein Anfangsapplaus brandete auf, und idiotisch lächelnd begab ich mich zur Bühne. Hilflos sagte ich ein paar Worte ins Mikrophon, von wegen Text vergessen, aber kein Problem, wobei mir dann auch die Überschrift, ohne die der Text seine letzte kleine Pointe verlor, keiner Erwähnung wert schien. Stattdessen slammte ich gleich los, wobei losstammeln es vielleicht präziser beschrieben hätte.

„Ja, also, äh, wenn man eine Frau ist, also ich meine, so als Frau, da hat mans echt nich so leicht, … äh, so, auf Poetry Slams, da hat mans nicht leicht auf Poetry Slams, wenn man so, eine Frau, ne?"

Ein großes Fragezeichen stand in den Gesichtern des bis zu diesem Zeitpunkt noch recht interessiert wirkenden  Publikums: Was soll das? Wieso tut sie sich das an? Wieso tut sie uns das an? Kann die nicht einfach wieder gehen, und uns in Ruhe lassen?

„Ja, und das, äh, das find ich irgendwie fies. Denn so als dings, ich meine, so, als, äh, ähm, dings, … Frau, als Frau, da darf man halt nur so, so Gedichte schreiben. So über Gott und so, und das ist doch gemein."

In den ersten Reihen holten einige Zuschauer ihre Mobiltelefone heraus, und begannen mit ihnen rumzuspielen. Leise Privatgespräche setzten weiter hinten im Raum ein.

„Ja, äh, und so, als äh dingsda, ich meine als Frau natürlich, da muss man auch so anfangen, so zu heulen, und, das äh, will ich auch nicht. Das find ich irgendwie, so, halt so, na ihr wisst schon, genau."

Ein Teil des Publikums war aufgestanden, um aufs Klo zu gehen, andere raus eine rauchen. Von hinter mir auf der Bühne drang erst ein einzelner Klopfer, und dann ein lautes „Ouhh", wie als ob jemand erst seine Ellbogen auf den Tisch fallen lässt, und dann den Kopf in den Händen vergraben laut aufstöhnt.

„Ja, und äh, als dings, ich meine als Frau, mein ich, da, ähm, da darf man halt so, auch so, nich lustig sein, so, ne. Und das is doch doof,… also finde ich so, is meine Meinung."

Von hinter mir kommt ein Klopfen, wie wenn ein Kopf beständig auf die Tischplatte haut, die Reihen vor mir lichten sich und die übriggebliebenen machen keinen Hehl daraus, dass sie mir nicht mehr zuhören. Mitten in einem angefangenen, na ja, angestotterten Satz sage ich unvermittelt „danke", und begebe mich zitternd auf meinen Platz zurück. Der Erleichterungsapplaus erklingt, es ist vorbei, zumindest für mich. Nie wieder stelle ich mich auf diese Bühne, niemals mehr lasse ich mich in diesen Hallen blicken. Ich trinke noch ein paar Biere, um das Ganze so schnell wie möglich wieder zu vergessen. Niemand spricht mich danach an, darüber bin ich sehr froh. Ach was war das doch wieder für ein schönes Jubiläum heute.

Sunday, January 27, 2008 

Current mood:  irritated

Etwas roh noch der Text, aber immerhin ist er jetzt im Netz

 

Meine (hoffentlich) etwas verfrühte Midlifecrisis

 

Bald werde ich 15! Mein Gott, was bin ich alt geworden. 3 Monate noch, dann ist meine Kindheit endgültig vorbei. Nach deutschem Recht ist sie das schon seit 9 Monaten, aber ich habe mich weiterhin am EU-Recht festgeklammert. Jetzt bin ich selbst danach bald erwachsen. 15 Jahre! 15 Jahre meines Lebens sind bald hinter mir. Am Ende ist es sehr schnell gegangen. Gerade war ich noch 13 und jetzt stehe ich kurz vor meinem 15. Geburtstag, kurz vor dem Ende meines Lebens als Kind. 15 Jahre- das sind 180 Monate, das sind 780 Wochen,  das sind 5479 Tage, wenn man die Schaltjahre beachtet, das sind 131 496 Stunden, das sind 7 889 760 Minuten. 15 Jahre- das sind 473 385 600 Sekunden. So alt werde ich bald sein. Und wenn ich mich jetzt, wo mein Leben langsam aber sicher zu Ende geht umschaue, ist da keiner, der mich in meinen späten  Jahren umsorgt, mir Freude beschert, und meinen letzten Jahren noch einen Sinn gibt. Nicht ein Enkelkind  spielt zu meinen alten Füßen am Boden, oder geht mit mir spazieren und stützt mich, wenn die Kraft in meinen Beinen mich verlässt. Nicht einen Enkel haben meine Kinder mir geschenkt, den ich mit Süßigkeiten füttern kann, obwohl ich weiß, dass er davon Karies bekommt. Na gut, ich hab auch noch kein Kind in die Welt gesetzt, das mir irgendwelche Enkel hätte gebären können, aber das ist doch noch lange kein Grund.

Ich will nicht 15 werden... Und wenn ich schon 15 werden muss, dann will ich wenigstens nicht wie 15 aussehen. Ich will aussehen wie 14, oder noch besser: wie 12, mit so niedlichen kleinen Zöpfen, und roten Bäckchen. Auf keinen Fall will ich älter wirken, als ich bin. Keiner würde eine ältere Frau fragen: „Sind Sie wirklich erst 65? Ich hätt sie ja eher für so 80 gehalten." Wieso kommen sie dann alle zu mir und demütigen mich mit dieser Frage? Wenn ich wahrheitsgemäß antworte, will mir keiner glauben, aber wenn ich dann irgendwann sage: „ Nein, ich bin nicht 14, ich bin 32, oder sehe ich etwa aus wie 14?" dann sagen sie „echt? 32? Wow, dafür haste dich echt erstaunlich gut gehalten, wie machst du das bloß?" und gehen kopfschüttelnd weg. Sehe ich echt schon so alt aus? Bin ich schon so tattrig? Oder schwingt in meinen Texten einfach schon eine gewisse Altersschwachsinnigkeit mit?

Ich will nicht 15 werden… Ich will noch ein bisschen 14 bleiben, noch ein klein bisschen Kindheit übrigbehalten. Ich will einmal noch einen Slam gewinnen, nur weil ich jünger bin als alle anderen. Ich will einmal noch von einem Probeaboverteiler ignoriert werden, einmal noch, wenn ich in der Kneipe ein Bier bestelle gefragt werden: „Sach ma Kleene, biste überhaupt schon 16?" und dann trotzdem mein Bier bekommen, weil ich so treuherzig gucken kann und sage, es ist für meine Mutter, die da hinten sitzt, und die man jetzt leider grade nicht sehen kann.

Ich will nicht 15 werden… aber vor allem will ich nicht jeden Tag aufwachen und denken: „Scheiße, schon wieder einen Tag älter geworden." Ist das jetzt etwa meine Midlifecrisis oder was? Aber sollte die Midlifecrisis nicht in der Mitte des Lebens sein? Heißt das, dass ich keine 30 Jahre alt werde? Soll das so eine Warnung sein: „Na los, nu mach ma hinne, hast doch keine 80 Jahre mehr irgendwas aus deinem Leben zu machen, sondern nur noch knapp 15!"?

Ich will nicht 15 werden… aber ich schöpfe Trost daraus, dass es Menschen gibt, die tatsächlich noch älter sind als ich. Und wenn ich mit ende 20 sterbe, dann kann wenigstens keiner bei meiner Beerdigung sagen, ich hätte ein langes und erfülltes Leben geführt, weshalb mein Tod jetzt auch nicht so schlimm ist. Nein, wenn ich mit ende 20 sterbe, dann werden alle sagen, dass ich viel zu früh aus diesem Leben geschieden bin, und dann werde ich für immer jung bleiben, egal wie sehr ich unter der Erde verrotte und verschimmle.

 

Sunday, December 16, 2007 

Er hatte schon eine Weile gewackelt, mein oberer Schneidezahn, aber ausfallen wollte er trotzdem nicht. Und wenn ich ehrlich bin, wollte ich auch gar nicht, dass er ausfällt. Seit er vor einigen Wochen angefangen hatte zu wackeln, war er mir auf reizende Weise ans Herz gewachsen. Er war zu meinem liebsten Spielzeug geworden. Nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, schmiegte ich mich nicht wie andere Kinder an ein Kuscheltier, nein, ich spielte mit meinem Zahn. Ich liebte es mit meiner Zunge sachte dagegen zu drücken, ohne genau zu wissen, was ihn eigentlich noch im Fleisch hält. Ja, ich hatte ihn sehr lieb, meinen ersten Wackelzahn, und um keinen Preis, nicht mal für so einen tollen voll automatischen, ferngesteuerten Minipanzer, wie ich ihn mir schon so lange wünsche, würde ich ihn hergeben.

Doch leider lässt sich das unvermeidbare nicht verhindern, und es ist in der Natur des Menschen, dass ihm, oder auch ihr, die ersten Zähne schließlich ausfallen. Der Tag kam, und war so schön, dass es mir schwer fiel zu glauben, dass etwas ihn trüben könnte. Doch an jenem Tag fand ich heraus, dass gerade dann, wenn man zu sehr glaubt, dass einem nichts passieren kann, dieser Glaube einen auch ganz gern mal im Stich lässt.

Es war in der großen Pause, und wie immer fand man mich nicht mit den anderen Vorschülern im Sandkasten beim Klettergerüst, wo man immer so schöne Burgen bauen konnte, und auch nicht bei unserem kleinen Fußballfeld, wo wir immer traurig am Rand saßen, weil die Älteren uns nicht mitspielen ließen. Und selbst wenn wir mal als erste dort waren, kamen irgendwann die Großen, ich dachte immer es wären die Sechstklässler, es waren aber wirklich die Zweitklässler, und sagten uns in ihrer coolen, erwachsenen Sprache, dass wir uns „verpissen" sollten, weil sie ein „wichtiges" Spiel auszutragen hätten. Nein, man fand mich auch nicht bei den schönen großen Steinen am anderen Ende des Hofes, wo wir immer Fangen-ohne-den-Boden-zu-berühren spielten.

Man fand mich bei den ganz Großen, den Viertklässlern Fangen-mit-den-Boden-berühren spielen. Die wollten zwar mit mir eigentlich nichts zu tun haben und ignorierten mich zumeist, wenn ich völlig hysterisch „du bist dran" kreischend an ihnen vorbei rannte, dadurch ließ ich mir den Spaß am munteren Spiel aber nicht verderben. Doch an diesem Tag schien einer von ihnen schlecht gelaunt, denn als ich zu ihm ging, um ihm den Schlag zu versetzen, der ihm signalisieren sollte, dass er nun seinerseits versuchen sollte mich zu schlagen, stellte er mir ein Bein, und half zudem mit beiden Armen nach, einen, das könnt ihr mir glauben, äußerst schmerzhaften Sturz zu verursachen. Und da passierte es dann. Der Sturz war mir eigentlich scheißegal. Was kann ein Kind besser als Hinfallen? Zwar konnte ich Fangen MitUndOhneDenBodenBerühren spielen, aber Fallen konnte ich nur MitBodenBerühren spielen. Ich klatschte hin, mein Gesicht stieß auf irgendwas Hartes. Ich schmeckte die Mischung aus Sand und Blut in meinem Mund. Dunkle Wolken zogen sich über dem Unglücksort zusammen, und wie ein Kanonenschlag durchbrach der dumpfe Knall des Donners die gespannte Stille. Gleich darauf erhellte ein gleißender Blitz die vor Schreck erbleichten Gesichter der Anwesenden. All jene, die die blutige Tat mit angesehen hatten, wussten mit schrecklicher Gewissheit, dass dies nur die Vorboten der Apokalypse, und somit der Sühne dieses fürchterlichen Frevels sein konnten.

Ich versuchte mein Gesicht für dies große Ereignis notdürftig zu säubern. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich in diesem Moment nicht gerade wie Jessica Alba aussah. Bei der wäre eine aufgeplatzte Hose zumindest für pubertäre Jungen vielleicht noch ganz interessant gewesen. Bei mir sah es aber einfach nur scheiße aus.

Ich spuckte aus. Ich spuckte auch etwas aus, das bis eben noch zu mir gehört hatte. Mein Wackelzahn. Mein geliebter Wackelzahn wurde Opfer dieses hinterhältigen Angriffes. Da lag er nun. Anklagender Zeuge der Gewalt des Patriarchats. Ich hob ihn auf und ging heim. Wollte in dieser schweren Stunde allein sein mit ihm.

Wahrscheinlich fand Gott das irgendwie scheiße von mir, und war zutiefst gekränkt, dass ich einfach gegangen bin, und mich einen dreck um sein schönes Gewitter geschert hab. Auf die Bestrafung jenes hinterhältigen Attentäters verzichtete er jedenfalls, und der Weltuntergang lässt bis heute auf sich warten.

Saturday, December 15, 2007 

Current mood:  lazy

Wissenschaftliche Untersuchung zu den geschlechtsabhängigen Verhaltensweisen der Slam-Poeten

Als Frau hat man's echt nicht leicht auf Poetry Slams.

Okay, das kam jetzt anders raus als es als es eigentlich sollte, und stimmt so vielleicht auch nicht wirklich. Frauen haben sich inzwischen durchaus etabliert, und haben's eigentlich nicht viel schwerer als Männer.

Ich korrigiere also meine Aussage: Als Frau, die sich weigert die Texte zu schreiben, die von ihr erwartet werden, hat man's nicht leicht auf Poetry Slams.

Was Frauen dürfen, sind emotionale Gedichte, möglichst ohne jeglichen intellektuellen Anklag, über den fiesen Gott, oder die Grausamkeit der Liebe mit großer Hingabe vortragen. Besonders gut kommt es an in der Mitte irgendwann loszuheulen, dann hat die Frau wirklich Chancen:

„Gott, wieso hast du mich verlassen?

Willst du mich für immer hassen?

Wenn es dich wirklich gibt,

Dann mach, dass er mich wieder liebt."

Okay, das war schon mal ein ganz guter Anfang, aber vielleicht lass ich das in Zukunft doch lieber bleiben. Ich kann ja nicht alles perfekt können, und Gedichte sind halt nich so meine größte Stärke.

Wenn man jung, niedlich, klein und schlank ist, und es einem darüberhinaus nichts ausmacht einen Minirock zu tragen, und sich in alle Ewigkeit lächerlich zu machen, dann darf man zusätzlich noch möglichst naive Texte, notfalls auch Prosa, über schöne bunte Schmetterlinge auf einer großen grünen Wiese schreiben, wobei auch in diesem Falle Gedichte deutlich bessere Chancen haben.

„Ach du schöner Schmetterling,

Ich hab dich so furchtbar gern,

Bist du auch kein leuchtend Stern,

Bist du doch ein schönes Ding."

Gut, wie gesagt, Lyrik lass ich erst mal bleiben. Aber da ich ohnehin schon die physischen Anforderungen, auch bei außerordentlich freundlicher Definition nicht ansatzweise erfülle, muss das vielleicht auch nicht unbedingt sein.

Wenn man sich nun, wie ich, in keine dieser beiden Gruppen einfinden kann oder will, hat man es als Frau echt schwer auf Poetry Slams.

Männer haben allerdings zugegebener maßen auch nicht viel mehr Auswahlmöglichkeiten. Männer müssen lustig sein, immer schön lustig sein müssen die Männer, sonst haben sie verschissen. Wenn Männer über Gott schreiben, oder darüber dass ihre Freundin sie mal wieder verlassen hat, dann schreiben sie lustige Texte, bei denen am Ende die Freundin bzw. Gott als die Idioten dastehen. Gut kommen auch immer Obszönitäten, oder vermutlich treffender gesagt, Perversitäten an.  Männer müssen in ihren lustigen Texten immer irgendwann losschreien, wer nicht schreit, ist beim Publikum unten durch.

Wenn eine Frau mal ein Bisschen lauter wird, dann wird es immer sehr still im Raum, weil die Leute denken, jetzt kommt ein emotionaler Höhepunkt. Damit, dass die Frau anfängt zu schreien rechnet keiner, und deshalb brauchen alle eine Weile das zu verarbeiten.

Wenn der Mann mal keine Lust hat lustig zu sein, darf auch er einen emotionalen Text schreiben. Der Mann darf allerdings nicht schreiben, dass seine Freundin ihn verlassen hat, er also ein Arsch ist, denn das wäre wieder so herrlich selbstironisch, und somit lustig. Wenn der Mann also einen traurigen Text schreiben möchte, dann muss die Frau sterben. Im Günstigsten Falle hat er sie in den Tod getrieben, das gibt mächtig Bonuspunkte. Beim Mann ist es außerdem egal, ob er Prosa oder Lyrik vorträgt.

Und dann darf der Mann noch Rappen, das darf die Frau nur sehr eingeschränkt.

Wenn also ein Mann einen Text über eine wunderschöne Blumenwiese, mit ganz ganz vielen Schmetterlingen drauf schreibt, dann nimmt ihm das Publikum das genauso übel, wie wenn eine Frau versucht lustig zu sein.

Trotzdem darf die Frau insgesamt weniger als der Mann, und hat es somit schwerer.

Jugendliche von 12-16 Jahren haben sowieso nichts auf der Slam-Bühne zu suchen, und von vorneherein keine Chance.

Ich revidiere also meine Aussage vom Anfang. Eigentlich wollte ich sagen:

Als 14 jähriges Mädchen, das sich weigert auf der Bühne los zu flennen, und im schlimmsten Fall noch versucht lustig zu sein, hat man es echt nicht leicht auf Poetry Slams.