MySpace


Detlef Kinsler

Detlef Kinsler


Last Updated: 11/25/2009

Send Message
Instant Message
Email to a Friend
Subscribe

Gender: Male
Status: Single
Age: 54
Sign: Gemini

City: Frankfurt
State: Hessen
Country: DE
Signup Date: 3/23/2008

Blog Archive
[Older      Newer]
 /  / 
Sunday, November 08, 2009 
Ja-Panik_Foto_Kinsler_472

Pop und Rock aus Österreich und der Schweiz. Wolfgang Ambros, Georg Danzer, DJ Ötzi hier, Krokus, Polo Hofer, DJ Bobo dort. Zuletzt Christina Stürmer (na ja) und Stefanie Heinzmann (ok). Wenig Grund, neidisch über die Berge zu blicken. Und jetzt das. Ja, Panik aus dem Burgenland. Und Sophie Hunger aus Bern. Chapeau, liebe Nachbarn.

Anfangs sieht es im Mousonturm so aus, als würde sich nur eine Handvoll Besucher auf der Studiobühne verlieren. Dann aber ist’s doch gut gefüllt bei Ja, Panik, den Neu-Berlinern. Ja-Panik_Foto_Kinsler_507Optisch (sorry, Jungs) lieb und brav wie eine Schülerband, musikalisch aber mit vielen Wassern gewaschen. Oft erwähnt und immer wieder zitierenswert: mit ihrem deutschsprachigen Rock kann man sie eher in einer Traditionslinie mit Rio und den frühen Fehlfarben denn in irgendeiner (geschweige denn Hamburger) Schule sehen. Aufgewühlt, ruhelos, hinterfragend, aufgeregt, aufregend – Gitarrenrock à la Libertines mit fast klassischen Pianoeinwürfen: “Musik wie ein Manifest”, schrieb das JOURNAL FRANKFURT in seiner Vorschau. Und genau das erfüllt Ja, Panik auch. Unprätentiös gespielter Rock mit Anspruch. Kunst ohne Künstlichkeit. Gitarren, wie man sie auch schroff bei The Clash zu hören bekam. Eine stakkato angeschlagenes E-Piano mit Cockney Rebel-Appeal ohne deren Glamour drumrum. Eine Kirchenorgel wie weiland bei Procol Harum. Wüste Feedbacks und laute Bottleneck-Verzerrungen. Und immer wieder von englischen Phrasen/Zeilen durchsetzte deutsche Texte. Ein vollkommen undogmatischer Umgang in solchen „Stil“fragen. Songs vom Album „The Angst And The Money“ mit Zeilen wie „Eine Welt ist aus Zucker, doch eine Welt ist immer noch aus Dreck”. Wunderbar. Weiter machen. Mal sehen, wie Berlin die Mittzwanziger inspirieren wird. Was ist von ihrer Zeit – außer dem Song „Wien, du bist ein Taschenmesser“ – hängen geblieben? Kein Schmäh, kein Heurigen-Seligkeit, kein „Dritter Mann“, vielleicht ein wenig Kreisler und Zentralfriedhof? Selber hören und raus finden.

Sophie_Hunger_Foto_Kinsler_532

Einmal schlafen, dann ist Eidgenossen-Tag. 15 Uhr, Unplugged-Gig Sophie Hunger im Rahmen der Plattenladenwoche bei CDs am Goethehaus. Fast die ganze Band kommt, vier von fünf. Es wird eng im Basement. Sophie mit akustischer Gitarre. Gitarrist Christian Prader (Neu-Frankfurter und Student an der Musikhochschule) bringt auch seine Flöte mit. Michael Flury wechselt zwischen (gestopfter) Posaune und Glockenspiel. Und Schlagzeuger Julian Sartorius richtet sich auf der Sitzecke ein, legt seine Becken auf Zeitschriften, nutzt Bank und Karton des Glockenspiels, um sie mit Stöcken und Besen zu bearbeiten und perkussiv zu nutzen. Improvisationstalent gehört zu solchen Events. Aber erst mal beginnt Sophie a cappella und auf Schwyzer Dütsch und hat alle im Raum sofort für sich gefangen genommen. So nah, so anders, so speziell. Ein toller Appetizer fürs vom JOURNAL FRANKFURT präsentierten, ausverkauften Konzert abends im neuen Bett.

Sophie_Hunger_Kinsler_635

Da ist noch Bassist Simon Gerber mit der Partie. Und Prader hat noch ein Steinway-Flügel. Aber auch hier beginnt Hunger ganz allein. Wieder mit „Die Fahrende“ von Liedermacher Walter Lietha. Schon bald ist klar, was den besonderen Reiz dieser Band – neben Sophies Stimme – ausmacht. Das unorthodoxe Spiel auf orthodoxen Instrumenten. Und zusätzliche die Kombination von zum Beispiel Posaune und Barock-Holzflöte. Flury wird so was wie der Publikumsliebling des Abends. Sein Instrument klingt mitunter sehr alpenländisch (schließlich muss man kein Alphorn mit sich herum schleppen), dann wie die Stimme der Lehrerin bei „Charlie Brown), mehrstimmig wie beim großen Frankfurter Albert Mangelsdorff oder mit Quasi-WahWah-Effekt dank brillanter Dämpfertechnik: Folk, Psychedelia, Jazz – all inclusive. Wer Sophie Hunger als ätherische Singer/Songwriterin auf dem Zettel hatte, konnte schnell herausfinden: Hier ist keine Filigrankünstlerin am Werk, hier ist viel Power, Energie, gar Wut im Spiel. Subtilität ja, Fragilität, nein danke! Ihre Stimme vereint auf faszinierende Weise the best of many worlds. Sie hat die Dynamik, wie sie auch Katharina Franck (Ex-Rainbirds) auszeichnet. Sie hat – was sie wohltuend absetzt von den kindlich klingenden französischen Kolleginnen – ein wohlig tiefes Timbre wie es auch Sarah Bettens (K`s Choice besetzt). Und Ausschmückungen an den Enden der Zeilen wie Fiona Apple auf ihrem Debüt „Tidal“. Ein schier unerschöpfliches Vokal-Potential. Nur Melanie wie Kollege N. mag ich nicht wahrnehmen. Kein Wunder – die mochte ich auch nie wegen meines Banknachbarn in der Schule. Der hörte nichts anderes. Das prägt. Für mich bringt „Birth-Day“ eher auf wundersame Weise Stones-Balladen mit der simpel-wirkungsvollen Art der Arrangements der Plastic Ono Band zusammen – mit einer Dylan-Harp als Sahnehäubchen. La Hunger als Protestsängerin.

Wenn sie zum Flügel wechselt, wird sie fast zur Sarah Vaughan. Auf alle Fälle schafft sie es mühelos, in nur einem Song lässig alle skandinavischen Jazz-Pop-Diseusen (Sidsel Endresen einmal ausgeschlossen) aus dem Rennen zu werfen. Und wenn dann noch die Posaune dazu kommt, wird auch der Mentor der Schwedinnen und Norwegerinnen, Nils Landgren ins Abseits gestellt. An der Gitarre vermag sie den Jimmy Page zu geben – eine aggressiv bearbeitete Akustische, jeder Schlag ein Treffer, alles passt. Effektiver als Ani diFranco. Gecovert wird auch noch zwei Mal. „Aber das sind jetzt unsere eigenen Lieder“, sagt Sophie Hunger, singt – nach schwyzerdütsch, englisch, hochdeutsch (den wunderbaren „Walzer für niemand“) – jetzt auch noch französisch: Noir Desirs „Le Vent nous portera“. Sophies Übersetzung einer zentralen Passage gerät stockend – die Worte wollen wohl gewählt sein, Deutsch ist nicht ihre erste Sprache. Hinter mir kommentieren zwei dumme Hühner, die fast den ganzen Abend durchschwätzten (warum entscheidet man sich, in ein anspruchsvolles Konzert zu geben, um dann respektlos vor Musik, Musikern und konzentriertem Publikum nur dummes Zeugs zu blubbern wie in der Kneipe?), die Sängerin sei wohl Autistin… Herzlich Glückwunsch zum ADHS! Dann noch – mit zwei E-Gitarren – Dylans „Like A Rolling Stone“ vollkommen polypenfrei. Ein neuer, noch nicht fertig instrumentierter Song wird mehrstimmig gegeben. Zur dritten Zugabe – enthusiastisch gefordert von einem total begeisterten Publikum – setzen sich die Musiker an den Bühnenrand und singen den Mond an wie überhaupt Sophie öfters mal gen Himmel strahlte.
Monday, July 27, 2009 
Nils_Petter_Molvaer_Kinsler m nah

Von Samstag auf Sonntag regnete es vielerorts noch Katzen und Hund, für Sonntag aber war schönstes Wetter angesagt: „Meist freundlich, Sonnenschein und ein paar harmlose Wolken, trocken, 22- 27°.“ Und der hr-Text sollte Recht behalten. Wunderbar. Ein Bilderbuch-Start fürs diesjährige Summer in The City und das erste Konzert von Jazz im Museum am Sonntag. Auch die neue Spielstätte wurde bestens angenommen. Und Nils Petter Molvaer war der erhofft attraktive Auftakt für die Reihe. Fast 500 Tickets waren bereits im Vorverkauf abgesetzt worden, ein Novum. Das hatte es in all den Jahren im Historischen Museum nicht gegeben. Und da waren die Tickets für 5 Euro noch um 7 Euro billiger als anno 2009. „Die Besucher sollen sich den neuen Platz erobern“, hatte Mousonturm-Intendant Dieter Buroch als Veranstalter des Summer In The City noch bei der Pressekonferenz von der Idylle im Garten des Museums geschwärmt und war entsprechend gespannt auf die Premiere.

Nils_Petter_Molvaer_274 bühne mittel

Und siehe da: die halbrunde Bühnenkonstruktion passte sich bestens in den Garten ein, auf dem leicht abschüssigen Rasen standen Stühle, dahinter dann Apfelweinbänke – alles gestaltete sich lässig, die Gastronomie im Café im Liebieghaus hatte sich bestens auf die Situation eingestellt, die museumseigenen Wachleute zeigten sich zurückhaltend und nicht allzu sehr um ihr Gelände besorgt. Eine alles in allem gelungene Veranstaltung, zu der – geschätzt – letztlich um die 1.000 Besucher gekommen waren – ein Spitzenwert.

Nils_Petter_Molvaer_292 zuschauer atmo

So rieb sich auch Nils Petter Molvaer zu einer für Jazzmusiker frühen Stunde die Augen, zeigte sich sehr erfreut und begrüßte sein alles andere als schläfriges, sondern sehr aufmerksames und begeistertes Publikum. „Ich bin überrascht, so viele Menschen hier an einem Sonntagmorgen zu sehen und nicht in der Kirche.“ Dabei hatte der Beginn seines Auftritt in kleiner Triobesetzung mit Eivind Aarset (Gitarre) und Audun Kleive (Schlagzeug) durchaus etwas Andächtiges, Meditatives, Ruhiges. Zunächst spielte er solo auf seiner Trompete, erst langsam kamen die anderen Instrumente dazu, begannen die Beats – eher noch zeitlupenhaft – zu greifen und groovten selbst im langsamsten Tempo. Wie schon auf der neuen CD „Hamada” kam aber auch im Konzert mit Fortdauer mehr Dynamik ins Spiel und plötzlich laut und wilder, gar ekstatischer. Da war es dann für Momente mit dem Träumen und sich in schönen Ambient-Klängen Verlieren vorbei… Aber gerade auch diese Ausbrüche wurden vom Publikum frenetisch bejubelt.

Nils_Petter_Molvaer_02_Kinsler m hoch

Was Molvaers Musik auszeichnet, ist, dass es nicht bei reiner, ästhetischer Klangmalerei bleibt. Ein gesundes Maß an Härte und Kontrasten schafft eine gesunde Balance aus akustischem und elektrisch/elektronischem Spiel. So klingen gerade Trompete und E-Gitarre konkret und abstrakt zugleich und schaffen zu zweit einen Klangfarbenreichtum, den sonst eine vielköpfige Band nicht auf die Bühne bringt. Das Schlagzeug dazu ist minimalistisch, differenziert, aber auch akzentuiert und dominierend an anderen Stellen. Alle Drei verstehen es, ihr Publikum immer wieder zu überraschen: Molvaer mit gesungenen Phrasen zu Trompeten-Loops, Aarset mit Ambient-mäßigen Gitarren-Sounds und Kleive mit ganz spezieller „Body-Percussion“, einem Beckensolo auf dem Bauch und sich selbst als Klangkörper.
Ist die immer wieder als eindrucksvoll gewertete Klangwelt des Trios tatsächlich eine rein nordische Musik? Man mag der Suggestion der vielen Kritiker, die das so hören wollen, erliegen. Aber wer genau hinhört, kann – bei entsprechenden Klangbeispielen als Referenzen auf der eigenen Festplatte im Kopf – durchaus gedanklich eine Reise gleich über mehrere Kontinente, Afrika und Asien vor allem, antreten. Da klingen dann plötzlich Becken und Glöckchen nach Tibet und Nepal und andere Passagen balinesische Gamelanmusik.

 Nils_Petter_Molvaer_324 turm hoch

Vielleicht ist das Ganze ja auch eine globale Geisterbeschwörungs- oder zumindest Nomandenmusik mit Mitteln des Jazz und Dub neu und auch urban umgesetzt?!

Fotos: Detlef Kinsler
Saturday, July 25, 2009 

X_New_York_Dolls_Kinsler_41 band

Es ist wie im Leben. Man sollte auch bei Konzerten nicht immer zu viel erwarten, um heftige Enttäuschungen zu vermeiden. Tatsächlich denkt man bei so mancher Ankündigung in den Club-Programmen, das könnte in die Hose gehen, eher peinlich enden. Das mag sich manch einer auch gedacht haben, als der Auftritt der New York Dolls bekannt gegeben wurde. In die Jahre gekommene Früh-Siebzigerjahre-Helden – wie verkaufen die sich heute? Die Neugierde und die Tatsache, dass die Sommermonate nicht gerade mit Rock-Konzerten gesegnet sind, trieb mich dann doch in die Kapp. Und da traf man dann all jene, die selber mal als Punks auf der Bühne gestanden haben oder auch jene, die auch heute noch an den Traum von Sex & Drugs & Rock’n’Roll glauben und sich für den Abend in Stimmung gebracht hatten.

X_New_York_Dolls_Kinsler_18 sänger hoch Front

Drummer Brian Delaney, Bassist Sami Yaffa und die beiden Gitarristen Steve Conte und Sylvain Sylvain enterten cool die Bühne und gaben musikalisch gleich Gas. Klar, dass das einzig verbliebene Gründungsmitglied von 1979, Frontmann David Johansen, sich den dramaturgischen Luxus gönnte als letzter vors Publikum zu treten – beklatscht von seinen Fans, die diesen Moment schon den ganzen Abend herbei gesehnt hatten. Unglaublich, aber der Mann schien tatsächlich die Ankündigung im JOURNAL FRANKFURT gelesen zu haben: „Waren die New Yorker nun die Erfinder des Glam Rock oder Vorreiter des Punk – egal, Hauptsache sie sind nie so groß geworden wie die Stones und so können sie heute auch noch locker als die wahren Glimmer Twins auftreten. Denn mit Jagger/Richards wollen es Johansen/Sylvain gerne aufnehmen…“.

X_New_York_Dolls_Foto_Kinsler_21 sänger hoch1

Und Johansen – immerhin auch schon 59 – tänzelte auf die Bühne und sah Jagger beinah ähnlicher als Mick sich selber. Inzwischen sauber gestyltes, nur noch nackenlanges Haupthaar, nicht ganz so dicke, aber genauso schmollende Lippen und eine gewisse – hier aber selbstironischere – Blassiertheit, keinen Arsch in der Hose, aber immerhin keine Hasenpfote vorne drin, spindeldürr, bestens in Form und mit rotziger Stimme ausgestattet. Nur mit seinem transparenten, türkisfarbenen Hemd aus Kunstfasern hatte der Sänger ins Klo gegriffen. Das merkte er beim schweißtreibenden Konzert schnell selber, stand er doch mit dem Rücken zum Publikum vorm Schlagzeugpodest, roch unter seinen Achseln und verzog das Gesicht zu einer echten Grimasse.

X_New_York_Dolls_Foto_Kinsler_31 sänger hoch kokett

Klar – das Set kam nicht gänzlich ohne Punk und Glamour aus. Aber unterm Strich gaben die New York Dolls die zeitlose Rock’n’Roll-Kapelle, streiften den Blues mit Johansen an der Mundharmonika, setzten bei aller Erdigkeit auch auf ..ne Menge Effekte in der Gitarrenarbeit, hatten Hymnisches à la Mott The Hoople und frühe Queen, Androgynes wie Bowie und T Rex, dabei immer eine begeisternde Energie zu bieten. Die Rhythmussektion pumpte die Beats heraus, Steve Conte übernahm die Rolle der Frontsau während sein Kultkollege Sylvain Sylvian sich mehr in der Rolle des Clowns gefiel und auf sympathischste Weise mit den Fans kommunizierte.

X_New_York_Dolls_Sylvain_Kinsler_62 rampe

Wie cool war das denn – nichts erwartet und dann so eine Party und endlich einmal Face to face gesehen, was Generationen von Musikern, darunter Kiss, Aerosmith, The Ramones, Blondie, The Sex Pistols, The Damned, Motley Crue, Guns N’ Roses, Hanoi Rocks, The Strokes, The Libertines, musikalisch wie optisch als Rôle Model diente. Ein geiles Konzert. Und erfreulich, dass die „Alten“ heute fitter scheinen als zu Beginn ihrer Karriere.

Fotos: Detlef Kinsler
Wednesday, July 22, 2009 
Patti_Smith_Kinsler_Bühne 2

„Hatte Patti Smith (www.myspace.com/pattismith) eigentlich noch einen Hit außer ,Because The Night..?“, fragte mich mein Chefredakteur bevor ich die Redaktion Richtung Jahrhunderthalle verließ. „Nicht wirklich“, konnte ich da guten Gewissens antworten. Der 1978 mit Bruce Springsteen geschriebene Song war ihre kommerziell einzig erfolgreiche Single. Aber die Wichtigkeit von Patti Smith lässt sich sicher nicht in solchen Kategorien messen. Die Frau ist eher ein Gesamtkunstwerk. Ihre ersten vier Alben „Horses“, „Radio Ethiopia“, „Easter“ und „Wave“, bereits zwischen 1975 und 1979 erschienen, waren, sind und bleiben Meilensteine der Rock-Geschichte und begründeten ihren anhaltenden Ruf und Ruhm als „Hohepriesterin des Punk“, Ikone der Frauenbewegung und Poetin mit großen Vorbildern wie Baudelaire, Rimbaud oder William Blake. Entsprechend bunt gemischt war – abhängig davon, wer sich wie dem Phänomen Smith nähert(e) – dann auch das Publikum beim ausverkauften, einzigen Deutschland-Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle.
Patti_Smith_Ticket
Das Ticket diente nicht nur zum Einlass, sondern auch als Notizzettel im Dunkel des Konzertsaals

Die gut 2.000 Tickets waren schnell verkauft, mehr hätten gut und gerne verkauft werden können. Die Fans waren übrigens keineswegs alle 50 + – auch Zwanzigjährige sah man in gespannter Erwartung zu ihren Plätzen pilgern. Nicht weniger konträr gestaltete sich dann der künstlerische Vortrag auf der Bühne in den nächsten gut 1 ½ Stunden. Da gab es einen Rest von Post-Punk-Appeal, wenn die inzwischen 62-jährige Sängerin ihre Band immer wieder antrieb, das Tempo zu forcieren, dabei in ihren stilvollen Clochard-Klamotten wie einst im legendären CBGB..s links und rechts – Verzeihung – neben sich rotzte. Andere Momente hatten den Charakter einer Lesung zu Musik mit einer sehr in sich gekehrt wirkenden Künstlerin. Dann wieder ließen Passagen Assoziation zu „sacred music“ zu – ein Hauch von Pow Wow kam mitunter auf. Patti Smith als moderne Schamanin?

Patti_Smith_Kinsler_hoch

Die grandiose Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Are You Experienced?“ passte in dieses eine der vielen Bilder des Abends: Sie begann als Meditation und entwickelte sich zu einer Trance-haften Improvisation wobei Smith’s Klarinette eher wie eine Zurna aus dem marokkanischen Rif klang. The Drums And Pipes of Jajouka hatten schon den verstorbenen Rolling Stone Brian Jones fasziniert.
Ihren Song „Blakean“ leitete sie mit einer Moderation über Goethe ein, erzählte von Goethes Geburtshaus in Frankfurt, wusste, dass es im Krieg restlos zerstört, aber wieder aufgebaut wurde, auch um Goethes Geist zu erhalten. Ob sie das Goethehaus vorm Soundcheck besucht hatte, wusste keiner der Veranstalter, ist aber denkbar. Denn Patti Smith sucht immer kulturelle Städte auf, wollte bei ihrem letzten Berlin-Besuch das Grab von Brecht sehen, packte davor ihre Klarinette auf, um spontan zu spielen, was Friedhofspesonal auf den Plan rief, die sie aber gewähren ließen als sie


entdeckten, wer da spielte. Patti_Smith_Setlist
Vorm Schlagzeug entdeckte man eine libanesische Fahne, einen Song widmete Patti Smith den palästinensischen Kindern, eine auf die Bühne gereichte tibetische Flagge wurde gerne kurzzeitig als Umhang benutzt – die Friedensbotschaften einer Frau, die in „Rock ‘n’ Roll Nigger“ provozierend „Jimi Hendrix was a nigger. Jesus Christ and Grandma, too.“ sang, deren Losung nach ihrem Comeback dann – vielleicht ein wenig naiv in vieler Ohren – „People Have The Power“ lautete und die ihrem Publikum an diesem Abend auch predigte, das nie aus dem Blick zu verlieren. Ok, radikal klingt anders, aber ihre Revolution light ist dann immer noch glaubwürdiger als das ganze Gutmenschen-Gehabe der Kollegen Sting und Bono, die vielleicht das globale Weltgeschehen politisch besser durchblicken als Patti Smith, dabei aber immer auch selbstgefällig und mediengeil wirken.
Hände schüttelnd, glücklich lächelnd und winkend verließ Patti Smith schließlich die Bühne, gab ihrem seligen Publikum das Gefühl, dass sie ihren Traum lebt. Mit allen Widersprüchen, die längst aber auch ihre Authentizität ausmachen.

Patti_Smith_Kinsler_Bühne 1

Fotos: Detlef Kinsler
Monday, July 13, 2009 
Bratsch_Kinsler_0384 bühne breitBratsch auf der Burg Hayn

Viele Frankfurter machen es sich gar zu einfach. Für sie ist Shantel Synonym für die Musik vom Balkan. Bestenfalls assoziieren diese Fans damit noch vielköpfige Bläserensembles, die hier immer mal wieder in den Club oder bei Weltmusik im Palmengarten vorbei schauen. Aber es geht auch weit subtiler und vor allem individueller wie zwei Konzerte jüngst bewiesen. Zum Beispiel der Auftritt von A Hawk & A Hacksaw im Bett. Das Duo – auf der Bühne ein Quartett – kommt aus New Mexico, zugegeben weit weg von Osteuropa. Aber Jeremy Barnes und Heather Trost haben nicht nur den Balkan bereist, zum Beispiel eng mit ungarischen Musiker zusammen gearbeitet und dabei die Musik in ihrer ganzen Bandbreite zwischen Melancholie und Euphorie verinnerlicht. Natürlich nicht, um einen authentischen Balkan-Sound auf die Bühne zu bringen, sondern einen ganz eigenen, virtuosen Stil zu erfinden, in dem – kaum verwunderlich – Klezmer, Polka und Walzer auch Mariachi- und Appalachen-Folk-Injektionen erfahren und damit ganz sicher den orientalischsten Folk Amerikas sind.

Um Perfektionsdrang ist das Ganze nicht bemüht, eher um viel Spielfreude und einen Rest von Punk-Appeal. Barnes spielt nicht nur Akkordeon und singt, sondern bedient gleichzeitig noch das Schlagzeug, auch ein wenig holprig, aber durchaus charmant. Trost spielt Geige, auch eine mit Schalltrichter mit einem sehr speziellen Klang. Mit den anderen Instrumentalisten, Chris Hladowski an der Bouzouki (er blieb vergleichsweise zurückhaltend), aber vor allem mit Samuel Johnson (Trompete, Flügelhorn) und Barnes, lieferte sie sich wilde Dialoge mit Schwindel erregenden Soli, die das Publikum mitrissen. Zum Finale des Konzerte spielten die Vier mitten im Publikum und – sehr passend – auf dem Dancefloor.

Hawk_And_Hacksaw_Kinsler


Auch Bratsch – schon oft Gäste in der Region – haben mit Balkan-Klischees nichts am Hut. Eine ihrer CD-Anthologien gab das Motto schon vor 16 Jahren aus: „Gypsy Music From The Heart Of Europe“. Das Quintett stammt aus Frankreich, aber einige Musiker haben andere Roots, Gitarrist Dan Gharibian zum Beispiel armenische, Akkordeonist François Castiello neapolitanische. Das und vieles, vieles mehr kommt in der „Folklore imaginaire” der ältesten Boyband Frankreichs zu Gehör. Bei ihrem Gastspiel in der Burg Hayn in Dreieichenhain zogen sie mal wieder alle Register ihres Könnens. Alle Musiker, neben Gharibian und Castiello Bruno Girard an Geige und Bratsche, Nano Peylet an der Klarinette und sogar der ganz im Hintergrund agierende Pierre Jacquet am Kontrabass, sind Topsolisten, aber sie klingen dabei – auch wenn einige Passagen klassisch, nein eher barock klingen – mehr nach Straße als nach Salon. Vom Typ her sind sie eher Schausteller als abgehobene Künstlertypen, als Sänger eher beseelt als perfekt, mehr Ausdruck- als Schönsänger, egal ob sie französisch, jiddisch, armenisch oder Romani singen.

Bratsch_Kinsler_0465 bühne ganz nah

Was die Musik betrifft, so lässt sich da vieles heraushören und auch hineindeuten. Der Gypsy Swing eines Django Reinhardt, griechischer Rembetiko, Klezmer, Musette. Auch Czardas und Flamenco mag man heraus hören. Und wenn sie improvisieren, sind sie – keine Frage – Jazzmusiker, gern auch mal ein wenig dissonant. Aber macht sie das gleich zu Free Jazzern wie bei Wikipedia zu lesen ist? Zwei absolute Highlights in einem an Ausrufezeichen reichem Programm waren ein armenisch gesungenes Stück voller Emotion und Tiefe, bei dem alle Fünf eine beeindruckende Chorarbeit (fast gutturale Mönchsgesänge, Obertöne inklusive) und ein altes Chanson, „Jacky“, das ich mit Brel und der Piaf in Verbindung bringe.

Bratsch_Kinsler


Fotos: Detlef Kinsler
Friday, July 10, 2009 
haindling bühne hinten

Glück gehabt! Die Wiesen am Main waren feucht, im Schlosspark standen Pfützen auf den Wegen, am Nachmittag hatte es noch heftig geregnet und auch nach dem Konzert plätscherte es wieder vom Himmel. Aber während des Starts des Shooter-Konzert-Sommers 2009 mit dem 2 ½-stündigen Konzert von Haindling blieb es trocken. Nass wird ohnehin niemand in einer der schönsten Konzertarenen der Region, denn das Amphitheater Hanau, diese imposante Zeltkonstruktion, überdacht Zuschauer und Bühne und nur bei heftigem Wind könnte der Regen seitlich unters Dach gepeitscht werden. Aber trocken ist..s natürlich viel, viel schöner im Rund.
1982 schon erschien das erste Album von Haindling mit bis dato in Deutschland nicht gehörter, weiß-blauer Folklore, fast im Alleingang eingespielt. Die niederbayrische Antwort auf das Penguin Café Orchestra, ein Mix aus Walzer, Jodler, Jazz und Avantgarde, kauzig, charming, hinterfurzig, liebenswert und individuell zugleich. Aber Hans-Jürgen Buchner, eigentlich „a Preiß”, den..s nur ins niederbayrische Haindling verschlagen hatte, schaffte es mit seinem Gespür auch für simpel-schöne Melodien prompt ins Radio und die Charts: mit Songs wie „Du Depp“, „Spinn i“ und vor allem „Lang scho nimmer g’sehn“. Wie passend – denn obwohl ich vor allem den Anfang von Haindlings Karriere verfolgte, hatte ich zuletzt eine lange Konzertpause eingelegt, die Band sicher 10, 12 Jahre nicht gesehen. Aber alte Liebe rostet nicht.

Haindling_Kinsler_0136quer bühne

Schon der Einstieg ins Hanauer Konzert unterstrich die Genialität von Haindlings Musik. Noch bevor der Chef selber in den Ring stieg, zelebrierten seine fünf Multiinstrumentalisten (manchmal kam ein Roadie als sechster für zusätzliche Percussion dazu), darunter mit Michael Braun (Saxophon, Trompete, Tenorhorn, Keyboards, Percussion, Gesang) und Peter Enderlein (Schlagzeug, Perkussion) zwei Mitstreiter der ersten Stunde, ein Intro, das mit viel Atmosphäre wie eine Meditation (auch Prozession) auf eine Reise durchs Alpenländische und rund um die Welt gleichzeitig einstimmte. Selten wurde heimische „Volksmusik“ (gemeint ist die gute, authentische jenseits des „Musikantenstadls“) so tranzendierend dargeboten. Egal, welche Blasinstrumente da aus der in Silber, Gold und Bronze glänzenden Sammlung bis hin zur Basstuba gleich zu Gehör kamen, da klangen imaginär Alphorn, Didjeridoo und Rag Dun- wie Dungchen-Hörner an – die Alpen, die Outbacks und das Dach der Welt schienen zu verschmelzen, um gleich darauf doch mit beiden Beinen in der Heimat anzukommen – mit Walzern, Ländlern, Zwiefachen.


Haindling_close_Kinsler

Bei Haindling und seiner bayrischen Weltmusik ist Platz für Vieles, auch Widersprüchliches, das sich aber in der Person von Hans-Jürgen Buchner irgendwie in Luft auflöst. So wie in der Musik neben Hochkomplexen, ja fast klassisch oder gar barock anmutenden Motiven, Kinderliedhaftes steht, ist er in seinen Texten mal Philosoph, dann wieder beinah naiv und vor allem gerne auch trivial (wenn er zum Beispiel Sushi auf Uschi reimt). Das macht den Reiz der alten, in einem tollen Medley dargebotenen Lieder aus, das ist auch auf dem brandneuen Album „Ein Schaf denkt nach“ nicht anders. Oft hält uns dabei der Sänger, der auch Saxophon, Tenorhorn, Tuba, Klavier, Maultrommel, Klanghölzer und vieles mehr spielt, uns (und auch sich selbst) den Spiegel vor, macht sich über Verhaltensmuster lustig (unser ständiges „O-käy“-Sagen an allen möglichen und unmöglichen Stellen in der täglichen Konversation – prompt bestellt ich, kaum war das Lied verklungen, eine Bratwurst am Stand, wie reagiert der Verkäufer? Mit einem Okay…), verpackt kleine Alltagsszenen in Poesie („Die Fliege“), beklagt – wenn auch mit einem lachenden neben dem weinenden Auge – den Umgang der Menschheit mit der Natur und mokiert sich über die zunehmende Entfremdung in der Gesellschaft.

Haindling_Kinsler_0227quer Bühne nah


Seine einfache Losung lautet dabei „Seid..s freundlich“, in seinen Konzerten bietet er nicht zuletzt auch eine Lachtherapie an, propagiert: „Singen ist sehr gut, am besten gleich morgens unter der Dusche”. So ist der Auftritt wie der Versuch einer gemeinsamen Sinnsuche für 150 Minuten, dargeboten als unterhaltsames Musikprogramm, in dem sogar Swing, Rock’n’Roll, Funk und Reggae ihren Platz haben. Warum musste ich ständig an diesem Abend an das alte Zitat „Kinder und Narren sagen die Wahrheit“ denken?

Fotos: Detlef Kinsler
Monday, June 29, 2009 
Zelte stehen in diesem Jahr im Mainzer Volkspark nur im Gastrobereich und Backstage. Nachdem zwei Acts, Randy Crawford und leider auch Cyndi Lauper, krankheitsbedingt abgesagt haben und eh einige Konzerte Open Air geplant waren, hat man auf den schönen Sechsmaster (hilfreich bei Regen, schweißtreibend bei massiver Sonneneinstrahlung) verzichtet und hofft auf einen wohlgesonnenen Petrus für diesen Sommer. Bis jetzt ist es bei den ersten drei Veranstaltungen gut gegangen… Am Sonntag kam es zur Begegnung von Noa und Mira Awad.

0609_mainz_noa_mira_awad_foto_detlef_kinsler_0892-gros-hoch

Über Noas neues Programm „Genes & Jeans“, das den Hauptteil des Abends ausmachte, hatten wir ja schon im Dezember berichtet. Dazu ist nur zu sagen, dass Noa diesmal mit zwei Musikern weniger kam. Und das tat ihrem Auftritt nur gut, zumal Percussionist Gadi Seri diesmal auch die Drums übernahm und einen tollen Mix mit seinen Darbukkas, dem Cajon und im Duett mit Noa auf dem Speiseöltonnen abliefert. Keyboarder Gil Zohar entpuppte sich auch noch als wunderbar grooviger Bassist und Flötist, womit niemand die etatmäßige Rhythmussektion vom letzten Mal vermisste. Denn je mehr Raum bleibt für das virtuose Spiel von Gitarrist Gil Dor und den variantenreichen, beflügelnden Gesang von Noa, desto besser, emotionaler sind die Sets.

0609_mainz_noa_mira_awad_foto_detlef_kinsler_08961

Mit Mira Awad, der israelisch-palästinensischen Sängerin, arbeitet Noa, die in New York aufgewachsene Israelin mit jemenitischen Wurzeln, schon seit Jahren zusammen. Seit ihrer gemeinsamen Teilnahme beim Eurovision Songcontest mit „There Must Be Another Way“ nimmt man sie auch hierzulande im Doppelpack wahr, zumal es nun das gleichnamige Album zum Teilnehmersong gibt. Zunächst stellte sich Mira Awad alleine vor, erst mal a cappella, dann begleitet von Gadi Seri an der Rahmentrommel, mit warmen, kräftigem, kehligen Timbre, simpel-schöne Songs, sehr direkt und unverstellt. Für einen Song spielte sie auch eine Rohrflöte, blies sie und sang gleichzeitig dazu, ein Effekt, den man auch von Albert Mangeldorff mit seiner Posaune kennt. Beim gemeinsamen Finale nach dem Noa-Auftritt konnten die beiden Freundinnen noch einmal ganz plakativ verdeutlichen, worum es ihnen in ihren Solo- und vor allem eben auch in ihren Doppelauftritten geht. In gemischt englisch, hebräisch und arabisch gesungenen Liedern geht es um das Pulverfass Naher Osten, den Wunsch nach Frieden und einem Miteinander in einer für ihre Kinder friedlichen Region, die kulturell und landschaftlich so viel zu bieten hat.

0609_mainz_noa_mira_awad_foto_detlef_kinsler_0938-klein-hoch

Wer es für naiv hält, wenn Künstler für sich in Anspruch nehmen, Einfluss auf Soziales und Politisches zu nehmen, ist hier sicherlich fehl am Platz. Wer jedoch daran glaubt, dass Musik und engagierte Künstler mit ihrer Prominenz Veränderungen anstoßen können, der wird den Gesang der beiden Grazien entsprechend goutieren. „Ich wollte eigentlich wie Sting bei The Polce sein, nun wurde ich wie Joan Baez“, machte sich Noa ein wenig lustig über ihren Status. Aber sie unterstützte nicht nur Rabin zu dessen Lebzeiten, sondern war auch immer beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos ganz in der Nähe der Führer der Welt (schließlich kann man nicht alles Bono überlassen), und sie sang seinerzeit auf Einladung von Johannes Paul II das „Ave Maria“ als globale Friedensbotschaft vor Zehntausenden im Vatikan. Und das „Ave Maria“ beschloss einen wunderschönen Sommerabend in Mainz. Die nächsten Konzerte im Volkspark, siehe www.frankfurt-hof-mainz.de.
Fotos: Detlef Kinsler
Friday, June 26, 2009 
Die Stimmung im Sinkkasten war bestens, obwohl es einen Abschied zu feiern gab. Nach 16 Jahren on the road spielten Freezeebee ihren letzten Gig, noch mal als Quartett – mit Nico Flores (Foto). Und das wurde auch noch mal deutlich, was die etwas anderen Crossover-Helden neben mächtigen Metalriffs, Stoner Rock- und Grunge-

fzb_nico_kinsler_068-hoch

Appeal eben auch noch auszeichnete. Gleich doppelt besetzt mit zwei grandios singenden Gitarren der Extraklasse hatten die Freezies was, was wenige Kollegen auch ins Feld führen konnte: echten Soul-Appeal. Nico, Jan und die Schweizer Präzisions-Uhrwerk Jo und Flo als Rhythmussektion zogen noch mal alle Register ihres Entertainment-Talentes und standen ihrem lauthals mitmachenden Publikum auch in puncto Stagediving in nichts nach.

fzb_kinsler_068-breit

Ob sie sich ihrer Abschiedshymne fast Musical-kompatibel vom Band spielen ließen oder Uriah Heeps Killernummer „Lady In Black“ eher dem – bei dem Titel muss ich das schreiben – dem Black Metal (na ja, nicht wirklich) zuführten, es war Party angesagt. 

fzb_kinsler_025-hoch

Und nachdem klar ist, dass das Trio ohne Nico als Peoples Temper mit zwei Gitarren zu Schlagzeug nicht minder energetisch weiter macht und auch Señor Flores nicht darüber nachdenkt, seine Gitarre einzumotten, musste kein Tränchen verdrückt werde.
Als Support waren übrigens No Clue auf der Bühne, der Gitarrist 9, der Drummer 11, der Bassist auch kaum älter. Erstaunlich, wie gute die Knirpse schon an ihren Instrumenten waren, aber kein Wunder, werden sie doch von ihren Papas gecoacht und vor der Bühne angefeuert. Und auch die Rock..n..Roll-Posen nebst aller Klischees beherrschen auch schon bestens. Klar – wenn man ACDC..s „TNT“ interpretiert, darf einen kleine Bodenkür nicht fehlen…

Fotos: Detlef Kinsler
Thursday, June 25, 2009 

luke_winslow_king_foto_kinsler_698-hoch-close

Jedes Jahr wird die Vorschau auf das Stoffel im Günthersburgpark im JOURNAL FRANKFURT ins Theaterressort sortiert. Weil das Festival eben vom Stalburg Theater organisiert wird. Unter Musik möchte ich..s nicht wirklich haben, obwohl viele Musikacts auf der Bühne stehen. Denn eigentlich ist das Stoffel (für Stalburg offene Luft Festival) ein einmonatiges „Volksfest“ der etwas anderen Art. Klar – ein Teil des Publikums (das, das sich vorne vor der Bühne seine Sitzplätze sichert) kommt, um gezielt bestimmte Lesungen zu erleben oder auch Bands zu sehen. Die meisten treffen sich mit Freunden, genießen die down to earth-Gastronomie (mit Specials wie der Kartoffelbratwurst, BIO versteht sich) und genießen – wenn auch oft nicht vom Wetter verwöhnt – einen chilligen Abend im GüPa.

Für „Normalos“ (bitte lesen Sie hier keine Wertung her aus!) gibt es immer auch Vieles im Programm zu entdecken, Musiker, Autoren, auf die sie sonst nie gestoßen wären. Für einen Profi-Konzertgänger, der beim Stoffel aber durchaus (und nicht zuletzt) als Mensch unterwegs ist, eher weniger. Man kennt die meisten Kandidaten nach den letzten Jahren. Umso schöner, wenn dann – durch Vermittlung von Gregor Praml, dem Kontrabassisten von Mi Loco Tango und Freund des Hauses Stalburg – dann plötzlich ein Luke Winslow-King auf den Plan tritt und dem Stoffel (denn hier ist das Festival der eigentlich Star) für einen Abend den Rang abläuft.

luke_winslow_king_foto_kinsler_527-breit

Das Spotlight gehörte für 90 Minuten allein dem jungen Amerikaner. Sein Banjo hatte er zuhause gelassen („Zu viel Gepäck, ich musste mich entscheiden…“), dafür kam er mit seiner Dobro, die schrabbelig genug klingen kann, auf die Bühne, begleitet von seinen beiden Freunden Jason „Jak” Jurzak an der Tuba und Richie Levinson am Waschbrett. Ganz ehrlich: wäre das Trio ganz normal mit Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug besetzt gewesen, es hätte nicht 20 % seiner Wirkung erzielt. Denn so eine Instrumentierung ist ganz wesentlich für den Sound, die Stimmung, das Bandprofil. Die Musik, die Winslow-King spielt, erfindet das Rad nicht neu. Man hört seine Wahl-Heimat New Orleans durch, das French Quarter, die Bayous, den Mississippi, den Süden. Straßenmusik auf hohem Niveau, die auch Club- und Konzerthallen, sogar Festival-tauglich ist. Die Jungs sind alle Virtuosen (auch wenn das für manch einen absurd klingen mag, wenn er Waschbrett hört… Aber hatten wir hier nicht kürzlichen einen Artikel über einen grandiosen Maultrommelspieler? Eben!), lieben aber das Understatement. Und sie sind echte Typen. „Wie heißt Superman im normalen Leben”, fragt einer. „Clark Kent“, lautet die Antwort. „Findest Du nicht, dass der Waschbrett-Mann genau so aussieht?“. Ja, passt. Aber dann ist der Chef im Ring, Luke, der nächste James Bond… “Zu schmächtig“, befindet Gregor. Aber den Charme hat er, etwas Verschmitztes. Ein Womanizer auf den zweiten Blick, der aber mit seiner unprätentiösen, unterhaltsamen Musik alle Anwesenden im Park begeistert.

luke_winslow_king_foto_kinsler_551-hoch

Besonders faszinierend klingt die Stimme von Winslow-King. Von Klang und Timbre wie eine Zeitreise in die Zwanziger- und Dreißigerjahre, aber nie und nimmer Retro. Denn der Mann lebt im Hier und Jetzt und erzählt seine Geschichten auf Augenhöhen mit seinem Publikum. Hier hat sich keiner verkleidet wie wir das von deutschen Phänomenen wie Max Raabe oder Roger Cicero kennen. Bei Luke ist es ein besonders liebevoller Umgang mit Traditionen, die aber äußerst lebendig sind. Bevor er wieder in die Staaten fliegt, tritt er noch mal beim – no joke – Ebbelwoifest am 29.6. in Langen auf. Zum Frühschoppen (ab 11 Uhr). „Das passt doch“, meint Sinisha Vrdoljak, der ihn dahin verpflichtet hat. Und ein deutliches Plus an Kultur kann so einer Veranstaltung ja nicht wirklich schaden. Es muss ja nicht immer der Standard-Dixieland sein.

Fotos: Detlef Kinsler
Wednesday, June 24, 2009 


pink_floyd 

Liebe Festhalle,
Du bist nicht nur eine architektonische Schönheit mitten in der Stadt, Du hast auch maßgeblichen Anteil an meiner musikalischen Sozialisation. Und das schon bevor ich die ersten Konzerte in Deinem weiten Rund erleben durfte. Da war ich noch jung, sammelte Anstecknadeln auf der IAA und traf meinen ersten Popstar am Mercedes-Stand, mein damaliger Held, hatte er mich doch vor der Mollenhauer Student Blockflöte gerettet und mich mit seiner Version von „Cotton Fields“ der Melodica zugeführt. Der Mann hieß Udo Jürgens und sah zu meiner Überraschung genau so aus, wie ihn Rolf Kauka in seinem berühmten Fix & Foxi-Heftchen (das kleine Lupinchen war ein großer Jürgens-Fan) gezeichnet hatte. Im Vergleich riesig großer Kopf auf einem verhältnismäßig kleinen Körper.

typische-szene-mit-aufnahmegerat
Typische Szene mit Aufnahmegerät

Mein erstes Konzert in der „Gudd Stubb“ erlebte ich 1970, der erste von nur zwei Auftritten von Led Zeppelin in Frankfurt. Direkt nach der Schule war ich im zarten Alter von 15 (was lange Diskussionen mit der Mutter bedeutete) an die Messe gefahren, wunderte mich über die „Amis“, die sich schon am frühen Nachmittag aus langen Schläuchen betranken und wie ich dem Einlass entgegen fieberten. Später, als ich dann eine Band hatte, waren wir immer als Clique unterwegs zu den Konzerten, schmuggelten (in einem US-Army-Brotbeutel – so was hatte man damals) unser kleines Philips-Cassetten-Aufnahmegerät in die Halle für total verhallte, schlechte Aufnahmen. Aber wir hatten unserer eigenen Bootlegs, die wir untereinander austauschten. Die Bilder dazu wurden mit einer Kodak Instamatic gemacht – die mit dem berühmten Würfelblitz. Auch klar, dass dessen reichweite nicht die Bühne ausleuchtet, selbst wenn man sich bis in die zehnte Reihe vorgearbeitet hatte. Die Tickets für die Festhalle kosteten damals zwischen 12 und 14 Mark, dafür sah man dann oft zwei gute Bands, Jethro Tull beispielsweise mit en grandiosen Gentle Giant im Vorprogramm.

jethro-tull
Jethro Tull

Unter den Namen, an die ich mich aus den Anfangstagen meiner Konzertgängerkarriere erinnern kann, sind die Bekanntesten Pink Floyd, Emerson, Lake & Palmer, Deep Purple (Mark III mit Ian Gillan, auch das erste Konzort mit David „noch dauergewellt“ Coverdale), Ten Years After, Grand Funk Railroad, Queen (über die schrieb ich dann schon ..77 in der Neuen Presse: Freddie Mercury: Ein neues Sex-Symbol“, jawoll), Supertramp. J. Geils Band, die Rolling Stones 1980 dann – längst schon offiziell als „Kritiker“ unterwegs – gab es das Highlight mit Santana, Led Zeppelin und Frank Zappa an drei Tagen hintereinander und im selben Zeitraum auch noch The Who dazu (Artikel hier).

ian-anderson-und-der-blitz-der-kodak-instamatic
Ian Anderson und der Blitz der Kodak Instamatic

Ich erlebte, wie die Festhalle klanglich fit gemacht wurde, Du eine Schönheits-OP bekamst, die Fenster in der Kuppel eine Dämmung erhielten, aber auch die schöne Treppe in den ersten Rang abgerissen wurde.

deep-purple
Deep Purple

Ich muss auch zugeben, ich ging immer mehr fremd. Klar hatte man schon mal mit der Stadthalle in Offenbach, dem Volksbildungsheim, den Hallen in der Region, Rüsselsheim, Mainz, Wiesbaden geflirtet. Denn da spielten die, die keine 12.000 Fans mobilisierten, aber trotzdem interessant und wichtig waren. Und immer mehr waren es die Clubs, die Batschkapp und die Wartburg in Wiesbaden, wo die Newcomer rockten, sich für spätere große Aufgaben warm spielten, allen voran The Police, Joe Jackson, The Cure.

queen
Queen und Freddie Mercury (unten)

freddie-mercury  War man deswegen plötzlich „indie“? Wohl kaum, aber irgendwie mochten man dem Hype, der um Acts wie Springsteen, Prince und Whitney Houston gemacht wurde und die die Festhalle füllten nicht wirklich nachvollziehen… Ok, man musste nicht mehr alles haben und so wurden auch die Besuche weniger. Aber klar, wann immer Du eine wunderbare Produktion beherrbergt hast, war ich dabei, hab..s mir schön gemacht, auch, indem ich die richtige Begleiterin mitgenommen habe, Ellen zu Peter Gabriel, Conni zu Deep Purple mit Sinfonieorchester. Und dass Tina mich zu Robbie Williams (den ich mir sonst angetan hätte aufgrund seiner Vergangenheit) genötigt hat, rechne ich ihr heute noch hoch an. Und auch Jack Johnson konnte ich mit ihr so richtig genießen. 2008 konnte mich allein Leonard Cohen in Deinen Rund locken… aber alte Liebe rostet bekanntlich nicht… Wir sehen uns wieder…

cohen_kinsler
Leonard Cohen

Fotos: Detlef Kinsler