Gender: Male
Status: Single
Age: 54
Sign: Gemini
City: Frankfurt
State: Hessen
Country: DE
Signup Date: 3/23/2008
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Sunday, November 08, 2009
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Ja-Panik_Foto_Kinsler_472
Pop und Rock aus Österreich und der Schweiz. Wolfgang Ambros, Georg Danzer, DJ Ötzi hier, Krokus, Polo Hofer, DJ Bobo dort. Zuletzt Christina Stürmer (na ja) und Stefanie Heinzmann (ok). Wenig Grund, neidisch über die Berge zu blicken. Und jetzt das. Ja, Panik aus dem Burgenland. Und Sophie Hunger aus Bern. Chapeau, liebe Nachbarn.
Anfangs sieht es im Mousonturm so aus, als würde sich nur eine Handvoll Besucher auf der Studiobühne verlieren. Dann aber ist’s doch gut gefüllt bei Ja, Panik, den Neu-Berlinern. Ja-Panik_Foto_Kinsler_507Optisch (sorry, Jungs) lieb und brav wie eine Schülerband, musikalisch aber mit vielen Wassern gewaschen. Oft erwähnt und immer wieder zitierenswert: mit ihrem deutschsprachigen Rock kann man sie eher in einer Traditionslinie mit Rio und den frühen Fehlfarben denn in irgendeiner (geschweige denn Hamburger) Schule sehen. Aufgewühlt, ruhelos, hinterfragend, aufgeregt, aufregend – Gitarrenrock à la Libertines mit fast klassischen Pianoeinwürfen: “Musik wie ein Manifest”, schrieb das JOURNAL FRANKFURT in seiner Vorschau. Und genau das erfüllt Ja, Panik auch. Unprätentiös gespielter Rock mit Anspruch. Kunst ohne Künstlichkeit. Gitarren, wie man sie auch schroff bei The Clash zu hören bekam. Eine stakkato angeschlagenes E-Piano mit Cockney Rebel-Appeal ohne deren Glamour drumrum. Eine Kirchenorgel wie weiland bei Procol Harum. Wüste Feedbacks und laute Bottleneck-Verzerrungen. Und immer wieder von englischen Phrasen/Zeilen durchsetzte deutsche Texte. Ein vollkommen undogmatischer Umgang in solchen „Stil“fragen. Songs vom Album „The Angst And The Money“ mit Zeilen wie „Eine Welt ist aus Zucker, doch eine Welt ist immer noch aus Dreck”. Wunderbar. Weiter machen. Mal sehen, wie Berlin die Mittzwanziger inspirieren wird. Was ist von ihrer Zeit – außer dem Song „Wien, du bist ein Taschenmesser“ – hängen geblieben? Kein Schmäh, kein Heurigen-Seligkeit, kein „Dritter Mann“, vielleicht ein wenig Kreisler und Zentralfriedhof? Selber hören und raus finden.
Sophie_Hunger_Foto_Kinsler_532
Einmal schlafen, dann ist Eidgenossen-Tag. 15 Uhr, Unplugged-Gig Sophie Hunger im Rahmen der Plattenladenwoche bei CDs am Goethehaus. Fast die ganze Band kommt, vier von fünf. Es wird eng im Basement. Sophie mit akustischer Gitarre. Gitarrist Christian Prader (Neu-Frankfurter und Student an der Musikhochschule) bringt auch seine Flöte mit. Michael Flury wechselt zwischen (gestopfter) Posaune und Glockenspiel. Und Schlagzeuger Julian Sartorius richtet sich auf der Sitzecke ein, legt seine Becken auf Zeitschriften, nutzt Bank und Karton des Glockenspiels, um sie mit Stöcken und Besen zu bearbeiten und perkussiv zu nutzen. Improvisationstalent gehört zu solchen Events. Aber erst mal beginnt Sophie a cappella und auf Schwyzer Dütsch und hat alle im Raum sofort für sich gefangen genommen. So nah, so anders, so speziell. Ein toller Appetizer fürs vom JOURNAL FRANKFURT präsentierten, ausverkauften Konzert abends im neuen Bett.
Sophie_Hunger_Kinsler_635
Da ist noch Bassist Simon Gerber mit der Partie. Und Prader hat noch ein Steinway-Flügel. Aber auch hier beginnt Hunger ganz allein. Wieder mit „Die Fahrende“ von Liedermacher Walter Lietha. Schon bald ist klar, was den besonderen Reiz dieser Band – neben Sophies Stimme – ausmacht. Das unorthodoxe Spiel auf orthodoxen Instrumenten. Und zusätzliche die Kombination von zum Beispiel Posaune und Barock-Holzflöte. Flury wird so was wie der Publikumsliebling des Abends. Sein Instrument klingt mitunter sehr alpenländisch (schließlich muss man kein Alphorn mit sich herum schleppen), dann wie die Stimme der Lehrerin bei „Charlie Brown), mehrstimmig wie beim großen Frankfurter Albert Mangelsdorff oder mit Quasi-WahWah-Effekt dank brillanter Dämpfertechnik: Folk, Psychedelia, Jazz – all inclusive. Wer Sophie Hunger als ätherische Singer/Songwriterin auf dem Zettel hatte, konnte schnell herausfinden: Hier ist keine Filigrankünstlerin am Werk, hier ist viel Power, Energie, gar Wut im Spiel. Subtilität ja, Fragilität, nein danke! Ihre Stimme vereint auf faszinierende Weise the best of many worlds. Sie hat die Dynamik, wie sie auch Katharina Franck (Ex-Rainbirds) auszeichnet. Sie hat – was sie wohltuend absetzt von den kindlich klingenden französischen Kolleginnen – ein wohlig tiefes Timbre wie es auch Sarah Bettens (K`s Choice besetzt). Und Ausschmückungen an den Enden der Zeilen wie Fiona Apple auf ihrem Debüt „Tidal“. Ein schier unerschöpfliches Vokal-Potential. Nur Melanie wie Kollege N. mag ich nicht wahrnehmen. Kein Wunder – die mochte ich auch nie wegen meines Banknachbarn in der Schule. Der hörte nichts anderes. Das prägt. Für mich bringt „Birth-Day“ eher auf wundersame Weise Stones-Balladen mit der simpel-wirkungsvollen Art der Arrangements der Plastic Ono Band zusammen – mit einer Dylan-Harp als Sahnehäubchen. La Hunger als Protestsängerin.
Wenn sie zum Flügel wechselt, wird sie fast zur Sarah Vaughan. Auf alle Fälle schafft sie es mühelos, in nur einem Song lässig alle skandinavischen Jazz-Pop-Diseusen (Sidsel Endresen einmal ausgeschlossen) aus dem Rennen zu werfen. Und wenn dann noch die Posaune dazu kommt, wird auch der Mentor der Schwedinnen und Norwegerinnen, Nils Landgren ins Abseits gestellt. An der Gitarre vermag sie den Jimmy Page zu geben – eine aggressiv bearbeitete Akustische, jeder Schlag ein Treffer, alles passt. Effektiver als Ani diFranco. Gecovert wird auch noch zwei Mal. „Aber das sind jetzt unsere eigenen Lieder“, sagt Sophie Hunger, singt – nach schwyzerdütsch, englisch, hochdeutsch (den wunderbaren „Walzer für niemand“) – jetzt auch noch französisch: Noir Desirs „Le Vent nous portera“. Sophies Übersetzung einer zentralen Passage gerät stockend – die Worte wollen wohl gewählt sein, Deutsch ist nicht ihre erste Sprache. Hinter mir kommentieren zwei dumme Hühner, die fast den ganzen Abend durchschwätzten (warum entscheidet man sich, in ein anspruchsvolles Konzert zu geben, um dann respektlos vor Musik, Musikern und konzentriertem Publikum nur dummes Zeugs zu blubbern wie in der Kneipe?), die Sängerin sei wohl Autistin… Herzlich Glückwunsch zum ADHS! Dann noch – mit zwei E-Gitarren – Dylans „Like A Rolling Stone“ vollkommen polypenfrei. Ein neuer, noch nicht fertig instrumentierter Song wird mehrstimmig gegeben. Zur dritten Zugabe – enthusiastisch gefordert von einem total begeisterten Publikum – setzen sich die Musiker an den Bühnenrand und singen den Mond an wie überhaupt Sophie öfters mal gen Himmel strahlte.
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Monday, July 27, 2009
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Von Samstag auf Sonntag regnete es vielerorts noch Katzen und Hund,
für Sonntag aber war schönstes Wetter angesagt: „Meist freundlich,
Sonnenschein und ein paar harmlose Wolken, trocken, 22- 27°.“ Und der
hr-Text sollte Recht behalten. Wunderbar. Ein Bilderbuch-Start fürs
diesjährige Summer in The City und das erste Konzert von Jazz im Museum
am Sonntag. Auch die neue Spielstätte wurde bestens angenommen. Und
Nils Petter Molvaer war der erhofft attraktive Auftakt für die
Reihe. Fast 500 Tickets waren bereits im Vorverkauf abgesetzt worden,
ein Novum. Das hatte es in all den Jahren im Historischen Museum nicht
gegeben. Und da waren die Tickets für 5 Euro noch um 7 Euro billiger
als anno 2009. „Die Besucher sollen sich den neuen Platz erobern“,
hatte Mousonturm-Intendant Dieter Buroch als Veranstalter des Summer In The City noch bei der Pressekonferenz von der Idylle im Garten des Museums geschwärmt und war entsprechend gespannt auf die Premiere.

Und siehe da: die halbrunde Bühnenkonstruktion passte sich bestens
in den Garten ein, auf dem leicht abschüssigen Rasen standen Stühle,
dahinter dann Apfelweinbänke – alles gestaltete sich lässig, die
Gastronomie im Café im Liebieghaus hatte sich bestens auf die Situation
eingestellt, die museumseigenen Wachleute zeigten sich zurückhaltend
und nicht allzu sehr um ihr Gelände besorgt. Eine alles in allem
gelungene Veranstaltung, zu der – geschätzt – letztlich um die 1.000
Besucher gekommen waren – ein Spitzenwert.

So rieb sich auch Nils Petter Molvaer zu einer für Jazzmusiker
frühen Stunde die Augen, zeigte sich sehr erfreut und begrüßte sein
alles andere als schläfriges, sondern sehr aufmerksames und
begeistertes Publikum. „Ich bin überrascht, so viele Menschen hier an
einem Sonntagmorgen zu sehen und nicht in der Kirche.“ Dabei hatte der
Beginn seines Auftritt in kleiner Triobesetzung mit Eivind Aarset
(Gitarre) und Audun Kleive (Schlagzeug) durchaus etwas Andächtiges,
Meditatives, Ruhiges. Zunächst spielte er solo auf seiner Trompete,
erst langsam kamen die anderen Instrumente dazu, begannen die Beats –
eher noch zeitlupenhaft – zu greifen und groovten selbst im langsamsten
Tempo. Wie schon auf der neuen CD „Hamada” kam aber auch im Konzert mit
Fortdauer mehr Dynamik ins Spiel und plötzlich laut und wilder, gar
ekstatischer. Da war es dann für Momente mit dem Träumen und sich in
schönen Ambient-Klängen Verlieren vorbei… Aber gerade auch diese
Ausbrüche wurden vom Publikum frenetisch bejubelt.

Was
Molvaers Musik auszeichnet, ist, dass es nicht bei reiner, ästhetischer
Klangmalerei bleibt. Ein gesundes Maß an Härte und Kontrasten schafft
eine gesunde Balance aus akustischem und elektrisch/elektronischem
Spiel. So klingen gerade Trompete und E-Gitarre konkret und abstrakt
zugleich und schaffen zu zweit einen Klangfarbenreichtum, den sonst
eine vielköpfige Band nicht auf die Bühne bringt. Das Schlagzeug dazu
ist minimalistisch, differenziert, aber auch akzentuiert und
dominierend an anderen Stellen. Alle Drei verstehen es, ihr Publikum
immer wieder zu überraschen: Molvaer mit gesungenen Phrasen zu
Trompeten-Loops, Aarset mit Ambient-mäßigen Gitarren-Sounds und Kleive
mit ganz spezieller „Body-Percussion“, einem Beckensolo auf dem Bauch
und sich selbst als Klangkörper.
Ist die immer wieder als eindrucksvoll gewertete Klangwelt des Trios
tatsächlich eine rein nordische Musik? Man mag der Suggestion der
vielen Kritiker, die das so hören wollen, erliegen. Aber wer genau
hinhört, kann – bei entsprechenden Klangbeispielen als Referenzen auf
der eigenen Festplatte im Kopf – durchaus gedanklich eine Reise gleich
über mehrere Kontinente, Afrika und Asien vor allem, antreten. Da
klingen dann plötzlich Becken und Glöckchen nach Tibet und Nepal und
andere Passagen balinesische Gamelanmusik.
Vielleicht
ist das Ganze ja auch eine globale Geisterbeschwörungs- oder zumindest
Nomandenmusik mit Mitteln des Jazz und Dub neu und auch urban
umgesetzt?!
Fotos: Detlef Kinsler
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Saturday, July 25, 2009
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Es ist wie im Leben. Man sollte auch bei Konzerten nicht immer zu
viel erwarten, um heftige Enttäuschungen zu vermeiden. Tatsächlich
denkt man bei so mancher Ankündigung in den Club-Programmen, das könnte
in die Hose gehen, eher peinlich enden. Das mag sich manch einer auch
gedacht haben, als der Auftritt der New York Dolls
bekannt gegeben wurde. In die Jahre gekommene
Früh-Siebzigerjahre-Helden – wie verkaufen die sich heute? Die
Neugierde und die Tatsache, dass die Sommermonate nicht gerade mit
Rock-Konzerten gesegnet sind, trieb mich dann doch in die Kapp. Und da
traf man dann all jene, die selber mal als Punks auf der Bühne
gestanden haben oder auch jene, die auch heute noch an den Traum von
Sex & Drugs & Rock’n’Roll glauben und sich für den Abend in
Stimmung gebracht hatten.

Drummer
Brian Delaney, Bassist Sami Yaffa und die beiden Gitarristen Steve
Conte und Sylvain Sylvain enterten cool die Bühne und gaben musikalisch
gleich Gas. Klar, dass das einzig verbliebene Gründungsmitglied von
1979, Frontmann David Johansen, sich den dramaturgischen Luxus gönnte
als letzter vors Publikum zu treten – beklatscht von seinen Fans, die
diesen Moment schon den ganzen Abend herbei gesehnt hatten.
Unglaublich, aber der Mann schien tatsächlich die Ankündigung im
JOURNAL FRANKFURT gelesen zu haben: „Waren die New Yorker nun die
Erfinder des Glam Rock oder Vorreiter des Punk – egal, Hauptsache sie
sind nie so groß geworden wie die Stones und so können sie heute auch
noch locker als die wahren Glimmer Twins auftreten. Denn mit
Jagger/Richards wollen es Johansen/Sylvain gerne aufnehmen…“.

Und
Johansen – immerhin auch schon 59 – tänzelte auf die Bühne und sah
Jagger beinah ähnlicher als Mick sich selber. Inzwischen sauber
gestyltes, nur noch nackenlanges Haupthaar, nicht ganz so dicke, aber
genauso schmollende Lippen und eine gewisse – hier aber
selbstironischere – Blassiertheit, keinen Arsch in der Hose, aber
immerhin keine Hasenpfote vorne drin, spindeldürr, bestens in Form und
mit rotziger Stimme ausgestattet. Nur mit seinem transparenten,
türkisfarbenen Hemd aus Kunstfasern hatte der Sänger ins Klo gegriffen.
Das merkte er beim schweißtreibenden Konzert schnell selber, stand er
doch mit dem Rücken zum Publikum vorm Schlagzeugpodest, roch unter
seinen Achseln und verzog das Gesicht zu einer echten Grimasse.

Klar
– das Set kam nicht gänzlich ohne Punk und Glamour aus. Aber unterm
Strich gaben die New York Dolls die zeitlose Rock’n’Roll-Kapelle,
streiften den Blues mit Johansen an der Mundharmonika, setzten bei
aller Erdigkeit auch auf ..ne Menge Effekte in der Gitarrenarbeit,
hatten Hymnisches à la Mott The Hoople und frühe Queen, Androgynes wie
Bowie und T Rex, dabei immer eine begeisternde Energie zu bieten. Die
Rhythmussektion pumpte die Beats heraus, Steve Conte übernahm die Rolle
der Frontsau während sein Kultkollege Sylvain Sylvian sich mehr in der
Rolle des Clowns gefiel und auf sympathischste Weise mit den Fans
kommunizierte.

Wie
cool war das denn – nichts erwartet und dann so eine Party und endlich
einmal Face to face gesehen, was Generationen von Musikern, darunter
Kiss, Aerosmith, The Ramones, Blondie, The Sex Pistols, The Damned,
Motley Crue, Guns N’ Roses, Hanoi Rocks, The Strokes, The Libertines,
musikalisch wie optisch als Rôle Model diente. Ein geiles Konzert. Und
erfreulich, dass die „Alten“ heute fitter scheinen als zu Beginn ihrer
Karriere.
Fotos: Detlef Kinsler
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Wednesday, July 22, 2009
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„Hatte Patti Smith ( www.myspace.com/pattismith)
eigentlich noch einen Hit außer ,Because The Night..?“, fragte mich mein
Chefredakteur bevor ich die Redaktion Richtung Jahrhunderthalle
verließ. „Nicht wirklich“, konnte ich da guten Gewissens antworten. Der
1978 mit Bruce Springsteen geschriebene Song war ihre kommerziell
einzig erfolgreiche Single. Aber die Wichtigkeit von Patti Smith lässt
sich sicher nicht in solchen Kategorien messen. Die Frau ist eher ein
Gesamtkunstwerk. Ihre ersten vier Alben „Horses“, „Radio Ethiopia“,
„Easter“ und „Wave“, bereits zwischen 1975 und 1979 erschienen, waren,
sind und bleiben Meilensteine der Rock-Geschichte und begründeten ihren
anhaltenden Ruf und Ruhm als „Hohepriesterin des Punk“, Ikone der
Frauenbewegung und Poetin mit großen Vorbildern wie Baudelaire, Rimbaud
oder William Blake. Entsprechend bunt gemischt war – abhängig davon,
wer sich wie dem Phänomen Smith nähert(e) – dann auch das Publikum beim
ausverkauften, einzigen Deutschland-Konzert in der Frankfurter
Jahrhunderthalle.
Das Ticket diente nicht nur zum Einlass, sondern auch als Notizzettel im Dunkel des Konzertsaals
Die gut 2.000 Tickets waren schnell verkauft, mehr hätten gut und
gerne verkauft werden können. Die Fans waren übrigens keineswegs alle
50 + – auch Zwanzigjährige sah man in gespannter Erwartung zu ihren
Plätzen pilgern. Nicht weniger konträr gestaltete sich dann der
künstlerische Vortrag auf der Bühne in den nächsten gut 1 ½ Stunden. Da
gab es einen Rest von Post-Punk-Appeal, wenn die inzwischen 62-jährige
Sängerin ihre Band immer wieder antrieb, das Tempo zu forcieren, dabei
in ihren stilvollen Clochard-Klamotten wie einst im legendären CBGB..s
links und rechts – Verzeihung – neben sich rotzte. Andere Momente
hatten den Charakter einer Lesung zu Musik mit einer sehr in sich
gekehrt wirkenden Künstlerin. Dann wieder ließen Passagen Assoziation
zu „sacred music“ zu – ein Hauch von Pow Wow kam mitunter auf. Patti
Smith als moderne Schamanin?

Die
grandiose Version des Jimi Hendrix-Klassikers „Are You Experienced?“
passte in dieses eine der vielen Bilder des Abends: Sie begann als
Meditation und entwickelte sich zu einer Trance-haften Improvisation
wobei Smith’s Klarinette eher wie eine Zurna aus dem marokkanischen Rif
klang. The Drums And Pipes of Jajouka hatten schon den verstorbenen
Rolling Stone Brian Jones fasziniert.
Ihren Song „Blakean“ leitete sie mit einer Moderation über Goethe
ein, erzählte von Goethes Geburtshaus in Frankfurt, wusste, dass es im
Krieg restlos zerstört, aber wieder aufgebaut wurde, auch um Goethes
Geist zu erhalten. Ob sie das Goethehaus vorm Soundcheck besucht hatte,
wusste keiner der Veranstalter, ist aber denkbar. Denn Patti Smith
sucht immer kulturelle Städte auf, wollte bei ihrem letzten
Berlin-Besuch das Grab von Brecht sehen, packte davor ihre Klarinette
auf, um spontan zu spielen, was Friedhofspesonal auf den Plan rief, die
sie aber gewähren ließen als sie
entdeckten, wer da spielte. 
Vorm Schlagzeug entdeckte man eine libanesische Fahne, einen Song
widmete Patti Smith den palästinensischen Kindern, eine auf die Bühne
gereichte tibetische Flagge wurde gerne kurzzeitig als Umhang benutzt –
die Friedensbotschaften einer Frau, die in „Rock ‘n’ Roll Nigger“
provozierend „Jimi Hendrix was a nigger. Jesus Christ and Grandma,
too.“ sang, deren Losung nach ihrem Comeback dann – vielleicht ein
wenig naiv in vieler Ohren – „People Have The Power“ lautete und die
ihrem Publikum an diesem Abend auch predigte, das nie aus dem Blick zu
verlieren. Ok, radikal klingt anders, aber ihre Revolution light ist
dann immer noch glaubwürdiger als das ganze Gutmenschen-Gehabe der
Kollegen Sting und Bono, die vielleicht das globale Weltgeschehen
politisch besser durchblicken als Patti Smith, dabei aber immer auch
selbstgefällig und mediengeil wirken.
Hände schüttelnd, glücklich lächelnd und winkend verließ Patti Smith
schließlich die Bühne, gab ihrem seligen Publikum das Gefühl, dass sie
ihren Traum lebt. Mit allen Widersprüchen, die längst aber auch ihre
Authentizität ausmachen.
Fotos: Detlef Kinsler
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Monday, July 13, 2009
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Bratsch auf der Burg HaynViele Frankfurter machen es sich gar zu einfach. Für sie ist Shantel
Synonym für die Musik vom Balkan. Bestenfalls assoziieren diese Fans
damit noch vielköpfige Bläserensembles, die hier immer mal wieder in
den Club oder bei Weltmusik im Palmengarten vorbei schauen. Aber es
geht auch weit subtiler und vor allem individueller wie zwei Konzerte
jüngst bewiesen. Zum Beispiel der Auftritt von A Hawk & A Hacksaw
im Bett. Das Duo – auf der Bühne ein Quartett – kommt aus New Mexico,
zugegeben weit weg von Osteuropa. Aber Jeremy Barnes und Heather Trost
haben nicht nur den Balkan bereist, zum Beispiel eng mit ungarischen
Musiker zusammen gearbeitet und dabei die Musik in ihrer ganzen
Bandbreite zwischen Melancholie und Euphorie verinnerlicht. Natürlich
nicht, um einen authentischen Balkan-Sound auf die Bühne zu bringen,
sondern einen ganz eigenen, virtuosen Stil zu erfinden, in dem – kaum
verwunderlich – Klezmer, Polka und Walzer auch Mariachi- und
Appalachen-Folk-Injektionen erfahren und damit ganz sicher den
orientalischsten Folk Amerikas sind.
Um Perfektionsdrang ist das Ganze nicht bemüht, eher um viel
Spielfreude und einen Rest von Punk-Appeal. Barnes spielt nicht nur
Akkordeon und singt, sondern bedient gleichzeitig noch das Schlagzeug,
auch ein wenig holprig, aber durchaus charmant. Trost spielt Geige,
auch eine mit Schalltrichter mit einem sehr speziellen Klang. Mit den
anderen Instrumentalisten, Chris Hladowski an der Bouzouki (er blieb
vergleichsweise zurückhaltend), aber vor allem mit Samuel Johnson
(Trompete, Flügelhorn) und Barnes, lieferte sie sich wilde Dialoge mit
Schwindel erregenden Soli, die das Publikum mitrissen. Zum Finale des
Konzerte spielten die Vier mitten im Publikum und – sehr passend – auf
dem Dancefloor.
Auch Bratsch –
schon oft Gäste in der Region – haben mit Balkan-Klischees nichts am
Hut. Eine ihrer CD-Anthologien gab das Motto schon vor 16 Jahren aus:
„Gypsy Music From The Heart Of Europe“. Das Quintett stammt aus
Frankreich, aber einige Musiker haben andere Roots, Gitarrist Dan Gharibian zum Beispiel armenische, Akkordeonist François Castiello
neapolitanische. Das und vieles, vieles mehr kommt in der „Folklore
imaginaire” der ältesten Boyband Frankreichs zu Gehör. Bei ihrem
Gastspiel in der Burg Hayn in Dreieichenhain zogen sie mal wieder alle
Register ihres Könnens. Alle Musiker, neben Gharibian und Castiello
Bruno Girard an Geige und Bratsche, Nano Peylet an der Klarinette und
sogar der ganz im Hintergrund agierende Pierre Jacquet am Kontrabass,
sind Topsolisten, aber sie klingen dabei – auch wenn einige Passagen
klassisch, nein eher barock klingen – mehr nach Straße als nach Salon.
Vom Typ her sind sie eher Schausteller als abgehobene Künstlertypen,
als Sänger eher beseelt als perfekt, mehr Ausdruck- als Schönsänger,
egal ob sie französisch, jiddisch, armenisch oder Romani singen.
Was die Musik betrifft, so lässt sich da vieles heraushören und auch
hineindeuten. Der Gypsy Swing eines Django Reinhardt, griechischer
Rembetiko, Klezmer, Musette. Auch Czardas und Flamenco mag man heraus
hören. Und wenn sie improvisieren, sind sie – keine Frage –
Jazzmusiker, gern auch mal ein wenig dissonant. Aber macht sie das
gleich zu Free Jazzern wie bei Wikipedia zu lesen ist? Zwei absolute
Highlights in einem an Ausrufezeichen reichem Programm waren ein
armenisch gesungenes Stück voller Emotion und Tiefe, bei dem alle Fünf
eine beeindruckende Chorarbeit (fast gutturale Mönchsgesänge, Obertöne
inklusive) und ein altes Chanson, „Jacky“, das ich mit Brel und der
Piaf in Verbindung bringe.
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Friday, July 10, 2009
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Glück
gehabt! Die Wiesen am Main waren feucht, im Schlosspark standen Pfützen
auf den Wegen, am Nachmittag hatte es noch heftig geregnet und auch
nach dem Konzert plätscherte es wieder vom Himmel. Aber während des
Starts des Shooter-Konzert-Sommers 2009 mit dem 2 ½-stündigen Konzert von Haindling blieb es trocken. Nass wird ohnehin niemand in einer der schönsten Konzertarenen der Region, denn das Amphitheater Hanau,
diese imposante Zeltkonstruktion, überdacht Zuschauer und Bühne und nur
bei heftigem Wind könnte der Regen seitlich unters Dach gepeitscht
werden. Aber trocken ist..s natürlich viel, viel schöner im Rund.
1982 schon erschien das erste Album von Haindling mit bis dato in
Deutschland nicht gehörter, weiß-blauer Folklore, fast im Alleingang
eingespielt. Die niederbayrische Antwort auf das Penguin Café
Orchestra, ein Mix aus Walzer, Jodler, Jazz und Avantgarde, kauzig,
charming, hinterfurzig, liebenswert und individuell zugleich. Aber
Hans-Jürgen Buchner, eigentlich „a Preiß”, den..s nur ins
niederbayrische Haindling verschlagen hatte, schaffte es mit seinem
Gespür auch für simpel-schöne Melodien prompt ins Radio und die Charts:
mit Songs wie „Du Depp“, „Spinn i“ und vor allem „Lang scho nimmer
g’sehn“. Wie passend – denn obwohl ich vor allem den Anfang von
Haindlings Karriere verfolgte, hatte ich zuletzt eine lange
Konzertpause eingelegt, die Band sicher 10, 12 Jahre nicht gesehen.
Aber alte Liebe rostet nicht.
 Schon der Einstieg ins Hanauer Konzert unterstrich die Genialität von
Haindlings Musik. Noch bevor der Chef selber in den Ring stieg,
zelebrierten seine fünf Multiinstrumentalisten (manchmal kam ein Roadie
als sechster für zusätzliche Percussion dazu), darunter mit Michael
Braun (Saxophon, Trompete, Tenorhorn, Keyboards, Percussion, Gesang)
und Peter Enderlein (Schlagzeug, Perkussion) zwei Mitstreiter der
ersten Stunde, ein Intro, das mit viel Atmosphäre wie eine Meditation
(auch Prozession) auf eine Reise durchs Alpenländische und rund um die
Welt gleichzeitig einstimmte. Selten wurde heimische „Volksmusik“
(gemeint ist die gute, authentische jenseits des „Musikantenstadls“) so
tranzendierend dargeboten. Egal, welche Blasinstrumente da aus der in
Silber, Gold und Bronze glänzenden Sammlung bis hin zur Basstuba gleich
zu Gehör kamen, da klangen imaginär Alphorn, Didjeridoo und Rag Dun-
wie Dungchen-Hörner an – die Alpen, die Outbacks und das Dach der Welt
schienen zu verschmelzen, um gleich darauf doch mit beiden Beinen in
der Heimat anzukommen – mit Walzern, Ländlern, Zwiefachen.
 Bei
Haindling und seiner bayrischen Weltmusik ist Platz für Vieles, auch
Widersprüchliches, das sich aber in der Person von Hans-Jürgen Buchner
irgendwie in Luft auflöst. So wie in der Musik neben Hochkomplexen, ja
fast klassisch oder gar barock anmutenden Motiven, Kinderliedhaftes
steht, ist er in seinen Texten mal Philosoph, dann wieder beinah naiv
und vor allem gerne auch trivial (wenn er zum Beispiel Sushi auf Uschi
reimt). Das macht den Reiz der alten, in einem tollen Medley
dargebotenen Lieder aus, das ist auch auf dem brandneuen Album „Ein
Schaf denkt nach“ nicht anders. Oft hält uns dabei der Sänger, der auch
Saxophon, Tenorhorn, Tuba, Klavier, Maultrommel, Klanghölzer und vieles
mehr spielt, uns (und auch sich selbst) den Spiegel vor, macht sich
über Verhaltensmuster lustig (unser ständiges „O-käy“-Sagen an allen
möglichen und unmöglichen Stellen in der täglichen Konversation –
prompt bestellt ich, kaum war das Lied verklungen, eine Bratwurst am
Stand, wie reagiert der Verkäufer? Mit einem Okay…), verpackt kleine
Alltagsszenen in Poesie („Die Fliege“), beklagt – wenn auch mit einem
lachenden neben dem weinenden Auge – den Umgang der Menschheit mit der
Natur und mokiert sich über die zunehmende Entfremdung in der
Gesellschaft.
Seine einfache Losung lautet dabei „Seid..s freundlich“, in seinen
Konzerten bietet er nicht zuletzt auch eine Lachtherapie an,
propagiert: „Singen ist sehr gut, am besten gleich morgens unter der
Dusche”. So ist der Auftritt wie der Versuch einer gemeinsamen
Sinnsuche für 150 Minuten, dargeboten als unterhaltsames Musikprogramm,
in dem sogar Swing, Rock’n’Roll, Funk und Reggae ihren Platz haben.
Warum musste ich ständig an diesem Abend an das alte Zitat „Kinder und
Narren sagen die Wahrheit“ denken?
Fotos: Detlef Kinsler
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Monday, June 29, 2009
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Zelte stehen in diesem Jahr im Mainzer Volkspark nur im
Gastrobereich und Backstage. Nachdem zwei Acts, Randy Crawford und
leider auch Cyndi Lauper, krankheitsbedingt abgesagt haben und eh
einige Konzerte Open Air geplant waren, hat man auf den schönen
Sechsmaster (hilfreich bei Regen, schweißtreibend bei massiver
Sonneneinstrahlung) verzichtet und hofft auf einen wohlgesonnenen
Petrus für diesen Sommer. Bis jetzt ist es bei den ersten drei
Veranstaltungen gut gegangen… Am Sonntag kam es zur Begegnung von Noa
und Mira Awad.
Über Noas neues Programm „Genes & Jeans“, das den Hauptteil des
Abends ausmachte, hatten wir ja schon im Dezember berichtet. Dazu ist
nur zu sagen, dass Noa
diesmal mit zwei Musikern weniger kam. Und das tat ihrem Auftritt nur
gut, zumal Percussionist Gadi Seri diesmal auch die Drums übernahm und
einen tollen Mix mit seinen Darbukkas, dem Cajon und im Duett mit Noa
auf dem Speiseöltonnen abliefert. Keyboarder Gil Zohar entpuppte sich
auch noch als wunderbar grooviger Bassist und Flötist, womit niemand
die etatmäßige Rhythmussektion vom letzten Mal vermisste. Denn je mehr
Raum bleibt für das virtuose Spiel von Gitarrist Gil Dor und den
variantenreichen, beflügelnden Gesang von Noa, desto besser,
emotionaler sind die Sets.

Mit Mira Awad,
der israelisch-palästinensischen Sängerin, arbeitet Noa, die in New
York aufgewachsene Israelin mit jemenitischen Wurzeln, schon seit
Jahren zusammen. Seit ihrer gemeinsamen Teilnahme beim Eurovision
Songcontest mit „There Must Be Another Way“ nimmt man sie auch
hierzulande im Doppelpack wahr, zumal es nun das gleichnamige Album zum
Teilnehmersong gibt. Zunächst stellte sich Mira Awad alleine vor, erst mal a cappella,
dann begleitet von Gadi Seri an der Rahmentrommel, mit warmen,
kräftigem, kehligen Timbre, simpel-schöne Songs, sehr direkt und
unverstellt. Für einen Song spielte sie auch eine Rohrflöte, blies sie
und sang gleichzeitig dazu, ein Effekt, den man auch von Albert
Mangeldorff mit seiner Posaune kennt. Beim gemeinsamen Finale nach dem
Noa-Auftritt konnten die beiden Freundinnen noch einmal ganz plakativ
verdeutlichen, worum es ihnen in ihren Solo- und vor allem eben auch in
ihren Doppelauftritten geht. In gemischt englisch, hebräisch und
arabisch gesungenen Liedern geht es um das Pulverfass Naher Osten, den
Wunsch nach Frieden und einem Miteinander in einer für ihre Kinder
friedlichen Region, die kulturell und landschaftlich so viel zu bieten
hat.

Wer
es für naiv hält, wenn Künstler für sich in Anspruch nehmen, Einfluss
auf Soziales und Politisches zu nehmen, ist hier sicherlich fehl am
Platz. Wer jedoch daran glaubt, dass Musik und engagierte Künstler mit
ihrer Prominenz Veränderungen anstoßen können, der wird den Gesang der
beiden Grazien entsprechend goutieren. „Ich wollte eigentlich wie Sting
bei The Polce sein, nun wurde ich wie Joan Baez“, machte sich Noa ein
wenig lustig über ihren Status. Aber sie unterstützte nicht nur Rabin
zu dessen Lebzeiten, sondern war auch immer beim Weltwirtschaftsgipfel
in Davos ganz in der Nähe der Führer der Welt (schließlich kann man
nicht alles Bono überlassen), und sie sang seinerzeit auf Einladung von
Johannes Paul II das „Ave Maria“ als globale Friedensbotschaft vor
Zehntausenden im Vatikan. Und das „Ave Maria“ beschloss einen
wunderschönen Sommerabend in Mainz. Die nächsten Konzerte im Volkspark,
siehe www.frankfurt-hof-mainz.de.
Fotos: Detlef Kinsler
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Friday, June 26, 2009
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Die Stimmung im Sinkkasten war bestens, obwohl es einen Abschied zu feiern gab. Nach 16 Jahren on the road spielten Freezeebee
ihren letzten Gig, noch mal als Quartett – mit Nico Flores (Foto). Und
das wurde auch noch mal deutlich, was die etwas anderen
Crossover-Helden neben mächtigen Metalriffs, Stoner Rock- und
Grunge-
Appeal eben auch noch auszeichnete. Gleich doppelt besetzt mit
zwei grandios singenden Gitarren der Extraklasse hatten die Freezies
was, was wenige Kollegen auch ins Feld führen konnte: echten
Soul-Appeal. Nico, Jan und die Schweizer Präzisions-Uhrwerk Jo und Flo
als Rhythmussektion zogen noch mal alle Register ihres
Entertainment-Talentes und standen ihrem lauthals mitmachenden Publikum
auch in puncto Stagediving in nichts nach.
Ob sie sich ihrer Abschiedshymne fast Musical-kompatibel vom Band
spielen ließen oder Uriah Heeps Killernummer „Lady In Black“ eher dem –
bei dem Titel muss ich das schreiben – dem Black Metal (na ja, nicht
wirklich) zuführten, es war Party angesagt.
Und
nachdem klar ist, dass das Trio ohne Nico als Peoples Temper mit zwei
Gitarren zu Schlagzeug nicht minder energetisch weiter macht und auch
Señor Flores nicht darüber nachdenkt, seine Gitarre einzumotten, musste
kein Tränchen verdrückt werde.
Als Support waren übrigens No Clue auf der Bühne, der Gitarrist 9,
der Drummer 11, der Bassist auch kaum älter. Erstaunlich, wie gute die
Knirpse schon an ihren Instrumenten waren, aber kein Wunder, werden sie
doch von ihren Papas gecoacht und vor der Bühne angefeuert. Und auch
die Rock..n..Roll-Posen nebst aller Klischees beherrschen auch schon
bestens. Klar – wenn man ACDC..s „TNT“ interpretiert, darf einen kleine
Bodenkür nicht fehlen…
Fotos: Detlef Kinsler
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Thursday, June 25, 2009
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Jedes Jahr wird die Vorschau auf das Stoffel
im Günthersburgpark im JOURNAL FRANKFURT ins Theaterressort sortiert.
Weil das Festival eben vom Stalburg Theater organisiert wird. Unter
Musik möchte ich..s nicht wirklich haben, obwohl viele Musikacts auf der
Bühne stehen. Denn eigentlich ist das Stoffel (für Stalburg offene Luft
Festival) ein einmonatiges „Volksfest“ der etwas anderen Art. Klar –
ein Teil des Publikums (das, das sich vorne vor der Bühne seine
Sitzplätze sichert) kommt, um gezielt bestimmte Lesungen zu erleben
oder auch Bands zu sehen. Die meisten treffen sich mit Freunden,
genießen die down to earth-Gastronomie (mit Specials wie der
Kartoffelbratwurst, BIO versteht sich) und genießen – wenn auch oft
nicht vom Wetter verwöhnt – einen chilligen Abend im GüPa.
Für „Normalos“ (bitte lesen Sie hier keine Wertung her aus!) gibt es
immer auch Vieles im Programm zu entdecken, Musiker, Autoren, auf die
sie sonst nie gestoßen wären. Für einen Profi-Konzertgänger, der beim
Stoffel aber durchaus (und nicht zuletzt) als Mensch unterwegs ist,
eher weniger. Man kennt die meisten Kandidaten nach den letzten Jahren.
Umso schöner, wenn dann – durch Vermittlung von Gregor Praml, dem
Kontrabassisten von Mi Loco Tango und Freund des Hauses Stalburg – dann
plötzlich ein Luke Winslow-King auf den Plan tritt und dem Stoffel (denn hier ist das Festival der eigentlich Star) für einen Abend den Rang abläuft.

Das Spotlight gehörte für 90 Minuten allein dem jungen Amerikaner.
Sein Banjo hatte er zuhause gelassen („Zu viel Gepäck, ich musste mich
entscheiden…“), dafür kam er mit seiner Dobro, die schrabbelig genug
klingen kann, auf die Bühne, begleitet von seinen beiden Freunden Jason
„Jak” Jurzak an der Tuba und Richie Levinson am Waschbrett. Ganz
ehrlich: wäre das Trio ganz normal mit Gitarre, Kontrabass und
Schlagzeug besetzt gewesen, es hätte nicht 20 % seiner Wirkung erzielt.
Denn so eine Instrumentierung ist ganz wesentlich für den Sound, die
Stimmung, das Bandprofil. Die Musik, die Winslow-King spielt, erfindet
das Rad nicht neu. Man hört seine Wahl-Heimat New Orleans durch, das
French Quarter, die Bayous, den Mississippi, den Süden. Straßenmusik
auf hohem Niveau, die auch Club- und Konzerthallen, sogar
Festival-tauglich ist. Die Jungs sind alle Virtuosen (auch wenn das für
manch einen absurd klingen mag, wenn er Waschbrett hört… Aber hatten
wir hier nicht kürzlichen einen Artikel über einen grandiosen
Maultrommelspieler? Eben!), lieben aber das Understatement. Und sie
sind echte Typen. „Wie heißt Superman im normalen Leben”, fragt einer.
„Clark Kent“, lautet die Antwort. „Findest Du nicht, dass der
Waschbrett-Mann genau so aussieht?“. Ja, passt. Aber dann ist der Chef
im Ring, Luke, der nächste James Bond… “Zu schmächtig“, befindet
Gregor. Aber den Charme hat er, etwas Verschmitztes. Ein Womanizer auf
den zweiten Blick, der aber mit seiner unprätentiösen, unterhaltsamen
Musik alle Anwesenden im Park begeistert.

Besonders
faszinierend klingt die Stimme von Winslow-King. Von Klang und Timbre
wie eine Zeitreise in die Zwanziger- und Dreißigerjahre, aber nie und
nimmer Retro. Denn der Mann lebt im Hier und Jetzt und erzählt seine
Geschichten auf Augenhöhen mit seinem Publikum. Hier hat sich keiner
verkleidet wie wir das von deutschen Phänomenen wie Max Raabe oder
Roger Cicero kennen. Bei Luke ist es ein besonders liebevoller Umgang
mit Traditionen, die aber äußerst lebendig sind. Bevor er wieder in die
Staaten fliegt, tritt er noch mal beim – no joke – Ebbelwoifest am
29.6. in Langen auf. Zum Frühschoppen (ab 11 Uhr). „Das passt doch“,
meint Sinisha Vrdoljak, der ihn dahin verpflichtet hat. Und ein
deutliches Plus an Kultur kann so einer Veranstaltung ja nicht wirklich
schaden. Es muss ja nicht immer der Standard-Dixieland sein. Fotos: Detlef Kinsler
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Wednesday, June 24, 2009
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Liebe Festhalle,
Du bist nicht nur eine architektonische Schönheit mitten in der Stadt,
Du hast auch maßgeblichen Anteil an meiner musikalischen Sozialisation.
Und das schon bevor ich die ersten Konzerte in Deinem weiten Rund
erleben durfte. Da war ich noch jung, sammelte Anstecknadeln auf der
IAA und traf meinen ersten Popstar am Mercedes-Stand, mein damaliger
Held, hatte er mich doch vor der Mollenhauer Student Blockflöte
gerettet und mich mit seiner Version von „Cotton Fields“ der Melodica
zugeführt. Der Mann hieß Udo Jürgens und sah zu meiner Überraschung
genau so aus, wie ihn Rolf Kauka in seinem berühmten Fix &
Foxi-Heftchen (das kleine Lupinchen war ein großer Jürgens-Fan)
gezeichnet hatte. Im Vergleich riesig großer Kopf auf einem
verhältnismäßig kleinen Körper.
Typische Szene mit Aufnahmegerät
Mein erstes Konzert in der „Gudd Stubb“ erlebte ich 1970, der erste
von nur zwei Auftritten von Led Zeppelin in Frankfurt. Direkt nach der
Schule war ich im zarten Alter von 15 (was lange Diskussionen mit der
Mutter bedeutete) an die Messe gefahren, wunderte mich über die „Amis“,
die sich schon am frühen Nachmittag aus langen Schläuchen betranken und
wie ich dem Einlass entgegen fieberten. Später, als ich dann eine Band
hatte, waren wir immer als Clique unterwegs zu den Konzerten,
schmuggelten (in einem US-Army-Brotbeutel – so was hatte man damals)
unser kleines Philips-Cassetten-Aufnahmegerät in die Halle für total
verhallte, schlechte Aufnahmen. Aber wir hatten unserer eigenen
Bootlegs, die wir untereinander austauschten. Die Bilder dazu wurden
mit einer Kodak Instamatic gemacht – die mit dem berühmten Würfelblitz.
Auch klar, dass dessen reichweite nicht die Bühne ausleuchtet, selbst
wenn man sich bis in die zehnte Reihe vorgearbeitet hatte. Die Tickets
für die Festhalle kosteten damals zwischen 12 und 14 Mark, dafür sah
man dann oft zwei gute Bands, Jethro Tull beispielsweise mit en
grandiosen Gentle Giant im Vorprogramm.
Jethro Tull
Unter den Namen, an die ich mich aus den Anfangstagen meiner
Konzertgängerkarriere erinnern kann, sind die Bekanntesten Pink Floyd,
Emerson, Lake & Palmer, Deep Purple (Mark III mit Ian Gillan, auch
das erste Konzort mit David „noch dauergewellt“ Coverdale), Ten Years
After, Grand Funk Railroad, Queen (über die schrieb ich dann schon ..77
in der Neuen Presse: Freddie Mercury: Ein neues Sex-Symbol“, jawoll),
Supertramp. J. Geils Band, die Rolling Stones 1980 dann – längst schon
offiziell als „Kritiker“ unterwegs – gab es das Highlight mit Santana,
Led Zeppelin und Frank Zappa an drei Tagen hintereinander und im selben
Zeitraum auch noch The Who dazu (Artikel hier).
Ian Anderson und der Blitz der Kodak Instamatic
Ich erlebte, wie die Festhalle klanglich fit gemacht wurde, Du eine
Schönheits-OP bekamst, die Fenster in der Kuppel eine Dämmung
erhielten, aber auch die schöne Treppe in den ersten Rang abgerissen
wurde.
Deep Purple
Ich muss auch zugeben, ich ging immer mehr fremd. Klar hatte man
schon mal mit der Stadthalle in Offenbach, dem Volksbildungsheim, den
Hallen in der Region, Rüsselsheim, Mainz, Wiesbaden geflirtet. Denn da
spielten die, die keine 12.000 Fans mobilisierten, aber trotzdem
interessant und wichtig waren. Und immer mehr waren es die Clubs, die
Batschkapp und die Wartburg in Wiesbaden, wo die Newcomer rockten, sich
für spätere große Aufgaben warm spielten, allen voran The Police, Joe
Jackson, The Cure.
Queen und Freddie Mercury (unten)
 War
man deswegen plötzlich „indie“? Wohl kaum, aber irgendwie mochten man
dem Hype, der um Acts wie Springsteen, Prince und Whitney Houston
gemacht wurde und die die Festhalle füllten nicht wirklich
nachvollziehen… Ok, man musste nicht mehr alles haben und so wurden
auch die Besuche weniger. Aber klar, wann immer Du eine wunderbare
Produktion beherrbergt hast, war ich dabei, hab..s mir schön gemacht,
auch, indem ich die richtige Begleiterin mitgenommen habe, Ellen zu
Peter Gabriel, Conni zu Deep Purple mit Sinfonieorchester. Und dass
Tina mich zu Robbie Williams (den ich mir sonst angetan hätte aufgrund
seiner Vergangenheit) genötigt hat, rechne ich ihr heute noch hoch an.
Und auch Jack Johnson konnte ich mit ihr so richtig genießen. 2008
konnte mich allein Leonard Cohen in Deinen Rund locken… aber alte Liebe
rostet bekanntlich nicht… Wir sehen uns wieder…
Leonard Cohen
Fotos: Detlef Kinsler
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