Keine Bombe, kein Platz für SchwächeBöllenfalltorhalle nach anonymer Drohung geräumt - Im Ring ist Härte gefragt – Keine Männergesellschaft ZWANGSPAUSE an der Nieder-Ramstädter Straße: Wegen einer anonymen Bombendrohung wurde die Halle während der Kampfsportveranstaltung von der Polizei für anderthalb Stunden geräumt.
Als habe der Kampf schon begonnen: Leicht gebeugt, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die umwickelten Fäuste vorm Gesicht, so steht Manuel Kleinböhl am Samstagabend um halb neun draußen vor der Böllenfalltorhalle. Die goldbestickten Shorts funkeln matt im Laternenlicht an der Nieder-Ramstädter Straße.
Aber es ist nur die Kälte, gegen die Kleinböhl jetzt ankämpft. Nach einer guten Stunde draußen im Freien zieht der Frost die nackten Beine hoch. Zum Anziehen habe vor dem Hinausgehen die Zeit gefehlt, erzählt der neunzehnjährige Griesheimer.
Keine besonders gute Voraussetzung für den echten Kampf Mann gegen Mann im Ring, dem sich Kleinböhl an diesem Abend noch stellen will. Der einzige Trost: Dem Gegner, und allen anderen Kämpfern der „7. Mix-Fight-Gala", geht es ebenso.
Eine Bombendrohung hat am Samstag die Kampfsportveranstaltung in der Böllenfalltorhalle überschattet und Akteure wie Zuschauer zu einem alles in allem knapp anderthalbstündigen Aufenthalt im Freien gezwungen. Ein anonymer Anrufer hatte beim Polizeipräsidium Frankfurt die Explosion eines Sprengsatzes bei der Veranstaltung angekündigt: Gegen 20 Uhr werde die Bombe hochgehen.
Die Polizei lässt daraufhin die Halle räumen und durchsucht sie mit Hilfe eines Sprengstoffhunds. Gefunden wird nichts.
Die frierenden Zuschauer verhelfen unterdessen dem benachbarten Tankstellenshop zu einem unverhofften Zusatzgeschäft. Wer will, lässt sich von Bussen zum Aufwärmen in die Georg-Büchner-Schule chauffieren.
Gegen 21.10 Uhr kommt die Entwarnung. Die Hallentüren gehen wieder auf. Um halb zehn kann die Gala beginnen.
"Böse Zungen" und 13 KämpfeRund 1500 Zuschauer sind gekommen, um 13 Kämpfe im Thai-Boxen sowie "Mixed Martial-Arts" zu sehen - dazu ein Rahmenprogramm mit Rap von den "Bösen Zungen" und Hiphop-Showtänzen.
Ein guter Teil des männlichen Publikums, das zeigt schon der erste optimistische Eindruck, ist selbst Teil der Kampfsport-Szene. Russische und türkische Gesprächsfetzen füllen die Gänge. Auch Hell's Angels Kutten sind zu sehen.
Aber eine geschlossene Männergesellschaft ist es nicht. Auf etwa einem Viertel der Plätze sitzen Zuschauerinnen. Viele tragen Kopftuch. Daneben gibt es eine nicht unbeträchtliche Fraktion Blondinen mit waffenscheinpflichtigen Stiefelabsätzen. Den Gegenpol zu den muskulösen Kämpfern im Ring bilden die Nummerngirls, die - nur mit dem Allernötigsten bekleidet - in den Kampfpausen stöckelnd die Runden anzeigen.
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Quelle: Darmstädter Echo, 27.10.2008