Nach Wochen täglicher Intensivproben machten wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Bocholt.
David, der mit Halsschmerzen aufgewacht war, aß zum Frühstück drei Knoblauchzehen, verfeinert mit einem Becher Eigenurin. Frisch gestärkt und guten Mutes schleppte er sich selbst, Verstärker und Gitarre zum Neustädter Bahnhof.
Nach neunstündiger Zugfahrt mussten wir nur noch mit dem Bus von Münster nach Bocholt. Problem: wenig Zeit zum Umsteigen und zwei Blinde, die das Gleis nicht fanden. Der Zufall eilte uns jedoch zu Hilfe und mit voller Blase stieg David in den (richtigen) Bus ein. Schon nach wenigen Minuten plagte ihn neben des brennenden Halses auch ein dringendes menschliches Bedürfnis. Problem: es gab kein Klo, und die Fahrt dauerte über 1 1/2 Stunden. Mit geschwollenen Mandeln und gekrümmtem Leib schlurfte David mit seiner leeren Thermoskanne durch den Bus, um ein ungestörtes Eckchen zu finden. Problem: auf jedem Doppelsitz saßen Menschen, gleichmäßig verteilt, auch im oberen Deck. Das Martyrium dauerte bis zum Bocholter Bustreff, wo David unter Schmerzen zur nächsten öffentlichen Toilette kroch.
Wir wurden abgeholt, und nach einem Zwischenstopp in der örtlichen Apotheke, wo David sich dringend benötigte, aber vollkommen wirkungslose Halstabletten kaufte, erreichten wir die Alte Molkerei.
Beim Soundcheck ging unser gemeinsamer (und einziger) Verstärker kaputt. Schnell wurde klar, dass dieser vermeintlich neue Defekt für fast alle Soundprobleme der letzten Monate verantwortlich war (Entschuldigung an alle angepflaumten Tonmänner). Nach 2 Stunden Soundcheck klangen wir super (danke Manni) und zogen uns in den Backstageraum zurück. Problem: David fühlte sich zunehmend krank und fiebrig, versprach aber, im Konzert sein Bestes zu geben. Problem: das Konzert sollte um 21:00 beginnen, um 21:15 hatten sich jedoch erst 3 zahlende Gäste im Saal eingefunden. Bis um 21:30 änderte sich daran nichts. Der Schuldige konnte nicht ausgemacht werden, die üblichen Verdächtigen waren: der Mittwoch, das Fußballspiel, etc.
Die Frage, ob wir trotzdem spielen wollten, bejahte Mara entschieden. Problem: David lag bleich und mit ca. 40° Fieber auf der Schlafcouch und wimmerte. Trotzdem schleppte er sich auf die Bühne und spielte die ersten 7 Songs mit voller Kraft. Bocholt (die Anwesenden) gaben sich alle Mühe und jubelten, was die Kehlen hergaben. Davids Kräfte waren jedoch erschöpft, und nach zwei Zugaben kroch er auf dem Zahnfleisch auf die provisorische Wackelcouch, bettete seinen schmerzenden Kopf auf einen Zugluftstopper und wickelte sich in vier Bühnenvorhänge ein, um zu schwitzen.
Einige Stunden später legte sich Mara zu dem nach Pestatem riechenden Körper, um auch ein wenig Schlaf zu finden. Problem: Der Zugluftstopper, der rasselnde Atem des Kranken sowie der fehlende Sauerstoff vereitelten dies. Erst in den frühen Morgenstunden kam sie zur Ruhe. Problem: übereifrige Bauarbeiter begannen um 7:00 Uhr morgens, durchdringende, zahnarztähnliche Bohrgeräusche von sich zu geben.
Mit aufgerissenen Augen lag das Duo auf dem Bett.
Nach einem netten Frühstück verließen Mara und der kranke Körper Bocholt und machten sich auf den Weg nach Bad Dürkheim. Im Luftkurort hatten wir geplant, durch Wanderungen, Bäder und Saunagänge Energie für den bevorstehenden Voice & Guitar Wettbewerb zu tanken. Problem: in Bad Dürkheim angekommen, verschwand der kranke Körper unter 7 Bettdecken, um 24 Stunden lang zu schwitzen - buchstäblich fieberten wir dem Wettbewerb am Samstag entgegen.
Auch Mara spürte mittlerweile ein diffuses Kratzen auf den Stimmlippen, was ihre Angst vor Ansteckung vergrößerte.
Pünktlich zur Abreise kehrte David in den mit golfballgroßen Mandeln ausgestatteten Körper zurück. Problem: er konnte kaum sprechen. Trotzdem fuhren sie wohlgemut nach Völklingen und wurden dort freundlich empfangen.
Am nächsten Tag verlief die erste Runde ganz passabel, obwohl wir weder mit dem Sound noch mit unserer Performance wirklich glücklich waren. Auch die Reaktionen des Publikums waren nicht allzu enthusiastisch. Am Abend fiel der Stein dann doch vom Herzen: Zweite Runde!! Problem: das gefühlte Kratzen auf Maras Stimmlippen verstärkte sich.
Am nächsten Morgen war Finaltag und Maras Stimmlippen kratzten kaum mehr. Problem: wir waren unglaublich schlecht gelaunt und in Völklingen war nirgends Frühstück zu bekommen, weil Sonntag war und alles ausgestorben schien.
Muffig saßen wir neben einander und tranken bitteren Salbeitee.
Im Einspielzimmer angekommen, zogen wir uns um. Das Glanzstück von Maras Bühnenoutfit war ihre rote Halskette. Problem: ca. 5 Minuten vor Auftrittsbeginn riss diese und verstreute tausend Perlen im ganzen Raum. Anstatt sich auf den kurz bevorstehenden Finalauftritt einzustimmen, flickten Mara & David wütend die Reste der Kette notdürftig zusammen.
Trotzdem oder grade deswegen? Mit Magie und Hingabe spielten wir die zweite Runde. Auch die Sonne schien uns zugetan und kam immer im Refrain hinter der Wolkendecke hervor.
Genau wie vor zwei Jahren wurden wir mit dem Publikumspreis und dem 2. Preis der Jury bedacht, was wir feierten!
Am nächsten Morgen wachten wir gut gelaunt und gesund auf. Der Plan war, schnellstmöglich nach Dresden zu fahren. Problem: der angekündigte Bahnstreik fand nicht statt. Das führte zu zahlreichen Zugausfällen, was zur Folge hatte, dass wir statt 7 fast 12 Stunden unterwegs waren, 6 mal umsteigen und in Klein- und Barockstädten insgesamt 3 Stunden vertrödeln mussten.
Fazit: wir haben wieder viel dazu gelernt.