MySpace


Odee (left)



Last Updated: 11/17/2009

Send Message
Instant Message
Email to a Friend
Subscribe

Gender: Male
Status: Single
Age: 47
Sign: Cancer

City: Schaffhausen
State: Schaffhausen
Country: CH
Signup Date: 6/25/2006

Blog Archive
[Older      Newer]
 /  / 
Friday, September 07, 2007 

Current mood:  bitchy
Mein Nachbar vom 2. Stock ist ein Schläfer. Ich weiss es. Er hört zu laut Turbonegro und Mötley Crüe, und die nackte Frau auf einem Motorrad, die er sich auf den linken Oberarm tätowieren liess, bestätigte meinen Verdacht. Er übertreibt die Tarnung. Kein normaler Mensch heisst Rüdisühli. Manchmal hör ich des Nachts kehlige Laute durch die Wände. Manchmal schreck ich hoch aus Träumen, in denen er eine Cessna ins Stadttheater fliegt. Bin-Rüdisühli lacht weggetreten am Steuerknüppel, die Jungfrauen werfen Kusshände aus einem Feuerball. Sie sind unter uns! Sie werden es tun. Sie winken auch mir. Ich sage Nein. Ich sage nicht: Wehret den Anfängen. Denn wir nähern uns rasend dem Schluss. Ich sage: Schluss! Die Hottentotten kriegen mich nicht. Auch nicht mein Nachbar vom 3. Stock, der vor seiner Wohnungstür Säcke mit schnell bindendem Zement stapelt. Angeblich braucht er ihn für den Whirlpool, den er in sein Badezimmer einbaut. Ich wollte ihn zum Geburtstag mit einer Kirschtorte überraschen, doch seine Wohnung war voll mit rasierten Männern im Anzug. Auch er war voll. Voll Grappa, nicht voll Kirsch. Nie die Deckung vernachlässigen, Rocky! Rocky heisst zwar Kurt Leu, doch seine Frau – mittlerweile ist sie in den Wechseljahren – kommt aus San Luca. Als sie vor 22 Jahren neu einzogen, luden sie mich zum Teigwarenessen ein. `Ndrangheta trug ein Kleid mit Blumenmuster und bückte sich zum Schöpfen so zu mir, dass ich von oben Einsicht bis zu ihren rötlichen Schamhaaren gehabt hätte. Ich klemmte die gekauten Spaghetti zwischen Zahnreihen und Wange und spuckte im Klo aus. Sie hatten von Anfang an geahnt, dass ich wusste. Sie wollten mich vergiften, entmannen und unter der Whirlpoolwanne einmauern. Ich muss wach bleiben. Wach.
Auch wenn ich durch Berge von Kot, Blut, Sperma, Scherben und dampfendem Erbrochenem zur Haustür wate und Retorten wegkicke, in denen das Crack für die Schulkinder destilliert wird. Ich ducke ich mich vor Querschlägern, die sengend durch die Luft sirren, und sehe die parkierten Stretchlimousinen mit den getönten Scheiben. Mich leimen sie nicht. Videoüberwachung und lahme Verordnungen nützen jetzt einen feuchten Kehricht. Es ist Krieg!
Wednesday, July 25, 2007 

Current mood:  blah
Wenn sogar Gölä für das Klima ist, bleibt die Baustelle verwaist, und das geht ja nun auch nicht. Wer also sprang am 07.07.07 für ihn ein, schraubte, hämmerte, bohrte, sprühte, schliff? Genau: der Odermatt. Radio Top berichtete zwischen Werbejingles für Fugen-Rüdisühli Hefenhofen und dem Interview mit einem Zuzwiler Traumhochzeit-Paar über «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!». Im Halbstundentakt und auf angenehme Art sinnentleert aufgeregt. Dann wieder Shakira, James Blunt und «Sweet Home Alabama», welch letzterer Song die malochende Baustellen-Crew zu Kurzzeitekstase und sexy Moves auf rostenden Stahlträgern pushte. Das wars aber schon. Dem wahren Büezer ging «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!» doch recht gnadenlos am verschwitzten Arsch vorbei. 24 Stunden Musik und neuer Madonna-Tune hin oder her. Und, hoi! Niemand muss ihm nach Feierabend sagen, dass er den Stecker ziehen soll, denn der Hilti hat keinen bescheuerten Stand-by-Knopf. Auch nach getaner Arbeit schaut er nicht in die Röhre, denn da braucht der wahre Büezer nur eins: ein schönes kühles Blondes gegen den Dreck auf der Zunge. Im Erkerstädtchen Schaffhausen kriegt er dies seit dieser Saison in einem echten Biergarten, mit Blechtischen, Kiesboden, Kastanienblattdach. Wer will, trinkt dort statt Falkenbier auch mal Astra. Das Grundnahrungsmittel jedes St.-Pauli-Fans ist nicht zufällig im Angebot von «El Sommergarten», denn die Beiz im ehemaligen «Schweizerhof» nahe der Schifflände wird von zwei charmant-stoischen Hamburger Recken, Marc Zimmermann und Frank Windelband, während der Sommermonate als Provisorium betrieben (das aber für die Schaffhauser Gartenjugend und wahre Büezer bereits absolut nicht mehr wegzudenken ist). Den Roots der beiden Geranten in der Hamburger Szene verdanken sich die Konzerte im rustikalen Innern des Lokals – so spielte zur Eröffnung Nils Koppruch auf, neulich war die pickelhaubenbewehrte Combo Speedmöik zu Gast, die mit angedeuteten Stechschritten den Radetzkymarsch und – ganz gross – «An der schönen blauen Donau» in doch recht quadratalbernen Metal-Art-Rock übersetzte. An einigen Sonntagen brachte zudem Ex-Sterne-Mann Frank Will (auch er ein Hamburger im SH-Exil) mit einer Hausband «Tequila» und «Universal Tellerwäscher» und nahm dabei hanseatisch cool «DAS GRÖSSTE MUSIKEVENT ALLER ZEITEN!!!» längst vorweg, indem er mit einem weiteren Sterne-Klassiker die wichtige/richtige Frage aufwarf: «Was hat dich bloss so uri, ähm, ruiniert?» Tja.
Auch deshalb tranken wir an diesem schönen Samstag dann noch ein schönes Bier und noch eins und noch eins unter dem Kastanienblätterdach und dem Motto: Stell dir vor, es ist Klima, und keiner geht hin.
Friday, June 01, 2007 
Lee Marvin, der alten Knarzdrossel, gedenkend, mache ich ab und an den Wanderstern, um nicht zu sagen -vogel, und schweife so durch die Schweizer Bergwelt. Auf dem Rücken ein Hobbyrucksäckelchen mit Landjäger, Ovosport, Studentenfutter und dem Crack-Pfeifchen für die grosse Rast, an den Füssen Hobbywanderschuhe aus Schubimehl, so gehts anti-goretexfront-haft munter fürbass, dem Gipfel entgegen (denn: der ruft). Es grüsst das Murmeltier, es lockt das Edelweiss, Exkremente paarhufiger Wiederkäufer werden keck übersprungen, wie auch das Bächlein, das murmelnde. Heuduft kitzelt die Nase, Lungenflügel plustern sich befreit, Gipfel rundum lassen den laschen Städter mählich zum sehnigen Bergfex mutieren. Zur perfekten Idylle fehlt nur Heidi und ihre Possee.
Die Zivilisation in Form von FCZ-Meister-Feiern, Bluetooth-Headsets, WC-Enten und dieser Minifläschchen mit gequirlter Verdauungsscheisse drin ist plötzlich weit weg, die Luft so rein, und sogar die Schweisströpfchen auf der Stirn lächeln leise vor sich hin. Genau an diesem Punkt, diesem sennen-zen-mässigen Erahnen der eigenen Mitte, geht es jeweils los: Ich pfeife ein Liedchen, das sich aus spinnwebenverhangenen Hirnkammern an die Oberfläche gemogelt hat, nur um nach weiteren siebzehn Schritten bergan zu realisieren, dass ich grad den Klaus Meine mache: «I follow the Moskva, down to Gorky Park, listening to the wind of change.» Das Schreckliche, so fällt es mir wie Schuppen nicht weit vom Stamm, ist die Fortsetzung des Schönen. Unter leisem Stöhnen gehts von nun an Schritt um Schritt dem Gipfel des Idiotenhorns zu, Klaus ist immer dabei: «Take me to the magic of the moment on a glory night.» Jaja. Nirgendwo wird einem die Fragwürdigkeit jenes Filtersystems, das, gekoppelt an unsere Wahrnehmung, Unwichtiges von Wichtigem trennen sollte, so gnadenlos vor Augen geführt wie beim Bergwandern. Auch wenn Klausimausi abgelöst wird, ist das selten ein Grund zum Aufatmen, denn dann fährt Walter Scheel auf seinem fucking Fiaker vor und «hinter den Fensterscheiben lacht ein Gesicht gar hold. Ich möchte ja so gerne noch bleiben, aaaber der Waaagen, der rollt.» Die Charts zu einer «witzigen», «schrägen», ja «gäggigen» Bad-Taste-Party rollen auch: mich platt nämlich. Alles da, alles nah. So wandere ich denn willenlos weiter, verirrt im Tal der Tränen, wandere über sieben Brücken, denn it's my life, und skapadubidibabmdu I'm the scatman mit hagäbuechig Schtrümpf, so take a look at my girlfriend, she's the only one I got, aus Schlumpfhausen, bittesehr, Max, don't have sex with your ex, it will make your life complex, oh Chihuahua, und am Obig wos isch Sechsi gsi, sind diä Chüechä gfrässä gsi, Tralalalala Tralalalala, dann bin ich endlich oben.
Und während ich gemütlich tu und an meinem Pfeifchen sauge, versuche ich hilflos, der Sauerstoffschuld die Schuld zu geben, bevor endlich der Geist von Lee Marvin erscheint und mir dies auf den Abstieg mitgibt: «When I go to heaven, tie my to a tree, or I'll begin to roam and soon you know where I will be ...». Ich weiss, Lee, ich weiss.
Wednesday, May 30, 2007 
Heute in unserem kleinen Kolleg: Trennungen. Ein faszinierendes Thema, so alt wie die Menschheit – oder zumindest so lange schon existent, wie die Dichterpoeten Sprachbilder der Welt und ihrer Herzkammern in Stein meisseln. Episch fabulierend oder knackig aphorismierend langten sie mit ihrem Ritzen an der Oberfläche immer wieder am Rand der steinernen Platten an, wo es vom Text in die Welt und also ins Bodenlose geht. Was tun, wenn man mitten im Wort steckt? Sicher, gut zu zielen und alles ästhetisch geschickt zu verteilen, ist eine feine Strategie. Doch wer schreibt, schätzt sich: ver- und über-. Lässt sich mitreissen von der mächtigen Schönheit des Flusses, vom Sound des Entstehenden, hämmert drauflos und steckt mittendrin. Dann muss er trennen. Sich vom Flow – und das Wort, das nicht mehr akkurat auf der Zeile Platz hat, trennt er auch.
Herz auf die Hand: Haben wir nicht alle, wir Geworfenen, Erfahrungen mit Trennungen? Sie sind der Schnitt, über den Geübte hinwegsehen, sind eine Prozedur, die auf den handlicheren Textträgermedien von heute ein Layoutprogramm übernimmt. Was einerseits nett ist, andererseits das schlimme Geschäft der Trennung mit überraschenden Sperenzchen ausstaffiert. Dies, meine Damen und Herren, liegt im mechanistischen Algorithmus solcher Trennprogramme begründet, die fürs Deutsche die Wörter (fast) immer so tranchieren, dass vor dem ersten Vokal auf der neuen Zeile genau ein Konsonant liegt. Das passt relativ oft, aber – und das ist schön – nicht immer. In der Zürcher Saumackerstrasse etwa tut sich nach automatischer Trennung jäh männerfeindlich Beleidigendes auf.
Ich hasse Trennungen, auch wenn behauptet wird, sie gehörten zu den Texten und gar zum Leben selber, und ich liebe Fehler (was mich als lohnarbeitenden Korrektor in ein lichtes Schief stellen mag, aber heisst Leben nicht, Widersprüche aushalten?). Deshalb sage ich Ja zu Trennungen, wenn sie neue Türen aufstossen: asyl-such-ende, politik-ersatz, verkauf-shit, vorm-arsch, rot-arier, haut-schon-ende, schau-der-erregend, gaul-eiter, o-stern-acht, solid-arisch (courtesy of Beat Gloor: «Staatsexamen»).
Nach der Trennung kommt die neue Zeile, das soll wohl tröstlich sein. Ich aber schliesse dieses kleine Kolleg mit einem Bonmot des berühmten Existenzialphilosophen Matthias Hüppi, welcher in seiner blauen Phase Folgendes zu bedenken gub: «Nach der Trennung ist vor der Trennung.»
Monday, April 30, 2007 
Meisterstück
Cody ChesnuTTs Debüt – das Doppelalbum «The Headphone Masterpiece» – ist auch beim Wiederhören ein ebenso ungriffiges wie ergreifendes Stück Musik, das ziemlich solitär in der Welt- und Musikgeschichte herumsteht.

Sommer 2003, auf einer Terrasse über dem Meer südlich von Ancona. Wir tranken unsere Campari Sodas nach dem Badespass, während die Privatradios diesen Song rauf und runter spielten. Unglaublich konsequenter Groove, cool flowende Rapper und ein soulfuller Sänger im Wechselspiel. Dass es die Roots waren, die mit «The Seed (2.0)» den Soundtrack zu diesen Ferien lieferten, fand ich erst zu Hause heraus. Version 2.0 führte schliesslich zum Mann, der das Original (in diesem Fall könnte man auch von der Beta-Version reden) geschrieben und mit dem Doppelalbum «The Headphone Masterpiece» einen Wurf gelandet hatte.
Was zum Henker war das für ein Typ, der scheinbar aus dem Nichts auftauchte (aber neben den Roots auch mit den Strokes, Macy Gray oder Saul Williams musikalisch kooperiert hat), der wie Prince eine gewisse Affektiertheit in der Typografie spazieren führte (in seinem Fall die konsequent grossgeschriebenen Ts am Ende seines Namens: Cody ChesnuTT, ächz), der auf besagtem Album 36 Songs auslieferte, Vierspur-Aufnahmen durchs (und vom) Band, und der sweeteste Soul-Lovesongs, schmissige Popsongs, HipHop-Feeliges, Folk, weirden Lärm, 30-sekündige Skizzen, stoisches Casiogeplucker, derbe Lyrics und smoothes Falsettschmachten zusammenwarf? Was meinte dieser Motherfucker eigentlich? Dass er mit so was durchkommen würde? Verblüffend war, dass er genau das tat.
Genie auf vier Spuren
Grundiert war das Doppelalbum des «Folkrock D'Angelo mit Sly Stone im Blut» (Oliver von Felbert) mit dem Rauschen, den Übersteuerungen, komischen Geräuschen, dem rüden Ein- und Aussetzen von Tonspuren, locker hingeworfenen Skits und cheapen Beats, die einen alten Homerecording-Bastler wie mich im Nu anheimelten. Wieso aber machte jemand 2002 so etwas? Sollte die Vierspur-Ästhetik dazu dienen, sich akustisch und attitudemässig abzugrenzen – als Strategie, um zu verkaufen? Versucht man sich einen Reim zu machen auf die eher spärlichen Informationen zu seiner musikalischen Vorgeschichte, gibt es weitere Lesarten: Codys Vater managte lokale Bands, was unserem Mann früh ein paar Türen öffnete – bereits mit 13 stand er auf der Bühne und spielte Shows. Als Fastdreissiger gründete er die Band Crosswalk, galt als versierter Gitarrist, und die Dinge hätten sich kaum besser entwickeln können. Man wurde von Hollywood Records gesignt, hatte ein fixfertiges Debütalbum namens «Venus Loves A Melody» am Start – da klopfte das Debakel (es selber) an die Tür: Businessinterne Intrigen führten dazu, dass das Label die Band vor dem Release fallen liess, Codys Mitmusiker verliessen in der Folge das sinkende Schiff, und unser Mann stand mit abgesägten Schlaghosen da. Dass Chesnutt nach dieser Industrie-Vöglerei beschloss, alles selbst zu machen, mit einem Produktions-Setup, das er von A bis Z in eigenen Händen hat, ist vor diesem Hintergrund ziemlich gut nachzuvollziehen. Aber noch um eine Ecke weitergedacht: Wenn ein Song als Vierspuraufnahme funktioniert, ist er gut. Wer so ein pralles Doppelalbum herausgibt, muss also ein fucking Genius (oder nicht ungrössenwahnsinnig) sein. Worum gehts also? Vierspuraufnahmen als Distinktionsmerkmal im Kampf um die Aufmerksamkeit im Markt? Als gereckter Mittelfinger gegenüber ebendiesem? Als Stilmittel des koketten Genies, der auch mit lo-fi-mässig prodzuzieren Songs Glamour verbreitet? Die Antwort ist: Ja.
Schwarzer Humor
Auch beim Wiederhören erweist sich «The Headphone Masterpiece» auf allen Ebenen als nicht einfach aufzuschlüsselndes, ziemlich einzigartiges ähm, Werk. Werk, genau. Denn das Doppelalbum sagt laut und deutlich «KunstwoLLen!!!» Meiner Meinung nach ging es Chesnutt darum, seine musikalischen Ideen (und sein Autoren-Ich) in so vielen Facetten wie möglich abzubilden, was ja zwangsläufig zu Widersprüchen und Paradoxien führt. Kritiker mäkelten denn auch munter herum: Chesnutt hätte doch all die komischen musikalischen Skizzen und monotonen Soundscapes auf seinem Doppelalbum weglassen sollen, und aus den übrig gebliebenen catchy Songs wäre eine perfekte Platte geworden, so das Argument. Er wird gedisst für «sexist pseudo-raps and clichéd Soul 101 romances that fail to seduce». Bitte Musik deutlicher formatieren und ein seriöser Songwriter sein!
Ich aber sage auch beim Wiederhören: Das ist The Sound Of Sexy Soul, hier macht ein Mann im Schlafzimmerstudio Musik über und für Schlafzimmeraktivitäten, mit einem «dick full of blood and a wide open heart to lean on». Hier hat ein Mann schwarzen Humor in mehr als einem Sinn: «I can make any woman mine / because I look good in leather.» Hier erzählt einer über seine Familie, seine Community, seine Gitarren, die Liebe, die Musik. Ein Mann, der viele Filter weglässt, der einem das Herz und andere empfindliche Körperteile berührt, der zu den Grossen der Soulmusik gehört, ohne sich in ein Retrozügli zu setzen: Can we teach each other how to love tonight / Let's not stop until we get it right.» Das hätte auch Marvin Gaye nicht besser hingekriegt.
Die Frage bleibt: Was zum Henker ist das für ein Typ? Vielleicht gibt sein angekündigtes neues Album «The Live Release» eine Antwort darauf. Vielleicht aber auch nicht. Anyway: It's gonna work because he's pushin' it right.

in: LOOP Mai 07
Monday, February 05, 2007 

Current mood:  indescribable
Der Anfang vom Ende lag auf den Serpentinen Richtung Julierpass, allwo man im VW-Bus mit 30 km/h zur Passhöhe tuckerte. Mit im Gepäck: Hammond, Bassamp, Schlagzeug und der ganze Instrumente-Restkarsumpel. Alles rollte Pontresina entgegen. Im Club des Hotels Saratz, eines umwerfenden Belle-Epoque-Vierstern-Kastens, spielte unsere Soulband ihr allerletztes Konzert. Die Bühne hatte die Dimension einer Scheibe Bündnerfleisch, Sämi stand zum Gitarrespielen auf dem Bassverstärker, und Ariane machte sich ein bisschen Sorgen, denn die Doppel-Sangesfront figuretelte wie üblich einigermassen ungestüm in der Weltgeschichte herum, aber man schaffte es, ihr das Sax nicht gegen die ebenmässigen Zahnreihen zu schlagen. Über dem Drumkit hatten wir für einen 1a-Hi-End-Sound unseren Übungsraumflokati an die Decke genagelt – was da alles rauspurzelte an mikrobiellem Gesocks, wollte sich niemand wirklich genau unter die Lupe nehmen.
Wie so oft: Je später der Abend, desto. Der Club war voll, das Publikum auch, wir spielten so lange, bis wir nicht(s) mehr konnten, hartes Werken, Schwitzen und Grinsen, soulfulles Klamottenzusammenhauen bis zum Unentschieden nach beidseitigem technischem K.o. Es kam zu Fraternisierungsszenen zwischen uns Unterländern und den Eingeborenen: Fiese redbull-getunte Drinks wurden auf die offene Bühne gereicht, der eine oder andere Heiratsantrag lanciert, Erinnerungsfotos geschossen, Genussmittel zirkulierten (Rimuss! Süssholz!! Engadiner Nusstorte!!!) – ein würdiges Begräbnis fürwahr. Sag zum Abschied lauter Servus. Vielleicht die Sauerstoffschuld, der Höhenrausch in dünner Luft – aber ich habe den Geist von James Brown durch den Club schweben sehen (er verzog sein Gesicht, wars Ekstase, wars Gähnen, schwer zu erkähnen). Zwei Wochen später die Zugabe der Zugabe: ein letztes Abendmahl mit der ganzen Combo, das der Bandkasse den Rest geben (also: nehmen) sollte. Und was tat man als Erstes nach dem Gelage? Rannte wie hypnotisierte Beagles in den Proberaum, um eine Session loszutreten. Haha. Irgendwann tat mir währenddessen die Hand weh von dem Rhythmusgerät, das ist schlug, also wechselte ich auf den Oberschenkel. Ein langsam die Farben wechselnder Bluterguss dort ist jetzt mein Souvenir. «If you don't know us by now, you will never, never know us, uh-uhuhu.»
Thursday, December 28, 2006 

Current mood:  nerdy
Category: Music
I try to be not too nickhornbyesque, but. Yeah, when it comes to my favorite concerts in 2006, there are three that come to my mind quickly:

Sophie Hunger @ Helsinki in November
I heard quite some rumours about a young lady with amazing songs and a stunning voice called Sophie Hunger. My soulsis Nadja Zela (of Rosebud fame and right now recording with her new "supergroup" 50ft. Mama) told me to meet at Helsinki-Club one evening in november. Brilliant idea. Even though it was completely sold out and I was tragically late because of another gig I've been this evening (from Sonic Atelier, but that's another story). So I had to fall on my knees and get a little dramatic to get in. I only saw the last of three sets, but it really knocked me out and grabbed my heart. As Ms. Hunger says in one of her songs: "Where there is beauty, wisdom goes wrong." Beautiful it was (not unwise, though), and everything was there: The voice which touches directly, the intimacy, the great songs, some of them in "schwyzertütsch", a cover of a Walter-Lietha-tune (what an idea!), which fitted perfectly, a serious, concentrated, still charming woman behind the mic. Soul music!!!
I'm gonna see her tomorrow, at Helsinki's again (and this time hopefully I'll see all three sets, I'll be there early, haha).

The Body Snatchers @ Kammgarn, November
This was pure fun! The Body Snatchers are a Schaffhausen-based hard rock band with the classic AC/DC setup: lead singer, two guitarists, drums and bass. They always deliver and used to do amazing things on stage such as put "wunderkerzen" in rather delicate holes of the body and burn them. beerdrinkers and hellraisers with impressing old-school tatoos. And really nice buddys, too. This time though, it was more about the music, and it was so great (well maybe it was special because I saw this gig shortly after our own combo split and it just showed me how great it is to play in a band, to produce all the energy and the mess and let it all out)!!! I had this big and slightly stupid grin on my face which fitted the music and their showcase quite perfectly, and of course, the beer tasted particularly good this night. The Body Snatchers were in perfect balance: they had the overwhelming simpleness of hard rocking, the comical and dumb poses AND a nonchalant concentration on the energy and the instinct to get loose and tight at the same time. Well, dudes, too much blabla here perhaps, this one made me feel real good and I dreamed of Bon Scott and hot chicks and a barrel of gasoline this night.

The Dead Brothers @ TapTab
I had seen them together with Attwenger (another favorite) at Rote Fabrik in summer, but this gig at TapTab's was simply magic and ended with encores upstairs, at the bar, where chairs, moved back and fro, made a rhythmic pattern. Music everywhere! Full of the darker moods and landscapes of your soul, full of death and abyss, full of an incredibly rich music with references and sources which go through times and places: Polkas, klezmer, rock'n'roll, arabic and oriental music, chansons, folk, whatever. They just grabbed it, stole it, made it their own. And although they're dead, they played with an instinct for shakiness, the unperfect, the risk of failing, the permanent tension, the dynamics. With the brass, the harmonica, the megaphone, the banjo. With the heart, the soul, the tender body parts (and the hard ones). It amplified my heartache and comforted it at the same time. Great songs. Absolutly touching!
Wednesday, December 27, 2006 

Current mood:  awake
Category: Music
International Pony: Mit dir sind wir vier
Sophie Hunger: Sketches On Sea
The Dead Brothers: Wunderkammer
Gossip: Standing In The Way Of Control
Andre Williams: Movin' On With Andre Williams
V.A.: Action Speaks Louder Than Words .. The Best Of SSS International (10x7-inch-Box)
Gnarls Barkley: St. Elsewhere
Die Aeronauten: Hier: die Aeronauten
The Roots: Game Theory
The Lo-Fat Orchestra: Plays Five Organ Pieces
And, of course (yeah, baby, this goes to 11): The Flaming Lips: At War With The Mystics
Tuesday, October 17, 2006 

Current mood:  intimidated
Category: Life
Der Mann hatte Appetit. Grossen Appetit. Und was er begehrte, bestätigt die These, wonach Essen einiges mit Nostalgie zu tun hat: dem Geruch der Kindheit, Omas Apfelstrudel mit warmer Vanillesauce, Mutters Schmorbraten mit Kartoffelstock. Er mochte auch als Weltstar die einfache, ländliche Küche des Südens, wo er aufgewachsen war, liebte Brathähnchen, Schweinskoteletten, Hackbraten, oder Spezialitäten wie «Soaks», also Maisbrot in Buttermilch, und natürlich Erdnussbutter-Bananen-Sandwiches. Legendär! Hier das Rezept: Für 4 Sandwiches nehme man 2 Esslöffel Butter, 8 Scheiben Weissbrot, 1/2 halbes Glas Erdnussbutter, 1 grosse, reife Banane in Scheiben, 1/4 Glas flüssigen Honig und 12 Scheiben knusprig angebratenen Speck. Brotscheiben auf der einen Seite mit der Butter bestreichen. Die Hälfte der Brotscheiben auf der anderen Seite grosszügig mit Erdnussbutter beschichten. Bananenscheiben darauf verteilen. Honig über die Bananen träufeln. Speckscheiben auf den Bananen verteilen, dann die restlichen Brotscheiben mit der gebutterten Seite nach aussen darauf legen. Sandwiches in einer vorgeheizten Grillpfanne oder im Backofen auf beiden Seiten goldbraun und knusprig rösten. Diagonal durchschneiden und sofort servieren. Unser Mann stieg schon mal in den Privatjet und liess sich nach Denver fliegen, um sich dort von einem dafür bekannten Restaurant gleich 22 dieser eher deftigen Happen auf die Rollbahn liefern zu lassen. Danach gings mit der Beute zurück nach Memphis.
Und plötzlich bekommen Songzeilen wie «Wir sind in der Falle/Ich komm da nicht raus/Weil ich dich viel zu heftig liebe/Warum siehst du nicht/Was du mir antust?» eine ganz neue Bedeutung. Der Mann sass tatsächlich fest (und wurde immer fester), und alle konnten sehen, was die Erdnussbutter-Bananen-Sandwiches und Cheeseburgers ihm antaten. Ihm, dem schon als Teenager leicht pummeligen ehemaligen Lastwagenfahrer aus Tupelo, Mississippi. Einem Ort, in dem wie viele Leute auch seine Eltern, Vernon und Gladys, am Sonntag in die Kirche etwas zu essen mitnahmen, um nach dem Gottesdienst mit ihrem Sohn draussen zu picknicken: Steaks, gebratene Eichhörnchen, Süsskartoffeln, Tomaten, Bananenpudding. Später gings zurück ins Gotteshaus, wo man den ganzen Nachmittag sang. Weisser Gospel, Singen, die rundliche Mama, Tupelo, Mississippi, das Fett in der Erdnussbutter, im Speck, im Speck um die Hüften, um das Becken. Das Becken, das einst ganz Amerika in Aufruhr versetzt hatte. Elvis Aaron Presley mutierte im Lauf seiner grossen Karriere vom King zum Burger King. Der völlig entwurzelte, in eine Glamourwelt katapultierte Südstaatler aus ärmlichen Verhältnissen versuchte, sich die Welt seiner Kindheit zurückzuholen, indem er sie sich einverleibte. Was tragisch scheitern musste. Glaubt man den offiziellen Quellen, ist Presley am 16. August 1977 an den Folgen seiner Fettleibigkeit gestorben. Nur: Den offiziellen Quellen traut auch in diesem Fall niemand. Augenzeuginnen haben ihn gesehen, grauhaarig und schlank, er arbeitete noch 1989 an einer Tankstelle auf Hawaii. Mittlerweile dürfte er in Rente gegangen sein. Sich von Stangensellerie, Dips auf Magerquarkbasis und sauerstoffangereichertem Mineralwasser ernähren. Und nur selten drückt sein «altes Leben» durch: Seine Walking-Einheiten absolviert Mister Presley konsequent mit blauen Wildleder-Creepers an den Füssen, und zum täglichen Workout hört er auf seinem iPod heimlich «Don..t Be Cruel».
Monday, October 09, 2006 

Current mood:  silly
Die Erde muss sich drehn
Kollege Hanspeter ordert bereits den dritten Schümli-Pflümli, neben uns bearbeitet ein Achtjähriger mit Burton-Helm und Zimtstern-Jacke den ewigen Wintersportort-Verpflegungsklassiker Bratwurst mit Zwiebelsauce auf leicht gerösteten Kartoffeln in Stäbchenform, und Robbie Williams posaunt doch etwas blechern in die klare Bergluft hinaus, dass er echte Liebe fühlen möchte, weil gar so viel Leben durch seine Venen renne. Selbst mir käsigem Unterländer gibt dieses Panorama den Kick, ich blinzle zu den schneebeladenen Felsbrocken auf der gegenüberliegenden Talseite, und vermutlich ist es das Urschweizer Gen in mir, das mich vor Ergriffenheit jodeln lassen möchte. Vielleicht aber auch nur dieses nicht unleckere Heissgetränk mit Kaffee, Schnaps und Rahmkringel obendrauf.
Über dem Nebel, der sich als gelbgraue Gefängnisdecke aufs Unterland legt, sind die Gedanken frei, und sie holen zu grossen Schwüngen aus wie ein Carver, der den Neuschnee geniesst: Sind wir nicht alle Rahmkringel, einen Moment schwimmen wir obenauf, schillern und locken, um dann für immer uns aufzulösen im Trüben? Warum hat die Bratwurst zwei Enden? Und: Lebt denn der alte Holzmichl noch? Nanu. Neben uns stellen zwei Halbwüchsige gerade einen Meter Bier auf und referieren über den THC-Gehalt von Indoorgras und polyphone Klingeltöne (mit zahlreichen Tonbeispielen). Noch nicht einmal diese Situation, die im Unterland durchaus zu unkontrollierten Orgien der Zerstörung von elektronischen Kommunikationskleingeräten führen kann, vermag uns hier aus unserem gleichsam zenhaften In-uns-selbst-Ruhen zu bringen.
Die sonnenbrillengefilterten Blicke von Hanspeter und mir schweifen über das perfekte Panorama, welches unser Land hier so freigiebig offenbart: rote Piste, Schneebar, schwarze Piste, Schneebar, Schweizer Fahne, Milka-Plane, Rothorn, wow! Wir ziehen an unseren Villiger krumm, geniessen die Helle des Orts, das funkelnde Weiss, und kalauern über die Zürcher Szenies, die alle hierher kommen, weil ihnen ihre Gspänli «Berge von Schnee, aber megakrass!» versprechen. Nasenpuder braucht man hier weniger, dafür einen Sonnenblocker, damit der Gesichtserker nicht dieselbe Farbe annimmt wie der rote Wodka, den sie an den Schneebartheken virtuos mit Red Bull mixen. Das Knattern des Rega-Helis wird leiser, und bald brummt nur noch ein Rattrac vor sich her. Das Pistenfahrzeug zieht seine Kreise, macht breite Rillen in die grosszügig verteilten Mengen Wassers in seiner kristallinen Form, dieweil wir alte Anekdoten im Mikrowellengrill der Erinnerungsküche aufwärmen: Die schweren Jahre ab 33 hören wohl auch mit 45 nicht auf. Jaja. Da, ein kaum vernehmbares Klicken. Alles beginnt sich sacht zu drehen, immer schneller, die Rillen des Rattracs, Robbies «Scare myself to dead, that..s why I keep on running» leiert und driftet allwärts weg, das Wabern vor den Augen ist nicht Wabern bei Bern, sondern in der Lenzerheide, Rahmkringel auf den Schümli-Pflümlis, und aus dem Azur des pulsenden Himmels senkt sich ein riesiger Tonarm, die Nadel trifft die Rattracspur, und es knistert und erfüllt das ganze Tal: «Das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei...». Hildegard Knef, oh, ist das schön hier!