ddr: "die welt ist eine scheibe" ; pk: "und sie dreht sich doch!" doppelrecordrelease in the vollhorst xbrg mit:
der dritte raum - live
pilocka krach - live
sven dohse
felix
la nina
11th september - DO YOU REMEMBER
that's because
OUT NOW is :
pilocka krach's "delusions of grandeur" ep
and coming soon the "rosa rausch" by ddr
yeah!

© GDin der TAZ vom 14.09.2009:
Superschlank turnte sie
CLUB Treffen von Raveveteranen und Nachwuchs: Polkapunk und
Osteuropa-Techno-Folk spielten Pilocka Krach und Der Dritte Raum im
Horst Krzbrg
In dieser Nacht kamen viele Ex zusammen: das Horst Krzbrg am
Tempelhofer ist Ex-Post; das Domäne-Kaufhaus daneben Ex-Hertie, als
Exbewohner dieser Gegend freute ich mich, meine Exmitbewohnerin zu
treffen, die ausdauernd im Pulk der Menschen direkt vor der Bühne
tanzte. Mein ehemaliger Mitschüler Gunnar war auch dabei, und die
Party, bei der eigentlich das Erscheinen zweier neuer Platten - vom
Dritten Raum und von Pilocka Krach - gefeiert werden sollte, war recht
schön, auch wenn die des Dritten Raums dann doch nicht fertig geworden
war.
Der Dritte Raum, das gerne "DDR" abgekürzte Projekt des Ex-Göttinger
Produzenten Andreas Krüger, entstand Anfang der 90er-Jahre. Die Musik
besteht, wie man so sagt, aus betont kurzen Snare Drums, komplexen
Hi-Hat-Strukturen, markanten Bassläufen, viel Klickern, Klackern,
Geknarze und komischen Geräuschen. Mitte der Neunziger, als es noch
eher so Richtung Goa und Trance ging, waren die frühmorgendlichen
Liveauftritte, die Krüger mit Ralf Uhrlandt hinlegte, Höhepunkt nicht
nur der damals noch überschaubaren Fusion. Einen Hit, der überall
ständig lief, hatte es auch gegeben: "Trommelmaschine". Dann war die
Musik minimalistischer geworden und in letzter Zeit wieder ein bisschen
melodiöser, wie mir scheint. "Swing Bop" aus dem letzten Jahr hatte
dann richtig fröhlich, jahrmarktmäßig, leicht nostalgisch und wie ein
paar Sachen von Eric Nouhan aus den 90ern geklungen.
Polkapunk und Glamrock
Langsam füllte sich der Club mit unterschiedlichen Partygängern;
verwaisten Gästen der Bar25, alten und neuen Fans vom Dritten Raum,
Pilocka Krach und Sven Dohse (der am Ende auch noch auflegen sollte)
sowie Jugendlichen, die bestimmt im Youthhostel am HAU wohnten, wie ich
mir vorstellte. Rote und grüne Laserpointerpünktchen trieben sich im
Raum herum, hielten mal da, mal da, zerstoben ab und an auch hübsch,
und manchmal sahen die bepunkteten Leute ein bisschen aus wie
Weihnachten.
DJane La Niña bereitete den großartigen Auftritt von
Pilocka Krach vor, die ihre neue Platte "Delusions of Grandeur"
vorstellte. Krach trug ein weißes Unterhemd mit einem großen roten
Punkt und begann so irgendwie polkapunkmäßig. Superschlank turnte sie
hinter und über ihren Geräten herum; die dunkelbraunen Locken hingen
wild im Gesicht. Bei dem Stück "Gitarre spielen" (wie Bob Dylan) hatte
sie eine Spielzeuggitarre in der Hand; gegen Ende sang sie in ein bunt
leuchtendes Mikro. Sie wirkte gleichzeitig leicht arrogant und
begeisternd mitreißend und brachte jedenfalls alle Leute auf ihre
Seite. Im Grunde genommen war das richtig guter Glam-Rock. Und ihre von
Andreas Krüger produzierte Platte, um die es ja ging, klang auch zu
Hause noch prima. (Lustigerweise singt die Kollegin Laura Ewert bei
einem Stück mit.)
Ein Bart im Gesicht
Wir hingen dann draußen herum. Am Rande sprachen Zwanzigjährige über
wichtige Dinge wie Freundschaft. Irgendwie ist es auch wie ein
Veteranentreffen, hatte Judith gesagt, und ich hatte kurz gestutzt,
weil ich sie in meinem Kopf unter "die Jugendliche" gespeichert hatte
und nur den Dritten Raum und Sven Dohse zu den Älteren zählte.
Um vier begann dann der Dritte Raum. Der Anfang war klasse und ging
auch so Richtung Osteuropa-Techno-Folk. Mitreißend fummelten die beiden
an ihren Geräten herum, doch irgendwann hatte man das Gefühl, dass sie
sich bei ihrem Anderthalb-Stunden-Auftritt irgendwie verläpperten; man
schaute ihnen immer noch gern zu, aber wie sie sich bewegten, passte
nicht mehr richtig zur Musik, die manchmal zu ausgedacht wirkte, um
abzugehen, sozusagen; manches funktioniert vielleicht besser zu Hause -
keine Ahnung. Es war spät und ich schon ziemlich erledigt, was mich
sehr ärgerte, denn Sven Dohse, der Langzeitheld alternativ orientierter
Techno-Openairs, dessen Auftritte ich immer toll gefunden hatte, den
ich zwei Jahre nicht gesehen hatte und der nun lustigerweise einen Bart
trägt im freundlichen Gesicht, begann gerade aufzulegen; es war wieder
schön und super, dann ging's aber doch nicht mehr. Vor dem Club
sammelten Flaschensammler die Reste der Nacht; mein Späti machte gerade
auf, die ersten Trinker saßen vor der Bäckerei.
DETLEF KUHLBRODT
Irgendwie ist es auch wie ein Veteranen- treffen, hatte Judith gesagt, und ich hatte kurz gestutzt