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fefczak



Last Updated: 12/2/2009

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City: berlin, brighton, arran & on the road
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Wednesday, September 16, 2009 
zunächst einmal ein großes danke nach neugersdorf, wo ich unterkunft in einem schmucken bauwagen fand. Dann danke an pau, mit dem ich die costa brava entlang nach barcelona segeln durfte und einen haufen vergangenehit im meer ertränken konnte.
und ein großes danke an lionel messi, der mir im camp nou zu verstehen gab, wie schön fußball noch sein kann.
mein unermüdlicher freund gabriel kuhn, der u.a. das feine buch „neuer anarchismus in den usa. Seattle und die folgen“ zusammen gestellt hat, interviewte mich neulich für ALPINE ANARCHIST PRODUCTIONS:

interview in english: english version

dort geht es um das individuelle überleben im haifischbecken namens leben.

ein weiteres interview zur phänomenologie des fans gibt es hier, passiert anlässlich der leichtathletik-EM: hier bin ich fan, hier darf ich sein


am liebsten würde ich jetzt eine us-tour machen. mit meinem blutsbruder chris clavin und der plan-it-x-band imperial can.
ich würde am 20. september nach st. louis fliegen, wo die anderen schon auf mich warten. noch am selben abend würden wir in columbia, missouri den song golden tuxedo von matty pop chart und spoonboy spielen, mit unserem diy-puppentheater.
davor würde ich mein erstes tor, willkommen in neugersdorf und bei blatter in einer englischen übersetzung von gabriel kuhn lesen und dazwischen auf deutsch singen. das ganze natürlich nur unter freunden. kein geld verdienen.

ich wäre verflucht aufgeregt und würde nach der tour chris von plan-it-x in helfen, sein haus in cairo, illinois zu renovieren, das so aussieht:
ace of cups

cairo, illinois ist eine fast leere stadt, die es zu erobern gilt:
zwischendurch würde ich ins pine ridge reservat fahren und dank liz' crew change guide auf frachtzüge springen.

wer's glaubt...,
gerd

so könnte die tour aussehen, unterwegs im blauen schulbus:

20.09.2009: COLUMBIA, missouri @ hairhole
21.09.2009: LAWRENCE, kansas
22.09.2009: TULSA, oklahoma @ a grocery store
23.09.2009: OKLAHOMA CITY @ info shop
24.09.2009: FORT WORTH, texas @ 1919 hemphill
25.09.2009: AUSTIN, texas @ monkey wrench books
26.09.2009: SAN ANTONIO, texas @ cole dube's house (8pm)
27.09.2009: HOUSTON, texas @ sedition books
28.09.2009: NEW ORLEANS, louisiana
30.09.2009: PENSACOLA, florida @ sluggo's
01.10.2009: NAVARRE, florida (day show)
01.10.2009: PANAMA CITY, florida
02.10.2009: TALLAHASSEE, florida @ free radicals (7pm)
04.10.2009: BIRMINGHAM, alabama
05.10.2009: NASHVILLE, tennessee
16.10.2009: ATLANTA, georgia @ wonder root
17.10.2009: GREENVILLE, south carolina @ hangar space
19.10.2009: KNOXVILLE, tennessee @ birdhouse
20.10.2009: HILTONS, virginia @ carter family fold (day)
20.10.2009: BLACKSBURG, virginia
21.10.2009: WASHINGTON, dc
22.10.2009: JOHNSTOWN, pennsylvania @ 709 railroad st
23.10.2009: COLUMBUS, ohio
24.10.2009: BLOOMINGTON, indiana
09.11.2009: DORTMUND @ les.art festival
12.11.2009: KÖLN, tbc
13.11.2009: DORTMUND/20 jahre bag-fanprojekte
@ j-freizeitstätte hombruch
11.12.2009: BERLIN
16.12.2009: MÜNCHEN, tbc

Monday, September 15, 2008 

Current mood:  hopeful
siehe www.gerd-dembowski.de

nächste lesungen - september, oktober, november 08
im vorprogramm und mit ghost mice, dann solo

was so bei lesungen passieren kann, zeigten wortgestöber.de und der Trierische Volksfreund ganz gut. deshalb:

"Mit ihren spitzfindigen Beiträgen wiegelten der kantige Ostwestfale Wiglaf Droste und der Recklinghäuser „Fußball-Soziologe" Gerd Dembowski ihr Publikum anlässlich des 15. AFFI-Cups der „Antifaschistischen Fußball-Fan Initiative" in Stimmung. Und ergänzten sich mit ihren Verbalattacken so prima wie ein eingespieltes Stürmerduo. (…) Ebenso musikalisch wie versöhnlich klang der Abend aus: Im Duett gaben die beiden Songs von Johnny Cash zum Besten. Das trieb nicht nur dem sonst eher brunftig wirkenden Wiglaf Droste Sentimentalität ins Auge. Das Publikum war zu Recht gerührt. Das war einfach ein Genuss." (wortgestöber.de)

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"Triers kritische Jahrbuchschreiber (Katz e.V.) haben einen Autor an die Mosel gelockt, der mit messerscharfen Beobachtungen nicht nur die Fußballszene, sondern auch das Drumherum defiliert. Eine humorige Lesung, gespickt mit persönlichen Anekdoten, bot Einblicke in das Leben des ehemaligen Punks, der mittlerweile mit seiner Antirassismus-Arbeit für Wirbel im Kicker-Kosmos sorgt.
Was tun, wenn man mit Geschenken überhäuft von der pompösen Eingangshalle fast erschlagen und jetlag-geschädigt im Hilton Hotel in Argentinien eintrifft? Richtig: schlafen – auf dem Teppichboden: So geschehen im Falle von Gerd Dembowski, der 2001 - auch ohne eigene Kreditkarte – als hochoffizieller Redner zum Fifa-Kongress geladen wurde. Aber irgendwie ist (die funktionärsgespickte Fifa-Welt) eine Welt, die nicht so recht zu dem 34-jährigen mit Wuschelhaar, Cargohosen und Schlabber-Shirt passen mag. Früher war er mal orange, erzählt er.
Mittlerweile ist das orange einem undefinierbaren Dunkelblond gewichen und statt unter Brücken oder in besetzten Häusern liest er nun in Kultureinrichtungen.

Und dennoch taucht er in die Tiefen der DFB-Funktionärswelten, träumt von seinem „ersten Mal" in Maradona-Turnschuhen und durchleuchtet hemmungslos die häufig zutage tretenden Schwächen und Macken berühmter Männer auf dem grünen Rasen.
Dabei werden nicht nur Paradebeispiele wie der das Englisch hartnäckig mit gruseligen Germanismen untergrabende Lothar Matthäus, die Frau des großen GMV, das „zentimeterdick lackierte Gestell, das mal seine Gattin war", Gerhard Mayer-Vorfelder höchstselbst im Kampf mit den hochprozentigen Verlockungen oder Horst Hrubesch, das Holzfällerhemdgestell, das erschreckend überzeugend zeigt, dass bei jedem Kopfball über 1000 Gehirnzellen sterben.In fein gestrickten Texten, die durchtränkt sind von seinem wunderbar schwarzen Humor gibt er auch Persönliches preis und erzählt vom nicht vorhandenen Vater und seinem Gunter-Gabriel-Syndrom.

Er verknüpft mit seiner Verflossenen Melodien und einen dazu passenden Text über Countrylegende Johnny Cash. Plötzlich via Handy das Okay von der aktuellen Freundin, ein bisher nicht aufgeführtes Liebeslied über den Bühnenrand schicken zu dürfen. Dembowski offenbart seine zaghafte, gefühlvolle Seite. Unendlich aufgeregt intoniert er das Stück a-capella, nestelt dabei nervös an seinem Reißverschluss, windet sich vor den hohen Tönen, kommt kurz aus der Puste. Da kann ihm auch die mit Gasmaske bestückte Quietsch-Ente auf der Schreibtischecke nicht helfen – aber genau das macht den Moment so rührend und zeigt, dass hinter dem „charmanten Plauderer" ein sehr emotionaler Mensch steckt."
(trierischer volksfreund, 1.06.06)
Saturday, June 14, 2008 

Zu Fußball-Großereignissen zelebriere ich als fefczak gern die Kunst des Verschwindens. Zur WM 2006 noch auf einer einsamen, fussballlosen Insel, ist fefczak diesmal nach England geflüchtet, um dort unter Nichtqualifizierten die EM zu schauen.

Darüber berichte ich regelmäßig online im EM-Tagebuch des österreichischen Fußball-Magazins Ballesterer, wo es eben nicht so sehr um die EM geht...,

http://www.ballesterer.at

Tuesday, October 09, 2007 

Current mood:  mischievous
ab sofort & jetzt:

fefczak aka gerd dembowski ist in die USA geflüchtet! klicken & lesen sie HIER: www.gerd-dembowski.de.

AB SOFORT kurzgeschichten und lebenszeichen aus dem land der countrymusik, des cajun & zydeco. so zweitägig wie möglich. erzählen sie es weiter!

• kreuz & quer unterwegs durch das in europa so häufig verhasste amerika und dem alltag auf den grund gehend. per bus, autowrack, trampend und als hobo.
• lesen sie vom treffen mit seinen jugendhelden, den mekons und jon langford in philadelphia, vom spontanen singen und vortragen an straßenecken und flußmündungen und beim DIY FEST 6 mit 180 bands in gainesville/florida, von einer tour mit ghost mice durch texas und einem besuch bei folk-legende pete seeger in beacon.

• geplante stationen: philadelphia, new york, gainesville (florida), pensacola (florida), baton rouge (lousiana), austin (texas), carencro (lousiana), new orleans, memphis, nashville, st. louis, bloomington (indiana), chicago (illinois), san francisco, portland (oregon), bozeman (montana) und washington/dc.

No proof-reading…

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"Fußball vs. Countrymusik. Essays, Satiren, Antifolk"
ist überall im Buchhandel und online erhältlich.
Saturday, July 21, 2007 

ahoi,

ich habe es immer gewusst: mein kollege matti lieske hat nicht nur die gewiefte sportberichterstattung bei der TAZ gegründet und lange warm gehalten, sondern er liest auch noch verdammt gute bücher. als jury-mitglied der akademie für fußballkultur hat er jetzt mein neues buch „fußball vs. countrymusik" zum „fußballbuch des jahres 2007" nominiert. immerhin habe ich jetzt am 5.10. schon was vor: dann ist die preisverleihung in nürnberg… schaut selbst:

http://fussball-kultur.org/v01/de/pub/index.html?navID=88&poolID=1247&IDS=7YsEgHuS

 

2006 gewann das Buch des argentinischen Ex-Profis, Jorge Valdanos Buch „Ueber Fussball".

ich versuche, um diesen termin eine lesung zu bauen, in der nähe von nürnberg - oder zwischen nürnberg und berlin. wenn jemand was weiß oder organisieren mag… das wär klasse. gern auch frühstückslesung oder privatküchenlesung.

nun bin ich gemeinsam mit nürnbergs trainer hans meyer auch jury-mitglied dieser o.g. akademie, allerdings für den preis „lernanstoß 2007". den vergibt die akademie nun im zweiten jahr an ein fußballbezogenes bildungsprojekt mit kindern und jugendlichen. das lässt doch spekulationen zu, dass hier vetternwirtschaft betrieben wird! ich mach ehrenamtlich jury, dafür nominiert ihr mein buch. eine gute idee! war aber nicht so…

p.s.: fefczak ist derzeit wieder geflüchtet,

gerd

Monday, June 25, 2007 
....es ist unfassbar, wenn man plötzlich mit seiner lieblingsband auf einer bühne stehen darf. ich durfte das neulich in bremen mit hannah, chris und dylan von ghost mice. nachfolgenden text habe ich dann gelesen.


Geistermäuse

Vielleicht kennt ihr das. Ihr findet eine Band oder sie findet euch, und ihr werdet sie nicht mehr los. Und wenn ihr auf der Suche seid, besonders in der Jugend und Post-Jugend, dann kann eure Band plötzlich für eine ganze Philosophie stehen, die ihr euch Schritt für Schritt zusammen zimmert. Das kann bis hin zu einzelnen Charakterzügen gehen, die ihr euch zu eurer Sängerin oder eurem Sänger zurecht legt: Klar, so würden sie jetzt denken, genau so sind sie. Klar, treten sie hierfür und dafür ein, nie werden sie sich von ihrem Weg abbringen lassen.

Nach einiger Zeit steht eure Band für etwas, das ihr für erstrebenswert haltet, für etwas Authentisches. Sie wird ein Symbol für das, was euch ein besseres Leben verspricht. Und im besten Fall stiftet eure Band euch dazu an, selbst Musik zu machen.

"So what do you do / when all of your dreams come true? 

Alles prima. Und dann seid ihr tierisch enttäuscht, wenn ihr eure Band kennen lernt. Arrogant, berechnend, gelangweilt, nur den eigenen Vorteil im Auge. Die Band besteht aus Arschlöchern. Sie haben Schwächen. Illusionen fallen in euch um, und ihr merkt, dass all das, was ihr in diese Band projiziert habt, nur eure Idealvorstellung ist, die ihr selbst vielleicht gar nicht lebt, weil zu leben ihr sie womöglich zu feige seid.

So gesehen sind Ghost Mice Superhelden. Ihre untrübliche Stärke ist, dass sie all ihre Schwächen rücksichtslos offen legen. Von Anfang an.

Ghost Mice erzählen vom stets scheiternden Kampf um ein besseres Leben, von gebrochenen Herzen, von der Liebe zu ihrer ganz persönlichen Trutzburg Bloomington im amerikanischen Bundesstaat Indiana, von Freundschaft und was sie bedeuten kann, von Pizza klauen, vom Fahrrad fahren als Ausdruck von Freiheit, vom Reisen ohne Zwang, von DIY als immer noch positiver Bewegung, von Hoffnung auf ein besseres Leben inmitten einer von Angst und Hass geprägten Gesellschaft. 

I live on an island in the middle of the sea. / That's filled with hungry shark that lke to eat people like me. / It's been called an utopia on a punk rock paradise. / My island isn'rt perfect but my island's pretty nice.

Sie spielen Garden-Core - if that makes sense. Dabei verbinden sie die traditionelle Folkmusik von etwa Woody Guthrie oder dem frühen Pete Seeger mit der Intensität und Unmittelbarkeit von Punkrock und DIY. Das alles passiert grundsätzlich in einem intimen und von direkter Kommunikation bestimmten Setting – so wie gleich hier.

Aber dieser Text soll kein Versuch sein, über Musik zu schreiben, denn bekanntlich ist über Musik schreiben ja wie zu Architektur zu tanzen. Es würde sich in den Schwanz beißen. Aber

Hannah und Chris von Ghost Mice machen keine Musik. Die sind so. Die haben was zu erzählen. Die leben wirklich so. Inmitten von Angst und Alltagsdepression bewahren Ghost Mice Haltung und brechen große Themen schüchtern und entwaffnend ins kleine hinunter. Ghost Mice versuchen Güte, Kindlichkeit und Offenheit im anarchistischen Kontext zu verbreiten. Und wenn sie sich das trauen, traue ich mich sogar meine Hippietendenzen zuzulassen, obwohl Hippies bei mir ansonsten den Lieferanteneingang benutzen.

„You can promise me that, I can promise too, that'll I'll never give up on you."

Ich kenne das, auf der Bühne zu stehen, freudige und traurige, dramatische und peinliche Momente meines Lebens für alle noch einmal nach außen zu stülpen und in viel zu schnellen Gedankenströmen durch meinen Kopf rasen zu lassen. Und alles so tun, als wäre es das letzte Mal. Rumreisen, erzählen und singen als Selbsttherapie. Wenn ich dann mit mir vor den wenigen Leuten über mein Leben diskutiere, kann der kleine Raum, der Schrebergarten, das kleine Wiesenstück unter dem Baum im Stadtpark ein ganz persönlich besonderer Ort werden. Und ich freue mich so, dass wir heute Abend Ghost Mice sehen können, die – wenn der Augenblick günstig ist – so eine Intimität schaffen können, wie es kaum ein anderer schafft. Jemand sagte mal schlicht über die zwei:  They played and it was obvious. It just seemed right.

„If you tell me what it's like to die than I can tell you what it's like to be alive."

Ghost Mice zeigen, dass Protest immer im Privaten anfängt. Bei einem selbst. Ihre erste Europa-Tour haben sie quasi komplett vegan gemacht. Das bedeutete zu jedem Auftrittsort zu trampen, unterwegs möglichst zu zelten, spielen ohne Verstärker und Mikros. Vom vegan essen und leben ganz zu schweigen.

Ich gestehe: ich bin einer von denen, der hochkantig bereut, nie ein Instrument gelernt zu haben. Darunter leide ich ständig. Ihr kennt das, zuerst gibt's die Flöte. Als ich zehn war, war ich der beste Flötenspieler unserer Schule. Als es dann zur Gitarre ging, gab es das Problem, dass das Fußballtraining am gleichen Tag stattfand. Als kleiner Junge entschied ich mich dafür, einem Ball auf einem Rasen nachzujagen. Einem Rasen, der zumeist nicht mal einer war, weil wir fast immer auf roter Asche spielen mussten.

Ich würde heute fast alles geben, um jede Platte, jeden Song, jede Strophe auf meine Art genauso machen zu können wie Ghost Mice und einige andere solcher Menschen, die mir zu Ohren kommen. Und irgendwie versuche ich das auch. Nicht musikalisch, sondern im Alltag bin ich eine Geistermaus. „Geistermäuse", so erzählte Chris einmal, „waren das Ruhigste, was Hannah und ich uns vorstellen konnten". Manchmal braucht es Ruhe, aus der man wieder laut aufschreien kann. So funktionieren Ghost Mice. Sie gründeten sich aus dem Bedürfnis heraus, ohne den ganzen Materialballast touren zu wollen.

Hannah und Chris sind Hobos erster Güte. Hobos sind Wanderarbeiter, die sich vor ca. hundert Jahren in den USA als Tagelöhner unter die Züge auf ein Eisengestell gelegt haben, um sich umsonst zu einem nächsten Engagement durchzuschnorren. DER  Hobo war der jüdische Schwede Joel Emmanuel Häglund. Er suchte Anfang des 20. Jahrhunderts das große Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber zuerst sah er seinen Bruder in eine Straße einbiegen und danach nie wieder. „Amerika ist so groß", soll Häglund mal gesagt haben, „man kann sogar seinen Bruder darin verlieren. Joseph Hillstroem, wie er sich nach einigem Stress mit Arbeitgebern nannte, wurde verboten, auf Marktplätzen politische Reden zu verbreiten. Einmal, als die Polizei ihn mal wieder vom Platz trug, sah er militante Christen ihre Schmonzlieder singen. Und er verstand: Singen war erlaubt. Also setzte er sich 1911 hin und packte seinen Unmut in den Song „The Preacher and the Slave". Er entlarvte den Priester, die Wein trinken und Wasser predigen. Ein Song gegen die protestantische Arbeits- und Gewissensethik.
 

Long-haired preachers come out every night,

Try to tell you what's wrong and what's right;

But when asked how 'bout something to eat

They will answer in voices so sweet

You will eat, bye and bye,

In that glorious land above the sky;

Work and pray, live on hay,

You'll get pie in the sky when you die

So wurde er als Joe Hill zum wohl ersten amerikanischen Protestsänger. Joe wurde zu einem Hobo mit so viel anarchistischen Anleihen, dass ich ihn heute einen Anarchisten nenne. Joe Hill wurde verurteilt und getötet, weil er angeblich einen Shopbesitzer erschossen haben soll, obwohl er gar nicht in der Nähe war und kein Motiv hatte. Es war ein skandalöser politischer Indizienprozess. Denn Joe Hill hatte sich der IWW angeschlossen, den Industrial Workers of the World, den so genannten Wobblies, die vor allem migrantische Arbeiter in den USA radikal organisierten. Einer ihrer Tricks war, dass alle irgendwie Rädelsführer waren: Wenn die redende Person auf der Obstkiste verhaftet wurde, sprang der nächste Wobbly auf die Kiste und redete weiter. So hatte die Polizei am Ende mehr Internierte als Zellenplätze und es kam vor, dass sie die unablässig singenden Arbeiter entnervt wieder auf freien Fuß ließen.

Hannah und Chris von Ghost Mice sind auf freiem Fuß. Und immer unterwegs. Sie treten Trampelpfade aus, die zwar unwegsamer, aber immer spannender und unmittelbarer sind als der andere Krempel. Joe Hill wäre im Kontext unserer Zeiten froh, dass es Ghost Mice gibt. 

I've come such a long way / to get to where I am today, / and I must admit I used to be / more like one of my enemies. / And step by step my progress seemed so slow, / coz there was such a cold and lonely road / that most the while I travelled on my own / with no idea of where I was trying to go.

Wenn wir über das DIY-Label Plan-it-X reden, können wir über Chris von Ghost Mice nicht schweigen. Diskurse um das Richtige Leben im Falschen, das es ja bekanntlich nicht gibt, interessieren Chris nur bedingt. Denn Chris ist jemand der schafft. Soweit ich Chris inzwischen kenne, lebt er, wie es der alte Brecht wollte: Er stellt offene Fragen. Jede offene Frage ist ein Ergebnis. Ständig zersetzen und erlegen - ohne sich zu ergeben. Chris bewohnt Plan-it-X, macht nur Bands, die ihm gefallen und schreibt ihnen nichts vor. Er veröffentlicht ihre CDs zum Teil planlos, aber nicht lieblos, im Gegenteil. If it ain't cheap – it ain't punk. Hoffentlich gibt es kein Finanzamt, dass es jemals schaffen wird, seine 5-Dollar-pro-CD-Politik zu erschüttern. Chris und Hannah haben ein Herz so groß wie Texas und vergessen dabei nie eines auszustrahlen: den Wunsch nach einer anderen Welt. 

Es muss im Online-Tagebuch von Kimya Dawson gewesen sein, als ich vor einigen Jahren auf Ghost Mice aus Bloomington in Indiana stieß. Kimya legte in ihrem Tagebuch rücksichtslos entwaffnend ihr Herz offen, für alle einseh- und kommentierbar. Längst war sie nicht mehr auf die Moldy Peaches reduzierbar, sondern hatte sich mit ihren Solo-Stücken und Auftritten ein eigenes Universum geschaffen. Und ein Planet darin waren Ghost Mice, von denen sie einmal sehr schwärmte.

Das passierte zu einer Zeit, in der ich mit mir und allem frustriert und defätistisch war: Jede Rezeption von Musik als Nische hat etwas mit Flucht und Selbstbetrug zu tun. Alle Nischen sind vergiftet. Überall nur Mythen.

Und auch auf der anderen Seite: Meine antidiskriminierende Arbeit im Fußball wurde plötzlich hoffähiger. Plötzlich werd ich zur DFB-Task-Force eingeladen und frage mich immer öfter: Habe ich was falsch gemacht? Habe ich mich auf dem Weg verloren?
 

I was a fag, i was a geek, / I was  as a loser and a freak. / I tried my best just to be invisible. / I was counting all my days, / I was planning my escape. / It's amazing that kids can be so cruel. / Well the four years went by and i made it out alive, / then i started to live my real life. / Mow i'm happy and i'm free / and this whole world belongs to me / if you just hang on i swear you'll be alright.
 

Ghost Mice, Kimya Dawson und einige andere gaben mir durch das, was sie rund um ihre Musik für mich ausatmen, genug Mut, meinen Fußballjob hinzuwerfen und erstmal zu gucken, was da kommt. Jetzt lebe ich so oft wie möglich pro Monat bei meiner Freundin in Brighton und ansonsten unterwegs, tingele gerade zurück von einer chaotischen Lesereise, treffe unterwegs GhostMice, bringe die großartigen „Homesick Elephant" aus Los Angeles ins Syndikat in Neukölln und lerne Banjo. Und wenn man dann Ghost Mice trifft und feststellt, bloody murder, die sind ja noch viel netter, als ich es mir zusammen halluziniert habe, dann prickelt es ganz gewaltig. 

She asked me if I like to sing
I said, of course I like to sing
Anyone who doesn't like to sing
Must be dead if you ask me

She asked how I like being on the road
I said, I love being on the road
Yes, I miss my friends at home
But I love being on the road

So many songs left to sing
So many places left to see
So many songs left to sing
So many places left to see

She asked me if I had a job
I said, no way I've got no job
Why would anyone want a job?
Life's too short to have a job

Jemand meinte in irgendeinem Blog, dass Ghost Mice in vielen Städten gebrochene Herzen zurück lassen. Mein Herz haben sie nicht gebrochen, sondern beflügelt. Und ich bin froh, das sie es waren. Ich bin aber auch froh, dass Hannah und Chris diese Lobhudelei nicht verstehen, weil sie auf deutsch ist. Andernfalls würden sie sich vielleicht sofort erbost schüchtern auflösen und nie wieder Musik machen. Zumindest für eine ganze Weile.

Und ich habe mich herzlich gefreut, als die zwei mich fragten, ob ich hier heute was lese. Ich bin im Boden versunken und habe im gleichen Moment laut „ja" geschrien. Euch hat das hier jetzt vielleicht ziemlich genervt, weil es für alle Beteiligten nicht fair ist eine Band vor einem Auftritt mit so viel Vorschusslorbeeren zu überschütten. Und außerdem sollte ich doch meine Fresse halten. Schließlich seid ihr hierher gekommen, um eine Band zu sehen.

Ich sag euch eins: das wäre mir scheißegal, weil Ghost Mice das hier verdient haben. Und wenn ihr gleich entscheidet, dass ihr sie nicht mögt, dann ist das eben so. Ich aber werde wissen, warum ich heute hier stehe.