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Projekt "120 Tage mit AIESEC in Sfax"

Alexander



Last Updated: 2/2/2007

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Tuesday, February 27, 2007 

Extreme Working: Definieren Sie den Begriff "Workaholic"

Ich habe hier eine sehr interessante Erfahrung gemacht: Dass alles relativ ist. So ist es auch unter anderem mit dem individuellen Mass an Arbeit, was man als "zu viel Arbeit" empfindet.

Besonders Sfax ist als die Stadt der Arbeit bekannt. Die Leute arbeiten hier montags bis samstags ausnahmslos 10 Stunden am Tag, manchmal auch länger. Das liegt wohl daran, dass es hier auch -ausser der Arbeit- nichts gibt. Ein paar Cafes, die meist ab 20h geschlossen sind, und drei Hotels, in denen man für horrende Preise ein Bier bekommt (Tunesier dürfen dort aber nicht rein).

Meine Erfahrung bezieht sich nun darauf, in welchem (für uns Mitteleuropäer) überraschendem Ausmass Menschen in der lage sind, zu arbeiten. Als Beispiel dafür soll mir unsere letzte Arbeitswoche dienen, in der wir eine emailing- und faxing-Aktion an einige Tausend Adressen durchführen sollten, um eine Messe zu bewerben, auf der unsere Kunden ausstellen.

 

Letztes Wochenende war mein Chef noch in Paris. Er hat dort bis etwa 2h nachts gearbeitet, um mehrere Projekte gleichzeitig zu regeln. Wir haben hier (zunächst!) noch normal bis 18h gearbeitet, um das Mega-Projekt vorzubereiten.
Das änderte sich, als er Mittwoch morgens um 8h, nachdem er die ganze Nacht gereist war, in der Firma erschien. Es stellte sich nämlich heraus, dass die von seinem Team in Tunesien gemachten Planungen schlecht waren, weil u.a. das Fax zu langsam war, die von einem Lieferant beschafften Adressen fehlerhaft, und die email-online-Basis das Format unserer Dateien nicht unterstützte. Das bedeutete nichts anderes als: ARBEIT, ARBEIT, ARBEIT.

Die sah so aus:
Ich musste in 2 tagen 1000 Adressen abtippen, die anderen haben die Dateien formatiert, die Internetseite umprogrammiert, die emailings durchgeführt, eine telefonaktion vorbereitet etc.
Mottwoch abend um 19h fragte mich mein Chef (der also seit nunmehr 34 Stunden auf den beinen war) ob ich nicht bleiben wolle um zu helfen. Ich musste jedoch weg, also nahm er mich in die Verantwortung und sagte, ich solle dann aber am nächsten Tag bleiben, bis alles fertig sei. Ich sagte zu.

Donnerstag:
Normaler Arbeitsbeginn 8h. Den ganzen Tag über Adressen eingeben, Dateien formatieren, Aktion koordinieren.
Abends um 20h stellte er mir schliesslich einen Lieferanten vor, der für unser gemeinsames zukünftiges Projekt dienen solle. Nachdem dieser gegangen war, war ich der Meinung, ich können nun gehen (21h). Mein Chef war jedoch anderer Meinung, da er mich daran erinnerte, dass ich zugesagt hatte zu bleiben. Er wollte mich also beim Wort nehmen. (ausser mir waren noch 4 andere vor Ort). Also blieb ich, um nicht wortbrüchig zu sein. Ich war jedoch der Meinung, dass ich die Arbeit ohnehin nicht mehr schaffen würde an diesem Tag, da es zu viele Adressen waren (etwa 300). Gegen 22h brachte er schliesslich die Projektleiterin nach hause, was mich im Nachhinein richtig geärgert hat. Grund war, dass frauen hier grundsätzlich nicht spät nach hause kommen dürfen. (Kultur). Wir, die "kleinen Leute", mussten aber bleiben. An sich war es aber die Projektleiterin, die den Schlamassel verursacht hatte, da ist es doch ungerecht, wenn WIR bleiben müssen, und SIE darf nach hause, nur weil sie eine Frau ist??!! Wie soll man dann so eine Projektleiterin ernst nehmen??

Gegen 1h fragte mich mein Chef, ob er meinen Schlafsack benutzen könne (er meinte es scherzhaft, ich musste mich aber trotzdem ärgern, habe aber versucht es mir nicht anmerken zu lassen). Den Schlafsack hatte ich mitgenommen, da ich bereits befürchtet hatte, es könnte so spät werden.

Gegen 2h beschloss ich, die Nacht ganz in der Firma zu verbringen, wenn gegen 3h noch immer gearbeitet würde, und dann den nächsten tag mittags nach hause zu gehen und mich die Nacht danach auszuruhen.

Um 2h30 schliesslich war für uns (noch 3 Leute) die Arbeit vorbei, der technische Leiter fuhr uns nach Hause (wir verloren noch eine Stunde). der Chef blieb bis 5h in der Firma, um dann den Zug nach Tunis zu nehmen, wo er am nächsten Morgen einen Termin hatte.

Am nächsten Tag ging es dann um 8h weiter, ab nachmittags war dann auch der Chef aus Tunis wieder da, Arbeit ging bis 18h.
Den Abend beschloss ich, am nächsten Tag (samstag) mein Handy auszuschalten, vergass es aber leider.
samstag um 9h rief dann auch selbstverständlich meine Projektleiterin an, weil sie mich für eine Besprechung brauchten. Ich kam also um 11h und blieb bis 14h, die anderen blieben bis 17h, mein Chef bis 23h.

Was er Sonntags gemacht hat weiss ich nicht, aber eines weiss ich:

Wenn ich MICH (diese Woche) mit dem Massstab vergleiche, den ich aus Deutschland kenne, würde ich sagen: Das ist ein Workaholic.

Jedoch, wenn ich MEINEN CHEF mit mir vergleiche, so ist der ja noch ungleich schlimmer. Ich glaube, er hat in der gesamten Woche vielleicht insgesamt 20h geschlafen. Und das macht er fast JEDE WOCHE so. Auf der einen Seite hat mich das zutiefst beeindruckt, auf der anderen Seite auch sehr erschreckt: Wofür arbeitet man eigentlich sosehr? Ist es das wirklich wert? (ich glaube, wenn in Sfax wohnt, schon....)

Auf jeden Fall ist aber alles relativ: In Deutschland sind 50-Stunden-Wochen Workaholic-verdächtig.

Hier ist das Standard.

In Deutschland habe ich mein eigenes maximales wöchentliches Arbeitspensum auf 60 Stunden beziffert, hier waren es bereits letzte Woche 70 Stunden (als Praktikant), und für meinen Chef habe ich 100 Stunden angesetzt.

Das zeigt: Alles ist relativ, man kann sich an alles gewöhnen.

Übrigens, diese Woche wird wohl ähnlich verlaufen: Bereits gestern haben wir wieder bis 21h gearbeitet, Montag bis 19h, weil die Aktion IMMER NOCH NICHT FErtig ist. Wen es interessiert, dem kann ich in Deutschland mal die Gründe erläutern, man kann sicher daraus lernen.
Die anderen werden wohl auch noch die ganze Woche so weiterarbeitet, ich jedoch nicht: Ich habe heute Abend einen Termin, morgen ist mein letzter Tag, und Donnerstag fahre ich nach Tunis, Freitag bin ich wieder in Deutschland!

Hoffen wir, dass es nicht so kommt wie mein französischer Freund Thomas, den ich hier kennenlernte, mir schrieb: "Tu ne vas pas craquer sur la dernière ligne droit"....hoffen wir also, dass ich am Mittwoch noch den Stempel unter meinen Reisepass bekomme, den ich zur Ausreise benötige!

 

 

Thursday, February 01, 2007 

Gerstern ist mir eine weitere, etwas ungewöhliche Geschichte passiert.

Nachdem ich die Nacht bei Bechir verbracht hatte, der ja hier Vizepräsident ist, wollten wir eine Carte de Sejour beantragen.
Ich benötige hier als deutscher Staatsbürger für drei Monate kein Visum, jedoch ab dem vierten Monat schon.

Nachdem wieder einiges dazwischengekommen war, konnten wir am nachmittag endlich mit dem Verantwortlichen Beamten sprechen. Das Gespräch lief etwas ungewöhnlich ab. Ich bemühe mich, es grob wiederzugeben:

VB (Visa-Beauftragter): Guten Tag.

ICH: Guten Tag.

BECHIR: (Erklärt ihm unser Anliegen).

VB (Mustert mich kritisch, bemüht sich nicht freundlich zu sein): Den Reisepass.

ICH: (Gebe ihm den vorläufigen Reisepass, den die Botschaft in Tunis letzte Woche ausgestellt hat).

VB: (sieht ihn längere Zeit durch). Das ist kein Reisepass.

BECHIR: (erzählt ihm irgend was auf arabisch).

VB: So sieht kein Reisepass aus. (Fragt mich): Wann sind Sie angekommen?

ICH: Am 3. November.

VB: Wo ist die Bestätigung dafür?

ICH: In meinem alten Reisepass, den man mir geklaut hat. Hier ist die Diebstahl-bestätigung von der Polizei.

VB: Sie sind also am 30. November angekommen.

ICH: Nein, am 03. November.

VB: (redet undeutlich)

ICH: Wie bitte?

VB: Sie sind also am 03. Dezember angekommen.

ICH: Nein, am 03. November.

VB: Dann endet ihre Aufenthaltsgenehmigung also am 15. März.

ICH: Nein am 03. Februar.

VB: Wer sagt mir dass Sie am 03.11. angekommen sind?

ICH: (kann mit der Frage nichts anfangen) Was?

VB: Wer sagt mir dass Sie am 03.11. angekommen sind?

ICH: Ich sage das. Ich weiss wann ich angekommen bin.

VB: Sind Sie in Deutschland geboren?

ICH: Ja.

VB: Sie haben keinen deutschen Namen.

ICH: Wieso?

VB: Salmen ist ein arabischer Name. Sind Sie in Deutschland geboren?

ICH: Ja. Salmen ist ein deutscher Name.

VB: Warum sprechen Sie so gut französisch?

ICH: Ich habe in Frankreich studiert.

VB: (erklärt uns dass wir nur eine Verlängerung bis 03.03. bekommen können)

Ich gebe mich damit zufreiden. Alles in allem glaube ich, dass ich offenbar verdächtigt wurde, ein Terrorist zu sein!

Thursday, February 01, 2007 

IN DIE SAHARA

Letztens bin ich mit Avitosh in die Sahara gefahren. Das erste Mal, als ich dieses Abenteuer unternommen habe, ist es gründlich schief gelaufen, man hatte mir ja meinen Reisepass geklaut so dass wir das ganze Wochenende bei der Polizei verbringen mussten.

Diesmal ging es aber glatt:

Nach einer harten Arbeitswoche sind wir mit dem 00:30-NAchtzug nach Tozeur gefahren. Er kam gegen 05:30 morgens in Tozeur an. Auf der Fahrt konnten wir leider nicht schlafen, weil es so voll und laut war.

In Tozeur selber haben wir die antike Medina besucht, Wasserfälle und die Oase von Chébika, die Oase von Nafta (dort hat man uns 2kg Datteln geschenkt!!) und sind mit einem Kamel über die Dünen der Sahara geritten.

Meine Erfahrung mit Kamelen:
Das Hauptkamel mochte seinen Besitzer nicht: Als dieser das Kamel zwingen wollte, uns aufsitzen zu lassen, hat es ihn angekotzt.
Ausserdem war der Rücken sehr hart. Mir tat nach 2 Minuten sosehr der Hintern weh, dass ich das Gefühlt hatte ich müsse abspringen. Währenddessen hat Avitosh, der offenbar ein besseres Kamel hatte, die ganze Zeit geredet (er redet ohnehin immer, aber wenn man auf einem schmerzenden Kamel sitzt macht einen das richtig aggressiv).

Auf der Düne angekommen, wurden wir von 30 Kindern belagert die wollten, dass wir etwas von ihnen kaufen. Eine alte Frau hat uns sogar Euro-Stücke angeboten die wir kaufen sollten. Nach 20Minuten Belagerung habe ich einen entscheidenden Fehler begangen als ich tatsächlich etwas gekauft habe: Nun entbrannte ein Streit zwischen ihnen, von wem ich etwas kaufen solle. Jeder hat daraufhin versucht, mir irgendetwas in die Hand zu drücken. Avitosh, der Rabatt-König, hat alle möglichen Sachen gekauft um Mengenrabatt herauszuholen. Ich bin so schnell wir möglich zurück zu meinem Kamel.

Nachdem wir wieder zurückgefahren waren, habe ich auch eine Polizistin aus Gafsa getroffen um zu fragen, ob man etwas wegen meinem Pass unternommen habe. Aber, wie so oft, hatte man nichts unternommen.

Aber immerhin verlief diese Reise diesmal ohne Hindernisse.....

Friday, December 29, 2006 

Meine Arbeit: Was mache ich eigentlich hier?

 

Ich habe hier eine Menge Stressn mit der Arbeit.

Bevor ich hierher kam, wollte ich das ganze in Gleichgewicht halten, also 50% arbeiten und 50% Activity und Leute/Kultur kennelernen. Leider ist das ganze sehr stark zugunsten der Arebit ausgegangen.

Ich arbeite für einen Chef, der etwa 36 Jahre alt ist und aus Tunesien kommt. Er hat lange Jahre in Frankreich und Belgien gearbeitet und bei dieser Anstellung einen Partner kennengelernt, mit dem zusammen er den Bedarf gesehen hat, ein Callcenter (bzw. ContactCenter, d.h. nicht nur Telefonmarketing, sondern auch email-Kampagnen, Fax, Internet usw). off-shore, also in Tunesien zu gründen (Lohnkosten sind hier extrem niedrig, und die Leute sprechen ja alle französisch wg. Ehemals französischer Kolonie!

Außerdem haben sie den Bedarf gesehen, Exportfirmen hier zu unterstützen (also Franzosen, die hier Handelspartner suchen), und zwar mehr als die so genannten „Consulting"- Unternehmen.

Er hat also vor einem Jahr eine solche erweiterte Beratungsgesellschaft gegründet und eine Devisen-und Finanzfirma, von der ich nicht genau weiß, was sie macht.

Das ContactCenter soll im März an den Start gehen.

Meine Aufgabe: Einen Business-Plan erstellen für die nächsten 10 Jahre. Das ist ungeheuer viel Arbeit, weil er alles ganz genau wissen will. Jeden Computer, jedes Kabel will er im Investitionsplan mit Abschreibungen und Subventionszahlungen sehen, es gibt hier weiterhin viele rechtliche Dinge zu berücksichtigen (Befreiungen von bestimmten Lohnkosten z.B.). Außerdem muss ich für das Unternehmen eine Marketingstrategie entwickeln, eine Stategie HR, sowie alle weiteren Dokumente für den Businessplan.

 

Der Stress kommt dadurch ins Spiel, dass der Chef sehr viel verlangt und vor allem persönlich etwas schwierig ist. Er ist oft aggresiv und greift einen persönlich an. Deshalb ist die Arbeit dadurch sehr stressig und es fällt schwer, abends davon Abstand zu nehmen.

Aber man lernt ungeheuer viel. Nicht nur Hardskills, sondern vor allem über sich selber, seine eigene Persönlichkeit und darüber, wie man mit Stress umgeht.

 

Das Team bestand bis letzte Woche aus 5 Mitgliedern: Der Chef (ist 80% der Zeit auswärts), mir (Praktikant)! 2 Angestellten (junge Frauen in meinem Alter) und einer Praktikantin. Sie ist mittlerweile fester Bestandteil des Teams und es ist ein Techniker hinzugekommen.

 

Das ist also ungefähr mein Arbeitsalltag!

 

Friday, December 29, 2006 

Weihnachten in Sfax – wie feiert man in einem muslimischen Land in christliches Fest??

 

Zu Anfang sei gesagt, dass die Moslems kein Weihnachten feiern. Sie wissen auch sonst nichts von diesem Fest, haben aber den Namen meist schon gehört.

Teils haben sie recht abstruse Vorstellungen davon: Man würde mit Freunden in der Disco feiert und sich die Kante geben. Oder ein Lamm schlachten.

(Europäer geraten hier ohnehin in den Verdacht, nur ans Saufen zu denken und ansonsten Kulturbanausen zu sein).

Überraschender Weise weiss aber fast jeder, dass das Fest etwas mit Jesus zu tun hat. Es soll ja sogar einige Christen geben, die das nicht wissen!

 

Jedenfalls gab es von AIESEC anfänglich keine Bestrebungen, etwas zu unternehmen. Ich wollte aber ein besinnliches und familiäres Fest machen.

Der Inder (Avitosh), welcher nun in meiner Wohnung wohnt, hat also dann seine Bekannten in Tunis gefragt (zwei orthodoxe weibliche Christen aus Serbien und Rumänien, die er auf einer AIESEC-Konferenz in Hamameth kennengelernt hatte).

 

Die eine hatte aber etwas andere Vorstellungen von Weihnachten feiern, und hat deshalb AISEC in Tunis informiert. Der zuständige dort lud also gleich alle AISEC-Gruppen im Land ein, da AISEC-Sfax sie einladen würde zu einer oppulenten Weihnachtsparty in der Praktikantenwohnung in Sfax.

Ich, schockiert über diesen Vorgang, habe sofort mit Avitosh abgeklärt dass wir das verhindern. Ein Saufgelage in meiner Wohnung zu Weihnachten war nun wirklich nicht das, was ich wollte.

Also hat der zuständige AIESEC-Koordinator sie wieder ausgeladen. Ohnehin hätte niemand kommen können weil Klausurenzeit war.

 

Ich habe dann am 23. morgens alles nötige zusammengekauft (Weihnachtsbaum aus Plastik, Kugel, Dekoration, Teller usw…).

 

Die Mädels aus Serbien und Rumänien (Jelena und Luminiza) kamen dann also am 23. nach Sfax. Wir haben ihnen gleich schon vorher gesagt dass sie sich bezüglich der Stadt nicht auf allzu viel freuen sollten, daher waren sie dann auch nicht so sehr enttäuscht (Tunis ist halt größer, eine Touristenstadt und sauberer. Sfax, als Industriestadt, ist dreckig und es gibt nicht viel zu sehen). Immerhin sind wir abends in ein gutes Restaurant gegangen und haben sie zum Essen eingeladen. Danach haben wir Filme geschaut, die wir hier „gekauft" haben.

 

Ein arabischer Filmekauf funktioniert so:

 

1.)    Man geht in ein Film „Geschäft" (welches ungefähr 12km² groß ist).

2.)    Dort sucht man sich den Film aus einem vom Filmgeschäft ausgedruckten Liste aus (ähnlich einer Karaoke-Liste).

3.)    Die Verkäuferin sucht den Film aus dem Regal heraus. Er ist auf einer Video-CD.

4.)    Die Verkäuferin legt den Film in den PC ein.

5.)    Die Verkäuferin nimmt ein CD-Rohling und brennt den Film schwarz.

6.)    Sie bereichnet 2 Dinar (= ungefähr ein €).

Zu Hause angekommen stellten wir fest, dass die CD schlecht war und der Film immer ruckelte oder gar nicht lief.

So verbrachten wir den Abend also bis 3h nachts, als die Mädels uns rausgeschmissen haben weil sie schlafen wollten (nicht aus der Wohnung, sondern nur aus dem Zimmer!)

 

Am 24. waren wir dann nach einiger Verspätung (der Abend war sehr lang, daher haben wir am 24. auch länger geschlafen als geplant) auf der Insel Kerkanah. Die ist sehr schön und abgelegen. Es gibt dort keinen Müll der überall herumliegt, und die Landschaft ist unglaublich schön.

Luminiza kam leider auf die Idee, eine Dattelpalme zu besteigen, um Datteln zu essen. Der Baum war etwa 10 Meter hoch. Vor der Baumkrone kam sie dann dazu, ein paar Datteln zu essen, die aber leider nicht schmeckten.

Außerdem fiel sie dann auch noch herunter, weil das Holz der Rinde nachgab und brach. Zum Glück hat sie sich dabei nichts gebrochen (der Boden war sehr weich und sandig, es hatte die Nacht zuvor geregnet).

Avitosh meinte er könne es besser, ist aber schon auf halbem Wege heruntergefallen. Auch er brach sich nichts. (Siehe foto).

 

Abends haben wir dann indisch gekocht und haben Geschenke ausgetauscht. Das ganze war sehr besinnlich und die Stimmung war gut.

Danach sind in die Kirche gegangen. Dort war ein neuer Priester aus Burkina Faso, der seine ganze Gemeinde mitgebracht hatte. Die Schwarzen gelten ja eher als froh und lustig, und das waren sie in der Tat auch dort: Die Stimmung war exzellent, sie haben sehr schön gesungen und haben die gesamte Gemeinde in eine einmalige feierliche Stimmung versetzt. „Stille Nacht-heilige Nacht" haben sie sogar in mehreren Sprachen – darunter auch Deutsch- !!!!! gesungen.

Der alte Priester war auch noch da und hat eine Predigt gehalten, die sehr humorvoll war.

Es war der einmaligste Gottesdienst den ich je erlebt habe. Die anderen empfanden es genauso. Auch Avitosh, der ja kein Christ ist, hat es genossen.

 

Danach haben wir das gekochte Essen gegessen. Ein Dank an Avitosh, es war wirklich einmalig!

Dieser Abend wurde dann noch länger, weil wir uns viel unterhalten haben, ein paar AIESEC-Präsentationen angesehen haben und irgendwie die Zeit so schnell verging.

Wir kamen dann etwa um halb 5 ins Bett.

Am nächsten Tag (25.) hatte ich frei genommen, es war also kein Problem. Luminiza und Jelena sind dann nach Tunis gefahren. Das war dann das Ende des Weihnachtsfestes für uns, am 26. ging die Arbeit weiter!

 

Ich habe es aber sehr genossen, denn obwohl es fern von zu hause war und noch nicht einmal in einem christlichen Land, fern von allen anderen Gläubigen, hat es mir ein Gefühl der Nähe, Sinnlichkeit und Liebe geschenkt, dass ich hier nicht erwartet hätte, und das mir wieder viel Kraft geschenkt hat für die nächste Zeit.

 

 

Monday, December 11, 2006 
Ein tunesischer Witz
In Tunesien sind Libyer sehr schlecht angesehen. Das liegt daran, dass sie als faul gelten, einen immer bescheissen wollen (noch mehr als die Leute hier!!!!!!) und als dumm gelten. Libyen exportiert sehr viel Öl und gibt das ganze Geld in einen Fonds, der den Menschen zum Konsumieren geschenkt wird. Deshalb ist Libyen das ärmste Land der Region, weil niemand arbeitet. Das BIP/Kopf ist das niedrigste aller Länder dieser Region und beträgt ca. 1/10 des BIP/Kopf von Tunesien. Gadaffi hat in den 70ern einmal den Tunesiern angeboten, sich mit Libyen zu vereinigen. Der tunesische Präsident lehnte dieses Angebot ab.

Libyer sind jedenfalls so etwas wie Ostfriesen in Deutschland.

Gestern erzählte man mir hier also folgenden Libyer-Witz:
Ein Libyer, ein Tunesier und ein Franzose werden zum Tode verurteilt und müssen wählen, wie sie sterben wollen. Entweder durch Stromschlag, Erschießen oder durch AIDS.
Der Franzose wählt Tod durch Erschießen. Er wird erschossen und ist tot.
Der Tunesier wählt Tod durch Stromschlag und ist auch tot.
Der Libyer sieht sich das an und wählt AIDS. Ihm wird eine Nadel voller HIV-Viren in den Arm injiziert und dann wird er nach Libyen geschickt.
Dort angekommen erzählt er jedem: ..Leute, seht euch das an, ich lebe und bin nicht tot .. ich habe vor der Injektion ein Kondom übergezogen!..
Monday, December 11, 2006 

 

Zwischen dem Streß den ich hier den ganzen Tag habe habe ich über ein paar grundsätzliche Dinge nachgedacht und einmal mehr die Wichtigkeit dieses Auslandsprojektes gesehen.

Man sieht vorher zunächst nur die Fassade, die nach „fremde Kulturen kennelernen", „Lebenserfahrung sammeln", „Freunde kennelernen", „Berufserfahrungen machen" aussieht. Wenn man dann aber erst mal da ist, sieht man das ganze aber trotzdem von einer ganz anderen Seite:

Auf der einen Seite ist es ein riesiges Erlebnis, eine wirklich ganz andere Kultur (siehe erster Eintrag) und Schwierigkeiten, die man gar nicht vorhergesehen hatte.

Momentan zum Beispiel ist es in unserer Wohnung richtig kalt, die Temperatur steigt nicht über 14 Grad (gibt in Tunesien keine Wohnungsheizung) und es ist ein Problem, nachts zu schlafen. Wir müssen alle unsere Sachen per Hand waschen und tun sie vorher in einen Eimer voll Wasser mit Seife. Danach werden sie draußen zum trocknen gehängt. Aufgrund der Feuchte und Kühle der Luft dauert das aber fast eine Woche…..Danch riechen sie ganz komisch und außerdem hängt der ganze Balkon voller Kleider, weil ja drei Leute in der Wohnung sind.

Die Leute hier wollen sehr oft von einem profitieren und einen über den Tisch ziehen, aber in solchen Situationen bin ich froh dass es AIESEC gibt: Man weiß halt auf wen man sich verlassen kann. Es ist immer jemand da, an den man sich wenden kann und dem man vertrauen kann, wo man weiss: Derjenige lässt einen nicht im Stich sondern meint es gut mit einem. Das ist in solchen Situationen sehr wichtig.

Erst diese Mischung erlaubt es, wenn man wieder nach hause kommt, zu sagen: Es war ein Unternehmen, was mich persönlich wirklich weitergebracht hat!

Wednesday, December 06, 2006 

Die neuste Story……(zum besseren Nachvollziehen Landkartekarte anschauen in meinen Bildern)

 

Ich habe an diesem Wochenende seeeehr vieles erlebt. Die Geschichte, die jetzt folgt, ist nicht erfunden. Sie basiert auf wahren Tatsachen. Sie ist für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet.

 

Sie ist vor allem MIR passiert.

 

Hier kommt die UNGEKÜRZTE Fassung des letzten Wochenendverlaufs.

 

EPILOG

 

Am Wochenende wollte ich mit meinem WG-Prakti (Bogdan), Anis (Freund von AIESEC), und Walid (Freund von Anis) einen Ausflug machen in die Sahara, um uns das Spektakel anzusehen und Fotos zu machen.

 

Dorthin wollten wir mit dem Zug fahren, was von Sfax etwa knapp 5 Stunden dauert.

Wir wollten Freitag also um 14:35 losfahren und Sonntag gegen 22h zurückfahren. Ich hatte bereits mit meinem Boss gesprochen, und er hatte mir dafür Freitag Nachmittag freigegeben.

 

Bogdan erhielt jedoch nicht frei, da er für seine Firma eine wichtige Sache erledigen musste, die dringlich war. Wir haben also beschlossen, dass ich mit Walid um 14:35 fahre und Bogdan und Anis den Zug um 00:35 nehmen, der Samstag morgen gegen 5:00 in der Sahara ankommt.

 

Dort ist eine Wüstenstadt „TOZEUR", in der Walid einen Freund hat. Dort wollten wir übernachten. Der Freund von Walid war das Wochenende nicht da und erlaubte uns, dort zu übernachten um Hotelkosten zu sparen.

 

DIE STORY

 

Teil 1: Freitag

 

Walid und ich nahmen also den Zug um 14:35h und machten es uns in der 1. Klasse gemütlich, da in der 2. Klasse keine Plätze mehr frei gewesen waren.

 

Gegen 17:45 hielt der Zug in GAFSA. Walid und ich hatten unseren Wagen verlassen, um uns zu unterhalten. Er wollte eine Zigarette rauchen. Wir befanden uns also in der Zwischensektion zwischen 2 Waggons, (also IM ZUG), also da, wo auch die Toiletten sind. Ich hatte eine Gürteltasche umgebunden, in der sich mein Reisepass befand. Ich hatte ihn mitgenommen, um mich für den Notfall ausweisen zu können.

Die Türen des Zuges waren geöffnet, und wir unterhielten uns. Wir standen beide in unmittelbarer Nähe der Zugtür.

 

Plötzlich fühlte ich einen Ruck, als wenn jemand an mir zog. Die Gürteltasche wurde durch die offene Zugtür gezogen und verschwand. Ich hatte nicht einmal die Zeit, diesen Vorgang zu sehen. Wald schrie etwas auf Arabisch von Passport, und draussen hörte man laufende Schritte. Ich versuchte draußen etwas zu erkennen, aber es war dunkel.

 

Man hatte mir also meine Gürteltasche samt Reisepass geklaut. Ansonsten befand sich (ausser ein wenig Papier) nichts darin.

 

Wir gingen also zurück in den Waggon, da sich unsere Sachen darin befanden. Wir wollten nicht den Leuten hinterher rennen, da der Zug ansonsten weiter gefahren wäre.

Im Zug sprach sich die Geschichte sehr schnell herum und jeder begann, seine Freunde und Verwandten anzurufen, um das Geschehene zu erzählen.

Ein sehr gut bekleideter Mann, der in der Reihe vor uns saß, rief alle möglichen öffentlichen Stellen an und half uns auf diese Art, indem er mit der Polizei sprach und die Beamten informierte sowie meine Daten weitergab.

Wir vermuteten später, dass er vom Geheimdienst war, weil er auch mit dem Innenministerium gesprochen hatte. Wir haben mit ihm unsere Handynummern ausgetauscht, damit er uns noch weiter helfen konnte.

 

Als wir in TOZEUR angekommen waren, teilte er uns mit, wir sollten dort zur Polizei gehen, um Anzeige zu erstatten. Eine halbe Stunde später würde der Innenminister von Tunesien und die deutsche Botschaft in Tunis über den Vorfall durch eine Depesche informiert.

 

Wir gingen also zur Polizei. Nachdem man uns dort eine Stunde verhört und unsere Daten aufgenommen hatte, sagte man uns, man sei nicht zuständig, wir müssten zur Nationalwache.

 

Nachdem wir dorthin gefahren waren ( mit dem Taxi), wurden wir auch dort wieder eine Stunde verhört. Nun wurde der Fall kompliziert:

 

Der dortige Polizeichef sage, an sich sei die Behörde in GAFSA für den Fall zuständig, weil er sich dort zugetragen habe.

Außerdem würde sehr viel Aufhebens gemacht werden, große Suche, Fragebögen etc, wenn wir die Sache als DIEBSTAHL angeben würden. Er sagte, wenn wir den Pass einfach nur als VERLOREN deklarierten, könnte er den Fall übernehmen, es würde nicht viel Wind gemacht und wir könnten sofort ein VERLUSTZERTIFIKAT erhalten. Dieses benötige ich, um in der Botschaft in Tunis einen neuen Reisepass zu erhalten.

Ich stimmte also zu.

Im Verlauf des Gespräches wurde aber bekannt, dass uns der Mann im Zug geholfen hatte und die Behörden in GAFSA bescheid wussten, dass es ein DIEBSTAHL war. Auch das Polizeiministerium war bereits über den Fall informiert.

Also sollten wir am nächsten Tag wiederkommen, und der Polizeichef von TOUZEUR wollte bis dahin klären ob er das Zertifikat ausstellen könne.

 

Er half uns auch noch, in dem er uns ein Taxi bestellte was uns nach hause bringen sollte.

Es ist in Tunesien Pflicht, dass man an eine öffentliche Stelle meldet, wenn man einen Ausländer beherbergt. Wir hatten das aber nicht gemacht. Der Taxifahrer entpuppte sich aber als Freund des Polizisten. Also sagten wir ihm er solle zu einem Hotel fahren, damit er nicht merken solle, dass wir hier bei einem Tunesier wohnten der die Meldung nicht gemacht hatte.

 

Von da mussten wir ein anders Taxi nehmen um zur Wohnung zu kommen. Diese war schwierig zu finden.

Dort angekommen, kam es zum nächsten Problem: Der Schlüssel war nicht da. Nach kurzem Überlegen beschloss Walid, die Wohnung aufzubrechen. Ich sollte meinen Wohnungsschlüssen ( aus Sfax) ins Schloss stecken und er wollte dagegen treten. Der Schlüssel ging davon kaputt, die Tür nicht.

Also sprang er, so wie man das immer im Fernsehen sieht, gegen die Tür bis sie aufsprang. Das ganze machte einen Höllenlärm. Ich wundere mich bis heute dass kein Nachbar die Polizei gerufen hat.

 

Wir waren also gegen 23h in der Wohnung und stellten fest, dass wir morgen nicht in die Sahara gehen würden. Zunächst musste das Schloss repariert werden, wir mussten zur Polizei in TOZEUR und danach ggf nach GAFSA. Die Sahara war noch 2 Stunden mit einem Auto entfernt, also war es kaum zu schaffen dorthin zu gelangen.

 

Wir riefen also Bogdan ( der die Geschichte nicht glaubte) und Anis an und sagten ihnen, dass sie nicht zu kommen brauchten.

 

TEIL 2: Samstag

 

Wir holten jemanden, der für 15 Dinar (etwa 9€) ein neues Schloss einbaute. Danach fuhren wir mit dem Taxi wieder zur Nationalwache inTOZEUR. Sie erklärte uns, dass wir den Fall nicht regeln könne: Also mussten wir nach GAFSA. Es dauerte über eine Stunde, bis der Minibus nach GAFSA voll war, aber dann fuhren wir los (Dauer etwa 1 Stunde).

 

Dort konnte man uns schließlich helfen und ich erhielt von der dortigen Polizeibehörde das VERLUSTZERTIFIKAT. Außerdem wurde eine große Suchaktion durchgeführt.

Walid suchte mit 3 Beamten in einem ersten Schritt die eine Hälfte des Geländes, und ich mit dem Polizeichef die andere Hälfte ab (ohne Erfolg).

Walid erzählte mir später, er habe der Polizei gesagt, der Mann der die Gürteltasche geklaut habe, sähe etwa so aus wie ein Mann, der gerade uns entgegenkam. Sofort fingen die Polizisten an, auf den Mann einzuschlagen. Sie nahmen seinen Personalausweis weg, und verhörten ihn während sie ihn verprügelten.

 

Wir fuhren jedenfalls nach SFAX zurück und ich habe nun mein Verlustzertifikat, mit dem ich nach Tunis zur deutschen Botschaft muss (Reiseweg hin etwa 4 Stunden):

 

FAZIT

 

Walid erklärte mir nachher, dass es in Tunesien eine Todsünde ist, von Ausländern (vor allem Europäern) einen Reisepass zu stehlen. Der deutsche Staat zahlt für die Sicherheit der deutschen eine Menge Geld an die tunesische Bahn, um dort Sicherheit zu schaffen. Deshalb kann eine solche Sache, wie sie mir passiert ist, zu internationalen Spannungen zwischen Deutschland und Tunesien führen.

In solchen Fällen greift die tunesische Polizei daher sehr hart durch und führt nun eine Großaktion durch, um die Täter zu finden. Es werden reihenweise Leute verhaftet und verhört. Er sagte mir sogar, die Täter könnten in der Haft ums Leben kommen.

 

Ich habe daraus aber ein Fazit gezogen:

Es lohnt sich nicht, gegen das Gesetz zu handeln. Wenn ich die Geschichte aus der Sicht der Diebe betrachte, ist es für sie sehr unverhältnismäßig. An sich haben sie nichts gaaanz schlimmes getan: Niemand ist verletzt oder tot.

Sie wollten Geld stehlen, aber das einzige was sie fanden war mein Reisepass der sie jetzt in große Schwierigkeiten bringt. Sie haben nichts gewonnen, aber im Zweifel ihr ganzes Leben riskiert.

 

Alles, weil sie im falschen Moment gegen das Gesetz gehandelt haben. So etwas sollte man also niemals tun, einfach weil es sich nicht lohnt. Hätten sie es gelassen, wäre ich mit meinen Leuten wir geplant in die Sahara gefahren, wir hätten eine Menge Geld und Ärger gespart (wie auch die Polizei), und sie selber hätten sich und ihren Nächsten auch eine Menge Ärger erspart.

 

Ich habe jedenfalls beschlossen, in meinen Lebenslauf folgenden Eintrag hinzuzufügen:

 

01.11.2006                                         10 Jahre Marketingprojekt in Tunesien

Bis                                                      (Ausbildung zum Krisenmanager)

01.03.2007

Thursday, November 30, 2006 

Tagchen Leute!

Kurze News: Habe nun Photos online! Seht sie euch mal an....

Bis dann

 

Friday, November 24, 2006 

Von allen Erinnerungen, die ich von hier behalten werde, gehört wohl die tägliche Taxifahrt¨zur Arbeit und zurück.

Es ist jedes Mal eine Herausforderung, hier mit dem Taxi zu fahren, und es besteht eine grosse Wahrscheinlichkeit, sie nicht ohne Probleme zu meistern.

Zur Veranschaulichung  die heutige Fahrt :

 

Ich warte bis 07:45 vor Sfax2000 (Einkaufszenter was in den 70ern gebaut wurde) auf eine Kollegin. Wie immer kommt sie zu spät so dass ich ohne sie fahre, weil der Chef sonst sauer ist. Währenddessen schreien mich etwa pro Minute 10 Taxifahrer an, die dort halten, ob ich nach "Route de Tunis" oder "Sidi mansur" wolle.

Ja, Route tunis. City El Ons. Also einsteigen.

(Dialog auf deutsch übersetzt):

Ich: Fahren Sie nach Route de Tunis? Immeuble Somaf? City El Ons?"

Taxi-Man: Ja. (Fährt los)

Ich: Guten Tag. (Taxi ist mit 5 Leuten voll).

 Taxi-Man: (Beobachtet mich, während er mit Tempo 80 durch Kreisverkehre fährt und auf der Gegenfahrbahn überholt, innerorts!) Wo kommst du her?

Ich: Deutschland.

Taxi-Man: Was machst du hier?

Ich: (Erkläre ihm dass ich hier ein Praktikum mache)

Tax-Man: Welche Religion bist du?

Ich: Christ.

Taxi-Man: Nein, bist du nicht.

Ich: Doch.

Taxi-Man: Nein, du bist Moslem.

Ich: Nein bin ich nicht.

Taxi-Man: Doch du bist Moslem. Solange du hier in Tunesien bist, bust du Moslem und wenn du zurück kommst bleibst du Moslem.

Ich: Nein ich bin Christ.

Taxi-Man: Du bist Moslem.

Ich: Ok ich bin Moslem.

Taxi-Man: (überholt wieder auf der Gegenfahrbahn einen LKW. Gerät in Not weil aus dem Gegenverkehr auch jemand auf unserer Fahrbahn überholt. Sein Überholen führt dort zu panikartigen Reaktionen. Tax-Man imitiert das entsetzte Gesicht einer entgegenkommenden Fahrerin um sich darüber lustig zu machen und drängt ein rechts fahrendes Fahrzeug ab. Danach redet er auf arabisch mit der Person auf dem Beifahrersitz über den Vorgang).

(Taxi-Man fährt ungefähr 10 Minuten so weiter, bis alle ausser mir ausgestiegen sind)

Ich: Fahren Sie bitte links rein zur Pepiniere des entreprises. ( da ist meine Firma drin).

Taxi-Man: Ok. (wechselt Thema) Was arbeitest du da?

Ich: In einer neuen Firma. Ich bin Marketing-Spezialist .

Taxi-Man: Ich bin Taxi-Spezialist (lacht über seinen eigenen Witz).

(beim Aussteigen):

Ich: Gut, das sind dann also 1,5 Dinar. (sind es sonst immer).

Taxi-Man: Nein 2 Dinar.

Ich: Nein das ist nicht normal, es sind sonst immer 1,5 Dinar.

Taxi-Man: 2 Dinar für den zusätzlichen Weg.

Ich: Hören Sie, ich bin kein Tourist.

Taxi-Man: Doch, du bist Tourist so lange wie du hier bist, die ganzen 6 Monate.

Ich: Ich zahle doch nicht 1 Dinar für die ersten 10 Kilometer und dann noch mal einen Dinar für einen zusätzlichen Kilometer!

Taxi-Man: Doch, denn ich habe diesen Kilometer par compteur gerechnet (unterschiedliches System in Tunesien). Das macht dann 2 Dinar.

Ich schaue nach ob ich 1,5 Dinar klein habe, aber das habe ich leider nicht. Also gebe ich ihm die 2 Dinar, weil er das Wechselgeld eh nicht rausgerück hätte.

Und die Moral von der Geschicht: Traue einem Taxifahrer nicht!