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Erik



Last Updated: 8/29/2007

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Gender: Male
Status: Single
Age: 29
Sign: Pisces

City: Berlin
State: Berlin
Country: DE
Signup Date: 8/4/2006

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Sunday, September 10, 2006 

Current mood:  sleepy
Es gibt ja Menschen, die können sich furchtbar aufregen, wenn andere einen Fehler machen. Zu diese Sorte gehöre ich nicht. Ich mache ja selbst oft Fehler, wie Ihr schnell festgestellt habt  Was die Fehler anderer angeht, so versuche ich das so entspannt wie möglich zu sehen und halte mich an das Motto meines Vaters: „Nobody is perfect"!

Die Art und Weise wie mein Vater Curt mit Fehlern umging, hat mir immer imponiert. In seinerm Job als Flugzeugmechaniker war er darauf trainiert keine Fehler zu machen. Ganz im Gegensatz dazu war er Robin und mir gegenüber immer extrem tolerant, wenn bei uns mal etwas daneben ging. Wenn ich zum Beispiel mit einem Diktat nach Hause kam und der Rand war voller rote Striche, lächelte er nur milde und meinte: „Na, da war der Fehlerengel aber mal wieder fleißig."

Erst später, als ich anfing, tiefer zu schürfen, was den Zufall anbelangt, habe ich verstanden, was mein Vater damit gemeint hat. Das Fehler durchaus auch nützlich sein können und nicht verteufelt werden sollten. Fehler, die durch Zufall auftreten machen das Leben bunter und haben dafür gesorgt, dass die Natur im Zuge der Evolution die Artenvielfalt, also auch uns Menschen hervorgebracht hat. Und auch so manche Erfindung hätte niemals das Licht der Welt erblickt, wäre nicht irgendjemandem beim Herumbasteln ein kleiner Fehler unterlaufen.

Daran musste ich heute auf meinem Spaziergang denken, der mich durch die Straßen einer jener Städte führte, in der ich als Kind einmal gelebt habe. Unterwegs bin ich auch an der Schule vorbeigekommen, in die ich damals gegangen bin. Das muss in der 5. Klasse gewesen sein. Durch eines der Fenster, konnte ich auch den Platz erspähen, auf dem ich früher einmal gesessen und die Diktate mit den vielen roten Strichen am Rand, geschrieben habe. Seltsames Gefühl nach all den Jahren.

Ach ja, der liebe Fehlerengel war es übrigens auch, der zwei Lettern zuviel in die Buchstabensuppe gewürfelt hat, die ich Euch eingebrockt habe. Guri hat es bemerkt und er hatte Recht damit, dass da etwas nicht zusammen passt. Mein Fehler! Aber wer weiß, wozu so er noch nützlich ist.
Sunday, September 10, 2006 

Current mood:  calm
Category: Travel and Places

Viel später als gedacht, bin ich gestern von Berlin losgekommen. Reisevorbereitungen dauern ja sowieso immer viel länger als man glaubt. Tagsüber hatte ich jede Menge Erldigungen zu machen. Abends war ich noch kurz bei Marie, um ihr Marty vorbeizubringen, den alten Plagegeist, und um ihr noch ein paar letzte Instruktionen zu geben.Gegen Elf war ich dann endlich soweit und es konnte losgehen.

Es gibt da ein kleines Ritual, das ich seit meiner Kindheit pflege. Es war Robin, der irgendwann auf die Idee kam. Der Job meines Vaters brachte es mit sich, dass wir oft umziehen mussten. Jedes Mal, wenn wir unser Sachen packten und unserem Zuhause den Rücken kehrten ließen mein Bruder und ich etwas an Ort und Stelle zurück. Mal waren es Geldstücke, die wir unter die Holzdielen unserer alten Wohnung klemmten. Ein anderes Mal vergruben wir eines unserer Spielzeugautos im Garten. Das Ritual hatte für uns eine ganz bestimmte Bedeutung. Es sollte dem Finder und uns in unserer neuen Heimat Glück bringen. Ich habe dieses Ritual bis heute beibehalten. Und auch, wenn es gestern sehr hektisch zuging, nahm ich mir dafür noch Zeit.

Jetzt sitze ich im Schein einer kleinen Nachttischlample im Elternhaus meiner Mutter. Mein Großvater war schon im Bett, als ich vorhin nach Hause gekommen bin. Ich war noch eine Weile spazieren unten am Fluß. Ich kenne diese Stadt leider kaum, obwohl hier ja sozusagen meine Wurzeln liegen. Mein Großvater, mit dem ich heute sehr lange geredet habe, hätte gern, dass ich noch länger bleibe. Aber morgen muss ich weiter. Leider.

Friday, September 08, 2006 

Current mood:  busy
Category: Friends

So sehr ich ihn liebe, manchmal treibt der Zufall ein seltsames Spiel mit uns. Gestern hab ich mit Marie lange vorm Computer gesessen und mir angeschaut, wie der Schlüssel mir dem Talisman bei Euch angekommen ist. Laut gelacht habe ich über die Buchstabenspiele von Guri Janeff und vom geschmacksberater. Da Pro Killer?

Es mag zwar einige Menschen geben, die mich ein bisschen strange finden, aber ich glaube, ich kann Euch beruhigen. Ich bin weder ein Außerirdischer, noch ein Entführer und schon gar kein Profikiller. Obwohl Marie meinte, so ein schwarzer Anzug wie John Travolta in Pulp Fiction würde mir sicher gut stehen.

Dass es einen Schauspieler namens Erik Benz in Köln gibt, ist zwar interessant, aber auch nichts anderes als einer dieser Zufälle, die mein Leben, von Anfang an bestimmt haben. Ich kann Euch versichern: mit Erik aus Köln bin ich weder verwandt, noch verschwägert.

Mit dem Zufall ist das überhaupt so ein Ding. Ich habe seit der Sache mit Robin damals viel darüber gelesen. Je mehr man an den Zufall glaubt, desto häufiger scheint man ihm zu begegnen. Und wenn ich mir Eure Spekulationen so anschaue, dann ist da sicher was Wahres dran.

Heute Abend werde ich mich dann auf den Weg machen, wie ich Don bereits angekündigt habe. Die nächste Etappe steht an. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit.

Wednesday, September 06, 2006 

Current mood:  cheerful
Category: Friends
Heute Morgen bin ich früh aus dem Bett gefallen. In Nacht habe ich kaum ein Auge zugetan und als dann um Sieben Marty über mein Gesicht stolzierte, war es mit dem Schlaf dann endgültig vorbei. Also zog ich meine Arbeitsklamotten an und fuhr raus, um zu schauen, wie weit die Jungs in der Werkstatt sind. Ich habe gemerkt, dass ich meine innere Unruhe am besten dadurch in den Griff kriege, wenn ich vor Ort bin und mit anpacke. Zum Glück haben die Jungs nichts dagegen, wenn ich ihnen ab und zu ins Handwerk pfusche.

Kurz nach zwei klingelte mein Handy. Marie war dran. Ihre Stimme überschlug sich fast und ihre ersten Sätze waren kaum zu verstehen. Nach dem es mir gelang, sie ein bisschen zu beruhigen, erfuhr ich von ihr, was passiert ist. Sie berichtete mir, dass Ihr in der Nacht die Seite gefunden habt und dass der Countdown aktiviert wurde. Es war schon seltsam, aber mit einem Mal kehrte meine Gelassenheit zurück. Auch wenn das nun bedeutet, dass wir uns jetzt noch mehr beeilen müssen.

Aber mehr denn je bin ich heute Abend davon überzeugt mit der ganzen Sache auf dem richtigen Weg zu sein. Das Schöne ist, dass sich so viele Leute mit mir auf diesen Weg gemacht haben. Da habt ihr mich echt überrascht. Es ist nur fair, wenn ich mich dafür im Gegenzug irgendwie erkenntlich zeige. Deswegen werde ich mich jetzt gleich mal dranmachen auch einen von Euch zu überraschen. Always, Hustle the sluff!
Tuesday, September 05, 2006 

Current mood:  relaxed
Category: Life
Beflügelt von den Ereignissen des gestrigen Tages und schon wieder etwas entspannter, habe ich heute Morgen erstmal ausgiebig gefrühstückt. Weil ich heute Vormittag sonst nichts weiter vor hatte, hab ich mir anschließend noch die Zeit für ein kleines Experiment aus der Reihe ungelöste Rätsel des Alltags genommen.

Ist es wirklich so, wie die meisten Menschen glauben, dass Marmeladenbrote immer auf der beschmierten Seite landen? Und wenn ja, ist da Freund Zufall am Werk oder gibt es dafür eine physikalische Erklärung?

Ich weiß nicht genau, ob es für das Ergebnis eine Rolle spielt, aber ich habe mich bei für Himbeerkonfitüre entschieden, einfach weil das meine Lieblingssorte ist. Den Verlauf meiner Versuchsreihe, habe ich mit der Kamera festgehalten, damit das Nobelkomitee später nachvollziehen kann, wie der Beweis erbracht worden ist  Marty, mein kleiner fetter Kater hat sich übrigens sehr über das Experiment gefreut.

Beweis, Beweis
Monday, September 04, 2006 

Current mood:  excited
Category: Life
Hey Leute, ich muss erst mal was loswerden. Ich bin total baff, wie schnell ihr zu mir gefunden habt. Damit habe ich echt nicht gerechnet. Ich sitze hier in meiner kleinen Küche und freue mich über jede Mail und über jeden Kommentar in meinem Blog. Danke Bastian, danke Pleitegeiger, danke Feierabend,danke Don fürs adden. Natürlich habe ich mir immer ausgemalt, wie es sein wird, wenn es endlich soweit ist und die Sache ins Rollen, kommt, aber mit diesem Echo hab ich nicht gerechnet.

Ehrlich gesagt, noch gestern, war ich voller Zweifel. Um mich auf andere Gedanken zu bringen, hab ich einen meiner langen Spaziergänge unternommen. Random Walk, nenne ich das. Den Ausgangspunkt bestimmt der Flug eines Dartpfeils, den ich über meine Schulter auf eine Landkarte von Berlin werfe, die an meiner Küchentür hängt. Gestern schlug der Pfeil in Neue Mühle ein, ein kleines Dorf in Brandenburg. Okay, das ist nicht gerade um die Ecke, wenn, man im Wedding wohnt, aber der kleine Ausflug hat mir ganz gut getan. Für meine Random Walks habe ich übrigens ein paar Regeln aufgestellt, denen ich folge:

1. Habe kein festes Ziel
2. Lass Dich unterwegs vom Weg abbringen
3. Sprich einen fremden Menschen an
4. Lass Dich irgendwo nieder und mache Rast
5. Iss etwas, was Du normalerweise nie zu Dir nehmen würdest
6. Fotografiere scheinbar Belangloses. Es ist nur scheinbar Belanglos.
7. Nimm einen Schirm mit. Oder ein Handtuch. Oder beides.

Es ist schon seltsam, was einem unterwegs so alles begegnet, wenn man nur den Blick öffnet. Ein paar Bilder von meinem Spaziergang hab ich in meiner Galerie hochgeladen.
Saturday, September 02, 2006 

Current mood:  tired
Category: Religion and Philosophy

Mist, heute hab ich total verpennt. Das Ding ist, ich habe leider keinen Wecker. Ich mag nämlich keine Uhren. Denn ich möchte mein Leben nicht von zwei kleinen Zeigern diktieren lassen.

Ich wurde erst wach, als an der Tür Sturm klingelte. Es war Marie. Sie wolle nur mal nachsehen, ob ich vorangekommen sei. Wahrscheinlich hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie es gestern Abend doch nicht mehr geschafft hatte vorbeizukommen. Wortlos und noch etwas verschlafen führte ich sie in die Küche und deute auf den Stapel Briefe. Dann machte ich uns erst mal einen Kaffee.

Ich habe keinen Schimmer, wie spät es heute Nacht geworden ist, aber als ich den letzten Brief fertig hatte dämmerte draußen schon der Morgen. Vom vielen Schreiben tat meine Hand weh. Und das Beschriften der Umschläge musste ja auch noch erledigt werden. "Sieht ganz so aus, als könntest Du noch ein wenig Hilfe gebrauchen. Die Briefe sollen doch heute raus, oder?" fragte Marie. Ich nickte während ich im Kühlschrank nach etwas Essbarem fahndete, fand aber nur einen Apfel, der seine besten Zeiten schon lange hinter sich hatte.

"Verrate mir doch bitte noch mal, was Du mit der Aktion eigentlich bezweckst," forderte sie mich mit einem skeptischen Unterton in der Stimme heraus, der für Marie typisch ist. "Die Welt ist kein Uhrwerk", entgegnete ich. bedeutungsvoll. Und dann erzählte ich ihr die Geschichte von Newton und dem Apfel, der ihm angeblich eines Tages auf den Kopf fiel. Wie er dadurch auf die Idee von der Mechanik aller Dinge kam und wie diese Idee die Welt und das Denken der Menschen verändert hat. "Es ist doch total verrückt, dass diese Idee noch heute die Weltanschauung vieler Leute bestimmt, ereiferte ich mich. Die meisten Leute glauben im Leben sei alles vorhersehbar, so wie der Lauf des Mondes oder der Fall eines Apfels. Und genauso gestalten sie ihren Alltag. Alles wird minutiös durchgeplant von vorne bis hinten. Hektik und Stress. Kein Raum für Spontanität und Überraschungen. Und mit 45 kommt dann der Herzinfarkt. In so einer Welt möchte ich nicht leben! Was Newton nämlich nicht auf der Rechnung hatte, ist die Tatsache, dass es eine Kraft gibt, die uns viele magische Momente bescheren kann, vorausgesetzt, wir erlauben ihr auf unser Leben einzuwirken. Den Zufall!"

Um dem Ende meiner kleinen Ansprache noch mehr Gewicht zu verleihen, biss ich feierlich in den ollen halb verdorbenen Apfel. Marie musterte mich mit einem seltsamen Blick, von dem ich nicht so genau wußte, was er bedeuteten sollte. Dann musste sie kichern. Anschließend half sie mir dann noch mit den Umschlägen und um Vier brachten wir zusammen die Briefe zur Post. Geschafft!

Friday, September 01, 2006 

Current mood:  stressed
Category: Goals, Plans, Hopes
Heute Mittag hat C. wieder angerufen und sich erkundigt, wie es um unser Projekt steht. Ich konnte ihr berichten, dass soweit alles nach Plan verlaeuft. Die Website ist online. Mein Benz steht in der Werkstatt und die Jungs sind eifrig am Schrauben. Respekt, die Typen haben's echt drauf! Ich freue mich schon auf morgen, dann bin ich mit dabei und kann selbst ein bisschen Hand anlegen. Muss ja jetzt alles ganz schnell gehen. Denn viel Zeit bleibt ja schliesslich nicht bis zum Start.

War alles in allem eine ganz schoen stressige Woche. Aber damit habe ich gerechnet. Vorhin hat Marie angerufen und wollte mich dazu ueberreden mit ihr heute Abend auf die Piste zu gehen. Ich hab gar nicht mitgekriegt, was heute geht in der Haupstadt. Lust haette ich ja schon. Aber ich bin mit den Briefen einfach noch nicht soweit. Und die Talisman-Anhänger müssen heute unbedingt raus. Vielleicht kommt Marie spaeter noch vorbei und hilft mir. Meinte sie jedenfalls am Telefon. Wuerde mich wirklich freuen. Mal schauen. Ich wuensche Euch jedenfalls ein schoenen, relaxten Freitagabend.

Friday, September 01, 2006 

Current mood:  determined
Category: Friends
Ich wollte ja noch von Marie erzählen. Kennengelernt haben wir uns im Zuge eines meiner kleinen Experimente. Manche Leute gehen ja äußerst planvoll vor, wenn es darum geht neue Leute zu treffen. Kontaktanzeigen, Fisch-sucht-Fahrrad-Parties etc. Nichts für mich. Der beste Kuppler, den es gibt, ist der Zufall.

Das Experiment, dass Marie und mich zusammenführte, liegt schon ein paar Jährchen zurück und drehte sich um meinen abgelaufenen Personalausweis. Manche Leute bewahren ihren alten Perso ja daheim als Andenken auf. Ich kam damals auf die Idee, ihn als Instrument zur Kontaktaufnahme zu benutzen. Eine Tages packte ich das Ding in einen abgeriffenen Geldbeutel, den ich auf dem Flohmarkt erstanden hatte und deponierte beides, Ausweis und Portemonnaie, unter einer abgelegenen Parkbank im Wedding. Dann wartete ich ab.

Einige Tage später klingelte es nachmittags an meiner Wohnungstür. Vor mir stand ein Mädchen, etwa so alt wie ich, mit dunklen Kulleraugen. "Ich glaube, ich habe etwas gefunden, was dir gehört!?" Marie. Ich bat sie herein und legte auf der Stelle eine volles Geständnis ab. Ich sagte ihr, dass sie eine Art Flaschenpost gefunden habe und das dies nur bedeuten könne, das der Zufall es will, das wir einander begegnen. Viel später hat mir Marie einmal erzählt, dass sie nie begriffen habe, warum sie nicht auf dem Absatz kehrt gemacht hat. Stattdessen blieb sie bis zum Abend. Wir unterhielten uns und tasteten uns behutsam vor ins Leben des Anderen, getragen von einer seltsamen Faszination. Und als wie uns irgendwann nach vielen Stunden voneinander verabschiedeten, war klar, das wir uns wiedersehen würden.

Marie ist heute meine beste Freundin. Es gibt niemanden, der mich so gut versteht wie sie. Obwohl oder gerade weil wir total verschieden sind. Ein bisschen sind wir so wie Scully und Moulder aus Akte X, wenn ihr wisst was ich meine ;-) Außerdem ist sie der lebende Beweis für meine Theorie. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Spiel mit dem Zufall das eigene Leben bereichern kann. Hustle the sluff!
Thursday, August 31, 2006 

Current mood:  calm
Category: Friends
Um 13:59 Uhr bestieg ich heute den Zug nach Slubice. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir die etwa einstündige Zugfahrt jemals so lang vorgekommen ist. Aber meine Vorfreude war so groß, dass sich die Minuten bis zur Grenze endlos dahinschleppten. Ziel meiner Reise war eine kleine Garage im Dorf Kunowice. Jan, der Besitzer hatte mir damals, bei meinem ersten Besuch einen Schlüssel anvertraut. Der beißende Geruch von altem Motorenöl stieg mir in die Nase, als die Tür hinter mir ins Schloß fiel.

Da stand er, unser alter Benz. Jedesmal, wenn ich ihn wiedersehe, stürmen dieselben Bilder auf mich ein: Da sind die endlosen Urlaubsfahrten nach Frankreich, mein Vater vorne am Steuer, daneben meine Mutter, lesend. Robin und ich schlafend auf dem Rücksitz. Da ist meine Mutter, wie sie jeden Samstag einem genau festgelegten Ablauf folgend den Wagen auf  Hochglanz bringt. Ich sehe meine erste "heimliche" Fahrstunde mit 16 auf dem Grundstück von Onkel Ebi. Meine erste Spritztour mit Sonja, meiner damaligen Freundin an die Ostsee. Die zwei Monate, die der Benz mein Zuhause gewesen ist, nach dem ich bei Sonja rausgeflogen war. Und da ist Robin, mein Bruder, an jenem Tag, an dem wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Wir hatten ihn mit dem Benz zum Flughafen gefahren, meine Eltern und ich und er winkte mir zu als er hinter der Glastür des Terminals verschwand.

Vor drei Jahren musste ich den Wagen dann schweren Herzens abmelden. Ich war pleite und konnte mir den Unterhalt einfach nicht mehr leisten. Verkaufen kam für mich nie in Frage. Erinnerungen verkauft man nicht. Stattdessen "parkte" ich den Wagen bei Jan, kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze. Zwei, drei Mal im Jahr fuhr ich dort hin, setzte mich eine Weile hinters Steuer und hing meinen Gedanken nach. Für mich war das wie der Besuch bei einem alten Freund. Der Abschied fiel mir jedesmal schwer.

Heute war alles anders. Den lästigen Papierkram auf dem Amt hatte ich schon am Vormittag hinter mich gebracht. Den Garagenschlüssel und das Restgeld für die Miete deponierte ich in einem hastig beschmierten Briefumschlag auf der Fensterbank: "Für Jan". Dann steckte ich den Schlüssel mit dem Stern ins Schloß und drehte. Der Motor sprang sofort an. Here we go!