Samtbraune Haut erstreckt sich soweit die Augen blicken und die Zunge lecken kann. Eine nubische Schoenheit liegt vor Dir auf dem Bauch und waehrend Du langsam jeden Winkel ihres Koerpers aus jeder moeglichen Perspektive erkundest gleiten Deine Haende sanft auf den schlanken weichen Oberschenkel gen Norden. Eine wunderschoene dunkle Frauenstimme fluestert flehend im gebrochenen deutsch mit franzoesischem Akzent bitte, fuecke misch jaetzt Ein letzter inniger Kuss auf die prallen feuchtglaenzenden Lippen und Du dringst langsam ein ins Paradies. Langsam. Gaaanz langsam und tief. Immer tiefer und tiefer.
Ein stechender Schmerz in der Genitalgegend dringt langsam in Dein Bewusstsein. Er schwillt an wie die Pfeifgeraeusche eines nahenden ICE um schliesslich mit vollen schmerzhaften 250 km/h durch Deine dumpf umnebelte Ruebe zu ballern. Du reisst die Augen auf und merkst scheisse! Du hast Dir in der verdammten Sofaritze nen verfickten Spreissel in die Eichel gejagt!
Scheiss Tequilla gestern! Warum macht Dich die Ballerbruehe auch immer am naechsten morgen spitz wie eine italienische Fussballmannschaft im Trainingslager? Verdammte Kacke. Eines steht fest: der Tag ist im Arsch! Waehrend Du also dumpf verkatert mit schreiend schmerzendem Gemaechte unter der Dusche den verschimmelten Duschvorhang betrachtest und versuchst den von gestern aufgewaermten Kaffee im Magen zu behalten, klingelt dein Telefon. Wer zum Geier...? Scheiss egal. Gerade mit dem Duschen fertig merkst Du, dass Du dringend kacken musst. Klasse . Zwanzig verzweifelte Kloblaetter spaeter solltest du eigentlich zurueck unter die Dusche gehen, aber entscheidest Dich dann doch dafuer die gebrauchte Unterhose von gestern Abend mangels Ersatz wiederzuverwerten bevor Dein mittlerweile schmerzhaft angeschwollenes Pentil noch mehr dottergelbe Urintropfen auf den sackhaaruebersaeten Badezimmerfliesen vertropft.
Der Tag ist im Arsch.
Du hoerst den kraechzenden Anrufbeantworter ab auf dem eine hysterisch schreiende Frau Dich beleidigt und verflucht. Irgendwie klingt sie wie Deine Mutter, aber die Verbindung ist zu schlecht um genaueres sagen zu koennen. Der zweite Anruf ist vom Dorfbullen. Du sollst ihn dringend anrufen oder gleich bei ihm vorbeikommen. Da sich in Deinem 200 Seelen Kaff jeder mit Vornamen anspricht klingt es sehr seltsam dass er Dich dieses Mal mit Nachnamen anspricht und (meistens) siezt. Karre vielleicht im Halteverbot vor der Kneipe geparkt oder so denkst Du Dir. Bis vor kurzem liess sich das mit einer in der Mittagspause aufs Revier gelieferten Pizza Sofia Loren regeln. Da das Gesundheitsamt jedoch vor einer Woche wegen Kakerlakenbefall die einzige Pizzaria des Ortes dichtgemacht hat, bist Du erstmal ratlos. Du weisst das der 160 Kilo schwere staendig schwitzende CSU Waehler in zu enger Uniform neben seinem ueblen Schweissgeruch auch noch eine beissende Alkoholfahne verbreitet und aergerst Dich dass Du die letzten Flaschen von Vaters (Gott sei seiner zerfledderten Leber gnaedig) selbstgebrannten Wacholderschnaps in einem Anflug von Delirium Tremens gestern in Dich rein und ueber Dich drueber geschuettet hast. Naja, Dir wird schon was einfallen. Jetzt erstmal Fruehstuecken. Obwohl Du eigentlich weisst dass es zwecklos ist, betrittst Du die suesslich nach dem Kompostmuell riechende Kueche und kannst gerade noch die Silberfische hinter die abgeplatzte Tapete weghuschen sehen, als Du das Licht in der fensterlosen Speisekammer einschaltest. Ausser verschimmeltem Toastbrot, einer Packung mit geroesteten Semmelbroeseln, deren blicher Verwendungszweck Dir nicht gelufig ist und 30 unterschiedlichen Toepfen mit Mutters selbstgemachter Marmelade die Du nicht magst, findest Du nur leere Verpackungen und ein vor Monaten geoeffnetes Glas mit Essiggurken.
Also los um Arschmunition zu kaufen, Deine Paerestaltik verlangt nach Schmierstoff. Du panierst Deinen geschaendeten Koerper mit einer deiner besten Kombinationen: Eine nicht mehr ganz frische C&A Bundfaltenhose in dunkelgruen, ein sehr modisches fliederfarbenes Hemd (bei dem die Schweissflecken unter den Achseln nicht mehr rausgehen, aber wer muss nach 45 bitteschoen noch den Arm hochheben?) und die leider recht verlatschten Slipper mit Bommel oben drauf (der am rechten Schuh fehlt leider seit dem letzten 1860er Spiel). Die Schuhe sieht eh keiner, da die Hose ein wenig zu lang ist und somit permanent ueber die Hundekacke schabt. Noch schnell die Haare ueber der kahlen Stelle auf dem Kopf platziert und mit nem ordentlichen Griff in die gute Rama Buechse fixiert (Geheimtip! Gut billig!) und schon ist der Koenig der Strasse ausgehfertig, wobei das mit dem gehen noch nicht so hundertprozentig glatt laeuft.
Bereits im Treppenhaus schlaegt Dir ein ungewohnter Duft in die Nase: Sauerstoff. Solltest wohl mal wieder lueften. Draussen auf der Strasse schiesst der pissegelbe Planet seinen Photonenterror direkt in Deine rotumkraenzten Pupillen. Verdammte Axt! Du setzt deine verkratzte original Tom Cruise Topgun Gedaechtnisbrille auf und schlingerst gen Sueden den Gehweg entlang. Schreiende Kinder, hupende Autos und verschwitzte Arbeiter mit Presslufthaemmern liefern sich Kaempfe in deinem Kopf die sich anfuehlen, als wuerden blutige Fleischermesser von innen die Namen saemtlicher KZ-Aufseher in Deine Hirnrinde ritzen. Du fuehlst den Schmerz bis in die Sackhaarspitzen und hasst die Welt weil sie dich so hasst.
Beim Durchschreiten deines Dorfes faellt Dir erneut auf was du schon seit Deiner Jugend in den 70ern weisst: Du fristest deine Tage am Arsch der Welt, dem Vorhof zur Hoelle der Langeweile dem Ort an dem noch nicht einmal eine Meskalin - Heroin Fieberzaepfchen Ueberdosis die dumpfe Lethargie des inzuchtgeschaedigten oberfraenkischen Gemeinwohls in den Hintergrund zu draengen vermag. Warum Geschwister hier miteinander ficken und Maedchen mit 15 schon das zweite Kind erwarten? Langeweile! Bleierne, laehmende, pulsadernritzende Langeweile. Wer hoffte, dass Kabelfernsehen und eine bessere Busanbindung das dorfeigene Genmaterial auffrischen wuerden, sieht sich eines besseren belehrt und hat vermutlich die Gegend bereits verlassen, sofern er halbwegs fliessend sprechen, aufrecht gehen und eigenstaendig Bus fahren kann.
Jeder kennt jeden. Jeder kennt den paedophilien Buergermeister, den Dorfbullen (das fette korrupte Schwein), den Dorfpfarrer (der hier nicht die Messdiener sondern seine verheiratete russische Putzfrau bumst), den Autohaendler (der nebenher die Versorgung der regionalen Gewaltverbrecher- und Neonazi- Szene mit Frischwaffen sicherstellt), den Leichengraeber (der den Autohaendler zu einer Donaukreuzfahrt eingeladen hat), den schwulen 50 jaehrigen Blumenhaendler mit seinem schwulen 17 jaehrigen Punkerfreund (Lehrersohn), jener Hauptschullehrer (alt 68er, Pullover-Selberstricker und mit Wollsocken Bumser, gleichzeitig Gruener Ortsgruppenvorstand), seine Alte die ueberall rumerzaehlt dass sie 68 mal mit LSD rumexperimentiert hat und maechtig stolz auf ihre offene und ach so politisch unkorrekte Art ist, ihr anderes missratenes Mistblag, dass Heroin drueckt und sich in der Stadt von alten Maennern in den HIV positiven Arsch ficken laesst, den pensionierten Lockfuehrer der zum Fuehrergeburtstag immer ein Hakenkreuz in seinen Rasen maeht, seinen besten Freund den kriegsversehrten Apotheker, der im Suff stolz seine Achselhoehle praesentiert, die Sozialhilfeempfaengerin im staedtischen Abbruchhaus, die nicht nur selber zu viele Kinder von zu vielen Maennern hat, sondern sich auch noch um den innerfamiliaer selbstgenerierten, schwerbeschaedigten Nachwuchs kuemmern muss, den mehrfach wegen Vergewaltigung vorbestraften Fleischer, den Baecker der lieb und zaertlich zu seinen Dackeln ist, jedoch seine Familie nach jedem verlorenen Heimspiel liebevoll gruen und blau schlaegt und das ganze andere verrottete Pack. Es ist als haette jemand ein Schild mit der Aufschrift Kloake der Zivilisation aufgestellt und darauf gewartet dass sich Leute hier ansiedeln. Nur mit dem Schoenheitsfehler, dass bei weitem nicht jeder der hier Niedergelassenen das Schild haette lesen bzw. verstehen koennen.
Du betrittst die Apotheke, gruesst muerrisch mit Heil Hitler und laesst Dich vom misstrauischen Blick des einarmigen Seitenscheiteltraegers Dir gegenueber nicht verunsichern. Mit einem grosszuegigen 10 Euro Trinkgeld umgehst du die Rezeptpflicht fuer das staerkste Migraenemittel auf dem Markt und machst Dich wieder auf den Weg, nicht ohne vorher eine Packung der Echten Deutschen Pfefferminzbonbons zu klauen.
Jetzt ist nur noch der Dickdarm mit neuem Brennholz zu versorgen. Der Eingangsbereich des Penny Marktes laedt zum Wegschauen ein und die graue Waschbetonwand spiegelt die allgemeine Lebensqualitaet wieder. Monotone Langeweile soweit das Auge blicken und der Wurm strullern kann. Noch nicht einmal ein verlauster Sprueher hat sich auf der Wand verewigt. Vielleicht ist es auch ein Zeichen: Nein, dieses Kaff verdient noch nicht einmal in Ansaetzen ein urbanes Flair.
Du betrittst die duestere City Passage, diesen 70er Jahre Alptraum mit schwarzem Teer und stechendem Uringeruch und passierst das Schanklokal Bei Klaus, eine gastronomische Depression in Eiche-Furnier, ganz im einladenden Stil kleinstaedtischer Bahnhofskneipen gehalten. Hinter den, mit billigen, transparenten Gardinen verhaengten Schaufenstern, sitzen dieselben Personen, die dort geduldig jeden Tag auf Kosten des guten Hartz ihre Hirnmasse in einen klebrigen, grauen, nutzlosen Brei verwandeln und gemeinschaftlich auf ihr vom Sozialamt finanziertes Begraebnis warten. Ausser der lokalen Kleinstadtamateurhure sind hier jeden Tag ab zehn Uhr morgens natuerlich durch die Bank nur Maenner anzutreffen. Frauen sind hier nur zu besonderen Anlaessen erwuenscht: Klaus Geburtstag, Fussball-Weltmeisterschafts-Finale, Weihnachten das sind die Gelegenheiten zu denen der interessierte Soziologe herausfinden kann, mit wem dieser menschliche Durchschnitts-Sondermuell kopuliert, sofern er dazu eines Abends noch in der Lage sein sollte. Interessanterweise zeigen die Begleitungen der meisten Herren deutliche nicht-arische Zuege. Ein Schelm, wer dabei boeses denkt. Zu Ihren Gunsten muss gesagt werden, dass Gemeinschaftssinn und Gastfreundschaft bei Klaus und seinen Gaesten immer wichtige und gelebte Werte darstellen. Die Herren sind immer offen fuer eine spontane Weitergabe ihrer thailaendischen Teilzeit-Bumse gegen eine angemessene Portion Alkoholischer Delikatessen. Fragen kostet nichts.
Das grelle Licht aus 1001 Leuchtstofflampen reisst Dich aus deinen Sozialstudien als Du den Penny Markt betrittst. Warst Du eben noch in einem Tunnel der wie der Verbindungsschacht zwischen zwei Klaeranlagenbecken anmutet und riecht, bist Du jetzt dort angekommen, wo alle uebel riechende Scheisse ihren Ursprung hat: im Konsum abgelaufener Discount Lebensmittel. Du besorgst nur schnell das noetigste um dieser Hoelle moeglichst schnell wieder zu entfliehen: eine Flasche Maria zum aufwachen und ein paar Buechsen Bier gegen den Durst, dazu ein Toastbrot und Schmierkaeseecken damit die Pumpe im Arsch nicht trocken laeuft. Die Kassiererin ist Anfang 30 und so fett, dass die Arme seitlich abstehen wenn sie einmal den scheinbar mit ihrem Arsch verwachsenen Drehstuhl in ihrem Kassiererinnen Laufstall verlaesst. Da der Haufen menschlichen Aspiks aufgrund der zu ueberwindenden Massetraegheit nur in Zeitlupe die Waren am fiependen Scanner vorbei schieben kann, goennst Du Dir um die Wartezeit zu verkuerzen einen Jaegermeister Piccolo. Die darin enthalten zahlreichen Kraeuter sollten die einzige Zufuhr von Vitaminen darstellen mit denen Du heute Deinen Koerper verwoehnen (oder besser verwohnen) wuerdest.
Nichts wie ab nach Hause! Nur schnell die Tuere zu machen und auf die Couch. Die Welt hat Dich fuer heute genug gequaelt. Auch Deine nahezu unerschoepfliche Toleranz hat einmal ein Ende. Bei der naechsten humanen Interaktion zu der du gezwungen wuerdest, waere ein bildzeitungfuellendes Massaker die logische und angebrachte Folge.
Die Welt ist grausam.