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Last Updated: 12/7/2009

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Saturday, October 20, 2007 
Familiengeschichte.

Eine Kurze Geschichte einer Mutter

Warum ich den größten Teil meiner Kindheit im Schosse und in der Wohnung meiner Großmutter Elsa, statt bei meinen leiblichen Eltern verbrachte, wusste ich nicht.
Nach einer Weile, die ich bei ihr wohnte, vergaß ich meine Eltern fasst und ich denke bis heute das ich sie nie kennen gelernt habe.
Großmutter Elsa sprach nie viel, sie war ein praktischer Mensch, wie schon ihr Äußeres verriet; wenn ich mich zurück erinnere, denke ich zuerst an ihre großen weichen Hände und an ihren Busen, den sie vor sich her durch ihre kleine Wohnung im Bremer Stadtteil Sebaldsbrück schob.
Mit dem Stolz einer Überlebenden fuhr werkte sie durch jedes Zimmer. Sie hielt sogar die kleinste, schattigste Ecke eines jeden Zimmers so sauber, dass nicht damit zu rechen gewesen wäre, das sich jemals leben in dieser Wohnung befunden hatte.
Zu den zwei Zimmern und dem Flur, die meine Großmutter einst mit ihrem Ehemann bewohnt hatte, mietete sie den Dachboden hinzu, um mir ein Zimmer ein zu richten.
Sie schlug den alten Spitzboden, das „alte Versteck", wie sie ihn immer nannte, mit groben Militärdecken aus; schaffte eine kleine Matratze hinauf, und lies mich bei sich wohnen, nicht ohne mir zu untersagen, die kleinen Kisten, welche ebenso wie ich auf dem Speicher verstaut waren, jemals zu berühren.

Mir war es, wie vielen anderen Kindern, die sich in der Kleinheit einer Höhle wohl fühlen; Ich genoss es mich unter dem riesigen Berg Decken zu verstecken, bis nur noch mein Kopf heraus schaute und liebte es in den alten verbotenen Truhen zu wühlen, die auf dem Speicher neben meiner Matratze standen. Es schien eine Tradition meiner Familie zu sein, nach dem Tod eines Angehörigen eine kleine Truhe zu packen, eine Truhe in die jeder Hinterbliebene ein kleines Stück seiner Erinnerung legte. Etwas, das ihn an den Verblichenen erinnerte.

Ein Foto, einen Ring, einen Brief, das liebste Hemd, sogar alte, abgetragene Schuhe. Heimlich schöne, für andere nicht zu verstehende Erinnerungen.
Nicht größer als Schuhkartons waren diese Kisten, fein säuberlich gestapelt und in Leinen gewickelt standen sie neben meinem Bett, und oft schaute ich sie mir bei Kerzenschein heimlich und leise an, um meine Grossmutter glaubend zu machen, ich würde schlafen. Alles räumte ich genauso zurück wie ich es vorgefunden hatte.
Zu fast jedem stück erfand ich eine Geschichte und nach einer Zeit wollte ich von den echten Geschichten, die sich hinter den Kisten verbargen schon gar nichts mehr wissen.
Nur bei einer dieser Kisten, es war die Kiste meines Grossvaters, der einst hier gewohnt hatte, wollte mir nichts einfallen. Nicht die kleinste Geschichte.
Sie war die letzte die ich öffnete, und alles, dass sich darin befand, war ein alter vergilbter Stofffetzen, auf den in rot drei xxx gekreuzt waren. Das stück war in ein größeres Tuch eingewickelt, behutsam gefaltet und mit einem rauen Faden verschnürt. Ich legte den Fetzen zurück, und gab mich dem Gedanken hin, dass es wohl keine besondere Erinnerung war, die dort verstaut worden war, sondern eher, das einzige, dass von meinem Urgroßvater nach seiner Verschleppung nach Buchenwald noch geblieben war.

Ich sprach nicht viel mit Großmutter und ihr Tod war so unaufgeregt und ohne um schweife wie sie ihr Leben gelebt hatte. Ich fand sie eines morgens, wie schlafend in ihrem Bett, ihr Gesicht war nicht zufrieden oder glücklich, und ich konnte in ihren Augen sehen, das ihre letzten Gedanken wohl die Worte waren, die sie jeden Tag wiederholte:
"Es ist wie es ist."
Sie sprach die „s" laute immer scharf aus.
„S is wies is".

Als ich die decke zurück schlug fiel mein blick auf ihre Hand und ich sah das Stück Stoff aus der Kiste meines Großvaters. Sie musste es nachts heimlich, während ich schlief, von meinem Dachboden geholt haben.
Grossmutter hatte es auf gefaltet, um ihre Finger gewickelt und die Hand unter ihre Wange geschoben, so das das Tuch ganz nah unter ihrer Nase lag.
Das ist mein letztes Bild von ihr. Ich habe es nie geschafft ihr eine Kiste zu machen.

Jahre später, als erwachsene Frau, erfuhr ich auf einer Reise nach Minsk von einem Ritual der jüdischen Gefangenen in den deutschen Konzentrationslagern.

Aus alten Betttüchern wurden nachts kleine Stücke gerissen, mit drei Kreuzen gekennzeichnet und über Nacht am Körper versteckt.
Da jedes Gespräch und jeder Schrieb zwischen mann und frau untersagt und alles Geschriebene konfisziert wurde, waren es nur diese drei kreuze, kreuze ohne Unterschrift und ohne Namen die auf den Wäschefahrten aus den Lagern herausgeschafft werden konnten.
Der Geruch, den der Stoff über die Nächte nah am Körper getragen aufgenommen hatte, war das einzige unfälschbare Lebenszeichen, das den im Untergrund lebenden außerhalb der Lager überbracht werden konnte.
Diese drei Kreuze, meist mit drei Tropfen Blut geschrieben, standen für drei Worte, die in dieser Zeit niemand sich zu sprechen wagte.

Erst Jahre später, beim Umbau des Hinterhofes dieses Gerichtsgebäudes, fanden Bauarbeiter eine Kleine Metallkiste, angefüllt mit Briefen und Notizen, versteckt unter einem loses Pflasterstein hinten auf dem Hof.
Diese Briefe leben erst jetzt, 75 jahre Später.
Unter ihnen ein Brief meines Urgrossvaters.
Er liegt heute mit in seiner Truhe auf meinem Dachboden.



Liebste Elsa


Ich hoffe dieser Brief erreicht dich, wir dürfen nicht schreiben.
Wenn du nicht alles lesen kannst, liegt das daran das uns stift und papier untersagt sind, ich schreibe dir dies mit einer stumpfen gabel und schwarzer schuhwichse, die ich von meinem arbeitseinsatz zum reinigen der soldatenstiefel entwendet habe.
Es ist kalt hier in der zelle, die letzten meiner mithäftlinge sind fort, wohin, das weiss ich nicht. Der versuch es mir vor zu stellen macht mich zittern. Es ist jeden tag das gleiche prozedere, jeden morgen holen sie einen von uns.
Sie begannen am ende meines korridors und ich hörte das wimmern und schreien meiner mitgefangenen.
Tag für tag höre ich die stiefel über den korridor stapfen, ich höre das metallerne aufreissen der schweren stahlbeschlagenen türen und das schreien eines unserer Namen.
Kurze zeit später dumpfe Schläge und das schleifen nackter füsse und nackter haut auf rauh verputzten Flur.
Auf diesem Flur sind acht zellen in denen 10 menschen waren.
Sie werden jeden tag weniger.
Jeden Tag werden es weniger, es wird immer stiller im gang.
Seid ich hier bin, seid wir beiden, liebste Elsa, uns das letzte mal sahen.

Das letzte mal als wir zusammen bei den ärzten waren, in der schlange warteten, obwohl wir garnicht krank waren. Wie sie dich fort sandten. Und ich erst einige Tage später zu dir heim kehrte.
Ich weiss das du geweint hast. Und es ist mein grösstes unglück, dir nie gesagt zu haben, warum ich nicht ganz bei dir sein konnte obwohl ich bei dir war.
Sie haben mir alles genommen.
Weisst du noch, als wir am weserwehr sassen, als ich dich gefragt habe, ob wie heiraten wollen?
Wie wir über die zukunft sprachen, ich mir ein haus und du dir kinder wünschtest?
Wie wir hofften, das unsere kinder werden wie wir, nur hören könnten.
Wir haben gelacht.
Das war ein guter Tag.
Mach dir keine sorgen. Ich bin bei dir.
Wir werden keine kinder haben, denn ich kann keine Kinder mehr haben.
Sie haben mich operiert.
Die Ärzte haben sie uns genommen, noch bevor wir sie haben konnten.
Es ist uns heut verboten. Verboten für die Zukunft zu leben.
Deswegen mein Schweigen als ich von den Ärzten heim kehrte. Ich kann dich nicht verlieren. Doch ich habe keine Zukunft mehr. Nicht hier und nicht mit dir.
Nichts von mir wird weiterleben.
Ein Haus kann nicht leben ohne leben in ihm. Unser Haus von dem ich Nachts immer noch träume.
Ich habe Angst. Es ist einsam so alleine hier. Einsam ohne dich an meiner seite. Ohne mich, der dir nicht geben kann was du dir wünschst.
Ich kann es dir jetzt sagen, da ich weiss, das es wohl kein morgen mehr gibt.
Ich hatte zuviel angst und du weisst. Reden war nie meine Kraft.
Erst in diesen Stunden finde ich den Mut ehrlich zu dir zu sein.
Die Schritte auf dem Korridor kommen näher. Jeden Tag.
Wir werden vor Gericht gebracht. Einer nach dem nächsten, und ich weiss nicht mehr, ob es das Schlagen von Türen oder Genickschüsse sind, die ich nachts höre.
Ich habe zuviel angst um an irgendetwas zu denken.
Und doch denke ich mir, wozu Angst. Ich hatte alles von dem ich geträumt hatte.
Ich hatte dich Elsa. Und du hattest mich.
Versteck dich.
Doch stirb nicht.
Nirgends lebe ich, ausser in dir.
Mein letzter Herzschlag wird bei dir sein.
Wir sind zusammen. Das kann keiner uns nehmen.
In uns sind wir beieinander.
Für immer, meine liebe Elsa, für immer.

Da ist keine Hoffnung mehr. Kein Mut das es ein Morgen gibt.
Da ist nichts mehr, auf das ich vertraue. Ausser auf dich.
Sei brav und lieb, meine Elsa. Und lebe.

Ich kann dir nicht sagen ob und wann wir uns wiedersehen. Ich weiss nicht, wohin sie uns alle bringen.
Es kommt keiner zurück.
Ich liebe dich.

Was meine Urgrossmutter Elsa meinem Urgrossvater verschwieg, war das sie längst im dritten Monat schwanger war.
Mein Grossvater lebt weiter.
Denn schliesslich stehe ich heut hier.
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Benny Nero

 
Holy Shit, that happened to you? Almost made me wet my panties crying!
I give only one Kudo, because i think stories about jews are bad for the children.

Sincerely
Yessir Arafat
 
Posted by Benny Nero on Saturday, October 20, 2007 - 3:51 PM
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