Joris J - Debut (unbetitelt)Feindesland.de:
Ja, sie sterben nicht aus die Veröffentlichungen, die sich förmlich gegen eine Rezension wehren bzw. sperren. Nach etlichen Hördurchgängen ist es meiner Person gelungen, die Arbeit des Kunstprojektes Joris J aus Berlin endlich in Worte zu fassen.
Zum Glück führte der Schreiberling Ronald Klein (Danke!) ein Interview mit Joris J für das Magazin http://www.alternative-art.de , welches es mir erlaubt gewisse Hintergrundinformation zu Joris J hier zu publizieren, die auch für Sie unsere geneigte Leserschaft interessant sein dürften.
Ursprünglich entstammt der Protagonist hinter Joris J der Punk, Hardcore bzw. Death Metal Szenerie, die ihm wohl schlussendlich zu viel Stagnation aufbot. Auf der Suche nach geistiger Freiheit im Industrial bzw. Noise angekommen, gründete er 2006 Joris J, der Name entsprang beim morgendlichen Kaffeetrinken. Seine Schlagwörter undidaktisch und spartanisch ziehen sich wie ein roter Pfaden durch sein Konzept, welches darauf abzielt, eine Protesthaltung gegen das moderne Informationszeitalter einzunehmen.
Die Verpackung der CD-R mutet äußerst unprofessionell an, aber mit den vorher gewonnenen Erkenntnissen, fügt sie sich nahtlos in das vorher beschriebene Vorhaben ein. Sehr deutlich zeigt sich der Gegensatz zu unserer überfluteten Wegwerfgesellschaft, die in Werbung und Aufmachung ertrinkt.
Der denkende und lenkende Kopf hinter Joris J macht keinen Hehl daraus, dass seine Einflüsse im harsch elektronischen Bereich liegen, wo die Vorreiter und beliebtesten Akteure aus Japan stammen. Nein, Sie erwartet kein japanischer Power-Noise, sondern eine Symbiose aus Extremklangkunst mit Einsprengsel aus dem Jazzbereich und eigenwilligen Sprachfetzen.
Der Soundtüftler konzeptionierte diese 5 schwer verdaulichen Brocken (Tondokumente) im Gegensatz zur geschliffenen Standardmusik sehr roh und undidaktisch. Das Mittempo bestimmt die zu hörenden Frequenzen, die eine Einheit gegen die Massen bildet. Der höchst eigenständige Charakter erschließt sich nicht beim ersten Hördurchgang, deshalb braucht die geneigte Interessierte bzw. der geneigte Interessierte Zeit, Ruhe und Muse um in die Welt von Joris J einzutauchen.
Eine sehr eigenwillige vom Erschaffer so gewollte Konstruktion, erlebt die Konsumentenschaft mit diesem unbetitelten Ereignis. Die Freunde der glatten Sequenzen können/müssen von Joris J definitiv die Finger lassen, ansonsten steht Ihnen eine Gehörtrauma ins Haus.
Fazit:
In Zeiten der Gleichschaltung durch die Industrie und den Staat kommen solche Protestaktionen von Joris J richtig, um wenigstens noch einige Individuen vor dem geistigen Verfall zu bewahren. Der Tonakrobat setzt auf absolute Eigenständigkeit, ein Gut, welches uns den frei denkenden Menschen auf diesem Planeten versucht wird zu nehmen.
Bewertung:
Punkte (Innovation): 15 von 15
Punkte (Gesamt): 10 von 15
Club-Debil.com:
"Wassen das???" Eine unbeschriftete CD-R, ein verwaschen bedrucktes Cover im Slim Case. Dass bei ebay ersteigerte Werk sorgte trotz der marginalen Kosten von 1 Euro inklusive Versand optisch für wenig Stimulation. Musikalisch setzte sich die lasche Herangehensweise zum Glück nicht fort, wenn auch die Ideen selbst über die kurze Distanz von 17 Minuten in fünf Stücken nicht tragen. Das erste ist sehr angenehm "rituell industriell", eine einfache Klangschleife auf die der Herr Joris seine Texte deklamiert. Dann wird es frickelig-cool jazzig-wirr. Für den Titel drei recycled der Tongeber den ersten Track und lässt einfach die Texte weg. Dann wird der Generator rausgeholt, und dagegen angeschrieen. Leider fehlt dem Sound ein wenig die Kraft, denn jede Nuance geht in einem einzigen Klangbrei unter. Als letztes folgt erneut eine wirre kleine Spielerei, bei der ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht hätte. Insgesamt auf jeden Fall ausbaufähig.
Split Joris J / N.Strahl.NSatt.org..StartFragment --> Die deutsche Noise-Bewegung durchlebt derzeit die notwendige Frischzellenkur. Musiker wie Joris J oder N.Strahl.N entwickeln dabei einen eigenständigen Sound fernab von den typischen Genre-Referenz-Größen. Noise? Krach? Auch dies scheint vermessen. Die beiden Tüftler besitzen ein stilsicheres Händchen für Klänge und kommen ohne dissonanten oder arg verzerrten Töne aus. Statt dessen eröffnen beide ein Spannungsfeld außerhalb regulärer elektronischer Popmusik, das (natürlich) ohne störenden Rhythmus auskommt. 14 Songs, die aus dem Einheitsbrei angenehm herausstechen.
:Ikonen:Im Eigenvertrieb ist nun schon seit Ende Februar diese Split-CD erhältlich, die beiden Teile des Tonträgers stehen komplett für sich und werden daher einzeln rezensiert.
Den Anfang macht Joris J mit einer Hommage an Muslimgauze. Er beschäftigt sich auf einer fiktiven Reise durch den Serail mit der islamischen Welt und der ihr innewohnende Dekadenz.
Die einzelnen Stops dieser Reise sind in den Liedtiteln festgehalten. Diese Hilfslinie ist auch notwendig, da man von der Musik selbst leider nicht auf das Geschehen schließen kann, in dem man sich befindet. Dennoch ergeben sich - sobald man die Richtung kennt - schnell assoziative Zusammenhänge. Leider kommt während annähernd der gesamten ersten Hälfte nicht wirklich das Gefühl auf, sich in der arabischen Welt zu befinden, erst in der zweiten Hälfte wird dieses, allerdings angenehm subtil, immer wieder deutlich gemacht. Es bedarf zwar einiger Vorstellungskraft, aber man kann, sofern man sich darauf einlässt, dieses Werk tatsächlich als Geleit durch einen imaginären Serail auffassen. Manchmal muss man sich ein wenig über ein paar unnötige Längen hinweghangeln, aber im Großen und Ganzen unterhält diese CD und gibt auch ein paar kleine Denkanstöße.
Ein angenehm skurriles Machwerk, das allerdings noch nicht ganz rund wirkt, aber auf mehr von Joris J hoffen lässt.
Die zweite Hälfte lässt N.Strahl.N es dann bisweilen sehr heftig krachen, allerdings fernab irgendwelcher Power Electronics. „Bewegungen" nennt er dieses Minialbum und der Titel ist Programm. Er verharrt nie zu lange in den gleichen Strukturen, sondern bricht immer wieder zu neuen Geräuschen auf, es rauscht, ploppt, zischt und kracht, dass es eine wahre Freude ist.
Ohne irgendwelchen aufgepfropften thematischen Ballast wird hier dem gepflegten Krach gefrönt. Viel dazu schreiben lässt sich nicht, aber dennoch sollten alle mal ein Ohr riskieren, die anregende Kakophonie zu schätzen wissen.
Als Fazit lässt sich sagen, das dieser Tonträger seine 6 (?)€ mehr als wert ist, ob der Eigenvertrieb gewollt ist oder nicht, ist nicht bekannt. Eines lässt sich aber mit Sicherheit sagen, es gibt so manchen von größeren Labels frenetisch beworbenen „Kracher", der bei weitem nicht in dieser Liga mithalten kann
Feindesland.de:
Eine sehr ansprechendes Split, welches in jeglicher Beziehung überzeugen kann. Für Liebhaberinnen und Liebhaber der anspruchsvollen extremen Klänge bestimmt ein Highlight, hingegen den Personen mit Vorliebe zur rein strukturierten Tonkunst sei abgeraten. Wer Komplexität, Innovation und Niveau im Noisegewand sucht, muss die Split "Muslime Decadence / Bewegungen" von Joris J und N.Strahl.N in seinen Besitz bringen.
Bewertung:
Punkte (Innovation): 15 von 15
Punkte (Gesamt): 13 von 15
Club-Debil.com:
Den ersten teil der CD bestreitet Joris J., der an dieser Stelle vor kurzem schon Beachtung fand. Das Werk wurde als "ausbaufähig" bezeichnet und eben darum bemüht sich der Berliner Künstler mit diesen Aufnahmen. Woran es liegt, ist mir nicht ganz klar aber es gibt schon so etwas wie einen typischen Joris J.-Sound, der mir in dieser Form auch noch nicht anderenorts untergekommen ist. Da sich die leicht veränderlichen, federnden Loops, aber durch viele Stücke ziehen, bleibt die Abwechslung ein wenig auf der Strecke. So ab Titel 5 wird es wesentlich chaotischer und damit interessanter, wenn auch weniger kompatibel für den Durchschnittshörer. Etwas krachresistent sollte man schon sein, will man die Stücke "unbeschadet" überstehen. "Cold Kadyne" geht mit seinem stoischen Rhythmus noch einmal eine ganz andere Richtung, bevor Joris J. wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt.
Die programmatisch anvisierte Reminiszenz an Muslimgauze kann ich in keinem der Stücke feststellen, auch spielen orientalische Klänge im Allgemeinen keine Rolle. Rein mit ästhetischen Mitteln, sprich Sounds, ist es wahrscheinlich schwer möglich, das Thema "Muslim Decadence" umzusetzen. Hier hätte der gezielte Einsatz von Samples sicher mehr gebracht. Verstehen wir uns nicht falsch: Diese Veröffentlichung von Joris J. ist nicht schlecht, den hohen Anspruch kann sie jedoch meiner bescheidenen Meinung nach nicht einlösen.
Wie bereits erwähnt haben N.Strahl.N.'s mit denen seines Partners inhaltlich aber auch soundtechnisch nichts zu tun. Bekanntermaßen verwendet Mario Löhr sehr gern Field Recordings als Ausgangspunkt für seien Arbeiten und das tut er auch hier. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass der Herr seine Sachen immer live aufnimmt. Selbstverständlich muss man auch das vorbereiten, Dilettantismus ist tödlich. So stelle ich mir eine Konzeptionsphase vor, an die dann die "konzertante" Umsetzung anschließt. Anders ist der typische Sound kaum zu erklären...
N.Strahl.N steht für abstrakte Musik, die trotzdem fließend in "Bewegung" ist und nicht abgehakt, gekünstelt wirkt. Variationen vollziehen sich langsam, häufig im Fluss kaum wahrnehmbar. Zu tragenden Loops gesellen sich das eine Mal pulsierende Sounds, das andere Mal Kratz- oder die typischen "Spannungs"-Geräusche. Das Ganze bewegt sich immer irgendwo im Spannungsfeld von Ambient und Noise und verlangt vom Hörer schon einigen guten Willen zur Beschäftigung, denn die Musik ist nie wirklich leicht "konsumierbar". Auf der anderen Seite ist die Klangkunst stets sehr flüchtig, denn wirklich hängen bleibt nach Ende der Musik nichts. Wie sollte es auch, ohne Melodie und Rhythmus. Stimmungen kann man halt nur beschreiben, nicht aber festhalten...
Insgesamt eine interessante CD, die des Aufhängers Muslimgauze nicht bedurft hätte.
Tokafi.com:
What industrial could mean in the 21st century: The projects come within arms' length.
Mario Loehr of N.Strahl.N recently mentioned that it was getting increasingly hard to find time to compose. Maybe the reason for that dilemma can be found in the fact that he is always involved in some musical project or the other: Seven releases in just over a year speak a clear language. Hot on the heels of a split with Rostiges Riesenrad comes yet another two-party publication, as he teams up with Berlin-based Joris J for a seventysix minute meditation on what industrial could mean in the 21st century. And again, his keen sense for the right partner has not let him down.
While the overflowing sampledelica of Rostiges Riesenrad complimented the spaceousness of his own work, the changing sceneries of Joris J have a lot in common with its constant evolutionary process – it is certainly more than apt that his part of this album should be called "Bewegungen" ("movements"). This aspect is probably what distinguishes N.Strahl.N from many of his colleagues, who rely either on repetition or the opaqueness of distortion to do the trick. With Loehr, you never know what to expect at the beginning of a track, each element has the potential to shift to the centre, as others fade and established structures crumble. Never has this become so obvious as on "Bewegungen", which take listeners through various metamorphic processes, either from rhythmic to non-rhythmic (part i), from disentangled to interlocking (part ii), from quiet to harsh (Parts iv and v) or from one undefined state to the other (part iii). Music for associative listening.
Joris J, meanwhile takes his music through even more obvious antonyms. Sampled song fragments, vinyl-scratching effects and backwards loops are only some of the objects which make up these colourful, yet scrupulous soundscapes of between a mere two and almost eight minutes' length. Industrial, for him, was a conscious move away from the limitations and safetynets of rock towards a state of evolution, experiment and fluctuation. "Muslime Decadence" is not a simplified provocation, but food for thought, both in its concept as in its musical execution.
When Joris J leans towards the atmospheric or when Loehr allows himself to revel in granular modulations, the projects come within arms' length of each other, but on the whole their aesthetics do differ quite a bit – with the former's tracks taking on the character of bizarre collages at times, while the latter's knack for organic abstractions allows for comparisons with the "intelligent dance music" movement, even though no disco is going to step to these tunes anytime soon. Will they return to the studio soon after this opulent menu? With their creativity in overdrive, we certainly have our doubts that any of the two will be on a holiday for all too long.
Joris J - "Ochrana Birth"
Vital Weekly 613
Tosom also brings us one Joris J from Berlin. So far he has released privately a CDR, a split release with N.Strahl.N. and now 'Ochrana Birth'. His music is a mixture of various positions in the world of experimental music. Partly he takes his inspiration from musique concrete, party microsound and partly noise, which three way division is clearly shown in the three tracks on this release. The first is centered around the treatment of guitar sounds; a treatment mostly done inside the computer and works in a linear fashion. The second piece 'Versorgungsbehörden Meldet Kriegsgewinnler' is a micro-drone piece of shifting layers of sounds, whilst the final piece Joris J (an alias fro Martin Schilling) moves into the Merzbow land of noise. It's the weakest piece of the three. The other two are quite nice and in my humble opinion should be roads to explore.
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satt.org
Der Berliner Noise-Shooting-Star Joris J veröffentlichte Ende 2007 eine Split-CD mit N.Stahle.N. Nur kurze Zeit später legt der Mitzwanziger mit „Ochrana Birth" eine ebenso hochwertige Scheibe nach. Als wäre er mit dem Komponieren nicht ausgelastet genug, zeichnet Joris J auch für die Covergestaltung verantwortlich. Dem besonderen Format einer Mini-DVD beigelegt sind Bilder auf Fotopapier mit verrätselten Botschaften wie „kordial korrupt luzid" oder „Versorgungsbehörden meldet Kriegsgewinnler". Auch die drei Songs mit einer Gesamtspiellänge von 20 Minuten nehmen den Hörer auf eine faszinierende Reise in mehrdimensionale Klangwelten mit. Vollkommen rhythmusfrei zaubert Joris J Klänge, die zwischen bizarrer Fremdartigkeit und dem gekonnten Umschmeicheln des Trommelfells liegen.Feindesland.de In einer Metropole wie unserer Hauptstadt Berlin pulsiert das Leben. Dieser Zustand schafft auch Nischen für den künstlerischen Untergrund, der Protagonisten wie Joris J (mit bürgerlichem Namen Martin Schilling) einen guten Nährboden für extravagante Publikationen offeriert. Nach dem unbetitelten Debüt (2006) und einem Split mit N.Strahl.N (2007) erblickte Anfang des Jahres 2008 eine Mini CD-R (in einer Mini DVD-Hülle) mit dem Titel "Ochrana Birth" das Licht der Welt auf dem Label Tosom, wo in regelmäßigen Abständen schöne (!!!) Extremklangkunst erscheint.
Im Gegensatz zum populären Mainstream stehen hinter den Veröffentlichungen im wahren und echten Untergrund noch echte gedankliche Leistungen bzw. Inhalte, die in den meisten Fällen die Gesellschaft bzw. das System an den Pranger stellen. Der Name "Ochrana Birth" des Release verrät Personen, die sich in der Geschichte auskennen, in welche Richtung Joris J seine Hörerschaft treiben bzw. leiten möchte. Ochrana war der inoffizielle Oberbegriff für die verschiedenen Geheimdienste und die Geheimpolizei in Russland unter der Herrschaft der Zaren. Offizielle hieß die Sicherheitsabteilung "Ochrannoje Otdelenie", welche 1881 von Zar Alexander III gegründet wurde und 1917 nach der Oktoberrevolution Auflösung fand. Die Ochrana stand für Brutalität, Willkür und Unterdrückung gegenüber den Individuen bzw. Menschen im Zarenreich. Jetzt bitte einen Sprung in die moderne Welt machen und folgendes verfasste Statement, welches Sie auf der Seite von Tosom im Original finden durchlesen:
Die Individuen verharren in generalisierte Passivität und zittern in ihren Rollen wie Kaninchen in einem Bau. Aber im Unterschied zum Kaninchenbau bieten ihre Rollen nurmehr einen trügerischen Schutz. Die Formen verfaulen, jede Rolle wird angenommen. Man kann sich über die nahe Zukunft unschwer eine Gesellschaft vorstellen, in der von selbstvertrauen erfüllte, glückliche Menschen als willige Diener einer technologischen Infrastruktur fungieren, über die sie keinerlei Kontrolle haben und deren Zwecke ihnen selbst völlig gleichgültig sind. Die Technik beginnt da wo der Mensch sein Veto gegen den verschlossenen Automatismus der Maschinen einlegt und selber in ihre Welt einspringt. Soll heißen anstatt sich von Technik objektivieren zu lassen, muss man die Maschinen subjektivieren. Die Erlernung vorschriftsmäßigen Verhaltens mit und vor Maschinen ist dabei zu umgehen.
Sie sehen die Parallelen zwischen der Ochrana und der Technik sind im übertragenen Sinne evident. Am Anfang waren die Ochrana wie die Technik harmlos und nützlich, aber mit zunehmendem Alter gerieten sie aus den Fugen und versklavten die Lebewesen. Heißt im Klartext wehren Sie sich gegen eine Versklavung von außen. Wer will schon gerne eine Dienerin bzw. ein Diener sein, oder jemand freiwillig bereit dazu?
Die "musikalische" Vertonung bzw. Umsetzung der Thematik nahm Joris J in einem kulturterroristischen Gewand vor, welches fern ab von Rhythmik und Anbiederung an den Mainstream daherkommt. Er produzierte Sound- bzw. Krachcollagen, die irgendwo zwischen Glitch, Noise und Drones schweben. Die drei zu vernehmenden Tondokumente auf "Ochrana Birth" sprechen bestimmt keine Mehrheiten an, dürfte aber Personen begeistern, die auf abwechslungsreiche Tonkompositionen abfahren, die ein Gefühl von Freiheit bzw. Freigeistigkeit vermitteln. Im Besonderen überzeugt das Stück 'Versorgungsbehörden meldet Kriegsgewinnler' (auch mein persönlicher Anspieltipp), welches recht schleichend die Hörerin bzw. den Hörer erfasst. Sanfter Drone Noise müsste die treffende Bezeichnung für diesen Track sein, der eine gewisse Eindringlichkeit aufweißt.
Joris J publiziert mit "Ochrana Birth" ein inhaltliches Feuerwerk, welches klar vor Augen führt, dass im Untergrund ein wesentlich höheres Niveau existiert, als in der modernen Musiklandschaft. Die Tonkunst bzw. der Krach (je nach Ansicht bitte einsetzen – Danke!) auf "Ochrana Birth" passt hervorragend zum Gesamtkontext und dürfte Fetischisten des Glitch, Noise und Drone ansprechen. Die Auflage von Joris J aktuellem Werk "Ochrana Birth" beträgt 150 handnummerierte Exemplare, wovon bestimmt noch ein paar über Tosom erhältlich sind.
Hörbeispiele zu Joris J finden Sie unter folgendem Link:
http://www.myspace.com/harshjorisjgeschrieben am 27.05.2008 von Raphael
Bewertung:
Punkte (Innovation): 14 von 15
Medienkonverter.de Individuell injizierte Reflexion. Nicht 'macht kaputt, was Euch kaputt macht', sondern 'verlass den Kreislauf der Kontrolle. Erlange die Kontrolle über die Technologie bzw. die Maschinen zurück". Joris J weist mit seiner Dominanz über die Maschinen einen Weg aus dem seiner Meinung nach stattfindenden Kontrollverlust. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum auf seinem neuen Werk "Ochrana Birth" jeglicher Rhythmus fehlt. Bedeutet Rhythmus nicht auch Kontrolle? Aber wer kontrolliert wen? Der Künstler den Song? Der Song den Hörer? Oder aber beides, womit der Musiker zum teilweisen Diktator des Hörers wird, sofern dieser es zulässt?
Mit seinem Noise-Projekt, das gar nicht durchweg noisig ist, setzt Martin Schilling immer wieder neue und extreme Ideen um. Hier geht es nicht darum, zu gefallen, sondern darum, nachzudenken. So etwas wie eine sanfte Ohrfeige mit Bildungscharakter. Oder bloßer Krach für diejenigen, die mit dieser Musik nichts anfangen können. Da ihm die Rockmusik, von der er ursprünglich kommt, zu steif und strukturiert war, wechselte er zum Industrial und tendiert auch dort noch zum Extrem.
Keinerlei Schema folgend, blubbert und piepst es, ein paar Gitarrenriffs sind zu hören, Drones auch, ebenso wie Melodiefetzen. Aussichtslos, das beschreiben zu wollen. Viel interessanter ist aber die Frage, ob Joris J Interesse für sein Anliegen wecken kann. Steht der Hörer auf, nimmt sein Leben selbst in die Hand und wehrt sich gegen die Kontrolle? Natürlich reicht dafür der Konsum von "Ochrana Birth" nicht aus, aber die auf 150 Exemplare limitierte CDR macht neugierig. Zu speziell, um immer zu gefallen, aber abgefahren genug, um Eindruck zu schinden.
club-debil.com Eine kleine CD von Joris J, gefüllt mit über 21 Minuten Tongut. Feine Sache, denn der Berliner ist auf dem besten Wege. Die drei Stücke auf "Ochrana Birth" zeigen sich handwerklich einwandfrei und höchst abwechslungsreich: abstraktes Elektronikgefrickel trifft auf Drone Ambient und kreischenden Noise. Einen typischen Joris J-Stil scheint es nicht zu geben, dafür ist der Musiker ein echter Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Bleibt nur abzuwarten, was als Nächstes kommt. Die Bezeichnung der Titel allein rechtfertigt schon den Kauf der CD. :Ikonen: Ochrana war im spätzaristischen Rußland eine inoffizielle Bezeichnung für die Geheimpolizei. Vermutlich hat die Ochrana die antisemitischen Protokolle der Weisen von Zion verfasst und verbreitet. Trotz ihrer offiziellen Auflösung durch die neuen, kommunistischen Machthaber lebt ihr bereits damals recht sinistrer Ruf bis heute in verschiedensten Verschwörungstheorien weiter, mit und ohne Illuminaten.
Joris J. aus Berlin nutzt dieses Sujet, um mit der medialen und geistigen Gleichschaltung unserer Gesellschaft abzurechnen. Was nun wie die Einleitung zu so mancher (über-)ambitionierten CD aus dem Post-Industrialbereich klingt, wird von Herrn J. aber mit viel Sarkasmus und Wahnsinn vermischt. Auf der 3" CD befinden sich drei Stücke zwischen drei und elf Minuten, die Titel wirken auf den ersten Blick sehr abgefahren und wenig aussagekräftig. Es bedarf eines genaueren Hinhörens und und auch eines bisschen Denkarbeit, um zu erkennen , dass der Wahnsinn unserer Gesellschaft vermutlich kaum treffender zu formulieren ist. „Kordial Korrupt Luzid", „Versorgungsbehörden meldet Kriegsgewinnler" und „Häretisch feixend kabeln" wirken nach dem Anhören der dazu gehörigen Musik fast klar und greifbar. Musikalisch zeigt sich Joris J. wesentlich defekter und bisweilen auch brutaler, als zum Beispiel auf der noch etwas unausgegorenen „Split" mit N.Strahl.N. Es kommen Assoziationen zu frühen „Aalfang mit Pferdekopf" Alben auf, allerdings klingt dieser Tonträger ungleich kälter und schärfer. Im Gegensatz zu „Aalfang" handelt es sich auch nicht um eine surreale Reise in das Unterbewusste, sondern um eine Abrechnung mit einer pathologischen Gesellschaftsstruktur. So wird der Hörer immer wieder mit ruhigen Passagen geködert, um dann wieder das auditive Äquivalent zu einem Blizzard im Gehörgang losbrechen zu lassen. Im Vergleich zur letzten Veröffentlichung wirkt diese CD auch homogen und wird ihrem eigenen Anspruch gerecht. Auch die Verpackung wirkt ansprechend und tröstet darüber hinweg, dass es sich nur um eine CDR handelt. Eine überdurchschnittlich gute Veröffentlichung, die Lust auf mehr macht.
Ox-Fanzine:
JORIS J aus Berlin und ebenfalls ein "Einzelkämpfer-Projekt" geht auf seiner 3" wesentlich differenzierter zu Werke. "Ochrana Birth" (Tosom XS-004/www.tosom.de) nutzt die verschiedenen Spielwiesen der elektronischen, experimentiellen Musik geschickt für sich aus und zieht den geneigten Hörer immer tiefer in seinen Klangkosmos. Ambient, Drones und Noise- Attacken werden wohlportioniert und strikt voneinander getrennt präsentiert. Ein individuelles Klangbild ist zwar noch nicht vorhanden, aber dieses Suche läßt hoffen, dass sich JORIS J prächtig entwickeln wird. Joris J "Fabrikation von Konsens"
satt.org
Ein unheilvolles Flirren erfüllt den Raum, bald begleitet von einem
bedrohlichen Knarzen. Die ersten Minuten dominiert eine nervöse,
aufgeladene Stille. Es sind diese Momente, die das Herz pulsieren
lassen, in denen der kalte Schweiß auf die Stirn tritt und die Blicke
unruhig hin und her wandern. Noch scheint unklar: Existiert eine reale
Bedrohung? Im Auftakt-Track der neuen Joris-J-EP entlädt sich das
Gefühl der Gehetztheit im Klang einer Schreibmaschine, die gleichzeitig
wie der Tritt von marschierenden Stiefeln wirkt. „Profit Direction“
heißt bezeichnenderweise das Stück. Angst, entfremdete Arbeit, Profit
und Krieg liegen assoziativ in diesen ersten Minuten. Daran schließt
„Advertisement“ an. Eine Werbeunterbrechung? Somit alles nur ein
schlechter Film? Liegt der Grusel nur in der medial inszenierten
Realität? Danach fragt „News Sources“. Die Antwort liegt mit den
abschließenden Stücken „Flak“ und „Ideology“ auf der Hand: Die
Wirklichkeit ist noch viel schlimmer. Denn Ideologie, die Richtung des
Profits und letztlich auch der Einsatz von Waffen stehen in
unmittelbarer Verbindung. „Fabrikation von Konsens“ ist ein von Noam
Chomsky geprägter Terminus, der die Ausbreitung neoliberaler Strategien
beschreibt. Obwohl niemand mit der Entwicklung einverstanden scheint,
wirkt die Globalisierung alternativlos, was schließlich die
(schweigende) Affirmation legitimiert. Der Berliner Joris J erzeugt auf
seinem reifsten Werk rein instrumental eine dichte Beschreibung
aktueller Diskurse. Er kreiert mit den im Frühjahr 2008 entstandenen
Stücken den beklemmenden Soundtrack zur Finanzkrise und hinterfragt
gleichzeitig das große Ganze. Neben Chomskys Theorie schwebt ebenso
Adornos Formel mit: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Auch
musikalisch hätte Joris J den Altmeister der Frankfurter Schule, dem
bereits Mozart und Jazz als zu gefällig erschienen, fasziniert:
ursprünglich aus dem Industrial kommend, findet der Berliner eine
Nische irgendwo zwischen der Ästhetik der Musique Concrete und der
klanglichen Innovation Coils: beeindruckend!
Musique Machine
Fabrikation von Konsens(Production of Consent) offers up a very heady, dense and murky collection of lo-fi electronic mood scapes and dark electroinca that weave in elements of bent and cut piano music, aged soundtrack matter and general effective/ atmospherics noise texture. All to create a series of pieces that feel like they’ve come from some strange and bent nocturnal world just beyond our normal vision. The projects all the work of German based grim yet compelling mood maker Martin Schilling who’s released in the region of ten or so releases in mainly cdr format over the last few years since 2006. Fabrikation von Konsens is another Cdr release; though it’s very much crying out for a larger release simply because Schilling has managed to create very deeply atmospheric, unnevering, swirling and original sound worlds with each of the 5 tracks on offer here. It’s the way he builds and mixers his grainy electronics and noise textures with the aged soundtrack elements that makes this so different and compelling; the two elements seem to bound into this bent and unhinged sonic monster that lumbers and stalks deep into ones psyche to great effect. I won’t go onto detail the tracks layouts as I feel it will rather ruin the highly creative and often goose bump inducing sonic turns of events that unfold with each track; but trust me if you dig bent and unsettling mood setting via lo-fi electronics you’ll really dig this.
Fabrikation von Konsens creates a grim & shifting heady sonic world that I’ve found I've wanted to relive often over the last month or so since it touched down here. To find out more and pick up a copy before the all go drop in herePanorama Journal
JORIS J. is an experimental/industrial/noise act coming from Germany, and the mastermind behind such project Martin Schilling, reveal us his abstract creative expressionism through a release full of diverse elements worth to explore due the nature in which are built each one of them "Profit direction" opens the album with a coverage of experimental cosmic elements dressed by sutile atmospheres and a psychedelic touch and repetitive sounds. With the second one "Advertisment" tracks goes oriented more into defragmentative noise passages with industrial soundscapes and piano elements surrounded by such abstract atmospheres which fits perfectly the whole concept of the track. the third track "New Sources" is built at the beginning under melancholic old music which start to mutates into degenerative noise defragmentations with intense moments and such more yet to be discovered. At "Flak" things still keeps its experimental structure and surreal touch handled by different sound sources and electronic devices creating noise soundcapes with interesting elements worth to explore.Closing this release is” Ideology" a dense track full of diverse structures collapsing all the time, to complement the interesting concept album released by Mr Schilling. An interesting release with so many diverse elements which sure will get your attention from start to finish.