Manchmal passieren ungewöhnliche Dinge: Mir als eingeschworenem
Hasser von NuMetal/MetalCore und Neuer Deutscher Härte flattert eine CD
rein, die deutsche Texte auf ein Gerüst aus zeitgemäßer Hartwurstmucke
abliefert und ich kann ohne mit der Wimper zu zucken ne
Beinahe-Höchstwertung vergeben. Incubator haben Anfang der 90er die
Death Metal Szene ordentlich aufgemischt und nach jahrelangen Querelen
wieder ein Album vorgelegt, das mit den alten Zeiten nicht mehr viel zu
tun hat. LieBISSlieder bieten ein gerüst aus NuMetal, mit den üblichen
Zutaten, flexible Vocals, von clean über aggressiv auf einer
Rythmussektion die ordentlich Druck macht und die üblichen rollenden
Gitarrenläufe, die im Nu Metal sehr verbreitet sind, bei mir aber immer
Assoziationen an Dismember und die Schwedendeath Bands der frühen 90er
wachrufen. Soweit eigentlich nix überragend Neues. AAAAABER: Was
Incubator zu einer wahnsinnig interessanten Band macht, sind die völlig
übergeschnappten deutschen Texte, die auf eine Art und Weise
rausgebrüllt werden, die nichts, aber auch gar nichts mit dem lyrischen
Dünnsinn vergangener NDH-Tagen und dem artifiziellen Habitus von
Rammstein gemeinsam haben. Das ist der pure Frust, den Chris Mummelthey
in die Welt brüllt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken oder auf den Markt
zu schielen. Der Junge kriegt es hin, authentisch zu klingen obwohl die
Mucke eigentlich den Duktus der englischen Sprache fordert, jedenfalls
habe ich das immer so gesehen und außer den gelegentlichen
Sodom-Brüllarien nie wirklich Gefallen an deutschen Texten im Metal
gefunden. Bis heute, bis zu diesem sprachschöpfenden Manifest. Für
dieses Album gebe ich nur deshalb nicht die Höchstpunktzahl, weil ich
denke, dass die Band noch nicht am Ende ihrer kreativen Möglichkeiten
angekommen ist und noch in Details ihren Stil perfektionieren wird. Bis
dahin, LieBISSlieder kaufen, abgehen.
30.10.08
By: Christian / Streetclip