Heaven Can Wait
Ein paar Gedanken zu meinem neuen Buch „Das verlogene Paradies“
Es geht oft seltsam zu im Leben eines Autors. Im Herbst 2007 veröffentlichte ich einen Roman („Verfluchter Sommer“), der eigentlich schon 20 Jahre alt war, und den ich in der aufregendsten Phase meines Lebens geschrieben hatte, als fast Jugendlicher noch, zwischen Tür und Angel, mal hier, mal dort. Und nun, im Jahre 2009, erscheint bei Edition Esoterick eine Erzählung, die um ein Haar nie erschienen wäre, und die mehr als drei Jahre lang in den Schubladen eines anderen – sagen wir, nicht sehr entschlussfreudigen Verlegers gewissermaßen auf Eis lag.
Beginnen wir von vorn: Nachdem ich 2003 „Die Schule des Teufels“ veröffentlicht hatte, schwebte mir als drittes Buch etwas völlig anderes vor: Eine moderne, leicht lesbare Version von John Miltons „Paradise Lost“ - jenem von der Handlung her spannenden, aber auch schwerfällig geschriebenen Epos aus dem 17. Jahrhundert, das auf Grund seines antiquierten Stils den Leser des 21. Jahrhunderts kaum mehr zu erreichen vermochte. Es gelang mir auch, einen Verlag dafür zu begeistern. Leider gingen diesem Verlag – nachdem ich etwa drei Kapitel geschrieben hatte – die Ressourcen aus. So landete mein Text vorerst auf Halde.
Drei Jahre später, anno 2006, meldete sich bei mir ein anderer Verleger, der ebenfalls Interesse an dem Werk bekundete. Also schrieb ich das Manuskript zu Ende, und ein Vertrag wurde geschlossen. Daraufhin folgte – nichts. Monate gingen ins Land, Jahre, und mir wurde bald klar, dass es dem Verlag an irgendetwas mangelte: Ob an Motivation, Tatkaft, Geld oder einfach nur jenem Mindestmaß an Energie, das man benötigt, um in dieser Welt auch Ergebnisse vorweisen zu können, sei dahingestellt. Mir war nur klar: Mein Text hatte nicht etwa eine neue Heimat, sondern nur einen neuen Tiefkühlschrank gefunden, in dem er sich zwar frisch hielt, ans Licht der Öffentlichkeit aber wiederum nicht gelangte.
Im Frühjahr 2009 – um es kurz zu machen – gelang es mir schließlich, mein Manuskript freizuboxen, und mein Freund und Verleger Lars Kronlob, den die Idee einer Neufassung des Milton-Textes schon seit langem begeisterte, beschloss, es in seinem Verlag Edition Esoterick zu veröffentlichen.
Heute, am 16. Juli 2009, ist Das verlogene Paradies endlich erschienen.
Zu spät? Gerade noch rechtzeitig? Oder genau im richtigen Jahr?
Jedes Buch, so glaube ich, findet seine ihm angemessene Zeit. Dinge verzögern sich, werden vertagt, suchen sich einen neuen Ort, damit jener "richtige Zeitpunkt" eingehalten werden kann. Das rechtfertigt nicht das Handeln derer, die zuvor als Bremse wirkten; es offenbart uns höchstens ihre Rolle als Werkzeuge, mit dem eigentlichen Geschehen unverwoben, ähnlich dem Postboten, der Liebesbriefe zustellt, ohne selbst wissen zu müssen, was Liebe ist.
Sagen wir einfach: Die Zeit war reif. Das Buch musste jetzt erscheinen, oder nie. Und der scharfsichtige Leser wird bei der Lektüre sehr gut begreifen, wovon ich spreche.
© 2009 by Oliver Fehn