Frauenstimmen, Computer-Beats – Metal
Violet Moon hat sich auf dem Weg von Gothic zur Melodie im Aexxys-Art-Studio Schwandorf vergraben. Ein Vorbild: Necrophagist.
Amberg. Von Michaela Fichtner
Die Fünf von Violet Moon wissen genau, was sie wollen: raus aus der Gothic-Schublade, in die sie sich nach dem ersten Album „Morbid Vision“ (Release 2005) gedrängt sehen. Der Nachfolger werde definitiv härter – eine Folge der Wechsel im Line-up der Band, vor allem aber auch eine Folge persönlicher, nicht immer schöner Erlebnisse, die die fünf Musiker aus Nordbayern durchstehen mussten.
Schlüsselszenen für die Musik und vor allem auch die Texte, wie Gitarrist Michael „Funze“ Spago es beschreibt. Nicht zuletzt prägten diese Schicksale den Titel der neuen CD: „Path of vengeance“ (Pfad der Vergeltung). „Wir wollen uns einen Namen machen – als melodische Death-Metal-Band“, sagt Funze. Irisch-keltische Folk-Elemente wie auf „Morbid Visions“ sucht man jetzt vergebens; „definitiv härter“ bedeutet vor allem deutlich mehr Gitarrenparts, für die neben Funze der junge Carsten Pinter aus Emhof (Markt Schmidmühlen) sorgt. Stolz ist Violet Moon auch auf die weiblichen Growlings, bei Metal-Bands eine Rarität, so Funze. „Anna kann das dermaßen gut! Dieses 1,60 große Mädel haut die Growlings raus…“, schwärmt er.
Und doch: Es wird eine „Quotenballade“ geben, verraten Funze und Carsten. Es war ein Wunsch von Sängerin Verena Fontana, die nach dem Bandsplit über eine Online-Bewerbung zu Violet Moon kam. Verena lebt in Nürnberg, in Erlangen wohnen Keyboarderin Anna Amok und Bassist Sebi Knetzger. „Mittendrin“, im Auerbacher Schützenheim an der Grenze zwischen der Oberpfalz und Franken, proben sie – zuletzt sogar zwei, drei Mal die Woche, um noch einmal an den zehn Songs zu feilen, die sie gemeinsam geschrieben und aufgenommen haben. Einige hat Violet Moon schon 2006 teilweise gespielt, aber vor allem ist es neues Material, das nun auf CD verewigt wird; drei Nummern waren noch kein einziges Mal live zu hören
Mehr als eine Woche haben sich die Fünf von Violet Moon im Aexxys-Art-Tonstudio in Schwandorf „vergraben“. Dass die Wahl auf Stefan Fimmers fiel, hing mit der Chemie zwischen ihm und den Musikern zusammen: Die passt einfach, sagt Funze.
Stefans Band Necrophagist kennen sie natürlich alle – vor allem Gitarrist Carsten ist ein Mega-Fan der Technical-Death-Metal-Formation, die kürzlich erst bei einer Tour in den USA für Furore sorgte. „Es gibt keine technischere Band als Necrophagist. Und wenn ich noch 30 Jahre Gitarre spiele – ich krieg’ das nicht hin“, zollt auch Funze ihnen ehrlichen Respekt.
Dass Stefan Fimmers sein Handwerk versteht, merkt man in jedem Moment im Studio. Die Augen konzentriert auf den Bildschirmen, die Ohren ganz nah am Gitarristen, sitzt er da und speichert Stück für Stück ab. Einen guten Rat bzw. einen Tipp für einen Part gibt’s bei ihm inklusive – und bei aller harten Arbeit eine freundschaftliche Atmosphäre sowieso. Bis zu acht Stunden täglich hat Violet Moon im Studio gearbeitet. Funze und Carsten alle zehn Tage, die übrigen nach Bedarf. Nur die Drums kommen vom Computer – und dazu steht Violet Moon, denn die Band macht beim Anspruch keine Kompromisse. Beim Water Wheel Festival am morgigen Freitag in Amberg auf dem LGS-Gelände wird kein Schlagzeuger live auf der Bühne stehen. Dafür gibt’s quasi als „Uraufführung“ einen der neuen Songs von „Path of vengeance“.
Bis die Fans der Band die neue CD in den Player schieben können, wird es wohl, abhängig von der Plattenfirma, 2010 werden. Eine tolle Release-Party verspricht Violet Moon. Um die Spannung zu erhöhen, schwärmt Funze geheimnisvoll vom Cover für das neue Album, einem Entwurf von Fronfrau Verena, gelernter Grafikdesignerin. Mehr aber verrät er nicht, als: „Das hat was…“