Kurzgeschichte - inspiriert von Rammsteins 'Spieluhr'
*... mein herz schlägt nicht mehr weiter, und aus der erde singt das kind ...*
schweissgebadet sitze ich aufrecht im bett
mein atem geht schnell, meine augen weit aufgerissen
versuche ich etwas zu erkennen in der dunkelheit
nur langsam beruhigt sich mein herz
die erinnerung versucht zu verblassen,
doch will ich es nicht zulassen ...
... diesmal nicht ... diesmal nicht ...
so sinke ich zurück ins kissen und schliesse die augen
versuche die bilder wieder zu finden
'Mama?'
höre ich mich wispern
'Mama?'
das gesicht einer frau erscheint über mir
'ich bin hier, mein engel'
'was passiert mit mir ? mir ist so kalt'
ich sehe tränen über ihre wangen laufen
mein bauch schmerzt
es ist so schlimm
aber ich kann nicht weinen ... nicht mehr
'hab keine angst, mein kleiner engel'
ich zittere leicht
'was geschieht mit mir ?'
die frau wischt sich die nassen augen
'der liebe Gott möchte dich bei sich haben,
damit du ihm deine schönen geschichten erzählen kannst,
weisst du, er fühlt sich so alleine'
'aber Papa ist doch schon bei ihm ...
kommst du mit mir zu Papa und dem lieben Gott ?'
sie schüttelt den kopf
'ich kann nicht mit, er möchte nur dich bei sich haben'
traurigkeit
'werde ich dich jemals wiedersehen, Mama?'
nun nickt sie leicht
'ich werde nachkommen, mein kind, ich werde nachkommen,
und dann wird uns niemand mehr trennen,
dich, Papa und mich'
ich spüre, wie sie mich umarmt, als meine augen zufallen
wie sie mich hält, mich in ihren armen wiegt
ich fühle ihre wärme, ihre liebe und ihre angst
mich hält nichts mehr im bett,
ich stehe auf und betrete das badezimmer
der spiegel zeigt mir ein fremdes anlitz
*wer ist diese frau, die mich da ansieht ?*
ich schütte mir kaltes wasser ins gesicht und begebe mich wieder in die federn
wie ein schlag kommt die erinnerung
*warum schreist du, Mama ?
was ist passiert ?
schüttel mich doch nicht so
du machst mein hemdchen nass mit deinen tränen
was ist das für eine stimme ?
wer ist dieser mann ?
Mama ?
ich kann nichts sehen
warum hebt er mich hoch ?
wo bringt er mich hin ?
das ist aber hart
was macht ihr da ?
was ist das für ein krachen ?
ich kann dich kaum noch hören, Mama
Mama ?
hört doch auf zu hämmern
warum hämmert ihr hier so laut ?
wo bringt ihr mich hin ?
es wackelt so, was macht ihr da ?*
die erinnerung überwältigt mich
hemmungslos weine ich mich in den schlaf
will das nicht mehr fühlen, will dort nicht mehr sein
in diesem harten kalten sarg
doch im traum werde ich weiter gequält
ich wehre mich, ich schreie, hämmer mit händen und füssen an die wände
doch bewege ich mich nicht
ich denke es nur
ich kann mich nicht bewegen
*NEEEEIIIIN*
glaube ich zu schreien
als das wackeln aufhört, höre ich etwas auf das holz über mir fallen
... immer wieder ... immer wieder ... immer wieder ...
auf einmal höre ich das schreien einer frau
'sie darf nicht ohne einen priester verscharrt werden, ich will dass der priester kommt'
wieder dieses geräusch auf dem holz
meine gedanken sind starr vor angst
ich schreie
*HIIIIILFEEEEEEEE
MAAAAMAAAAA*
nur die laute stimme eines mannes scheint mir zu antworten
'sie ist des teufels, soll der teufel sie holen'
und wieder das schreien dieser frau
die verzweiflung übernimmt mein denken
die angst raubt mir den verstand
ich weine, doch ohne tränen
und auf einmal ist es still
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*... eine melodie im wind, und aus der erde singt das kind ...*
***dunkelheit, wohin ich schau
eine melodie in meinem kopf
ich meinen augen nicht trau
ein gesang, so rein und schön
das gefühl von ewigkeit
wird niemals vergehn
ich bin zu allem bereit
doch bewegen kann ich mich nicht
so starr, so kalt, so weit
kann nicht fühlen mein gesicht
doch spüre ich in meiner hand
etwas vertrautes, und versteh
woher die melodie erklingt
auch wenn kein licht ich seh
doch hör ich wie ein engel singt
zu meiner spieluhr in der linken
die rechte hand nun an der wand
spür ich das eis der wintererde
und lass mich in vergessen sinken
auf das ich irgendwann
auch einmal zum engel werde***
der erste atemzug nach langer zeit
bereitet schmerzen, ungewohnt
in der ewigkeit etwas zu spüren
doch fülle ich meine lungen mit der kühlen luft der nacht
ein schrei entlädt sich meiner kehle
oder war es nur ein flüstern ?
'mach deine augen auf !'
eine männlich tiefe stimme fordert mich auf mein sicheres inneres aufzugeben und wieder in die welt zu blicken
die welt der nacht, die welt der seelen
nur vorsichtig wage ich zu schauen,
mit augen, die so lange zeit nichts erblickt haben
ein schwarzer engel beugt sich zu mir
und haucht mir küsse auf die selbigen
und schon erblicke ich die pracht der nacht, die wilde schönheit
das leben und das sterben
so werde ich wieder geboren in diese alte welt,
die so viel neues für mich bereit halten wird
ich sehe die welt der nacht in ihrem grellen licht
ich atme den mond und erprobe meine stimme
die eule antwortet mir und ich verstehe, was sie sagt
doch wird mein körper noch der sein, den ich kenne ?
der engel führt mich an ein dunkles wasser
im mondschein erblicke ich nun mein gesicht
doch ist es nicht meines wie ich mich kenne
erwachsen scheint es zu sein
kein kind mehr
'nun komm mit mir, breite deine schwingen aus und kehre mit mir in den schoss des herrn zurück, aus dem du einst entsprungen bist'
und mit einem schlag meiner schwarzen flügel erhebe ich mich hoch in die luft,
um dem schwarzen engel in die tiefe der erde zu folgen
der nächste morgen ist hart für mich,
verabscheue ich doch das sonnenlicht
doch muss ich in der welt der menschen leben
mich als eine von ihnen ausgeben
so gehe ich meiner arbeit nach
und spüre wie es in mir lacht
denn meine arbeit ist mein vergnügen
werd ich doch täglich die menschen betrügen
um ihrer seelen die ich raube
ihnen aus dem herzen klaube
sie dabei in träumen verstricke
sie meinem herrn hinunterschicke
und labe mich an ihrem schmerz
als nahrung für mein totes herz
und trinke in des wollust glute
mit letztem herzschlag menschenblute
 | Currently listening: Mutter By Rammstein Release date: 2001-04-02 |
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