MySpace
myspace music


Dawn Of Winter



Last Updated: 11/25/2009

Send Message
Instant Message
Email to a Friend
Subscribe

Status: Single
City: Stuttgart
State: Baden-Württemberg
Country: DE
Signup Date: 10/15/2006

Who Gives Kudos:


Tuesday, April 07, 2009 


Hallo! Vielleicht interessiert es ja jemanden - hier ein aktuelles Interview mit Gerrit. Viele Grüße!

DAWN OF WINTER ist einer der dienstältesten Vertreter der
nationalen Doom-Szene. Nach beinahe einer Dekade ohne einen DAWN OF
WINTER-Longplayer schlurft seit ein paar Wochen mit "The Peaceful Dead"
ein amtlicher Silberling durch die Wohnstuben aller Langsamhörer.


Grund genug, bei Frontmann Gerrit Mutz, den man natürlich auch von
SACRED STEEL kennt, anzuklopfen. Hier das Ergebnis der Klopferei:





Holger:

Warum liegen immer so unglaublich lange Zeitspannen zwischen euren
Veröffentlichungen? Können langsame Songs nur langsam reifen? Oder
liegt es vielleicht an den Verpflichtungen mit euren anderen Bands?
Oder hören Doom-Freaks auch langsamer Musik und können daher nur alle
paar Jahre einen neuen Hammer von euch verkraften?



Gerrit:

Der Hauptgrund ist tatsächlich, dass wir beruflich, privat und mit
unseren anderen Bands derart eingespannt sind, dass es uns recht
schwerfällt, Zeit und Muße für DAWN OF WINTER zu finden. Da uns aber
die Band sehr am Herzen liegt und wir uns geschworen haben, nicht
aufzuhören, bis einer von uns das Zeitliche gesegnet hat, versuchen wir
das Ganze auf Sparflamme so gut wie möglich am Leben zu erhalten. Wenn
wir dann allerdings was mit DAWN OF WINTER machen, geschieht dies mit
voller Hingabe.



Holger:

Wird es bis zum nächsten Album wieder sooooo lange dauern?



Gerrit:

Kann gut passieren. Die Zeit rennt, je älter man wird. Was sind da schon

zehn Jahre? Solange wir mit DAWN OF WINTER weitermachen können, ist es mir auch

ziemlich egal, wann wir wieder etwas veröffentlichen. Darum geht es uns
nicht in erster Linie. Wir lieben den Doom und leben unsere Liebe mit
dieser Band aus.



Holger:

Sind dieses Mal Auftritte oder gar eine Tour geplant? Was wäre euer
Wunschpaket? THE GATES OF SLUMBER? PROCESSION? WHILE HEAVEN WEPT?



Gerrit:

Nein, es ist absolut nichts geplant. Wir prüfen jede Giganfrage und
schauen, ob das möglich wäre, aber zum allergrößten Teil müssen wir
leider ablehnen. Mein persönliches Wunschpaket wäre als Support für
SAINT VITUS mit Reagers, PENTAGRAM mit Liebling, Griffin und
Hasselvander oder TROUBLE mit Eric.



Holger:

Exzellente Wahl, wobei einiges davon ja leider momentan kaum möglich
sein dürfte. Aber zurück zu DAWN OF WINTER und dem neuen Album "The
Peaceful Dead": Stammt das Intro zu 'The Oath Of The Witch' aus einem
Film?



Gerrit:

Yep, aus dem Götterfilm "The Devils" von Ken Russell.



Holger:

Den kenne ich leider nicht. Worum geht es denn darin?



Gerrit:

Um religiöse Verblendung, Gotteswahn, Irrsinn, Verleumdung, Folter und Sex.



Holger:

Aha. Klingt unterhaltsam. Wie es auch "The Peaceful Dead" ist.
Vielleicht magst du mal etwas detaillierter auf die einzelnen Songs
eingehen?



Gerrit:

'The Music Of Despair' ist eine Liebeserklärung an den Doom Metal an
sich. Dementsprechend auch ein absolut typischer Doom-Song, den man so
durchaus einem Außenstehenden präsentieren könnte, um ihm den Doom zu
erklären und als Beispiel zu veranschaulichen. 'A Lovelorn Traveller'
ist eine Momentaufnahme meines Gefühlshaushalts, quasi eine vertonte
Innenansicht. Musikalisch ebenso wie der Opener extrem traditionell und
orthodox. 'Mourner' fällt danach ein wenig aus dem Rahmen, da er etwas
flotter und rockiger tönt. Einige Gesangsstellen habe ich bewusst ein
wenig an Zeeb Parkes von WITCHFINDER GENERAL angelehnt, das passte hier
einfach. 'Holy Blood' ist kompositorisch mein Beitrag zu der Platte.
Sehr zähflüssig und definitiv nur für Leute, die mit Monotonie, SAINT
VITUS und Atmosphäre was anfangen können. 'The Oath Of The Witch' zollt
meiner Vorliebe für Hexenfilme aller Art Tribut. Ist eventuell der
schwermetallischste Song auf der Scheibe. 'Throne Of Isolation' ist
unsere Version einer Powerballade. Geschrieben von unserem Drummer und
sicher eines der Highlights unseres Bestehens. 'Burn Another Sinner'
zitiert dann wieder fröhlich WITCHFINDER GENERAL. Warum auch nicht? Ist
ebenfalls recht zügig angelegt und wäre in alten Zeiten wohl die Single
geworden, hihi. 'All The Gods You Worship' ist recht fatalistisch von
der Grundaussage her, fügt sich aber gut in das verzweifelte und
klagende Bild des Gesamtwerkes ein. Ebenfalls ein Song für Doom-Kenner.
Doom-Anfänger sollten erst mal einen Bogen darum machen. 'Anthem Of
Doom' ist nicht wie erwartet eine weitere Lobpreisung des Genres,
sondern ein musikalisch umgesetzter Abschiedsbrief. 'The Peaceful Dead'
setzt dem Ganzen dann die perfide Walzenkrone auf. Langsamer geht es
zumindest außerhalb des Funeral Dooms eigentlich nicht mehr. Dieser
Song soll dann bitte auf meiner Beerdigung laufen. Das würde passen.



Holger:

Was sagst du dazu, dass ich der Ansicht bin, dass deine Stimme viel
besser zu den langsamen und epischen Klängen passt als zu der Musik von
SACRED STEEL?



Gerrit:

Nun, Doom lässt deutlich mehr Spielräume für Gesangslinien und
Emotionen als Heavy Metal oder Power Metal. Außerdem habe ich nun mal
ein recht dünnes Stimmchen, was bei SACRED STEEL gerne mal von den
beiden Gitarren an die Wand gesägt wird. Das kann mir bei DAWN OF
WINTER halt nicht passieren. Ich denke auch, dass meine Stimme besser
zu Doom passt, werde aber dennoch nicht aufhören, SACRED STEEL durch
mein Gesinge zu sabotieren und dadurch auf ewig im Untergrund
festzunageln. Immerhin singe ich zwar recht mies bei SACRED STEEL, habe
aber einen hohen Erkennungsfaktor, was auch nicht zu verachten ist in

Zeiten, wo fast alle Sänger gleich klingen.



Holger:

Wo wir schon bei Gefühlen sind: Doom ist laut eigener Definition die
Seele des Metal. Was ist denn dann das Herz? Die Antwort "Manowar" wird
mit einem "mööp" gewertet.



Gerrit:

MANOWAR sicher nicht! Ich war seit 1984 MANOWAR-Fan, habe mich den
Großteil dieser Zeit dafür geschämt und nach dem unsäglichen Geschenk
an die Fans namens "Stille Nacht" kürzlich endgültig mit dieser Combo
abgeschlossen. Ich war lange genug loyal. Ja, ich liebe die ersten vier
Alben immer noch, und ich habe ein "Hail To England"- Tattoo, zu dem
ich auch stehe, aber das Kaspertheater geht mir inzwischen definitiv zu
weit. MANOWAR sind KEIN Metal! Eigentlich schon spätestens seit der
kack "Fighting The World" nicht mehr. Ich habe nur sehr lange
gebraucht, um die Konsequenzen zu ziehen. Das Herz des Metal ist für
mich der traditionelle Metal an sich. Sei es von MAIDEN, (alten)
PRIEST, (alten) MANOWAR, MERCYFUL FATE, OMEN etc. Das ist neben Doom
die reinste Spielart des Metal und deshalb auch mit SACRED STEEL mein
zweites Betätigungsfeld.



Holger:

Warum spielt ihr eigentlich nicht hauptamtlich in einer Doom-Band, wenn das doch die Musik mit Seele ist? ;)



Gerrit:

Jede andere Spielart des Metal kann ebenfalls mit Seele und Überzeugung
gespielt werden, aber Doom ist nun mal die Ursuppe des Metal. Ohne
BLACK SABBATH kein Doom und ohne BLACK SABBATH auch kein Metal in der
Art, wie er heute in allen Varianten gespielt wird. Ich spiele in drei
Doom-Bands: ANGEL OF DAMNATION, DAWN OF WINTER und THE THIRTEENTH OF
NOVEMBER. Da kann man auch ruhig noch in einer traditionellen Band wie
SACRED STEEL zum Ausgleich jodeln, hehe.



Holger:

Der Albumtitel lautet "The Peaceful Dead". Ist oder sollte der Tod
nicht immer friedlich sein? Gut, wenn man zum Vampir mutiert vielleicht
nicht ...



Gerrit:

Den Titel habe ich gewählt, da mir der Tod als Ruhestätte und Erlösung
erscheint. Ich hoffe einfach sehr, dass es weder Wiedergeburt noch
Himmel oder

Hölle oder ähnlichen Schabernack gibt, sondern dass der Trip dann
einfach unwiderruflich zu Ende ist. Das bedeutet nun nicht, dass ich
mein Ende herbeisehne, ganz im Gegenteil. Die nächsten 30 bis 40 Jahre
kriege ich irgendwie auch noch herum. Ich bin halt kein allzu großer
Fan von der Menschheit an sich, von Religionen im Allgemeinen und einer
Existenz voller Enttäuschungen, von Krankheiten und Schmerzen.



Holger:

Finale Worte, bitte. ;)



Gerrit:

Jeder sollte unsere Platte zumindest einmal im Leben gehört haben. Sonst fehlt euch was, glaubt mir.



Im Namen von Vater Verhängnis,



Gerrit






Holger Andrae [31.03.2009]




http://www.powermetal.de/interview/interview-Dawn_Of_Winter/Gerrit_Mutz,1585.html