Die neuste Story……(zum besseren Nachvollziehen Landkartekarte anschauen in meinen Bildern)
Ich habe an diesem Wochenende seeeehr vieles erlebt. Die Geschichte, die jetzt folgt, ist nicht erfunden. Sie basiert auf wahren Tatsachen. Sie ist für Kinder unter 16 Jahren nicht geeignet.
Sie ist vor allem MIR passiert.
Hier kommt die UNGEKÜRZTE Fassung des letzten Wochenendverlaufs.
EPILOG
Am Wochenende wollte ich mit meinem WG-Prakti (Bogdan), Anis (Freund von AIESEC), und Walid (Freund von Anis) einen Ausflug machen in die Sahara, um uns das Spektakel anzusehen und Fotos zu machen.
Dorthin wollten wir mit dem Zug fahren, was von Sfax etwa knapp 5 Stunden dauert.
Wir wollten Freitag also um 14:35 losfahren und Sonntag gegen 22h zurückfahren. Ich hatte bereits mit meinem Boss gesprochen, und er hatte mir dafür Freitag Nachmittag freigegeben.
Bogdan erhielt jedoch nicht frei, da er für seine Firma eine wichtige Sache erledigen musste, die dringlich war. Wir haben also beschlossen, dass ich mit Walid um 14:35 fahre und Bogdan und Anis den Zug um 00:35 nehmen, der Samstag morgen gegen 5:00 in der Sahara ankommt.
Dort ist eine Wüstenstadt „TOZEUR", in der Walid einen Freund hat. Dort wollten wir übernachten. Der Freund von Walid war das Wochenende nicht da und erlaubte uns, dort zu übernachten um Hotelkosten zu sparen.
DIE STORY
Teil 1: Freitag
Walid und ich nahmen also den Zug um 14:35h und machten es uns in der 1. Klasse gemütlich, da in der 2. Klasse keine Plätze mehr frei gewesen waren.
Gegen 17:45 hielt der Zug in GAFSA. Walid und ich hatten unseren Wagen verlassen, um uns zu unterhalten. Er wollte eine Zigarette rauchen. Wir befanden uns also in der Zwischensektion zwischen 2 Waggons, (also IM ZUG), also da, wo auch die Toiletten sind. Ich hatte eine Gürteltasche umgebunden, in der sich mein Reisepass befand. Ich hatte ihn mitgenommen, um mich für den Notfall ausweisen zu können.
Die Türen des Zuges waren geöffnet, und wir unterhielten uns. Wir standen beide in unmittelbarer Nähe der Zugtür.
Plötzlich fühlte ich einen Ruck, als wenn jemand an mir zog. Die Gürteltasche wurde durch die offene Zugtür gezogen und verschwand. Ich hatte nicht einmal die Zeit, diesen Vorgang zu sehen. Wald schrie etwas auf Arabisch von Passport, und draussen hörte man laufende Schritte. Ich versuchte draußen etwas zu erkennen, aber es war dunkel.
Man hatte mir also meine Gürteltasche samt Reisepass geklaut. Ansonsten befand sich (ausser ein wenig Papier) nichts darin.
Wir gingen also zurück in den Waggon, da sich unsere Sachen darin befanden. Wir wollten nicht den Leuten hinterher rennen, da der Zug ansonsten weiter gefahren wäre.
Im Zug sprach sich die Geschichte sehr schnell herum und jeder begann, seine Freunde und Verwandten anzurufen, um das Geschehene zu erzählen.
Ein sehr gut bekleideter Mann, der in der Reihe vor uns saß, rief alle möglichen öffentlichen Stellen an und half uns auf diese Art, indem er mit der Polizei sprach und die Beamten informierte sowie meine Daten weitergab.
Wir vermuteten später, dass er vom Geheimdienst war, weil er auch mit dem Innenministerium gesprochen hatte. Wir haben mit ihm unsere Handynummern ausgetauscht, damit er uns noch weiter helfen konnte.
Als wir in TOZEUR angekommen waren, teilte er uns mit, wir sollten dort zur Polizei gehen, um Anzeige zu erstatten. Eine halbe Stunde später würde der Innenminister von Tunesien und die deutsche Botschaft in Tunis über den Vorfall durch eine Depesche informiert.
Wir gingen also zur Polizei. Nachdem man uns dort eine Stunde verhört und unsere Daten aufgenommen hatte, sagte man uns, man sei nicht zuständig, wir müssten zur Nationalwache.
Nachdem wir dorthin gefahren waren ( mit dem Taxi), wurden wir auch dort wieder eine Stunde verhört. Nun wurde der Fall kompliziert:
Der dortige Polizeichef sage, an sich sei die Behörde in GAFSA für den Fall zuständig, weil er sich dort zugetragen habe.
Außerdem würde sehr viel Aufhebens gemacht werden, große Suche, Fragebögen etc, wenn wir die Sache als DIEBSTAHL angeben würden. Er sagte, wenn wir den Pass einfach nur als VERLOREN deklarierten, könnte er den Fall übernehmen, es würde nicht viel Wind gemacht und wir könnten sofort ein VERLUSTZERTIFIKAT erhalten. Dieses benötige ich, um in der Botschaft in Tunis einen neuen Reisepass zu erhalten.
Ich stimmte also zu.
Im Verlauf des Gespräches wurde aber bekannt, dass uns der Mann im Zug geholfen hatte und die Behörden in GAFSA bescheid wussten, dass es ein DIEBSTAHL war. Auch das Polizeiministerium war bereits über den Fall informiert.
Also sollten wir am nächsten Tag wiederkommen, und der Polizeichef von TOUZEUR wollte bis dahin klären ob er das Zertifikat ausstellen könne.
Er half uns auch noch, in dem er uns ein Taxi bestellte was uns nach hause bringen sollte.
Es ist in Tunesien Pflicht, dass man an eine öffentliche Stelle meldet, wenn man einen Ausländer beherbergt. Wir hatten das aber nicht gemacht. Der Taxifahrer entpuppte sich aber als Freund des Polizisten. Also sagten wir ihm er solle zu einem Hotel fahren, damit er nicht merken solle, dass wir hier bei einem Tunesier wohnten der die Meldung nicht gemacht hatte.
Von da mussten wir ein anders Taxi nehmen um zur Wohnung zu kommen. Diese war schwierig zu finden.
Dort angekommen, kam es zum nächsten Problem: Der Schlüssel war nicht da. Nach kurzem Überlegen beschloss Walid, die Wohnung aufzubrechen. Ich sollte meinen Wohnungsschlüssen ( aus Sfax) ins Schloss stecken und er wollte dagegen treten. Der Schlüssel ging davon kaputt, die Tür nicht.
Also sprang er, so wie man das immer im Fernsehen sieht, gegen die Tür bis sie aufsprang. Das ganze machte einen Höllenlärm. Ich wundere mich bis heute dass kein Nachbar die Polizei gerufen hat.
Wir waren also gegen 23h in der Wohnung und stellten fest, dass wir morgen nicht in die Sahara gehen würden. Zunächst musste das Schloss repariert werden, wir mussten zur Polizei in TOZEUR und danach ggf nach GAFSA. Die Sahara war noch 2 Stunden mit einem Auto entfernt, also war es kaum zu schaffen dorthin zu gelangen.
Wir riefen also Bogdan ( der die Geschichte nicht glaubte) und Anis an und sagten ihnen, dass sie nicht zu kommen brauchten.
TEIL 2: Samstag
Wir holten jemanden, der für 15 Dinar (etwa 9€) ein neues Schloss einbaute. Danach fuhren wir mit dem Taxi wieder zur Nationalwache inTOZEUR. Sie erklärte uns, dass wir den Fall nicht regeln könne: Also mussten wir nach GAFSA. Es dauerte über eine Stunde, bis der Minibus nach GAFSA voll war, aber dann fuhren wir los (Dauer etwa 1 Stunde).
Dort konnte man uns schließlich helfen und ich erhielt von der dortigen Polizeibehörde das VERLUSTZERTIFIKAT. Außerdem wurde eine große Suchaktion durchgeführt.
Walid suchte mit 3 Beamten in einem ersten Schritt die eine Hälfte des Geländes, und ich mit dem Polizeichef die andere Hälfte ab (ohne Erfolg).
Walid erzählte mir später, er habe der Polizei gesagt, der Mann der die Gürteltasche geklaut habe, sähe etwa so aus wie ein Mann, der gerade uns entgegenkam. Sofort fingen die Polizisten an, auf den Mann einzuschlagen. Sie nahmen seinen Personalausweis weg, und verhörten ihn während sie ihn verprügelten.
Wir fuhren jedenfalls nach SFAX zurück und ich habe nun mein Verlustzertifikat, mit dem ich nach Tunis zur deutschen Botschaft muss (Reiseweg hin etwa 4 Stunden):
FAZIT
Walid erklärte mir nachher, dass es in Tunesien eine Todsünde ist, von Ausländern (vor allem Europäern) einen Reisepass zu stehlen. Der deutsche Staat zahlt für die Sicherheit der deutschen eine Menge Geld an die tunesische Bahn, um dort Sicherheit zu schaffen. Deshalb kann eine solche Sache, wie sie mir passiert ist, zu internationalen Spannungen zwischen Deutschland und Tunesien führen.
In solchen Fällen greift die tunesische Polizei daher sehr hart durch und führt nun eine Großaktion durch, um die Täter zu finden. Es werden reihenweise Leute verhaftet und verhört. Er sagte mir sogar, die Täter könnten in der Haft ums Leben kommen.
Ich habe daraus aber ein Fazit gezogen:
Es lohnt sich nicht, gegen das Gesetz zu handeln. Wenn ich die Geschichte aus der Sicht der Diebe betrachte, ist es für sie sehr unverhältnismäßig. An sich haben sie nichts gaaanz schlimmes getan: Niemand ist verletzt oder tot.
Sie wollten Geld stehlen, aber das einzige was sie fanden war mein Reisepass der sie jetzt in große Schwierigkeiten bringt. Sie haben nichts gewonnen, aber im Zweifel ihr ganzes Leben riskiert.
Alles, weil sie im falschen Moment gegen das Gesetz gehandelt haben. So etwas sollte man also niemals tun, einfach weil es sich nicht lohnt. Hätten sie es gelassen, wäre ich mit meinen Leuten wir geplant in die Sahara gefahren, wir hätten eine Menge Geld und Ärger gespart (wie auch die Polizei), und sie selber hätten sich und ihren Nächsten auch eine Menge Ärger erspart.
Ich habe jedenfalls beschlossen, in meinen Lebenslauf folgenden Eintrag hinzuzufügen:
01.11.2006 10 Jahre Marketingprojekt in Tunesien
Bis (Ausbildung zum Krisenmanager)
01.03.2007