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Projekt "120 Tage mit AIESEC in Sfax"

Alexander



Last Updated: 2/2/2007

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Friday, December 29, 2006 

Weihnachten in Sfax – wie feiert man in einem muslimischen Land in christliches Fest??

 

Zu Anfang sei gesagt, dass die Moslems kein Weihnachten feiern. Sie wissen auch sonst nichts von diesem Fest, haben aber den Namen meist schon gehört.

Teils haben sie recht abstruse Vorstellungen davon: Man würde mit Freunden in der Disco feiert und sich die Kante geben. Oder ein Lamm schlachten.

(Europäer geraten hier ohnehin in den Verdacht, nur ans Saufen zu denken und ansonsten Kulturbanausen zu sein).

Überraschender Weise weiss aber fast jeder, dass das Fest etwas mit Jesus zu tun hat. Es soll ja sogar einige Christen geben, die das nicht wissen!

 

Jedenfalls gab es von AIESEC anfänglich keine Bestrebungen, etwas zu unternehmen. Ich wollte aber ein besinnliches und familiäres Fest machen.

Der Inder (Avitosh), welcher nun in meiner Wohnung wohnt, hat also dann seine Bekannten in Tunis gefragt (zwei orthodoxe weibliche Christen aus Serbien und Rumänien, die er auf einer AIESEC-Konferenz in Hamameth kennengelernt hatte).

 

Die eine hatte aber etwas andere Vorstellungen von Weihnachten feiern, und hat deshalb AISEC in Tunis informiert. Der zuständige dort lud also gleich alle AISEC-Gruppen im Land ein, da AISEC-Sfax sie einladen würde zu einer oppulenten Weihnachtsparty in der Praktikantenwohnung in Sfax.

Ich, schockiert über diesen Vorgang, habe sofort mit Avitosh abgeklärt dass wir das verhindern. Ein Saufgelage in meiner Wohnung zu Weihnachten war nun wirklich nicht das, was ich wollte.

Also hat der zuständige AIESEC-Koordinator sie wieder ausgeladen. Ohnehin hätte niemand kommen können weil Klausurenzeit war.

 

Ich habe dann am 23. morgens alles nötige zusammengekauft (Weihnachtsbaum aus Plastik, Kugel, Dekoration, Teller usw…).

 

Die Mädels aus Serbien und Rumänien (Jelena und Luminiza) kamen dann also am 23. nach Sfax. Wir haben ihnen gleich schon vorher gesagt dass sie sich bezüglich der Stadt nicht auf allzu viel freuen sollten, daher waren sie dann auch nicht so sehr enttäuscht (Tunis ist halt größer, eine Touristenstadt und sauberer. Sfax, als Industriestadt, ist dreckig und es gibt nicht viel zu sehen). Immerhin sind wir abends in ein gutes Restaurant gegangen und haben sie zum Essen eingeladen. Danach haben wir Filme geschaut, die wir hier „gekauft" haben.

 

Ein arabischer Filmekauf funktioniert so:

 

1.)    Man geht in ein Film „Geschäft" (welches ungefähr 12km² groß ist).

2.)    Dort sucht man sich den Film aus einem vom Filmgeschäft ausgedruckten Liste aus (ähnlich einer Karaoke-Liste).

3.)    Die Verkäuferin sucht den Film aus dem Regal heraus. Er ist auf einer Video-CD.

4.)    Die Verkäuferin legt den Film in den PC ein.

5.)    Die Verkäuferin nimmt ein CD-Rohling und brennt den Film schwarz.

6.)    Sie bereichnet 2 Dinar (= ungefähr ein €).

Zu Hause angekommen stellten wir fest, dass die CD schlecht war und der Film immer ruckelte oder gar nicht lief.

So verbrachten wir den Abend also bis 3h nachts, als die Mädels uns rausgeschmissen haben weil sie schlafen wollten (nicht aus der Wohnung, sondern nur aus dem Zimmer!)

 

Am 24. waren wir dann nach einiger Verspätung (der Abend war sehr lang, daher haben wir am 24. auch länger geschlafen als geplant) auf der Insel Kerkanah. Die ist sehr schön und abgelegen. Es gibt dort keinen Müll der überall herumliegt, und die Landschaft ist unglaublich schön.

Luminiza kam leider auf die Idee, eine Dattelpalme zu besteigen, um Datteln zu essen. Der Baum war etwa 10 Meter hoch. Vor der Baumkrone kam sie dann dazu, ein paar Datteln zu essen, die aber leider nicht schmeckten.

Außerdem fiel sie dann auch noch herunter, weil das Holz der Rinde nachgab und brach. Zum Glück hat sie sich dabei nichts gebrochen (der Boden war sehr weich und sandig, es hatte die Nacht zuvor geregnet).

Avitosh meinte er könne es besser, ist aber schon auf halbem Wege heruntergefallen. Auch er brach sich nichts. (Siehe foto).

 

Abends haben wir dann indisch gekocht und haben Geschenke ausgetauscht. Das ganze war sehr besinnlich und die Stimmung war gut.

Danach sind in die Kirche gegangen. Dort war ein neuer Priester aus Burkina Faso, der seine ganze Gemeinde mitgebracht hatte. Die Schwarzen gelten ja eher als froh und lustig, und das waren sie in der Tat auch dort: Die Stimmung war exzellent, sie haben sehr schön gesungen und haben die gesamte Gemeinde in eine einmalige feierliche Stimmung versetzt. „Stille Nacht-heilige Nacht" haben sie sogar in mehreren Sprachen – darunter auch Deutsch- !!!!! gesungen.

Der alte Priester war auch noch da und hat eine Predigt gehalten, die sehr humorvoll war.

Es war der einmaligste Gottesdienst den ich je erlebt habe. Die anderen empfanden es genauso. Auch Avitosh, der ja kein Christ ist, hat es genossen.

 

Danach haben wir das gekochte Essen gegessen. Ein Dank an Avitosh, es war wirklich einmalig!

Dieser Abend wurde dann noch länger, weil wir uns viel unterhalten haben, ein paar AIESEC-Präsentationen angesehen haben und irgendwie die Zeit so schnell verging.

Wir kamen dann etwa um halb 5 ins Bett.

Am nächsten Tag (25.) hatte ich frei genommen, es war also kein Problem. Luminiza und Jelena sind dann nach Tunis gefahren. Das war dann das Ende des Weihnachtsfestes für uns, am 26. ging die Arbeit weiter!

 

Ich habe es aber sehr genossen, denn obwohl es fern von zu hause war und noch nicht einmal in einem christlichen Land, fern von allen anderen Gläubigen, hat es mir ein Gefühl der Nähe, Sinnlichkeit und Liebe geschenkt, dass ich hier nicht erwartet hätte, und das mir wieder viel Kraft geschenkt hat für die nächste Zeit.