Über Indie steh ich drüber
27.07.2006 20:55 Uhr
Mando Diao? Kooks? Arctic Monkeys? Libertines? Rifles? Maximo Park? Ha,
ich find euch alle scheiße. Zumindest in der Öffentlichkeit.
von pseudointellektuell
Meine
erste CD war von den Schlümpfen – „Alles Banane“. Sie enthielt
Klassiker wie „Eine Insel nur für Schlümpfe“, „Kleiner
Schlumpfensatellit“ und „Mein kleiner blauer Schlumpfenwagen“. Ich war
stolz darauf, solch eine Ansammlung von lebensfrohen und positiven
Liedern im CD-Player zu haben und teilte diese Vorliebe mit einigen
Klassenfreunden. Irgendwann fiel mir auf, dass auch die, die ich damals
schon uncool fand, die Schlümpfe mochten. Deshalb entschied ich mich,
meinen Musikgeschmack, den ich klassenintern vertrat, zu ändern – DJ
Bobo mit „Pray“ wurde zu meinem neuen Favorit erkoren. Ich sorgte
dafür, dass jeder wusste, dass ich DJ-Bobo-Fan war. Plötzlich wurden
andere auch DJ-Bobo-Fans, ich will nicht behaupten, wegen mir, oder
weil sie meinen Musikgeschmack so toll fanden, nein, sie wurden es
einfach, weil ihnen die Musik behagte. Bestürzt darüber, dass ich
jetzt, nach dem Schlümpfe-Desaster, schon wieder nur einer unter vielen
war, ging ich zu meinem großen Cousin und wühlte in seiner
Plattensammlung. Eigentlich gefiel mir sein Geschmack nicht besonders,
doch er war vier Jahre älter als ich und sozusagen mein Idol.
Jedenfalls kam mir das Album „Smash“ von „The Offspring“ in die Hände
und mein Muskverständnis änderte sich ab diesem Zeitpunkt merklich.
Zurück
in der Klasse mit neuer CD in den Händen blickte ich verachtend auf die
reaktionären DJ-Bobo-Fans herab und faselte irgendwas von „Self Esteem“
(gesprochen [self eschtiem]). Von hier an suchte ich neue Alben in den
Inidie- oder Alternativabteilungen der Musikregale.
In letzter
Zeit hörte ich ständig das schöne Britpop-Inide-Zeug wie „Arcitc
Monkeys“ oder eben „The Kooks“. Jetzt aber fange ich an, diese Bands
abzuwerten - als überbewertet, langweilig, gewöhnlich oder gehyped. Ich
hör jetzt „Sigur Rós“ und „Broken Social Scene“. Blöd ist, dass ich
nicht weiß, ob ich das tue, weil mir die Musik gefällt, oder weil ich
mich vom Rest abheben will. Manchmal kommt mir vor, ich bin noch immer
13 Jahre alt und statt der DJ-Bobo-CD halte ich jetzt das
Sigur-Rós-Album in den Händen.