das wird wohl zu lang für einen blog. also nur ein häppchen. zum kosten.
Käthe
war eine hübsche junge Dame. Alles andere als ein Fotomodell oder ein
Mannequin, das wohl, aber mit so viel kleinen charmanten Makeln auf einem
Haufen, dass man sie hinreißend finden musste. Ging gar nicht anders. Das süße
Käthchen, das neben den hochgewachsenen Schönheiten aus dem Viertel viel zu
kurz geraten wirkte, dessen Ohren ein bisschen zu weit abstanden, dessen Augen
zu groß waren für das winzige Gesicht und das durch die Lücke zwischen seinen
Schneidezähnen „La Paloma“ pfeifen konnte. Aber das mit 15 schon so kokett war
wie die übertrieben geschminkten Damen in der verruchten Bar „Zur roten
Laterne“, in deren Fenstern des Nachts immer die roten Blinkeherzen so
einladend leuchteten. Zu schade war Käthe sich selten, etepetete wie ihre
Cousine, die feine Jette, wollte sie nie sein, das verabscheute sie, und so
machte sie sich gern die Hände schmutzig, wenn alle anderen „Igittigitt!“
schrien. Und sie verschenkte ihr Herz, wann immer ihr danach war. Einmal
schenkte sie es dem Bauernjungen Paul mit den roten Haaren, der ihr immer so sehnsüchtig
nachglotzte, wenn sie auf dem Weg in die Stadt am Hof seines Vaters vorbei
radelte. Paul war es schrecklich peinlich, dass stets ein Hauch Kuhscheiße und
Hühnerfurz in der Luft lag, wenn er seiner Angebeteten begegnete. Aber Käthe
küsste seine Bedenken einfach so weg. „Scheiß auf die Kuhkacke und die
Eierdinger“, hauchte sie und sagte ihm dann, er habe die schönsten braunen
Augen, die sie je gesehen habe. Das war nicht mal gelogen. Auch wenn sie dem
schönen Heinz gestern noch etwas ähnliches gesagt hatte. Aber der hatte nun mal
die schönsten grünen Augen, die Käthe je gesehen hatte.
Die
Mädchen im Viertel zerrissen sich die Mäulchen über das Mädchen mit den
Segelohren, das so anders war als sie. So unanständig und liederlich. Flittchen
nannten sie sie manchmal und sahen sich dann verschämt um, ob sie auch ja
niemand gehört hatte. Flittchen sagt man nicht laut.
Käthe
wusste das, sie war ja nicht aus Dummsdorf, und eigentlich war es ihr egal.
Aber da war gestern dieser Junge gewesen, der Neffe von Metzger Franz, ein Matrose,
fast zu schön, um wahr zu sein, und er hatte sie so seltsam angesehen, als der
Schlachter ihr ein Stück Fleischwurst geschenkt und dabei ihre Hand eine
Sekunde zu lang festgehalten hatte. So, als wüsste er von all dem Gerede und
ein bisschen so, als würde er sich vor ihr ekeln. Käthe hatte verlegen auf ihre
Schuhspitzen gestarrt und sich geschämt. Dann hatte sie sich die Fleischwurst
in den Mund gestopft und war davon gerannt. Geheult hatte sie nicht, nein, das
war nicht ihr Metier, wie Mama immer sagte. Nein, das war es wirklich nicht und
lieber hätte sie sich den großen Zeh abgehackt, als vor anderen Leuten salzige
Suppe aus ihren Augen tropfen zu lassen. Aber durcheinander war sie. Nicht
schön durcheinander, sondern dumm. Die Blicke des Matrosen hatten sie
verunsichert. Zuerst. Jetzt machten sie sie wütend.
„Was
bildet der sich eigentlich ein!“ schimpfte Käthe laut und stampfte mit beiden
Füßen auf dem Boden auf. Dann schwang sie sich auf ihren grünen Drahtesel und
sauste mit scharlachroter Rübe in die Stadt. Den Matrosen zur Rede stellen
wollte sie, jawolljaja.
„Guten
Tag, Herr Franz“, sagte sie mit fester Stimme, als sie die Metzgerei betrat.
„Guten
Tag, Fräulein Käthe. Was kann ich für Sie tun?“ Der Metzger musterte Käthe
unverhohlen, in seinen stumpfen Schweinsaugen blitzte es.
„Ich
möchte bitte Ihren Neffen sprechen. Diesen Matrosen.“
„Soso.
Jaaaaaaakob!“, schrie Herr Franz da. Seine Wangen glänzten rosig von Fett und
Schweiß.
Wäh,
dachte Käthe angeekelt. Wie konnte ich nur?
„Ja?“
Der schönste Kopf der Welt lugte hinter der Tür, die zur Schlachterei führte,
hervor.
fortsetzung folgt... vielleicht.