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Last Updated: 12/22/2009

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[16 Oct 2009 | Friday] 
Umwerfend. Und lustig. Und böse
Wo sich die Welt am schnellsten dreht: »Kalt«, das Debütalbum von Safi aus Leipzig

Safi kommen aus Leipzig und haben nicht vor, es irgend jemandem leicht zu machen. Mit herkömmlichen Melodien haben sie in ihrem Debüt-Album »Kalt« nicht viel am Hut. Auch textlich fallen sie einem nicht gleich um den Hals, man muß schon ein bißchen willig sein. Sollte man auch, das lohnt sich nämlich.
Musikalisch ist es eher eine Frage des Trainings, damit man der punkrockigen Breitseite was abgewinnen kann. Man hat ja leider so viel schlechten Umgang mit Harmonien. Safi reichen Baß, Schlagzeug und Stimme, und alles: ordentlich laut, ordentlich noisy, es gibt schließlich was zu hören: »Wir müssen nicht nur Schuhe, sondern auch Beine machen und dann mal aufstehen und hintern Horizont gucken«. Inhaltlich stellt sich dem zuhörenden Ohr zuerst mal die Frage, ob man schon bereit ist für Bedenkliches oder erst noch ein bißchen Zeit braucht für Walking, Peeling und Hund.
Das ist nicht bequem. Das hört sich auch meist nicht bequem an und erschließt sich im einzelnen nicht sofort. Während der erste Song »Weiter« noch ein knalliges Rebellions-Bonmot nach dem anderen abschießt, gestaltet sich das Verstehen später etwas trickreicher. »Woher soll ich wissen, was ich denke, denke ich ohne zu wissen, wie das rechts und links Gemeinte meine Meinung so beschattet, die ich gut bezahlt aus vollem Munde überwiegend überzeugend wieder in die Masse werf’« – Man hat da so eine Ahnung … Was man bekommt, sind großartige Texte, was man braucht, ist ein kleines bißchen Hirn, um was damit anzufangen und sich den einen oder anderen eigenen Gedanken zusammenzuschrauben. Das kann nicht falsch sein in einer Zeit, in der an jeder Hausecke ein Schlaumeier seine Heilslehre verkündet.
Was auf jeden Fall ankommt, wenn man die Ohren aufsperrt, ist Safis Ekel vor Meinungslosigkeit und Kleinkariertheit und vor dem fürsorglichen Grinsen der Macht. So ausformuliert mag das ziemlich handelsüblich klingen. In Safis Texte verpackt und transportiert, ist es einfach umwerfend. Und lustig. Und böse. Und für eine Punk-Band (oder für das, was man bisher dafür hielt) erstaunlich poetisch: »Wo die Welt ihre Kraft zeigt, schleudert ihre Energie nach draußen, und wo sie sich am schnellsten dreht, erhitzt sie Herzen und Gemüter«. Genau so.
Safi kämpfen sich ab, als ging es um ihr Leben. Was ja nicht ganz falsch ist. Angesichts der Frontfrau Safi (die auch sämtliche Texte schreibt), ließen sich verdatterte Kulturredakteure deshalb schon zu ergebnislosen geschlechtsmathematischen Berechnungen hinreißen: »Wer die kleine blonde Frau auf der Bühne sich die Seele aus dem Leib rocken sieht, fragt sich verwundert, wo diese ganze Energie vorher in dem Einsfünfundsechzig-Körper verstaut war.« (Leipziger Volkszeitung) Tja, wohl doch in der »kleinen blonden Frau«, die uns noch mächtig eins husten wird.
----- Susan Geißler

Safi: »Kalt« (ZickZack/Broken Silence)