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Last Updated: 11/19/2009

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December 6, 2008 - Saturday 

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Interview about Crawling Tunes Magazin in NEGAtief Magazine (german)
i gave an interview to the guys of the german fre printed magazine NEGAtief about my Crawling Tunes Mag... here can you read the full version of it cos there wasn't enough space for the whole one in NEGAtief...

Wie bist Du auf die Idee gekommen, im umkämpften Magazinmarkt ein weiteres Magazin zu starten?

Ist im Grunde eine ganz witzige als auch eine kurze Geschichte. Als ich mit meiner Band PLACE4TEARS unser zweites Album veröffentlichten, wollte einfach keiner über diese Sache schreiben. Damals wusste ich allerdings auch noch nicht das die Themen in den Szenebravos gekauft werden. Nun da dachte ich mir "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muß der Berg eben zum Propheten gehen"! Gesagt, getan. Ich suchte mir noch ein paar Bands und Szenekünstler zusammen, wobei mich die unglaubliche Fülle bei MySpace schier erschlug, und startete mein eigenes Magazin, indem freilich alles anders sein sollte. Was ich damals jedoch nicht ahnte war, das diese eher fixe Idee auch noch super ankam also wird bis zum heutigen Tage weiter geschustert. Desweiteren sehe ich aus meiner Position den Magazinmarkt nicht umkämpft, weil ich weder den anderen was wegnehme noch mit ihnen konkurrieren muss. Crawling Tunes ist einfach komplett anders.

Wofür steht der Name "Crawling Tunes"?

Der stand am Anfang für die schleichenden, kriechenden Melodien der Szene. Sprich ich habe eher mit der Idee begonnen in der Tat lediglich die ruhigsten aller ruhigen Dark-Wave, Gothic und Shoegaze-Bands darin  vorzustellen. Mittlerweile hat sich das Blatt aber gewendet. Heute steht Crawling Tunes für Death-Rock/Batcave, Gothic-Rock, Dark-Wave (der alten Schule), Ambient, ein wenig Folk, Klassik, Mittelalter und natürlich szenerelevante Kunst. Was du im Magazin nicht finden wirds ist jegliche Art von Metal, Mainstream, Hip-hop und natürlich diesen grausigen EBM-Techno-Bumm-Tzz-Schrott. Das unterscheidet mich deutlich von den anderen Mags so das ich eher keine Gefahr für die anderen Blätter darstelle.

In welcher Auflagenhöhe und wie häufig erscheint dein Magazin? Wo ist Dein Heft erhältlich?

Die Auflage hat sich zu jeder neuen Ausgabe gesteigert und liegt jetzt bereits im vierstelligen Bereich. Da bin ich wirklich sehr stolz drauf. Einige Vertriebswege haben sich bereits auch erschlossen so das auch in einigen Gothic-Stores und Mailordershops meine Produkte erhältlich sind. Zum grössten Teil wird das Heft aber noch online vertrieben. Die Idee war Crawling Tunes vier Mal im Jahr erscheinen zu lassen. Nach Nummer drei musste ich aber feststellen, das das für eine einzelne Person unmöglich ist. Jetzt setze ich mich nicht mehr so unter Druck. Wenn eine Ausgabe fertig ist ist sie fertig. Das passiert dann bis jetzt so zwei Mal im Jahr.

Worin unterscheidest Du Dich zu den "Breitband" Magazinen? Nach welchen Kriterien erscheinen Deine Beiträge?

Das Crawling Tunes geht komplett andere Wege. Ein grosser Vorteil ist natürlich das ich von meiner Arbeit auch nicht leben muss. Will heissen bei mir werden die Seiten nicht für teures Geld verkauft, sondern ich allein entscheide was ins Heft kommt und was nicht. Dabei gehe ich auch stets strikt vor, ohne Ausnahmen. Das Oberkriterium ist das die Musik bzw. die Kunst absolut mit den vorgegebenen Styles einher gehen muss. Wenn mir die Band oder der Künstler dann noch gefällt, ist es mir immer einige Seiten wert darüber zu berichten. Dabei ist es auch egal ob ein Interview oder Bericht zwei oder drei Seiten lang ist, gekürzt wird bei mir jedenfalls nichts.

Wie würdest Du Deine stetig steigende Leserschaar beschreiben?

Nun zum einen würde ich behaupten das es Leute sind wie ich die genau an diesen alten Werten, Sounds und romantischer Gothickunst- und kultur festhalten und sie auf ihre Weise zelebrieren und im Gedächtnis halten. Zum Anderen sind es ganz sicher nicht die, die immer über die Szenebravos meckern, das da immer das gleiche drin steht usw. Die gibt es nur, weil es ja auch Leute geben muss die meckern. Diese kaufen aber auch das Crawling Tunes nicht. Warum? Ganz einfach... weil darüber gemeckert wird, das man da ja niemanden drin kennt. Irgendeinen Grund gibt es für solche Ignoranten eben immer. Ab und an gibt es aber doch den Einen oder Anderen, oft jungen, Leser der eben auch die Merkwürdigkeiten der heute vorherrschenden "Techno-Sub-Kultur" nicht verstehen kann und trifft mit dem Crawling Tunes ins Schwarze.

Inhaltlich wird schnell klar: Hier schreibt einer, der noch an den "alten" und "wahren" Underground glaubt? Was hat sich Deiner Meinung seit den frühen Tagen geändert?

Ganz besonders fällt es mir immer auf das sich viel verändert hat, wenn man sich mit den "alten Hasen" oder zumindest Gleichaltrigen unterhält. Niemand von denen mag die merkwürdigen Loveparadeüberläufer in kribbelbuntem Outfit und der wummigen "Hau-drauf-wie-nix-Techno-Mucke". Die meisten, so wie ich auch, schwelgen noch in den Achtzigern, Spätachtzigern und frühen Neunzigern als Musik noch aus Gitarre, Bass, Schlagzeug, verträumten Synthieflächen und bezauberndem Gesang bestand. Man noch der inneren Melancholie frönte und tiefgründige Gespräche über das Leben und den Tod bei Kerzenschein dahin philosophierte. Bis auf einige Parties ist davon kaum etwas übrig. Jedoch gibt es immer wieder Hoffnungsträger wie z.B. die Schaedelweissparty in Köln, die Dead Kennys in Frankfurt oder ab Februar der Tanz der Motten in Großenlüder bei Fulda die genau diesen Stil pflegen. Ich denke jedoch das die stetig voran schreitende Kommerzialisierung und auch "Gesellschaftstauglichkeit" der Szene viel zu diesem Thema beigetragen hat. Selbst in der "normalen" Mode tauchen immer wieder Gothic- und Mangaeinflüsse auf. Gothic ist/wird einfach chick.

Viele sprechen von der inhaltlichen Stagnation der Szene. In welchen Bereichen passiert Deiner Meinung nach weiterhin Spannendes und Neues?

Das Thema Stagnation gibt es glaube ich schon so lange wie Robert Smith ankündigt The Cure aufzulösen. Aber wie man sieht gibt es sowohl The Cure noch und ebenso die Szene. Veränderungen wird es immer geben und muss es auch immer geben. Dennoch würde ich niemals von Stagnation sprechen. Heute so kreativ zu sein um etwas völlig Neues zu schaffen ist ein schweres Stück Arbeit. Trotzdem schaffen es immer wieder kleine, funkelnde Sternchen zu einem großen Licht zu werden und wenn ich mit meinem Magazin dazu beitragen kann werde ich es tun. Meiner Meinung nach sollte man einfach zwischen den Zeilen lesen und hören. Sich einfach mehr mit den Sachen beschäftigen die meist versteckt irgendwo schlummern und auf Entdeckung warten denn "Bernsteine" gewinnen an Wert wenn man sie poliert und vielleicht auch noch ein Insekt drin findet und das die am wertvollsten sind weiss ja mittlerweile jeder. Ich sage nur MySpace. Wer etwas Neues entdecken will, wird es auch entdecken.

Wo siehst Du Dein Magazin in fünf Jahren?

In jedem Bahnhofszeitungskiosk!

Voragin

 
Ich les immer Szene. Ich kann euch allen versichern: es gibt in meiner Umgebung keine Szene mehr. Die letzte Tradgoth-Party in Kiel scheiterte an den geringen Besucherzahlen, es ist einfach kein entsprechendes Szenepublikum vorhanden, das ursprüngliche Publikum ist gnadenlos überaltert. In den Clubs zappeln nur Rammstein- und Samsas-Traum-Kinder herum, die mit der ursprünglichen Wave-Kultur rein gar nichts am Hut haben und dort auch garantiert nicht verwurzelt sind. Es sind Wacken-Fans und Metal-Derivate, die sich - aus welchen Gründen auch immer - für Goten halten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das deutschlandweit so ist, aber IMO gibt es nur noch kleine, lokale Szenen in den Großstädten. Alles andere ist doch völlig tot, metallisiert und schweißerbrillenverseucht. Wenn es noch eine Kultur gibt, dann nur noch virtuell. Die 90s-Gothic-/Wave-Bewegung hat auch vieles offenkundig selbst zerstört. Eben gerade durch das Stagnations- und Plagiat-Gefasel und durch die ständige Vereinnahmung fremder Musik, die plötzlich als DIE Szenemusik dargestellt wurde (aber vielleicht kann mir ja jemand erklären, was Neue Deutsche Härte und Dudelsack-Rock mit Gothic und Wave zu tun haben?). Welche Innovationssprünge haben die denn erwartet? "Scheiße, die klingen ja wie die Sisters", las man doch bald in jedem Magazin. Logisch, dass manche Bands ähnlich klingen, wenn sie einen gemeinsamen Stil verfolgen. Und das war schon zu Beginn so, als Joy Division, Siouxsie und The Cure starteten. Deswegen nennt man das auch Stil. Im Metal- oder Grindcore-Umfeld regt sich doch auch niemand darüber auf, dass Cannibal Corpse genauso herumgrunsen wie Napalm Death. Im Punk genau dasselbe. Aber offensichtlich war die szene-eigene Musik nicht mehr gut genug. Schmalztriefender Weichspül-Metal und obsoletes Rave-Geknüppel scheint als gotische Weiterentwicklung anerkannt zu sein (selbst die Techno-Leute lachen uns dafür aus). Da sieht man mal, mit was für Hirnochsen man es zu tun hat.

 
Posted by Voragin on January 28, 2009 - Wednesday - 9:50 AM
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