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Berelon



Last Updated: 11/25/2009

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Sunday, September 23, 2007 
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Geschrieben von Berelon am Samstag, 22. September 2007

aktuelle News

Das Urgestein der deutschen Indie-Szene Phillip Boa, von der Frankfurter Rundschau als „Ur-Opa des Underground" betitelt,  gab sich mit seinem Voodoo Club wieder die Ehre. Zur Vorstellung seines nunmehr 14. offiziellen Albums „Faking To Blend In" tourt er zur Zeit durch Deutschland und machte Station in der Battschkapp.


Mein letztes Phillip Boa Konzert ist zugegebenermaßen ziemlich genau 20 Jahre her, damals war ich sehr begeistert, geradezu hingerissen. Daher wollte ich keinesfalls die Gelegenheit versäumen ihn mir wieder einmal anzuschauen, auch wenn ich gestehen muß, daß ich, nach dem Album Hispaniola (was ich sehr geschätzt habe), seinen weiteren Werdegang eher am Rande mitbekommen, als wirklich verfolgt habe.

Mit gespanter Erwartung kam ich also in die Batschkapp. Kurz vor dem üblichen Konzertbeginn (21:00) war die Halle gut gefüllt. (Endlich mal wieder ein Konzert, bei dem ich das Durchschnittsalter nicht deutlich nach oben verschiebe ;) )

 

Den Auftakt bildete der Singer / Songwriter Monta. Ein sympathischer leicht verlegen wirkender  junger Mann betrat die Bühne. Seine durchaus teilweise sehr schönen Balladen, die er alleine mit seiner E-Gitarre präsentiert, kamen bei einem guten Teil des Publikums an. Man Verzieh ihm auch, mit der Begründung „ach nee, das geht jetzt nicht", abgebrochene Songs, sowie den einen oder anderen Verhaspler. Sympathisch auch sein Dialog mit dem Publikum, den er aber bedauerlicherweise nicht über das Mikro sondern in echter Straßenmusikermanier direkt von Angesicht zu Angesicht führte, so daß das Publikum vom Gespräch nur den Gesichtsausdruck des Musikers mitbekommen hat, in der Regel ja nicht verwerflich, bei einem Auftritt aber etwas befremdlich ;-) . Einzelner Sänger mit verzerrter E-Gitarre, da fällt mir sofort Billy Bragg ein, aber die Kraft und dynamik von Billy Bragg entwickelte er nie, stattdessen bot er schmachtende Popballaden voller Liebe und Sehnsucht – sehr gefühlvoll und schön, als Vorgruppe für ein Boa-Konzert allerdings meiner Ansicht nach etwas unpassend. Mit dieser Meinung war ich anscheinend auch nicht ganz alleine, eine gewisse Unruhe im Saal war durchaus bemerkbar, obwohl der größte Teil des Publikums den Musiker anscheinend gut aufgenommen hat. 

 

Doch sein Auftritt währte nur kurz und so enterten nach einer kurzem Umbaupause  Phillip Boa und der Voodoo Club die Bühne (von mir leider verpasst, da ich gerade ein Getränk holen war). Schon mit dem zweiten Song (ich glaube es war „this is Michael") fingen die ersten drei Reihen einen fröhlichen Kuschelpogo mit viel rumgehüpfe an, was einige die Boa noch nicht live gesehen hatten dem vernehmen nach etwas überraschte. Der Kuschelpogo wurde auch das gesamte Konzert über beibehalten (außer bei den Balladen) und die Gruppe der Hüpfenden wurde immer größer.

Dieser (letzte?) Vertreter einer stark Rhythmus- und Percussionbetonten Indipendentmusik  webt wie vor 20 Jahren seinen Soundteppich aus krachigen Gitarren, Keyboards und der treibende Rhytmusgruppe, die für die Musik so prägend ist und im richtigen Moment von den „Voodoo-Drums" (2 Pauken) unterstützt wird. Über diesen Soundteppich erheben sich die zarte Stimme Pia Lunds, die seit 2003 glücklicherweise wieder dabei ist, und dazu als Kontrast die knarzig brummige Stimme Phillip Boas. Das ganze fügt sich schön zusammen zu herrlichen Popsongs die ins Ohr gehen und dort bleiben. Die Voodoodrums werden inzwischen nebenbei vom Keyboarder bedient, kamen auch nur bei einigen Klassikern wie „I dedicate my Soul to You" zum Einsatz. Etwas weniger Percussioneinsatz also als bei meinem letzten Boa Konzert, aber die Musik funktioniert immer noch und die Lieder des neuen Albums reihen sich wunderbar in die Klassiker und die Hits aus 22 Jahren ein.

Von dem Metalkrachigen „Albert Is A Headbanger" über den herrlichen Popsong „Fine Art In Silver" bis hin zu der schönen neuen Ballade „Emma" wurde das gesamte Spektrum der Boaschen Musik präsentiert und vom Publikum dankbar angenommen, nur die fehlende Lautstärke wurde ab und an bemängelt. Ob es am gehobenen Alter des Publikums lag, oder daran, das sonst in der Battsche eher etwas Lauter abgemischt wird, wage ich nicht zu beurteilen, ich fand es ganz in Ordnung. Die präsentierten neuen Songs, die durchaus die Qualität der alten Hits erreichen, machten neugierig auf das neue Album. 

Der Perfektionist Boa der im Ruf einer gewissen Arroganz steht, ist reifer geworden und inzwischen so abgeklärt, daß er über seine schwierige Art sogar kleine Scherze machen kann. „Nein, ich war grade nicht arrogant" sagt er nachdem er einen Musiker (war es der Gitarrist oder der Keyboarder?) angefahren hat, „ich war grob", und er habe nicht 5 Tausend Musiker verschlissen, es waren nur 5 Hundert. Später, als er sich im Text verhaspelt, feuert und ohrfeigt er sich sogar selber.

Spätestens in der Zugabe bei dem Hit „Container Love" tanzt und singt die übergroße Mehrheit des Publikums.
Sie spielten gute 1,5 stunden inklusive der zwei Zugaben .
„Kill your Ideals" bildete den perfekten Abschluß eines schönen Konzerts. Mit Nebelwand und von hinten Beleuchtet wurde Boa quasi zur Ikone erhoben um lauthals und rockig zu fordern die Ikonen zu stürzen. Was lautstark von nahezu dem gesamten Saal tanzend mitgesungen wird.

Phillip Boa & the Voodoo Club sind eindeutig wieder da, im Hier und Jetzt.


Geschrieben für  Schwarzes Rhein Main


http://www.myspace.com/phillipboaandthevoodooclub

http://www.myspace.com/montamunich