Eins Vorweg. Ich mag
Bushido.
Bushido hat sich immer korrekt verhalten und selbst zu Zeiten, in denen
Royalbunker mit Gesamt
AGGRO richtig Streit hatte, war er der einzige, der zu uns rüber kam auf dem
Splash und ganz normal mit uns geredet hat und das waren wirklich verhärtete Zeiten.
Bushido ist auch einer der wenigen, die direkt auf dich zukommen, wenn sie ein Problem mit dir haben. Dabei ist er manchmal ein bisschen schizophren und schießt übers Ziel hinaus, aber im Endeffekt finde ich das immer noch besser, als anlächeln und hintenrum das Messer reindrehen.
Es ist auch nicht immer angenehm, wenn man auf einer Party ist und plötzlich schreit einen jemand an, aber gut, damit muss man leben. Wer austeilt muss auch einstecken können und wenn sich jemand ärgert, dann darf er auch rumschreien, obwohl ich nie schreie.
Staiger aka The Lamb.
Ich mag auch
Fler. Ich habe Respekt vor
Fler. Ich mag Fler als Privatperson und sehe, wie sich ein Typ, der es wirklich nicht leicht hatte und dem es an vielen Stellen im Leben nicht leicht gemacht wurde, wie dieser Typ einfach alle seine Kraft zusammen genommen hat und es geschafft hat. Auf irgendeine Art doch geschafft und es allen gezeigt hat. Ich kenne Leute, die immer über
Fler gelacht haben. "
Hahahaha Fler. Fler hat dies. Fler hat das. Wir haben mit Fler das und das gemacht.“
Fler ist zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Karriere einfach an ihnen vorbei gefahren. Hat aus dem fahrenden Auto gewunken und konnte einfach sagen: "
Tschau ihr Penner.“ Und die Penner schauten ihm hinterher und träumten davon, dass das doch der Typ war, den sie früher immer verarscht haben: "
Hä. Was ist denn jetzt los? Verkehrte Welt oder was?“ "
Eigentlich“, dachten sie, "
eigentlich müssten doch wir in diesem Auto sitzen“, saßen sie aber nicht und
Fler lachte.
Ich mag auch
Kaisa und
sido und
B-Tight und all die anderen aus der Berliner Hip Hop Szene, die etwas machen und etwas schaffen. Jeder auf seinem Niveau und wenn ich mir das neue Video von
Imbiss Bronko anschaue, dann finde ich das in seiner Einfachheit einfach genial. So etwas kann eigentlich nur entstehen, wenn man in seinem Kopf eine fast Zen-buddhistische Ruhe zustande bringt und man den Gedanken freien Lauf lässt. Großartig.
Ich mag auch viele andere aus der deutschen Hip Hop Szene. Vielleicht mag ich die Schwierigen mehr als die Glatten. Manche mag ich überhaupt nicht. Meistens mag ich die nicht, von denen ich denke, dass sie sich nicht richtig einschätzen können, dass sie nicht wissen, was sie da sagen und ungerechtfertigter weise arrogant sind. Wenn jemand nicht über sich bescheid weiß, obwohl er es von seiner Position und seiner Bildung her könnte, dann finde ich das dumm. Dann ist das dumm und mit dummen Menschen habe ich ein Problem. Allerdings hat jeder Mensch auch seine Gründe und jeder hat ein Motiv und deshalb sind meine Urteile auch nie definitiv sondern immer flexibel und ich bin auch immer gerne bereit zuzugeben, wenn mich jemand überrascht hat und er in Wirklichkeit doch ganz anders ist, als ich gedacht hätte. Das tut nur niemand. Das passiert nur nie.
Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte und das hat mit Mögen oder nicht Mögen, Sympathie oder Antipathie recht wenig zu tun, das ist das Verhältnis von Rappern zum Thema Meinungsfreiheit. Ich meine das Problem ist nicht neu. In den 90er Jahren verprügelten MCs des ehrenwerten
Wu Tang Clans einen Journalisten, weil sie mit seiner Berichterstattung nicht einverstanden waren und ihn respektlos fanden.
Dr. Dre schlug eine Frau, weil er sich respektlos behandelt fühlte. Respekt. Ein seltsamer, undefinierbarer Begriff, so ähnlich wie Ehre.
Was ist Respekt? Ich denke, respektvoller Umgang ist, wenn ich mich für jemanden interessiere und mich mit ihm auseinandersetze. Dabei muss ich ihm nicht in den Arsch kriechen. Eben nicht.
Indem ich mich kritisch mit seinem Schaffen und Wesen auseinandersetze, zeige ich dem anderen doch, dass ich ihn ernst nehme. Respektlos ist, wenn ich mich nicht mit ihm auseinandersetze. Wenn ich mich nicht für ihn interessiere. Wenn jemand langweilig ist, bekommt er von mir keine Aufmerksamkeit. Wenn ich jemanden beleidige, dann kann er sich zumindest sicher sein, dass er einen Triggerpunkt in mir berührt hat, der diese Reaktion hervorgerufen hat und das ich seine Arbeit wenigstens ansatzweise registriere. Das ist Respekt. (Das stimmt natürlich nicht ganz, aber ansatzweise ein bisschen).
Aber das müssen Deutschlands Hip Hopper lernen und zwar durch die Bank. So viele gekränkte Egos. So viele geknickte Künstler. So viele gebrochene Herzen. Und dabei hat man sich nur ein paar Songs mal näher angeschaut und ein paar öffentliche Auftritte analysiert und kritisiert und schon ist man der Spielverderber.
In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Das sind jetzt so
Aktion Sorgenkind… äh
Aktion Mensch Fragen, aber ernsthaft: Wollen wir uns bedingungslos in den Arsch kriechen? Uns auf die Schulter klatschen und sagen: gut gemacht, obwohl man alles nur mittel bis scheiße findet?
Ich mochte Hip Hop deswegen immer ganz gerne, weil ich dachte, dass diese Kultur im Gegensatz zu Techno, die Wahrheit sagt und die Wahrheit auch verträgt. Das ist nicht Pillen Einwefen und
hey, wir finden alles geil und schick und alles ist doch sooooooo geil.
Nein. Das ist:
Du bist ein Hurensohn und deine Platte ist wack! Das fand ich geil. Das finde ich immer noch gut.
Doch je länger ich in dieser Szene war und bin, desto mehr habe ich festgestellt, dass die meisten einfach nur zu weich für Battle sind. In Wirklichkeit wollen alle dann doch nur zusammen im Backstage chillen und von Southpole gesponsort werden. Oder von
Nike. Oder von
Adidas.
Sean John.
Karl Kani oder
Pelle Pelle. Gibt’s die ganzen Marken eigentlich noch? Ich habe keinen Plan. Ich kriege immer
Ecko Klamotten. Das ist auch geil und war immer schon mein geheimes Ziel. Außerdem sitze ich gerne im Backstage und bin mit jedem gut Freund und gebe allen Küsschen. Links und rechts. Deshalb schreibe ich auch solche Texte, weil ich von der wilden Zeit träume, wo ich noch im Publikum stand und jeden aus tiefstem Herzen hassen konnte. Das war noch viel besser.
Doch weiter im Text. Wir waren stehen geblieben bei den meisten, die einfach zu weich sind für Streit und ein bisschen mädchenhaft, obwohl ich Mädchen wie
Catee kennen gelernt habe, die weit mehr Eier in der Hose hatten als jeder Typ und mehr Battle und Beef gestartet haben als alle anderen Battle MCs. Das nur am Rande. Aber deshalb mag ich auch
Fler und
Bushido. Die haben keine Angst vor Beef. Die schreien rum, zumindest im VIP Bereich und nageln Leute fest (aka bedrohen Leute), weil sie deren Meinung wissen wollen, wobei die meisten dann aber einfach nur einknicken und kuschen.
Nun sollten sie auch noch lernen, dass es eben andere Meinungen gibt. Und dass das auch richtig so ist. Und dass das Leben seine Würze daraus bezieht, dass man eben unterschiedlicher Meinung ist und dass es eben nichts bringt außer einem schlechten Geschmack im Mund und vorzeitigem Samenerguss, wenn man andere Leute dazu zwingt, mit ihrer Meinung hinterm Berg zu halten. Weil so etwas einfach Diktatur heißt und Diktatoren nicht respektiert sondern nur gefürchtet werden. Und Furcht ist kein Respekt. Furcht ist einfach nur Furcht. Und wenn ich in diesem Zusammenhang den Rapper Bacapon zitieren darf: Eine Pussy mit ner Waffe in der Hand ist eben nichts weiter, als ne Pussy mit ner Waffe in der Hand. Und ein Feigling im SS-Mantel war eben auch nicht mehr als ein Feigling mit einem SS-Mantel an und ein unterdrücktes Weichei bei der GeStaPo war eben auch nur ein verkappter Weichei bei der GeStaPo.
Natürlich wäre die Welt einfacher, wenn alle nach einer Pfeife tanzen würden. Nach meiner zum Beispiel. Aber so ist es nicht und ich bin da stolz drauf und ich finde Toleranz ist keine Schwäche und unser Staat ist deshalb nicht schwach und lächerlich, weil seine Polizisten nicht oft genug draufhauen. Meiner Meinung nach tun sie es immer noch viel zu oft. Aber ich bin froh darüber in einem einigermaßen pluralistischen und toleranten Land leben zu dürfen, in dem ich sagen und schreiben darf, was ich will. Das werde ich auch verteidigen, mit oder ohne Bundeswehr. Ich würde sagen, eher ohne, weil die treffen dann wahrscheinlich sowieso wieder nur die Falschen.
Und so kommt wieder eins zum anderen. Das Große im Kleinen und das Kleine im Großen und diesen Text, dieses Plädoyer für Meinungsfreiheit und Toleranz habe ich aus aktuellem Anlass geschrieben. Einmal weil ich meinem Kollegen
Tobias "
Toxik“
Kargoll recht geben muss, wenn er in seinem
Statement zu Bushido auf Meinungsfreiheit und Pluralismus in den Hip Hop Medien und hauptsächlich auf seiner Seite hiphop.de pocht und zum anderen anlässlich unseres
Interviews auf rap.de mit
Kaisa und den Jungs von
Hellraisa in dem sehr intolerante und antidemokratische Statements gedroppt wurden.
Es bleibt also immer noch viel zu tun. – Sehr gut!