Wer mich kennt, der weiß - der nun folgende Blog war unvermeidlich und längst überfällig:
Fast 36.000 km und 6, 5 Jahre nach unserer ersten Begegnung bin ich noch immer verliebt wie am ersten Tag. Mein STARLET P9.
Wie er da stand, im Toyota Autohaus, in seinem herrlich scheußlichem Grün (obwohl ich eigentlich für meine Tochter ein rotes Auto kaufen sollte!!!) und mir mit seinen kleinen Schlitzaugen zugezwinkert hat…
Meine Ansprüche waren ja auch gar nicht so groß, 4 Türen und 2 Airbags, 2 Kasten Bier sollten in den Kofferraum passen, wer braucht schon eine Klimaanlage???
(Als Extra ein Handschuhfach, juhu was will man mehr?)
Mein damaliger Chef (ehemaliger NVA - Kampfpilot, kann mit 75 PS umgehen!) höchstpersönlich bot an, mich zur Probefahrt zu begleiten, eine Tour er – eine ich.
Sein Urteil fiel bereits in den ersten 2 Minuten:
„Der richtige Wagen für Sie, da machen Sie nix verkehrt! Der hat schöne große Ablagen für Bonbonpapier!"
Nachdem wir den Wagen ausführlich über die Piste gejagt und anschließend fachgerecht im Hof des Autohauses auseinandergebaut hatten, schritt ich selbstbewusst zur Preisverhandlung!
Voll bezahlt und alles MEINS!
Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft:
Er buckelte mit mir über Kopfsteinpflaster, ostdeutsche Nostalgiestraßen, hat wild gecampt, fuhr mit 5 Personen samt Klamotten und Lebensmitteln inkl. Lenkdrachen nach Bayern in den Urlaub, wurde von der Polizei angehalten (weil er einfach nicht langsam fahren konnte),
zog mit mir in das Ruhrgebiet, beamt sich mit mir über alle Autobahnkreuze und verfährt sich regelmäßig mit mir auf dem Weg zu Ikea…
Und lässt sich am liebsten von Hand waschen! Leider säuft er nur „Super", aber ich würde ihn wohl auch mit Sushi füttern, wenn er das so wollte.
Ehrlich, mein Wagen ist eine Art japanischer Trabbi, ein Stauraum auf Rädern!
Wie viele Grönemeyer CDs haben wir schon zusammen gehört, wie viele Kekskrümel im Innenraum verteilt und wie viel Tonnen Lebensmittel von ALDI nach Hause transportiert???
Noch nie hat er mich versetzt, mich angezickt oder mir die Freundschaft verweigert, obwohl (ich gebe es zu) schon ein paar Versuche unternommen habe, mich von ihm zu trennen!
(Jedes Mal hab ich den Wagen gewaschen, gesaugt und einem Händler vorgezeigt, mir einen albernen Preis dafür angehört, ihn selbst toll gefunden, wieder eingepackt und einfach behalten J )
Mein treuer Freund, meine kleine japanische Reisschüssel, von der auch VW Händler nur Gutes zu berichten wissen (immerhin: Die Modelreihe erzielte mehrfach den 1. Platz beim Deutschen Tüvreport!!!) wird mich wohl begleiten bis die letzte Schraube abgefallen ist.
Bei ihm oder bei mir, je nachdem welcher Fall eher eintrifft…
Selbst das TÜV Männchen erklärt mir bei jedem Besuch: „Der hält ewig, is ein Toyota!"
Anmerkung: Menschen die ihren Wagen richtig lieben, steigen beim TÜV mit in die Grube und stehen ihrem aufgebocktem Wagen bei, wenn der Mann im Kittel mit der Taschenlampe nach Mängeln sucht. Seinen Kindern hält man beim Arztbesuch ja auch die Hand…
Nicht nur ich fühle mit meinem Wagen,
kennt ihr auch das Phänomen: „Meine Stoßdämpfer sind platt", „mein Auspuff kommt" oder „mein Zahnriemen ist fällig"? Solche dämlichen Aussagen kommen wirklich tagtäglich von Autobesitzern aller Fabrikate (von Toyota Fahrern natürlich seltener) und sind ein eindeutiges Indiz dafür, dass wohl so Einige eine Symbiose mit ihrem Blech auf Rädern eingehen. Wieso wohl liest man sonst ab und an von Menschen, welche an einer roten Ampel aussteigen und dem Fahrer im Auto vor ihm das Lebenslicht auspusten, nur weil dieser ihn eben mal riskant überholt hat? Oder sich nach einer Drängelei mitten auf der Autobahn mit Eisenstangen verprügeln? (Soweit bin ich noch nicht und außer einem Homer Simpsons Kissen habe ich nix gefährliches in meinem Wagen dabei J )
Ich hatte unruhige Nächte, als mein Wagen beim Karosseriebauer war, nachdem ihn ein schlafender Rentner die Stoßstange zerstört hat und man mich dann für ein paar Tage mit einem Golf abspeiste!
Immerhin bekomme ich seitdem jedes Jahr eine Weihnachtskarte von dieser Werkstatt…
Mein Wagen, wird nie verborgt und auch nur dann kurzzeitig Verwandten ersten Grades anvertraut, wenn alle Belehrungen wie: „fahr nicht so schnell", „ Vorsicht die Bordstein-Kante!" und „ich hab nur den einen" erfolgt sind.
Auch rangiere ich ihn mit einer Geschwindigkeit, die nur Schnecken und ganz alte Schildkröten zu schätzen wissen, aus jeder Parklücke (zeige mich auch unter dem lautem Gejohle aller meiner Kollegen nervenstark) um ihm ja kein Krätzerchen zuzufügen.
Wer braucht schon eine Einparkhilfe, wenn man 2 Kindern das Sprechen beigebracht hat?
Nun wird er bald 10 Jahre alt und sollten sich unsere Wege eines Tages doch einmal trennen, dann wird es schwer…
Anmerkung ca. 3 Stunden nach Beendigung meiner Lobeshymmne :
Zum ersten Mal im Leben sprang mein Wagen heute Abend nicht mehr an, Danke an Dirk und Dirk, die so nett waren meinen Wagen anzuschieben! 
Ich kümmere mich morgen mal um eine neue Batterie...