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U&D Bad Kissingen



Last Updated: 11/27/2009

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City: Bad Kissingen
State: Bayern
Country: DE
Signup Date: 7/1/2007
Monday, October 05, 2009 
Es ist wohl eine der letzten Kult-Stätten in der unterfränkischen Weinstadt Würzburg. Von der Halloween-Party bis zum Punkrock-Konzert bietet das kleine Gebäude am Friedrich-Ebert-Ring 27 alles, was das Herz der Feierfreudigen begehrt. Doch das Jugendtreff “Immerhin”, in unmittelbarer Nähe der Stadtmensa und in Reichweite vieler weiterer studentischen Einrichtungen, steht offenbar endgültig vor dem Aus. Der Kampf der Liebhaber im Internet beginnt…

“Jetzt ist es grausam endgültig - das Immerhin, so wie es besteht, wird schließen müssen! Die Diskussion zog sich über Jahre, einige von euch waren vielleicht schon gelangweilt davon. Jetzt ging es aber so schnell, dass wir alle überrascht sind”, schreibt Whole_Lotta-Pete auf der Startseite der Einrichtung über die derzeitige prekäre Situation. Er tritt damit jedoch eine Welle los, deren Ausläufer ihren Weg nicht nur über Myspace, diverse Foren und Gästebücher, sondern auch bis hinein in private Email-Postfächer findet.

Was ist passiert? “Fakt ist, dass der Träger des Jugendkulturtreffs ‘Immerhin’, nämlich das Evangelische Jugendwerk im Dekanat Würzburg, letztlich die Evangelische Kirche, das alte ‘Haus mit der Sonne’ (…) endgültig abreißen muss und wird”, klärt der Autor im Folgenden all diejenigen, denen es bis dato entgangen sein sollte, über das Schicksal des Gebäudes auf. Doch wäre das nicht schon schlimm genug, klärt er jetzt über weitere Details auf, die den Szenegängern jegliche Hoffnungen nehmen könnte. “Der weitere Fakt, der euch bisher verborgen blieb und uns sehr enttäuscht - es konnte leider trotz großer Bemühungen kein neues Gebäude gefunden werden, so dass wir noch diesen Herbst ohne Veranstaltungsort auf der Straße stehen!” Bereits ab diesem November, so der Autor, werde es keine weiteren Veranstaltungen mehr geben.

“Wo sollen junge und musikinteressierte Menschen noch hin?”

Alle bisherigen Aussichten hätten sich nun zerschlagen. Über ein Jahr sei ein Haus in der Neubaustr. die große Hoffnung gewesen. Doch dort sei gemäß einem Gutachten Live-Musik nicht möglich. “Danach hatten wir viele andere Ideen und Vorschläge, einige waren so konkret, dass wir einen direkten Übergang vom jetzigen in ein neues Gebäude geplant hatten”, schreibt er weiter. Doch nun hätte sich auch diese Option in letzter Minute als aussichtslos erwiesen. Die Reaktionen hierauf sind entsprechend: “Es ärgert mich immer wieder, wenn verdammt gutes ehrenamtliches Engagement, so mit Füssen getreten wird. Das ‘Immerhin’ muss auf bleiben. Wo sollen junge und musikinteressierte Menschen noch hin?”, ist etwa im Gästebuch des Immerhin zu lesen. “Wo soll das noch hinführen? Was kommt als nächstes? B-hof und Cairo? Gar nicht auszudenken!”, fragt ein anderer.

Selbst die Sportfreunde Stiller waren schon da

Die Debatte ist entfacht. Einige Blogs haben reagiert und auch ein hiesiges Stadtmagazin hat sich der Sache angenommen. Gleichzeitig wirft Whole_Lotta-Pete jedoch eine Vermutung in den Raum: “(..) die Gleichung Student = jung + an alternativer Kultur interessiert + einsatzfreudig schon seit 20 Jahren nicht mehr zutreffen.” Denn wohin die rund 20.000 Studenten der traditionsreichen Stadt all abendlich gehen, bleibt ihm schon seit gut neun Jahren verborgen.

Nichtsdestotrotz, für das Würzburger Immerhin, das seit fast 25 Jahren ein wichtiger Ort für die Kulturlandschaft der Stadt ist, lohnt es sich zu kämpfen. “Der Jugendkulturtreff sorgte als ‘kleinste Bühne Würzburgs’ für unzählige feine Abende mit Konzerten, Mottoparties, DJ-Abenden, Specials aller Art, Silvesterfeten, Lesungen, Filmabenden und und und. Dabei war immer eins im Vordergrund - ehrenamtlicher Einsatz mit Konzept für Nischenkultur, die sonst kaum Platz hat”, argumentiert er. Gerade weil es die kleinste Bühne vor Ort sei, habe es immer Möglichkeiten für kleine, regionale Bands, aber auch für Musiker aus aller Herren Länder gegeben. Auch die derzeit erfolgreichen Sportfreunde Stiller haben schon die kleine Location bezaubert.
Gerade in den letzten Jahren seien die Besucherzahlen so stetig gestiegen, dass innerhalb der Einrichtung von einem “durchgehenden Erfolg” gesprochen werden konnte. Dabei seien die Preise gleich geblieben, gerade Nichtalkoholisches sei drastisch verbilligt worden, um einen deutlichen Akzent zu setzen. Auch im Hinblick auf die Organisation der Öffnungstage, die stets ehrenamtlich und völlig selbstorganisiert verlief, gab es keine Probleme. 120 Öffnungstage im Jahr mit rund 70 Konzerten und umgerechnet an die 150 Bands konnten so realisiert werden. Eine Leistung, die auch den hiesigen Kulturverantwortlichen nicht verborgen geblieben ist. Im Jahr 2008 gab es deshalb für das Immerhin den Kulturpreis der Stadt Würzburg.

Geholfen hat es der Szene-Location anscheinend wenig, so dass dieser Tage zum letzten Mittel geschritten wird. Alle Freunde und Unterstützer sind jetzt aufgerufen, sich persönlich für den Erhalt des Immerhins einzusetzen.

Folgende Bitte, die wir hier im Wortlaut wiedergeben, ist erschienen:

“Bitte unterstützt das Immerhin, wenn ihr den Laden genauso liebt und für genauso unverzichtbar haltet wie wir. Ihr könnt das folgendermaßen tun:

>>> Unterschreibt zusammen mit möglichst vielen Freunden die jetzt ausliegenden Unterschriftenlisten! Ihr findet sie im Immerhin, im H20 Plattenladen, im Kult, im Buchladen Neuer Weg, in der “Musik Butik” und in vielen weiteren Läden und Kneipen! Achtung, die Listen werden zum 12.10. wieder eingesammelt, also beeilt euch!

>>> Wir brauchen viele Stimmen für das Immerhin - also schreibt eure Unterstützung, Meinung, Positives aller Art JETZT in unser Gästebuch auf der Homepage http://www.immerhin-wuerzburg.de . Wenn es nicht unbedingt sein muss, bleibt dabei nicht anonym.

>>> Wenn ihr wollt, schreibt Leserbriefe, in denen ihr auf den Wegfall dieser wichtigen Kulturstätte aufmerksam macht! Dafür bieten sich die bekannten Publikationen vor Ort an - Main Post, frizz, neun7 usw.!

>>> Ihr könnt uns auch direkt helfen! Wenn ihr in Würzburg ein Gebäude kennt, das für das Immerhin in Frage käme und realistisch unterhaltbar ist, könnt ihr uns darauf aufmerksam machen. Mail an mich genügt!

>>> Macht viele Leute auf die Lage aufmerksam, gebt diese Hinweise weiter!

Nachdem bereits das AKW weggefallen ist, besteht nun die ernsthafte Gefahr, dass die Stadt Würzburg einen weiteren alternativen Kulturort verliert. Das Immerhin hat mit geringstem Aufwand über lange Jahre Dinge möglich gemacht, die viele Besucher, auch internationaler Herkunft, sehr bewundert haben. Noch eine Bühne weniger in Würzburg? Ich will es mir noch gar nicht vorstellen. Das Team des Immerhin steht nach wie vor zusammen und sucht fieberhaft nach realistischen Möglichkeiten. Wir haben bereits einige Akutmaßnahmen in die Wege geleitet, z.B. einen offenen Brief, der an die Kulturstellen der Stadt sowie an den gesamten Stadtrat ging. Dies soll für Aufmerksamkeit, Fürsprache und Unterstützung sorgen. Wenn ihr das Immerhin mögt, dann zeigt es und schreibt uns!”