Es ist wohl eine der letzten Kult-Stätten in der
unterfränkischen Weinstadt Würzburg. Von der Halloween-Party bis zum
Punkrock-Konzert bietet das kleine Gebäude am Friedrich-Ebert-Ring 27
alles, was das Herz der Feierfreudigen begehrt. Doch das Jugendtreff
“Immerhin”, in unmittelbarer Nähe der Stadtmensa und in Reichweite
vieler weiterer studentischen Einrichtungen, steht offenbar endgültig
vor dem Aus. Der Kampf der Liebhaber im Internet beginnt…
“Jetzt ist es grausam endgültig - das Immerhin, so wie es besteht,
wird schließen müssen! Die Diskussion zog sich über Jahre, einige von
euch waren vielleicht schon gelangweilt davon. Jetzt ging es aber so
schnell, dass wir alle überrascht sind”,
schreibt
Whole_Lotta-Pete auf der Startseite der Einrichtung über die derzeitige
prekäre Situation. Er tritt damit jedoch eine Welle los, deren
Ausläufer ihren Weg nicht nur über Myspace, diverse
Foren und Gästebücher, sondern auch bis hinein in private Email-Postfächer findet.
Was ist passiert? “Fakt ist, dass der Träger des Jugendkulturtreffs
‘Immerhin’, nämlich das Evangelische Jugendwerk im Dekanat Würzburg,
letztlich die Evangelische Kirche, das alte ‘Haus mit der Sonne’ (…)
endgültig abreißen muss und wird”, klärt der Autor im Folgenden all
diejenigen, denen es bis dato entgangen sein sollte, über das Schicksal
des Gebäudes auf. Doch wäre das nicht schon schlimm genug, klärt er
jetzt über weitere Details auf, die den Szenegängern jegliche
Hoffnungen nehmen könnte. “Der weitere Fakt, der euch bisher verborgen
blieb und uns sehr enttäuscht - es konnte leider trotz großer
Bemühungen kein neues Gebäude gefunden werden, so dass wir noch diesen
Herbst ohne Veranstaltungsort auf der Straße stehen!” Bereits ab diesem
November, so der Autor, werde es keine weiteren Veranstaltungen mehr
geben.
“Wo sollen junge und musikinteressierte Menschen noch hin?”
Alle bisherigen Aussichten hätten sich nun zerschlagen. Über ein Jahr
sei ein Haus in der Neubaustr. die große Hoffnung gewesen. Doch dort
sei gemäß einem Gutachten Live-Musik nicht möglich. “Danach hatten wir
viele andere Ideen und Vorschläge, einige waren so konkret, dass wir
einen direkten Übergang vom jetzigen in ein neues Gebäude geplant
hatten”, schreibt er weiter. Doch nun hätte sich auch diese Option in
letzter Minute als aussichtslos erwiesen. Die Reaktionen hierauf sind
entsprechend: “Es ärgert mich immer wieder, wenn verdammt gutes
ehrenamtliches Engagement, so mit Füssen getreten wird. Das ‘Immerhin’
muss auf bleiben. Wo sollen junge und musikinteressierte Menschen noch
hin?”, ist etwa im
Gästebuch
des Immerhin zu lesen. “Wo soll das noch hinführen? Was kommt als
nächstes? B-hof und Cairo? Gar nicht auszudenken!”, fragt ein anderer.
Selbst die Sportfreunde Stiller waren schon da
Die Debatte ist entfacht. Einige Blogs haben reagiert und auch ein
hiesiges Stadtmagazin hat sich der Sache angenommen. Gleichzeitig wirft
Whole_Lotta-Pete jedoch eine Vermutung in den Raum: “(..) die Gleichung
Student = jung + an alternativer Kultur interessiert + einsatzfreudig
schon seit 20 Jahren nicht mehr zutreffen.” Denn wohin die rund 20.000
Studenten der traditionsreichen Stadt all abendlich gehen, bleibt ihm
schon seit gut neun Jahren verborgen.
Nichtsdestotrotz, für das Würzburger Immerhin, das seit fast 25 Jahren
ein wichtiger Ort für die Kulturlandschaft der Stadt ist, lohnt es sich
zu kämpfen. “Der Jugendkulturtreff sorgte als ‘kleinste Bühne
Würzburgs’ für unzählige feine Abende mit Konzerten, Mottoparties,
DJ-Abenden, Specials aller Art, Silvesterfeten, Lesungen, Filmabenden
und und und. Dabei war immer eins im Vordergrund - ehrenamtlicher
Einsatz mit Konzept für Nischenkultur, die sonst kaum Platz hat”,
argumentiert er. Gerade weil es die kleinste Bühne vor Ort sei, habe es
immer Möglichkeiten für kleine, regionale Bands, aber auch für Musiker
aus aller Herren Länder gegeben. Auch die derzeit erfolgreichen
Sportfreunde Stiller haben schon die kleine Location bezaubert.
Gerade in den letzten Jahren seien die Besucherzahlen so stetig
gestiegen, dass innerhalb der Einrichtung von einem “durchgehenden
Erfolg” gesprochen werden konnte. Dabei seien die Preise gleich
geblieben, gerade Nichtalkoholisches sei drastisch verbilligt worden,
um einen deutlichen Akzent zu setzen. Auch im Hinblick auf die
Organisation der Öffnungstage, die stets ehrenamtlich und völlig
selbstorganisiert verlief, gab es keine Probleme. 120 Öffnungstage im
Jahr mit rund 70 Konzerten und umgerechnet an die 150 Bands konnten so
realisiert werden. Eine Leistung, die auch den hiesigen
Kulturverantwortlichen nicht verborgen geblieben ist. Im Jahr 2008 gab
es deshalb für das Immerhin den Kulturpreis der Stadt Würzburg.
Geholfen hat es der Szene-Location anscheinend wenig, so dass dieser
Tage zum letzten Mittel geschritten wird. Alle Freunde und Unterstützer
sind jetzt aufgerufen, sich persönlich für den Erhalt des Immerhins
einzusetzen.
Folgende Bitte, die wir hier im Wortlaut wiedergeben, ist erschienen:
“Bitte unterstützt das Immerhin, wenn ihr den Laden genauso liebt
und für genauso unverzichtbar haltet wie wir. Ihr könnt das
folgendermaßen tun:
>>> Unterschreibt zusammen mit möglichst vielen Freunden
die jetzt ausliegenden Unterschriftenlisten! Ihr findet sie im
Immerhin, im H20 Plattenladen, im Kult, im Buchladen Neuer Weg, in der
“Musik Butik” und in vielen weiteren Läden und Kneipen! Achtung, die
Listen werden zum 12.10. wieder eingesammelt, also beeilt euch!
>>> Wir brauchen viele Stimmen für das Immerhin - also
schreibt eure Unterstützung, Meinung, Positives aller Art JETZT in
unser Gästebuch auf der Homepage http://www.immerhin-wuerzburg.de .
Wenn es nicht unbedingt sein muss, bleibt dabei nicht anonym.
>>> Wenn ihr wollt, schreibt Leserbriefe, in denen ihr auf
den Wegfall dieser wichtigen Kulturstätte aufmerksam macht! Dafür
bieten sich die bekannten Publikationen vor Ort an - Main Post, frizz,
neun7 usw.!
>>> Ihr könnt uns auch direkt helfen! Wenn ihr in Würzburg
ein Gebäude kennt, das für das Immerhin in Frage käme und realistisch
unterhaltbar ist, könnt ihr uns darauf aufmerksam machen. Mail an mich
genügt!
>>> Macht viele Leute auf die Lage aufmerksam, gebt diese Hinweise weiter!
Nachdem bereits das AKW weggefallen ist, besteht nun die ernsthafte
Gefahr, dass die Stadt Würzburg einen weiteren alternativen Kulturort
verliert. Das Immerhin hat mit geringstem Aufwand über lange Jahre
Dinge möglich gemacht, die viele Besucher, auch internationaler
Herkunft, sehr bewundert haben. Noch eine Bühne weniger in Würzburg?
Ich will es mir noch gar nicht vorstellen. Das Team des Immerhin steht
nach wie vor zusammen und sucht fieberhaft nach realistischen
Möglichkeiten. Wir haben bereits einige Akutmaßnahmen in die Wege
geleitet, z.B. einen offenen Brief, der an die Kulturstellen der Stadt
sowie an den gesamten Stadtrat ging. Dies soll für Aufmerksamkeit,
Fürsprache und Unterstützung sorgen. Wenn ihr das Immerhin mögt, dann
zeigt es und schreibt uns!”