Mit einer 180 Grad Drehung hielt er vor den Jugendlichen. Im ersten Augenblick wussten sie nicht wer hier angefahren kam. Aber das war auch nicht verwunderlich, denn die Ereignisse der letzten Stunden ließen jeden vernünftigen Menschverstand aussetzen. Selbst die Apokalypse wäre für alle Beteiligten glimpflicher abgelaufen und niemand hatte auch nur im Geringsten damit gerechnet, dass der schlimmste Albtraum der Menschheit mit einem Schlag eintreten würde. Das dramatischste an der Situation war allerdings, dass niemand auch nur im Ansatz wusste, woher die ganzen Untoten kamen und wie es überhaupt zu diesem ultimativen Fallout gekommen ist.
Alex sprang aus seinem Wagen und zitterte am ganzen Körper. Sein Gesicht war bleich und er konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Obwohl er sonst immer sich nie für einen kleinen Scherz zu Schade war, war seine Miene wie versteinert. Auch an ihm ging der vergangene Vormittag nicht spurlos vorbei. Er wirkte zwar noch sehr gefasst aber auch sehr verängstigt. Er öffnete die Seitentür und alle sprangen in den Wagen. Allerdings wurde die Gruppe von den noch nicht verbrannten Zombies bemerkt und der Transporter innerhalb von wenigen Sekunden umzingelt. Diese schlugen wie wild auf den Wagen ein und versuchten mit aller Macht in das Innere des Autos zu kommen. Anscheinend haben sie die Verletzung von Thomas gewittert und waren nun noch wilder als vorher. Laura schrie verzweifelt Alex an, dass er doch den Wagen starten sollte damit sie endlich die Flucht ergreifen könnten. Doch ließ er mehrmals die Schlüssel vor Angst und Hektik fallen. Als die Heckscheibe brach und die ersten Kreaturen ins Innere des Wagens krochen, schlugen Betty und Chris wie wild auf die Angreifer ein. Da Chris noch die Axt von Laura hatte, schaffte er es einer Bestie den Arm abzuschlagen, der nun zuckend in den Kofferraum viel. Mit einem Mal konnte Alex den Wagen starten und mit einem regelrechten Burnout verließen sie den Hof. Dabei wurden mehrere Untote überfahren und das Auto durchgeschüttelt.
Als sie zur Schranke vom Ausgang des Gewerbegeländes kamen hatte Basti eine Idee. Er sagte zu den anderen, das die Security, welche das Gelände eigentlich bewacht, doch mit Sicherheit einen Waffenschrank im Pförtnerhäuschen stehen hat. Deshalb hielt Alex neben dem Gebäude an und Chris und Basti sprangen schnell aus dem Wagen. Basti sagte zu den im Wagen wartenden Leuten, dass sie, wenn sie innerhalb von 10 Minuten nicht wieder draußen sein würden, schnellstmöglich das Gelände verlassen sollten.
Chris schlug mit der Axt die Scheibe ein und beide kletterten hinein. Da das Gebäude nicht direkt an den Komplex der Schule angeschlossen war, stand es glücklicher Weise noch nicht in Flammen. Allerdings war aufgrund des Brandes auf dem gesamten Gelände der Strom ausgefallen, weshalb es in den Räumen der Security stockdunkel war. Basti zog sein Feuerzeug aus der Tasche um wenigstens ein wenig Licht zu haben und beide gingen langsam immer tiefer in das Gebäude. Es herrschte im Inneren eine regelrechte militärische Ordnung. Der Schreibtisch war feinsäuberlich sortiert und die Stühle und Tische ordentlich ausgerichtet.
Sie kamen zu einer Tür auf der „Sicherheitsbereich" stand. Chris drückte die Türklinke nach unten und die Tür war seltsamerweise sofort offen. Sie betraten den Raum und hatten das Gefühl mitten in einen Mordschauplatz geraten zu sein. Die Spinte waren teilweise umgestürzt, die Drähte des Hundezwingers aufgebogen und an den Wänden und auf dem Boden war überall Blut verteilt. Chris musste würgen. In der Luft lag ein Duft aus Blut und rohem vergammelten Fleisch. Die Beiden atmeten schwer, doch mussten sie unbedingt den Waffenschrank finden. Sie gingen langsam um die Spinte und entdeckten auf einmal einen regelrecht zerfetzten Körper der wohl noch vor wenigen Stunden der Mensch von der Security gewesen sein musste. Über ihn stand eine Dogge, die ihm die Eingeweide schon teilweise rausgerissen und gefressen hatte. Basti erschrak und die Kreatur bemerkte die Beiden und setzte sofort zum Angriff an.
Chris reagierte geistesgegenwärtig und zerteilte den Höllenhund mit einem Schlag den Körper. Nun konnte sich Basti nicht mehr beherrschen und es schossen ihm Tränen in die Augen. Er fing an zu schluchzen und fiel zu Boden. Wir kommen niemals hier raus, schrie er und schleppte sich in eine Ecke des Raumes. Chris versuchte ihn zu beruhigen und redete auf ihn ein, dass sie es schon schaffen werden. Doch Basti wollte nicht auf ihn hören. Er sagte, dass auch seine Schwester in Berlin wohnt und sie bestimmt schon längst tot sei. Es würde alles keinen Sinn mehr machen und es wäre nur eine Frage der Zeit bis sie auch drauf gehen würden. Das wollte Chris das nicht hören. Seine Familie wohnte ja auch in Berlin und er hatte genauso Angst. Er wurde wütend, dass sich Basti mit einem Mal so aufgab und schlug mit der Faust gegen den neben ihn stehenden Metallspint. Auf einmal sagte Chris nichts mehr und starrte mit offenen Mund in den Schrank. Basti sah dies und fragte ihn was los sei. Er sagte, dass er sich das selbst ansehen sollte. So stand er auf und blickte auf sechs Schrotflinten, 2 P99 und jede menge Munition.