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Iris Schwarz

Iris Schwarz


Last Updated: 12/10/2009

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City: Berlin
State: Berlin
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Sunday, January 27, 2008 

Current mood:  validated

und noch ein ganz neuer Text

 

Iiih, oder mein Zimmer

„Iiih" kreischt meine kleine Schwester und schlägt die Tür zu meinem Zimmer zu. „Warum machst du denn die Tür auf, wenns so eklig ist?" frage ich sie. „Ich kann ja nicht ahnen, dass es in deinem Zimmer so stinkt." Erwidert sie frech. „Ach, und vor 2 Minuten hats noch nicht gestunken?" „Na ja, schon, aber hätt ja sein können, dass des inzwischen verflogen ist. Wieso lüftest du dein Zimmer nicht mal?" fragt sie mit diesem fiesen Kleinkindbesserwisser Grinsen auf dem Gesicht. „Weil es draußen fünf Grad unter null ist, und ich nicht die Umwelt heizen will. Ich mag unsere Nachbarn nicht, das sind die letzten, die von meinem stinkenden Zimmer profitieren sollen, indem sie selbst weniger heizen müssen." Kläre ich sie auf „außerdem, was glaubst du, warum es so kalt hier drin ist?" Sie hat schon wieder die Klinke in der Hand, öffnet kurz ruckartig die Tür zu meinem Zimmer, schreit „Iiih" und schlägt sie wieder zu. „Was willst du überhaupt in meinem Zimmer?" erinnere ich daran, dass schließlich sie es ist, die in meine Privatsphäre eingedrungen ist. „Interessiert mich halt, wie du so wohnst." Sagt sie und grinst frech, „was machst du eigentlich da drin, dass es so stinkt? Wusste gar nicht, dass du schon altersinkontinent bist." Sie freut sich. Sie weiß genau, in welche Wunde sie Salz streuen muss, damit es richtig weh tut. „Stimmt ja gar nicht," Rufe ich entrüstet, „du lügst doch. Und wenn, wäre es juvenil bedingte Inkontinenz. Ganz so alt bin ich dann doch noch nicht. Ein paar Jahre mach ichs schon noch, wirst ja sehen." „Wenn du meinst, also für mich riecht das nach Altersinkontinenz", sagt sie, öffnet die Tür zu meinem Zimmer und lässt einen Hauch des Odeurs entweichen. Schnell schreit sie „Iiih", knallt die Tür zu und feixt frech. Na warte! Aber ich weiß auch, wo ihre schwachen Punkte sind. „Müsstest du nicht allmählich zurück in den Kindergarten, Kleiner?" Sage ich betont auf dem r von Kleiner. Bingo! Das freche Grinsen ist wie weggewischt. „Wenigstens stinkts in meinem Zimmer nicht nach toten Ratten." Sagt sie beleidigt, öffnet die Tür meines Zimmers einen Spalt breit, schreit mir im weglaufen noch ein letztes schnelles „Iiih" hinterher und verschwindet in ihrem Zimmer, das bis auf ein bisschen Heuschreckenausscheidung völlig geruchsneutral ist.

Ich öffne die Tür zu meinem Zimmer ganz. Weiß gar nicht, was die hat. So schlimm ist es überhaupt nicht. Also wirklich, diese Jugend von heute, völlig verweichlicht. Ich war in dem Alter noch ganz anderes gewohnt. Aber ein klein wenig streng riechen tut es schon, ein bisschen aufräumen könnt eigentlich nicht schaden. Meine dreckige Kleidung könnt ich mal in Wäschekiste und Endablage sortieren, je nach Verwesungsgrad. Als nächstes wären dann meine vergammelten Rumkugeln dran, die riechen schon ziemlich krass, wie ich nach etwas näherer  Untersuchung schnell merke. Bei einem alten Brötchen zaudere ich lange. An der Pilzkultur habe ich über ein halbes Jahr gearbeitet. Dazu kommt, dass nicht nur die langweiligen grünen und weißen Pilze gediehen sind, sondern auch ein wunderschöner blauer, auf den ich sehr stolz bin. Ich beschließe es noch ein paar Wochen liegen zu lassen. Das muss jetzt aber auch reichen! Ratzi kann ich morgen noch begraben, mich stört sie nicht weiter, ebenso wenig wie das bisschen Urin, das sie mir hinterlassen hat. Von wegen Altersinkontinenz, so'n Schwachsinn. Höchstens juvenile.