Das klare Profil im dichten Arrangement.
Das überzeugende Débutalbum des
Winterthurer Pop-Duos The Homestories.
Ueli
Bernays ⋅ «Click-Click Clack-Clack» heisst
dieses Album, «Hello Hello» der erste Song. Die Musik entwickelt gleich einen
munteren Drive. Die Sounds wecken angenehme Erinnerungen. Die Melodie wirkt
irgendwie verquer, aber griffig. Hallo, hallo, grüsst man also zurück, freut
uns, The Homestories aus Winterthur kennenzulernen. Auch die weiteren neun
Stücke auf «Click-Click Clack-Clack» wirken facettenreich im Klangbild und
bündig im Arrangement. Und die Rhythmik sorgt stets für einen ansteckenden
Elan.
Da fragt
man sich freilich, welche Talente The Homestories vereint: Ernst David
Hangartner? Nachdem er sich in verschiedenen Bands der Reihe nach als
Gitarrist, Keyboarder, Drummer und Bassist versucht hat, setzt er sich jetzt
als Multiinstrumentalist in Szene. An einem Polterabend soll er zu früh einer
grossen Torte entstiegen sein – verführt eben durch den Sirenengesang Gabriela
Krapfs, die für den gleichen Anlass als Stevie-Wonder-Interpretin gebucht
worden war. Später fanden die beiden dann zusammen, bei den Homestories.
Gabriela
Krapf hat sich vor Jahren schon einen Namen als Sängerin gemacht, die vom Jazz
herkam. Und Anschluss beim Pop fand. In dieser Konstellation zeigte sie ihr
Können: Ausgerüstet mit einer hellen, klaren Stimme, bewegte sie sich souverän
in luftigen Instrumental-Arrangements und in poppigen Grooves zischen Swing und
Latin. Mit ihrer Band Lobith etwa erinnerte die Appenzellerin etwas an den
Pop-Jazz norwegischer Provenienz – an eine Rebekka Bakken, eine Silje Nergaard.
Inspirieren liess sie sich indessen auch durch Bands wie The Cardigans und
durch Songs von Björk und Feist.
Das schlug
sich nieder in ihren eigenen Liedern, in denen sie ein Gespür für Melodien und
Harmonien bewies. Manchmal mochte man sich fragen: Weshalb ist Gabriela Krapf,
diese Sängerin, die offensichtlich mit sehr viel Musikalität gesegnet ist,
nicht weltberühmt, sondern bloss stadtbekannt in Zürich? Wahrscheinlich fehlte
ihr bei aller stilistischen Flexibilität eben doch ein Quentchen künstlerischer
Unverwechselbarkeit. Und wo sich in den letzten Jahren junge Schweizer
Sängerinnen wie Sophie Hunger oder Heidi Happy mit grösster
Selbstverständlichkeit als Originale profilierten, hatte sich in die Projekte
von Krapf stets etwas zu viel Plan und Prätention gemischt. Fast hätte man sie
wieder vergessen.
Allerdings
setzt die 36-Jährige bei den Homestories kaum auf jazzige Verve und elegante
Phrasierung. Nonchalance und Lässigkeit verleihen ihrem Gesang einen fast
dilettantischen Anstrich. In hymnischen Refrains («Fireman», «Mini Bar») ebenso
wie in überraschenden Melodie-Fügungen («Istanbul») zeigt sich allerdings, dass
sie über ein tragkräftiges Stimmorgan verfügt. Das Klangkleid wird bei den
Homestories immer wieder gewechselt – schmutzige Gitarrenklänge gemahnen an Tom
Waits; die Elektronik markiert eine Verwandtschaft zu Elektro-Pop und Trip-Hop,
die Melodik spielt in den Folk hinein. Doch bei allen Einflüssen – das Duo hat
es geschafft, sich die diversen Inspirationen in einem profilierten Repertoire
anzueignen.