hey! this is an interview about d.i.y. and the label. it’s in german (sorry). liisa who asked the questions will do a small book with different interviews concerning d.i.y. // we’ll let you know when it’s out.
Froggi artist
Stephane Leonard also answerded the interview for his label Naivsuper.
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Wer bist du, wo lebst du, wie alt bist du?
Ich heiße Conrad, ich lebe in Berlin und bin 26 Jahre alt.
Was betreibst du im Speziellen? (Label, fanzine etc. ) ?
Ich schmeiße einen Laden namens Froggi Records. Das ist ein Audiokassetten Label.
Seit wann machst du das?
Hm, das ist nicht ganz so einfach zu datieren. Angefangen hat Froggi eigentlich mal als Klamottenmarke. Das hieß damals Froggi Style und sah so aus, dass ich mit Textilstiften einen kubistisch anmutenden Frosch auf T-Shirts malte. Meista Froggi, so der Name des Tieres, das immer noch das Label-Maskottchen ist, habe ich damals mit dem wundervollen Programm D-Paint auf dem Amiga 500 meines Bruders gemalt und weil wir keinen Drucker hatten, musste ich ihn mit Bleistift vom Bildschirm abpausen (draw it yourself). Nachdem ich die 5 oder 6 Shirts, die ich gemacht hatte, an Freunde oder mich selbst verschenkt hatte (wear it yourself) war der Bestand erschöpft und Froggi Style erledigt.
Um 1993 wurde die Band Die Spassverbreiter, in der ich mit meinem Schulkumpi und Nachbarn Carsten spielte sehr aktiv (hyperaktiv, ADS-style). Es sammelten sich so was wie Songs an und ich wollte die gerne zusammenstellen und ein Album, so mit Cover und allem (ja, wow!) daraus machen. Irgendwie lag der Name Froggi noch in der Luft und so hab ich dann das Records dran gehängt und "froggi:1" auf die drei oder vier Exemplare von "Scheiss Sender" geschrieben, die ich damals gemacht hab. Long story short: so ’93 / ’94 gab’s das erste Tape, aber 2000 / 01 ging es erst los mit so 20er-Auflagen und dem Gedanken, dass sich ja Leute wirklich für die Musik interessieren könnten.
Warum und Wozu?
Ursprünglich kam das mit den Tapes ja aus einer Notwendigkeit heraus. Das war damals einfach das einzige verbreitete Medium, das man so einfach zu Hause bespielen konnte. Später kam dann noch dazu, dass so was wie Demo-Tapes auf einmal total ausgestorben waren. Die CD-R feierte ja einen recht schnellen Siegeszug, aber ich wollte einfach bei der Kassette bleiben. Mir liegt es am Herzen, eine als anachronistisch abgestempelte Sache am Leben zu halten, entgegen Trends und vermeintlichem Fortschritt. Es geht mir aber nicht um so ein bloßes Retro-Ding wie bei Kassettenmustern auf H&M Pullis, sondern darum, dass das Medium wirklich anders ist: von der Einfachheit des auf den Rec-Knopf Drückens bis zum hörbaren Verschleißen. Außerdem soll eine Alternative geboten werden, abseits des gängigen großen Marktes mit seinen gängigen Formaten und Vermarktungsstrategien. Nur weil Sony und Universal keine Kassetten raus bringen heißt es ja wohl nicht, dass diese Form von Tonträger tot ist.
Wer hilft dir?
Verschiedene Freunde helfen mir beim Schneiden, Malen, Kleben, Falten, Drucken usw. Und ich habe jetzt den lieben Johannes eingestellt. Ich hoffe, dass der auch buchhalterisch was auf dem Kasten hat - das wär’s!
Was spielen Netzwerke für eine Rolle für deine Arbeit?
Ich glaube, sie könnten eine weitaus größere Rolle spielen, wenn ich sie aktiver aufbauen und nutzen würde. Wenn man ein Label in so einem Kleinstrahmen hat und einem natürlich keine Gelder für Promo und so zur Verfügung stehen, dann hilft nur Weitersagen. Die Bands und Projekte, die bei Froggi erscheinen sind natürlich Hauptbestandteil meines Netzwerkes. Für sie mache ich die Tapes und sie verkaufen sie dann eben.
D. I. Y. heißt immer auch Improvisation, oder?
Ja, Improvisation und alles auf den letzten Drücker machen! Bis jetzt war es bei fast allen Releases so, dass ich hier und da etwas Vorarbeit geleistet habe aber dann immer zwei Tage vor ’Veröffentlichung’ total viel Arbeit und Stress auf mich zu kam. Aber das Gefühl, das man dann hat wenn man das fertige Ergebnis vor sich hat ist absolut super! Man muss improvisieren und anders denken vor allem weil man nicht die Kohle für eine große Produktion hat, diese Improvisation fördert kreative Lösungen. Es „nicht richtig" machen und dabei cooler sein als die Großen - super Sache!
Was bedeutet dir D. I. Y?
Ich glaube, es ist im Grunde das, was für mich Punk bedeutet. Ich sehe eine ganz enge inhaltliche Verbindung dieser beiden Begriffe. Nachdem das bloße Wort ’Punk’ einem ja schon lange nichts mehr zu sagen hat und eigentlich zur leeren Formel geworden ist, stellt D.I.Y. für mich etwas dar, womit ziemlich gut beschrieben werden kann, worum es Leuten geht, die mit Punk wirklich noch etwas verbinden und darin mehr sehen als eine Art sich zu kleiden und die gleichen Bands zu hören. Mein Verständnis von Punk und D.I.Y. bezieht sich eher auf eine Einstellung als auf eine spezielle Szene oder so. D.I.Y. heißt für mich an etwas glauben und es aus Überzeugung und Spaß daran tun, alternative Wege nutzen, Alternativen aufzeigen, innovativ sein und dabei als Letztes ans Geld denken! Ist das eine Lebenseinstellung oder gehört es nur so zum Leben?
Für jemanden, der D.I.Y. lebt, gehört es natürlich zum Leben dazu – nicht nur so. Wenn man eine gewisse Lebenseinstellung hat und die nicht nur ein gekaufter Lifestyle aus einem Modemagazin ist, wird das ganze einen schon maßgeblich in dem, was man tut und wie man das tut, begleiten. Wahrscheinlich fängt es aber mit D.I.Y. immer bei der Notwendigkeit an. Eine Band, die ihre Platten bei einem großen Label veröffentlicht, wird sich kaum morgen an den Küchentisch setzen um dort auf einmal anzufangen, selber Papphüllen für ein MD-Release zu bekrekeln und zu falten („Oh, Mist! Voll in den Majofleck gerutscht, Campi!"). Man fängt D.I.Y. an, wenn man es muss und die Ästhetik und den Wert darin versteht.
Wo hört D. I. Y für dich auf?
Da lässt sich keine einfache Trennung machen. Für manche hört es da auf, wo es anfängt, dass man von dem was man da so macht leben kann. Finde ich zwar Quatsch, ist aber ein sehr interessanter Punkt. Wenn man Musik oder andere Kunst macht, die einigermaßen gut und ehrlich ist, muss man unter Umständen schon herbe Kompromisse eingehen, wenn man davon leben will. Das geht für mich Hand in Hand mit der Frage, ob man ’seine Passion zum Beruf machen’ will. Man befindet sich dann auf diesem schmalen Grad: Kann man davon leben ohne sich zu verbiegen oder ist es nicht ohnehin viel authentischer ein anderes Leben neben der Musik, dem Malen, Photographieren (...) zu haben? Beide Seiten können sich gegenseitig befruchten. Ein tolles Beispiel für so geartetes D.I.Y. Dasein:
Ich habe an Silvester Nate Kinsella von Make Believe / Joan of Arc getroffen. Das ist einfach ein Haufen von Leuten die ja mal so was von kreativ und produktiv sind, dass man allein an der Masse von Releases, die die raus bringen denkt, dass die nichts anderes machen. Aber das auf einem absoluten Independent Level. Ich hab ihn gefragt, ob sie davon eigentlich leben können, oder was die sonst alle machen und er meinte, dass die Kinsella Familie sich mit Kellnern und ähnlichen kleinen Jobs über Wasser hält. Und darüber wird dann mitunter eben auch gesungen wie bei Owen: „My brother the bartender, I tip him well and i drink for free." (drink it yourself). Mit einem Minimum auszukommen, um dann immer wenn es möglich ist auf Tour zu gehen oder ein neues Album aufzunehmen – spitzen Sache.
D.I.Y. hört für mich nicht in dem Moment auf, in dem man sich ein solches von-der-Hand-in-die-Kunst Leben nicht oder nicht mehr vorstellen kann – aber davon träumen und es im Kleinen verwirklichen sollte man können.
Hat D. I. Y viel mit deiner musikalischen Sozialisation zu tun? In welcher Subkultur hältst du dich auf?
Ich glaube, man kann an den sehr unterschiedlichen Stilen, die bei Froggi vertreten sind sehen, dass die Eindrücke und Einflüsse aus den unterschiedlichsten Richtungen kommen. Allerdings denke ich, dass in einigen Subkulturen / Szenen das Selbermachen und das Selbstgemachte mehr wert geschätzt wird als in anderen. In Hip Hop Kreisen ist es doch zum Beispiel schon eher wichtig, dass man es dann irgendwann „geschafft" hat und man redet die ganze Zeit vom Kohle machen. Eine CD-R in einer Verpackung aus dickem Karton mit Kartoffeldruck kommt da doch schon eher unfresh, oder?
Sicher lassen sich vielerorts Do It Yourself-Attitüden finden, aber ich für meinen Teil bin schon eindeutig durch Hardcore / Punkrock geprägt, wo diese Haltung, dieses Ideal, zum maßgeblichen Teil herkommt und meiner Meinung nach eben besonders hoch gehalten wird. Ich würde diese Richtung mehr oder weniger als meine Wurzeln und die des Labels sehen. Aber D.I.Y. kann überall dort entstehen, wo jemand sich über die vorgegebenen Pfade hinwegsetzt und neue begeht, neue Arten zu Denken findet und Alternativen für sich und für andere durchzusetzen versucht.