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Vyn Digit


Last Updated: 11/30/2009

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City: Suburban Cologne
State: Nordrhein-Westfalen
Country: DE
Tuesday, December 02, 2008 5:51 PM


Fusion 2008 - Kapitel 13c
Rakete Stufe III 'Der Schlaf der Gerechten'


Es schneite Sonnenstrahlen vom Himmel und farbiger Sand rieselte vom Boden zum Himmel hinauf, wie in einem Stundenglas, in einer gravitationslosen Welt. Irgendwo in der Mitte trafen Sand und Sonne aufeinander und bildeten kreiselnde, funkensprühende Galaxien. Ich befand mich in einer Freilichttropfsteinhöhle. Und dort, irgendwo rechts von uns musste der Strand sein. Ich hörte deutlich das Rauschen der Wellen und schmeckte die salzige Luft auf meiner Zunge. Die Eingeborenen um mich herum feierten ihr Jahresfest. Die Musik hallte wie in einem Saal dessen Decke, tausende Meter über uns, ein Gemälde aus, von unten pink und orange angestrahlten Wolken bildete. Immer wieder flogen Vögel oder Feuerwerksraketen, wie Mäuse unter einem Teppich, hinter dem Bild durch, das sich mir wie einen nasse Leinwand auf die Augäpfel gelegt hatte. Ich fühlte mich leicht beduselt und von unsichtbaren Armen getragen... als es plötzlich 'WUUUSCHhhh...' machte und alles völlig klar und irreal real erschien. Wie konnte das sein? Eben noch dieser benommene Zustand und urplötzlich erschloss sich mir eine Welt in kristalliner Schärfe und vollendeter, fast heiliger Geometrie. Alle Objekte überzogen sich mit unsichtbaren, jedoch vorhandenen Vektoren. Die Luft, die ich einsog, bestand aus lauter unendlich kleinen, geometrischen Partikeln, Dreiecken, Quadraten, Rechtecken und Trapezen. Alles fügte sich aneinander und bildete eine 4-dimesionale, wabernde Decke. Musik und Gerüche, Wind und Temperatur wurde in dieser Matrix sichtbar. Als hätte etwas oder jemand meine Sensorik entschlüsselt, konnte ich mit jedem meiner Sinne jeden beliebigen Reiz erfassen. Und dann war alles wieder vorbei und schwer nachvollziehbar. Wie Geburtswehen holten mich, sich ständig neu erfindende Zustände ein und immer wieder zwischendurch war alles so normal, als hätte es das letzte Traumbild nie gegeben.


Nach einem erneuten Locationwechsel zu den Bachstelzen, auf dessen Weg Staliban und Ich wie die Gebrüder Catweazle, mit unseren Händen und Fingern vor den Gesichtern der uns anlächelnden Entgegenkommenden, mystische Zauberformeln pantomimisierten, tanzten wir wieder mit schier endloser Kraft, wie menschliche Perpetuum Mobiles. Als S-Pirelli und Staliban nach einer Zeit, die mir unendlich erschien, die Tanzfläche durch den Notausgang verließen, war ich mir sicher, dass die beiden den Heimweg antraten. Irgend etwas an ihrer Gestik hatte mir ein scheinbare Unsicherheit der beiden vermittelt. Die Sonne strahlte warm auf mich herab und begrub mich in den Armen ihrer Obhut. Ich sah mich um und stellte fest, dass der größte Teil der Gruppe den Spielplatz schon verlassen hatte. Die Abstände zwischen den Traumbildern wurden zunehmend größer und nach einer anstrengenden Nacht beschloss ich, als vermeintlich letzter Überlebender unseres Trupps, den Rückweg in den behütenden Kreis unserer Zelte zu suchen.
   Der Weg war lang, beschwerlich und wie ein Abenteuer in einem fernen Land. Bilder von Zelten, Autos und Menschen zerflossen zäh in meinen Augenwinkeln und dennoch war ich erfüllt von weicher Zufriedenheit, grenzenloser Freiheit und einer ganz eigenen Form der Leichtigkeit. Meine Füße schmerzten bei jedem Schritt, obwohl sie den Boden nicht mal berührten. Die Decke meines Schädels hatte sich oberhalb meiner Augen vom Körper abgelöst und schwebte einige Zentimeter über meinem Kopf, das sorgte für ausreichend Kühlung am Motor meines irdischen Fortbewegungsmittels. Milch trat unter meinen Fingernägeln hervor und tropfte links und rechts neben meinen Füßen auf die Holzspäne, die auf die Wege geschichtet worden waren. Während sich mein Unterkörper automatisiert weiter geradeaus bewegte, drehte ich meinen Oberkörper um 180 Grad nach hinten und stellte fest, dass aus den Milchtropfen am Boden weiße bis rosafarbene Lotosblüten sprossen. Ich hob meine Hände und betrachtete die Innenflächen. Tiefe Falten bildeten ein urzeitliches Relief, ein indianisches Muster, dass sich in seinen Furchen mit der, aus meinen Fingerspitzen quellenden Milch füllte. An den Seiten meiner Handflächen, dort wo die Milchbäche über den Rand flossen, entstanden Miniaturfälle, die aus Dalís Gemälden entliehen sein konnten.

Ich erreichte den Zeltplatz, während Alexandra die Große ihn gerade verließ. Dennoch war ich nicht der einzige vor Ort. O'Melly beispielsweise, hatte den Kampf gegen die Fusionkäfer aufgegeben, die sein Zelt mittlerweile, wie ein Wildbienenstaat bevölkerten und bei jedem Öffnen der Zelttür Traubenweise in sein Zelt tropften. Resigniert hatte er sich im Schatten des Mietbusses auf einer Isomatte ausgefaltet, war dort eingeschlafen und zog sich gerade einen 50-prozentigen Face Sunburn zu, da nur noch eine Hälfte seines Kopfes im Schutze des Gefährts weilte. Ich dachte darüber nach, ob ich ihn wecken sollte, um Schlimmeres zu verhindern, merkte aber, wie sich das Gefühl von Hunger aus meinem Inneren heraus schälte und  mich in den bösen Bus trieb, wo diverse vergessene Essensvorräte in ihren Originalverpackungen auf dringenden Verzehr warteten. Mein Frühstück sollte aus Oliven in warmem Saft, schwitzenden Kabanossis und salzgeschwängerten Kartoffelchips bestehen. Dazu wurden nutzlos in Wasser aufgelöste Vitamin C- und Magnesiumtabletten gereicht. Den Abschluss des Festmahls gestaltete eine Packung Kindercerialien in braunweißer Zuckercreme...
Das darauf folgende Völlegefühl sollte mich noch einige Stunden begleiten.
   Als ich O'Melly weckte, trafen Staliban und S-Pirelli ein, welche mir auf meinen scheinbar vorwurfsvollen Blick hin erklärten, mich einige Zeit gesucht zu haben, weil ich so plötzlich verschwunden sei. Hmm... Ich dachte nicht weiter darüber nach. Es folgte ein idyllischer Vormittag mit ausgiebigem Rumgelümmel auf der Wiese. Hier und da glühte zuweilen ein Indianerfeuer.

Am Abend dieses Sonntages hörten wir kollektiv Fußball im Radio aus den scheppernden Boxen unseres Busses und als es langsam dunkler wurde kroch ich in mein Zelt, schloss erfüllt die Augen und schlief den Schlaf der Gerechten.

Disclaimer:
Namen und Orte, sowie Tatsachen und Stimmen in diesem Bericht wurden
zum Schutze der beteiligten Personen oder zur Dramatisierung der
Geschichte teilweise geändert oder vollkommen unkenntlich gemacht.





FotoSally.de

 
dauert gar nicht mehr so lange, dann kannste neuen stoff für deine geschichten sammeln...........:)
 
Posted by FotoSally.de on Tuesday, March 17, 2009 - 3:48 PM
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