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Sven Wernau



Last Updated: 12/14/2009

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Status: Single
City: Berlin
State: Berlin
Country: DE
Signup Date: 7/16/2008

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Friday, July 18, 2008 

Category: Music

Artikel aus der Morgenpost 7.1.2001




Erst nach dem Tod von Sven Wernau kam seine CD heraus
Die Chefin der Disko "Milli Vanilli" bekam zu Weihnachten die Musik Ihres verstorbenen Sohnes Sven. Bekanntlich erhalten viele Künstler erst nach Ihrem Ableben die Anerkennung um die sie zu Lebzeiten kämpften. Seit vielen Monaten fehlt in der Szene der Stadtbekannte U-Bahn-Saxophonist Sven Wernau, der heute 34 Jahre (42 Jahre- Anm. d. Autors) alt wäre. Eine CD erinnert nun an den begabten Musiker.

Ein schöneres Geschenk hätte es für die 53 Jährige Mutter Ingrid Wernau, die einst Inhaberin der kleinen Charlottenburger Diskothek "Milli Vanilli" war (Knesebeck-/Momsenstraße), nicht geben können: 22 Monate nach dem Tod Ihres Sohnes Sven durch eine Überdosis Heroin brachte ihr die Berliner Jazzrock-Band "Varek & the Lemon Rock Band" eine Brandneue CD, auf die einige auf Tonbändern konservierte Saxophonparts Ihres verstorbenen Kollegen Sven eingemixt wurden; am Schlagzeug der bekannte EX-Spliff-Drummer Joe DI Carlo. In den 80ern der kleine "Sveni", wie er in Club-Kreisen hieß, ähnlich wie Ben Becker - als Szene-Kid ganz groß seinen 15 Geburtstag im "Dschungel".

Nacht für Nacht trieb sich der Junge, der für Chet Baker und Miles Davis schwärmte, mit älteren in Clubs und Diskos herum - und wurde wie seine großen Idole heroinsüchtig. Das Geld für den Stoff schaffte der Autodidakt mit Auftritten in der U-Bahn an, die Passanten in den Schächten und Waggons warfen ihm Münzen in die Öffnung seines Instruments. Wenn seine Freundin vor dem Kaffee Kranzler den Hut für Ihn kreisen ließ, rollte der Rubel. An Spitzentagen verdiente Sven 800 Mark; Bis zum nächsten Schuss. Die Nächte zog er um die Häuser oder traf sich mit Musikern in Übungskellern zu Jam-Sessions und suchte Gigs in Clubs.

Manchmal durfte Sven sogar in Quasimodo mitspielen. Der junge Tenorsaxophonist Sven Wernau war in der Musikszene stadtbekannt, das RTL-Frühstücksfernsehen sendete ein achtminütiges Porträt über den U-Bahn-Bläser. "Von klein auf wollte er Musiker werden", erinnert sich seine Mutter stolz, die damals noch nicht ahnte, wie tief ihr kleiner schon im Drogensumpf steckte, aus dem er sich mit einem Methadon Programm zunächst aber noch einmal heraus-kämpfte.

Zweifel an der Freizügigkeit, die sie ihrem Sohn während dessen Pubertät gewährt hatte, waren Ihr kaum in den Sinn gekommen, zumal sie ihren Sveni selten aus den Augen verloren hatte. Zwar suchte der Adoptivvater den Sohnemann so manche Nacht in Clubs, doch auch während Svens Eskapaden pflegten Mutter und Sohn besten Kontakt. "14 Jahre führte ich Nacht für Nacht meine Disko. Es waren die besten Jahre meines Lebens", resümiert die Frau, "da bediente ich prominente Gäste wie David Bowie und Frank Zappa auch Ulrike Meinhof und Andreas Baader kamen öfter. Heute verkauft sie als Strickdesignerin Damenpullover auf dem Kunstmarkt an der Straße des 17.Juni.

Der 16 Februar 1999 war der schwarze Tag ihres Lebens. Da kam sie von einem Kurztrip aus Saloniki zurück, packte ihre Koffer aus, legte die Post vom Polizeipräsidenten beiseite mit dem Gedanken "wohl mal wieder falsch geparkt"; Und dann las sie das Schreiben: "Zu unserem Bedauern teilen wir Ihnen mit, dass Ihr Sohn… Wir bitten Sie, sich um die Beisetzung zu kümmern".

Das Nachtleben des kleinen Sveni: Viele Jahre Heroin Kokain, Methadon, Alkohol in Form von Bier, Hepatitis C, Chemotherapie- eine klassische Drogenkarriere. Selbst seine Mutter weiß nicht genau, woran ihr Sohn zerbrach. Aus heiterem Himmel- er war bereits ein Jahr clean- hatte sich der damals 32-Jährige Kokain und Heroin besorgt und sich das Gemisch gespritzt. Die Sängerin Helena schaute durch die halbgeöffneten Rollläden seiner Parterre- Wohnung in Prenzlauer Berg, sah ihn reglos auf seiner Matratze liegen und alarmierte die Polizei.

Sein Saxophon gab Ingrid Wernau dem Sohn als Grabbeigabe auf dem ST.-Matthäi-Kirchhof in Schöneberg unweit der letzten Ruhestätte der Gebrüder Grimm. Bei der Beisetzung sang der New Yorker Bluessänger Steve Young Gospels. Im Nachlass fand die Mutter ein weiteres Demo-Tape mit eigenen Kompositionen und feinsten Jazzaufnahmen. Und die Widmung "für Sven" auf einer Zigarettenschachtel von Michael Brecker, Amerikas großer Saxophonist.

Der Herzenswunsch der Mutter ist, das Lebenswerk ihres Sohnes in die Hände eines guten Produzenten zu geben. "Damit seine Musik in der Jazzwelt weiterleben wird. Das bin ich Sven schuldig".