Nachdem Wayne Hussey erneut seiner Band The Mission (UK for some) eine Auflösung gönnte,
wartete nicht nur der geneigte Fan auf eine Fortsetzung seines
musikalischen Schaffens. Nachdem er seiner Solo-Unplugged-Tour im Jahre
2002 durch geniale, authentische und das Publikum einfangende
Bühnenpräsenz einen fast schon legendären Touch verliehen hatte, durfte
man zumindestens die Hoffnung hegen, er würde diese in breiterem Rahmen
wiederholen.
Aber was gehört, mit aufgelöster Band zu einer ordentlichen Tour? Richtig. Ein neues Album!
Am 23.10.2009 kommt nun endlich “Bare” zu den Plattendealern eures Vertrauens.
Und dieses Album lässt uns träumen. Nicht nur an uns wichtige Dinge
während wir es hören, sondern auch von einer erneuten Unplugged Tour
des Meistergitarristen, mit dem Hang zur Publikumskonnektivität. Wenn
ein Künstler seines Formates die Coverversion eines Songs live on stage
dar bietet, könnte man noch von Herzensangelegenheit sprechen, packt
man diesen als ersten Song auf seine Solo-Scheibe, muss es Liebe sein.
The Cure’s “A Night Like This” bildet den Opener zur CD
und hoffentlich auch zur nächsten Tour. Gefühlvoll interpretiert und
mit Wiedererkennungs- und Wiederreinwerfenwert ausgestattet introniert
der Song das Album und verleitet den Genießer und Träumer dazu, alle
Erwartungen, Vorurteile und Schemata fallen zu lassen, um sich, die
Waffen streckend (an Kritiker) dem Gefühl hinzugeben, in bekannten
Wässern neu aufzuleben.
“Zuhause” ist sicher so ein Gefühl.
Wo wir auch schon beim zweiten Song “Keep It In The Family”
(The Mission – God Is A Bullet) wären. Hatte man sich bereits an die
fast schon Pop-verehrende Version des Originalalbums gewöhnt, wird man
nun mit einer gefühlvollen, puristischen Version verwöhnt, welche
Schlüsse ziehen und Hoffnungen auf eine Unplugged-Tour in uns keimen
lässt.
Fortgesetzt wird Gefühl und Wunsch durch “Black Mountain Mist”
(The Mission – Children), welcher genau in dieser Form auch gut Live
aufgeführt worden sein kann oder könnte, aber zu dem live und kann
kommen wir ja noch – bei den 4 Bonustracks.
Kennt jemand U2?
“With Or Without You” ist in einer windigen Nacht des Jahres 1987 aus Bono Vox’s Griffeln gerutscht.
Kann ja mal passieren…Auch wenn ich zugeben muss, ein paar U2 Songs
lässig zu finden und das 2009er Konzert in Berlin genossen zu haben,
beschämt es mich in keinster Weise, dass der Übergutmensch Bono in
Wayne seinen Meister gefunden hat. Zumindestens ist die Coverversion um
einiges authentischer und der einzige Makel, wollte man ein Haar
finden, wären die billigen Drumsamples im Hintergrund. Mit FruityLoops
wären sie schlimmer gewesen.
Bei “Shelter From The Storm” bin ich mir nicht ganz sicher,
da ich das Original seit Ewigkeiten nicht mehr im Ohr habe, ob die
Coverversion gut gelungen ist, oder nicht. Auf jeden Fall sollte der
Song im Original von Bob Dylan sein, wenn ich nicht irre und selbst
wenn man den alten Sack nicht kennt, kommt Wayne mit einer sehr
schönen, puristischen Version daher, die einläd, mehr hören zu wollen.
Inzwischen ist unser Herz mehrmals gebrochen und
auch der stärkste Egomane braucht eine Auszeit. Da kommt uns doch
“Garden Of Delight” (The Mission – Gods Own Medicine) gerade Recht.
[request for a smile] An dieser Stelle möchte ich kurz darauf
hinweisen, dass Andrew Eldritch, respektive The Sisters Of Mercy ohne
Marx, Adams und Hussey diesen Track gerne auf Rare- oder
Utra-Rare-Alben verhökert…
Fakt ist: Andrew wollte diesen Song niemals veröffentlichen.
Erst nach der Trennung und dem (hoffentlich)
Erkennen, dass der Song spitze ist, wurde eine Demo-Vorabversion unter
dem Namen Sisters Of Mercy käuflich erwerbbar. Traurig, dass er nicht
vorher gemerkt hat, wie kreativ seine damaligen Mitstreiter waren…Nicht
umsonst hieß das Debütalbum von The Mission “Gods own medicine”…Aber
genug von Andrew. Leiten wir über zu den Beach Boys…
“Surfin’ U.S.A.” wa?
Wer die Beachies auf solche Kassenknaller reduziert,
der hat leider keine Ahnung. Nicht umsonst besitzt Die Letzte Enklave
Des Guten Geschmacks von ihnen drei Alben. Und glaubt ihr mir nicht:
David Bowie, sicher nicht als Pop-Hijacker bekannt, coverte schon auf
der “Tonight” (1984) diesen Song. Und das mit Recht. Hatte man sich
schon fast an die geniale Konzertgitse gewöhnt, kommt Wayne in diesem
Song mit einem Klaviersound daher, der dem Thema angemessen ist. Zum
Glück hatte er im Studio keine Seppels unter seiner Fuchtel, so daß es
zu keinen Pannen kam, wie z.B. auf dem M’Era Luna Konzert.
Als zweiten Song vom letzten The Mission Album “God Is A Bullet”
hat Wayne “Absolution” ausgewählt. Da ich persönlich die Scheibe nicht
so berauschend fand, überraschte es mich doch, dass Erster und nun auch
der zweite Song lässig um die Ecke schwabbern und man sich wünscht,
Titten griffbereit zu haben. Die Eigenen, oder exorbitanterweise die
einer Lieben. Der Gitarrensound korrespondiert diesmal sehr gut mit den
tiefen Bassdrums, die den Träumer an seinen Herzschlag erinnern lassen.
Von der “Neverland” adaptiert kredenzt uns Wayne
“Stars don’t shine without you”. Als ich mir 1995 das Album kaufte,
dachte ich bei dem Song:”Boah, wie kann man einen so kurzen Text mit
zwei guten Metaphern auf über vier Minuten aufblasen?”. Auf der “Bare”
kommt er endlich in angemessener Kürze heraus. Damit möchte ich nicht
schreiben, dass der Song überhörbar ist – Im Gegenteil. Endlich hat er
in dieser Länge und Puristik sein Zuhause gefunden.
Ein Zuhause, da dort geboren hatte “My Sweet Valentine” in dem
Musical “Babes In Arms”, welches von Richard Rodgers komponiert wurde,
der Text stammt aus der Feder von Lorenz Hart. Die bekannteste
Coverversion ist wahrscheinlich das epochale Werk vom Mafia…achnee, die
gibt’s ja gar nicht…vom “Unsere Sache”-(Cosa Nostra)-Freund/Lakai Frank
Sinatra. Ich musste bei Waynes Version direkt an And Also The Trees’
“When The Rains Come” denken und das gefiel.
“Grains Of Sand” gebar Song Nummer Elf. Warum
dieser Song neu interpretiert werden musste, bleibt mir ein Rätsel,
vielleicht ist es ein Song, der Wayne besonders wichtig ist. “Love,
come wing your way.” Vögel sind freie Wesen und wenn man sie fängt,
vergehen sie. Mann kann nur hoffen, dass sie bleiben. “Sweet bird of
passage, come home to stay”.
Da nun schon wieder ein Song aus der “God Is A Bullet”
auf dieser wundervollen Scheibe aufkreuzt, werde ich langsam aber
sicher genötigt, mir diese nochmals anzuhören. Aber was soll man von
einer Promo-Scheibe halten, welche man euch, den Hörern präsentieren
möchte, auf der in jedem Song dreimal “You are now listening to a
promotional copy of ‘god is a bullet’.” reingetrötet wird? Gut, ich
habe sie mir danach auch noch gekauft, aber die Lust war mir irgendwie
vergangen…
Egal, Grotesque ist ebenfalls gelungen, sticht aber nicht hervor.
Kennt eigentlich noch einer “The Fixx”? Ja, ist ne
Band…Ich kannte sie und deshalb war ich überrascht, auf der Tracklist
von “Bare” ihren Song “One Thing Leads To Another” zu sehen. Neben der
“Oh, wie geil.” Überraschung ergaben sich noch drei weitere
Überraschungen. Erstens ist “One Thing Leads To Another” gar keine
Coverversion, sondern (zweite Überraschung) ein brandneuer Song von
Wayne. Die Dritte darf jeder für sich erfahren, wenn er das Album
genießt. Hallende Drums, leiernde Gitarre….Oh, SPOILER!
Ich hoffe für euch, dass die vier Bonustracks mit auf der normalen
CD sind, ansonsten würde ich sogar so weit gehen und die
Dingsbumsspecial-Edition zu kaufen, denn im Anhang gibt es noch vier
Liveversionen aus dem Bochumer Konzert des Jahres 2008.
Definitiver Kaufbefehl aus Der Letzten Enklave Des Guten Geschmacks! Tune In, Turn On, Burn Out!
Und ich lege, von Wayne inspiriert seit Ewigkeiten mal wieder
die Nadel auf eine Beach Boys Platte. Zu lange ist es her…danke Wayne.
Tracklist:
01. A Night Like This
02. Keep It In The Family
03. Black Mountian Mist
04. With Or Without You
05. Shelter From The Storm
06. Garden Of Delight
07. God Only Knows
08. Absolution
09. Stars Don’t Shine Without You
10. My Funny Valentine
11. Bird Of Passsage
12. Grotesque
13. One Thing Leads To Another
Bonus Tracks:
14. Another Lonely day (live)
15. Kingdom come (live)
16. Ashes to Ashes (live)
17. All Tangled up in you (live)