All Jene enttäuschend, welche ihr Debüt “The Back Room” für
den Gipfel des neuartigen Wave hielten, Folgesongs á la “An Eye For An
Eye” oder “Find Yourself A Save Place” vergötterten oder die
Vorgängerscheibe “An End Has A Start” für grandios erachteten,
veröffentlichten die Editors am 09.10.2009 ihr neues Album. “In This
Light And On This Evening” ist ein Meisterstück gegen alle Dauernörgler.
Bands wie Interpol, She Wants Revenge oder Kaiser Chiefs wurde vorgeworfen,
bei ihren Neuveröffentlichungen entweder gleichförmig oder zu poppig
geworden zu sein. Die Editors gehen einen anderen Weg. Sie wechseln
schlicht das Genre.
Als ich das erste Mal die neue Scheibe gehört habe,
raste sie wie ein Sturm durch meine Gehörgänge und nach dem letzten
Song dachte ich: “Wow, überrumpelt, nackig gemacht und nun schon
vorbei?” Denn die Texte sind wie gewohnt erstklassig und hinterlassen
bei dem wie mir Überrumpelten das Gefühl, eine Nutte jeglichen
Geschlechts zu sein. Mit anderen Worten: Das Album ist genial, auch
wenn es viel zu kurz ist und jenen widerstrebt, die wenig wandelbar
sind.
Den Titelsong direkt am Anfang zu bringen ist schonmal merkwürdig,
kommt einem aber nach Durchhören logisch vor. Vielleicht als
Handreichung oder für Kenner der R.E.M. “Orange Crush” Coverversion
entwickelt sich der zweite Song “Bricks and Mortar” zu einer Hymne –
wobei ich mich frage, woher ich die Keyboard-Harmonie kenne…die ist
doch aus irgendeinem alten Film entlehnt, oder?
“Papillon” knallt direkt ins Ohr und wäre nicht die
geniale Stimme von Tom Smith und ein hörbarer Text, könnte die Nummer
auch gut von Scooter sein. Zu hart? Vielleicht. Etwas entspannter geht
es bei “You Don’t Know Love” zu, aber Verwandschaft ist zu erkennen…und
auf das “Haa-a-haa” hätte gut verzichtet werden können. An The Frozen
Autumn lässt “The Big Exit” erinnern, macht aber nichts. Denn “The
Boxer” reißt es ja wieder raus, der uns an Dido erinnern lässt.
Trotzdem zwei gute Songs, oder vielleicht eben deswegen?
“Like Treasure” eröffnet uns zumindestens anschließend ein Fenster,
um spekulativ zu beobachten, ob Ian Curtis heutzutage nicht ähnlich
klingen würde. Vielleicht weniger “breit” im Sound, aber irgendwas ist
ja immer…”Eat Raw Meat = Blood Drool” ist zunächst einmal titulär ein
angenehmer Wortwitz. Auch drängt sich der Verdacht auf, eine
Solidarisierung mit Morrissey käme des Weges. Weit gefehlt. Liebessongs
sind im Ansatz nie neu, aber die Wortkombinationen dieses Songs sind
zumindestens sehr interessant. “Walk The Fleet Road” bildet den
Abschluss des Albums, lässt aber nicht nur musikalisch ein offenes Ende
zurück…
Mir hat es sehr gefallen, endlich erfrischend Neues auf die
Ohren, von daher gibt es auch einen Kaufbefehl aus Der Letzten Enklave
Des Guten Geschmacks.
Tracklist:
1. In This Light and On This Evening
2. Bricks and Mortar
3. Papillon
4. You Don’t Know Love
5. The Big Exit
6. The Boxer
7. Like Treasure
8. Eat Raw Meat = Blood Drool
9. Walk the Fleet Road
Disk 2 (Limited Edition)1. This House Is Full Of Noise
2. I Want A Forest
3. My Life As A Ghost
4. Human
5. For The Money
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