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Wir haben mit einigen Genoss_innen beschlossen, gegen die
alljährlichen homophoben und sexistischen Auswüchse des
Chiemsee-Reggaefestivals etwas zu unternehmen. Hier der offene Brief an
die Veranstalter_innen des Festivals, neben dem Brief wird es Aktionen
vor Ort und vielleicht Stellungnahmen von Musiker_innen gegen
Homophobie und Sexismus in der Reggae/Dancehall/Ragga-Szene geben.
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit 2000 treten auf dem Chiemsee Reggae Summer fast jährlich homophobe Musiker auf.
2008 und 2000 Beeny Man („I..m dreaming of a new Jamaica, come to execute all the gays“) ,
2007 Capleton ("Fire bun batty bwoy!" "Das Feuer möge den Schwulen verbrennen!") ,
2000 und 2004 Buju Banton, der im Juli 2004 auf Jamaika an einem schwulenfeindlichen Übergriff
persönlich beteiligt war.
2008 sollte Sizzla, der ebenfalls in seinen Liedern zur Ermordung von Homosexuellen aufruft, auftreten. Der
Auftritt wurde aber wegen eines Einreiseverbotes in die EU abgesagt. Dazu schrieben die Veranstalter_innen
auf der offiziellen Homepage des Chiemsee Reggae Summer: "Auf Druck
des Lesben- und Schwulenverbands Deutschlands (LSVD) und des
Bundestagsabgeordneten der Grünen, Volker Beck, wurde Sizzla (Miguel
Collins) vom Bundesinnenministerium in das sogenannte Schengen
Informations-Sytem(SIS) eingetragen. Dies macht ihm derzeit die
Einreise in den Schengenraum, zu dem auch Deutschland
gehört, trotz gültigem Visums, unmöglich". Sizzla werde aber gegen
diese Eintragung juristisch vorgehen. Allerdings glaubten die Chiemsee-
Veranstalter nicht, dass das bis zum Festivalbeginn "geregelt" sei.
Warum der LSVD interveniert hatte, interessierte die Veranstalter_innen
offenbar nicht. Auf der offiziellen Myspaceseite des CRS ist Sizzla
nach
wie vor verlinkt.
Dieses Jahr (2009) haben die Veranstalter_innen wieder den Auftritt
von homophoben Künstlern angekündigt. Am Samstag den 15.08.09 sollen
T.O.K. auftreten, welche in Vergangenheit durch die Produktion und
Performance von extrem schwulen- / lesbenfeindlichen Songs – allen
voran die 2001 für den Wahlkampf der jamaikanischen Partei JLP
eingesungene Wahlkampfhymne und Dancehall-Dauerhit „Chi Chi Man“ –
aufgefallen sind.
Auszüge und sinngemäße Übersetzung des Songtextes „Chi Chi Man“ von T.O.K. (2001)
„[...]Rat tat tat every chi chi man dem haffi get flat
Get flat, mi and my niggas ago mek a pack
Chi chi man fi dead and dat..s a fact[...]“
„[...]Rat tat tat (Maschinengewehrgeräusch) jeder Schwule sollte flach (tot) auf dem Boden liegen,
meine Nigger und ich werden dafür schon sorgen
Schwule müssen sterben – das ist Fakt[...]“
Chorus:
From dem a par inna chi chi man car
Blaze di fire mek we bun dem!!!! (Bun dem!!!!)
From dem a drink inna chi chi man bar
Blaze di fire mek we dun dem!!!! (Dun dem!!!!)
Sollten sie zusammen in einem Schwulen-Auto sitzen,
Entfesselt das Feuer, lasst sie uns verbrennen! (verbrennt sie!)
Sollten sie zusammen in einer Schwulen Bar trinken
Entfesselt das Feuer – lasst sie uns fertig machen! (fertig machen!)
Desweiteren kommt es auf dem Chiemsee Reggae Summer fast jährlich zu Vergewaltigungen und sexuellen
Übergriffen. Zuletzt im Jahr 2008 (1).
Vergewaltigungen sind aber nur die Spitze des Eisbergs ungezählter
Fälle sexueller Belästigung, entwertender "Witze", demütigender und
obszöner Darstellungen, abschätziger Blicke, unerwünschter Berührungen
und Annäherungsversuchen. Dass dies auf dem Chiemsee Reggae Summer
alltägliches Rahmenprogramm ist, dürfte den Veranstalter_innen ja kaum
entgangen sein. Sie tragen dabei zwar nicht die Verantwortung für
genannte Vergewaltigungsfälle - ihr demonstratives Desinteresse und
ihre Praxis, die sich lediglich auf das Abwarten polizeilicher
Ermittlungen beschränkt,verurteilen wir aber aufs Schärfste. Denn das
befördert eine Kultur des Wegschauens und Wegdelegierens. Sexismus ist
aber ein gesellschaftliches Problem. Es bezieht sich nicht nur auf
strafrechtlich relevanter offene Gewaltausbrüche, sondern beginnt weit
in deren Vorfeld! Als Veranstalter_innen müssten sie dieser Situation
nicht tatenlos gegenüberstehen als ob es sich um ein Naturereignis
handle! Ein erster Schritt wäre das öffentlich formulierte
Eingeständnis, dass
es sich hier um ein Problemfeld handelt. Ein zweiter, dass mensch
sich von sexistischen Handlungen distanziert und diese ablehnt. Eine
weitere Maßnahme könnte das Einrichten eines Rückzugsraumes, der nur
Frauen offen steht, sein. Das aber reicht noch nicht aus: Es liegt in
der Verantwortung der Veranstalter_innen ein Konzept zur umfassenden
Information im Vorfeld und für eine qualifizierte Beratung für
Betroffene sexueller Übergriffe zu entwickeln und anzuwenden.
Vergleichbares wurde mit dem Projekt "Sichere Wiesn für Mädchen und
Frauen" beim Münchner Oktoberfest erreicht. Wir fordern die
Veranstalter_innen auf, zu diesem Zweck umgehend Kontakt zu geeigneten
Fachstellen, bspw. dem AMYNA e.V., aufzunehmen!
Wir fordern die Veranstalter_innen deshalb auf:
- Den Auftritt von T.O.K. Abzusagen.
- Zukünftig kein Auftritte von homophoben Künstler_innen mehr zu ermöglichen.
- Eine intensive Auseinandersetzung mit Homophobie im Reggae anzuregen.
- Ein Konzept zur umfassenden Information im Vorfeld und für eine
qualifizierte Unterstützung für Betroffene sexualisierter Gewalt zu
entwickeln.
- Sichere Freiräume für Frauen zu schaffen.
Unterzeichner_innen:
- assoziation autonomer umtriebe dachau
- Antifa nt (Antifa München)
- r|am (Antifajugend München)
- ASAB_M (Antisexistisches Aktionsbündnis München)
- Antifa Innsbruck
- Antifa Miesbach Oberland
- Infogruppe Rosenheim
- Infoladen Salzburg
- Anark TS (Antifaschistischer Arbeitskreis Traunstein)
(1)http://www.welt.de/muenchen/article2348071/Sex-Angriffe-bei-Reggae-Summer.html .
9:41 AM
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