Nach Unesco-Wahl: Farouk Hosni und der Antisemitismus
Von Michael Borgstede
7. Oktober 2009, 04:00 Uhr
Ein Mann stellt sich zur Wahl für ein öffentliches Amt und verliert -
das sollte für Politiker zum Berufsrisiko gehören.Nicht so in Ägypten,
wo Wahlen seit 30 Jahren nur dem Zweck dienen, einem autoritären Regime
den Anschein der Legitimität zu geben.Nach 22 Jahren als Kulturminister
in der Regierung von Präsident Mubarak war Farouk Hosni das Verlieren
vielleicht einfach nicht mehr gewöhnt. Nachdem sich die Wahlkommission
der UN-Kulturorganisation Unesco im fünften Wahlgang für seine
bulgarische Mitbewerberin als neue Direktorin entschieden hatte, machte
er aus seiner Wut jedenfalls keinen Hehl.
Ein Mann stellt sich zur Wahl
für ein öffentliches Amt und verliert - das sollte für Politiker zum
Berufsrisiko gehören. Nicht so in Ägypten, wo Wahlen seit 30 Jahren nur
dem Zweck dienen, einem autoritären Regime den Anschein der Legitimität
zu geben. Nach 22 Jahren als Kulturminister in der Regierung von
Präsident Mubarak war Farouk Hosni das Verlieren vielleicht einfach
nicht mehr gewöhnt. Nachdem sich die Wahlkommission der
UN-Kulturorganisation Unesco im fünften Wahlgang für seine bulgarische
Mitbewerberin als neue Direktorin entschieden hatte, machte er aus
seiner Wut jedenfalls keinen Hehl. "Mein Kampf war kein Kampf gegen
Kandidaten, sondern gegen Nationen", beschwerte er sich in den
ägyptischen Medien. Die Verschwörung gegen ihn sei größer gewesen, als
man es sich vorstellen könne.
Die Zeitung "Al-Masri al-Jom" wusste dann auch ganz genau, wie groß:
Ein französischer Journalist habe von Nahostfachleuten des
französischen Militärs erfahren, dass der israelische Geheimdienst
Mossad hinter der Niederlage Hosnis steckte. Der ägyptische
Außenminister beschuldigte das "internationale Judentum", und Hosni
selbst machte einige "in der Welt einflussreiche Juden" verantwortlich.
In der Tat hatten sich jüdische Persönlichkeiten wie der
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der französische Philosoph
Bernard-Henry Levi gegen Hosnis Wahl ausgesprochen, weil der 2008
angekündigt habe, er wolle alle israelischen Bücher in Ägyptens
Bibliotheken verbrennen lassen. Hosni hat sich später dafür
entschuldigt und darauf hingewiesen, dass die Äußerungen als Reaktion
auf Vorwürfe gefallen waren, er stünde Israel zu freundlich gegenüber.
Unschön, sicher - aber nicht gleich schlimmster Antisemitismus.
Ägyptens
Intellektuelle hielten ihren Kulturminister aus ganz anderen Gründen
für ungeeignet für das Amt bei den UN. Abdel Wahab al-Effendi schrieb
in der Zeitung "al-Quds al-Arabij" noch vor der Wahl: "In einer
Diktatur besteht die Aufgabe des Kulturministers nicht darin, die
Kultur zu schützen, sondern die Kultur zu hemmen und das Regime zu
schützen." Das habe Hosni 22 Jahre lang so effektiv getan, dass kaum
vorstellbar sei, wie nun ein geläuterter Hosni die
Weltkulturorganisation nach westlichen Standards leiten wolle. Der
ägyptische Romancier Esset al-Kamhawi gab sich zudem aus ganz
eigennützigen Gründen über Hosnis Niederlage enttäuscht: "Ich dachte,
sein Sieg sei eine Möglichkeit, ihn loszuwerden, aber anscheinend wird
er nun in das Ministerium zurückkehren."
http://www.welt.de/die-welt/kultur/article4760229/Nach-Unesco-Wahl-Farouk-Hosni-und-der-Antisemitismus.html