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Tobias Seeliger

Tobias Seeliger


Last Updated: 12/30/2009

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Gender: Male
Status: Single
Age: 36
Sign: Capricorn

City: Berlin
State: Berlin
Country: DE
Signup Date: 4/23/2009
April 26, 2009 - Sunday 

Es gibt ja auf Musikfestivals "Diese" und "Jene". Und dann gibt es noch die Gesprenkelten - das sind die Schlimmsten - und es gibt natürlich die Gäste, im Allgemeinen lediglich Besucher genannt oder Konsumenten. Dann gibt es noch die Wichtigen und die g2anz Wichtigen,“ die mit den Pässen um den Hals. Diverse Aufdrucke darauf sagen aus, wer man ist und was, wenn man nun schon wer ist,  was man denn darf. Wie nennt man dieses Plastikkärtchen eigentlich? Die Experten sind sich in dieser Frage nicht so recht einig. Also früher hießen die Dinger mal schlicht und ergreifend Pässe. Im englischen Badge, sprich: Bädsch, was sich aus dem Munde eines Berliner Sicherheitsbeamten auch schon mal so anhören kann: "Zeijense mal iha bädtsche?"

Nun aber fix zurück zu unseren Musikfestivals. Neu und gerade absolut, hyper und obermega im Trend ist der, dem angelsächsischen entlehnte Begriff Laminate, sprich Lemminät. Wie das Ding auch nun immer heißt - egal- jedenfalls gilt das nur und ausschließlich in Verbindung mit einem farbigen Bändchen,  welches entweder zu weit oder zu viel zu eng um das Handgelenk geschlungen wird. Trauen tut diesem Armschmuck eh keiner. Das Ding wird nie und nimmer die erste Nacht, geschweige denn die morgendliche Dusche überstehen.

 

Komisch,  sie tun es aber doch. Ich bin dann immer völlig erstaunt, wie die Klebestreifen, denn nie gelingt es mir diese blöden Teile passgenau übereinander zu heften, mit meiner Körperbehaarung ein inniges Verhältnis eingehen. Das alles ist völlig Nebensächlich, wichtig ist die Farbgebung dieser Bändchen. ...und warum zum Geier, gibt es dafür keine trendige Bezeichnung?  Egal!

Der junge Mann, seltener jedoch die junge Frau, von der Security kann nun, an Hand der möglichen Farbkombination aus baumelnden Plasikkärtchen und der Farbe des Bändchen erkennen, zu welchen Bereichen der  jeweilige Träger Zugang hat. Kompliziert? In der Tat. Und selbst den allerbesten Sicherheitsmenschen unterläuft dabei hier und da schon mal ein Fehler.

Am Eingang: erst einmal nestelt man unter seiner Jacke das Laminate hervor, erwürgt sich dabei mal eben ein bisschen selbst, hält es dem Schrank mit dem bösen Blick hinter der dunklen Sonnenbrille vor die Nase und macht ein Schritt in Richtung Durchgang. Das war ein fataler Fehler. Der  Schrank weicht nicht. Und ehe man sich versieht bremst eine Hand vor Brust das Fortkommen. Stimmt ja. Er hat ja noch nicht das Handgelenk gesehen. Die Hand schnell der angenehmen Wärme der Hosentasche entrissen, den Arm mutig nach vorn gestreckt, der Schrank gibt den Weg frei. Doch was ist das? Der letzte 10-Markschein segelt zur Erde. Verflixt, die Kohle gehört in die andere Tasche. Will der auch mein Fußgelenk  sehen? Ihr wisst schon, die dunkle Sonnenbrille. Diese Frage hat man sich nur zu denken.

 

 

Es gibt aber noch ein weiteres sehr wichtiges Statussymbol. Die Bänder, (Welchen englischen Fachausdruck gibt es dafür eigentlich?) die um den Hals baumeln, an denen die Pässe, Laminates oder Badges befestigt werden. Wichtig sind hierbei folgende Fragen: Von welcher Firma ist es? Ist es ein gekauftes aus dem Trendladen nebenan? Etwa ein schnödes Stück Strippe an dem das Plastekärtchen baumelt? Oder ist es ein seltenes Exemplar, das nur eventgebunden ausgehändigt wird oder wurde? Alles Fragen, die die Welt bewegen.

 

Auch die Träger dieser Dinge könnte grob in unterschiedliche Gruppen, mit folgenden Verhaltensmustern einteilen: Fotografen nun tragen ihre Pässe gut sichtbar. Sie wollen ja wichtig sein. Je mehr Pässe vor dem Bauch hängen - der Passwahnsinn schindet nämlich Eindruck - desto wichtiger ist der Kollege. Als ob bis zu drei Kameras um den Hals nicht ausreichen würden. (Ich kann euch sagen, dass gibt auf Dauer ganz schöne Nackenschmerzen.)

 

Die schreibende Zunft dagegen, versteckt die Pässe recht gern. In der Gesäßtasche oder so..., denn sie arbeiten im Untergrund, am Puls der Zeit, mitten drin eben, und wollen augenscheinlich auf dem gleichen Niveau sein, wie die Gäste, Besucher oder Konsumenten genannt. Wenigstens für kurze Zeit bis es wieder in das VIP-Zelt geht, an die dortige Bar oder für den Fall das Wasser vom Himmel fällt, wenigstens ins Trockene. Solch ein Dingelchen um den Hals hat wahrlich seine Vorteile. Und sie machen sich gut an der Wand - Sammelwut.

 

Für die Jungs auf der Bühne sind die Pässe eher etwas lästiges, einfach nur notwenig, eher hinderlich bei dem heranschleppen von Bühnenequipment. Nicht selten bleibt der, die oder das Badge auch auf der einen oder anderen Box liegen, dem Monitormischpult oder wo auch immer. Dann ist das Geschrei groß. Die Stagehands sind verzweifelt, die Securitys genervt, wenn sie die Jungs mal wieder nicht an ihren Arbeitsplatz lassen wollen und dürfen.

Künstler dagegen befestigen die Pässe gerne an den Gürtellaschen, so dass sie tief hängen, fast auf dem Boden schleifen. Einige haben schon eine wahre Kunst daraus gemacht bei jeden Schritt, den sie im Backstagebereich zurücklegen, die Pässe mit den Knien zu jonglieren. Stehen sie auf der Bühne, sind die Pässe, Badges oder Laminates plötzlich verschwunden. Achja, die Musiker mit deutlich schwarzer, soll meinen gruftiger Herkunft haben die Angewohnheit, die Teile um das Handgelenk zu wickeln. Schön kurz angebunden, gerade recht, zum verstecken in den Ärmeln langer schwarzer Ledermäntel.

 

Weitere Anwedungsgebiete der Pässe: sie eignen sich zum reinigen der Fingernägel, McGyver würde damit Bomben bauen oder wenigstens außer Gefecht setzen, sie machen sich gut als Lesezeichen oder lassen sich ansatzweise als Eiskratzer einsetzen...

 

Mein Nachbar Müller meint dazu:

Ich hab auch einen Pass. Den muss ich aber bald verlängern lassen. Es ist Sommer und ich will nach Mallorca.

 

 

 

ts

 

 

 

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Falk FS-DIGITAL.de

 
Wie wahr, wie wahr! Sehr gut geschrieben! :-)
 
 
Posted by Falk FS-DIGITAL.de on April 28, 2009 - Tuesday - 12:33 PM
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