Es gibt ja auf Musikfestivals
"Diese" und "Jene". Und dann gibt es noch die Gesprenkelten
- das sind die Schlimmsten - und es gibt natürlich die Gäste, im Allgemeinen
lediglich Besucher genannt oder Konsumenten. Dann gibt es noch die Wichtigen
und die g2anz Wichtigen,“ die mit den Pässen um den Hals. Diverse Aufdrucke
darauf sagen aus, wer man ist und was, wenn man nun schon wer ist, was man denn darf. Wie nennt man dieses
Plastikkärtchen eigentlich? Die Experten sind sich in dieser Frage nicht so
recht einig. Also früher hießen die Dinger mal schlicht und ergreifend Pässe.
Im englischen Badge, sprich: Bädsch, was sich aus dem Munde eines Berliner
Sicherheitsbeamten auch schon mal so anhören kann: "Zeijense mal iha
bädtsche?"
Nun aber fix zurück zu
unseren Musikfestivals. Neu und gerade absolut, hyper und obermega im Trend ist
der, dem angelsächsischen entlehnte Begriff Laminate, sprich Lemminät. Wie das
Ding auch nun immer heißt - egal- jedenfalls gilt das nur und ausschließlich in
Verbindung mit einem farbigen Bändchen,
welches entweder zu weit oder zu viel zu eng um das Handgelenk
geschlungen wird. Trauen tut diesem Armschmuck eh keiner. Das Ding wird nie und
nimmer die erste Nacht, geschweige denn die morgendliche Dusche überstehen.
Komisch, sie tun es aber doch. Ich bin dann immer
völlig erstaunt, wie die Klebestreifen, denn nie gelingt es mir diese blöden
Teile passgenau übereinander zu heften, mit meiner Körperbehaarung ein inniges
Verhältnis eingehen. Das alles ist völlig Nebensächlich, wichtig ist die
Farbgebung dieser Bändchen. ...und warum zum Geier, gibt es dafür keine
trendige Bezeichnung? Egal!
Der junge Mann, seltener
jedoch die junge Frau, von der Security kann nun, an Hand der möglichen
Farbkombination aus baumelnden Plasikkärtchen und der Farbe des Bändchen
erkennen, zu welchen Bereichen der
jeweilige Träger Zugang hat. Kompliziert? In der Tat. Und selbst den
allerbesten Sicherheitsmenschen unterläuft dabei hier und da schon mal ein
Fehler.
Am Eingang: erst einmal
nestelt man unter seiner Jacke das Laminate hervor, erwürgt sich dabei mal eben
ein bisschen selbst, hält es dem Schrank mit dem bösen Blick hinter der dunklen
Sonnenbrille vor die Nase und macht ein Schritt in Richtung Durchgang. Das war
ein fataler Fehler. Der Schrank weicht
nicht. Und ehe man sich versieht bremst eine Hand vor Brust das Fortkommen.
Stimmt ja. Er hat ja noch nicht das Handgelenk gesehen. Die Hand schnell der
angenehmen Wärme der Hosentasche entrissen, den Arm mutig nach vorn gestreckt,
der Schrank gibt den Weg frei. Doch was ist das? Der letzte 10-Markschein
segelt zur Erde. Verflixt, die Kohle gehört in die andere Tasche. Will der auch
mein Fußgelenk sehen? Ihr wisst schon,
die dunkle Sonnenbrille. Diese Frage hat man sich nur zu denken.
Es gibt aber noch ein
weiteres sehr wichtiges Statussymbol. Die Bänder, (Welchen englischen
Fachausdruck gibt es dafür eigentlich?) die um den Hals baumeln, an denen die
Pässe, Laminates oder Badges befestigt werden. Wichtig sind hierbei folgende
Fragen: Von welcher Firma ist es? Ist es ein gekauftes aus dem Trendladen
nebenan? Etwa ein schnödes Stück Strippe an dem das Plastekärtchen baumelt?
Oder ist es ein seltenes Exemplar, das nur eventgebunden ausgehändigt wird oder
wurde? Alles Fragen, die die Welt bewegen.
Auch die Träger dieser Dinge
könnte grob in unterschiedliche Gruppen, mit folgenden Verhaltensmustern
einteilen: Fotografen nun tragen ihre Pässe gut sichtbar. Sie wollen ja wichtig
sein. Je mehr Pässe vor dem Bauch hängen - der Passwahnsinn schindet nämlich
Eindruck - desto wichtiger ist der Kollege. Als ob bis zu drei Kameras um den
Hals nicht ausreichen würden. (Ich kann euch sagen, dass gibt auf Dauer ganz
schöne Nackenschmerzen.)
Die schreibende Zunft
dagegen, versteckt die Pässe recht gern. In der Gesäßtasche oder so..., denn
sie arbeiten im Untergrund, am Puls der Zeit, mitten drin eben, und wollen
augenscheinlich auf dem gleichen Niveau sein, wie die Gäste, Besucher oder
Konsumenten genannt. Wenigstens für kurze Zeit bis es wieder in das VIP-Zelt
geht, an die dortige Bar oder für den Fall das Wasser vom Himmel fällt,
wenigstens ins Trockene. Solch ein Dingelchen um den Hals hat wahrlich seine
Vorteile. Und sie machen sich gut an der Wand - Sammelwut.
Für die Jungs auf der Bühne
sind die Pässe eher etwas lästiges, einfach nur notwenig, eher hinderlich bei
dem heranschleppen von Bühnenequipment. Nicht selten bleibt der, die oder das
Badge auch auf der einen oder anderen Box liegen, dem Monitormischpult oder wo
auch immer. Dann ist das Geschrei groß. Die Stagehands sind verzweifelt, die Securitys
genervt, wenn sie die Jungs mal wieder nicht an ihren Arbeitsplatz lassen
wollen und dürfen.
Künstler dagegen befestigen
die Pässe gerne an den Gürtellaschen, so dass sie tief hängen, fast auf dem
Boden schleifen. Einige haben schon eine wahre Kunst daraus gemacht bei jeden
Schritt, den sie im Backstagebereich zurücklegen, die Pässe mit den Knien zu
jonglieren. Stehen sie auf der Bühne, sind die Pässe, Badges oder Laminates
plötzlich verschwunden. Achja, die Musiker mit deutlich schwarzer, soll meinen
gruftiger Herkunft haben die Angewohnheit, die Teile um das Handgelenk zu
wickeln. Schön kurz angebunden, gerade recht, zum verstecken in den Ärmeln
langer schwarzer Ledermäntel.
Weitere Anwedungsgebiete der
Pässe: sie eignen sich zum reinigen der Fingernägel, McGyver würde damit Bomben
bauen oder wenigstens außer Gefecht setzen, sie machen sich gut als Lesezeichen
oder lassen sich ansatzweise als Eiskratzer einsetzen...
Mein Nachbar Müller meint
dazu:
Ich hab auch einen Pass. Den
muss ich aber bald verlängern lassen. Es ist Sommer und ich will nach Mallorca.
ts