"Ihr spielt in Italien?? Wie seid ihr denn da ran gekommen!?" - "Da war
diese italienische Band auf'm Orwohaus-Festival, die haben uns eingeladen..."

Also Tickets gekauft, ins Flugzeug gestiegen und über die Alpen in Richtung Süden. Keine zwei Stunden später hatten wir dann vom grauen Berlin ins sonnige Italien gewechselt. Leider stand niemand mit nem großen "StattMatratzen"-Schild hinter dem Ausgang. Statt dessen mussten wir noch eine viertel Stunde auf unseren verkaterten Abholdienst Gibo warten, welcher uns trotz Kopfschmerzen, wenig Schlaf und des ziemlich chaotischen italienischen Verkehrs heil von Mailand nach Brescia brachte. Erste Anlaufstelle im Stadtteil Botticino war die Bar von Nicolino, bei welchem wir übers Wochenende einquatiert wurden. Es gab ein alkoholisches Begrüßungs-Getränk und ein Begrüßungs-Kickerspiel

wo Nina und ich gleich mal bewiesen haben, dass man nicht zwingend aus der Fußballnation Italien kommen muss um zu gewinnen.
Kurzer Abstecher zum komplett leeren Festival-Gelände, die Bühne und das Rodeo-Kamel begutachtet und ab zu Nicolinos Wohnung, Pasta essen und erstmal ankommen. Anschließend gings sofort mit Sightseeing los, da so ein Wochenende in Italien ja nicht gerade lang ist und man deshalb jede Minute nutzen muss. Also fuhr uns Gibo in die Innenstadt von Brescia, wo wir uns erst ne Stunde auf einer alten Burg rumtrieben und dann vergeblich ein Eiscafé suchten bei dem man auch draußen sitzen konnte.

18 Uhr Soundcheck. Zum ersten mal haben wir über komplett fremdes Equipment gespielt, was nicht gerade einfach ist wenn man so sehr an seine eigene Gitarre gewöhnt ist. Da wir normalerweise nur den Distortion-Channel unserer Verstärker oder aber höchstens ein Distortion-Pedal und das Stimmgerät benutzen, waren Nika und ich mit den überfüllten Effekt-Boards die uns vorgesetzt wurden ein bisschen überfordert. Irgendwann klang aber doch alles so wie wir wollten, nur die Monitore nicht, was uns aber letztendlich auch egal war.
Vom Soundcheck begeistert, kam der Spanferkel-Mann mit ner Runde Bier für uns an und ließ uns als erstes von der Kruste des noch nicht fertigen Spanferkels probieren, wovon natürlich vorallem Jessko und ich begeistert waren, während Nika und Nina angeekelt Abstand wahrten.

Nach und nach füllte sich das Festivalgelände und die vielen hundert Leute verteilten sich auf den überall rumstehenden Bierbänken. Nur wenige standen bei den ersten beiden Bands vor der Bühne, so dass wir nicht viel vom Publikum erwartet hatten. Zu unserer Überraschung standen dann als wir unser Zeug aufbauten doch ca. 10 mal so viele Leute vor der Bühne wie vorher. Wo kamen die denn alle plötzlich her? Damit erledigte sich jedenfalls der gerade auswendig gelernte Satz "Hey gnari, tutti sotto al palco!" - Hey Leute, kommt alle vor die Bühne! Vor der Bühne war schließlich kaum noch Platz. Den Startschuss gab unser neuer eine-Minute-Hit "Mach das Fenster auf". Während unten sofort alle zu toben begannen, lief mit dem Sound auf der Bühne einiges nicht so locker... Nina sprach dann aus was alle dachten: "The sound on stage is very merkwürdig" - na ob das der italienische Tontechniker verstanden hat? Nach zwei irgendwie ignorierten Versuchen, den Bühnensound verbessern zu lassen, erkannten wir die Aussichtslosigkeit unserer Bemühungen. Hey was solls, solange die Leute Spaß haben und davon nichts mitkriegen... Und Spaß hatten sie tatsächlich ohne Ende. Alle tanzten von Beginn bis zum Schluss und einer nach dem anderen sprang zum Stagediving von der Bühne. Später meinte jemand (einer der wenigen Deutschen auf diesem Festival): "Hier geht es eigentlich garnicht um die Musik, es geht nur darum zu trinken und dass jeder einmal von der Bühne gesprungen ist". Bei Nika ist gleich beim ersten Song eine Saite gerissen, was sie aber nicht aus der Ruhe brachte. Ein paar Lieder später, mittlerrweile hat man eigentlich nur noch meine ziemlich laute Gitarre auf den Monitoren gehört und ab und zu auch mal den Bass der plötzlich laut wurde und dann wieder verschwunden war, riss ihr die nächste Saite. Was war los? Normal passiert mir das doch immer!? Gitarre getauscht, weiter gespielt. Während ich so am rumrennen war auf der Bühne, war plötzlich meine Gitarre nicht mehr zu hören. Fehlerquelle gleich gefunden: ich hab das Effektboard auseinander getreten, so dass nun alle Effektgeräte und die Patch-Kabel im Wirrwarr auf meiner Bühnenseite rumlagen. Also schnell aus dem Haufen das eine Gerät gesucht das ich auch benutzt habe, alle Kabel raus, die beiden wichtigen Kabel rein und taddaa: Gitarre wieder laut - sehr zum Erstaunen des Effekt-Board-Besitzers, der schon dabei war auf die Bühne zu klettern um das Chaos zu richten. Also weitergespielt. Letztes Lied, wieder ne Saite gerissen, wieder bei Nika. Dann gings runter von der Bühne, während davor lautstark nach Zugabe gebrüllt wurde, jedenfalls klang es so. Also wieder rauf und noch vier Lieder mit fast nicht mehr vorhandenen Stimmen und schweißüberströmten Körpern.
Es war großartig!!! Trotz der immensen Soundprobleme hatten wir solch einen Spaß auf der Bühne! Und dass es dem Publikum auch unglaublich gefallen hat, durften wir uns bis spät in die Nacht im Minutentakt von jedem einzelnen anhören. So gefeiert zu werden, das könnte öfter mal passieren. Irgendwann haben wir vom Bier zum Rotwein gewechselt und von der Bierbank aufs Rodeokamel, bis wir dann betrunken und müde zu unserem Schlafplatz gefahren wurden.

Am nächsten Morgen wieder Sightseeing - diesmal nach Mailand. Schöne teure Stadt und zu unserem Bedauern konnten wir den Dom nicht besichtigen. Grund: unsere Röcke/Hosen waren zu kurz. Gegen Abend zurück nach Botticino, um unsere Gastgeber, die 4 Axid Butchers noch zu sehen, die an diesem Tag ihre Record Release Party feierten. Wieder war das Publikum von Anfang bis Ende der Show in Bewegung und einer nach dem anderen erklomm die Bühne zum Stagediven. Während Nina und ich mit unserem Bier in der Ecke vor der Bühne standen und das Spektakel bewunderten, kam ein Italiener auf uns zu, nahm mir das Bier aus der hand und wie ich noch dachte er will nur nen Schluck trinken, stellt er es auf den Bühnenrand und hebt mich mit einer zweiten Person über die Leute, welche mich dann gleich in die Mitte der Masse und dann auf die Bühne beförderten, von welcher man mich nicht runterklettern ließ, also musste ich wohl springen. Unpraktisch mit Rock, aber was soll man machen. Wenige Minuten später ereilte Nina das gleiche Schicksal.
Nach dem Konzert gabs Stress weil die Band ein Lied gegen den Papst gespielt hat, das wurde aber nach ein paar Flaschen Rotwein und einem Ritt auf dem Rodeokamel auch erstmal wieder veergessen.

Am nächsten Tag gabs noch einmal lecker Pasta bevor wir uns auch schon auf den Heimweg machen mussten. Völlig kaputt von den anstrengenden Tagen aber traurig dass wir nicht länger bleiben konnten, fuhren wir zum Flughafen. Aber immerhin blieb der Gedanke daran, dass wir wohl sobald unser Album nächstes Jahr im Frühling draußen ist eine ganze Woche mit den 4 Axid Butchers in Italien verbringen werden.
[Text: Safi | Fotos: Nina und Nika - mehr Fotos bei unseren myspace-Bildern]