African Maximalism / Its a Pity that we only Excist in the Future / Nairobi Feb 09
Vor ein paar Stunden bin ich leicht verschnupft von meinem ersten Afrika Trip aus Kenia zurückgekommen.
Obwohl ich nur eine Woche dort war, sind die Eindrücke, die ich zurück nach Berlin nehme, so vielfältig, daß ich
sofort mit dem Schreiben anfange in der Hoffnung alles festhalten zu können.
Vor meiner Reise war mein Bild von Kenia, bzw. vom ganzen Afrikanischen Kontinent sehr schwammig. Geprägt von Fernsehbildern
zwischen Safari, Krieg und Hungersnöten und garniert mit dem Eindruck einiger afrikanischer Bands, die man gerne auf den hiesigen Strassenfesten sieht.
Unsicher war ich mir darum auch sehr, ob Kenia denn nun unbedingt einen Berliner Techno Dj wie mich braucht.
Eine Woche später zurück in Berlin, kann ich darüber nur noch den Kopf schütteln und auch meine nächste Reise nach Kenia ist bereits geplant.
Getroffen hab ich unglaublich herzliche Menschen, Künstler aus den Slums, Musiker, Intellektuelle, Aktivisten der Demokratiebewegung, Journalisten, zwei schwedische Linke, die, wenn sie nicht in Mogadishu aktiv sind wegen der günstigen Miete in einer Hütte in den Slums wohnen und ein Goethe Institut, das mutig und offen Diskurse wagt und Projekte anschiebt, wie ich es von einer offiziellen Stelle nicht für möglich gehalten hätte.
Nairobi, die Hauptstadt Kenias, ist die wichtigste Metropole Ostafrikas. Von den über 3 Mio Einwohnern leben etwa 60 Prozent in Slums.
Zwei der Slumviertel sind Kibera im Südwesten Nairobis, das mit einer Millionen Menschen zu den größten Slums Afrikas zählt und Mathare im Nordosten.
In Mathere hat das Projekt "Slum-TV" seine Basis, daß der Aktionskünstler Alexander Nicolic und der in Nariobi aufgewachsene britische Künstler Sam Hopkins mit einigen Mitstreitern ins Leben gerufen hat. Beide kenne ich aus Europa und so hat sich diese Reise überhaupt ergeben.
Slum TV ist eine unabhängiger Fernsehsender, der übers Internet und öffentliche Screenings in Mathere zu sehen ist. Auch Al-Dschasira zeigte jüngst einen halbstündigen Beitrag. Das Team besteht aus Einwohnern des Viertels, die Beiträge behandeln ua. alltägliche Themen wie Sport und Kultur in Mathere. Es gibt dort zahlreiche Fußballmannschaften und Ligen, Mathare United wurde dieses Jahr sogar kenianischer Meister. Auch der Frauenfußball ist groß.
Am 13.02.09 gab es nun in den Räumen des Goethe Institut Nairobi das Kick Off für "African Maximalism" ein Open Source Movement aus Künstlern und Aktionisten. Zu diesem Event wurde ich als DJ eingeladen.
Eines der wichtigen Themen der Ausstellung behandelte den "Puplic Space" , von der Annahme ausgehend, daß sich im "Öffentlichen Raum" die Gesundheit und Freiheit einer Gesellschaft manifestiert und ablesen läßt.
Neben Slum -TV, das dieses Event auch Live gestreamt hat, waren an diesem Abend zahlreiche ansässige Künstler beteiligt.
So die Künstlergruppe "Masai Mbili", vertreten durch Gomba, Solo7 und Ariff, die sich in ihrer Arbeit mit ihrem Leben in Kibera beschäftigt und stark für Frieden einsetzt. Basis des Vereins ist ein Wellblechhaus in Kibera, das gleichermassen Galerie, Atelier und Treffpunkt ist.
Auch während der gewaltsamen Auschreitungen nach den Wahlen im letzten Jahr sind sie mit Pinsel und Farbe durchs Land gezogen. In der Ausstellung ist dies durch zahlreiche eindrucksvolle Fotos dokumentiert.
Die Mombassaer Hip Hop Gruppe Ukoo Flani, die zur Eröffnung ein Konzert gab, wurde von der "Cultural Video Foundation" einer Gruppe Italienischer Filmemacher mit der Kamera in ihren "Mascani" (frei: Kiez) begleitet. Dabei ist die fantastische Doku "Tuk Tuk Mascani Tour - A short documentary about art and public spaces in the city of Mombasa" herausgekommen.
Blickfang im Ausstellungsraum war ein Matatu (öffentlicher Bus), der in einer waghalsigen Aktion ins Gebäude manövriert wurde. Im inneren des Buses wurden Videos gezeigt, die Warnblinkanlage wiederum diente als Lightshow während meines Auftritts.
Weitere Aktionen zum Thema Öffentlicher Raum unter dem Titel "Psychosafaris" folgten in den nächsten Tagen.
Startpunkt am Samstag war das Occidental Plaza, ein indisches Strassen-Restaurant, das bei Dämmerung im Freien aufgebaut wird. Tagsüber weist nichts auf seine Existenz hin. Weiter gings ins Gipsys, einen Zusammenschluss aus mehreren pubartigen Bars, Treffpunkt für einheimischen Mittelstand aller Hautfarben, Touristen und Prostituierte. Danach zu Steve..s Steakhouse, dort war ich von der Partycrew 6 am eingeladen aufzulegen. Der Kontrast zu meinem Auftritt am Vortag war groß, das Puplikum jung und wohlhabend. Auf der Strasse warteten in einer langen Reihe Autos mit Chauffeur darauf, den Nachwuchs nach durchzechter Nacht wieder zuhause abzuliefern. Spaß gemacht hats trotzdem sehr und spät wars auch.
So konnte ich mich nur mit Mühe zur Sonntags-Psychosafari hochreissen: Fussball im Zentralen Uhuru Park. Arsenal vs. Manu stand auf dem Programm. Stellvertretend ausgeführt von den African Maximalists. Wie auf Bestellung tauchte dann zur zweiten Halbzeit ein vermeintlicher Ordnungshüter auf, der das Weiterspielen untersagte. Eine lange Diskussion folgte, ebenso eine Performance, in der wir mit einem virtuellen Ball weiterspielten und so die Frage aufwarfen, ob Fussball auch ohne Ball noch Fussball ist. Ergebnis des Nachmittags war ein weiterer Diskurs zum Thema Öffentlicher Raum und ein Berliner Dj mit Bänderzerrung.
Zeit also die neue Woche, wenn auch auf Krücken, mit einer richtigen Safari zu beginnen. Sam und ich machten uns mit Zelt und Schlafsack auf zum Nakuru Nationalpark. Dort kann man die wunderschöne Afrikanische Natur erleben, seinen Mut herausforden, indem man neben Löwen und Büffeln zeltet und hat die Möglichkeit sich von Affen, sein Frühstück klauen zu lassen. Diese schrecken nicht einmal davor zurück durchs offene Fenster ins Auto zu springen. Ein Wahnsinns-Erlebnis, das nicht ganz billig ist, wenn man Ausländer ist - Einheimische zahlen nur einen Bruchteil. Misslungen ist unser Versuch, mich mit dem Ausweis von Sams Vater reinzuschleusen. Trotz langer Diskussion glaubte der Wärter nicht, dass ich 65 Jahre alt bin. Als ich dann den vollen Ausländer -Tarif beglichen hatte, nahm er mich zur Seite und eröffnete mir, er hätte an meiner sofort Sonnenbrille gesehen, daß ich kein Kenianer bin.
Zurück in Nairobi konnte ich noch dem vorletzten Programmpunkt der Afrikan Maximalism Woche beiwohnen, bevor es von dort aus zum Flughafen ging. In den Räumen des Goethe Instituts gab es eine Diskussion zum Thema "How public is the public space? What are we, as members of the public, permitted to do in these spaces?". Teilnehmen sollten ein Vertreter des UN-Programms Safer City Habitat, das in Städten wie Nairobi Programme zum Schutz der Bevölkerung entwickelt, um öffentliche Räume wiederzubeleben (Wie in vielen anderen ärmeren Ländern leben die Menschen entweder in Slums oder in Gated Communities, die mit Mauern und Stacheldraht abgeschirmt werden und rund um die Uhr bewacht sind.), ein Vertreter der friedlichen Demokratiebewegung "Partnership for Change", die von Seiten des Staats und der Polizei Verhaftungen und Schikanen ausgesetzt sind, Alex Nicolic stellvertretend für die Kunst und ein Vertreter der Regierung. Die Diskussion war äußerst spannend, einzig der Vertreter des Staates liess sich nicht blicken.
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